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Full text of "Die Ophthalmologie vom naturwissenschaftlichen Standpunkte ausbearb"

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YALE 
MEDICAL LIBRARY 




HISTORICAL 
LIBRARY 



Die 



Ophthalmologie 



naturwissenschaftlichen Standpunkte aus 



bearbeitet 



Dr. Carl Stellwag' von Carion. 



Erster Band. 



Freiburg- im Breisgau. 

Herder 'sehe Verlags handlung. 

1853. 



Motto. Plurima indaganda sunt et docenda, quae ignota; 
subvertenda, quae male tradita; abstergeDda, quae 
immunda et quae falsa, abjicienda erunt: omnia 
vero atque singula debite confirmanda. Haec autem 
praemonuisse sat esto ad submovendum taedia , si 
forte nova atque paradoxa infestent magis , quam 
vera oblectent. 

J. il. van Heluiont. Ortus Medicinae. Edid. 
Amstelodami Elzovir 1652 p. 27. 



Seinen Gönnern 

den 

P. T. Herren 

Professoren der Wiener Hochschule 

Rokitansky, Skoda, Helm, v. Dmnreicher, Hebra, 

den Förderern wissenschaftlicher Bestrebungen, 

widmet dieses Werk 
als Ausdruck 

seiner Dankbarkeit und tiefen Verehrung 



der Verfasser. 



Digitized by the Internet Archive 

in 2012 with funding from 

Open Knowledge Commons and Yale University, Cushing/Whitney Medical Library 



http://www.archive.org/details/dieophthalmologi01stel 



o r r e d e. 



Es gab eine Zeit, in welcher der Mensch sich als einen 
übernatürlichen Geist, als den Urzweck alles Seins betrachten zu 
müssen glaubte. Die gesammte Schöpfung war ihm ein aus die- 
sem Geiste Entstandenes, die wunderbare Verkörperung desselben, 
und alles was ist, nur das Mittel zur Realisirung jenes prästabi- 
lirten Zweckes. Alles Forschen war daher nur darauf hinge- 
richtet, die einzelnen Objekte der Natur in den nothwendig ge- 
dachten Zusammenhang mit jenem Zwecke zu bringen, sie aus 
der prästabilirten Zweckmässigkeit der Natur abzuleiten und dem 
idealen Urzwecke unterzuordnen. Es war die Naturwissenschaft 
in allen ihren Zweigen eine speculative, überall zeigte sich in ihr 
das Jagen nach Phantasiesystemen über den Zusammenhang der 
Erscheinungen, das Streben, die Entstehung, die Schöpfung der 
Welt aus dem Geiste aufzubauen. An diesen, an den Geist, nicht 
an die Natur selbst stellte man die Fragen, um zur Lösung natur- 
historischer Probleme zu gelangen, ja man schloss die Augen 
fest, um ungestört von sinnlichen Eindrücken aus der Fülle der 
Gedanken zu schöpfen, was man suchte und was keine Analyse 
der Erscheinungen, am wenigsten eine genaue und richtige zu 
geben vermochte. 

Glänzende Theorien, die man für praktische Erfahrungen aus- 
gab, waren die Resultate. Nichts blieb j unerklärt, alles wurde 
scheinbar auf seinen letzten Grund zurückgeführt. Doch immer 
nur waren es symbolisirende Worte, Phrasen, welche je nach 
den Dogmen der Schule wechselten und als Erklärung galten, der 
Glaube ersetzte das Wissen. 

Mühsam arbeitete sich in solcher Weise die Naturwissenschaft 
im Schlepptau einer falschen Philosophie fort, häufig stehen blei- 



VI 

t>end oder gar rückschreitend. Grosse Entdeckungen, auf welche 
das Genie einzelner hochbegabten Männer durch vorläufige genaue 
Beobachtung der Erscheinungen und durch darauf basirte Schlüsse 
geführt hatte, oder aber, welche der blinde Zufall dem Menschen 
aufgedrängt hatte, grosse Entdeckungen, sage ich, blieben steril, 
sie standen vereinzelt da, unbeachtet, oft sogar angefeindet und 
ihrem Verkünder Verderben bereitend, falls sie etwa den herr- 
schenden Meinungen zuwiderliefen. Es empörte sich der Stolz 
der Gelehrten dagegen, ihren Geist der Materie unterzuordnen 
oder doch nur diese als Richtschnur für die Thätigkeit des er- 
steren zu erkennen, sofort die blendenden und leicht anzueig- 
nenden Theorien ihrer Schule aufzugeben und aus der schwin- 
tlelnden Höhe ihrer geistigen Anschauung herabzusteigen auf ein 
ganz unkultivirtes Feld, das noch des Spatens harrte und enormer 
Anstrengungen bedurfte, um den Saamen in sich aufzunehmen, 
der erst späten Nachkommen Früchte tragen sollte. 

Es ist noch kaum zwei Jahrhunderte her, dass die Schranken 
durchbrochen sind, welche mit eiserner Festigkeit die Naturwissen- 
schaften darnieder gehalten hatten. Man fing an zu beobachten, 
man erkannte in scheinbar isolirt dastehenden Tbatsachen Glieder 
einer Kette, die in wunderbarer Harmonie an früher schon ge- 
kannte, gleichfalls vereinzelte Fakta sich anschlössen, ihren natür- 
lichen Zusammenhang auf das unzweifelhafteste herausstellten, 
sich gegenseitig ergänzten und in ihrer Verkettung Schlüsse 
erlaubten auf die Bedingungen, unter welchen sie zu Stande 
kommen. 

So waren die Kenntnisse der Natur aus einem verworrenen 
Haufen isolirter Daten durch Sonderung des Heterogenen und 
durch Vereinigung des Gleichartigen allmälig emporgestiegen zur 
Erkenntniss von grösseren und kleineren Gruppen innigst unter 
einander zusammenhängender Erscheinungen, zur Erkenntniss ihrer 
Bindeglieder, der Weg zum Experimente war eröffnet. Man la- 
horirte fortan nicht mehr in den Tag hinein, sondern mit Einsicht 
in die Bedingungen, welche durch den Versuch gesetzt wurden; 
immer mehr und mehr Erscheinungsgruppen verschmolzen, allge- 
meine Naturgesetze wurden entziffert und fruchtbringend ange- 
wandt, es war die Wissenschaft eine reichlich strömende Quelle 
geistigen und leiblichen Wohles geworden. 

Nur ein Zweig der Naturwissenschaften blieb zurück, ich 



vu 

meine die Medizin, sie konnte sich nicht lossagen von den Vor- 
urtheilen vergangener Jahrhunderte, denn das Interesse der Aerzte 
war zu innig mit, denselben verknüpft. Man sah wohl ein, dass 
mühevolle und zeitraubende Untersuchungen nicht wohl mit dem 
Geschäfte zu vereinigen wären und wo ein kühner Geist sieh an- 
schickte, durch sorgsame Prüfungen des Materials einzudringen in 
das geheimn issvolle Dunkel, schreckte er zurück vor dem Beben 
und Wanken des alten, auf Autoritätsglauben ruhenden Gebäudes. 
Erhaltung des Status quo war daher eine Lebensfrage geworden, 
denn was sollte Mohl werden mit dem ärztlichen Stande, mit dem 
Erwerhe, wenn der das Haupt der Aerzte umhüllende Nimbus 
geschwunden war und die Medizin nackt und hloss dastand vor 
den Augen des Publikums? Alle möglichen Mittel wurden ver- 
sucht, immer neue und neue mit um so grösserer Aengstliehkeit 
hervorgesucht, je drohender die Gefahr einer Einflussnahme von 
Seite der riesig fortschreitenden übrigen Zweige der Naturwissen- 
schaften wurde, und als in neuester Zeit das Genie einiger grossen 
Männer die Grundpfeiler der alten Schule geknickt hatte, ent- 
blödeten sich Manche nicht, im Dunklen schleichende Verläum- 
dung und Verdächtigung der neuen Lehre als eines staatsge- 
fährlichen Radicälismus in den Kampf zu führen, um das alte 
Regim ihrer Philosophie, wenigstens so lange sie leben, zu er- 
halten. 

Namentlich in der Ophthalmologie war man der neuen Lehre 
feind, weil gerade die Augenheilkunde durch die letztere auf die 
erbärmlichste Weise biossgestellt wurde. Umsonst hatte Beer's 
grosses Genie die zu lösende Aufgabe erfasst, Beer, obwohl nicht 
ganz sich lossagend von den Vorurtheilen seines Zeitalters, hatte 
als den richtigen Weg der Forschung die Analyse der Erschei- 
nungen an der Leiche erkannt, ein Rokitansky der Ophthalmo- 
logie, vor dem sich noch die Augenärzte später Jahrhunderte 
beugen werden. Man staunte den raschen Aufschwung der Augen- 
heilkunde an, alle Welt war voll des Ruhmes der Wiener Schule. 

Umsonst, Beer war seiner Zeit vorausgeeilt, kurz nach seinem 

Tode war man wieder nahe dorthin gekommen, wo er die Oph- 
thalmologie getroffen hatte, Missbräuche, gegen die er mit Witz 
und donnernden Worten angekämpft hatte, rissen wieder ein, die 
pathologisch -anatomischen Untersuchungen wurden mit wenigen 
ehrenvollen Ausnahmen ganz eingestellt , die Spekulation war 



VIII 

wieder in ihr altes Recht eingetreten, sie war ja die bequemste 
Methode. 

Ich fasse den Faden auf, den Beer's Tod zerrissen hat 
und will ihn fortspinnen , so weit und so gut es mir gelingt, 
mich dabei an die vortrefflichen Arbeiten einzelner der neuesten 
Autoren lehnend, alle Vorurtheile , so weit ich deren bewusst 
werde, bei Seite setzend, und ohne alle Rücksicht auf irgend einen 
Zweck forschend, fest überzeugt, dass in der Medizin, so wie in 
jedem anderen Zweige der Naturwissenschaften kein Heil zu er- 
warten ist, ausser in Untersuchungen, denen jeder vorgedachte 
Zweck fremd ist, dieser trübt die Beobachtung und die Einsicht 
in den Zusammenhang der Erscheinungen. Zwecke lassen sich 
erst verfolgen, wenn eine klare Anschauung des inneren Connexes 
einer Reihe von Thatsachen gegeben ist, denn diese sind die Be- 
dingung des Experimentes, des unmittelbaren und einzig sicheren 
Weges zur Realisirung von Zwecken, jedoch nicht von Zwecken, 
die vor der Untersuchung der Erscheinungen gegeben waren, 
sondern von Zwecken, die aus der richtigen Combination ein- 
zelner, bereits durch die Beobachtung festgestellter Thatsachen 
und aus deren allseitiger und richtiger Beurtheilung sich als er- 
reichbar herausstellen. Der Zweck fliesst mir aus dem erörterten 
Materiale, ich benütze dieses, um jenen und die Bedingungen zu 
erkennen, welche seine Realisirung ermöglichen. 

Von diesem Grundsatze ging ich bei Bearbeitung meines 
Werkes aus, ich suchte ohne mich zu kümmern, was ich finden 
würde, und Mas ich fand, ist in den vorliegenden Blättern dar- 
gestellt. 

Ich habe alles sich mir zur Forschung darbietende Material 
ohne Ausnahme mit gleicher Liebe und gleicher möglichster Ge- 
nauigkeit erörtert, ohne dabei im mindesten darauf zu achten, ob 
derzeit ein Zustand im Auge verbessert oder geheilt werden 
könne oder nicht, wohl eingedenk, dass oft anscheinend ganz 
unbedeutende, vereinzelte Beobachtungen in Verbindung mit spä- 
teren Forschungsresultaten den Keim zu grossen Entdeckungen 
gelegt haben; weiters aber, dass Vereinzelung und scheinbare 
Unfruchtbarkeit einer Thatsache den Grund eben nur in mangel- 
hafter Erkenntniss der Ergänzungsglieder findet, dass solche 
Beobachtungen oft nur des durchdringenden Geistes bedürfen, 
der ihnen ihren Platz anzuweisen fähig ist, indem er, das 



IX 

Falsche berichtigend, sie den allwaltenden Naturgesetzen unter- 
ordnet. 

Die Schwierigkeiten, welche sich meinen Bestrebungen ent- 
gegenstellten, waren gross. Vieles blieb unerklärt, vereinzelt, 
und ich blieb weit zurück hinter der Möglichkeit, Experimente, 
als Grundlagen einer wissenschaftlichen Therapie, schon derzeit 
mit Aussicht auf Erfolg anstellen zu können. 

In Berücksichtigung dessen konnte es auch nicht meine Ab- 
sicht sein, eine Therapie explicite zu schreiben. Ich sage „ex- 
plicite", denn Therapie ist eigentlich eine angewandte Pathologie, 
es verhält sich die erstere zu der letzteren, wie die technische 
Chemie zur Chemie als Naturwissenschaft, es fliesst die Therapie 
unmittelbar aus der Pathologie. Insoferne glaube ich, eine Augen- 
heilkunde zu schreiben, ein Werk, in welchem die Grundprin- 
cipien der oculistischen Therapie zwischen den Zeilen zu lesen 
sind, in welchem allenthalben sich Andeutungen dessen finden, 
worauf die Therapie hinzuwirken hat, wenn auch die Mittel noch 
nicht angegeben werden können, durch welche diese Zwecke zu 
realisiren sind. 

Hätte ein sogenannter Praktiker so viel Materiale untersucht, 
wie ich, so würde er freilich ganz bestimmt ein neues Staar- 
messer oder ein anderes Instrument oder vielleicht gar ein Spe- 
cificum entdeckt haben. Leider fand ich nichts von allem dem, 
in Bezug auf die Praxis sind die Resultate meiner Forschungen 
nichts weniger als glänzend ausgefallen, ich muss mir also ge- 
duldig den Vorwurf machen lassen, als hätten meine Unter- 
suchungen keinen unmittelbaren praktischen Werth, oder klarer 
gesprochen, als Hessen sich damit keine Geschäfte machen. 

Ich lasse dieses sehr gerne gelten, es waren solche Erfin- 
dungen nicht meine Absicht, denn ich sah wohl ein, dass meine 
Kräfte nicht hinreichen, um das Gebäude der Ophthalmologie schon 
jetzt wohnlich und nutzbar zu machen. Erst muss der Boden 
gesäubert und der Grund gegraben werden, ehe sich Stockwerke 
bauen und die Gemächer zweckentsprechend und comfortabel ein- 
richten lassen. So lange man aber das Haus immer vom Dach- 
firste nach unten zu baut und, was vollendet ist, allsogleich in 
den wohnlichsten Zustand zu setzen sich bemüht, wird das Re- 
sultat immer ein nichtiges bleiben, es stürzt das Aufgebaute immer 
wieder unter der Wucht seiner eigenen Last zusammen , die 



Früchte aller aufgewendeten Mühe und Arbeit, so M'ie riesiger 
Geistesanstrengungen fallen zusammen in einen formlosen Haufen 
von Schutt und Trümmern. 

Die Geschichte der Medizin zeigt dieses nur zu deutlich, noch 
heute liegen sich Allopathen und Homöopathen, Hydropathen, 
Semmel-, Hafer- und Wunderdoktoren, 3Iagnetiseurs, schwedische 
Heilgymnastiker und Panaceenverkäufer in den Haaren , jeder 
prahlt mit der Pracht und inneren Einrichtung seines, auf hölzer- 
nen Pfeilern in der Luft schwebenden Baues. Ein schwacher 
Luftstrom wirft ihn nieder, und ein neuer Baumeister fängt vom 
Frischen an, das Dach nach seinem Plane zu construiren, um es wie- 
der bei dem nächsten Anstosse in kleine Theile zerstieben zu sehen. 

Möchte man doch das Beispiel der übrigen Zweige der 
Naturwissenschaften vor Augen halten! „Was ist die Chemie jetzt 
und was war sie, als die Alchemisten Gold machen, den Stein 
der Weises, das Lebenselixir, den Wunderbalsam, Verjüngungs- 
mittel und dergleichen unsinnige Schnurren mehr finden wollten 
und auf das Gerathewohl darauf los kochten, filtrirten, schmolzen 
destillirten und schmirgelten? Was ist die Astronomie jetzt und 
was war sie, als die Astrologen nach den Schicksalen der Men- 
schen in den Sternen lasen. Horoskope stellten. xVspekten heraus- 
spintisirten u. s. w. ?" Wäre jemals die Mathematik zur Lösung 
höherer Gleichungen gekommen, wenn man fortgefahren hätte, 
direkt nach den Wurzeln zu suchen, statt, allen Zweck bei Seite 
schiebend, im rein wissenschaftlichen Interesse den Bau der Glei- 
chungen zu analysiren ? u. s. w. 

Ich wiederhole es, nur in der Analyse der Erscheinungen, 
in der genauen Untersuchung des mit den Sinnen Wahrnehmbaren 
ohne Berücksichtigung eines prästabilirten Zweckes ist der Aus- 
gangspunkt, von dem die Wege zur Erkenntniss einer wahren, 
unerschütterlichen, Segen verbreitenden Therapie führen. ?sur auf 
diesem Wege wurden die Fortschritte in manchen Parthien der 
Chirurgie, der Medizin im gewöhnlichen Wortsinne u. s. w. ge- 
macht und auch die Ophthalmologie kann und wird nur auf dieser 
Bahn vorwärts kommen. Oder steht etwa die Therapie der Augen- 
krankheiten nicht dort, wo sie Beer gelassen? Wo sind wohl die 
wesentlichen Fortschritte in der Behandlungsweise der Augen- 
krankheiten? Man lese die Bücher, selbst neueren Datums, und 
vergleiche sie mit Beer's Schriften ! 



XI 

So enge aber auch die Grenzen unserer Kenntnisse über 
oculistische Therapie geblieben sind , so haben sich doch nur 
Wenige auf dem von jenen umschlossenen Felde zurecht zu fin- 
den gelernt. Es ist vielmehr dahin gekommen, dass die meisten 
Aerzte trotz jahrelangem Studium der Ophthalmologie und einer 
Reihe von darüber abgelegten Prüfungen, unfähig, das Chaos der 
schulgerecht zusammengestutzten Krankheitsbilder und die jedem 
der letzteren aufgepassten Recepte bei sich zu behalten, jeden 
Gedanken an die Ausübung oculistischer Praxis aufgeben: es ist 
so weit gekommen, dass man keinen Augenblick ansteht, sich als 
einen Ignoranten in der Ophthalmologie zu proclamiren, ja dass 
man Nichtswissen in diesem Fache als etwas, was sich von selbst 
versteht und nicht anders sein kann, betrachtet: während man 
etwa sich äussernde Zweifel über umfassende Kenntnisse in der 
3Iedizin. Chirurgie u. s. w. sehr übel aufnähme. 

Ich will damit keinen Stein werfen auf jene, welche eigent- 
lich die Schuld dieser Anomalie tragen und hinderten, dass die 
zur oculistischen Praxis unumgänglich nothwendigen Kenntnisse 
Gemeingut aller Aerzte. wenigstens der fleissigeren , geworden 
sind; ich erwähne des Faktums, obwohl mit Widerstreben, denn 
in ihm liegt der sichere Beweis der Unzulänglichkeit der bisher 
angewandten Lehrmethoden, welche sämmtlich darauf hinzielten, 
die Köpfe der Schüler mit Chablonen zu füllen, welche, auf die 
imaginären Krankheitsbilder passend, diesen nur aufgelegt, und 
mit einem Wässerchen oder einer Salbe etc. bestrichen zu wer- 
den brauchten, um die Krankheit verschwinden zu machen. 

Auf diesem Wege wird nie etwas erreicht, am wenigsten 
aber werden praktische Aerzte, d. h. Aerzte gebildet Meiden, die 
jeden unterlaufenden Fall richtig beurtheilen, indem sie das For- 
melle und Zufällige von dem Wesentlichen und Constanten sichten, 
indem sie weiters den Process in das Auge fassen und nach rich- 
tigen, in allwaltenden Naturgesetzen fussenden Grundsätzen zweck- 
dienlich zu modifichen trachten, statt nach Symptomen zu jagen 
und auf das erste beste loszuschlagen, was ihnen gerade am 
meisten auffällt. Nur auf naturwissenschaftlichen Forschungs- 
wegen ist es möglich, endlich zur Einsicht der Processe zu ge- 
langen und deren Kenntniss ist unerlässlich nothwendig, um mit 
nur einiger Aussicht eine Behandlung einzuleiten; wo man blos 
Symptome berücksichtigt, wird es immer so bleiben, wie es jetzt 



XII 

ist, der Schüler wird nach der Beobachtung von tausend Fällen 
den tausend und ersten wie eine neue vom Himmel geregnete 
Erscheinung betrachten, da eben die Form ungemein wechselt 
und eine Einsicht in den Grund der Symptome und ihres gegen- 
seitigen Zusammenhanges ihm nicht beigebracht wird. 

Das Auge ist nämlich ein dioptrischer Apparat von hoher 
Vollkommenheit, und doch fällt es aus bekannten Gründen selten 
einem Lehrer ein, in seinen stundenlangen Vorträgen über Ge- 
sichtsfehler, Brillen u. s. w. die Grundformeln der Lichtbrechung 
zu erwähnen oder auch nur im Allgemeinen von der Optik Um- 
gang zu nehmen. Freilich kommen dabei häufig Erklärungen 
heraus, bei welchen ein Physiker unfehlbar vom Schlage gerührt 
würde. Der arme Schüler muss das aber in sich aufnehmen, und 
wenn glücklich geleitete Vorstudien einige Zweifel in ihm erregen, 
was will er entgegnen den „Resultaten langjähriger Erfahrungen", 
was will er entgegnen, wenn man ihm seine Vorstudien mitleids- 
voll als theoretische Lappalien aufdisputirt ? Und gerade so macht 
man es auch mit der pathologischen Anatomie. 

So verliert der Schüler den Boden unter seinen Füssen, wie 
ein Rohr im Winde schwankt er hin und her, er schaut etwas 
und sieht es nicht, bis er an seiner Befähigung zur oculistischen 
Praxis ganz verzweifelt, oder, alles Wissen über Bord werfend, 
allein mehr Symptome berücksichtiget. 

Ob es mir gelungen sein wird, den mir vorgesteckten Zweck 
zu realisiren, ich meine, einige Steine hinzuzufügen zu dem von 
Beer begonnenen Werke, und wie weit es mir gelungen ist, das 
muss die Zukunft lehren. Ich sehe mit Beruhigung den Kritiken 
entgegen, denn ich bin fest überzeugt, dass jene, welche eine 
grössere Anzahl kranker Augen in naturwissenschaftlichem Sinne 
untersucht haben , die Fehler meines Werkes milde beurtheilen 
werden, indem sie zur Einsicht der Schwierigkeiten kommen 
müssen, mit welchen ich zu kämpfen hatte und wie schwer es 
insbesondere sei, sich stets vor Täuschung zu bewahren, denn 
r die Phantasie übt gern das Spiel ihrer Schöpfungen an Allem, 
was von den Sinnen nicht vollständig erfasst werden kann, dop- 
pelt angeregt ist sie, wo die Wirklichkeit zu verschwinden droht, 
um aus ihrer Fülle zu schöpfen und den unbestimmten, wechseln- 
den Gestalten Umriss und Dauer zu geben." Ich bin sicher nicht 
frei gewesen von Trugbildern. Vielleicht gelingt es mir später, 



XIII 

sie als solche und ihre wahre Gestalt zu erkennen, sicher wer- 
den sie aber dem kritischen Auge Anderer nicht entgehen kön- 
nen und ich werde mich freuen, sie berichtiget wieder zu finden. 

Es wird mir der gegründete Tadel werden, zu schnell mit 
meinen Forschungsresultaten ans Tageslicht getreten zu sein. Es 
ist ganz richtig dass eine noch mehrere Jahre fortgesetzte Unter- 
suchung manches Irrthümliche in meinen Arbeiten hätte aufdecken 
und die Aufhellung manches Dunkelen hätte ermöglichen können. 
Allein es möge mir Jeder glauben, meine Verhältnisse sind von 
der Art, dass ich entweder jetzt schreiben oder jeden Gedanken 
an die Veröffentlichung der Resultate einer sechsjährigen, unun- 
terbrochenen, sehr mühevollen Arbeit für immer aufgeben musste. 
Ich bin ein Mensch, wie jeder andere, und halte daher die Pro- 
dukte meines Fleisses für werth, dem Verderben entrissen zu 
werden. Auch fehlte es nicht an Aufforderungen von Seite eini- 
ger in der medizinischen Welt hochgestellter Männer, die eine 
umfassendere Arbeit von meiner Hand für zeitgemäss hielten. 
Der Mensch glaubt gerne, was er wünscht und so schrieb ich 
denn, die im raschen Wachsthume begriffene Zahl derer ins Auge 
fassend, die nicht nur curiren, sondern auch Begriffe verbinden 
möchten mit dem, was sie curiren. 

Am wenigsten glaube ich den Vorwurf zu verdienen, als 
verachte ich alles Alte. Wer das Werk liest, wird finden, 
wie gerne ich mich lehne an Wahrheiten, sie mögen einem Zeit- 
alter angehören, welchem sie wollen, ja gewiss habe ich hier 
und da Beobachtungen älteren Datums als richtig angenommen, 
welche sich später als irrig erweisen werden. Ich glaubte, so 
gross bisweilen mein Zweifel war, die Ehrenhaftigkeit und Beob- 
achtungsfähigkeit verdienter Männer ohne Grund nicht in Frage 
stellen zu dürfen. 

Freuen wird es mich über die Maassen, sollte es mir ge- 
lungen sein , etwas Erspriessliches für die Ophthalmologie zu 
leisten und dieses nicht nur im Bewusstsein, mein Schärflein bei- 
getragen zu haben zum allgemeinen Wohle, sondern auch, weil 
ich dann mit Stolz sagen kann, ich hätte mich der kräftigsten 
Unterstützung eines Rokitansky, Skoda, Helm, Dumreicher, Hebra 
und ihres Vertrauens würdig gemacht. 

Unwiderstehlich drängt es mich, diesen Männern, deren Lob 
ich wohl nicht erst zu singen brauche, meinen tief gefühlten Dank 



XIV 

auszusprechen, in Sonderheit Seiner Magnificenz, dem dermaligen 
Rector der Wiener Hochschule, Rokitansky, dem ich die Be- 
nützung des reichlichen 3Iateriales verdanke, welches die Wiener 
Leichenkammer bietet und dem ehemaligen Direktor des allge- 
meinen Krankenhauses, Herrn Professor Helm, unter seinen Fitti- 
gen fand ich jenen Schutz, welcher es mir möglich machte, trotz 
der mannigfaltigsten Anfechtungen durch mehrere Jahre selbst- 
ständige, naturwissenschaftliche Studien über Ophthalmologie an 
Kranken zu treiben. 

Wien im Juni 1853. 



Stell\va§. 



Inhalt des ersten Buches. 



I. Anatomie und Physiologie 

§ 1 - § 22. 

II. Pathologie 

§ 23 — § 590. 

Erste Felilergruppe 

§ 23 - § 67. 

/. Artikel. Abweichungen in Bezug auf Zahl § 24 — §29, Mehrzahl § 25, 
Anophthalmus § 26, 3Ionophtbalmus § 27, Cyclopenauge § 28. 

2. Artikel. Abweichungen in Bezug auf Grösse § 30 — § 47. 

1. Normwidrige Vergrösserung § 31. 

2. Normwidrige Verkleinerung § 32 — § 42. 

a. Mikropbthalmische Hornhaut § 33 — § 36. 

b. Atrophie der Hornhaut § 37 — § 42 , Greisenbogen 

§ 43 - § 47. 

3. Artikel. Abweichungen in Bezug auf Gestalt §48 — § 53. 

1. Abweichungen des Krümmungsradius § 50 — § 51, Myopie. 

Presbyopie § 51. 

2. Abweichungen der Curve § 52 — 53, Astigmatismus § 52. 

4. Artikel. Abweichungen in Bezug auf Consistenz und Elasticität § 54 — §58, 

Atonie § 55 — § 56, Gef'ässlosigkeit der Cornea § 57, vermehrte 
Consistenz § 58. 

5. Artikel. Abweichungen in Bezug auf Durchsichtigkeit und Farbe § 59 — § 65, 

Färbung durch im Kammer wasser gelöste Pigmente § 60 — § 65. 

a. Gallenpigmente § 61. 

b. Hämatin § 62 — § 65. 

6. Artikel. Abweichungen in Bezug auf Verbindung und Lage § 66 — § 67. 

ZAveite Felilergruppe. 

Anomalien des Zusammenhanges 

§68- §146. 

I. Abschnitt. Anomalien in der Cohäsion der chemischen 

Bestandtheile 

§ 69 - § 109. 

A. In Folge der Aufhebung der Lebensbedingnisse 
§ 69 - § 94. 
i. Artikel. Malacie § 69 — § 76. 
1. Forin § 70. 



XVI 

2. Form § 71 — § 75. 

3. Form § 76. 

2. Artikel. Brand § 76 — § 94. 

1. Form § 79 — § 84. 

2. Form § 85 — § 89. 

3. Form § 90. 

4. Form § 91 — § 94. 

B. In Folge chemisch wirkender Agentien 
§ 95 — § 109. 
i. Artikel. Electricität § 97. 

2. Artikel. Wärme § 98 — § 103, Brandblasen § 100, anschlagende Feuer- 

flamme § 103. 

3. Artikel. Chemische Mittel im engeren Wortsinne § 104 — § 109, Höllen- 

stein und Aetzkali § 107. 

II. Abschnitt. CohäsionsanomaMen der organischen Forni- 

bestandtheile 

§ 110 — § 146. 
i. Artikel. Erschütterungen § 111 — § 115. 

2. Artikel. Wunden § 116 — § 146- 

1. Einfache Wunden § 117 — § 135. 

a. Oberflächliche Schnitt- und Stichwunden § 118. 

b. Oberflächliche Lappenwunden § 119 — § 121, Keratec- 

tomie § 121. 

c. Durchdringende Stichwunden § 122. 

d. Durchdringende Schnittwunden § 123, Cornealfistel 

§ 124 — § 127. 

e. Durchdringende Lappenwunden § 128. 

f. Einfache Lochwunden § 129 — § 134, Abtragung der 

Staphylome , Excision eines Cornealleucoms § 134, 
Transplantation der Cornea § 135. 

2. Zusammengesetzte Wunden § 136 — § 140. 

3. Verunreinigte Wunden § 141 — § 146 , Steckenbleibende 

Körper § 143, Incapsulationsprocess § 145. 

Dritte Felllergruppe. 

A b w,e ichungen der Textur 

§ 146 - § 573. 
Der Entziindungsprocess in der Cornea § 151 — § 170. Specifische Oph- 
thalmien § 163 — § 169. 

/. Hauptstück. Die Hornhautentzündung und ihre Produkte 
§ 151 - § 372. 

1. Abschnitt. Das im Zustande ursprünglicher Crudität verharrende Exsudat 

§ 171 _ § 178. 

II. Abschnitt. Organisationsfähige Exsudate 
§ 179 - § 372. 
i. Artikel. Keratitis simplex § 182 — § 189. 

2. Artikel. Keratitis vasculosa $ 190 — § 226. Allgemeines über neopla- 

stische Gefässe § 190 — § 199. 

1. Keratitis vascularis superficialis und Pannus § 201 — § 217. 

2. Keratitis vascul. parenchymatosa et profunda § 218 — § 226. 



xvn 

3. Artikel. Herpes corneae § 227 — § 263, Fischers scrofuloses Gefässbänd- 

chen § 239, Pannus herpeticus § 240, Ophthalmia intermittens § 241, 
Ophthalmia serpiginosa, psorica etc. § 247, Ophthalmia scro- 
fulosa § 248, Keratokele § 255, Ptcrygium § 261. 

4. Artikel. Keratitis ulcerativa § 264 — § 341. 

1. Das eitrig jauchige Exsudat § 268 — § 297, Ophthalmia phle- 

hitica, metastatica § 278, Ophthalmia variolosa, morbillosa, 
scarlatinosa § 281 — § 286, OphthalmoMennorrhoischo 
Geschwüre § 292 — § 293. 

2. Das croupos-faserstoffige Exsudat u. der Tuberkel § 298— § 316, 

Abscess § 303, Onyx § 304, Hohlgeschwür und Geschwürs- 
fistel § 306, Ofi'ene Geschwüre § 308 — § 312. 
3- Das rein eitrige, narbenbildende Exsudat § 317 — § 341, Abscess 
§ 322 — § 323, Oberflächliches Geschwür § 324 — § 327, 
Keratokele § 328, durchbohrendes Geschwür § 329, Regene- 
rationsfähigkeit der Hornhaut § 340. 

5. Artikel. Hornhautcarcinom § 342 — § 362. 

1. Gallertkrebs § 345. ■ 

2. Epidermoidalkrebs § 347 — § 351. 

3. Medullarkrebs und seine Abarten § 352 — § 362. 

6. Artikel. Lupus corneae § 363 — § 372, Lepra anästhetica § 365. 

//. Hauptstück. Die ständigen Entwickelungsformen der Hornhaut- 
exsudate 

§ 373 — § 573. 

Allgemeines § 373 — § 387. Einfluss derselben auf das Sehen, und die Folgen 
der darin begründeten Gesichtsfehler § 378 — § 386. 

I. Abschnitt. Epithelialneubildungen 

§ 388 — § 413. 

Allgemeines § 388 — § 390. 

1. Der eiufache Epithelialfleck § 391 — § 400, Xerosis glabra 

§ 401 — § 407. 

2. Die Epithelialnarbe § 408 — § 410- 

3. Die Epithelialwarze, das Epithelialhorn § 411 — § 413. 

II. Abschnitt. Die bindegewebigen Neoplasien 
§ 414 - § 426. 
Allgemeines § 414 — § 417. Ständiger Pannus crassus § 418, ständiger 
Pannus herpeticus § 419, bindegewebige Narben § 420 — § 421, 
Symblepharon anterius § 421. Nävi § 424, Nävi mit Haar- 
bildung § 425. Auswüchse unbestimmter Textur § 426\ 

III. Abschnitt. Die schollig- faserigen Neubildungen 

§ 427 — § 547. 

Allgemeines § 427 — § 436. 

1. Parenchymatöse faserig schollige Neubildung § 437 — § 444. 

2. Leucom im engeren Wortsinne § 445 — § 453, Pterygium- 

spitze § 449, ständige herpetische Knoten § 451. 

3. Die faserig schollige Narbe § 454 — § 488. 

a. Die faserig schollige Hornhautnarbe im engeren Wort- 
sinne § 455 — § 479. 
a. Einfache Narben § 459 — § 464. 
ß. Mit vorderer Svnechie gepaarte Narben § 465 — 
§ 479. Staphylomartige Narbenknöpfe § 472. 



xvm 



b. Die faserig schollige Narbe nach totalem Verluste der 
Hornhaut § 480 — § 488. 

Anhang. 

Staphylome § 489 — § 547. 
Allgemeines § 489 — § 497. 

1. Hornhautstaphylome § 498 — § 525. 

a. Keratoconus § 500 — § 507. 

b. Durchsichtiges Totalstaphylom § 508 — § 514. 

c. Totalstaphylom der Cornea mit Narbeneinlagerung 

§ 515 — § 520. 

d. Leucomatoses Cornealstaphylom § 521 — § 525. Zur 

Pathogenese des Keratoconus § 225. 

2. Narbenstaphylome § 526 — § 547. 

a. Cornealnarbenstaphylome § 528 — § 542. 

«. Excentrische § 529 — § 535 , grosse , ständige 
Keratokelen § 531 , Staphylome nach grossen, 
durchdringenden Lappenwunden und perforiren- 
den, mondsichelförmigen Geschwüren § 535. 

ß. Centrale § 536 — § 542, Keratoconus mit durch- 
greifender Narbenspitze § 540. 

b. Narbenstaphylome im engeren Wortsinne § 543 — § 547. 

Staphyloma racemosum § 545. 

IV. Abschnitt. Knochenneubildungen 
§ 548 — § 555. 

V. Abschnitt. Nicht organisirte Neubildungen 
§ 556 - § 573. 

1. Reine Verkreidung § 558 — § 564. 

2. Fettig kreidige Neoplasie § 565 — § 573, 1. fettig kreidige 

Narbe § 570, fettig kreidiges Infiltrat § 571, fettig ver- 
kreidete Abscesse § 572, fettig kreidige Einsprengungen in 
faserig schollige Narben § 573. 

Vierte Felllergruppe. 

Anomalien des Inhaltes 

§ 574 — § 590. 

1. Blutextravasate § 575 — § 579. 

2. Eingekeilte, incapsulirte fremde Körper § 580. 

3. Incapsulirte Körper an der Cornealoberfläche § 581 — § 584. 

4. Metallincrustationen § 585 — § 590. 

Anmerkungen. 



Inhalt des zweiten Buches. 



Erstes HauptstUck. 

Die Glas häute im All gern einen 

§ 1 - § 30. 

Anatomie § 1 — § 10; Physiologie § 11 — §21; Unfähigkeit, sich zu ent- 
zünden § 22 — § 23; Atrophie § 25 — § 26; Hypertrophie § 27. 

Zweites Hauptstück. 

Die Descemet'sche Haut 

§ 31 - § 70. 
Anatomie und Physiologie § 31 — § 34. 

Erste Fehlergruppe 
§ 36 - § 48. 

1. Anomalien in Bezug auf Zahl § 36. 

2. Anomalien in Bezug auf Grösse § 37 — § 43. 

a. Abweichungen des Flächeninhaltes § 38 — § 42. 
h. Abweichungen der Dicke § 43. 

3. Anomalien in Bezug auf Durchsichtigkeit u. Farbe § 44 — § 45. 

4. Anomalien in Bezug auf Verbindung und Lage § 46 — § 48. 

Zweite Fehlergruppe. 
Anomalien des Zusammenhanges § 49 — § 56. 

1. Anomalien in der Cohäsion der chemischen Bestandtheile 

§49 - §51. 

2. Anomalien in der Cohäsion der organischen Formelemente 

§ 52 — § 56, Stich- und Schnittwunden § 52, Lochwunden 
§ 53, Risswunden § 54, geschwürige Durchbrüche der 
Cornea und der Descemeti § 55 — § 56. 

Dritte Fehlergruppe 

§ 57 - § 70. 

Hydromeningitis sie dieta § 57 — § 64, Verklebungen der Descemeti mit der 

Iris durch Exsudate § 65 — § 70. 

Drittes HauptstUck. 

Die Kammern und der Humor aqueus. 
Anatomie und Physiologie § 71 — § 81. 

Erste Fehlergruppe 
§ 82 - § 98. 
1. Anomalien der Zahl und Verbindung § 82 — § 90. 



XX 

a. Anomalien der gegenseitigen Verbindung beider Kam- 

mern § 83 — § 85. 

b. Verbindungsanomalien der vorderen Kammer § 86. 

c. Verbindungsanomalien der hinteren Kammer § 87 — § 89. 

d. Totaler Verlust des Kammerraumes § 90. 

2. Anomalien in Bezug auf Grösse und Gestalt § 91 — § 98. 

a. Vergrösserung des Kammerraumes § 92. 

b. Verkleinerung des Kammerraumes § 93 — § 98. 

Zweite Fehlergruppe. 
Anomalien des Kammerinhaltes § 99 — § 136. 

1. Sekretionsanomalien § 100 — § 101. 

2. Produktablagerungen krankhafter Processe § 102 — § 108. 

3. Mechanisch eingedrungene fremde Körper § 109 — § 136. 

a. Relativ fremde Körper §110 — § 122, ßlutextravasate, 

Hypohäma § 113 — § 122. 

b. Entophyten, Entozoen § 123 — § 128. 

c. Absolut fremde Körper § 129 — § 136. 

Viertes Hauptstück. 

Der Kr y stallkörper. 
Anatomie und Physiologie § 137 — § 173. 

Erste Fehlergruppe 

§ 174 - § 217. 

1. Anomalien in Bezug auf Zahl § 174 — § 177. 

2. Anomalien in Bezug auf Grösse § 178 — § 184. 

3. Anomalien in Bezug auf Gestalt § 185 — § 187. 

4. Anomalien in Bezug auf Durchsichtigk. u. Farbe § 188 — § 190- 

5. Anomalien in Bezug auf Lage und Verbindung § 191 — § 217. 

a. Einfache Lageveränderungen § 193 — § 199. 

b. Lageveränderungen als Folge aufgehobener Verbindung 

§ 200 - § 217. 

Zweite Fehlergruppe. 
Anomalien der Textur § 218 — § 468. 

I. Abschnitt. Der Kernstaar 
§ 223 — § 265. 
Grüner Staar § 251, schwarze Cataracten §252. Aetiologie der Cataracta 
überhaupt § 207 — § 247. 

II. Abschnitt. Der weiche Linsenstaar 
§ 266 — § 335. 
Cataracta congenita § 283; Cat. corticalis § 286; Cat. dehiscens § 288; Cat. 
Morgagniana § 290; Cat. lactea seu Phacohydropsia § 291. 

1. Regressive Metamorphosen des Staarmagmas §302 — §327. 

a. Verfettigung § 303 — § 315. 

b. Verkreidung § 316 — § 327. 

2. Progressive Metamorphosen des Staarmagmas § 328 — § 334. 

a. Uebergang in Zellen- und Kernfasern § 329. 

b. Organisation durch Faserspaltung § 330 — § 331. 

c. Verknöcherung § 332 — § 334. 



XXI 



1. Artikel 



Central- 



III. Abschnitt. Secundäre Formen der Linsenstaare 

§ 336 — § 425. 
Die fettig kalkigen Linsenstaare § 337 — § 407. 

1. Die partielle fettig kalkige Cataracta §345 — §369, 

linsenstaare § 348. 

a. Der partielle fettig kalkige Staar der hinteren Linsen- 

oberfläche § 354. 

b. Der partielle fettig kalkige Staar der vorderen Linsen- 

oberfläche § 355 — § 369, Pyramiden- und Central- 
kapselstaar § 360 — § 369. 

2. Die uneigentlichen partiellen fettig kalk. Staare § 370 — § 378. 

Cataracta capsularis punctata §377; Cataracta disseminata 
§ 378; eigenthiimliche Art des Centralkapselstaares § 378. 

3. Die peripheren Cholestearinkalkstaare § 379 — § 389. Chole- 

stearinstaar, Cataracta argentea, Cataracta capsulolenticu- 
laris figurata § 381; Cataracta luxata, tremula, natans 
§ 385. 

4. Der complete Cholestearinkalkstaar § 390 — 
bar totale Verkalkung des Krystallkörpers 

5. Der trockenkülsi^e Staar § 397 - § 407. 



Schein- 



Artikel. 
Artikel. 



4. Artikel 



396. 
§392. 

Häutige Form 
§ 399 — § 403 ; scheibige Form § 404 — § 406. 
Die fibrös kalkigen Staare § 408 — § 412. 
Die fibrös fettigen Staare § 413 — § 417. Cataracta cum bursa 

ichorem continente. 
Die fibrös knochigen Staare § 418 — § 425. 

IV. Abschnitt. Der sogenannte Kapselstaar 
§ 426 — § 468. 

1. Der vordere Kapselstaar § 432 — § 467. Capsulitis § 440 — 

§ 444. Falscbe Staare § 445 — § 467. 

a. Pigmentstaar § 449 — § 456. 

b. Blutstaar § 457 — § 460. 

c. Der reine Lymphstaar Beer's § 461 — § 467. 

2. Der hintere Kapselstaar § 468. 

Dritte Fehlergruppe. 
Anomalien des Zusammenhanges § 469 — § 684. 

I. Abschnitt. Die Anomalien in der Cohäsion der chemischen Bestandteile 

§ 470 — § 473. 
Brand der Linse, Cataracta putrida § 471. 

II. Abschnitt. Die Anomalien in der Cohäsion der organischen Forraelemente 

§ 474 — § 684. 
Erschütterungen § 475 — § 476. Wunden überhaupt § 477 — § 491. 

1. Einfache Verwundungen des Krystallkörpers § 492 — § 555. 

a. Stichwunden § 493 — § 507 , vordere Krystallflocke 

§ 497 — § 499, hintere Krystallflocke § 500 — § 502. 

b. Schnittwunden § 508 — § 555, Mechanismus der Di- 

scissio cataraetae per Keratonyxin § 510 — § 518, 
Mechanismus der Discissio cataraetae per Scleronyxin 
§ 519 — § 525, pathologisch-anatomische Veränderungen 
als Folgen § 526 — § 552, Dilaceratio cataraetae 
§ 553 — § 555. 

2, Verletzungen des Krystallkörpers mit Verschiebung der Theile 

aus der Lichtung des Strahlenkranzes § 556 — § 684. 



XXII 

Erste Categorie § 558 — § 614. 
Dislocation von Krystallkürperstücken in die Kammern § 559 — § 561. 
Dislocation von Krystallkörperstücken in den Glaskörper § 562 — § 614, 

Allgemeines § 5*62 — § 567, Keratonvxis § 568 — § 583, Scleronyxis 

§ 584 - § 614. 

Zweite Categorie § 615 — § 683. 

Allgemeines § 615 — § 627. 

Entleerung des Krystallkörpers oder einzelner Theile desselben durch Scleral- 

wunden § 628 — § 632, Extractio cataractae p. sclerotomiam § 629 — § 632. 

Entleerung des Krystallkörpers oder einzelner Theile desselben durch Cor- 

nealwunden § 633 — § 683, Ausziehung des Staares durch Cornealstich- 

wunden § 633 — § 638, Verhalten des Krystallkörpers bei lochförmigen 

Cornealdurchbrüchen § 639 — § 652, Extra ctibn des Staares durch den 

Corneallappenschnitt § 653 — § 683, Regeneratio lentis § 681 — § 683. 

Dritte Categorie § 684. 
Vierte Fehlergruppe. 

Anomalien des Inhaltes der Kapselhöhle § 685 — § 695. 

1. Blutextravasate § 686 — § 692, Cataracta nigra vera § 690 — § 692. 

2. Entozoen § 693. 

3. Fremde Körper § 694 — § 695, Trichiasis lentis § 695. 

Fünftes Mauptstück. 

Das Strahlenblättchen und der Petit'sche Canal. 

Anatomie und Physiologie § 696 — § 705. 

Pathologie § 706 — §720. Anomalien der Zahl §707, Anomalien der Grösse 

§ 70d, Anomalien der Durchsichtigkeit und Farbe § 709, Anomalien der 

Verbindung § 710 — § 711, Anomalien des Zusammenhanges § 712 — § 714, 

Anomalien der Textur § 715 — § 719, Anomalien des Inhaltes § 719 — § 720, 

Sechstes Hauptstück. 

Der Glaskörper 

§ 721 - § 821. 
Anatomie und Physiologie. 

Erste Fehtergruppe 

§ 734 - § 750. 

1. Anomalien in Bezug auf Zahl § 734, Cyclopischer Glaskörper. 

2. Anomalien in Bezug auf Grösse § 735 — § 740, Hydrophthalmus po- 

sticus § 736 — § 738, Vergrösserung nach Entfernung des Krystall- 
körpers § 738. 

3. Anomalien in Bezug auf Gestalt § 741 — § 744 , Vorbauchung nach 

Staaroperatiouen §742, Coloboma corporis vitrei §743, Fonnab- 
weichung durch Compression § 744. 

4. Anomalien in Bezug auf Durchsichtigkeit und Farbe § 745 — § 747. 

5. Anomalien in Bezug auf Verbindung und Lage § 748 — § 750. 

Zweite Fehlergruppe. 

Anomalien des Zusammenhanges § 751 — § 777. 
1. Anomalien in der Cohäsiou der organischen Formbestandtheile 
§ 751 - § 766. 

a. Erschütterungen. 

b. Stich- und Schnittwunden § 752 — § 753. 



xxiir 

c. Risswunden § 754 — § 757. 

d. Der Glaskörpervorfall § 758 — § 766. 

2. Anomalien in der Cohäsion der chemischen Bestandteile § 767 — § 770. 

a. Synchyse des Glaskörpers § 767 — § 775. 

b. Brand des Glaskörpers § 776. 

c. Wirkung electrischer Ströme § 777. 

Dritte Fehlergruppe. 
Anomalien der Textur § 778 — § 803. Hyaloiditis § 780. 

a. Blut- und Gefässneubildungen im Glaskörper § 782. 

b. Fibrinalbuminöse Produkte im übrigens normalen Glaskörper 

§ 783 — § 702, Cataracta hyaloidea §784, Fixation depri- 
mirter Staare durch lymphat. Fäden § 786. 

c. Die Metamorphose des Glaskörpers durch Faserspaltung 

§ 793 - § 803. 

Vierte Fehlergruppe. 

Anomalien des Inhaltes § 804 — §821. 

1. Blutextravasate im Glaskörper § 800 — § 809. 

a. Injection des Cioquetschen Canales § 806 — § 808. 

b. Blutextravasate im Glaskörpergefüge § 809. 

2. Dislocirte Theile des Krystallkörpers im Corpus vitreum § 810 — §820, 

Synchysis scintillans § 811 — §820. 

3. Entozoen im Glaskörper § 821. 

Anmerkungen. 



Erstes Buch. 

Die II o r n li a u t. 



Anatomie und Physiologie. 



§ 1. Die Hornhaut stellt einen wasserhellen, durchsichtigen, farblosen, 
äusserst zähen, wenig dehnbaren, doch elastisch biegsamen, convex concaven 
Meniscus vor, welcher dem Rotationselipsoide der Sclera nach vornen aufsitzt, und 
an der äusseren Oberfläche des Augapfels durch eine einspringende Furche, 
an der .Innenfläche der Augapfelschale durch eine vorspringende Kante von 
der weissen Augenhaut abgegrenzt wird, ein Verhältniss, welches in der Krüm- 
mungsdifTerenz beider Organe begründet ist. 

§ 2. Die beiden Oberflächen der Cornea gehören Rotationskörpern an. 
Es sind die bezüglichen Curven noch nicht hinlänglich bekannt, nur so viel 
weiss man, dass die Vorderfläche das Scheitelsegment eines, durch Umdrehung 
um die kürzere Achse entstandenen Rotationselipsoides, die Hinterfläche das 
Scheitelsegment eines Revolutionsparaboloides vorstelle. Die Mittelpunkte der 
beiden Krümmungen fallen übereinander, doch nicht über das mathematische 
Centrum eines, durch den Ursprung der Cornea gelegten Kreises, ihre Lage 
weicht nach unten und innen um einige Grade ab. Nur die rings um dieses 
Centrum gelegenen Theile der Cornealflächen sind regelmässig gekrümmt, die 
Curve wird eine um so unregelmässigere, je mehr die bezüglichen Abscissen 
1"' übersteigen. Ueberdiess variiren die, bestimmten Abscissen zugehörigen 
Ordinaten noch sehr bedeutend nach den Individuen, ohne dass sich für diese Ver- 
schiedenheit bisher ein bestimmtes Gesetz aufstellen liess, die Achsen des Corneal- 
elipsoides und der Parameter des Centraltheiles der hintern Fläche sind indi- 
viduell verschiedene i . 

§ 3. Aus der Differenz der Krümmung beider Oberflächen resultirt als 
notwendige Folge eine Verschiedenheit in der Dicke der verschiedenen Theile 
der Cornea, diese ist nach Krause im Centrum um 0'" . 1 dünner, als an der 
Peripherie, wo sie 0'".5 misst. 

§ 4. Der Brechungsexponent der Hornhautsubstanz ist bisher nur 
bis auf 2 Decimalstellen von Chossat berechnet und in Bezug auf luftleeren 
Raum 1.33 gefunden worden, was zur Erörterung der Brechungsverhältnisse 
in der Hornhaut durchaus nicht zureicht. Wichtige Gründe, namentlich aber 
die geringe Helligkeit des von der hinteren Cornealfläche erzeugten Spiegel- 
bildes machen es gewiss, dass derselbe von dem Brechungsindex des Kammer- 
wassers nur sehr wenig differire, also zwischen 1.336 und 1.3399 falle. Ich 
lege meinen Berechnungen bis auf Weiteres den Index = 1.339 zu Grunde. 

§ 5. Es muss aber um so mehr ein individuelles Schwanken dieses Wer- 
thes angenommen werden, als auch die Dichtigkeit der Hornhaut mannig- 

Stellwag, Ophthalmologie. I. 1 



2 Epithel, Limbus conjunotiv. 

faltig wechselt. Die Substanz derselben wird bald saftreicher, schwellend, bald 
mehr trocken, compact, gefunden, ja nicht einmal an allen Punkten der Cornea 
ist das Gefüge derselben ein gleich dichtes, im Gegentheil im Centrum ist es 
gewöhnlich am dichtesten, saftärmsten, während der peripherische Theil deutlich 
drei verschieden dichte Schichten erkennen lässt, deren mittlere durch grösseren 
Gehalt an Flüssigkeit derart von den beiden oberflächlichen Lagen differirt, dass 
man am Cadaver leicht die beiden letzteren auf einander verschieben kann. 
Besonders bei jungen Leuten und Kindern ist dieses Verhältniss deutlich, bei 
älteren Personen nimmt, die Succulenz der Cornea und mit ihr die Verschiebbar- 
keit der einzelnen Lagen ab. 

§ 6. Die Hornhaut lässt deutlich zwei, ihrer Struktur nach verschiedene 
Schichten unterscheiden, deren erste, äussere, aus gekernten Zellen besteht, 
das Epithel, die zweite aber, die eigentliche Substanz der Cornea, blättrig- 
faseriger Struktur ist 2 . 

§ 7. Das Epithel ist, wie allerorts, geschichtet, und die einzelnen 
Schichten zeigen je nach ihrem Alter die sie constituirenden Formgebilde in 
einem von innen nach aussen zunehmenden Grade der Entwicklung. Die 
vordersten Schichten der Oberhaut bestehen aus ganz platten, meist sechs- 
eckigen Zellen, deren längster Durchmesser 0"'.014 bis /// .028, der 
kürzere Ü'".(J09 bis O^.OIS Wien. Maass misst. Diese Zellen werden 
beständig abgeschürft und mit der braunen Feuchtigkeit aus der Augenhöhle 
entfernt. Ihre Umrisse sind scharf, halb dunkel, der Inhalt wasserhell, er 
führt in älteren, zum Abstossen reifen Zellen mitunter auch einige wenige 
sehr kleine, halbdunkle Körnchen, und birgt in der Regel einen sehr deut- 
lichen ovalen Kern von ()'".0i)3 — iy.OQo Durchmesser, der fast stets 
excentrisch gelagert ist, und sich durch die grössere Dunkelheit seiner 
Contour, den mehr molekulirten Inhalt und einzelne Kernkörperchen sehr 
leicht als solchen erkennen lässt. Je tiefer man in den Schichten vor- 
dringt, desto mehr nehmen die Zellen an Umfang ab, sie werden polyedrisch, 
ihre Gestalten ganz unregelmässig, sehr häufig keulenförmig gestreckt, ein- 
seitig zugespitzt, ähnlich Cylinderepithelzellen, die Umrisse blasser, der In- 
halt ganz wasserhell, der Kern deutlich abgegrenzt, doch blasser contourirt, 
dessen Inhalt lichter, trübe ohne Kernkörperchen. Die einzelnen Zellen 
berühren sich noch fast, die Intercellularsubstanz ist sehr geringe. In den 
tiefsten Lagen des Epithels findet man aber die Intercellularsubstanz über- 
wiegend, sie formirt ein schmierigweiches, strukturloses, durchsichtiges Plasma, 
in welchem Zellen eingelagert, sind, deren Zellenräume aber so enge sind, dass 
sie mit blossen Kernen verwechselt werden könnten, wenn nicht die doppelte 
Contour ihre Diagnose sicherte. 

Der Zelleninhalt, sowie die Intercellularsubstanz gerinnen unter Behand- 
lung mit heissem Wasser, und werden sodann gekochtem Eiweisse ähnlich. Da- 
durch unterscheidet sich das Cornealepithel von der Oberhautschichte der 
Conjunctiva. 

§ 8. Am Rande der Cornea geht das Epithel derselben in jenes des 
Bindehautsaumes, des Limbus conjunctivalis über, einer aus Binde- 
gewebsfasern constituirten, mit Gefässen reichlich versehenen Fortsetzung der 
Conjunctiva, welche den Rand der Sclera übergreift und in einer falzartigen 



Struktur der Cornealsubstanz. 3 

Rinnt; der CorneäJperipherie aufgenommen wird. Nach oben und unten hat 
dieser Saum eine Breite von 0'".75, an beiden Seitentheilen des Corneal- 
randes aber nur von O y ".2ö — (V".5. Die ihn durchziehenden Gefässe 
liegen einander parallel und verlaufen in centripefaler Richtimg, am centralen 
Rande des Saumes biegen sie schlingenförmig um, ohne in das Parenchym der 
Cornea einzutreten. 

§9. Die eigentliche Substanz der Hornhaut besieht aus einer 
Unzahl Blätter von 0'".0013 — 0'".0022 Dicke, welche gleich concentrischen 
Schalen übereinander liegen und ihrem Baue und den physicalischen Eigen- 
schaften nach sich vollkommen gleichen. 

Sie werden zusammengesetzt aus ungemein feinen, äusserst durchsichtigen 
Fasern, welche in jedem Blatte parallel, in verschiedenen Blättern aber nach 
verschiedenen Richtungen ziehen. Der Verlauf der Fasern ist ein lockig 
welliger, schön geschlängelter. Die Excursionen gehen nicht in Einer Ebene 
vor sich, sie gleichen mehr Segmenten einer Spirale. Dieser geschlängelte 
Verlauf der unter sich parallelen Fasern gibt den einzelnen Blättern unter dem 
Mikroskope bei günstiger Beleuchtung das Ansehen einer sehr schönen Quer- 
streifung, welche bei Veränderungen in der Stellung der Blende oder des 
Spiegels die Lage wechselt, indem bald die Wellenthäler, bald die Wellenberge 
in schattigen Querlinien erscheinen. Die Fasern der Cornealblätter isoliren sich 
an den häufig bandförmig zerschlitzten Rändern der mikroskopischen Präparate 
niemals, sie treten niemals fransenförmig hervor. Sie werden durch eine sulz- 
ähnliche, strukturlose, ganz hyaline, stark hygroscopische Masse zusammen- 
gehalten, welche auch die Interlamellarräume der Hornhaut erfüllt. 

Diese Grundmasse der Hornhaut ist es, welche durch ihre Begierde, 
Flüssigkeifen in sich aufzunehmen, die Anschwellung der Cornea, wenn sie in 
Flüssigkeiten gelegt wird, bedingt. Sie verursacht durch die stetige Anziehung 
des Kammerwassers die der Cornea eigenthümliche Succulenz, welche so gross 
ist, dass frische Hornhäute unter massigem Drucke die enthaltenen Feuchtig- 
tigkeiten in Gestalt feiner Tröpfchen auf die Oberfläche entleeren. Sie bedingt 
die optische Gleichartigkeit und sofort die grosse Durchsichtigkeit des Corneal- 
parenchyms, indem sie alle Zwischenräume der Fasern erfüllt und mit denselben 
in Bezug auf den Brechungsexponenten fast vollkommen übereinkömmt. Sie 
bedingt auch die Resistenz der Cornea auf ähnliche Weise, wie Wasser Stricke 
und Tücher etc. steif macht. Daher wird die Hornhaut trüb und schlaff, wenn 
die Succulenz derselben durch Verdunstung oder durch Auspressung der ent- 
haltenen Feuchtigkeiten vermindert worden ist. 

§ 10. Doch reichen die Cornealblätter nicht bis an den Rand der vor- 
deren Scleralöffnung, es ist zwischen beiden eine Lage zäher, fester, durch- 
sichtiger, ganz homogener, vollkommen strukturloser Substanz eingeschaltet, 
welche sich mit dem freien Auge von der blätterigen Hornhaut durchaus nicht 
unterscheiden lässt. Diese Intercalarsubstanz bildet einen Saum von der 
Dicke der Cornea und einer Breite von 0'".25 — 0'".5. Er ist an kranken 
Hornhäuten besonders deutlich sichtbar, da er jeder Organisation entbehrend, und 
auf der tiefsten Stufe animalischer Bildungsfähigkeit stehend, an pathologischen 
Processen der blätterigen Hornhautsubstanz niemals Antheil nimmt, und sofort 
die Krankheitsheerde nach aussen scharf begrenzt. 

1. 



4 Verbindung mit der Sclera, Nerven. 

In dieser strukturlosen Randsubstanz der Hornhaut verlieren sich einer- 
seits ohne nachweisbare Grenze die Cornealblätter, deren Peripherie ver- 
schwimmt mit der homogenen Intercalarmasse ; anderseits treten die Scleral- 
fasern unter verschiedenen Winkeln ein und gehen hier unter, der Scleralrand 
zerfährt pinselförmig in eine Unzahl von Fasern, welche in der strukturlosen 
Randsubstanz der Cornea spurlos untergehen, ohne dass sich über deren En- 
digung etwas Bestimmtes beibringen Hesse. 

Es ist dieser eingeschaltete Saum strukturloser Cornealsubstanz ein Ueber- 
bleibsel aus der Fötalperiode, der letzte Rest der ursprünglich gleichartigen 
homogenen Grundlage der durchsichtigen und weissen Augenhaut. Beider 
Struktur entwickelt sich durch Differenzierung der Formgebilde aus dieser 
Grundmasse, an der Grenze beider aber bleibt ein kleiner Theil auf embryo- 
naler Entwicklungsstufe stehen. Es ist dieses unsere Intercalarsubstanz. 

§ 11. Der Einfügung des Scleralrandes in die strukturlose Randsubstanz 
der Hornhaut entsprechend, erscheintauch die absolute Grenze der Cornea 
niemals scharf abgeschnitten, die Sclera verwäscht sich gleichsam durch eine 
leichte wolkige Trübung in die durchsichtige Cornealperipherie. Für die äussere 
Form dieser trüben Grenzfläche lässt sich keine bestimmte Regel aufstellen. 
Gewöhnlich schiebt sich der Scleralrand über den Rand der Cornealfläche 
hinüber und ahmt so die Verbindung des Schuppentheils des Schläfenbeines 
mit dem Scheitelwandbeine nach. In seltenen Fällen wird aber der Corneal- 
rand von dem, in zwei Leisten zerfahrenen Scleralrande gleich einem Uhr- 
glase in seinem Falze aufgenommen. 

Constant reicht der Scleralrand aber an der Vorderfläche etwas über die 
Peripherie der Cornealvorderfläche, die letztere wird von dem ersteren etwas 
überdeckt und erscheint demnach trüb. Am oberen und unteren Rande ist 
diese überragende Scleralleiste eine breitere, als an den Seitentheilen, daher 
denn auch die vordere Fläche der Cornea eine quereliptische Gestalt bekömmt, 
Während die hintere Fläche stets einen kreisförmigen Umfang bewahrt. 

Der senkrechte Durchmesser der Cornealvorderfläche erreicht dess- 
wegen nach Krause's Messungen 5 nur 4 //y .2 — l'" . 8, während der quere 
4'". 66 — b'" . 25 beträgt, der Durchmesser der hinteren Fläche aber bis zu 
5'" und 5'". 2 hinaufsteigt. 

§ 12. Die Cornealsubstanz löst sich durch Kochen in Chondrin auf und 
wird daher von J. Müller 6 unter die Faserknorpel gestellt, jedoch als eine 
eigentümliche Speeres aufgefasst. 

§ 13. Die Hornhaut birgt in ihrem Gefüge marklose, blasse Nerven- 
fasern, welche llieils dem obersten Halsganglion des sympathischen Nerven, 
iheils dem Ganglion ciliare und Ramus nasociliaris trigemini ensprossen, als 
Nervi ciliares zwischen Choroidca und Sclera zu dem Ciliarmuskel ziehen und 
dort erst von ihren Begleitern sich trennend, neuerdings in die Sclera eintreten, 
um, in 12 — 18 Stämmchen vereiniget, durch den Scleralfalz und die struktur- 
lose Randsubstanz der Hornhaut in die Interlamellarräume der Cornea zu ge- 
langen, wo sie sich gablich spalten, in immer feinere Zweige theilen und so 
ein unregelmässiges, weitmaschiges Netz mit vorwaltender centripetaler Richtung 
der Hauptstämme und ungemein feinen Anastomosen bilden 7 . 



Ernährung, Sensibilität, dioptrische Verhältnisse. 5 

§ 14. Ge fasse existiren in der Cornea keine, wenigstens nicht bei 
dem geborenen Menschen, weder lymphatische, noch seröse, am wenigsten 
blulhällige. Es ist dieses eine nothwendige Bedingung zur optischen Gleich- 
artigkeit der Hornhautsubslanz 8 . 

§ 15. Die Ernährung der Hornhaut findet ihre Quelle in der stetigen 
Durchtränkung mit dem Humor aqueus, welcher nach BischofF eine dem Eiweisse 
ähnliche Proteinverbindung mit der Fähigkeit, in Fibrin überzugehen, Virchows 
Fibrinogen, enthält, Diese Flüssigkeit erfüllt die Cornealsubstanz und das Horn- 
hautepithel in allen ihren Räumen. Die Kraft der strukturlosen gelatinösen 
Grundsubstanz der Hornhaut, Flüssigkeiten anzuziehen, ist der Hebel dieser 
Säftebewegung, die der Cornea eigenthümlichen Zweige des sympathischen 
Nerven sind die Regulatoren derselben, daher Unterbrechung der Leitungs- 
fähigkeit dieser Nerven Absterbung der Hornhaut, Erweichung nach sich zieht. 

Es findet dieser Ernährungsprocess seine Analogien in der Linse, dem 
Glaskörper, sowie in der Nutrition der niedersten Thierkreise, in welchen keine 
Gefässe den Körper durchziehen. Er ist von dem Ernährungsprocesse gefäss- 
haltiger Organe nur durch die Distanz verschieden, auf welche das sich stets 
erneuernde Blut den Stoffumtausch zu vermitteln gezwungen ist 9 . 

§ IG. Die Sensibilität der Hornhaut ist eine äussert geringe, was 
eines theils von der verhältnissmässigen Armuth an sensitiven Nerven, andern- 
theils aber von deren geringerer centripetaler Leitungsfähigkeit herrühren mag. 
In Bezug auf Empfindlichkeit steht die Cornea auf Einer Stufe mit den fibrösen 
Gebilden, Knorpeln und Knochen, welche im normalen Zustande fast un- 
empfindlich, in Krankheiten zu dem höchsten Grade von Schmerzhaftigkeit auf- 
geweckt werden können. 

§ 17. Die Cornea hat nicht nur als Schutzorgan der tieferen Ge- 
bilde des Augapfels, sondern auch als ein Glied des dioptrischen Ap- 
parates zu dienen. Als solche muss sie mit der hinlänglichen Festigkeit aus- 
gerüstet sein, um dem, stetig auf ihre Hinterwand mit bedeutender Gewalt 
drückenden Augapfelinhalte die nöthige Resistenz entgegensetzen, anderseits 
aber auch von aussen auf sie wirkenden mechanischen Einflüssen mit Nach- 
druck die Stirne bieten zu können, und so ihre lichtbrechenden Flächen in den 
zweckdienlichen Krümmungen zu erhalten, ohne jedoch spröde und bei nur 
einigermassen heftigeren Stössen durch Sprünge gefährdet zu werden. 

Dieser Zweck wird realisirt durch den blätterigen Bau mit dem sich 
kreuzenden Faserzuge in übereinander liegenden Schichten. Diese Einrichtung 
macht eine Ausdehnung der gesunden Cornea in der Richtung ihres Bogens 
ganz unmöglich, während sie die nöthige Biegungs-Elasticität bei auf ihre 
Fläche wirkenden Stössen und Druckkräften nicht aufhebt 10 . 

§ 18. Unveränderlichkeit der Hornhaut in ihrer Form ist eine Haupt- 
bedingung, auf dass der dioptrische Apparat des Auges seinen Zweck erfüllen 
und durch Erzeugung deutlicher Bilder äusserer Objekte auf der Netzhaut die 
Seele des Menschen mit der Aussenwelt in Rapport setzen könne. 

Formwechsel der Cornea könnten ihren Grund nur in der Einwirkung der 
Augenmuskeln auf den Bulbus haben. Durch die Anwendung der einfachsten 
Gesetze der Mechanik lässt sich aber beweisen, dass derartige Einwirkungen 



6 Catoptrisehe Verhältnisse. 

die reguläre Lichtbrechung in dem Auge aufheben, und namentlich die Ver- 
einigung der einfallenden Strahlenkegel auf identischen Punkten der Netzhaut 
unmöglich machen würden 14 . Die genauen Messungen Stampfers haben die 
Unveränderlichkeif der Cornealkurven unter den verschiedensten Stellungen 
und Accomodationszuständen des Auges nachgewiesen 12 . 

§ 19. Sind die Krümmungen der Cornea in jedem einzelnen Individuo 
constante, unveränderliche, so muss auch der Einfluss, welchen dieselben auf 
die Ablenkung der einfallenden Strahlen ausüben, unter allen Umständen ein 
gleichmässiger und unveränderlicher sein. Aus der Berechnung ergibt sich 
nun, dass die Cornea ein lichtsammelnder Meniscus sei, dessen Brenn- 
weite mit Bezug auf die ihn umgebenden Medien und unter Voraussetzung 
der Richtigkeit der oben angenommenen Werthe für deren Krümmungs- 
radien, Brechungsexponenten und Dicke 13"'. 35 ist, woraus sich die Ver- 
einigungsweite der Strahlen für jede andere Objektsdistanz mit Leichtigkeit 
finden lässt 13 . 

§ 20. Die ungemeine Glätte der beiden Cornealoberflächen und die 
optische Gleichartigkeit der Cornealsubstanz bedingen die äusserst geringe 
Zerstreuung des auffallenden Lichtes, die g e r i n g e S i c h t b a r k e i t der Hornhaut. 
Sie sind ein wichtiges diagnostisches Hilfsmittel, denn in eben dem Maase als 
die Cornea sichtbarer wird, muss die normale Glätte der Cornealoberfläche ab- 
genommen, und das optisch gleichartige Gefüge der Cornea verändert worden 
sein. Namentlich Abschürfungen des Epithels, lassen sich allein aus der ver- 
mehrten Lichtzerstreuung und ebenso fast durchsichtige Exsudate diagnostiziren. 

§ 21. Während die Glätte der Cornealoberfläche die Sichtbarkeit der- 
selben vermindert, erhöht sie die regelmässige Zurückwerfung des 
Lichtes und wird dabei durch die grosse Differenz zwischen dem Brechungs- 
index der Luft und der Cornealsubstanz wesentlich unterstützt. Aus der Theorie 
der Convexspiegel ergibt sich, dass die imaginäre Brennweite der Corneal- 
vorderfläche gleich dem halben Radius dieser Fläche, also = l" / .728 sei, 
und die Grösse des von der Cornea erzeugten Spiegelbildes gefunden werde, 
wenn man das Produkt aus der wirklichen Grösse des Bildes und der Brenn- 
weite durch die Summe der Entfernung und der Brennweite dividirt u . 

Da jedoch die Cornea keine sphärische Oberfläche hat, sondern ein Um- 
drehungselipsoid darstellt, ist leicht ersichtlich, dass auch die Spiegelbilder keine 
ganz regelmässigen sein, sondern immer etwas verzerrt und undeutlich begrenzt 
erscheinen werden, besonders bei einigermassen ausgedehnteren und entfern- 
teren Objecten. Indessen ist diese Unregelmässigkeit keine so bedeutende, 
dass sie stören könnte, und dieser Umstand macht es möglich, aus deutlicher 
Verzerrung des Spiegelbildes auf Unregelmässigkeiten der Oberfläche der Horn- 
haut zu schliessen. 

§ 22. Aber nicht nur die vordere Fläche der Cornea reflektirt, auch 
die hintere Fläche. Doch ist der geringe Unterschied der Brechungsexponenten 
der Cornea und des Humor aqueus einer massenhaften Zurückwerfung des 
Lichtes nicht günstig, das Spiegelbild der Hinter fläche der Cornea 
zeigt so geringe Helligkeit, dass optische Instrumente nöthig sind, um es zur 
Wahrnehmung zu bringen. Es liegt bei unendlich grosser Distanz des leuchtenden 



Mangel der Cornea. 7 

Objektes V'.bA hinler der Cornealhinterfläche, also (»'".Ufi hinler dem 
Spiegelbilde der Vorderfläche. Seine Undeutlichkeit wird durch den Umstand 
sehr vermehr!, dass erstens die Krümmung der Cornealhinterfläche eine para- 
bolische ist, welche die Abweichung der Strahlen, welche aus Punkten ausser- 
halb der verlängerten Achse der Curve kommen, sehr bedeutend machen, und 
zweitens schon gebrochene Strahlen auffallen, die den regelmässigen Reflex be- 
deutend beeinträchtigen. Diese Undeutlichkeit macht das Spiegelbild der hin- 
teren Cornealfläche als diagnostisches Hilfsmittel ganz unbrauchbar. 



Pathologie. 



Erste Fehlergruppe. 

§ 23. Sie umfasst alle jene Abweichungen der Hornhaut in Bezug auf 
Zahl, Grösse, Gestalt, Lage, Verbindung, Durchsichtigkeit und Farbe, Consistenz 
und Elastizität, welche weder auf Verminderung der Cohaesion zwischen den 
einzelnen chemischen Elementen und zwischen den aus letzteren hervorgehenden 
Formgebilden, noch auf Texturveränderungen in Folge eigentümlicher Exsu- 
dationsprozesse in dem Hornhautgewebe zurückgeführt werden können. 

Erster Artikel. 

Abweichungen in Bezug auf Zahl. 

§ 24. Die Entwicklung der Hornhaut ist an die Formation der 
Augenblasen gebunden, zweier Ausstülpungen aus der blasigen Uranlage des 
Gehirns, welche Ausstülpungen, sich allmälig nach vorn und aussen drängend, 
von der Gehirnblase abgeschnürt werden und in das Kopfstück des Embryo 
eintretend, von einer anfänglich ganz homogenen, strukturlosen Membran um- 
sponnen werden, aus welcher letzteren sich später Cornea und Sclera differenzirt. 
Nur wo Augenblasen in die peripheren Theile des embryonalen Kopfstückes 
heraustreten, ist der Impuls zur Bildung einer Hornhaut gegeben. 

§ 25. Es ist bisher noch kein Beispiel bekannt, in welchem aus einer 
einfachen Gehirnblase mehr als zwei Augen blasen hervorgesprossen 
wären, alle jene Fälle, in welchen 3 oder 4 Augen zur Entwicklung kamen, 
sind auf Verschmelzung zweier Keime zurückführbar gewesen, und die Drei- 
zahl der Augen musste sofort auf Verschmelzung zweier von den vier Augen- 
blasen oder aber auf Zugrundegehen der einen Augenanlage basirt werden. 

§ 26. Es geschieht nämlich bisweilen, dass die Augenblasen nicht zur 
Entwicklung kommen, oder aber dass die eine oder die andere derselben, mit- 
unter auch beide zu Grunde gehen, ehe sie in die Peripherie des Kopfstückes 
des Embryo's vorgedrungen sind, es wird dann auch kein Augapfel und sofort 
auch keine Hornhaut gebildet, es resultirt ein Zustand, der als Anophthalmus 
bekannt, und entweder ein einseitiger, oder auch ein beiderseitiger ist. 



8 Cyclopische Cornea, abnorme Grösse. 

§ 27. In andern Fällen verschmelzen die beiden Augenblasen noch 
früher, als sie zur Orbitalanlage gelangt sind, es entwickelt sich nur Ein Auge 
mit Einer Netzhaut und Einem gespaltenen Sehnerven, es ist ein Monoph- 
thalmus vorhanden mit einer einzigen Hornhaut. 

§ 28. Mitunter geschieht die Verschmelzung der Augenblasen erst in 
der Orbita, es entwickeln sich sämmtliche Theile beider Augen, verschmelzen 
aber miteinander, es ist ein Cyolopenauge mit doppeltem Sehnerven ge- 
geben, die beiden Hornhäute formiren scheinbar Eine, und beurkunden ihre 
normwidrige Verbindung durch einen am oberen und unteren Rande der ge- 
doppelten Hornhaut einspringenden, von Scleralgewebe gebildeten Zwickel, 
welcher entweder kaum angedeutet, oder aber ein so bedeutender ist, dass die 
Hornhaut die Figur eines querliegenden arabischen Achters C<*0 nachahmt 15 . 

§ 29. Immer ist unter solchen Verhältnissen die einfach oder doppelt 
vorhandene, jedoch verschmolzene Hornhaut zugleich in Bezug auf Grösse, 
Gestalt und Durchsichtigkeit von der Norm sehr abweichend, sie kömmt in 
dieser Hinsicht mit mikrophthalmischen Hornhäuten überein. Es schliessen sich 
somit an die Anomalien der Zahl unmittelbar an 

Zweiter Artikel. 

Abweichungen in Bezug auf Grösse. 

§ 30. Es gibt keine ganz bestimmten Grenzen, ausserhalb welchen die 
Grösse einer gegebenen Hornhaut als eine abnorme bezeichnet werden kann. 
Was bei einem Menschen, ja bei ganzen Nationen Norm ist, kann bei anderen 
Folge tiefer Erkrankungen oder Bildlingsfehler, im hohen Grade regelwidrig 
sein 16 . In vielen Fällen wird die Diagnose dieser Anomalie nur durch das 
gleichzeitige Vorhandensein anderer fehlerhaften Erscheinungen gesichert. 

/. Die norm widrige Vergrösserung. 

§ 31. Es gibt Individuen mit auffallend grossen, vorspringenden, 
widrig glotzenden Augen, in welchen der Durchmesser der Hornhaut die Norm 
um 1'" und selbst etwas mehr übertrifft. Ob die Augen als wahre Abnormi- 
täten zu betrachten seien, sieht dahin. Die Sehfunktion ist in ihnen nur wenig 
gestört, ein Merkmal, welches sie hinlänglich von den weit häufigeren und 
ganz sicher abnormen Vergrösserungen des Augapfels und der Hornhaut unter- 
scheidet, bei welchen die Vergrösserung nicht sowohl auf normwidrige ver- 
mehrte Anbildung der constituirenden Elemente, als vielmehr auf eine Aus- 
dehnung der vorhandenen und durch krankhafte Processe widerstandsunfähig 
gewordenen Gewebe zu schreiben ist, Fälle, welche in dieser Rücksicht auch 
von den in Rede stehenden Anomalien getrennt und in dem Capitel über Ec- 
tasien behandelt werden müssen. 

2. Die normwidrige Kleinheit. 

§ 32. Sie ist entweder in Bildungshemmung des Augapfels während 
der foetalen Lebensperiode begründet, eine angeborne, eine Theilerscheinung 
der Mikrophthalmie, oder aber eine erworbene, durch Nutritionsstörungen 
der Hornhaut nach der Geburt veranlasst. 



Mikrophthalmische Hornhaut. 9 

a. Die mikrophthalmische Hornhaut. 

§ 3.3. Je nach der Zeit, in welcher die Entwicklung der Hornhautanlage 
gehemmt wurde und je nach dem Grade dieser Beeinträchtigung schwankt 
auch die Grösse mikrophthalmischer Hornhäute, sie erreichen mitunter kaum 
den Durchmesser einer Linie, während in anderen Fällen die Entscheidung 
äussert schwierig ist, ob die vorhandene Hornhaut noch als regelwidrig klein 
oder aber als zur normalen Grösse gediehen betrachtet werden müsse. Dieses 
Urtheil wird häufig noch schwieriger durch die ganz gewöhnliche gleichzeitige 
Bildungshemmung in beiden Augäpfeln, welche sofort den Vergleich mit der 
individuellen Norm unmöglich macht. Im hohen Grade erleichtert wird aber 
die Diagnose durch die mit mikrophthalmischer Hornhaut der Regel nach vor- 
kommenden Spuren der ehemaligen Spaltbildungen in der Sclera, der Iris, der 
Aderhaut, Netzhaut u. s. w. Wo die Diagnose der mikrophthalmischen Horn- 
haut durch alleinige Betrachtung dieses Organs nur zweifelhaft gestellt werden 
könnte, ist das Vorhandensein eines Iriscoloboms, eines Spaltrestes in der Ader- 
haut, etc. ein sicherer Führer zur Erkenntniss. Ueberdies ist normwidrige Klein- 
heit nicht das einzige Kennzeichen einer Bildungshemmung, es ist auch die 
Gestalt der Hornhaut verändert. 

Abgesehen von der bald geringeren, bald bedeutend vermehrten, seifen 
ganz normalen Wölbung 17 mikrophthalmischer Hornhäute finden sich auch 
in ihrer Contour Abweichungen. Ich sah in zwei mikrophthalmischen Augen 
den Hornhautrand nur drei Viertheile eines Kreises beschreiben, während der 
innere und untere Quadrant desselben in Gestalt eines abgerundeten Winkels 
von ungefähr 70° aus der Peripherie des gedachten Kreises hervortrat, und 
zwar so, dass eine, diesen Winkel halbirende Linie genau in die Richtung einer 
Spalte fiel, welche sich noch in sämmtlichen übrigen Organen des Augapfels 
mit Ausnahme der Linse bemerklick machte. 

Ein weiteres, im hohen Grade charakteristisches Kennzeichen mikroph- 
thalmischer Hornhäute ist endlich die constante Trübung einzelner Theile der- 
selben. Der Regel nach ist die Peripherie derselben milchähnlich weiss, durch- 
scheinend, es scheint als sei die Hornhaut von einem theilweise oder ringsum 
gehenden Greisenbogen umgeben. Die Täuschung ist besonders leicht, wenn 
die Trübung nur einen Theil der Cornealperipherie betrifft und einen schmalen 
Saum bildet, sie wurde dann wirklich sehr häufig mit einem wahren Gerontoxon 
verwechselt 18 , obwohl sie sich auf den ersten Blick dadurch unterscheidet, dass 
ein wahrer Greisenbogen nie an den Scleralrand anstösst, sondern durch die 
pellucide, strukturlose Randsubstanz .der Hornhaut unter der Gestalt eines 
i / 2 " 1 breiten Streifens getrennt wird, während die angeborne mikrophthalmische 
Trübung der Hornhautperipherie immer unmittelbar an den Scleralrand grenzt, 
so dass es scheint, als sei die Scleralöffnung verkleinert, als ziehe sich das 
Scleralgewebe noch eine Strecke weit in das Bereich der Hornhaut fort. In 
der Mehrzahl der Fälle aber ist die Trübung nicht saumförmig, sie ist auf 
ganze Segmente der Hornhaut ausgedehnt, und bildet öfters zacken-, balken-, 
bogenförmige Ausläufer gegen das Centrum der Hornhaut, deren durchsichtiger 
Theil dann natürlich nicht nur sehr verkleinert, sondern auch in seiner Gestalt 
höchst variabel erscheinen muss. 

Es bilden diese Fälle den Uebergang zu jenen mikrophthalmischen Horn- 
häuten, welche ihrer ganzen Ausdehnung nach trüb geblieben sind, und sich 



10 Mikrophthalmische Hornhaut. 

bei der äusseren Besichtigung nur durch die rings um die Scleralgrenze herum- 
laufende Furche in ihrer Contour und Grösse bestimmen lassen 19 . 

Der Krümmungsdurchmesser dieser Furche ist das einzige sichere Kenn- 
zeichen, um am Lebenden die Grösse einer mikrophthalmischen Cornea zu be- 
stimmen. Sämmtliohe Autoren, welche die fragliche Bildungshemmung be- 
obachtet und beschrieben haben, nehmen darauf gar keine Bücksicht, sie be- 
stimmen die Grösse der Hornhaut nach dem Diameter der bereits aufgeklärten 
Centralparthie, es sind daher auch ihre Grössenschätzungen sämmtlich falsch, 
sie beziehen sich nur auf den Flächeninhalt der durchsichtigen Hornhautparthie, 
trüb gebliebene Hornhautanlage hört aber desshalb nicht auf Hornhaut zu sein, 
noch weniger aber kann sie, wie es von den meisten, vielleicht allen Autoren 
geschieht, mit Scleralgewebe zusammengeworfen werden. 

§ 34. Das Mikroskop lässt nämlich diese trübe Substanz als eine 
durchscheinende, ganz strukturlose, fast homogene Masse erkennen, welche 
geronnenem Eiweisse höchst ähnlich ist. Es fehlt in ihr jede Spur einer 
Blätterung, die beginnende DifFerenzirung derselben äussert sich nur in einer 
äusserst feinen und lichten staubähnlichen Granulirung der Durchschnitte. Jede 
Spur eines Gefässes fehlt gänzlich, die fötalen Blutcanäle sind bereits gänzlich 
zu Grunde gegangen. An der Oberfläche deckt sie junges, gekerntes Pflaster- 
epithel mit trüblichem Zelleninhalte. In den äusseren Bandparthien der trüben 
Masse findet man die Scleralfasern unter verschiedenen Winkeln eintreten und 
hier spurlos verschwinden. An den bereits durchsichtigen, geklärten, centralen 
Parthien der mikrophthalmischen Hornhaut aber ist bereits das Epithel von 
ganz normalem Aussehen und die blätterig - faserige Substanz mit der wasser- 
hellen, strukturlosen Grundmasse vollständig ausgebildet, von normaler Horn- 
hautblattsubstanz durchaus nicht verschieden. Der Uebergang der durch- 
sichtigen Blattsubstanz in die trübe, homogene Peripherie ist ein unmerkücher, 
verschwimmender, es lässt sich die Grenze der Blätter nicht bestimmen. Es 
ist dieser Uebergang sofort dem ganz ähnlich, welcher auch bei vollkommen 
entwickelten Hornhäuten beobachtet wird. 

§ 35. Es ist nach allem dem kein Zweifel, dass die Hornhautblätter sich 
aus der strukturlosen, trüben Bandsubstanz entwickeln, höhere Organisations- 
grade derselben vorstellen. Der strukturlose Band der normalen Hornhaut ist 
ein Ueberbleibsel aus der fötalen Periode, in ihm hat sich die Cornealanlage 
wohl aufgehellt, ohne sich aber bis zur blätterig -faserigen Gestaltung erheben 
zu können. 

§ 36. Die mikrophthalmischen Hornhäute wachsen öfters sammt dem 
ganzen Bulbus nach der Geburt fort, und dieses Wachsthum kann den ange- 
bornen Fehler so ziemlich wieder ausgleichen, so dass in späteren Jahren das 
Yorhandengewesensein einer Mikrophthalmie kaum mehr nachweisbar wird, 
besonders wenn sich gleichzeitig, was häufig geschieht, die trübe Corneal- 
peripherie aufhellt. 

Merkwürdig ist dabei, dass die Aufhellung von dem Centrum ausgeht, 
gegen die Peripherie fortschreitet 20 , und dass die hinteren Lagen sich früher 
aufzuhellen scheinen, als die vorderen, indem ich in zwei mikrophthalmischen 
Augen die hintere Hälfte der Cornea ganz klar und durchsichtig, blätterig- 
faserig fand, während die vorderen Substanzlagen kaum im Centrum entwickelt 



Cornealatrophie. 11 

waren, und solün von einem breiten Saum trüber, homogener Substanz an der 
Peripherie ersetzt wurden. 

Gewöhnlich aber ist die Vergrösserung des Augapfels und sofort auch 
der Hornhaut nach der Geburt nur eine sehr unbedeutende, das Auge lässt sich 
in allen Lebensperioden durch die angeführten Kennzeichen als ein mikroph- 
thalmisches erkennen, und es kommt auf die Grösse der Anomalie bei der Ge- 
burt an, welchen (irad der Mikrophthalmie das Auge später beurkundet. 

§ 37. Der angebomen Kleinheil des Augapfels steht entgegen die er- 
worbene, welche unter dem Namen der 

b. Atrophie der Hornhaut 

allenthalben angeführt, aber höchst oberflächlich behandelt, geschweige denn 
bezüglich des zu Grunde liegenden Processen untersucht und aufgeklärt ge- 
funden wird. 

Es handelt sich hier darum, die Atrophie der Hornhaut in ihrer reinen 
Form zu zeichnen, in jener Form, welche, lediglich Folge gehemmter Ernäh- 
rung, auf vorausgegangene Erkrankung des Cornealparenchyms nicht zurück- 
geführt werden kann. 

§ 38. Pathognomonisch ist ihr bedeutende Verkürzung derCorneal- 
durchmesser, namentlich des senkrechten, welcher in hohen Graden der 
Atrophie auf 2'" und selbst auf l 1 / 2 / " schrumpfen kann, während der quere 
selten unter 3'" misst. 

Damit ist auch eine Gestaltveränderung gegeben, welche häufig 
noch scheinbar durch die Entwicklung eines Greisenbogens und dessen grössere 
Breite am oberen und unteren Rande der Hornhaut vermehrt wird. Atrophische 
Hornhäute erscheinen bei geringeren Graden des Schwundes quereliptisch, bei 
höheren Graden nehmen sie öfters die Gestalt einer quergelagerten Lanzette an, 
welche ihre convexen Ränder nach oben und unten, die beiden, einen sphä- 
rischen Winkel vorstellenden Spitzen nach Aussen und Innen kehrt. Die Con- 
vexität der Hornhautfläche ist öfters vermehrt, die Cornea springt in Gestalt 
des Segmentes einer Kugel von kaum l 1 /^'" — 2'" Radius hervor. Häufiger 
ist die Krümmung eine unregelmässige und ungleichmässige, es steigt der 
innere, obere und untere Rand der Cornea steil aus der Scleralöftnung empor, 
der Scheitel der Convexität liegt etwas nach innen, und von hier aus flacht 
sich die Hornhaut in Gestalt einer schiefen, wenig gekrümmten Ebene gegen 
den Rand des äusseren, stark ausgebauchten Quadranten der Sclera ab, ein 
Verhältniss, welches eine Folge des Muskeldruckes und der Richtung seiner 
Resultirenden gegen den äusseren Quadranten der vorderen Bulbushälfte ist 21 . 
In den höchsten Graden der Atrophie endlich verflacht sich die Hornhaut, sie 
gestaltet sich um zu einem von fast ebenen Wänden begrenzten Scheibchen, 
dessen hintere Fläche nicht selten eine ganz unregelmässig faltige, voll von 
Riffen, Hügeln und einspringenden Furchen und Gruben ist. 

Zugleich fand ich ein ganz eigentümliches Verhalten ihres Rand- 
theiles. Die Vorderfläche der atrophischen Hornhaut steht nämlich über dem 
Niveau der Scleralöffnung und ihr äusserster Umfang bildet eine überhängende Falte, 
eine über den Scleralrand hinüberragende, schmale Leiste, welche dem Auge jedoch 
verborgen wird durch die Conjunctiva, welche sich in Folge der Uebereinander- 



12 Cornealafrophie. 

Schiebung ihrer Elemente auf der geschrumpften Sclera wulsfet, und dadurch 
mit der Vorderfläche der Cornea in gleichem Niveau bleibt. Bei genauerer 
Betrachtung findet man daher eine zwischen Cornea und Conjunctiva ringsum 
laufende, spaltförmige Binne von ziemlicher Tiefe, bei deren Eröffnung man 
sofort das Ueberhängen des Cornealrandes und die dadurch entstehende cirkel- 
förmige Einschnürung des letzteren, sowie den Ansatz des Conjunctivalsaumes 
auf der unteren Wand dieser Einschnürung gewahrt. Es haben sich die Blätter 
der Hornhaut zusammengezogen, ihr Flächeninhalt hat sich vermindert, ohne 
dass ihre Zahl abgenommen hat. Die Abnahme des Umfanges ist eine grössere, 
als die Dickenabnahme der Hornhaut, es müssen sich sofort die Bandtheile der 
vorderen Blätter einknicken. 

Es gibt atrophische Hornhäute, welche auch nicht eine Spur von Trü- 
bung erkennen lassen, vollkommen durchsichtig bleiben und wegen der ver- 
mehrten Krümmung ihrer Oberfläche sehr kleine und daher sehr lichtstarke 
Spiegelbilder erzeugen. Es sind dieses Hornhäute, in welchen die Atrophie 
noch nicht sehr weit vorgeschritten ist. Bei hochgradigem Schwunde wird 
das Cornealgewebe trüblich, es erhält eine wassergrünliche Färbung, die Ober- 
fläche der Hornhaut wird matt, und zeigt immer einen stark entwickelten 
Greisenbogen. 

§ 39. Der mikroskopische Befund variirt nach diesen beiden 
Graden der Atrophie in etwas. 

In dem niederen Grade der Atrophie, wenn die Oberfläche der Hornhaut 
noch glatt und spiegelnd ist, zeigt sich an dem Epithel kaum eine Spur einer 
Abweichung von der Norm. Wenn aber die Cornealconvexität bereits matt 
geworden ist, findet man immer schon den Inhalt der Epithelialzellen und die 
Intercellularsubstanz trüblich, dunkle Körnchen eingestreut, die Zellencontour 
dunkler, den Kern scharfer markirt, grobkörnig. 

Die eigentliche Substanz der Hornhaut erscheint viel trockener, spröder, 
die Durchschnitte minder schwellend, die Blätterung viel deutlicher, als in der 
Norm, es isoliren sich die Blätter viel leichter. Bei geringen Graden der 
Atrophie haben die Lamellen ihre normale Durchsichtigkeit bewahrt, doch zeigen 
sie viel schärfere und dunklere Bänder, als in normalen Hornhäuten. In hoch- 
gradig geschwundenen und trüben Hornhäuten aber erscheinen sie wie be- 
stäubt von einem ausseist feinen, lichten Beschläge, und ihre Zwischenräume 
enthalten hier und da dunkle Körnchenaggregate eingestreut. Die Faserung 
ist viel schärfer ausgeprägt, als in der Norm, die Fibrillen erscheinen dunkler 
und mehr differenzirt von der Grundmasse und es scheint, als habe die Breite 
der Wellen in ihrem Verlaufe etwas abgenommen. 

§ 40. Verminderung des Saftreichthums und sofortige Volumsabnahme 
der hygroscopischen, alle Elemente der Hornhaut zu einem optisch gleichartigen 
Gefüge vereinigenden, sulzähnlichen Grundsubstanz ist nach Allem also der 
eigentliche Charakter der Cornealafrophie. 

§ 41. Der reine Hornhautschwund steht niemals allein da, immer ist 
damit eine bedeutende Verengerung der Kammern, eine Verminderung der 
Wässerigen Feuchtigkeit gegeben und der Kegel nach sind sämmtliche Theile 
des Augapfels gleichzeitig atrophirt. 



Gerontoxon. 13 

§ 42. Es wird schon hieraus und in Anbetracht des mikroscopischen 
Befundes ein Zusammenhang der Cornealatrophie mit Verminderung des Kam- 
merwassers und sofort mit der Affektion der Absonderungsorgane des Humor 
aqueus wahrscheinlich. Bedenkt man, dass angeborner Mangel der Iris, deren 
totale Losreissung aus ihrem normalen Verbände, Atrophie derselben weder 
nothwendig mit einer Verminderung der wässerigen Feuchtigkeit einhergeht, 
noch jederzeit eine Atrophie der Hornhaut herbeiführt; bedenkt man ferner, 
dass Entzündung, Verschwörung, narbige Verbildung, Atrophie der Ciliarfort- 
sätze niemals gefunden werden, ohne dass die Kammern fast gänzlich aufge- 
hoben sind, und bei längerem Bestände die Hornhaut atrophisirt, dass Funktions- 
untüchtigkeit der Ciliarfortsätze conslant mit Mangel des Kammerwassers und 
Cornealatrophie gepaart ist: so ist wohl der Schluss erlaubt, dass die Ciliar- 
fortsätze die Quelle der wässerigen Feuchtigkeit, und diese der Träger der 
Nahrungsstoffe für die Hornhaut sei, dass sofort die Atrophie der Cornea in 
quantitativen, vielleicht auch qualitativen Abnormitäten des Humor aqueus, in 
mangelhafter Durchtränkung der Hornhaut mit wässeriger Feuchtigkeit be- 
gründet sei, und durch das Mittelglied der letzteren mit Affektionen der Ciliar- 
fortsätze zusammenhänge. 

Dass mangelhafte Durchtränkung der Hornhaut mit wässeriger Feuchtig- 
keit die, in Vertrocknung sich äussernde Atrophie der Hornhaut bedinge, wird 
überdiess noch durch den Umstand sehr wahrscheinlich gemacht, dass nach 
der Erfahrung auch penetrirende Wunden und Geschwüre, welche lange Zeit 
sich nicht schliessen und sofort den Humor aqueus beständig aussickern lassen, 
der Regel nach von Atrophie der Hornhaut gefolgt werden 22 . 

§ 43. Die allgemeine Atrophie der Hornhaut kömmt dem Wesen nach 
überein mit der partiellen, welche sich unter der Form 

des Greisenbogens, Gerontoxon 

äusserlich kund gibt. Der Greisenbogen ist jedoch nicht sowohl eine Krank- 
heit, als vielmehr der Ausdruck des, dem Greisenalter der Norm nach zukom- 
menden Involutionsprocesses. 

§ 44. In niederen Entwicklungsgraden stellt der Greisenbogen eine mehr 
weniger intensive, grauliche bis sehnig weisse Trübung vor, welche den oberen 
und unteren Rand der Hornhaut in Gestalt zweier Mondsicheln umfasst, deren 
grösste Breite von i / 3 " 1 — i / 2 '" in den senkrechten Durchmesser der Horn- 
haut fällt, während die Spitzen sich in den Seitentheilen des Cornealrandes ver- 
waschen. Bei höheren Entwicklungsgraden fliessen diese Spitzen aber durch 
allmälige Verlängerung der Sicheln in einander, der Greisenbogen stellt einen 
trüben Kreis vor, dessen oberer und unterer Theil bedeutend breiter als die 
seitlichen sind und öfters 3 / A '" im senkrechten Durchmesser erreichen, daher 
der durchsichtige Theil der Hornhaut eine quereliptische Figur bildet. In den 
höchsten Graden der Ausbildung endlich repräsentirt sich der Greisenbogen als 
ein grauer oder sehnig weisser, öfters opalisirender Kranz von 1'" und mehr 
Breite, welcher nur einen geringen Theil der Cornea, nur deren mittelste 
Parthie frei und durchsichtig lässt. Der centrale Rand des Greisenbogens ist 
immer verwaschen, jedoch nicht wolkig flockig, sondern an allen seinen Theilen 
gleichmässig, die Trübung geht in einer fast regelmässig gekrümmten Linie 



14 Gerontoxon. 

in die durchsichtigen Parthien der Cornea über. Der äussere, periphere 
Rand des Greisenbogens aber ist stets der am meisten getrübte Theil und ist 
scharf abgeschnitten ohne Spur einer Verwaschung. 

Er stösst niemals unmittelbar an den Conjunctivalsaum an, zwischen beide 
ist stets ein bei %'" breiter Saum völlig durchsichtiger, oder aber wenig 
trüblicher, etwas meergrünlicher Cornealsubstanz gelegt, welcher ringsum den 
Greisenbogen umgibt. 

Erst am peripheren Rand dieses Saumes findet man den Limbus con- 
junclivalis, gleichfalls getrübt, so dass die unterliegende durchsichtige Randsub- 
stanz der Hornhaut die Randtheile der dunklen Iris nur bläulich durchscheinen 
lässt, und es das Ansehen gewinnt, als wären zwei Greisenbogen entwickelt, 
welche durch einen Saum durchsichtiger Cornealsubstanz gegenseitig getrennt 
werden 23 . Indem die Breite des Conjunktivalsaumes am oberen und unteren 
Rande der Hornhaut eine grössere als an den Seitentheilen ist, muss unter 
solchen Verhältnissen die Cornea nothwendig die Form einer quergelagerten 
Elipse darbieten. 

Bei der anatomischen Untersuchung findet man aber leicht, dass diese 
Gestaltverändcrung nur eine scheinbare sei, indem die hinteren Lagen der 
Hornhaut stets ihre normale Durchsichtigkeit und die normalen Durchmesser 
bewahren. 

§ 45. Das Mikroskop lässt als Beleg des Conjunctivalsaumes ein 
trübliches Epithel erkennen, die Fasern des Limbus aber dunkler, als in der Norm, 
das ganze Gefüge des zellgewebigen Stromas saftarm, trocken. Das den Grei- 
senbogen deckende Epithel ist durch dunklere Contour, trüben Inhalt der Zellen, 
stark markirte Kerne mit dunkel-körnigem Contentum und durch Saftarmuth ausge- 
zeichnet. Die im Bereiche des Gerontoxon gelegenen Parthien der oberfläch- 
lichsten Corneallamellen erscheinen sehr leicht von einander trennbar, die 
Blätterung ist sehr deutlich, die einzelnen Blätter erscheinen aulfallend trockner, 
ihre Ränder dunkel contourirt, rauh, die Faserung ist sehr ausgesprochen, dunkel, 
die Fasern sind stark geschlängelt, und oft an den Rändein der Blattrümmer 
fransenförmig isolirt, überall gibt sich die Verringerung der homogenen Grund- 
substanz deutlich zu erkennen, diese erscheint nicht mehr schwellend, wie in 
gesunden Parthien der Hornhaut, sie ist trockener, und hat ihre perfekte Durch- 
sichtigkeit verloren, die Blätter sind wie bestäubt, trüblich und es lagern ihnen 
dunkle Körnchen und Körnchenaggregate auf. Je tiefer man in dem Bereiche 
des Greisenbogens in die Dicke der Hornhaut eindringt und je mehr man sich 
dem centralen Rande der Trübung nähert, desto saftreicher wird das Gefüge, 
die Cornealfasern isoliren sich an den Objekträndern nicht so leicht, sie hängen 
fester zusammen, die Blätter erhalten mehr Durchsichtigkeit, ihre Ränder werden 
weniger dunkel, mehr geradelinig, die optische Gleichartigkeit des Ganzen wird 
immer grösser, sodass endlich am innersten Rande des Greisenbogens und in 
dem hintersten Drittheile der Hornhautdicke der Befund von der Norm nicht 
mehr abweicht. 

Der durchsichtige Saum, welcher den peripheren Rand des Greisenbogens 
von dem trüben Linibus conjunctivalis trennt, sowie jener Theil der Cornea, 
welcher unter dem Bindehautsaum gelegen ist, findet sich immer ganz strukturlos, 
er ist minder saftreich, äusserst fein molekulirt, es ist die strukturlose Rand- 



Gerontoxon. 15 

subslanz der Hornhaut, welche an dem ProcesSe nur wenig Antheil nimmt. In 
ihrem Rande ist der Eintritt der Scleralfasern zu beobachten. 

§ 46. Eine aufmerksame Vergleichung dieses Befundes mit jenem bei 
Atrophie der Hornhaut wird deren Identität hoffentlich ausser Zweifel setzen 
und dein Greisenbogen sofort seine Stellung neben der allgemeinen Atrophie 
der Hornhaut sichern. 

Das Resultat der mikroskopischen Untersuchung beweist zugleich die Un- 
richtigkeit der Behauptung, als sei der Greisenbogen ein Rückschreiten der 
Cornealtextur auf jene der Sclera; er beweist ferner, dass die dem äusseren 
Ansehen nach öfters ähnliche Trübung der Cornealperipherie in mikrophthal- 
mischen Augen einem diametral entgegengesetzten histologischen Verhalten auf 
Rechnung zu bringen sei, indem bei letzteren eine Differenz irung des Blaslemes 
zu optisch gleichartiger, blätterig-faseriger Textur noch nicht stattgefunden, die- 
selbe aber im Greisenbogen die normale Grenze bereits überschritten habe. 

§ 47. Der Greisenbogen findet sich in der Regel bei Leuten, welche 
das 50. Lebensjahr überschritten haben, eine Epoche, in welcher gewöhnlich 
der Involutionsprocess des gesammten Organismus und mit ihm jener der ein- 
zelnen Organe begonnen hat. Doch so wie der Marasmus anderer Organe 
sich nicht immer an das Lebensalter bindet, sondern sich auch frühzeitig in 
Folge von Krankheiten entwickelt, welche die Ernährung des betreffenden Kör- 
pertheiles beeinträchtigen, während in anderen Fällen relativ hohes Alter die 
Jugendfrische des ganzen Organismus und seiner einzelnen Theile zu unter- 
graben nicht vermag: so zeigt sich der Greisenbogen auch mitunter in jungen 
Jahren, nach anhaltenden oder tief in die Vegetation des Augapfels eingreifenden 
Entzündungen, besonders jenen der tieferen Organtheile des Augapfels, er ist 
ein fast constanter Begleiter des Glaucoms und aller mit Atrophie des Aug- 
apfels endenden AfFektionen etc., anderseits aber finden sich sehr alte Indi- 
viduen mit ganz reiner Hornhaut. Es gibt auch Fälle, in welchen der Greisen- 
bogen in unverhältnissmässig frühem Lebensalter auftritt, ohne dass irgend eine 
nachweisbare Krankheit den verfrühten Involutionsprocess eingeleitet haben 
konnte. Gleichzeitige Verfettigung der Augenmuskeln 24 und des Ciliarmuskels mit 
davon abhängiger Weitsichtigkeit, deuten dann auf die Identität des zu Grunde 
liegenden Processes mit jenem hin, welcher in dem höheren Alter fast constant 
und gleichsam normgemäss auftritt. 

In dieser Hinsicht repräsentirt sich der Greisenbogen also als ein Ana- 
logon des Weisswerdens und Ausfallens der Haare, der Trübung der Linse u. s. w. 25 , 
ohne dass jedoch zwischen diesen Vorgängen und der Entwicklung des Geron- 
toxon irgend welcher Zusammenhang stattfände, denn der Greisenbogen fehlt 
öfters bei grauen, weissen Haaren und Kahlköpfigkeit, ist aber vorhanden bei 
üppigem Wüchse schwarzer oder brauner Haare, er kann vorhanden sein und 
fehlen bei Linsentrübungen 26 . 

Dritter Artikel. 

Die Abweichungen in Bezug auf Gestalt. 

§ 48. Sie beziehen sich theils auf die Contour, theils aber auf die 
Krümmungen der beiden Oberflächen. 



16 Gestaltabweichungen. 

Von der fehlerhaften Confour und Convexität mikrophthalmischer und 
atrophischer Hornhäute habe ich bereits gesprochen und werde alsbald 
Gelegenheit haben, von derartigen Abnormitäten in schlaffen, atonischen Horn- 
häuten zu handeln. 

§ 49. Es gibt nebst dem aber auch Abweichungen der Hornhautkrümmung, 
welche, auf keinen vorgängigen Krankheitsprocess als ursächliches Moment zu- 
rückführbar, lediglich als Bildungsunregelmässigkeiten betrachtet werden müssen. 
Sie sind von höchstem wissenschaftlichem Interesse, und, da sie ihre Existenz 
durch anomale Lichtbrechung beurkunden, auch in Bezug auf das praktische 
Leben der Behafteten von Belang. Sie betreffen theils den Krümmungsradius 
der Hornhautoberfläche, theils aber die Curve selbst. 

i. Abweichungen des Krümmungsradius. 

§ 50. Schwankungen des Krümmungshalbmessers der Cornealflächen 
sind durch Stampfers Messungen dargethan. Darf man dem äusseren Ansehen 
trauen, so dürften diese individuellen Verschiedenheiten der Radien nicht ganz 
unbedeutende sein, und besonders zwischen auffallend grossen und sehr kleinen 
Hornhäuten ziemlich namhafte Differenzen erkennen lassen. Es lässt sich bisher 
jedoch durchaus noch kein nummerischer Werth bestimmen, jenseits welchen 
der Halbmesser einer Hornhautconvexität als ein anomaler bezeichnet werden 
muss. Die Lehre von den Anomalien der Krümmungsintensität der Cornealober- 
flächen ist zur Zeit noch ein leeres Blatt. 

§ 51. Man glaubte in Anbetracht des vorwaltenden Einflusses der Horn- 
haut auf die Lichtbrechungsverhältnisse in dem dioptrischen Apparate des Auges, 
der Myopie eine anomale Verkürzung des Krümmungshalbmessers der Horn- 
haut, der Weitsichtigkeit aber einen excedirend langen Radius zu Grunde 
legen zu müssen, und war von der Objektivität derartiger Abnormitäten um so 
mehr überzeugt, als bei kurzsichtigen Augen die Vorderkammer weit, bei pres- 
byopischen aber merklich enger erscheint. 

Ich habe indessen schon vor einigen Jahren 27 den Nachweis geliefert, 
dass der Schluss aus der grösseren oder geringeren Weite der Vorderkammern 
bei kurz- und weitsichtigen Augen auf excessive Verkürzung und Verlängerung 
der Krümmungshalbmesser der Hornhautflächen ein ganz falscher sei, dass die 
grössere Wölbung der Hornhaut bei Myopen und die geringere Convexität der 
Cornea bei Presbyopen nur eine scheinbare sei, und dass die Verschiedenheit 
in dem Rauminhalte der Vorderkammer auf differenten Stellungen der Iris be- 
ruhe. Stampfer hat mittlerweile dargethan, dass Myopie mit relativ längeren 
Cornealradien, Presbyopie mit bezugsweise intensiverer Krümmung der Horn- 
haut vorkomme, und die Beobachtung auffallend starker Hornhautconvexität 
bei ganzen Nationen, deren Glieder fast durchweg weitsichtig sind 2S , ist ganz 
geeignet, die Zurückführung der genannten Gesichtsfehler auf Abweichungen 
der Cornealradien als eine untlumliche erscheinen zu lassen. 

Es erklärt sich dieses sehr leicht. Es ist nämlich zwar gewiss, dass Ver- 
kürzung des Krümmungshalbmessers der Hornhaut auch deren Brennweite ver- 
mindere und sofort auch die Vereinigungsweite divergent auffallender Strahlen, 
allein mit der Verkürzung dieser Vereinigungsweite rückt auch das von der 
Linse erzeugte Bild dem Centrum des Krystallkörpers näher 29 , es wächst 



Astigmatismus. 17 

sofort die Kurzsichtigkeit in einem weil geringeren Verhältniss, als die Corneal- 
krümniungsintensität abnimmt, und es ist leicht einzusehen, dass veränderte 
Stellung der Linse das wieder verbessern, ja selbst in den entgegengesetzten 
Gesichtsfehler verwandeln könne, was die Abweichung der Krümmungsinten- 
sität der Hornhaut bedingen sollte. 

Es geht daraus hervor, dass übermässige Krümmungsabweichungen der 
Hornhautflächen Gesichtsfehler der genannten Art bedingen können 30 , dass 
sie aber nur Ein Moment zur Erzeugung der Myopie und Presbyopie abgeben, 
dass dazu noch andere Abweichungen in dem tlioptrischen Apparate gehören, 
dass sohin die bisherigen Beobachtungen abnorm convexer Hornhäute noch des 
Nachweises durch direkte Messungen bedürfen. 

Weit weniger Beachtung, trotz grösserer Objektivität, fanden bisher die 

2. Abweichungen der Curve. 

§ 52. Es gibt Fälle, in welchen bei gewissen Objektsdistanzen ein oder 
das andere Auge, mitunter auch beide Augen, Linien bestimmter Direktion 
minder deutlich wahrnehmen, als gleich breite, gleich lange und gleich gefärbte 
Linien anderer Richtungen. Es verschwindet z. B. bei einer gewissen, die 
deutliche Sehweite übertreffenden Objektsdistanz von 3 gleich langen und gleich 
breiten, schwarzen Streifen auf weissem Grunde der perpendiculäre, während 
der quere und schräg gestellte noch klar und deutlich gesehen werden. Bei 
Seitwärtsneigung des Kopfes gegen die Schulter verschwindet der schräge, 
während der senkrechte wieder auftaucht, der waagrechte aber nach wie vor 
in der Wahrnehmung bleibt, bis endlich die Seitenbewegung des Kopfes so 
weit gediehen ist, dass die senkrechte Kopfachse wagrecht zu stehen kommt, 
wo dann der wagrechte Streifen undeutlich gesehen wird oder ganz ver- 
schwindet, während die anderen beiden Streifen noch wahrgenommen werden. 

Wird das Objekt in die deutliche Sehweite gestellt, so äussert sich der 
in Rede stehende Gesichtsfehler oft nicht mehr in blossem Verschwinden ein- 
zelner Linien gewisser Richtung, e l s können sogar Linien aller möglichen 
Direction gesehen werden, sie erscheinen aber verzerrt, verkrümmt, und diese 
Verkrümmungen sind in jedem einzelnen Falle bestimmte, sie betreffen ganz 
bestimmte Linien, und die Verkrümmung findet auch immer in einer ganz be- 
stimmten Direction statt, es erscheint eine gerade Linie bogenförmig, nach 
rechts oder links die Convexität kehrend, ein Kreis wird als Elipse, oder in 
Form zweier getrennten Kreissegmente gesehen u. s. w. Seitwärtsneigungen 
des Kopfes ändern nicht nur die Directionen, bei welchen Linien verschwinden 
oder verkrümmt werden, sie ändern auch die Richtung der Verzerrung selbst, 
und es ist kein Zweifel, dass irgend ein objektives abnormes Verhältniss ob- 
walte zwischen der jeweiligen Stellung der senkrechten Kopfachse und sofort 
auch des Auges und zwischen der Direction der Linien, welche eine regel- 
widrige Brechung in dem Auge zu erfahren haben. 

Airy 31 war der Erste, welcher diesen Fehler, den späterhin Goode 
Astigmatismus nannte, beobachtete. Er vermuthete mit Brewster 32 , dass 
Krümmungsirregularitäten der Hornhaut oder Linse zu Grunde lägen, und stützte 
sich vornehmlich darauf, dass durch Brillengläser, welche der präsumtiven 
Irregularität der Krümmungsflächen entsprechende Concavitäten entgegenstellten, 
der Gesichtsfehler wesentlich vermindert wurde. Hamilton's 33 Versuche mit 

Stellwag, Ophthalmologie. I. 2 



18 Gestaltabweichungen. 

zwei senkrecht über- und zwei waagrecht nebeneinander gestellten Karten- 
löchern wiesen mit Bestimmtheit auf eine verschiedene Strahlenbrechung in 
verticaler und horizontaler Richtung nach, und liessen sohin auf eine grössere 
Krümmung eines dioptrischen Augenmediums von der einen Seite zur anderen, 
als von oben nach unten schliessen. Dass dieses abnorm, cylinderförmig ge- 
krümmte Medium aber die Hornhaut war, wies Thomson nach. Hamilton's 
Fall completirt die Airy'schen Beobachtungen, wird selbst aber durch die 
Erfahrungen Henry Goode's 34 in seiner Bedeutung mächtig aufgeklärt. 

Den positiven Nachweis für die Begründung des Astigmatismus in Ab- 
weichungen der Hornhautcurve liefert aber ein von mir beobachteter Fall, in 
welchem eine mit freiem Auge wahrnehmbare cylinderförmige Krümmung der 
Cornea einen Gesichtsfehler bedingt hatte, welcher mit den von Airy, Hamilton 
und Goodo untersuchten der Wesenheit nach völlig übereinstimmt 35 . 

Ich zweifle um so weniger an der Richtigkeit meiner Behauptung, als es 
nach meiner Erfahrung möglich ist, durch Druck auf die Hornhaut mittelst der 
Rückenfläche zweier einander genäherter Finger die Erscheinungen des Astig- 
matismus zur Wahrnehmung zu bringen, namentlich aber die Direction der Ver- 
zerrung in den Netzhautbildern nach der Richtung, in welcher die drückenden 
Finger auf die Hornhaut gelegt werden, willkürlich zu verändern, und zwar 
so, dass sie immer parallel zu dem Spalte zwischen beiden Fingern ist 36 . 

§ 53. Der Astigmatismus in der geschilderten Form ist ein seltenes 
Vorkommniss und die ihn bedingenden Anomalien der Cornealcurve sind jeden- 
falls als sehr excessive zu betrachten. Es steht aber zu vermuthen, dass der- 
artige Abweichungen der Cornealcurve in ganz niederen Graden 
einer grösseren Anzahl von Menschen eigen seien und bezüglich der Form der 
Verkrümmung sehr variiren, es scheint, als erstrecke sich die von Stampfer 
gefundene Krümmungsirregularität der Hornhautperipherie in häufigen Fällen 
auch auf mehr centrale Hornhautparthien. Es spricht dafür, dass nicht jeder 
Mensch für kleine Differenzen in der Direction gewisser Linien ein gleich 
scharfes Wahrnehmungsvermögen besitzt. Ein Beispiel soll dieses erläutern. 
Portraite befriedigen nicht Jedermann gleichmässig, mittelmässige Portraite findet 
der Eine dem Objekte täuschend ähnlich, während der Andere dieselben als 
höchst mangelhaft, und ohne Spur einer Aehnlichkeit erklärt; vollkommen ge- 
lungene Portraite werden aber von allen gleichmässig als naturgetreu anerkannt. 
Es scheint sich dieses aus Folgendem zu erklären: Ein geübter Maler zeichnet 
die einzelnen Züge gewiss richtig in Bezug auf seine eigene Wahrnehmung, 
Krümmungsabweichungen seiner optischen Medien müssen aber nothwendig 
entsprechende Modificationen in den Zügen des Bildes bedingen und es kommt 
nun auf die Aehnlichkeit in der Hornhautkrümmung der Beurtheiler mit der 
Cornealcurve des Malers an, ob die Aehnlichkeit des Bildes wahrgenommen 
Wird, oder nicht, während bei objektiv-richtigen Abbildungen eine Differenz 
in dem Urtheile verschiedener Leute nicht eintreten kann, weil die Verzerrung 
der objektiven Züge mit jenen des Bildes in dem Auge eine gleiche sein muss. 
Auf ähnlichen Verhältnissen scheint auch der Umstand zu beruhen, dass Aehn- 
lichkeiten gewisser Familienglieder von manchen Menschen sehr bedeutend ge- 
funden, von anderen aber gänzlich abgeläugnet werden u. s. w. 

Viel deutlicher tritt die individuelle Verschiedenheit in der Hornhautcurve 



Atonie der Cornea. 19 

hervor durch die anerkannt höchst differente Zahl, Stellung und Länge, in 
welcher die Sternschwänze von verschiedenen Personen gesehen werden. Voll- 
kommene Gleichartigkeit der Krümmungen in den Augenmedien und eine solche 
Beschaffenheit derselben, dass alle aus einem leuchtenden Punkte ins Auge 
fallenden Strahlen in Einem Punkte vereinigt würden, müssten nothwendig eine 
Wahrnehmung der Sterne in ihrer objektiven Gestalt bedingen. Es variiren 
aber die Augen ausserordentlich in der Wahrnehmung 37 und es müssen daher 
Krümmungsabweichungen der Augenmedien angenommen 3S und dieselben wegen 
dem grösseren Einflüsse der Hornhaut auf die Lichtbrechungsverhältnisse des 
Auges in der Hornhaut gesucht werden, und dieses um so mehr, als man auch 
die Gestalt und Richtung der Sternschwänze durch Druck auf die Cornea will- 
kürlich verändern kann. 

Parallactische Messungen werden in der Zukunft hoffentlich die unzähligen 
Fragepunkte dieses Themas aufklären. 

Vierter Artikel. 

Abweichungen in der Consistenz und Elasticität der Hornhaut. 

§ 54. Die Cornea verdankt die ihr eigenthümliche Derbheit und Bie- 
gungselasticität dem Humor aqueus, welcher sie stetig im reichlichen Maasse 
durchtränkt. Auspressen der Feuchtigkeiten macht die Hornhaut welk, schlaff, 
trüblich und benimmt ihr jede Spur von Elasticität, führt einen Zustand herbei, 
der auch im Leben als Krankheitsform, obwohl selten zur Beobachtung kommt 
und als 

Atonia corneae, 

als Corrugatio, subsidentia corneae, fletrissure de la cornee, Porosis u. s. w. 
aufgeführt und beschrieben wird. 

§55. In niederen Graden dieses Leidens erscheint die Hornhaut 
welk, weich, durch den auf ihr lastenden Druck der athmosphärischen Luft ver- 
flacht und der, nicht selten flottirenden oder aber von den Augenmuskeln 
mittelst der Linse nach vorn gedrückten Iris genähert. Wegen der Unfähigkeit 
ihres Gewebes, sich auf sich selbst zusammenzuziehen, erscheint ihre Ober- 
fläche um so mehr gerunzelt, je weiter die Verflachung der Convexität ge- 
diehen ist. Die Vorderkammer repräsentirt sich im hohen Grade verengt, sie 
ist nicht ihrer ganzen Ausdehnung nach mit Kammerwasser gefüllt, das Niveau 
desselben steht bald höher, bald tiefer und wechselt bei jeder Lage des Auges. 

Bei höheren Graden der Erschlaffung folgt die Cornea aber ganz 
ihrer eigenen Schwerkraft und dem Zuge des in der Vorderkammer enthaltenen 
geringen Restes von Kammerwasser, sie hängt in Form eines Beutelchens mit 
weiter Oeffnung von dem Scleralrande herab und wechselt jeden Augenblick 
ihre Form, je nach dem Spiele des bei jeder Bewegung daran stossenden 
unteren Lides. Die äussere Wand der unteren Beutelhälfte berührt die Vor- 
derfläche der unteren Scleralbindehautparthie, die innere Fläche der oberen 
Beutelwand aber steht mit der vorgebauchten Iris und Linse in Contakt, durch 
keine wässerige Feuchtigkeit getrennt, denn diese findet sich auf wenige Tropfen 
geschwunden in dem Grunde des Beutelchens. 

2. 



20 Consistenzverminderung. 

Die Oberfläche atonischer Hornhäute erscheint rauh, mitunter opalisirend, 
graulich trüb, öfters gefleckt. Es sind dieses Folgen von Vertrocknung des 
Epithels, welche an den aus der Lidspalte hervorragenden Theilen des 
Hornhautbeutelchens mitunter so hohe Grade erreicht, dass die letzteren 
ganz das Aussehen xerotischer Cornealparthien gewinnen. Das eigentliche 
Hornhautparenchym verliert seine optische Gleichartigkeit, wird matt, durch- 
scheinend, trüblich, und seine Farbe spielt gewöhnlich in das Meergrüne. 

§ 55. Mikroskopische Untersuchungen atonischer Hornhäute liegen zur 
Zeit noch nicht vor. Es dürfte sich indess trotzdem das Wesen der fraglichen 
Krankheit unschwer aus den begleitenden Erscheinungen, noch deut- 
licher aber aus der Aetiologie ableiten und auf mangelhafte Durchtränkung 
der Hornhautsubstanz mit Kammerwasser basiren lassen. Es geht nämlich 
der Grad der Atonie der Regel nach einer verhältnissmässigen Verringerung 
des Kammerwassers parallel und die Affektionen des Augapfels, welche sich 
als ursächliche Momente der Atonie einzig und allein betrachten lassen, sind 
theils solche, welche einen Abfluss des Kammerwassers direkt bedingen, theils 
aber solche, welche nothwendig mit Funktionsstörung der Ciliarfortsätze einher- 
gehen müssen. 

Es ist bekannt, dass Hornhautfisteln bei längerem Bestände die Atonie der 
Hornhaut nach sich ziehen können, und sie thun dieses in Wahrheit so oft, 
dass man geneigt war, anzunehmen, alle bisher bekannt gewordenen Fälle von 
Atonie seien auf solche Fisteln zurückzuführen, und wo selbe nicht direkt 
beobachtet wurden, sei ein Fehler der Diagnose eingeschlichen 39 . 

Es steht jedoch dieser letzteren Hypothese die thatsächliche Erfahrung 
entgegen, dass die Atonie bei sehr herabgekommenen Individuen, schlaffer Con- 
stitution und bedeutender Trägheit der vegetativen Funktionen mitunter Folge 
penetrirender Wunden, namentlich oft Folge des Hornhautschnittes zum Zwecke 
der Staarextraktion war, und dass sich die Atonie unter solchen Verhältnissen 
entwickelte, trotzdem sich die Wundränder vollständig vereinigt hatten, indem 
der bei der Verletzung abfliessende Humor aqueus sich nicht mehr ersetzte, 
die Kammer vielmehr theilweise leer blieb und die Cornea sich sofort faltete 
und beuteiförmig herabsenkte 40 . Da im ganzen Verlaufe der Krankheit keine 
Spur einer entzündlichen Reaktion nachweisbar war, bleibt nichts übrig, als 
einen Involutionsprocess der vegetativen Organe des Bulbus als Folge des me- 
chanischen Eingriffes und als Ursache der aufgehobenen Absonderung des 
Kammerwassers anzunehmen. 

Unstreitig am öftesten sind es jedoch Entzündungen der tieferen Gebilde 
des Augapfels, welche mit der Atonie der Hornhaut durch das Zwischenglied 
der Verminderung des Kammerwassers in ursächlichem Verbände zu stehen 
scheinen, und unter diesen Entzündungen stechen vor Allen jene hervor, welche 
sich nach Staaroperationen, insbesondere nach Nadeloperationen etabliren und 
jene, welche künstlichen Pupillenbildungen auf dem Fusse folgen 4 1 : Doch ist 
die Atonia corneae von J. Fischer 42 auch nach acuter Blennorrhoe^ welche 
sich mitunter mit Entzündungen der inneren Bulbusorgane verbindet, gesehen 
worden. S 

§ 56. Fasst man dieses alles zusammen, so gewahrt man leicht, dass die 
Atonie der Hornhaut nicht nur bezüglich der am meisten charakteristischen, 



Cornoalgefässc, icterische Färbung. 21 

begleitenden Erscheinung, der Verminderung des Kammerwassers, sondern auch 
in Bezug auf Aetiolugie mit der Atrophie der' Hornhaut vollkommen überein- 
stimmt und es ist um so weniger an der innigen Verwandtschaft beider zu 
zweifeln, als die Atonie oonstant nur eine Uebergangsform ist, durch 
welche die Cornea mit dem gesammten Bulbus unaufhaltsam der Atrophie zu- 
schreitet. Die Atonie erscheint sofort als eine eigentümliche Art beginnender 
Atrophie, und findet so wie diese ihren nächsten Grund in Versiegung jener 
Quelle, aus welcher dem Hornhautgefüge die Nahrung zufliesst. 

§ 57. Ich kann hier eine physiologisch höchst wichtige Bemerkung 
nicht unterdrücken. Wäre nicht der Humor aqueus der Träger des zum Nu- 
tritionsprocesse der Hornhaut nöthigen Stoffwechsels, beherbergte die Cornea 
Gefässe in ihrer Substanz, welche continuirlich Flüssigkeiten zu- und abführen: 
so müsste bei Atonie des Cornealgewebes wegen Aufhebung des Druckes, 
unter welchen sich die Gefässe in der Norm befänden, eine ungeheure Aus- 
dehnung derselben, eine Anschwellung des Parenchyms resultiren und bei Zu- 
sammenhang der Gefässe mit Blutgefässen, eine Injektion derselben weit deut- 
licher hervortreten, als dieses active Congestion je zu erzeugen im Stande ist. 
Es tritt aber keine dieser Erscheinungen in der atonischen Hornhaut hervor, 
und die Gefässhaltigkeit des Cornealparenchyms ist dadurch allein 
mehr als unwahrscheinlich gemacht. 

§ 58. Bezüglich vermehrter Consistenz des Hornhautgefüges sind 
bisher noch keine Beobachtungen gemacht, wenigstens keine solchen, die einigen 
Anspruch auf Berücksichtigung in der Wissenschaft hätten 43 . 

Fünfter Artikel. 

Abweichungen der Hornhaut in Bezug auf Durchsichtigkeit und 

Farbe. 

§ 59. Ich verweise betreffs der Trübungen mikrophfhalmischer, atro- 
phischer und atonischer Hornhäute auf das bereits Gesagte und betreffs der, 
durch eingelagerte entzündliche Produkte, sowie durch Blutextravasate be- 
dingten Färbungen und Opacitäten auf die folgenden Fehlergruppen, wende 
mich daher alsbald zu den 

Normwidrigen Färbungen durch aufgelöste Pigtnente. 

§ 60. Es sind diese Färbungen der Hornhaut ganz besonders geeignet, 
die Wichtigkeit des Kammerwassers in Bezug auf die Ernährung der Cornea 
darzuthun, die stete Durchtränkung des Cornealparenchyms mit wässeriger Feuch- 
tigkeit zu erweisen. Wo immer nämlich abnorme Färbung der Cornea durch 
gelöste Pigmente vorkommt, ist sie an gleichzeitige Färbung des Humor 
aqueus durch eben diese Stoffe gebunden, das Kammerwasser erscheint als 
das Mittel, durch welches der Farbstoff in die Cornealsubstanz gelangt. Es 
sind diese Pigmente theils Gallenfarbestoffe, theils Hämatin. 

a. Gallenfarbestoffe 
§ 61. färben die Cornealsubstanz gelb in verschiedenen Nuancen 4 *, 
ohne die Durchsichtigkeit zu beeinträchtigen. Alle Theile der Hornhaut 



22 Abnorme Färbung. 

erscheinen unter dem Mikroskop gleichmässig und sehr licht gelb gefärbt, ohne 
dass sich eine Spur eines fremden Formelementes vorfände. 

Die icterische Färbung der Hornhaut ist an die Existenz eines intensiven 
allgemeinen Icterus gebunden, sie ist eine Theilerscheinung desselben, und ver- 
schwindet mit ihm, ohne irgend welche Störungen in der Nutrition zu bedingen, 
oder sichtbare Folgen zu hinterlassen. Immer ist der Humor aqueus gleich- 
zeitig im hohen Grade gelb gefärbt, Nuance und Intensität der Hornhautfärbung 
ist der des Humor aqueus stets proportionirt. Doch sind solche Fär- 
bungen durch Gallenfarbestoffe jedenfalls selten, in den allermeisten Fällen von 
Icterus lassen sich weder am Leben noch am Cadaver im Auge Theilerschei- 
nungen desselben nachweisen, und dieses erklärt gewiss das nur selten vor- 
kommende Gelbsehen gelbsüchtig Erkrankter. 

b. Gelöstes Hämatin 

§ 62. färbt die Hornhaut in allen ihren Theilen intensiv fleischwasser- 
roth bis blutroth und dunkelpurpur, bei bereits eingetretenem Zersetzungspro- 
cesse des Blutfarbestotfes auch gelbroth und selbst grell pomeranzengelb. Die 
Durchsichtigkeit leidet blos insofern, als nur bestimmte Farben des Spectrums 
durchgelassen werden, die absolute Menge des durchgelassenen Lichtes also 
bedeutend abnimmt. Die Oberflächen bleiben glatt, glänzend, die Spiegelbilder 
unverändert. 

Das Mikroskop zeigt alle Theile der Hornhaut, das Epithel und die 
eigentliche Cornealsubstanz von der angeführten Farbe, immer jedoch wegen 
der Dünnheit der Objekte bedeutend lichter, vollkommen durchsichtig. Keine 
Spur eines Gefässes lässt sich entdecken und eben so wenig Blutkörperchen, 
oder körniges Pigment. Die Struktur der Hornhaut ist gänzlich unverändert, nur 
die Farbe hat gewechselt. 

§ 63. Immer ist der Humor aqueus gleichzeitig und in derselben Nuance 
gefärbt, und es findet sich die Quelle dieser Färbung entweder in Blut extra- 
vasalen der Vorder kämm er, und dann beschränkt sich die anomale 
Färbung auf die genannten Theile des Augapfels, oder aber, was häufiger ist, 
es lässt sich im ganzen Augapfel keine Spur einer Blutergiessung nachweisen 
und doch sind alle Parenchyme und Flüssigkeiten des Bulbus gefärbt, es muss 
eine Zersetzung des Blutes, eine Durchschwitzung des im Blutserum 
gelösten Hämatins durch die unverletzten Gefässwände angenommen werden. 

§ 64. Fälle der ersten Art kommen in jedem Lebensalter vor, 
jede Hämorrhagie in die Vorderkammer kann eine normwidrige Färbung des 
Humor aqueus und der Hornhaut bedingen. Doch in den meisten Fällen löst 
das Kammerwasser nur sehr allmälig und in kleinen Quantitäten das Hämatin der 
Blutkörperchen, die meisten der letzteren behalten ihren Farbestoff, schrumpfen 
und gehen die Verfettigung und Pigmentmetamorphose ein. Das Kamnier- 
wasser erhält dann nur eine sehr geringe Quantität zersetzten Hämatins, wird 
licht gelb, und die Verfärbung der Cornea ist kaum deutlich nachweisbar. In 
manchen Fällen löst sich jedoch sehr viel Hämatin und sehr rasch, Humor 
aqueus und Cornea erscheinen blutroth, in späteren Stadien aber pomeranzen- 
gelb 43 , bis endlich allmälig weniger und weniger Hämatin in den Humor aqueus 



Rölhung; abnorme Verbindung und Lage. 23 

aufgenommen werden kann, wo sodann die normale Farblosigkeit der genannten 
Medien zurückkehrt. 

§ 65. Weit häufiger kommen aber jene Färbungen vor, welche auf 
keinen Bluterguss zurückgeführt werden können, sondern aus Durch- 
schwitzungen des Hämatins mit dem Blutserum durch die Gefäss- 
wände erklärt werden müssen. Sie sind ausschliesslich der fötalen Lebens- 
epoche eigen, sie werden immer mit auf die Welt gebracht; doch finden sie 
sich nach den bisherigen Erfahrungen ausschliesslich nur beim Fötus jenseits 
des 4. Monates, dann aber um so häufiger, je älter der Embryo ist, und na- 
mentlich reife Kinder, welche mit sehr turgescirender, rother oder gelber 
Haut geboren werden, lassen häufig diese Wahrnehmung machen 46 . 

Bei der anatomischen Untersuchung solcher Augen findet man alle Theile 
des dioptrischen Apparates, die Hornhaut, das Kammerwasser, säramtliche Glas- 
häute, die Linse 47 und die Glasfeuchtigkeit dunkel fleischwasserroth bis pur- 
purroth, ihre Parenchyma gleichmässig mit rother Flüssigkeit durchtränkt, doch 
keine Spur eines abnormen Formelementes. Die gefässhaltigen Organe des 
Augapfels und die Conjunctiva sammt dem episcleralen Gewebe strotzen von 
Blut, und namentlich die Uvea erscheint in allen ihren Theilen, sowie in ihren 
Anhängen derart congestionirt, dass sie sich nach Abschürfung des Pigmentes 
dem freien Auge gleichmässig scharlachrolh repräsentirt, unter dem Mikroskop 
aber die Gefässvertheilung besser studiren lässt, als an dem bestgelungensten, 
künstlichen Injektionspräparate. Blutaustretungen finden sich jedoch in keinem 
einzigen Organe des Augapfels, daher denn auch Amnion diese rothe Färbung 
als eine eigentümliche rothe Ernährung der Theile, als eine Folge krankhafter 
Blutmischung erklärt, welche noch nicht ein vollendetes Kranksein begründet. 

Im Leben äussert sich in solchen Augen eine sehr bedeutende Lichtscheu, 
enorme Empfindlichkeit gegen jeden äusseren Reiz, die geringste Ursache 
reicht hin, den Zustand einfacher Congestion zu den heftigsten Entzündungen 
zu steigern, und namentlich die Ophthalmoblennorrhoe soll unter solchen Um- 
ständen häufig zur Entwicklung kommen. 

Sechster Artikel. 

Anomalien der Verbindung und Lage. 

§ 66. Die Cornea steht in unmittelbarem Zusammenhange mit der Mem- 
brana Descemeti und der Sclera. Nur krankhafte Processe und mechanische 
Gewalten können diese Verbindung lösen, die Erörterung dieser Anomalie 
gehört daher in ein anderes Capitel. Dasselbe gilt auch von den normwidrigen 
Verlöthungen der Hornhaut, es sind wieder nur krankhafte Processe und me- 
chanische Verhältnisse, welche die Cornea in anomale Verbindung mit Organen 
der inneren Bulbushöhle und mit den, den Augapfel umgebenden Gebilden 
bringen können, es ist kein Beispiel bekannt, in welchem eine solche norm- 
widrige Verbindung in fehlerhafter Entwicklung des Auges begründet ge- 
wesen wäre. 

§ 67. Eben so wenig Ausbeute liefern die Anomalien der Lage, es ist 
kein Fall constatirt, in welchem die Cornea in einen anderen Theil der Sclera 
eingelenkt gewesen wäre, als in jenem, welcher dem Eintritte des Sehnerven 



24 Anomalien des Zusammenhanges. 

gegenüber steht. Bemerkenswert sind nur die verschiedenen Stellungen, 
welche die Hornhaut in Folge von Ectasien der Scleralrandparthien annimmt. 
Es wird dadurch der eine oder andere Theil des Cornealrandes emporgehoben, 
und sofort die Achse der Cornea zu der optischen Achse des Auges in 
einen Winkel gestellt, den ich in einigen Fällen zu 20° — 50° schätzte, die 
Hornhautconvexität sieht gegen die, der ectatischen Scleralparthie entgegenge- 
setzte Seite. 



Zweite F e h 1 e r g r u p p e. 

Anomalien des Zusammenhanges. 

§ 68. Die Cornea besteht aus Fasern, welche durch eine völlig struktur- 
lose homogene Masse zu einem blätterigen Ganzen vereinigt werden. Durch 
chemische Mittel werden diese Formbestandtheile in mehrere ihrem Wesen 
nach differente Substanzen gelöst, und endlich in die jeder organischen Masse 
eigentümlichen Grundstoffe zerlegt. 

Die chemischen Bestandteile der Hornhaut sind das Besultat eigenthüm- 
licher Cohäsionsverhältnisse der Grundstoffe, und die verschiedene Gestaltung 
der ersteren in der Organisation ist wiederum nur der Ausdruck einer auf 
Cohäsion der Theile beruhenden differenten Anordnung der Moleküle. 

Anomalien des Zusammenhanges äussern sich demgemäss nicht nur in 
Trennung des Verbandes der einzelnen Formelemente, sondern 
auch in Aufhebung jener Cohäsionsverhältnisse, aus welchen 
die Formelemente selbst resultiren, in Störung der natürlichen An- 
einanderreihung der einzelnen Moleküle. Von dem naturwissenschaftlichen 
Standpunkte aus erscheint der mechanische und chemische Trennungspro cess 
als ein analoger, ein nur dem Grade nach verschiedener, in die Organisation 
der Theile mehr minder tief eingreifender. Ich behandle demzufolge zuerst 
die Trennungen des Zusammenhanges in den chemischen Bestandteilen und 
sodann die Aufhebung der Continuität in den organischen Formelementen. 

Erster Abschnitt. 

Anomalien in der Cohäsion der chemischen Bestandtheile. 

Sie ist im Wesentlichen bedingt entweder durch Aufhören der Le- 
bensbedingnisse eines Organs, oder aber durch Einwirken chemischer 
Agentien. 

A. Anomalien der Molecularcohäsion in Folge von Aufhebung der 
organischen Lebensbedingnisse. 

Als solche glaube ich, mehr auf Analogien, als auf thatsächliche Beobach- 
tungen gestützt, die Malacie und die verschiedenen Arten des Brandes 
betrachten zu dürfen. 



Cornealmalacie. 25 

Erster Artikel. 

Die Malacie der Cornea 

§ 69. ist ihrem Wesen nach so viel als unbekannt und selbst ihre 
Symptomatologie nur aus wenigen beobachteten Fällen abzuleiten, von denen 
man überdiess oft nicht weiss, soll man die sichtliche Erweichung auf Grund 
einer Exsudation, oder auf brandige Zerstörung schieben oder aber sie wirklich 
als Malacie gelten lassen. 

Ich sah die Malacie bisher unter einer dreifachen Form auftreten. 
Chemische und mikroskopische Untersuchungen müssen erst herausstellen, ob 
und inwiefern diese drei Formen mit einander verwandt sind, ob sie dem Wesen 
nach Eins sind, oder in ihrem Innersten verschieden, dilferente Krankheits- 
processe darstellen, welche in den nosologischen Systemen ganz andere Stellen 
einzunehmen haben, als diejenige ist, welche ich denselben aus Mangel ge- 
höriger Einsicht in ihre Natur einzuräumen gezwungen bin. 

§ 70. Die erste Form 

beobachtete ich ein einziges Mal und finde kein Analogon zu dem betreffenden 
Falle in den oculistischen Schriften /f8 . 

Bei ganz unbedeutenden Reizungserscheinungen der Conjunctiva, bei 
gänzlichem Mangel an Lichtscheu und Schmerzhaftigkeit lockerte sich am oberen 
Umfange der Hornhaut eine kaum hanfkorngrosse Parthie der oberflächlichsten 
Corneallamellen auf, zerfiel in einen vollkommen durchsichtigen, gelblichen, sulz- 
ähnlichen Brei, welcher sofort auf der muldenförmigen Vertiefung der Horn- 
haut eine Zeit lang liegen blieb, sodann aber abgeschwemmt wurde. Grund 
und Ränder dieses Substanzverlustes erschienen ganz durchsichtig, ohne Spur 
einer Alteration. Und doch schritt der Erweichungsprocess, obwohl langsam, 
continuirlich vor, die Substanzlücke vergrösserte sich nach und nach, ohne je- 
doch in die Tiefe zu greifen, und zwar war die Ausbreitung an den Seiten- 
rändern eine raschere, als an der centralen Grenze, wesshalb binnen einigen 
Wochen der Substanzverlust eine nierenförmige Contour angenommen hatte, 
der Hilus gegen die Hornhautmitte sah, die Gonvexität aber gegen den Limbus 
conjunctivalis gerichtet, und von demselben durch die ganz durchsichtige, in 
der Gonsistenz unveränderte, strukturlose Cornealrandsubstanz, welche an dem 
Erweichungsprocesse keinen Antheil nahm, getrennt war. Später entwickelte 
sich derselbe Process auch an dem unterem Umfange der Hornhaut, die nieren- 
förmige Gestalt trat in der Mulde bald hervor, und indem sich die letztere all— 
mälig nach den Seiten hin ausbreitete, flössen die seitlichen Ränder der oberen 
und unteren Substanzlücke zusammen, und umgaben sohin das in seiner voll- 
kommenen Integrität verharrende Gornealcentrum, welches gleich einer Insel 
von unregelmässig rundlicher Contour und 1'" — l 1 /^"' Durchmesser etwas 
weniges über das Niveau des Lückenbodes hervorragte. Die unveränderte 
Existenz dieses centralen Hornhauttheiles erklärt das während dem ganzen Ver- 
laufe der Krankheit so wenig gestörte Sehvermögen, dass die Patientin nicht 
nur häusliche Geschäfte, sondern auch minder feine Frauenarbeiten ver- 
richten konnte. 

Endlich stellte sich sichtliche Reaktion ein, die Conjunctiva röthete sich 
unter bedeutender Lichtscheu und Schmerzen im Bereiche des Trigeminus, die 



26 Anomalien der Molecularcohäsion. 

Substanzlücken überzogen sich mit plastischem Exsudate, in welchem sich Ge- 
fässe entwickelten und das Resultat war eine, die Cornea mit Ausnahme des 
Centrums und der äussersten Peripherie überziehende, etwas vertiefte, sehr 
dünne, milchweisse, durchscheinende Narbe, mit deren Zustandekommen die 
Kranke sich der weiteren Beobachtung entzog. 

Es waren mit Ausnahme des Entzündungsstadiums während dem ganzen 
Verlaufe der Krankheit keine Erscheinungen bemerkt worden, welche eine 
Alteration in dem nervus trigeminus oder aber in dem sympathischen Nerven 
auch nur mit einiger Wahrscheinlichkeit hätten vermuthen lassen, und ich finde 
in diesem Umstände einen Grund, diese Form der Cornealmalacie von jener zu 
trennen, deren Auftreten constant an Veränderungen des Quintus und des sym- 
patischen Nerven gebunden ist, und diese Trennung ist um so gerechtfertigter, 
als auch die Erscheinungen bei beiden Formen ganz difterente sind. 

§ 71. Die zweite Form 

geht häufig unter den Symptomen einer mehr minder heftigen Congestion und 
ödematosen Anschwellung der Bindehaut einher, und äussert sich anfänglich 
als eine leichte weissliche Trübung, welche sich allmälig ausbreitet, an Intensität 
der Färbung zunimmt, und endlich nach kürzerem oder längerem, selbst viele 
Jahre dauernden Bestände in wahre Erweichung übergeht. Es stösst sich 
dann das Epithel ab, die Cornealsubstanz quillt auf und zerfällt in einen milch- 
weissen, trüben, rahmartigen Brei, welcher sich abstösst und einen geschwür- 
ähnlichen Substanzverlust zurücklässt. Indem diese Erweichung allmälig nach 
der Tiefe und dem Umkreise fortschreitet, wird endlich die ganze Cornea con- 
sumirt, die Iris biosgelegt, die Linse und der Glaskörper entleert, und so ein 
Zustand herbeigeführt, welcher das Ansehen hat, als wäre der Bulbus durch 
exsudative Phthisis zu Grunde gegangen. 

§ 72. Es tritt diese Form der Cornealmalacie niemals primär auf, con- 
stant gehen ihr Symptome voraus, deren Complex über das Vorhandensein eines 
pathischen Processes auf der Schädelbasis, namentlich in dem Bereiche des 
fünften Nervenpaares keinen Zweifel übrig lässt. 

In einzelnen Fällen entwickelt sich im Verlaufe einer heftigen Meningitis 
urplötzlich Anaesthesie der einen oder der anderen Gesichtshälfte mit oder 
ohne gleichzeitige Lähmung der Kaumuskeln, und die Erscheinungen der Ma- 
laria corneae folgen auf dem Fusse nach, rasch zur Consumtion des Organes 
führend 49 , wenn nicht der Tod deren völliger Ausbildung voraneilt 50 . 

In andern Fällen sind meningitische Erscheinungen vor Jahren dagewesen, 
oder sie fehlen in der Anamnese ganz, und blos mehr minder heftiger Kopf- 
schmerz geht Lähmungen des Nervus quintus, und zwar einzelner Theile des- 
selben oder seines ganzen Stammes voraus. Es gesellen sich zu diesen Läh- 
mungen dann öfters Aufschwellungen der Nasen- und Mundschleimhaut mit 
Blutungen, Oedom der Wangen u. s. w. bis endlich mehr minder heftige Con- 
gestion mit seröser Anschwellung der Bindehaut hinzutritt. In diesem Zustande 
kann die Krankheit Jahre lang still stehen, bis sich endlich die Hornhaut trübt 51 
und abermals nach kürzerer oder längerer Zeit in der angegebenen Weise 
schmilzt, 

Die bisher bekannt gewordenen Leichenbefunde ergaben in solchen 



Comealmalacie. 27 

Fällen organisirte Exsudate vorausgegangener Mcningitides mit nachträglicher 
Schrumpfung und sofortiger Unterbrechung der Leitungsfähigkeit der betroffenen 
Nervenstämme, vorzüglich des ersten Astes nervi quinti oder seines grossen 
Ganglion's, oder aber Exsudationen in die Nervenstämme selbst, Erweichung, 
Atrophie u. s. w. der Nervenröhren bedingend, oder endlich Afterprodukte 
im Gehirne, seinen Häuten oder in der Schädelbasis, welche drückend auf 
die vor dem Ganglion Gasseri gelegenen Theile des nervus quintus oder auf 
dieses Ganglion selbst gewirkt halten 52 . 

§ 73. In Anbetracht dieser Befunde erscheint die Begründung der Cor- 
nealmalacie in der Erkrankung des ersten Astes des Trigeminus oder seines 
Ganglions so ziemlich ausgemacht, namentlich wenn man die Analogie dieses 
Schmelzungsprocesses mit den Folgen der Durchschneidung dieses Nervenastes 
bei lebenden Thieren ins Auge fasst, wie selbe von Magendie 53 , Valentin und 
neuerlich von Szokalski in Verbindung mit Longet und Pappenheim gründlich 
erforscht worden sind 54 . 

Der Annahme eines unmittelbaren Causalzusammenhanges zwischen der 
Comealmalacie und der Leitungsfähigkeit des nervus quintus tritt aber der Um- 
stand entgegen, dass Erkrankungen und experimentelle Durchschneidung seines 
Stammes bei Thieren zwischen dem Ganglion Gasseri und dem Gehirn die 
Comealmalacie nicht im Gefolge hat 55 . Es stellt sich aus diesen Erfahrungen 
vielmehr heraus, dass der fünfte Nerv nur insofern von Einfluss auf den or- 
ganischen Bestand der Cornea sei, als sein erster Ast Fäden des sympathicus 
führt, welche aus dem Ganglion cervicale hervorgehend, sich in dem Ganglion 
Gasseri den Nervenröhren des Trigeminus beigesellen, um mit diesen, das 
Ganglion ophthalmicum passirend, als Ciliarnerven zu dem Bulbus und sofort 
zur Cornea zu gelangen, wo sie, wie allerorts, den Ernährungsprocess leiten, 
während die dem fünften Nerven eigenthümlich zugehörigen Bohren die Em- 
pfindung vermitteln. Daraus erklärt sich nun der einfache Verlust der Sensi- 
bilität des Bulbus in vielen Fällen, in welchen der nervus quintus evident lei- 
tungsunfähig geworden 56 , und das Auftreten der Keratomalacie bei Integrität 
des Trigeminus nach Exstirpation des Ganglion cervicale supremum 57 . 

§ 74. Die meisten Beobachter erklären diesen Schmelzungsprocess der 
Cornea in Folge aufgehobenen Einflusses des sympathischen Nerven als Ge- 
schwürbildung, und sofort als eine Entzündung mit anomalem Verlaufe, und die 
bedeutende Böthe und Schwellung der Conjunctiva sind allerdings geeignet, 
dieser Ansicht Geltung zu verschaffen. Erst Szokalski und Pappenheim 58 haben, 
gestützt auf mikroskopische Untersuchung der erweichten Massen, gegründete 
Zweifel gegen die entzündliche Natur des Processes erregt, indem sie Aveder 
Entzündungskugeln noch Eiterkörperchen fanden; „der aus der Verwesung 
der Cornea hervorgegangene Detritus bestand aus körnigem Exsudate und 
den in kleinere Theilchen zerfallenen Hornhautfasern." 

Doch nicht jede Entzündung bedingt ein Exsudat, welches geeignet wäre, 
sich rasch zur Anbildung von Zellen zu erheben, welche ebenso rasch ihren 
Inhalt fettig umwandeln. Dieser Grund genügt nicht zur Ausschliessung eines 
bedingenden Entzündungsprocesses. Mehr leistet in dieser Hinsicht Magendie's 
Beobachtung 59 , dass nach Durchschneidung des Trigeminus selbst die hef- 
tigsten Reize keine Entzündung zu erregen im Stande seien, dieselbe aber 



28 Anomalien der Molecularcohäsion. 

sich nach mehreren Tagen freiwillig ohne alle Beiwirkung eines stimulirenden 
Einflusses stets entwickle. 

Ich glaube hierin und in Berücksichtigung der Untersuchungen Szokalski's 
und Pappenheim's einen hinlänglichen Grund zu finden, bis auf Weiteres, diese 
Form der Cornealmalacie als einen von Entzündung verschiedenen Process hin- 
zustellen, und denselben in Anbetracht der merklichen Schwellung des Gewebes 
jenen Oedemen anreihen zu müssen, welche sich so gerne in paralytischen 
Organen einstellen. Lässt sich mit J. Engel 60 unter solchen Umständen noch 
eine qualitative Veränderung des Humor aqueus annehmen, so wird nicht nur 
eine veränderte Aggregation der Hornhautmoleküle, Trübheit und körniges 
Aussehen der Substanz, sondern auch die Zertrümmerung und Auflösung der 
Cornea in einen trüben Brei erklärlich. 

§ 75. Von den Folgezuständen dieser Form der Keratomalacie 
kann keine Bede sein, denn der Durchbruch der Hornhaut erfolgte immer 
erst nach totaler Unterbrechung der Leitung in den trophischen Nerven des 
Bulbus und diese waren nach den bisherigen Erfahrungen stets mit Ver- 
änderungen auf der Schädelbasis gepaart, welche ein Fortleben des erkrankten 
Individuums unmöglich machten. 

§ 76. Die dritte Form 

der Keratomalacie lässt uns über ihr eigentliches Wesen noch mehr im Dunkelen, 
ihre Aufstellung als solche und an diesem Orte ist nur das Besultat unser Un- 
kenntniss des Vorganges. 

Sie ist wesentlich in gehemmter Ernährung der Cornea begründet, und 
wahrscheinlich bedingt durch mangelhafte Zufuhr der zu ihrer ste- 
tigen Beproduction nothwendigen plastischen Stoffe. Ich meine 
die Schmelzung der Cornea bei jenen Hunden, die Magendie in seinen allbe- 
kannten Versuchen 01 durch ausschliessliche Nahrung mit axotleeren Sub- 
stanzen zum Tode brachte. 

Vielleicht gehört hierher auch die Exulceration der linken Hornhaut, 
welche Mayer nach Unterbindung der Carolides primitivae bei Kaninchen ge- 
sehen haben will 62 . 

Zweiter Artikel. 

Der Brand der Cornea. 

§ 77. Er schliesst sich in ganz natürlicher Beihenfolge der Erweichung 
an. Er wie sie erkennen als Grundbedingung ihres Entstehens das Aufhören 
der zum organischen Fortbestande der Hornhaut nöthigen Lebensbedingungen, 
und äussern sich wesentlich als ein Zersetzungsprocess. Doch geht in dem 
Brande die organische Materie einen Schritt weiter, das Besultat der Zersetzung 
sind nicht mehr ternäre und quaternäre Verbindungen, ähnlich faulenden und 
modernden organischen Geweben löset sich die Hornhaut in binäre Verbin- 
dungen, welche sich in Form stinkender Gase auf Distanz zu erkennen geben. 

§ 78. Der Brand, sowie die Malacie tritt unter mehreren Formen in 
die Wahrnehmung und es ist bis jetzt noch nicht der Geist über die Ophtal- 
mologie gekommen, der den inneren Zusammenhang der obwaltenden Processe 



. 



Cornealbrand. 29 

durchschauend das Identische derselben zu einen, das Heterogene aber zu 
sondern vermocht hätte. Die Trennung der verschiedenen Arten des Brandes, 
die sich durch häufige Combinationen unter einander als analoge Vorgänge be- 
urkunden, ist nur der Ausdruck für unsere Unkenntniss des inneren Wesens, 
diese zwingt uns, das Princip der Einteilung in wahrscheinlich unwesentlichen 
Aeusserlichkeiten zu suchen. 

§ 79. Als erste Form 

betrachte ich die, im Gefolge mehr weniger intensiver Entzündungen der blul- 
haltigen Organe des Augapfels auftretende Zersetzung der Hornhaut in einen 
schmutzig grauen, selbst schwärzlichen, zunderähnlich zerfallenden, leicht zer- 
reisslichen, eckelhaft nach Schwefelwasserstoffgas riechenden, feuchten Brei. 

Die Entwicklung grauer oder schwärzlicher Flecken auf der Cornea, als 
erstes Zeichen dieser Brandform, ohne dass demselben nur einigermassen 
wahrscheinlich eine Exsudation zu Grunde läge, bestimmt mich, diese Art der 
Gangrän von Keratitis zu trennen, und sie bis auf Weiteres einzig und allein 
in Aufhebung des zur Vegetation der Cornea nothwendigen Stoffwechsels, als 
Folge der Stase in den nachbarlichen bluthältigen Organen begründet zu denken. 

§ 80. Entzündungen der bluthältigen Organe des Augapfels, als Folge 
von traumatischen und chemischen Eingriffen aller Art, als Folge von primärer 
und secundärer, metastatischer Phlebitis, als Folge von Erysipel, ferner hochgradige 
Blennorrhöen, wenn sich der zu Grunde liegende Entzündungsprocess gleich- 
zeitig auf die inneren Gebilde des Augapfels verbreitet hat etc. etc. combiniren 
sich bisweilen mit Brand der Hornhaut, ohne dass vorläufig eine Exsudation in 
das Gewebe der Cornea erfolgt wäre. 

Die Entzündung der bluthältigen Organe begründet häufig durch den hohen 
Grad ihrer Intensität allein die Unterbrechung des Stoffwechsels in der Cornea und 
sofort deren Brand ; in anderen Fällen lässt sich diese Stase aus dem Grade der vor- 
handenen Entzündung nicht ableiten, ohne zugleich ein zweites Moment als mit- 
wirkend anzuerkennen und dieses zweite Moment, welches minder hochgediehene 
Entzündungen zur Herbeiführung der Cornealgangrän befähigt, liegt entweder in 
einer dem Organismus von vornherein inhärirenden Schwäche, wie selbe in 
marastischen, decrepiden, cachectischen, durch Krankheiten oder üble Behand- 
lung ganz herabgekommener Individuen vorausgesetzt werden muss, oder aber 
sie ist durch äussere unbekannte Ursachen erzeugt, deren Wirkung sich so 
häufig in vielen Individuen zugleich unter der Gestalt des Hospitalbrandes 
äussert. 

§ 81. Im ersten Falle, d. i. wenn der Brand der Cornea in der 
Höhe der, die bluthältigen Organe des Augapfels ergreifenden Entzündung selbst 
seine hinlängliche Erklärung findet/ kündigt sich die Gangrän zuerst durch 
plötzliche Verminderung der früher stürmischen Erscheinungen an, der nicht 
selten synochale Charakter des begleitenden Fiebers weicht, die wüthenden 
Schmerzen lassen nach, der Kranke fühlt sich erleichtert, die prall gespannte 
Geschwulst der Lider und der, Fleischwülsten ähnlich aus der Lidspalte hervor- 
ragenden Bindehaut sinkt ein, wird welk, weich, die hohe Röthe des oft faust- 
grossen Tumors wird fahl, bräunlich- oder bläulichroth, die brennende Hitze 
weicht einer cadaverähnlichen Kälte, die in der Conjunctiva gleichsam 



30 Anomalien der Molecularcohäsion. 

vergrabene glänzende Cornea erscheint matt und die Iris rückt ihr sichtbar näher, 
als Zeichen der Abnahme des Kammerwassers. Während nun das Fieber mehr 
und mehr in die typhöse Form übergeht, wölben sich nicht selten Brandblasen auf 
der äusseren Haut der schlaffen Lider, ganze Flecke brandig zerstörter Parthien 
der Conjunctiva werden durch die, mit blutig -jauchigem Sekrete gemischten 
Thränen hervorgespült, die Cornea wird der eines Todten ähnlich, glanzlos, 
welk, es zeigen sich auf einer oder der anderen Stelle derselben schmutzig- 
graue Flecke, die bald zusammenfliessen, und wenige Stunden darnach ist die 
Hornhaut in die oben beschriebene, feuchte Pulpe zerfallen, welche entweder 
der Iris aufliegt, oder aber fetzenweise abgestossen und mit Linse und Glas- 
körper entleert ist, wo dann der Bulbus auf einen unförmlichen Klumpen zu- 
sammengefallen erscheint 

§ 82. In dem zweiten Falle, wenn nämlich die Entzündung nicht 
sowohl durch ihre eigene Höhe als vielmehr durch Beiwirkung schwächender 
Momente die Gangrän bedingt, ist das Bild der Krankheit schon von vornherein 
ein ganz anderes. Das begleitende Fieber hat nicht den synochalen Charakter, 
streift im Gegentheil immer mehr an den typhösen, variirt in dieser Beziehung 
übrigens ausserordentlich nach der Art der vorausgehenden Erkrankung des 
Individuums und fehlt nicht selten ganz. Die Geschwulst der Lider und der 
Conjunctiva erreicht keinen besonders hohen Grad, bleibt welk, schlaff, ohne 
auffallende Vermehrung der Wärme, die Böthe zeigt eine mehr ins Blaue oder 
Braune spielende Nuance, das Sekret ist ein fleischwasserähnliches, mit Schleim- 
flocken gemischtes, die Cornea wird matt, die Vorderkammer enge und die 
Schmerzen häufig verhältnissmässig sehr geringe, ja sie können ganz fehlen. 
Nun treten schmutzig -graue Flecke auf der Cornea auf und in Kurzem ist 
das ganze Organ zu einer stinkenden schwärzlichen oder grauen Pulpe zerfallen. 

§ 83. Der weitere Verlauf der Krankheit ist in beiden Fällen ein dem 
Wesen nach gleicher, unter fortschreitender Mortification der Gewebe nehmen 
die Kräfte des Kranken ab, der typhös putride Charakter des Fiebers stellt sich 
immer deutlicher heraus und es folgt gewöhnlich der Tod. Nur ist in dem 
ersten Falle dieser Uebergang ein rapider und wenige Stunden genügen, um 
den Patienten zum Tode zu bringen 63 , in dem zweiten Falle jedoch ein minder 
rascher, allmählig vorwärts schreitender. 

§ 84. Begrenzung des Brandes durch entzündliche Exsudation in den 
nachbarlichen Gebilden und Abstossung des neurotischen Gewebes durch eitriges 
Zerfallen der Enfzündungsprodukte, d. i. Geschwürbildung in der Umgebung des 
Brandherdes, und Beduction des Blutlebens auf einen der Norm mehr ent- 
sprechenden Weg sind die Bedingungen, unter welchen der Kranke sein Leben 
zu erhalten hoffen darf, sie allein sind Anhaltspunkte für die Prognose. 

§85. Die zweite Form 
des Cornealbrandes etablirt sich, ohne dass irgend welche Beizungssymptome 
in den umgebenden Organen nachweisbar würden, und zeigt in ihrem ganzen 
Symptomcomplexe eine auffallende Aehnlichkeit mit Sphacelus im engeren 
Wortsinne. 

§86. Die Grundbedingung ihres Auftretens ist wieder absolute 
Stase in dem Stoffwechsel der Hornhaut, doch ist diese nicht wesentlich mit- 



Cornealbrand. 31 

bedingt durch Entzündung, ihre Ursache liegt ausschliesslich in hochgradiger 
Schwäche des Organismus und seiner Theile und höchst wahrscheinlich auch 
in hochgradiger Blutentmischung und sofortigem Mangel der zur Vegetation 
des Cornealparenchyms notwendigen Nahrungsstoffe, daher sich denn auch 
diese Form des Brandes im Verlaufe der Cholera, des Typhus, der Dyssenterie, 
des Puerperalfiebers, der Pest u. s. w. zeigt, und nicht selten auch ohne diese Vor- 
läufer in altersschwachen, marastischen, im hohen Grade cacheclischen Individuen 
auftritt. Geringfügige Verletzungen der Hornhaut, z. B. die Keratonyxis reichen 
bei so herabgekommenen Leuten hin, den Sphacelus herbeizuführen, um so 
mehr also grössere, zufällig oder in therapeutischer Absicht gemachte Ein- 
griffe, z. B. der Hornhautschnitt zum Behufe der Staarextraction. 

§ 87. Ohne dass irgend welche Erscheinungen den Arzt auf die kom- 
menden Uebel aufmerksam machen könnten, trübt sich an einer oder der an- 
deren Stelle die Cornea, wird matt, endlich grau, welk, und stirbt der Kranke 
nicht in Folge der etwa bedingenden Blutzersetzung (Typhus, Cholera etc.), so 
verwandelt sich binnen Kurzem die Cornea in einen schmutzig weiss-graulichen, 
aschgrauen oder selbst schwärzlichen, schmierigen, äusserst stinkenden Brei, 
der entweder der darunter liegenden Iris aufliegt, oder aber zum Theile mit 
den öfters sich entleerenden Contentis des Augapfels nach Aussen gestossen 
wird, worauf der Bulbus einsinket 64 . 

§ 88. Die begleitenden localen Erscheinungen sind ge- 
wöhnlich ganz unerheblich, ja fehlen ganz, erst nach der Hand, wenn die Natur 
zur Begrenzung des Brandes schreitet, entwickelt sich in der Conjunctiva eine 
mehr minder intensive Böthe, Schwellung, Hitze, und es stellen sich Schmerzen 
in dem Augapfel ein. Es wird an der Grenze des Brandes entzündliches Ex- 
sudat abgelagert, welches erstlich in eitrig-jauchiges Fluidum zerfallend die 
letzten Beste der brandig gewordenen Organe losstösst, unter günstigen Be- 
dingungen zur gutartigen Eiterung und zur Höhergestaltung in Bindegewebe 
vorwärts schreitet, worauf die Heilung durch Anbildung einer Narbe vollendet 
wird. In schlimmeren Fällen führt entweder die Grundkrankheit zum Tode, 
oder aber entwickelt sich in Folge des fortschreitenden Brandes ein typhös 
putrider Zustand, der dem Ganzen ein Ende macht. 

§ 89. Die Prognose lässt sich leicht aus dem Vorhergehenden ab- 
leiten, sie fusset auf denselben Grundsätzen, wie die der ersten Form. 

§ 90. Die dritte Form 

ist dem trockenen Brande ähnlicher. In alterschwachen, cacheclischen, 
durch schwere Krankheiten ganz herabgekommenen Individuen wird eine oder 
die andere Stelle der Hornhaut matt, fahl, graulich, das Epithel rissig, die Corneal- 
substanz selbst trocken, runzelig und stösst sich endlich ab, während sich 
in der Umgebung die Begrenzung des Brandes durch Einleitung eines Geschwürs- 
processes kund gibt 65 . 

§ 91. Die vierte Form 

endlich ist dem eigentlichen Brandschorfe äquivalent. Sie ist die häufigste, 
ein gefürchteter Feind der Staarextractionen, tritt aber nicht gerade so selten 



32 Anomalien der Molecularcohäsion. 

auch nach minder heftigen traumafischen Eingriffen auf, sie seien durch zu- 
fällige Verletzungen oder aber durch die Hand des kundigen Operateurs gesetzt 
worden, nach Kerato- und Scleronyxe, nach der künstlichen Pupillenbildung, 
endlich im Gefolge heftiger Entzündungen der inneren Gebilde des Augapfels, 
im Gefolge mächtiger Blutextravasate, oder reichlicher Exsudationen in die 
Kammern, sie wird ferner beobachtet bei Erfüllung des Augapfels mit Krebs- 
massen oder anderen Aftergebilden, wo sie oft den Durchbruch der Cornea 
bedingt, und kommt nicht selten vor bei Exophthalmus, er sei in was immer 
für Ursachen begründet. Endlich findet man sie im Gefolge heftiger Blennorrhoen, 
bei denen rings um die Cornea rinnenförmige Geschwüre sich gebildet haben, 
durch welche der centrale Theil der Hornhaut aus seinen Verbindungen gelöst 
zum Absterben gebracht wird, gerade so wie bei dem Staarschnitte. 

§ 92. In jedem der angezogenen Fälle kann der Brand auf zweierlei 
Weise bedingt werden. 

Erstens durch massenhafte Exsudationen in das Innere des Hornhaut- 
parenehyms, wodurch die einzelnen Formelemente nicht nur gegenseitig von 
einander abgehoben und überdiess ihr Zusammenhalt noch durch die chemisch 
schmelzende Eigenschaft gewisser Exsudatformen gelöst, sondern auch durch 
das Exsudat selbst comprimirt, mit einem Worte alle Bedingungen zur Unmög- 
lichmachung des geeigneten Stoffwechsels in der Cornea gesetzt werden. In 
diesen Fällen ist der Cornealbrand etwas seeundäres und wird seine nähere 
Erörterung in der Lehre von den entzündlichen Exsudationen finden. 

Zweitens tritt aber der Brand auch in Theilen der Cornea auf, welche 
durchaus keine vorausgehende Erkrankung und Infiltration nachweisen liessen, 
der Brand ist das Primäre im eigentlichsten Sinne des Wortes und von diesen 
Fällen soll speciell hier die Rede sein. 

§ 93. Die Vorläufer dieser Brandform sind nach dem Angeführten sehr 
verschiedene, gewöhnlich aber die einer mehr minder heftigen Entzündung der 
bluthaltigen Organe des Augapfels mit allen ihren Attributen. Nur in sehr 
herabgekommenen cachectischen Individuen tritt der Brand ohne Fieber, ohne 
Schmerz und bei geringer Geschwulst, Röthe und Hitze der umgebenden Theile 
auf. Die früher gesunde Hornhaut wird matt, plattet sich ab, das Epithel 
vertrocknet und mit ihm auch das eigentliche Cornealgewebe, die Oberfläche 
wird rauh, höckerig, rissig, die Cornea schrumpft sichtlich zusammen zu einem 
grau -gelblichen, wohl auch aschgrauen oder gar schwärzlichen, trockenen 
Schorfe. 

Die mit diesem Processe ganz widerstandsunfähig gewordene Cornea berstet 
nun gewöhnlich in Folge einer einigermassen kräftigeren Zusammenziehung der 
Muskeln und es entleert sich die Linse sammt Glaskörper. In anderen Fällen 
aber, namentlich in sehr herabgekoinmenen, muskelschwachen Individuen, ferner 
wo die Muskeln durch Zerrung (Exophthalmus) oder krebsige Degeneration 
unthätig geworden sind, bleibt auch der Schorf liegen, und löst sich nur nach 
und nach, theils in Folge der mit der Schrumpfung verbundenen Verminderung 
des Flächeninhaltes, theils aber durch geschwürige Demarcation des Brandes. 
Er liegt oft, ähnlich einer nur stellenweise anhängenden Klappe, auf der Iris 
auf, und wird zuletzt, nach vollständiger Lösung mit den Sekreten der Con- 
junetiva ausgeschwemmt. 



Corncalbrand, Zersetzung durch chemische Mittel. 33 

§ 94. Die geschwürige Demarcation des Brandes erfolgt in 
diesen Fallen immer. Sie ist schon vor der Mortification der Cornea in dem 
Hornhautschnitte bei der Staarexlraction, sowie in den kreisförmigen Ge- 
schwüren der Cornea bei hochgradigen Blennorrhoen gegeben und selbst die 
Ursache des Brandes. Es lässt sich in diesen letzteren Fallen die Vermuthung 
Dicht unterdrücken, dass die Zerstörung vieler Nervenstämme und die sofortige 
Unterbrechung des den Stoffwechsel der Cornea leitenden Neryeneinflusses das 
Absterben bedinge 6(i . 

Mit Eintreten des Brandes ist das Gesicht des betreffenden Auges ver- 
loren. Doch wird diese Form des Brandes wegen der steligen Begrenzung 
durch Geschwürbildung niemals lebensgefährlich, und dieses um so weniger, 
als der trockene und bald sich abstossende Brandschorf keine Gelegenheit zur 
Aufsaugung von Brandjauche und sofortigen Einleitung einer Blutzersetzung 
gibt. Wenigstens sah ich unter einer erklecklichen Anzahl derartiger Fälle 
keinen, der durch Fortschreiten der Necrose und durch Blutvergiftung einen 
tödtlichen Ausgang genommen hätte. 

B. Anomalien der Molecularcohäsion als Folge chemisch einwirkender 

Agentien. 

§ 95. Die lebendige Kraft, mit der organisirte Gewebe die ihnen eigen- 
thümliche Zusammensetzung zu behaupten wissen, setzt einen gewissen Grad 
von chemischer Potenz voraus, auf dass die unmittelbare Folge der Einwirkung 
eines Agens nicht blos ein einfacher Entzündungsreiz, sondern ein wirklicher 
Umsatz der chemischen Bestandteile werde. 

Dieser Umsatz nun ist es, welcher den Fortbestand der betroffenen Or- 
ganparthien als organisirtes Gewebe zur Unmöglichkeit macht, und insofern 
kommen die Folgen solcher Einflüsse mit der Malacie und dem Brande überein. 
Der zersetzte Organtheil hört auf zu leben und wird als fremdartige Masse ab- 
gestossen. 

§ 96. Die aus der Zersetzung der Gewebe resultirenden chemischen 
Verbindungen sind bis jetzt unbekannt, jedenfalls aber je nach der Verschie- 
denheit des Agens verschiedene, wie sich schon aus der Differenz der zer- 
setzten Massen in Bezug auf ihre physicalischen Eigenschaften behaupten 
lässt. Die Wärme und Electricität bewirken einen einfachen Umsatz der 
Grundelemente, während Chemicalia im eigentlichen Wortsinne höchst wahr- 
scheinlich einen gegenseitigen Stoffaustausch bedingen. 

Die unmittelbaren Folgen der Einwirkung differenter Agentien sind dem- 
nach auch etwas abweichende, während die weiteren Consequenzen so viel 
Aehnlichkeiten darbieten, dass sie füglich unter Einem abgehandelt werden 
können. 

Erster Artikel. 

Die Electricität, 

§ 97. wenn sie durch Acupunctur der Cornea auf dieses Organ ge- 
leitet wird, äussert ihre Wirksamkeit durch augenblickliche Trübung in der 
Umgebung des Einstiches, welche je nach der Stärke des Stromes und der 

Stellwag, Ophthalmologie, I. 3 



34 Zersetzung durch chemische Mittel. 

Dauer der Einwirkung sich mehr und mehr ausbreitet und an Intensität 
zunimmt. Ganz ähnliches bewirkt auch der galvanische Strom, wenn 
der Zinkpol mittelst einer eingestossenen Nadel die Cornea berührt, während 
der Kupferpol unter solchen Umständen die Trübung wieder verschwinden 
machen soll 67 . 

Mikroskopische Untersuchungen solcher trüber Cornealparthien zeigten 
mir die Struktur stets unverändert, doch waren die Objekte durch eine sehr 
feine lichte mit dunkleren Körnchen untermischte staubähnliche Materie, welche 
nicht nur alle Zwischenräume der Fasern, sondern auch der Blätter erfüllte, 
matt, trüb geworden. 

Ich sehe in dieser Trübung keine Exsudation, sondern einfach eine Gerinnung 
der die Cornea durchtränkenden eiweissführenden Grundsubstanz. Die nachfolgende 
Exsudation und Geschwürbildung dünkt mir nicht nur durch den electrischen Reiz, 
sondern auch durch den partiellen Tod der coagulirten, organisationsunfähig gewor- 
denen Substanzen und der sofortigen Nothwendigkeit ihrer Abstossung begründet. 
Indess ist diese Absterbung der coagulirten chemischen Bestandteile keine con- 
stante, ja selbst dort wo Geschwürsbildung auftritt, ist die Abstossung nur einetheil- 
weise, die Peripherie der getrübten Stelle verschwärt gewöhnlich nicht, sondern 
verharrt in ihrem ursprünglichen Zustande, oder wird in kürzerer oder längerer Zeit 
wieder aufgehellt, indem die coagulirten Massen der Resorbtion verfallen, so- 
dass man zu der Annahme notgedrungen ist, dass mit einfacher Coagulation, 
d. i. mit blosser Veränderung der chemischen Bestandteile in ihrem Aggre- 
gationszustande ein Absterben nicht nothwendig verknüpft sei. 

Zweiter Artikel. 

Die Wärme 

§ 98. wirkt je nach dem Erhitzungsgrade des die Cornea be- 
rührenden Körpers in verschiedener Weise. Minder hohe Hitzegrade, wie die 
des siedenden Wassers haben einfache Coagulation der Grundsubstanz zur 
Folge. Höhere Wärmegrade, die Hitze einer glühenden Kohle, glühender oder 
geschmolzener Metalle u. s. w. bleiben bei der einfachen Coagulation nicht 
stehen, sie zersetzen die organischen Gebilde unter Entbindung brenzlicher 
Gase und Zurücklassung eines durch thierische Kohle mehr weniger dunkel 
gefärbten trockenen Schorfes. 

§ 99. Aber nicht allein das von dem berührenden Körper gebundene 
Wärmequantum, auch die Zeitdauer seiner Einwirkung ist von der 
höchsten Wichtigkeit in Bezug auf die Ausbreitung und Intensität der gesetzten 
Zerstörung. Jedenfalls sind die auf solche Schädlichkeiten rasch und in reich- 
licher Menge hervorquellenden Thränen ein Mittel, einen grossen Theil der 
Wärme zu binden, den einwirkenden Körper abzukühlen, und so nicht nur die 
chemische Kraft des Mittels zu verringern, sondern damit auch die Zeit abzu- 
kürzen, in der die höchsten Hitzegrade auf das Auge wirken. Ohne diese An- 
nahme wären die öfters ganz unbedeutenden Folgen der Einwirkung hoher 
Hitzegrade auf das Auge nicht zu erklären 68 . 

§ 100. Ist durch minder hoch erhitzte Körper und nur durch 
kurze Zeit die Cornea betroffen worden, so beschränken sich die unmittel- 



Verbrühungen der Cornea. 35 

baren Folgen gewöhnlich nur auf die Epilhelialschichte, welche sich augen- 
blicklich im ganzen Bereiche der Wirksamkeit des Mittels trübt. Es injicirt 
sich unter ; heftigen Schmerzen die Conjunctiva, und namentlich das subcon- 
junctivale Gewebe, beide schwellen an, und es stellt sich binnen Kurzem eine 
wässerige Exsudation unter das getrübte Epithel der Cornea ein. Durch diese 
Ausschwitzung wässeriger Feuchtigkeit wird das Epithel emporgehoben, und 
es kömmt nun bezüglich der weiteren Folgen auf den Grad der Resistenz an, 
den das Oberhäutchen durch die Coagulation der eiweisshaltigen Substanz, 
welche die Epithelzellen nicht nur erfüllt, sondern auch als Intercellularsubstanz 
zusammenhält, erlangt hat. 

Ist die Coagulation eine unvollständige, so bleibt das Epithel weich, ist die 
Gerinnung aber eine sehr weit gediehene, so wird es hart spröd, und in beiden 
Fällen verliert es alle Widerstandskraft gegen das von hinten andrängende Ex- 
sudat, es berstet an einer oder der anderen Stelle und gibt so dem letzteren 
Gelegenheit, in eben dem Maasse auszufliessen, als es ausgeschwitzt wird, das 
Exsudat sammelt sich nicht an und das losgelöste Epithelblättchen bedeckt gleich 
einer Klappe die verbrühte Cornealparthie. Letzteres wird nach und nach trocken, 
rissig, während sich auf der entblössten Parthie der Cornea neues Epithel ab- 
setzt, und zuletzt stösst sich das abgestorbene Epithel fetzenweise los, worauf 
der Normalzustand hergestellt ist. 

Unter günstigen Umständen gedeiht aber die Coagulation in dem Corneal- 
epithel gerade so weit, um dem letzteren einen höheren Grad von Resistenz zu 
verleihen, ohne aber dessen Elastizität aufzuheben. Erfolgt nun die Exsudation, 
so kann sich das Produkt derselben zu einem bedeutenden Quantum ansammeln, 
ohne eine Berstung zu veranlassen, das emporgehobene Epithel dehnt sich aus 
und wölbt sich zu einer mit wässerigem Fluidum gefüllten Blase von klei- 
nerem oder grösserem Umfange. Schreitet die Exsudation weiter, so 
dass die Spannung der gelösten Epithelialparthie die Oberhand über die Wider- 
standskraft derselben erlangt, so berstet endlich die Blase und es stellt sich der- 
selbe Zustand her, welcher oben beschrieben wurde. Beschränkt sich aber die 
Exsudation, ehe das emporgehobene Epithel das Maximum seiner Ausdehnbar- 
keit erreicht hat, so bleibt die Blase stehen. Die Blasenwand, das coagulirte 
Epithel trübt sich mehr und mehr, der Inhalt der Blase vermindert sich durch 
Aussonderung der Flüssigkeit und wird durch gleichzeitige DitTerenzirung seiner 
festen Bestandteile, welche nach und nach Elemente des Eiters und frischen 
Epithels auf der Wundoberfiäche anschiessen, undurchsichtig, gelblich-weiss. 
Mit der so eingeleiteten Volumsverminderung des Blaseninhaltes schrumpft die 
Blasenwand immer mehr und mehr, sie wird trocken, rissig, und stösst sich 
endlich fetzenweise ab, nachdem sich vorläufig eine Schichte neuen durch- 
sichtigen Epithels auf der Grundfläche der Blase gebildet hat. 

Aus dem Vorhergehenden ist ersichtlich, dass die Bildung von Brandblasen 
an eine nicht geringe Anzahl gewisser Bedingungen geknüpft sei; es ist also 
nicht zu wundern, wenn sie selten beobachtet und von Manchen ganz geläügnet 
wird 69 . 

§ 101. Haben höhere Hitzegrade auf die Cornea gewirkt, oder 
war die Zeitdauer der Einwirkung eine längere, so beschränkt sich 
die Coagulation nicht mehr auf die blosse Epilhelialschichte, sie greift tiefer, 

3. 



36 Zersetzung durch chemische Mittel. 

die eiweisshaltige Grundsubstanz mehrerer Corneallamellen wird nebst dem 
Epithel zum Absterben gebracht, die Hornhautsubstanz wird auf grössere Tiefe 
weiss, trüb, die Reaktionserscheinungen in der Conjunctiva sind heftig, die 
Bindehaut röthet sich im hohen Grade und schwillt wallförmig um die Cornea 
an, die Schmerzen sind wüthend und nicht selten etablirt sich Fieber. Nun 
beginnt der Exsudationsprocess. Die verbrühte Masse wird durch wässerige 
Ausschwitzung in ihren hintersten Schichten erweicht, breiig, während die vor- 
deren Schichten vertrocknen, schrumpfen und endlich stösst sich der Schorf ab, 
worauf ein vertieftes Geschwür mit trübem infiltrirten Grunde und Umfange 
zurückbleibt, dessen weitere Metamorphosen einem späteren Capitel zur Er- 
örterung bleiben. Ist zugleich die gegenüber liegende Conjunctiva verbrannt 
und ihres Epithels beraubt, so entsteht nicht selten Symblepharon. 

§ 102. In den Fällen, in welchen die höchsten Hitzegrade auf die 
Cornea eingewirkt haben, wird gewöhnlich die letztere in grösserer oder ge- 
ringerer Ausbreitung und meist ihrer ganzen Dicke nach in eineu braunen oder 
schwarzen, trockenen, rissigen Schorf verwandelt 70 , der nicht selten schon in 
dem Augenblicke der Verbrennung durch den angeregten Muskelkrampf und 
die sofort in hohem Grade gesteigerte Druckkraft der Contenta des Augapfels 
losgerissen und wohl auch gleichzeitig mit Linse und Glaskörper auf Aveite Dis- 
tanzen hervorgeschleudert wird. 

Der Grad der Verbrennung ist natürlich an allen Stellen nicht ein 
gleicher und der Schorf wird ringsum von Parthien begrenzt, welche 
in minderen Graden zerstört sind und weiter nach Aussen von Theilen um- 
geben werden, in denen es blos zur Coagulation gekommen ist. Die Ab- 
sterbung dieser Parthien und der an ihrem Umfange sich einstellende Ver- 
schwärungsprocess sind es nun, welche die Abstossung der letzten Schorfreste 
bedingen. Gemäss dem hohen Grade der schädlichen Potenz und der stets 
mehr weniger ausgebreiteten Zerstörung sind auch die weiteren Folgen sehr 
bedauerliche, es entwickelt sich gewöhnlich unter heftigem Fieber Panophthalmifis, 
welche nicht selten in Brand übergeht, jedenfalls aber durch Vereiterung Phthise 
des Bulbus herbeiführt und in unglücklichen Fällen selbst durch Vorwärts- 
schreiten der Entzündung auf das Gehirn das Leben gefährden kann. 

§ 103. Hier ist auch der Ort von den verhällnissmässig sehr bedeu- 
tenden Folgen einer an das Auge anschlagenden Feuer flamme zu 
sprechen. Obwohl in solchen Fällen die unmittelbaren Folgen minder in das 
Auge fallende sind, und sich oft auf einen ganz oberflächlichen Brandschorf der 
Cornea und Conjunctiva zu beschränken scheinen, so entgeht der Kranke doch 
nur selten einer, auf alle Bestandteile des Bulbus ausgedehnten Entzündung, 
und Verschwörung des Augapfels ist nach den meisten Beobachtern das End- 
resultat. 

Dritter Artikel. 

Die chemischen Mittel im engeren Wortsinne 

§ 104. sind bezüglich der unmittelbaren Folgen ihrer Einwirkung gewiss 
sehr mannigfaltig, doch lassen sie sich leicht unter Einen Gesichtspunkt zu- 
sammenfassen und mit den Folgen einwirkender Hitzegrade in die Parallele 
stellen. 



Anätzungen der Cornea. 37 

§ 105. Bei geringerer Verwandtschaft zu den chemischen Be- 
standtheilen der Cornea, bei minderen Concentrationsgraden, oder wenn im 
gegenteiligen Falle die Zeit ihrer Einwirkung eine sehr geringe ist, scheinen 
sie hauptsächlich durch Entziehung des Wassers und sofortige Coagulation der 
eiweisshältigen Grundsubslanz der Cornea schädlich zu werden, wenn sich auch 
ein Eingehen gewisser Bestandteile des chemischen Mittels in die Bestand- 
tlieile des Coagulates und gegenseitige chemische Verbindung nicht läugnen 
lässt. Die Cornea trübt sich in grösserer oder geringerer Ausdehnung und 
Tiefe und nimmt je nach der Natur des chemischen Agens verschiedene Farben 
an, wird weiss nach Einwirkung von Alcohol, Weinessig, gelöschtem Kalk, 
Lauge etc., gelb nach Einwirkung von Salpetersäure, schwarz-braun nach Ein- 
wirkung von salpetersaurem Silber u. s. w. 

Unter starker Injektion und Schwellung der Conjunctiva, unter heftigen 
Schmerzen und nicht selten unter Fiebersymptomen beginnt dann Exsudation 
seröser Produkte, durch welche die angeäzten, abgestorbenen Parthien der 
Cornea losgelöst und abgestossen werden, worauf die tieferen unversehrt ge- 
bliebenen Schichten gewöhnlich ganz rein und klar zum Vorschein kommen 71 . 

§ 106. Bei hohen Verwandtschaftsgraden der einwirkenden 
chemischen Substanz auf die Hornhaut, bei starker Concentration der Lösung, 
bei bedeutender Quantität des in das Auge gelangten Mittels, und wenn das letztere 
durch längere Zeit zu wirken Gelegenheit hatte, ist nicht blos Coagulation der 
albuminosen Grundsubstanz die unmittelbare Folge, sondern eine wahre Zer- 
setzung der betroffenen Parthien mit gegenseitigem Umtausch der chemischen 
Elemente. 

Das aus diesem Umtausche hervorgehende chemische Produkt ist natürlich 
je nach der Verschiedenheit der einwirkenden Substanz eine verschiedene, im 
Allgemeinen lassen sich aber zwei Categorien aufstellen. Entweder wird die 
Cornealsubstanz in einen verschiedenfarbigen, weichen Brei (ungelöschter Kalk, 
scharfe alkalische Laugen, Aetzstein in Substanz, Antimonbutter 72 u. s. w.) 
oder aber in einen mehr weniger trockenen, rissigen Schorf von verschiedenen 
Farben verwandelt (concentrirte Schwefelsäure 73 , Salpetersäure, Nitrarargenti 
in Substanz u. s. w.). 

Unter solchen Umständen sind gewöhnlich mehrere Grade der Ein- 
wirkung zu beobachten. Die genannten höchsten Grade der Zersetzung be- 
treffen gewöhnlich nur die mehr oberflächlichen mit dem chemischen Agens 
in unmittelbare Berührung gekommenen Parthien, darunter folgt eine Schichte, 
in der die Zersetzung minder weit vorgeschritten ist und hauptsächlich in Coa- 
gulation zu bestehen scheint, während die tieferen Lamellen ganz vollkommen 
rein und durchsichtig erscheinen. 

Dieses gilt namentlich von jenen chemischen Substanzen, welche durch 
den Umtausch ihrer Bestandtheile mit jenen der Hornhaut, im Wasser mehr 
weniger unlösliche Verbindungen erzeugen und so in dem Schorf selbst ein 
Hinderniss ihres tieferen Eingreifens finden. 

§ 107. Diese Schorfbildung zeichnet den Höllenstein ganz besonders 
aus und macht ihn selbst zu Heilzwecken sehr brauchbar, er zerstört nur ganz 
oberflächlich, während die tieferen Schichten durch den Schorf vor der Ein- 



38 Zersetzung durch chemische Mittel. 

Wirkung des Aetzmittels selbst und später gegen alle von Aussen einwirkenden 
Schädlichkeiten geschützt sind 74 . 

Die ungemeine Löslichkeit des Lapis causticus und noch mehr dessen 
Eigenschaft, bei Berührung mit organischen Substanzen im Wasser lösliche Ver- 
bindungen einzugehen, selbe in einen Brei zu verwandeln, der sich leicht ab- 
stösst, machen dieses Mittel in der Hand des Oculisten zu einem höchst gefähr- 
lichen, es lässt sich seine Wirkung weder der Fläche, noch der Tiefe nach 
beschränken, und nur die vollständige Sättigung und Neutralisirung desselben 
können der fortschreitenden Zersetzung Einhalt thun. 

§ 108. In nicht seltenen Fällen aber wird unter günstigen Umständen 
die Cornea ihrer Totalität nach mit einem Male ganz gleichmässig zer- 
setzt, und in einen graulichen Brei verwandelt, welcher der Iris aufliegen bleibt 
(ungelöschter Kalk) oder aber ein trockener, rissiger Schorf gebildet, welcher 
der Sclera anhängt, weim nicht, was in beiden Fällen möglich ist, durch die 
Gewalt der im Momente der Einwirkung sich krampfhaft zusammenziehenden 
Muskeln die zersetzte Cornealsubstanz ganz oder zum Theile sammt den Con- 
tentis des Bulbus nach aussen entleert worden ist. 

§ 109. Die weiteren Folgen richten sich ganz nach der Grösse des 
Eingriffes und der gleichzeitigen Betheiligung der Nachbarorgane. 

Hat die Anätzung blos die Cornea betroffen und nur ganz oberflächliche 
Parthien derselben zerstört, so ist die Beaction gewöhnlich eine sehr geringe 
und in den meisten Fällen schiesst aus der, auf den blosgelegten, gesunden 
Cornealblättern etablirten Exsudation neues durchsichtiges Epithel an, worauf 
die letzten Beste des Schorfes abgestossen werden, und keine Spur des voraus- 
gegangenen Uebels zu erkennen bleibt. 

In schlimmeren Fällen, wenn die Zerstörung tiefer gegriffen hat, ist aber 
die Beaction constant eine sehr heftige. Die Exsudation ist sehr reichlich und 
beschränkt sich nicht nur auf die Oberfläche, sondern es wird auch die Corneal- 
substanz selbst in grösserer oder geringerer Tiefe infiltrirt, ja selbst die ganze 
Cornea entzündet sich, und die nachfolgende Vereiterung dehnt die Grenzen 
der Zerstörung mehr und mehr aus, ja es geht nicht selten erst durch Ver- 
schwärung secundär die ganze Hornhaut verloren. 

In den höchsten Graden der chemischen Einwirkung, wenn die Cornea 
durch das chemische Mittel gleich von vornherein in ihrer Totalität zerstört 
wurde, was ohne Betheiligung der Nachbargebilde wohl selten oder nie abläuft, 
entwickelt sich in den meisten Fällen Panophthalmitis und der Bulbus geht 
phthisisch zu Grunde, ja selbst Brand kann die Folge sein und das Leben des 
Kranken gefährden. 

Zweiter Abschnitt. 

Anomalien in der Cohäsion der organischen Form- 
bestand theile. 

§ 110. Man ist von jeher gewöhnt, die Anomalien des Zusammenhanges in 
jene der feinsten Moleküle und in jene der daraus hervorgegangenen 
gröberen Formelemente zu trennen. Lockerung in dem Zusammenhalte 
der feinsten Moleküle betrachtet man mit gutem Grunde als Folge jeder, auf 



Erschütterungen der Cornea. 39 

die Cornea unmittelbar oder mittelbar erschütternd wirkenden, äusseren Gewalt, 
während Continuitätsfrennungen der Fasern und Blätter sich unter der Gestalt 
yod Wunden im eigentlichen VVortsinne zu erkennen geben. 

Erster Artikel. 

Erschütterungen der Hornhaut 

§ 111. sind in ihren Folgen den brennenden und ätzenden Körpern sehr 
analog, auch sie führen eine Lockerung des zum Weiterbestande der Corneal- 
substanz notwendigen Zusammenhanges der feinsten Molecule herbei, und die 
erschütterten Theile sterben ab, der Unterschied besteht nur darin, dass bei 
brennenden und ätzenden Körpern die chemischen Elemente in ihrer Verbindung 
gestört werden, während erschütternde Momente diese unverändert lassen, und 
nur die aus diesen Verbindungen hervorgegangenen Formelemente betreifen. 

§ 112. Eine unmittelbare Anreihung der Folgen der Erschütterung an 
die Cohäsionsanomalien der chemischen Bestandteile ist um so mehr zu recht- 
fertigen, als in vielen Fällen die Entscheidung ungemein schwierig ist, ob die 
Folgen einer einwirkenden mechanischen Gewalt wirklich auf Erschütterung der 
Cornea selbst zu setzen seien, oder aber, ob nicht vielmehr die Erschütterung 
nur die Central theile jener Nerven betroffen habe, welche als Begula- 
toren des Stoffwechsels in der Hornhaut betrachtet werden müssen, so dass die 
Zerstörung der Cornea unter solchen Verhältnissen ihre Analogie in der Malacie 
fände, mit der übrigens die äusserlich sichtbaren Veränderungen der Hornhaut- 
substanz Anfangs sehr nahe übereinkommen. 

Namentlich ist dieser Zweifel sehr begründet in jenen Fällen, in welchen 
erschütternde Gewalten nicht das Auge, sondern das Schädelgewölbe trafen, 
welches seine Oscillationen mit ungeschwächler Kraft auf die, in unmittelbarer 
Berührung stehenden Organe fortpflanzt, wobei natürlich das Ganglion gasseri 
vor allem hart mitgenommen werden dürfte, während einerseits die Ueber- 
tragung der Oscillationen auf Theile, welche durch Weichgebilde von den 
Schädelknochen getrennt sind, bedeutende Schwierigkeiten finden muss, ander- 
seits aber bisweilen offenbare Erschütterungen des ganzen Augapfels mit Blut- 
austretungen in das Innere seiner Höhle, Berstungen der Sclerotica u. s. w. die 
Vegetation der Hornhaut zu behindern nicht vermögen 75 . 

Es spricht für diese letztere Ableitungsweise der auf Erschütterungen des 
Schädelgewölbes folgenden Zerstörungen der Hornhaut noch der Umstand, dass 
ganz gewöhnlich auch Lähmungen anderer Nerven in die Erscheinung 
treten, sehr häufig entwickelt sich Amblyopie, Amaurose, Paralyse des nervus 
oculomotorius oder abducens, nervöse Schwerhörigkeit etc. etc. 

§ 113. Unmittelbar nach Einwirkung der erschütternden Gewalt ist 
ausser bedeutender Congestion und Schwellung der nicht selten echymosirten 
Conjunctiva und merklicher Abnahme des Sehvermögens in dem Auge wenig 
oder gar nichts abnormes zu bemerken, die Cornea ist rein und glänzend, doch 
bald wird letztere matt, und in kurzer Zeit trübt sich ihr Parenchym ganz 
gleichmässig milchweiss. Das Epithel lockert sich auf, und stösst sich zum 
Theile ab, die Oberfläche der Hornhaut wird rauh, voll von kleinen Grübchen 
und Erhabenheiten, die Cornealsubstanz schwillt sichtbar an durch Infiltration 



40 Wunden der Cornea. 

wässeriger Feuchtigkeit, endlich exfoliirt sich eine Schichte nach der andern, 
nachdem sie zuvor in einen rahmähnlichen Brei zerfallen war." Es gehen grosse 
Portionen der Cornea, ja selbst die Hornhaut ihrer Totalität nach, unter den 
Erscheinungen der Malacie verloren. 

Wird nicht die ganze Cornea zerstört, sondern nur Theile derselben, so 
stellt sich schon während des Abstossungsprocesses in den lebensfähig ge- 
bliebenen, unverletzten Cornealschichten entzündliche Exsudation ein, das Pro- 
dukt metamorphosirt sich zu Eiterelementen, welche der früher milchweissen 
Färbung einen Stich in das Gelbliche mittheilen, und der Oberfläche der Corneal- 
lücke ganz das Ansehen eines ausgebreiteten Geschwüres geben, dessen Grund 
voller Erhabenheiten und Vertiefungen mit Fetzen halb erweichter, weiss- 
gelblich getrübter Corneallamellen und einer schmierigen, breiähnlichen Masse 
überzogen ist 76 . 

§ 114. Von diesem Momente an fällt die Symptomatologie mit jener 
des Hornhautgeschwüres zusammen, und die weiteren Folgen hängen einer- 
seits von der Grösse des ursprünglichen Substanzverlustes, anderseits aber davon 
ab, ob die Produkte der erhaltenen Cornealparthien den höheren Gestaltungs- 
process in Narbengewebe einzugehen vermögen, oder aber ob sie zum Zerfallen 
hinneigend, den Rest der vegetationsfähig gebliebenen Hornhauttheile vollends 
zerstören und sofort Phthise des gesammten Bulbus herbeiführen. Es geschieht 
das letztere um so öfter, als mechanische Gewalten, welche die Hornhaut er- 
schüttern, ihre Wirkung selten oder nie auf dieses Organ beschränken, Stösse 
aber, welche auf das Schädelgewölbe geführt, die vegetativen Nerven des Aug- 
apfels treffen, die Ernährung sämmtlicher, im Ausstrahlungsterrilorium der letz- 
teren gelegenen Organe in Frage stellen. 

§ 115. Daher geben denn auch die Erscheinungen in der Hornhaut 
niemals hinlängliche Prämissen zu einer richtigen Prognose, selbst bei ge- 
rinnen Zerstörungen der Hornhaut wird öfters durch Alterationen in der Linse, 
Netzhaut. Aderhaut u. s. w. Unbrau'chbärkeit des Auges bedingt. 

Zweiter Artikel. 

Wunden der Hornhaut. 

§ 116. Sie sind so mannigfaltig, als es verwundende Körper gibt, und 
als die Einwirkung derselben eine verschiedene sein kann. Doch ist es nicht 
schwer, einige Anhaltspunkte ausfindig zu machen, um eine Uebersicht zu ge- 
winnen. 

Verwundende Körper beschränken sich nämlich entweder darauf, den Zu- 
sammenhang der unmittelbar von ihrer Schneide getroffenen Elementartheile zu 
lösen, ohne in den nächstangelegenen Formbestandtheilen irgend eine mechanische 
oder chemische Veränderung hervorzubringen, kein Theil der Cornea wird zer- 
stört, jedes .Molekül bleibt in seiner natürlichen Lage und nur in Einer Richtung 
ist seine Verbindung mit den nebenliegenden Theilchen aufgehoben, es ist eine 
einfache Wunde gesetzt worden; 

oder aber es wird durch die verletzende Kraft nicht nur eine einfache 
Continuitätsdennung in der Schnittlinie gebildet, sondern die mechanische Kraft 
dehnt ihre Wirkung weiter aus, als Moleküle von dem Träger der Gewalt be- 
rührt worden sind, die Trennungsfläche ist keine mathematische Ebene, sondern 



Einfache oberflächliche Wunden. 41 

es ist auf grössere oder geringere Distanz von derselben sowohl der Zusammen- 
hang der feinsten Moleküle als auch der Fasein gestört worden, ja ganze 
Blätter und grössere Stücke des Cornealparenchyms sind aus ihrer natürlichen 
Verbindung gerissen, es ist eine Continuitätstrennung nach verschiedenen Rich- 
tungen, eine zusammengesetzte Wunde herbeigeführt worden. 

Diese beiden Arten Wunden lassen sich mit allen ihren Folgen einzig und 
allein aus der mechanischen auf die Cornea wirkenden Gewalt ableiten. 

Es gibt nun aber auch Wunden, deren Folgen in der mechanischen Ge- 
walt der Einwirkung ihren genügenden Erklärungsgrund nicht finden, sie sind 
in chemischen Vorgängen oder aber in rein dynamischen Verhältnissen mitbe- 
gründet, und dieses ist der Fall, wenn das eindringende Instrument mit chemisch 
wirksamen Stoffen verunreinigt ist, oder aber Partikel desselben in der Wunde 
stecken bleiben, welche als fremde Körper einen lebhaften Reiz auf die ver- 
wundeten Theile ausüben. Es sind dieses verunreinigte Wunden. 

i. Die einfachen Wunden der Cornea 

§ 117. schliessen ihrem Begriffe nach die Fortpflanzung der mechanischen 
Gewalt in mehr als einer Richtung aus, es können derlei Wunden also nur von 
ungemein scharfen Instrumenten hervorgebracht werden, welche bei ihrem Ein- 
dringen keinen genügenden Widerstand finden, der geeignet wäre, die das 
Instrument bewegende Kraft auf Theile zu übertragen, welche ausser der Rich- 
tung der trennenden Gewalt gelegen sind. 

Es gehören hierher die mit feinen Nadeln gemachten Stiche, und die 
mit scharfen Schneiden erzeugten Schnitte, beide können oberflächlich 
sein, den Zusammenhang blos in einigen vorderen Lamellen aufheben, oder aber 
durchgreifen, alle Schichten der Hornhaut und der ihr anliegenden Descemet! 
betreffen. 

Die oberflächlichen Schnittwunden laufen ferner entweder mehr weniger 
senkrecht auf die Wölbung der Cornea oder aber die Schnittfläche liegt 
mehr weniger parallel den Blattlagen, es ist eine oberflächliche Lappen- 
wund e. 

Ebenso liegen durchgreifende Schnittwunden entweder in der Richtung 
einer durch den Ursprungskreis der Hornhaut gelegten Sehne, oder aber sie 
bilden einen diesem Kreise mehr weniger concentrischen Bogen, in welchem 
zweiten Falle sie durchdringende Lappenwunden heissen 77 . 

a. Einfache oberflächliche Stich- und Schnittwunden, 

§ 118. wenn letztere nicht Lappen bilden, heilen gewöhnlich binnen 
der kürzesten Zeit, ohne auch nur die geringste Spur ihrer Existenz zurück- 
zulassen. Es ist kein Theil verloren gegangen, die, durch die zwischentretende 
Schneide momentan von einander getrennt gewesenen Moleküle kommen nach 
Entfernung des Instrumentes wieder in unmittelbare Berührung und verkleben 
mit einander, ohne dass es nothwendig wäre, dass eine frisch exsudirte Binde- 
masse die Vereinigung vermittele 7Ö . 

In anderen Fällen wirkt diese Verletzung als Entzündungsreiz, es erfolgt 
plastische Exsudation, die bald' in Eiterung übergeht, und Geschwüre bildet, 
bald aber durch Coagulation und Höhergestaltung des entzündlichen Pro- 
duktes mehr weniger ausgebreitete oberflächliche Trübungen setzt. 



42 Wunden der Cornea. 

b. Oberflächliche Lappenwunden 

§ 119. kommen bei dem Menschen äusserst selten rein vor, entweder 
ist die Ablösung einzelner Lamellen das Resultat einer Risswunde oder aber 
der Lappen ist nur ein Theil einer durchgreifenden Schnittwunde, ich meine 
einen ungeschickt gemachten Hornhautschnitt zum Zwecke der Staarextraction. 

Der Lappen, wenn er in seine ursprüngliche Lage gelegt wird, wird schon 
durch den Luftdruck angepresst, und er kann wieder ankleben, ohne irgend 
welche Trübung zu hinterlassen. Schief gerichtete Hornhautschnitte bei Staar- 
extractionen lehren dieses. Gewöhnlich aber trübt sich der Lappen, er schwillt 
an. Entweder verheilt er nun und es ist hier möglich, dass er sich abermals 
zum grösseren Theile aufhelle 79 . Gewöhnlich aber dürfte bei Menschen, deren 
Cornea eine geringere Reproductionskraft als jene der Thiere erkennen lässt, 
der Lappen absterben, sich abstossen, und so blos die Wundfläche der Cornea 
allein zu betrachten sein. Es walten dann dieselben Verhältnisse ob, als ob 
der oberflächliche Lappen durch den Schnitt gänzlich abgetrennt 
worden wäre. 

§ 120. Ueber die Folgen dieser Art von Substanzverlust sind nun die 
Meinungen äusserst verschieden, ein sicheres Zeichen, dass sie nicht unter allen 
Umständen ganz gleiche sind. In den günstigsten Fällen entwickelt sich keine er- 
hebliche Reaktion, die entblössten Corneallamellen überziehen sich mit voll- 
kommen durchsichtigem Epithel, und durch Hebung der Wundfläche nach der 
Art, wie sie bei heilenden Geschwüren beobachtet wird, fliehe diese § 340) 
wird die normale Krümmung der Hornhautoberfläche wieder hergestellt, oder 
aber, falls diese Hebung nicht zu Stande kömmt, lässt eine leichte Vertiefung 
oder Abplattung auf der ganz durchsichtigen Cornea den stattgehabten Substanz- 
verlust erkennen 80 . 

§ 121. Solche Fälle waren es hauptsächlich, welche einige Augenärzte 
veranlasst haben, die Abtragung getrübter oberflächlicher Cornealschichten als 
Heilmittel gegen sonst unauf hellbare Centralleucome der Cornea zu üben, eine 
Operationsmethode, welche man mit dem Namen der Keratectomie oder 
Abrasio corneae bezeichnet, und welche in einzelnen Fällen wirklich Erfolg 
gehabt, in vielen andern aber nicht nur nichts genützt, sondern vielmehr 
geschadet hat, so dass sich sehr viele und bedeutende Männer gegen sie er- 
hoben 81 . 

Sehr häufig nämlich entwickelt sich exsudative Entzündung, deren Produkte 
in günstigen Fällen durch einige Zeit durchsichtig bleiben und sofort eine zeit- 
weilige Verbesserung des Gesichtes bedingen, später aber zu undurchsichtigen 
Geweben organisiren und mitunter selbst sammt den unterliegenden durch- 
sichtigen Cornealparthien staphylomatös hervorgebaucht werden, das Gesicht 
also ebenso oder noch mehr beeinträchtigen, als dieses vor der Operation der 
Fall war. Ja man hat nicht gar so selten sehr heftige Reaktion nach der 
Keratectomie entstehen gesehen, die Cornea infiltrirte sich ihrer ganzen Dicke 
nach und ging durch eitrige Metamorphose des Exsudates ganz verloren, der 
Rulbus entleerte sich und Phthisis desselben war die Folge. 

c. Durchdringende einfache Stichwunden 
§ 122. verhalten sich bezüglich ihrer Folgen gerade so wie oberflächliche 
einfache Stich- und Schnittwunden, nur mit dem Unterschiede, dass sie 



Einfache durchdringende. Schnittwunden. 43 

gewöhnlich ein theihveises Abfliessen des Kammerwassers bedingen; doch alsbald 
heilt die Wunde durch Verklebung ihrer Ränder und es füllt sich die Kammer 
wieder, ohne dass durch dieses Abfliessen irgend ein krankhafter Process ein- 
geleitet würde. 

d. Durchdringende einfache Schnittwunden 

§ 123. sind in ihren Folgen etwas mehr gefahrdrohend. Nachdem der 
Humor aqueus entleert ist, fallt nämlich die getheilte Hornhaut zusammen, sie 
faltet sich und wird durch den Druck der Atmosphäre nach rückwärts gedrängt. 
Kommen nun die beiden Wundränder in gegenseitige genaue Berührung, so 
kann die Yerklebung alsbald stattfinden, die Kammern geschlossen werden, und 
die Hornhaut, nachdem sich eine hinlängliche Menge wässeriger Feuchtigkeit 
angesammelt hat, die natürliche Gestalt bekommen. Ganz gewöhnlich verheilen 
auch die Wundränder so, dass gar keine Spur einer früheren Trennung zurück- 
bleibt. Beispiele der Art sind in der ophthalmologischen Literatur ungemein 
häufig, und Jeder, der mehrere Extractionen geschrumpfter Cataracten durch 
den Hornhautstich, oder aber Iridodialysen gesehen hat, wird derlei Fälle mit 
eigenen Augen beobachtet haben. 

Anders ist es aber, wenn sich nach dem Einsinken der Cornea deren gefaltete 
Wundränder nicht an allen Punkten berühren, es verkleben dann nur jene 
Parthien, welche gegenseitig im Contacte sind, die übrigen Stellen der Wund- 
ränder bleiben frei, und werden durch die Vereinigung der ersteren nur ge- 
hindert, die Schliessung zu vollenden. Der Humor aqueus fliesst fortwährend aus 
und kann schon dadurch sehr bedenkliche Folgen setzen, Atrophie der Cornea, 
ja des ganzen Bulbus bedingen. Und wenn auch dieses nicht geschieht, so 
infiltriren sich dann oft die Wundränder, sie verheilen durch eine zwischen- 
gelagerte trübe Narbe, oder aber es verschwärt das Exsudat, die Oefhiung 
vergrössert sich und es -wird ein Zustand gesetzt, den einfache, durchgreifende 
Schnittwunden mitunter gleich ursprünglich herbeiführen, ich meine einen Iris- 
vorfall, der durch Einlöthung in die Cornea ständig wird, und nicht selten 
totalen Verschluss der Pupille mit sich führt, jedenfalls aber mit ausgebreiteter 
Trübung der Wundränder einhergeht und so das Sehvermögen im hohen Grade 
beeinträchtigt. 

In ungünstigen Fällen kann sich sogar die ganze Hornhaut infiltriren und 
je nach den weiteren Umwandlungen des Exsudates trüben oder verschwären, 
ja es sind Fälle bekannt, in welchen auf solche einfache und nicht ausgedehnte 
Cornealwunden Brand derselben erfolgte mit allen seinen Consequenzen. 

Es ist natürlich, dass mit der Grösse der W'unde auch die eben aufge- 
führten Gefahren wachsen. Ist der Schnitt kaum über ein Drittheil des Corneal- 
durchmessers ausgedehnt, so ist auch die Faltung der Wundränder nicht sehr 
zu fürchten, und eben so wenig die Verschiebung der Wundränder in der 
Richtung von vorn nach hinten. Hat aber der Schnitt eine Ausdehnung, welche 
den halben Durchmesser der Cornea übertrifft, so ist diese Gefahr gross, und 
dieses um so mehr, als sehr häufig auch die Linse und ein Theil des Glas- 
körpers austritt und der ganze Bulbus zusammensinkt. Es wird dann die nach 
rückwärts gedrückte Cornea ungemein stark gefaltet, und es ist nur reiner 
Zufall, wenn die Wundränder genau auf einander zu liegen kommen. Ueberdiess 
ist bei so grossen Wunden die Vorlagerung eines Iristheiles sehr gewöhnlich, 



44 Wunden der Cornea. 

da die Regenbogenhaut durch den nach aussen stürzenden Krystall- und Glas- 
körper aus der Wunde hervorgepresst wird, an dem Zurücktreten aber durch 
das Einsinken des Bulbus, zumeist aber durch die mit diesem Einsinken des 
Bulbus gepaarte Verengerung der Cornealwunde gehindert wird. Dass bei so 
grossen Wunden der gesetzte Reiz ein um so grösserer, und sofort die Aus- 
sicht auf Keratitis, ja selbst auf Brand eine bedeutende wird, versteht sich von 
selbst. Indess sind eine Menge von Fällen bekannt, in welchen penetrirende 
Wunden, selbst wenn sie die Cornea ihrer ganzen Breite nach spalteten, ver- 
heilten, ohne auch nur eine Spur ihres Daseins zu hinterlassen. 

§ 124. Von einem ganz besonderen Interesse sind Schnittwunden, 
welche nebst der Cornealblattsubstanz auch gleichzeitig den strukturlosen 
Ran dt heil der Hornhaut durchsetzen. Dieser letztere beurkundet durch 
die Tenacität, mit welcher er unter den zerstörendsten Processen der Hornhaut, 
bei deren totaler Infiltration, bei gänzlicher Schmelzung, seine Integrität zu 
behaupten weiss, und selbst der Atrophie bei Schwund des gesammten Aug- 
apfels widersteht, hinlänglich seine geringe Fähigkeit zu erkranken, und sofort 
seine unbedeutende Vegetationsthätigkeit. 

Alle Exsudationsprocesse begrenzen sich an seinen Flächen. Wunden 
desselben können daher, auch nicht nach Art der Verletzungen anderer Organe 
durch E.xsudatausscheidungen aus seinem eigenen Parenchym heilen. Wo der 
Heilungsprocess eingeleitet wird, ist er immer die Folge der Verklebung der 
Wundiänder durch Blasteme, welche aus den verletzten Nachbarorganen quellen. 

Der Regel nach kommt eine derartige Verlöthung zu Stande, doch gibt 
es Fälle, in welchen wohl der in das Bereich der Blattsubstanz der Cornea und 
in jenes der Sclera fallende Theil der Wunde vernarbt, das zwischen die Wund- 
flächen der strukturlosen Hornhautrandsubstanz gelangende Exsudatquantum aber 
immer, ehe es fest werden und sich dauernd ankleben kann, durch den nach 
aussen drückenden Humor aqueus hinweggestossen, entleert wird. 

§ 125. Die Wunde heilt dann bis auf den benannten Theil, 
die Cornealfistel 

besieht fort, sie schliesst sich stundenlang, um sich wieder zu öffnen, sobald 
das sich sammelnde Kammerwasser die Hornhaut zu spannen und so die an- 
einander liegenden Wundränder durch seinen Druck auseinander zu treiben, 
fall ig geworden ist. War etwas Exsudat in die Fistel gelangt, so wird es aus- 
gestossen, der Humor aqueus fliesst in solcher Quantität ab, als nothwendig ist, 
um die Spannung der Cornea aufzuheben, dieselbe zum Einsinken und zu der 
sofortigen Schliessung der Wunde zu befähigen. So geht es fort, die Wunde 
kann sich wegen der mit dem Andrängen der wässerigen Feuchtigkeit stets 
erfolgenden Ausslossung des etwa abgesetzten Exsudats nicht schliessen, noch 
weniger aber in dieser Beziehung von der Iris unterstützt werden, weil dieselbe 
in der Nähe der Fistel selbst festhängt. 

§ 126. Die Cornealfistel ist äusserst selten, ich sah sie nie. Durch die 
Gesammtheit meiner Erfahrungen und Beobachtungen, namentlich aber durch 
die trefflichen Beschreibungen Mackenzie's 82 und Desmarres 83 ist mir ihre 
Entstehung auf die soeben geschilderte Weise ganz unzweifelhaft, natürlich 
unter der Voraussetzung, dass von der Cornealfistel alle jene Wunden und. 



Hornhautflstel, pcnetrirende Lappenwunden. 45 

Geschwüre getrennt werden, welche nur wegen langsam vor sich gehender 
Heilung einige Zeit hindurch ein Ausfliessen des Humor aqueus mit sich führen, 
und der Ständigkeit entbehrend, auch füglich von der in Hede stehenden Krank- 
heitsform zu differenziren sind. 

Mackenzie führt in Berücksichtigung dessen die geschilderte Form der 
Fistel auch als eine ganz eigentümliche vor. Als ein Charakteristicum be- 
zeichnet er ihre Stellung am äussersten Cornealrandc, und bemerkt als eine 
sonderbare Erscheinung den Umstand, dass die Conjuncliva über der Fistel 
zusammenheilen könne, und dann durch den austretenden Humor aqueus in Form 
einer blasenförmigen Geschwulst hervorgetrieben werde, welche nach Aus- 
schneidung und abermaliger Yerheilung der Bindeliautwunde immer wieder 
zurückkehre, indem der am Boden der Blase in die Kammer dringende Canal 
ungeschlossen bleibe. In Desmarres Fall war eine 4 mm lange Schnittwunde, 
welche zur Hälfte die Cornea, zur Hälfte die Sclera betraf, nicht vollständig 
geheilt, es war am äussersten Cornealrande eine in die Rammer mündende 
Fistel zurückgeblieben, welche bei genauer Untersuchung den Austritt der 
wässserigen Feuchtigkeit deutlich erkennen liess. Von besonderer Wichtigkeit 
ist der Umstand, dass ausserhalb dieser Öffnung, unter der Conjunctiva ein 
4 mm Durchmesser haltendes und 2 mm hohes Depot fibroalbuminosen Exsudates 
lagerte. Desmarres bezeichnet es ausdrücklich als ein Produkt des Fistelcanales, 
welches mit dem austretenden Kammerwasser nach aussen geschwemmt, sich 
an deren äusseren Oeffnung sammelte. Er schnitt es öfters aus, doch reproducirte 
es sich stets wieder, so lange die Fistel bestand. 

Mit dem Ausflüsse des Humor aqueus ist ein Zusammensinken des Bulbus 
gegeben, er wird weich, er faltet sich und mit ihm die Hornhaut, an deren 
Hinterfläche die Iris tritt. Mit der Anfüllung der Kammer erlangt der Aug- 
apfel wieder seine Form, die Cornea ihre normale Convexität, so zwar, dass 
das Sehvermögen wenig oder gar nicht beeinträchtigt wird. 

§ 127. Die Fistel besteht oft jahrelang, ohne Beizungserscheinungen im 
Augapfel und in seinen Umgebungen zu bedingen. Sie heilt sehr schwer, und 
wahrscheinlich erst dann, wenn zufälliger Weise das in dem Canale sich sam- 
melnde Exsudat Zeit gewinnt, fest zu verkleben und so zu organisiren. 

Bei Nichtheilung kann die Cornea unmöglich in ihrer Ernährung unbeirrt 
bleiben. Atonie ist die endliche Folge, eine mit Erschlaffung einhergehende 
Atrophie. 

e. Von einfachen penetrireuden Lappenwunden 

§ 128. gilt im Grunde dasselbe, was von der vorigen Art der Ver- 
letzungen gemeldet wurde. Doch gibt ihnen der bogige Verlauf eine grössere 
Ausdehnung als selbe unter anderen Richtungen möglich wäre und gleichzeitig 
werden im Bereiche des ganzen Bogens alle Nervenstämme abgeschnitten, dei 
Lappen also zum grossen Theile seines nervösen Impulses beraubt. Mit der 
Länge des Schnittes wächst auch die Gefahr einer incongruenten Zusaminen- 
hr'<mg der Wundränder, die Gefahr des Irisvorfalles, und endlich die Gefahr 
der Entzündung und Absterbung, wie selbe nicht selten nach der Extractio 
cataractae zu beklagen kommen. 

Doch trotz allen diesen Gefahren verheilen Lappenwunden ganz ge- 
wöhnlich ohne alle Verschiebung der Ränder und ohne auch nur irgend eine 



46 Wunden der Cornea. 

Spur ihrer früheren Existenz zurückzulassen. Die Wundränder treten ihrer 
ganzen Breite nach aneinander und verkleben ohne zwischengelagertes, sie 
verbindendes Exsudat, die Grundmasse der Hornhaut reicht hierzu hin 84 . Die 
Wunde ist nach 24 Stunden vollständig geschlossen und ganz rein und durch- 
sichtig, doch noch an der veränderten Spiegelung der Hornhaut in ihrem Be- 
reiche erkenntlich. Es ist diese Verbindung anfänglich eine sehr lockere, eine 
geringe äussere oder von Seite des Bulbusinhaltes auf die Cornea wirkende 
Gewalt kann durch übermässige Spannung der Cornea ein Auseinanderweichen 
der Wundränder bedingen. Diese geringe Cohärenz der Wundränder dauert 
mehrere Tage, wo dann die Verbindung sich vollständig consolidirt hat. 

In minder günstigen Fällen trüben sich aber die mit einander ver- 
wachsenden Wundränder, und es bleibt eine leichte mondsichelförmige, nach 
aussen scharf abgesetzte, nach dem Cornealcentrum hin aber verwaschene, 
grauliche, nicht selten rinnenförmig vertiefte Stelle zurück. Es lässt sich in 
solchen Fällen so wenig wie in den ersteren eine eigenthümliche Zwischen- 
lagerung von bindender Substanz nachweisen, man findet in der Trübung die 
Struktur ganz wohlerhalten, kein Objekttheil weisst eine Strukturveränderung 
nach, nur sind die Blätter der Hornhaut etwas trüber, wie bestäubt mit einer 
ungemein feinen, lichten Molekularmasse, in der dunkle, kleine Körnchen ein- 
gelagert sind. Das Epithel in den getrübten Stellen hat seine Durchsichtigkeit 
verloren, die Epithelplättchen sind trüb, graulich, ihr Inhalt ungemein licht 
granulirt, nicht selten auch mit dunkleren Körnchen durchstreut, ihr Kern 
dunkler als in der Norm, grobkörnig, und die diese Körnchen vermischende 
flüssige Substanz trüb, während die Kernwand sehr undeutlich ist und in dem 
trüben Zelleninhalte ganz verschwimmt. Dieser Befund lässt sich eben so gut 
aus einer einfachen Coagulation der Grundlage ableiten, als aus einer plastischen 
Exsudation. Der Mangel aller entzündlichen Erscheinungen, die stete Begrenzung 
der Trübung auf die Wundränder und deren allernächste Umgebung, die Aus- 
schliessung aller weiteren Metamorphosen in der trübenden Masse, namentlich 
aber die ganz gleiche Umwandlung in den bereits gesetzten Epithelzellen und 
in der Cornealsubstanz sprechen sicherlich mehr für eine blosse Differenzirung 
der chemischen Elemente der Grundsubstanz, als für eine Exsudation. 

Namentlich gerne tritt eine solche Trübung der äussersten Wundränder 
ein, wenn letztere nicht genau an einander liegen, indem entweder der Lappen- 
rand tiefer oder weiter nach vorn steht, als der Band des stehen gebliebenen 
Saumes. Im ersten Falle resultirt aus dieser Verwachsung eine bogenförmige 
rinnenähnliche Vertiefung, im zweitenFalle aber steht der Lappen- 
rand treppenförmig hervor. Ich sah Fälle, in welchen die Schnitt- 
ebene der Wunde eine mehr schiefe war und in welchen der Lappenrand gleich 
einem kleinen Dache über den peripheren Cornealsaum hervorstand, die Be- 
wegung des Bulbus nach unten hemmend, indem sich der hervorspringende 
Randtheil an der Fläche des unteren Lidrandes stemmte. 

In solchen Fällen trübt sich der Wundrand stets mehr weniger, ohne dass 
es aber nothwendig wäre, dass eine entzündliche Reaktion eintrete. Es schleift 
sich der hervorspringende Theil der Wunde nach und nach ab, und die Corneal- 
oberfläche wird wieder glatt, allein stets bleibt eine leichte Trübung an der 
Schnittlinie zurück, und es ist leicht einzusehen, dass solche fehlerhafte Ver- 
keilung auch eine fehlerhafte Krümmung der Hornhaut bedinge, welche die 



Einfache Lochwunden. 47 

wohlthätigen Folgen der übrigens gelungenen Staarextraction bedeutend be- 
einträchtigt. 

In gar nicht seltenen Fällen entwickelt sich wahre Keratitis im Bereiche 
der Wunde und dehnt sich mehr weniger weit auf die Cornealsubstanz aus, 
und namentlich gerne geschieht dieses, wenn der Hornhautschnitt zum 
Theile in das Bereich der strukturlosen Bandsubstanz fällt, 
dann ist die Verlöthung eine viel schwierigere, es bleibt längere Zeit die Vorder- 
kammer offen, der Humor aqueus tritt aus und damit ist schon eine sehr wirk- 
same Ursache zu allen möglichen krankhaften Processen gesetzt 85 . 

Es versteht sich von selbst, dass incongruente Berührung der Wundränder 
diesen Zufall noch mehr begünstigen, und bei Irisvorfall zwischen die Wund- 
ränder ist dieser Ausgang der gewöhnliche. Die Wundränder schwellen in 
solchen Fällen etwas an, gewinnen anfänglich ein sulzähnliches, mattes Aus- 
sehen, sie trüben sich mehr und mehr und werden endlich weisslioh oder 
mehr gelblich. Mikroskopische Untersuchungen der wahrhaft infiltrirten Wund- 
ränder weisen dann zwischen den Blättern Exsudat nach, welches entweder 
eitrig zerfällt und ausgebreitete Zerstörungen der Wundränder mit allen ihren 
Folgen bedingt, oder aber höhere Organisationsstufen erklimmend, eigenthümlich 
gestaltete durchgreifende Narben mit oder ohne vorderen Synechien entwickelt. 

In nicht seltenen Fällen endlich infillrirt sich der ganze Lappen und ver- 
eitert, oder aber geht er unter den Erscheinungen der Malacie, des feuchten 
oder trockenen Brandes zu Grunde 86 . Es ist sodann ein Loch in der Horn- 
haut vorhanden, dessen Bänder entweder eitrig infiltrirt sind, oder aber, falls 
sie brandig sind, später erst auf dem Wege der Eiterung ihrer Vernarbung 
zuschreiten. Man hat dann denselben Zustand vor sich, als ob ein Stück aus 
der Hornhaut herausgeschnitten, eine Lochwunde gesetzt worden wäre, deren 
Bänder bereits in Verschwärung begriffen sind. 

f. Einfache Lochwunden 

§ 129. kommen als zufällige Verletzungen wohl nicht vor, denn Ver- 
wundungen mit Blasrohrbolzen, Schrotkörnern u. s. w. sind immer mit heftiger 
Erschütterung der anliegenden Theile gepaart und bedingen stets mehr gerissene 
Continuitätstrennungen. Doch werden einfache Lochwunden sehr häufig künstlich 
herbeigeführt bei Abtragung der Staphylome und die Excision 
eines Cornealstückes zur Herstellung des Sehvermögens bei unheil- 
baren Gentraltr Übungen der Hornhaut, eine kürzlich wieder in An- 
wendung gezogene Operationsmethode, ist wesentlich nichts, als Setzung einer 
einfachen Lochwunde. 

Die unmittelbaren Folgen sind bei nur einigermassen grösseren Loch- 
wunden der Begel nach Entleerung der Linse und eines Theiles des Glaskörpers, 
der Bulbus sinkt zusammen, die Wundränder kommen in nahe Berührung mit 
einander und verheilen entweder alsbald durch plastische Exsudate, welche sich 
gewöhnlich zu einer durchgreifenden, streifenähnlichen oder myrthenblatt- 
iormigen, dichten, knorpelartigen Narbe organisiren, während die bluthaltigen 
Organe des Augapfels von entzündlichen Produkten überzogen werden und 
öfters klumpenähnlich zusammenbacken, indem sie bei dem Einsinken des Aug- 
apfels in unregelmässige Falten geworfen werden: oder aber zerfallen die 
allenthalben abgelagerten Exsudate, der Augapfel geht unter den Erscheinungen. 



48 Wunden der Cornea. 

einer mehr weniger heftigen Panophthalmitis phthisisch zu Grunde. Es ist 
dieser Ausgang ein um so häufigerer, als sehr oft schon bei jenen Affektionen 
des Augapfels, welche der Bildung des Leucomes oder Staphylomes voraus- 
gegangen sind, und diese letzteren bedingt haben, Linse und Glaskörper entleert 
worden waren, wo dann der Bulbusraum allein von gelblicher Flüssigkeit erfüllt 
getroffen wird, welche schon vor Vollendung des ' Schnittes, beim ersten Ein- 
stiche ihrer Totalität nach abfliesst. 

§ 130. Doch nicht immer ist Linse und Glaskörper verloren, und 
die Operation bedingt nicht nothwendig deren Austritt, sie bewahren trotz be- 
deutendem Durchmesser der gesetzten Lochwunde ihre normale Stellung und 
Lage, der Bulbus sinkt nicht ein, und es kommt nur darauf an, ob der mit der 
Verletzung nothwendig gesetzte Entzündungsreiz sich auch auf die tieferen 
Gebilde des Augapfels fortpflanzt und in Folge dessen Zerstörung des Aug- 
apfels durch Phthise bedingt, oder aber ob, was gewöhnlich geschieht, die Ent- 
zündung sich auf die vordere Hälfte des Augapfels beschränkt und vermittelst 
ihrer Produkte die Vernarbung ohne weitere Verwüstungen einleitet. 

Der Vernarbungsprocess ist nun ein etwas verschiedener je nach den 
Theilen, welche sich vor die Lochwunde legen. 

§ 131. Die Höhle der Staphylome ist nicht ganz selten mit halbrohen, 
hämorrhagisch -plastischen Exsudaten gefüllt, bei Abtragung des ectatischen 
Theiles werden diese Massen getrennt und die hinter dem Schnitte gelegene 
Portion derselben bleibt als eine blutrünstige, ziemlich derbe Substanz zurück, 
welche die Oeffnung gleich von vorn herein schliesst. Sie schwillt gewöhnlich 
bald an, während sich die Wundränder des Hornhautsaumes infiltriren und 
binnen kurzem ist die ganze Fläche der Wunde mit üppigen Granulationen 
bedeckt, welche häufig derart wuchern, dass sie in Form von Kohlblumen aus 
der Lidspalte hervordringen und wiederholte Abtragungen nothwendig machen. 

§ 132. Es ist dieses ein Zustand, der nicht so selten auch dann zur 
Entwicklung kömmt, wenn die Vorderkammer in ihrer Integrität bestand, als die 
Excision einer Cornealparthie vorgenommen wurde, oder aber wenn nur ein 
kleiner Theil der Iris durch den Schnitt entfernt wurde. Es wird dann die 
Wundöffnung durch die sich vorlegende Iris geschlossen und dieses um so mehr, 
als entweder die Pupille bereits vor der Abtragung verwachsen ist, oder aber 
kurz darnach sich verengt und, so wie ein allenfallsiger Substanzverlust der 
Regenbogenhaut durch Exsudation aus den Wundrändern, zum Verschlusse ge- 
bracht wird. Immer geschieht unter solchen Verhältnissen die Vernarbung auf 
dem Wege der Granulation. 

Es infiltrirt sich der stehen gebliebene Cornealsaum mit Exsudaten, welche 
gleichzeitig auch den Wundrand überziehen, die blosliegende Iris schwillt an, 
ihre Gefässe werden ausgedehnt und sichtbar, und bald ist die ganze Wund- 
fläche mit einem von extravasirtem Blute licht- bis dunkelroth gefärbten Ex- 
sudate überzogen, dessen oberflächlichste Schichten zu vereitern beginnen. In 
einem bis zwei Tagen darauf hat die Exsudatschichte bereits an Mächtigkeit 
bedeutend gewonnen, und wird der sie deckende Eiter abgespült, so erscheint 
ihre Oberfläche drusig körnig, lichtröthlich, von Blutpunkten, Blutschläuchen und 
Blutgefässen überzogen. Es hat sich eine granulirende Schichte auf der Iris- 
oberfläche gebildet, und auf die Cornealwundränder ausgebreitet, ja nicht selten 



Folgen der Staphylomabtragung. 49 

erstrecken sich die Fleischwärzchen selbst auf die Vorderfläche des Corneal- 
saumes und treten mit der Conjunctiva in unmittelbare Berührung und Verbindung. 
Später hört die Eiterung auf, es organisiren die oberflächlichsten Parthien 
der Fleischwärzchen zu einer dickern Lage Epithel, die tieferen zu Binde- 
gewebe, und die tiefsten, sowie die in das Gewebe des Hornhautsaumes in- 
filtrirten Exsudate zu faserig-scholligem Gefiige, es hat sich eine durchgreifende 
faserig-schollige Narbe etablirt, welche entweder mehr und mehr schrumpft, 
oder auch neuerdings eclalisch werden und so ein Staphylom wieder erzeugen 
kann. Es sind dieses Zustände, welche sehr häufig auch durch ausgebreitete 
durchbohrende Geschwüre der Hornhaut gesetzt werden. 

§ 133. Wird eine solche durchgreifende Narbe, oder das aus ihr her- 
vorgegangene Staphylom exslirpirt, so kann begreiflicher Weise kein Theil der 
Iris in das Bereich der Lochwunde fallen, oder doch nur ein schmaler Saum 
derselben, da ja eben die Narbe auf dem entblösst gewesenen Theile der Iris 
zur Entwicklung kam, und letzterer in metamorphosirtem Zustande deren Hinter- 
fläche überkleidete. Es tritt dann die Linse, oder, wenn diese, was gewöhnlich 
geschieht, vor oder nach der Operation entleert worden war, der Glaskörper 
vor die VVundöffnung. Diese erscheint vollkommen durchsichtig und glänzend, 
sie gleicht einer Art Pupille, indem sie den Augengrund rein schwarz erkennen 
lässt, und auch dem Kranken die Möglichkeit verschafft, grössere und hell- 
leuchtende Gegenstände wahrzunehmen, insbesondere da sich bei Verlust der 
Linse der in der Wunde liegende Glaskörper etwas nach vorn drängt und so 
eine convexe Oberfläche gewinnt, welche die Convergenz der einfallenden 
Strahlen bedingt. 

Wenige Stunden bleibt der Zustand der oben beschriebene. Bald aber 
findet man den stehen gebliebenen Saum der Hornhaut getrübt, etwas aufge- 
schwellt von infiltrirtem, grau-weissem, durchscheinendem, sulzähnlichem Ex- 
sudate, welches auch die Bandfläche selbst bedeckt und sich in Gestalt eines 
schmalen Bändchens ringsum auf die Convexität der, die Wunde stopfenden 
Linse oder aber des Glaskörpers hinüberlegt. Nach und nach wird dieser 
Saum breiter und somit die schwarze, vicariirende Pupille immer kleiner, bis 
endlich die Bänder des Exsudatsaumes zusammenfliessen, und das Hornhautloch 
durch eine grau -weisse, trübe, wegen ihrer Dünnheit aber bläulich durch- 
scheinende Membran übersponnen ist, welche noch immer die unbestimmte 
Wahrnehmung grösserer und heller Gegenstände zulässt. 

Die Metamorphosen dieses Exsudates sind nun sehr verschieden, und diese 
Differenz lediglich durch die mannigfaltige Constitution des Exsudates selbst 
bedingt. 

Gewöhnlich ist das Exsudat ein rein faserstoffiges, ungemein derbes, 
welches alsbald nach seiner Absetzung gerinnt und eine trockene, feste, zähe, 
ganz strukturlose, durch ungemein feine und lichte Moleküle bestäubte Masse 
darstellt, in der sich nur hier und da eine undeutliche Faserstreifung nach- 
weisen lässt. Erst mit der weiteren Organisation wird die Faserung deut- 
licher, sie entwickelt sich durch primitive Spaltung des Exsudates, keine Spur 
einer Zellenbildung lässt sich wahrnehmen. 

Bei minderer Festigkeit des Exsudates und grösserem Wassergehalte, ist 
aber schon Anfangs das ganze Aussehen des Exsudates ein mehr lockeres, es 

St eil wag, Ophthalmologie. I. 4 



50 Wunden der Cornea. 

zeigen sich alsbald nicht nur an den infiltrirten Rändern des Hornhautloches, 
sondern auch in dem, auf die Linse oder den Glaskörper übergehenden Ex- 
sudatsaume rothe Punkte, die sich mehr und mehr ausdehnen und endlich feine 
Gefässe vorstellen, welche blutig injicirt, und mit vorherrschender centripetaler 
Richtung verlaufend, ein Gefässnetz bilden, welches dem Exsudate eine mehr 
minder lebhafte Röthe verleihet, und wegen seiner grösseren Dichtigkeit am 
Lochrande einen nach innen verwaschenen Gefässkranz bildet. In solchen 
Fällen findet man bei der mikroskopischen Untersuchung an der Oberfläche 
des Exsudates eine Schichte Zellen verschiedener Gestalt mit Uebergangs- 
formen theils in Eiterelemente, theils aber in wahres Fasergewebe, daher auch 
immer eine leichte eitrige Sekretion bemerkbar wird. Eingeschlossen in diese 
Schichte sind dann immer eine Unzahl ganz blasser, gelber, kleiner Blutkör- 
perchen mit scharfer aber äusserst zarter Contour und nur wenig granulirlem 
Inhalte. Diese Blutkörperchen sind theils discret, theils aber in Häufchen ge- 
sammelt, und ganz gewöhnlich in verzweigte, schlauchähnliche Räume einge- 
schlossen, welche jedoch noch keine Wandungen besitzen, es sind Blutcanäle, 
welche dem freien Auge als Gefässe erscheinen. Gefässe im eigentlichen 
Wortsinne fehlen noch, die Canäle überziehen sich erst in einer späten Periode 
mit eigentlichen, strukturlosen Gefässwänden. 

Es sind diese Blutelemente wahre Neubildungen, eine Folge der Orga- 
nisation des Exsudates. Sie kommen immer nur bei saftreichen Exsudaten mit 
entschiedener Tendenz zur Zellenbildung vor, welche letztere bisweilen eine 
sehr üppige ist, so, dass stellenweise das Exsudat in Form wahrer Granulationen 
wuchert. Namentlich am Corneallochrande bilden diese Granulationen nicht 
selten eine Art Kranz, öfters aber schiessen sie auch in der Breite des Ex- 
sudatsaumes als ganz isolirte, hirsekorngrosse Hügelchen auf, und geben dem 
Exsudatblatte ein unebenes, drusiges Ansehen. 

Es ist ganz falsch, diesen Blutcanälen die Eigenschaft zuzusprechen, selbst 
dem Exsudationsprocess vorstehen zu können, und sofort die Matrix für die 
weitere Vermehrung des Exsudates abzugeben 87 . Es ist diese Ansicht falsch, 
indem diese Blutcanäle in ihrem Vorkommen an gewisse Bedingungen bezüglich 
der Constitution des Exsudates gebunden, also nicht immer vorhanden sind 
trotz massenhafter Exsudation und indem sie im Falle ihres Vorkommens an- 
fänglich mit den Gefässen des allgemeinen Kreislaufes gar nicht zusammen- 
hängen, wie sich schon aus der durchaus jugendlichen Gestalt der darin ent- 
haltenen Blutkörperchen entnehmen lässt. 

Ich kann demnach nicht umhin, die Exsudation des Narbenplasmas einzig 
und allein der Wundfläche selbst zuzuschreiben. Den grössten Theil liefern 
die Cornealränder selbst, und falls ein Wundrand der Iris in die Oeffnung fällt, 
dieser, es lässt sich aber durchaus nicht abläugnen, dass selbst die Oberfläche 
der Linse und des Glaskörpers, so weit sie in dem Bereiche der Wunde liegen, 
einen Theil produciren können. Sie sind doch permeabel, und in gewissen 
Fällen sieht man ganz deutlich, dass nicht so ein Vorrücken des Exsudatsaumes 
gegen die Mitte des Loches stattfindet, sondern dass sich das Loch mit Einem 
Male mit einer zarten, florähnlichen Haut überspinnt, welche nach und nach 
dicker wird und sich weiter organisirt. 

Das Endresultat des zuletzt geschilderten Processes ist abermals eine 
durchgreifende, gewöhnlich sehr feste, zähe Narbe, welche nicht selten zu einem 



Excision eines Corneallappens, Transplantation. 51 

merklichen Grade von Diaphanität gelangt, und in diesem Zustande Zeitlebens 
verharrt oder aber, was jedoch seltener geschieht, slaphyloinatös nach vornen 
gebaucht wird. 

§ 134. Der temporäre Erfolg, den die Excision eines Cornealstückes 
bezüglich der Sehkraft eines Auges herbeizuführen im Stande ist, und viel- 
leicht auch der nicht selten bedeutende Grad von Diaphanität in der nach- 
folgenden Narbe scheinen der Idee zu Grunde gelegen zu haben, durch 

Excision eines Corneallappens 
getrübte Hornhäute dem Lichte wieder durchgängig zu machen. Darwin ss 
hatte zuerst die Idee der Trepanation gefasst, Dieffenbach 89 aber selbe ausge- 
führt. Um der Trübung der Narbe ganz sicher vorzubeugen, suchte er 
dieselbe gleich Anfangs auf ein Minimum zu reduciren und vereinigte die 
Wundränder durch Hefte. Der Erfolg war bei einem zweijährigen Mädchen 
ein eclatanter. 

Indess fordert diese Operationsmethode die vollkommene Durchsichtigkeit 
eines grossen Theiles der Hornhaut und ist mit so grossen Gefahren verbunden, 
dass man Amnion vollständig beipflichten muss, welcher sie verwirft, und an 
deren Statt die minder gefährliche und in ihren Erfolgen mehr sichere Core- 
morphose für indicirt erklärt. 

§ 135. Die allenthalben vorgebrachten Gegengründe sind auch so schlagend, 
dass diese Methode in der Oculisük gar keine Wurzeln zu fassen vermochte 
und man sich lieber der Hoffnung hingab, durch 

Ueberpflanzung gesunder Hornhäute 
von Thieren auf die Wunde exscindirter, unheilbar trüber Cornealparthien, das 
Sehvermögen des unglücklichen Kranken wenigstens zum Theile zu retabliren. 
Eine Menge von Versuchen an Thieren und an Menschen sind gemacht worden, 
die Resultate sind leider sehr unbefriedigend ausgefallen, indem es nicht gelang, 
die Durchsichtigkeit der aufgepflanzten gesunden Hornhaut zu erhalten. Im 
glücklichsten Falle heilte selbe an, schrumpfte und wurde ganz undurchsichtig. 
In den meisten Fällen aber starb sie nachträglich ab, sie schwoll erstlich auf, 
wurde trüb, weich, und zerfloss, wenn sie nicht früher durch reichliche Eiterung 
an den Wundrändern abgelöst und abgestossen wurde, ja in sehr vielen Fällen 
stellte sich auf diese Versuche Panophthalmitis ein und der Bulbus ging phthisisch 
zu Grunde 90 . 

2. Die zusammengesetzten Wunden der Hornhaut. 

§ 136. Sie werden gesetzt, wenn der verwundende Körper nicht blos 
in der Ebene seiner Schneide wirkt, sondern die Kraft seiner Einwirkung 
nach allen Seiten den Nachbargebilden mittheilt. Er bedingt dann Risse und 
Sprünge in das Parenchym der Cornea, durch welche einzelne Parthien ent- 
weder ringsum losgerissen, oder aber im grössten Umfange getrennt werden. 

Der Widerstand, mit dem die Cornea dieser Art Zusammenhangstrennung 
vermöge ihrer bedeutenden Zähigkeit entgegentritt, setzt so bedeutende Ge- 
walten voraus, dass jederzeit eine Erschütterung der nebenliegenden Theile an- 
genommen werden muss, durch welche dann auch die Vegetationsfähigkeit der 
Cornealformelemente in noch weiterem Umfange gestört und das Fortleben der 
zum Theile losgetrennten Parthien um so sicherer unmöglich gemacht wird. 

4. 



52 Wunden der Cornea. 

§ 137. Zu diesen Wunden gehören vor allen andern Schuss wunden, 
von welcher Art auch das Projektil sei, Hieb- und Stichwunden mit 
stumpfen schartigen Instrumenten, alle Arten von Risswunden, 
daher auch die so selten vorkommenden Berstungen der Hornhaut bei 
stumpfen mit grosser Gewalt auf das Auge wirkenden Körpern, gequetschte 
Wunden durch Steinwürfe, Peitschenhiebe u. s. w. 

§ 138. Es combinirt sich hier die Zusammenhangstrennung der Blätter 
der Cornea mit Cohäsionsanomalien in den letzten Formbestandtheilen derselben, 
und die unmittelbare Folge dessen ist Absterbung der in ihrer Continuität ge- 
störten Elemente. Die fetzigen Wundränder schwellen an, werden weiss, trüb 
und zerfallen endlich in einen weissen oder weiss-grauen, schmierigen Brei, 
sie bieten alle Erscheinungen der Malacie dar, es ist eine partielle Erweichung 
der Hornhaut, bedingt durch Aufhebung der zum Leben notwendigen Er- 
fordernisse. In Fällen bedeutender Erschütterung der Hornhaut in ihrem ganzen 
Umfange erweicht sie wohl auch ganz oder geht in Brand über. 

§ 139. Ist der durch die Verletzung und ihre Folgen, durch die Malacie oder 
den Brand gesetzte Substanz verlust ein blos th eil weis er, so entwickelt sich 
in den angrenzenden Parthien der Hornhaut wahre Entzündung, Infiltration mit 
plastischer Lymphe. Diese letztere zerfällt, wenigstens zum Theile, constant 
in Eiter und es etablirt sich ein Cornea Ige schwur mit allen seinen Folgen. 

Reichliche Infiltration der angrenzenden Cornealtheile mit succulentem, 
wasserreichem Exsudate hat immer eine sehr rasche Vereiterung und sofortige 
Ausbreitung des Verschwärungsprocesses zur Folge, es gehen mehr und mehr 
Elemente verloren, die Cornea kann ihrer Totalität nach durch Exulceration zer- 
stört werden. 

Die weiteren Folgen sind dann Entleerung und Phthise des Aug- 
apfels, also denen ähnlich, welche durch totale Consumtion der Hornhaut in 
Folge von Brand oder Erweichung gesetzt werden. 

In den meisten Fällen aber, namentlich wenn sich die verletzende Kraft 
nicht weit auszubreiten im Stande war, beschränkt sich die Exsudation auf die 
nächsten Nachbargebilde im Umkreise der Wunde, in welche sich, falls sie 
penetrirte, fast immer ein Theil der Iris vorlagert. Nur ein geringer Antheil 
des abgelagerten Exsudates geht die Eitermetamorphose ein, es organisirt und 
bildet eine faserig-schollige, leucomaföse, oberflächliche, oder mit vorderer 
Synechie gepaarte, durchgreifende Narbe. Die Form der letzteren variirt 
nach Gestalt und Ausbreitung der Wunde, gewöhnlich aber erscheint sie streifen- 
förmig und im Querdurchschnitte keilförmig, indem die Zerstörung der ober- 
flächlichen Parthien der Cornea theils ursprünglich durch die Wunde, theils 
aber durch die nachfolgende Verschwärung eine ausgebreitetere, als in den 
tieferen Schichten der Hornhaut ist. 

Nur in sehr seltenen Fällen, wenn die penetrirende Wunde eine nahebei 
einfache ist, die Wundränder fast scharf und kaum erschüttert sind, werden die 
Wundflächen per primam intentionem vereinigt, oder falls sich die 
Wundränder bereits etwas infiltrirt hatten, durch Besorbtion wieder ge- 
reiniget, sodass kaum eine Spur einer Narbe zurückbleibt 91 . 

§ 140. Bedenkt man die Grundbedingung dieser Verletzungen, Ein- 
wirkung einer bedeutenden Gewalt, um den stumpfen Körper durchdringen, 



Verunreinigte Wunden. 53 

pder aber die Cornea bersten zu machen, so isl Leicht ersichtlich, dass die 
Prognose nicht allein auf den Zustand der Cornea unmittelbar nach der Ver- 
letzung gebaut werden kann, indem auch die übrigen Theile des Bulbus im 
hohen Grade affizirt werden, und namentlich die ge fassreichen Theile 
des Augapfels leiden. Sie äussern ihre Alteration gewöhnlich in massenhaften 
Blutaustretungen in die Augapfelhöhle, in nachfolgender Panophthahnitis, ja 
selbst in Brand des Bulbus, wenn die Verwundung der Cornea selbst eine sehr 
geringfügige schien, oder ganz fehlte. 

Doch nicht allein das Gefässleben ist im hohen Grade gefährdet, auch die 
Nerven des Bulbus werden in hohem Grade bei heiligt, und die Rückwirkung 
dessen auf das Centralorgan kann sich in den bedeutungsvollsten Symptomen 
äussern. Es sind Fälle bekannt, in welchen Risswunden des Augapfels Tetanus 
erzeugt hatten 92 . 

3. Die verunreinigten Wunden der Hornhaut 

§ 141. Es sind dieses Wunden, in welchen ein Theil des verletzenden 
Körpers stecken geblieben ist, und entweder nur mechanisch reizend einwirkt, 
oder aber zugleich chemische Wirkungen entfaltet. 

§ 142. Es ist leicht einzusehen, dass jede der bereits abgehandelten 
Wundformen eine verunreinigte sein könne, und dass unter solchen Umständen 
die unmittelbaren Folgen sowohl, als auch die weiteren Consequenzen in höchst 
bedauerlichem Maasse gesteigert werden müssen. Ich komme auf diese nicht 
mehr zurück, und wende mich sogleich zu einer Classe von Wunden, welche 
äusserst häufig vorkommen, und den ganzen Complex ihrer Folgezustände nicht 
sowohl aus der mechanischen Continuitätstrennung selbst ableiten lassen, sondern 
vielmehr nur aus der dynamischen oder chemischen Einwirkung des sie 
bedingenden, und in ihnen steckenbleibenden Körpers auf die 
Wundränder. 

Ich meine jene Wunden, welche durch Glassplitterchen, Metallspäne, 
Pulverkörner und ähnliche kleine Körperchen gesetzt werden, und diese einge- 
keilt festhalten. 

§ 143. Werden solche Körper alsbald, nachdem sie eingedrungen sind, 
wieder entfernt, so wird der ohnehin nur äusserst geringe Substanzverlust 
durch einfache Schwellung der Wundränder ersetzt, diese verheilen per primam 
intentionem, wahrscheinlich auf dieselbe Weise, wie ich es bei einfachen Schnitt- 
und Stichwunden angegeben habe 93 . Nur selten ist die Verletzung, und die 
nachfolgende operative Entfernung desselben geeignet, Entzündung und sehnst 
Verschwörung nach sich zu ziehen, namentlich, wenn der Körper kein chemisch 
löslicher gewesen und sofort Zersetzungen der organischen Masse im Umkreise 
der Wunde herbeizuführen vermochte, während vergiftete Körperchen, 
wie z. B. Bienen-, Wespenstachel gewöhnlich ungemein intensive Entzündung 
und selbst gänzliche Zerstörung des Augapfels veranlassen. 

§ 144. Wird der fremde Körper nicht herausgenommen, so in- 
filtrirt sich die Umgebung mit plastischem Exsudate, dieses geht sehr bald in 
Eiterung über und lockert so nach und nach den fremden Körper, indem es 
die Theile, von welchen er festgehalten wird, erweicht und schmilzt, und so den 



54 Wunden der Cornea. 

Körper entweder von selbst herausfallen macht, oder aber durch das reichliche, 
halbflüssige Entzündungsprodukt abhebt und herausstösst. 

So umgeben sich eingekeilte Glassplitter, Eisenfeilspäne etc. etc. sehr bald 
mit Exsudat, durch dessen Schmelzung eine Art Grübchen gebildet wird, in 
dem der fremde Körper ganz lose hängt, bis er herausfällt, wenn er nicht 
vorläufig chemisch alterirt und aufgelöst worden ist, wie dieses häufig bei 
Metallsplittern, besonders Gusseisenspänen geschieht. Da findet man häufig 
das Metallkörnchen ganz gelöst in einen braun-schwarzen, leicht zerbröcklichen, 
körnigen Brei. 

§ 145. Nicht selten aber geschieht es, namentlich bei chemisch nicht 
angreifbaren Körpern, z. B. Holzsplittern, Glasscherben, dass das denselben um- 
spinnende Exsudat nur theilweise oder an der Oberfläche die Metamorphose zu 
Eiter durchmacht, während der andere Theil coagulirt und in eine feste, zähe 
Narbenmasse umgewandelt wird, welche den fremden Körper in der Tiefe fest- 
hält, während an der Oberfläche der Verschwärungsprocess weiter und weiter 
greift 94 . So sah man Körper wochen-, ja jahrelang in der Cornea haftend, 
einen Eiterungsprocess unterhalten, es ist eine Art unvollkommener Ein- 
kapselung und macht den Uebergang zur vollständigen Inkapsulirung, 
wo das in der Umgebung abgesetzte Exsudat wenig oder gar keine Tendenz 
zur Eiterung hat, und sich in eine feste Narbe verwandelnd gleich einer Schale 
den Körper umhüllt 93 , bis endlich unter günstigen Umständen nachfolgende 
Entzündung die Kapsel schmilzt, und so den Körper sammt seinem Balge zum 
Abstossen bringt. 

Besonders günstig ist dieser Inkapsulirung das Auftreten von Fleisch- 
wärzchen, die von allen Seiten rings um den fremden Körper herumwuchern 
und selben, indem sie vor ihm zusammenfliessen und verkleben, vollkommen 
umschliessen können. 

§ 146. Doch nicht immer ist ein Inkapsulirungsprocess und Verschwärung 
die nothwendige Folge von der Einkeilung fremder Körper, derselbe sitzt oft 
lange Zeit ohne alle Spur von Inkapsulation in der Hornhaut. Na- 
mentlich gilt dieses von Pulverkörnein. Es ist oft nicht möglich, selbe ohne 
bedeutende Substanzverluste aus der Cornea zu graben, sie bleiben Wochen, 
Monate, Jahre als schwarze Punkte in der Hornhaut haften. Nur wenn sie 
glühend und in grosser Menge eindrangen, erregen sie Entzündung, Eiterung 
und theilweise Ausstossung, in häufigen Fällen entwickelt sich dann auch sehr 
heftige Entzündung der ganzen Hornhaut, es stösst sich das ganze Epithel und 
ein Theil der Vorderschichten ab, die Hornhaut wird ihrem ganzen Umfange 
nach in eine Geschwürsfläche verwandelt, welche sich nach der Hand mit einer 
Schichte undurchsichtigen, sehnenähnlichen Gefüges überzieht, in dessen tiefsten 
Schichten man nach vielen Jahren noch Beste der Pulverkörner als schwarze 
Massen wiederfindet. 

Es scheint, als ob die Kohle als ein sehr indifferenter Körper nicht immer 
fähig wäre, die Cornea zur Entzündung und Ausstossung zu vermögen. Das 
Oxyd und die Kohle in die Cornea gedrungener Körper bleibt oft sehr 
lange in der Cornea sitzen als ein schwarzes oder braunes Pünktchen 97 . 



Entzündung. 55 



Dritte Fehlergruppe. 

Abweichungen der Textur. 

§ 146. Der naturhistorischen Richtung dieses Werkes entsprechend, 
fasse ich den Begriff der Abweichung nicht als den Rahmen für ein Aggregat 
gegebener Symptomcomplexe auf, sondern in der Bedeutung eines Werdens, 
eines Processes, eines Ueberganges von dem normalen Zustande in den 
anomalen 98 . 

Es handelt sich demnach vor Allem darum, den Ausgangspunkt dieser Ab- 
weichungen zu finden, um daraus die einzelnen, unter einander differenten 
Processe, gleich den Verästelungen eines Baumes aus dem Stamme ableiten 
und in die fernsten Verzweigungen verfolgen zu können. 

§ 147. Die Textur eines Organes ist das Resultat eigenthümlicher Ge- 
staltung des zu seiner Bildung verwendeten Plasmas, welches formell für alle 
Organe ein gleichartiges, homogenes ist, in chemischer Beziehung aber als 
speeifisch verschiedenes angenommen werden muss. Die Eigenthümlichkeit der 
Gestaltung muss nach dem gegenwärtigen Stande unserer Kenntnisse in der, 
einem jeden Organe inwohnenden speeifischen Bildiuigsthätigkeit, als eines 
Theiles der dem Gesammtorganismus inhärirenden Lebensenergie begründet 
gedacht werden. 

Texturanomalien lassen sich daher theils aus Veränderungen des in die 
Vegetation des Organes eingehenden Plasmas, theils aber aus Alterationen der 
den Bildungsprocess leitenden speeifischen Lebensenergie deduciren. 

§ 148. Chemische Differenzen der allgemeinen Nahrungsflüssigkeit, Blut- 
dyscrasien müssen nothwendig eine Alienation des Lebensprocesses in sämmt- 
lichen Organtheilen bedingen, und ebenso ist ein strikter normaler Bildungs- 
vorgang bei Veränderungen in der allgemeinen Lebensenergie oder in der 
speeifischen eines Organes nicht denkbar. Doch häufig erscheint die Vege- 
tation eines Organes bei eclatanter chemischer Alteration des Blutes ungetrübt, 
und dieser Umstand, sowie die äusserst verschiedene Empfänglichkeit der Or- 
gane für äussere sowie für innere Reize zwingt uns, Schwankungen in der 
Qualität der Organisationsthätigkeit innerhalb der Grenzen 
der Normalität anzunehmen, und den Begriff der Anomalie auf jene 
Alterationen zu besekränken, die durch äusserlich sichtbare Merkmale objektiv 
in die Erscheinung treten. 

§ 149. Dieses auf die Cornea anwendend, finden wir in dem Ver- 
luste der optischen Gleichartigkeit den Ausdruck für sämmtliche un- 
mittelbare, objektiv wahrnehmbare Erscheinungen alterirter Bildungsthätigkeit". 

§ 150. Der Verlust der optischen Gleichartigkeit ist durch das Auf- 
treten anomaler Formelemente in dem Parenchym der Cornea oder in 
der Epithelialdecke bedingt, und es kömmt nur darauf an, die Art und W r eise 
dieses Eingehens fremdartiger Formelemente in das Hornhautgewebe zu erörtern. 

Man ist gewöhnt, Exsudation als das Moment zu bezeichnen, welches 
dem Auftreten differenter Bestandtheile in dem Gewebe eines Organes zu 



56 Entzündung der Cornea. 

Grunde liegt, und diese Durchschwitzung auf Alterationen der Gefässwände 
selbst zurückzuführen. Mit einem Worte Entzündung ist die Aegide, unter 
welcher man sämmtliche Processe mit Anbildung neuer, differenter Formelemente 
vereinigen zu können glaubt. 

Erstes Haiiptstück. 

Die Hornhautentzündung und ihre Producte. 

§ 151. Fasst man die Erscheinungen, welche die neueren, nicht specu- 
lirenden, sondern forschenden Pathologen, gestützt auf Experimente und Studien 
am Leichentisch als nothwendig erklären, auf dass der Begriff einer Entzündung 
erschöpft sei, näher in das Auge, so ist man gezwungen, entweder die Ent- 
zündungsfähigkeit der Cornea ganz abzuläugnen 10 °, oder aber den Begriff der 
Entzündung selbst zu ändern, denn es fehlen der Hornhaut die we- 
sentlichsten Bedingungen zu einer Entzündung im gewöhn- 
lichen Wortsinne, das Blut und seine Gefässe. 

§ 152. Der Blutmangel der Cornea in ihrem normalen Zustande 
ist allgemein anerkannt, und die Vertheidiger der Cornealgefässe finden ihre 
Hauptwaffe in der Injectionsfähigkeit derselben während exsu- 
dativen Processen. 

Doch ist die Gefässbildung keine der Keratitis der Regel nach zukommende 
Erscheinung, und selbst die eifrigsten Gegner der Chelius'schen Ansicht, alle 
während Entzündungsprocessen der Cornea auftretenden Gefässe seien Neu- 
gebilde, sind gezwungen, Keratitides ohne Gefässbildung anzunehmen, ja sogar 
durch Aufstellung einer Keratitis vasculosa, pannosa etc. die Unwesentlichkeit 
der Gefässe zu dem Begriffe der Keratitis zu sanctioniren. 

Uebrigens wären Gefässanomalien der Grund der Exsudation als Haupt- 
moment der Keratitis, so müsste nothgedrungen der Grad der Entzündung, die 
Masse des Exsudates, in irgend einem Verhältniss zur Congestion und zur Stase 
des, in den entzündlich alterirten Gefässen enthaltenen Blutes stehen. Wir 
sehen aber gerade die reichlichste Gefässbildung bei quantitativ sehr gering- 
fügigen Exsudationen, während die massenhaftesten Ausschwitzungen, wie sie 
bei der Metastase, dem Krebs, Tuberkel der Hornhaut vorkommen, ferner alle 
jene Exsudationen, welche ein rein faserstoffiges, festes, zähes, durch Faser- 
spaltung höhere Organisationsstufe erklimmendes, oder in dem Zustande ur- 
sprünglicher Crudität verharrendes Produkt liefern, primär ohne alle, selbst ohne 
die geringste Spur von Gefässbildung verlaufen. 

Es lassen sich weiter hier die ungemein reichlichen parenchymatösen 
Blutungen, welche mechanischen Verletzungen von Hornhautparthien folgen, in 
denen sich Exsudation mit Blutinjektion gepaart findet, absolut mit dem Begriffe 
einer Blutstase nicht vereinigen. 

Und sollte noch ein Zweifel erübrigen, so ist das Mikroskop dem kun- 
digen Auge ein Mittel, alle Nebel zu zerstreuen, die Unabhängigkeit der Horn- 
hautexsudalion von Gefässen und Blutstase zu erweisen, und sofort die Differenz 
der Keratitis von Entzündungsprocessen anderer Organe auf die eclatanteste 
Weise darzuthun. Die Blutkörperchen, welche in frischen Entzündungsheerden 
vorkommen, beurkunden sämmtlich durch ihre physicalischen Eigenschaften ihr 



kcratitischer Process. 57 

jugendliches Alter und differiren in jeder Beziehung von den, in dem allge- 
meinen Blutstrome bewegten Blutkügelchen. Sie erscheinen sehr blass gefärbt, 
gewöhnlich gelblich, von unregehnässig rundlicher Gestalt, sehr verschiedener 
Grösse, bedeutender Weichheit und führen einen fast homogenen Inhalt, der 
sich nur in eine sehr geringe Anzahl dunkler Körperchen differenzirt hat. Die 
sie umgebende Lymphe schlägt der Masse nach weit vor und hält sie gegen- 
seitig von einander entfernt, nur selten findet man einige unter einander ver- 
klebt, sie sind grösstenteils flott. Sie finden sich eingeschlossen in ganz 
unregehnässig schlauchartigen Lücken des infiltrirten Cornealgewebes, welche 
Lücken anfänglich regellos und armstrahlig sind, später aber sich nach einer 
oder der andern Richtung ausdehnend, in verästelte Kanälchen übergehen, 
welche mit benachbarten Blullücken anostomosiren und endlich auch mit den 
Gefässen des allgemeinen Blutstromes in Gommunication treten. Immer aber 
fehlen noch Gefässwände und unterscheiden diese Bluträume von capillaren 
Gefässen, von welchen letzteren sie auch durch bedeutend grösseres und ganz 
ungleichmässiges Caliber an verschiedenen Stellen ihrer Länge abweichen. 

Es sind nach allem dem in der Injektion entzündeter Cornealparthien 
nicht sowohl alte, congestionirte Gefässe, als vielmehr evident neuge- 
bildete Bluträume zu sehen, in welchen auch jede Spur einer Stase 
mangelt, indem weder eine Verklebung der Blutkörperchen, noch eine An- 
pfropfung mit verdicktem, saturirt gefärbtem, durch coagulirtes Fibrin und 
Albumen festgeronnenem Cruor wahrgenommen wird, noch irgend welche, dem 
Blute fremdartige Kern- und Zellenbildungen innerhalb dieser Canäle in die 
Erscheinung treten. 

§ 153. Es lässt sich daher auch kein Theil des sich allmälig mehrenden 
Exsudates auf Rechnung einer entzündlichen Stase der, in der Cornea auf- 
tretenden, neugebildeten Gefässe setzen, und es muss das Auftreten fremd- 
artiger Formelemente von Gefässalterationen innerhalb der Hornhaut absolut 
unabhängig erklärt werden. 

Mit dem Mangel ausschwitzungsfähiger Gefässe fällt aber auch das letzte 
und das Hauptcriterium einer Entzündung, die Exsudation. Es stellt sich 
eine Exsudation in dem gewöhnlichen Wortsinne als ganz unmöglich heraus, 
und es bleibt nur die Annahme einer mittelbaren Ueberführung fremdartiger 
Formelemente aus dem, die Cornea stetig durchtränkenden und nährenden 
Kammerwasser in das Hornhautgewebe gerechtfertigt. 

§ 154. Würden aber die in der Hornhaut auftretenden anomalen Form- 
elemente als solche, aus dem Humor aqueus in die Hornhaut überführt, so 
müsste deren Erscheinung stetig an eine entsprechende Alteration des Kammer- 
wassers gebunden sein. Diese Veränderung des Humor aqueus in seiner Con- 
stitution liesse sich wieder nur ableiten entweder aus einer allgemeinen Blut- 
erkrankung oder aber im Falle deren sichtlicher Abwesenheit aus einer localen 
Alteration der Ciliarfortsätze, als den Secretionsorganen der wässerigen Feuchtigkeit. 

Nun gibt es aber gewiss und unbestreitbar Fälle, und sie sind die häufigsten, 
in welchen dies Auftreten fremdartiger Formelemente in allgemeiner Bluter- 
krankung durchaus nicht begründet gedacht werden kann, und gerade diese 
Fälle sind es, in denen die Erkrankung offenbar auf die Cornea beschränkt ist, 
und ohne alle Mitleidenschaft der Ciliarfortsätze gefunden wird. 



58 Entzündung der Cornea. 

Anderseits sind die Fälle gar nicht selten, in welchen die Cornea voll- 
kommen rein und klar ist, und anscheinend ganz normal vegetirt, während in 
dem ganzen Organismus die Herrschaft einer hochgradigen fehlerhaften Blut- 
mischung zur Anschauung kommt, und sofort auch eine chemische Alteration 
des Kammerwassers sehr wahrscheinlich wird, ja bisweilen besteht die Horn- 
haut in ihrer völligen Integrität, wenn der Humor aqueus selbst auf Distanz 
seine von Grund aus veränderte Mischung in Trübung zu erkennen gibt. 

Endlich kommt es sehr oft vor, dass die in der Hornhaut abgelagerten 
Stoffe denen ganz ungleich sind, welche massenhaft und in den verschiedensten 
Organen gleichzeitig auftretend, durch ihre eigentümliche Constitution eine be- 
stimmte Erkrankung des Blutes in seiner Totalität voraussetzen. So sehen wir 
bei ausgesprochener Tuberkulose des Gesammtorganismus, bei allgemeiner 
Krebsdyscrasie oft Formelemente auftreten, welche den Produkten dieser Krasen 
diametral entgegen entweder in üppiger Eiterzellenbildung sich ergehen, oder 
aber gerinnen und auf dem Wege der Faserspaltung organisiren. 

Alles deutet also darauf hin, dass die allgemeine Blutconstitution und die 
Zusammensetzung des Kammerwassers nur Ein Moment sei, welches die Mög- 
lichkeit der Anbildung gewisser abnormer Formelemente begründet, aber 
noch eines zweiten Momentes bedarf, auf dass diese organische Metamorphose 
ein thatsächliches werde. 

§ 155. Man ist gezwungen, in der Hornhaut selbst einen Grund zu 
suchen, der diese differente, chemische und formelle Gestaltung der mit dem 
Humor aqueus eintretenden Ernährungsstoffe erklärt, man kann nicht umhin, 
Alteration der specifischen Lebensthätigkeit der Cornea als 
das Moment zu bezeichnen, welches in den meisten Fällen allein die Ent- 
wicklung anomaler Gestaltungsprocesse in der Hornhaut bedingt, in den übrigen 
Fällen aber die unmittelbare, letzte Ursache ist, auf dass sich präexistirende 
Krasen in der Cornea localisiren können. 

§ 156. Der letzte Grund der Texturabweichung liegt dem zu Folge 
in der Cornea selbst, in ihrer specifischen Bildungsthätigkeit, der Process, 
welcher das Auftreten anomaler Formelemenle unmittelbar bedingt, ist ein 
localer, auf die Cornea selbst beschränkter. 

Da nun die Durchtränkung der Cornea mit Kammerwasser ein physio- 
logischer Vorgang ist, kann in den Fällen normaler Constitution dieser 
Flüssigkeit bei dem Auftreten fremdartiger Formelemente von einem Exsu- 
dationsprocesse nicht die Rede sein. 

Aber auch in dem Falle chemischer Alteration der wässerigen 
Feuchtigkeit kann von einem Exsudationsprocesse nur dann gesprochen 
werden, wenn anomale Formelemente in der Cornea bereits wahrgenommen 
werden. Diese sind nach dem Vorhergehenden aber nicht als solche über- 
führt, sondern erst in der Cornea gebildet worden. Es ist hier das Eingehen 
des Elementes in die Cornea ein normaler Vorgang gewesen, und nur dessen 
differente Gestaltung innerhalb der Cornea ist ein krankhafter Process zu 
nennen. Es wird also auch in den Fällen, in welchen chemische Alteration 
der wässerigen Feuchtigkeit dem Auftreten fremdartiger Formelemente zu 
Grunde liegt, der Begriff der Exsudation, selbst im weitesten Sinne, nicht 
erschöpft, 



Keratitischcr Proccss. 59 

§ 157. Es fehlen somit alle Momente, welche die Bezeichnung des 
fraglichen Processes als Entzündung in dem Sinne der neueren und alten 
Schule rechtfertigen könnten. Da aber nicht nur die ätiologischen Momente, 
sondern auch die, diesen Process begleitenden Symptome, sowie die Folgen 
desselben die eclatanteste Analogie mit den Entzündungen anderer Organe dar- 
bieten, ist eine durchgreifende Scheidung derselben durchaus nicht zulässig und 
wir sind gezwungen mit Beibehaltung der alteingebürgerten Benennungen, die 
Keratitis als einen Process zu schildern, der in qualitativen Altera- 
tionen der specifischen Bildungsthätigkeit der Cornea be- 
gründet, sich durch normwidrige Differenzirung des, das Cor- 
nealparenchym in allen seinen Bestandteilen (Epithel und 
eigentümliche Cornealsubstanz) durchtränkenden Kammer- 
wassers äusserlich zu erkennen gibt. 

§ 158. Die Entzündung der Cornea und jene bluthaltiger Organe 
kommen demnach darin überein, dass sie wesentlich in qualitativer Abweichung 
des specifischen Lebensprocesses begründet und durch Produktbildung ver- 
schiedener Art ausgezeichnet sind. Der Vorgang, die Art und Weise, wie die 
Produkte gesetzt werden, ist aber in beiden ein verschiedener. In Entzündung 
gefässhalliger Organe ist das Eingehen fremdartiger Stoffelemente in das Ge- 
webe ein Hauptmoment und begründet in der Unwegsamkeit der capillaren 
Höhlung. In der Keratitis ist aber ein Ueberströmen heterogener Stoffe ganz 
unwesentlich, indem das die Cornea und ihr Epithel durchtränkende, ihr also 
de Norma zukommende eiweissähnliche Fluidum selbst chemisch umgesetzt und 
in organische Formelemente anomaler Art metamorphosirt wird. Der Process 
beginnt erst in dem eigentlichen Gewebe der Cornea, innerhalb der Faser- 
blätter und Epithelialzellen, während bei Entzündungen der gewöhnlichen Art das 
erste Stadium stetig in der Gefässhöhle, also ausserhalb dem Parenchyme des, 
zur Entzündung gehenden Organes abläuft. 

§ 159. Der Abgang dieses Momentes macht es nun auch in der Cornea 
möglich, von Entzündung des Epithels zu sprechen, eine Benennung, die 
ohne die vorausgeschickte Definition der Hornhautentzündung ein totaler Un- 
sinn wäre, bei der Bezeichnung des analogen Processes in dem Cornealfaser- 
gewebe mit dem Namen „Entzündung" aber nicht umgangen werden kann, da 
der Vorgang und die Erscheinungen in dem Fasergewebe und Zellenstratum 
der Cornea wesentlich identisch sind, und schon auf diese Weise die un- 
gemeine Differenz zwischen Keratitis und Entzündung bluthaltiger Organe 
herausstellen. 

§ 160. Da Stase zum Begriff der Hornhautentzündung nicht nothwendig 
ist, lassen sich auch sämmtliche in qualitativer Abweichung der specifischen 
Lebensenergie der Cornea begründeten Produktbildungen unter den Rainen der 
Entzündung fassen und eine Differenzirung entzündlicher und nicht 
entzündlicher Exsudate ist um so weniger möglich, als sämmtliche regel- 
widrige Produktionen in dem Bereiche der Cornea bei ihrem ersten Auftreten, 
in ihrer Urform vollkommen gleiche sind, eine eigenthümliche, sulzähnliche, 
mehr weniger flüssige, durchscheinende, farblose, anscheinend homogene Sub- 
stanz vorstellen, welche sich von der normalen Grundsubstanz der Hornhaut 
nur durch eine äusserst zarte, lichte, staubähnliche Granulirung unterscheidet, 



60 Entzündung der Cornea. 

ein Phänomen, welches sich zwangslos zurückführen lässt auf eine normwidrige 
Differenzirung in den chemischen Stoffelementen der Cornealgrundsubstanz, auf 
eine Gerinnung ihrer proteinigen Bestandteile 101 . 

So weit ist der exsudative Process in der Hornhaut für alle Fälle ein 
gleicher. Erst später beginnen sich in der weiteren Congregation der Molecule 
Differenzen herauszustellen. 

§ 161. Ist das Produkt der Keratitis in seiner Urform ein stetig gleich- 
artiges, so genügt es auch, in dem Kammerwasser Ein einziges pro- 
teiniges Element als Quelle sämmtlicher Exsudatformen an- 
zunehmen, vorausgesetzt, dass dieser proteinige Stoff die Fähigkeit hat, je 
nach den obwaltenden Verhältnissen sich nach verschiedenen Richtungen hin zu 
metamorphosiren. 

Bischof hat nun wirklich die proteinige Substanz des Kammerwassers als 
eine solche erkannt, welche ihrer Natur nach dem Eiweisse ähnlich, unter ge- 
wissen Umständen zu Faserstoff umgewandelt wird, daher sie Yirchow 102 mit 
dem Namen „Fibrinogen" bezeichnet. Indem nun der letztere 103 nachge- 
wiesen hat, dass der Faserstoff seinen chemischen Eigenschaften nach stetig 
nur Einer sei, und alle scheinbaren chemischen Differenzen der verschiedenen 
Faserstoffarten sich auf mechanische Differenzen der Gerinnung, d. h. auf 
grössere oder geringere Cohäsion der unlöslich gewordenen Faserstoffmolekule 
zurückführen lassen; ist in dieser Substanz, in dem Fibrinogen der Corneal- 
grundsubstanz der Schlüssel gegeben zur Aufklärung aller weiteren Metamor- 
phosen der in ihrer Urform gleich constituirten Exsudate. Sämmtliche Exsu- 
datformen erscheinen als das Resultat differenter Gestaltung der die Cornea 
de Norma durchtränkenden fibrinogenen Substanz. 

§ 162. Diese differente Gestaltung kann wieder nur begründet sein in 
specifisch verschiedenen Alterationen der der Hornhaut eigen- 
thümlichen Bildungsthätigkeit, in specifischen Affektionen der, diese Bil- 
dungsthätigkeit incitirenden und leitenden Cornealnerven. Nur unter Annahme 
eines solchen Einflusses der Nerven auf die normale oder regelwidrige Ge- 
staltung der Grundsubstanz der Hornhaut wird es bei dem erwiesenen Mangel 
von Cornealgefässen möglich, die Beschränkung eines Exsudationsheerdes auf 
einzelne Parthien der, übrigens im Zustande der Norm verharrenden Cornea zu 
begreifen, nur dadurch wird es möglich, einzusehen, warum in der Hornhaut 
je nach Umständen bald diese, bald jene Form von Exsudaten auftaucht und 
sich dabei durchaus nicht an die allgemeine Constitution des Blutes bindet, ja 
ihr gerade entgegengesetzte Eigenschaften darbietet, warum nicht selten in 
kleinem Umfange formell höchst verschiedene Produkte zur Entwicklung kommen, 
da doch die Nahrungsflüssigkeit der Hornhaut nur Eine, für alle Theile der 
Cornea eine gleiche ist. 

§ 163. Indessen lässt sich doch nicht abläugnen, dass gewisse Blut- 
constitutionen in manchen Fällen ganz eigenthümliche Metamorphosen der 
in der Hornhaut abgelagerten Produkte bedingen, es lässt sich bisweilen ein 
gewisser Zusammenhang zwischen der weiteren Entwicklung eines Hornhaut- 
exsudates und der specifischen Blutmischung nicht verkennen, indem die for- 
melle Gestaltung des Hornhautexsudates ganz übereinstimmt mit jener von Pro- 
dukten der allgemeinen Dyscrasie in anderen Organen. 



Spocificität der Keratitis. 61 

Es ist. unter solchen Verhältnissen aber anentschieden, ob die allgemeine 
Blutentmischang einzig und allein durch chemische Veränderungen des Kammer- 
wassers, in specie seines Fibrinogens, jene Metamorphosen in der Grnndsubstanz 
der Hornhaut bedinge; oder aber ob jene Alterationen der allgemeinen Lehens- 
energie, welche allgemeinen Blutveranderungen zu Grunde liegen oder parallel 
gehen, Alterationen in der speeifisehen Bildungslhätigkeit der Hornhaut und 
sofort normwidrige Dilferenzirungen der Cornealgrundsubstanz nach bestimmten 
Richtungen hin vermitteln können. 

Zur Begründung der ersten Ansicht sind bisher noch gar keine Fakta in 
die Wissenschaft eingeführt worden, ja der häutige Bestand der Cornea in ihrer 
Integrität unter der Herrschaft hochgradiger Blutentmischung und die Mög- 
lichkeit eines Zustandekommens ganz widersprechender Exsudat formen treten 
ihr direkt entgegen, während sich für die zweite Ansicht wohl keine positiven 
Beweise vorführen aber auch keine Gegengründe aufstellen lassen. 

Es sei dem wie ihm wolle, so lässt sich in manchen Fällen eine gewisse 
Beziehung zwischen Bluterkrankung und Cornealprodukten nicht verkennen, es 
bleibt jedoch der letzte Grund dieser speeifisehen Gestaltung der Exsudate 
dunkel, es ist unerwiesen, ob mehr das chemische oder dynamische Moment in 
der Begründung bestimmter Metamorphosenreihen hervorschlage, ein Zweifel, 
der eigentlich auch die Grundursache der Dyscrasie selbst betrifft. 

§ 164. Wir sind also bemüssiget, speeifische Entzündungs- 
produkte in der Hornhaut anzunehmen, und sie im Allgemeinen als solche 
zu bezeichnen, welche einen gewissen Zusammenhang mit der allgemeinen Con- 
stitution des Blutes erkennen lassen. Sie sind in so fern den reinen Ent- 
zündungsprodukten entgegengesetzt, als sich bei diesen kein derartiger Causal- 
nexus nachweisen lässt. 

Da nun die Erfahrung täglich lehrt, dass bei sichtlichem Vorhandensein 
einer bestimmten Krase Produkte in der Hornhaut abgelagert werden, die der 
normalen oder einer der ersten gerade entgegengesetzten Krase entsprechen, 
während bei annehmbar ganz normaler Krase oftmals Produkte gesetzt werden, 
welche jenen in Form und Entwicklung ganz identisch sind, die wir bei dieser 
oder jener Dyscrasie in verschiedenen Organen der Regel nach auftreten sehen: 
ist leicht einzusehen, dass wir ein Cornealprodukt, und sofort den ihm zu Grunde 
liegenden Process, die Keratitis, nur dann für speeifisch erklären können, wenn 
sich erstlich eine bestimmte Dyscrasie faktisch nachweisen lässt, und das Cor- 
nealprodukt in seiner formellen Entwicklung der eigenthümlichen Krase ent- 
spricht. Wo ein oder das andere Moment fehlt, kann von einer speeifiken 
Keratitis nicht die Rede sein. 

Es kann demnach eine und dieselbe Form des Cornealproduktes bald den 
Ausdruck einer allgemeinen Blüterkrankung, bald aber rein localen Verhält- 
nissen zuzuschreiben sein, es kommen unter der Herrschaft der eclatantesten 
Dyscrasien, sowie bei völlig normaler Krase, reine Keratitides der verschie- 
densten Form vor. 

§ 165. Es ergibt sich schon hieraus, dass zur Diagnose einer speeifiken 
Keratitis etwas mehr gehöre, als die Wahrnehmung gewisser, höchst zu- 
fälliger Formen des Exsudationsheerdes, bestimmter Farben 
und Co nsistenz Verhältnisse eines sesetzten Produktes. Nicht einmal 



62 Entzündung der Cornea. 

die, in ihrer äusseren Erscheinung so charakteristischen Carcinome, der Tu- 
berkel und Lupus lassen sich constant auf allgemeine Bluterkrankungen zurück- 
führen, es gibt rein locale Krebse, Tuberkel, Lupi, und umgekehrt weist das 
Mikroskop sehr häufig unter der Herrschaft von eminenter Krebs-, Tuberkel-, 
Lupusdyscrasie, unter dem Verlaufe hochgradiger Pyämien u. s. w. entstandene 
Cornealexsudationen genuinfibrinösen, faserspaltenden Exsudates nach. 

Wenn aber schon die Aufstellung der tuberkulösen, carcinomatosen, 
lupösen und metastatischen Keratitis als specifischer, in dyscratischen Momenten 
begründeter Exsudationsformen häufig grossen Schwierigkeiten unterliegt, und 
sich als gänzlich unthunlich erkennen lässt, was soll man wohl zu der Be- 
hauptung der Augenärzte sagen, nach welcher sich einfach aus der Form des 
Exsudationsheerdes und einigen höchst uncharakteristischen Eigenschaften 
des Exsudates selbst, mit Bestimmtheit auf das Vorhandensein von gewissen 
Krasen schliessen lässt, die sich erstlich als solche am Cadaver häufig weder 
chemisch noch mikroskopisch ermitteln lassen, zweitens aber am Lebenden 
sich gar nicht zu äussern brauchen und dennoch der Keratitis zu Grunde liegen 
sollen? Was soll man wohl sagen zu der Kühnheit, mit der die Ophthal- 
mologen auf gewisse, willkürlich angenommene Formen des Exsudationsheerdes 
hin die allerdilferentesten Produkte ohne Weiteres aus rheumatischen, scrofulosen, 
syphilitischen, gichtischen etc. Krasen ableiten, ohne den Zusammenhang der 
Exsudatform mit der Krase irgend einer Erörterung werth zu halten oder über- 
haupt der specifiken Charaktere dieser Krasen mit einem Wörtchen zu gedenken? 

Es gibt specifische Keratitides, allein diese sind erstens ganz andere, als 
in den Lehrbüchern bisher angeführt wurden, und sie finden zweitens immer 
ihre vollständigsten Analogien in reinen, auf allgemeine Bluterkrankung nicht 
zurückführbaren Formen der Hornhautentzündungen. Daher ist die äussere 
Form des Exsudationsheerdes und die minutiöseste Erörterung der Eigenschaften 
eines Cornealexsudates noch nicht fähig, einen Schluss auf die Specificität der 
Entzündung zu gestatten 104 , anderseits aber ist das ätiologische Moment als 
Eintlieilungsprincip der verschiedenen Formen der Keratitis ganz unbrauchbar. 

§ 166. Was die supponirte rheumatische Krase betrifft, so ist die- 
selbe noch gar nicht als eine Dyscrasie anerkannt, es ist noch nicht einmal 
erwiesen, ob sie überhaupt einem Blulleiden zuzuschreiben sei, oder aber ob 
die, als rheumatische Entzündungen beschriebenen Erkrankungen nicht vielmehr 
aus einer Affection der Hautnerven durch Erkältung und sofortigem Behexe 
vermittelst des Bückenmarkes auf die Gefässnerven des fibrösen Gewebes ab- 
zuleiten seien 105 . Wo ist ferner in der Hornhaut jenes fein-flockige Zellge- 
webe, welches die fibrösen Häute überziehet und als der Lieblingssitz des 
Rheumatismus anerkannt ist? Wo ist die dem Rheuma eigenthümliche, charak- 
teristische Flüchtigkeit der Erscheinungen in jenen Formen der Keratitis, welche 
als rheumatische bezeichnet werden? 

Will man Verkühlung, den gewöhnlichen Ausdruck für Alles, was in der 
Aetiologie unklar ist, als das Charakteristicum anführen, so ist zu erinnern, dass 
es gar keine Form der Keratitis gibt, welche nicht einer Verkühlung auf dem 
Fusse folgen könne, und dass anderseits die heftigsten, evidenter Maassen 
durch Verkühlung verursachten Arthrorheumata zu Hunderten vorkommen, und 
fast sämmtliche Gelenke, ja auch die inneren fibrösen Häute nach und nach 



Specificilät der Keratitis. 63 

oder fast gleichzeitig ergreifen, aber nur äusserst selten mit irgend welchen 
krankhaften Erscheinungen in dem Auge gepaart sind. Es kann also das 
Rheuma durchaus nicht in einer besonderen Beziehung zur Hornhaut stehen, 
so wie dieses von Endo- und Periearditis, Pleuritis etc. bekannt ist. 

Uebrigens sind die Formen der Keratitis, welche verschiedene Lehrer der 
Oculistik als rheumatische hinstellen, so differente, und ihre Ausgange werden 
so heterogen gezeichnet, dass man wohl sieht, die Ophthalmologen haben nicht 
Rheumata und die in ihrem Verlaufe auftretenden Keratitides studirt, sondern 
einfach aus den so mannigfaltigen Formen der Keratitis eine gewisse heraus- 
genommen, und sie ohne weitere Begründung als Grundform sämmtlicher, durch 
Verkühlung bedingter Cornealentzündungen hingestellt. Es genügte die sub- 
jektive Meinung irgend eines Lehrers, um gewisse, zufällige Erscheinungen 
durch ganze Generationen hindurch unfehlbar als den äusseren Ausdruck eines 
durch Verkühlung herbeigeführten Leidens zu betrachten, und ein Widerspruch 
war um so weniger möglich, als es im Begriffe des Dogmas lag, dass der 
Nachweis einer stattgehabten Verkühlung und das Vorhandensein anderer, auf 
Rheuma hindeutender Erscheinungen ganz überflüssig sei, dass es hin- 
reiche, sie vorauszusetzen, wo sie fehlen. Uebrigens ist es gewiss, dass 
man bei jedem Kranken ohne Ausnahme ein Rheuma finden könne, wenn 
man es zur eigenen Beruhigung finden will, denn wo gibt es wohl einen 
Menschen, der nicht einmal in seinem Leben hier oder da ein Reissen ver- 
spürt hätte? 

Durch solches willkürliches, absolut unwissenschaftliches Aufstellen spe- 
cifiker Entzündungsformen kommt es nothwendig dahin, dass in den Lehr- 
büchern über Ophthalmologie die allerseltsamsten Widersprüche gefunden 
werden. So gestehen die eifrigsten Vertheidiger der specifischen Ophthalmien 
im Sinne der alten Schule, dass eine traumatische, also reine Keratitis von einer 
rheumatischen nicht zu unterscheiden sei, wenn nicht die lineare Trennung des 
Zusammenhanges selbst die Diagnose sichert 10(J . Anderseits aber soll wieder 
die Keratitis lymphatica, welche Schindler als traumatische, als reine, be- 
schreibt 107 , mit der Keratitis scrofulosa zusammenfallen 108 , und die rheu- 
matische Ophthalmie in die scrofulose derart übergehen, dass sie oft gegenseitig 
nicht zu unterscheiden sind 109 . 

§ 167. Der allergrösste und in seinen Folgen höchst betrübliche 
Schlendrian herrscht aber gewisslich bei der Diagnose der scrofulose n 
Opthalmie, der eine erklärt sie für die häufigste aller Augenkrankheiten, 
der andere für äusserst seilen; der eine erklärt Lichtscheu für das pathogno- 
monische Kennzeichen, der andere hält dieses Symptom für unwesentlich; der 
eine beschreibt sie als Phlj ktenenbildung, der andere als eine gleichmässige 
Infiltration des Cornealparenchyms mit einem in der ursprünglichen Crudität 
verharrenden Produkte, sodass es zuletzt darauf hinauskommt, jede Keratitis 
ohne Ausnahme als scrofulose erklärt zu sehen, ihr Sitz, ihre Form und ihr 
Produkt sei welches es wolle. Jeder beruft sich auf seine Erfahrung, er stellt 
seine subjektive Anschauungsweise als objektiven Grund hin, und glaubt damit 
jeden Widerstreit unmöglich zu machen. 

Indess nur minder Bewanderten kann ein solches, nakt hingestelltes Dogma 
imponiren, und wenn sie sich die Mühe nehmen, nachzusehen, auf welche 



64 Entzündung der Cornea. 

Criteria hin man scrofulose Diathesen diagnosücirt, müssen sie nothwendig in 
dem felsenfestesten Glauben erschüttert werden. Nicht genug dass jede Keratitis 
ohne Ausnahme, wenn sie in einem jugendlichen Individuum, wohl gar in einem 
Kinde zur Beobachtung kömmt, das Produkt möge noch so schön organisiren, 
für eine scrofulose erklärt wird, auch der Herpes, Catarrh, der Krebs, die 
Amaurose, die Cataracta, alle Leiden der Thränenorgane, kurz Alles ohne Aus- 
nahme wird als ein scrofuloses Leiden betrachtet, das Alter genügt die Diagnose 
zu sichern 110 . Die Ueberzeugung von der scrofulosen Natur des Uebels ist 
so fest, dass selbst verschiedene locale Krankheiten, welche zur Entwicklung 
kommen unter der Herrschaft entgegengesetzter Krasen, namentlich der rachi- 
tischen, die die Tuberkelformalion ausschliesst, als Localisationen der Scrofulose 
betrachtet werden, in den ophthalmologischen Lehrbüchern fällt Rachitis und 
Scrophulose zusammen, es ist Ein Process. 

§ 168. Alan hat diese Unzukömmlichkeiten sehr wohl gefühlt und daher 
einen Ausweg gesucht, um die geliebte Theorie der specifischen Ophthalmien, 
dieses unerschöpfliche Feld glänzender philosophischer Deductionen auf einen 
nur einigermassen stabileren Grund zu bauen. 

Watther war der erste, der die Specificität aus der Textur der 
erkrankten Gebilde ableitete. Die Affektion der serösen Häute und 
des zellgewebigen Ueberzuges der fibrösen Gebilde bei Rheumatismus schien 
hier den Anstoss gegeben zu haben, und bald war das System der specifiken 
Ophthalmien auf die Basis der anatomischen Gewebe des Bulbus überpflanzt. 
Die Aflektion bestimmter Gewebe sollte das Merkmal abgeben für die Er- 
kenntniss des specifiken Grundprooesses. 

Man stellte sich auf pathalogisch anatomische Basis, vergass dabei aber 
gänzlich auf die Notwendigkeit eines genauen Stadiums der Gewebe im nor- 
malen Zustande. So kam es, dass man die specifischen Ophthalmien wieder 
nach Geweben ordnete, die denen durchaus nicht entsprechen, welche günstige 
Localisationsbedingnisse für gewisse Krasen in anderen Körpertheilen darbieten. 
Man stellte die Scleritis, die Hydromeningitis, die oberflächliche Iritis als Zeichen 
eines rheumatischen Grundleidens auf, bezeichnete die Choroidea für ein, der 
Leber und Milz ganz analoges Organ und verlegte ohne Weiteres die Gicht 
hinein, bezeichnete bald die Liddrüsen, bald die Bindehaut, ja sogar das un- 
schuldige Epithel der Descemeti als den Lieblingssitz der Tuberkulose und 
respective der Scrofulose etc. etc. 

Man hatte dabei übersehen, dass nicht dieSclera, sondern das Episcleral- 
gewebe der Sitz der sogenannten rheumatischen Scleritis sei, dass Glashäute 
als epitheliale Gebilde einer Entzündung als solcher unfähig seien, dass die Iris 
keinen serösen, sondern eben nur einen epithelialen Ueberzug habe, dass nicht 
die Choroidea, sondern die Netzhaut der primitive Sitz des Glaucoms sei, und 
dass gerade die der Gicht eigenthümlich sein sollenden knochigen Concremente 
der Aderhaut durch ihre wahre Knochentextur, gichtischen Concretionen dia- 
metral entgegengesetzt seien, man hatte vergessen, dass Metastasen ebenso gut 
die Cornea als Choroidea und Iris treffen u. s. w. u. s. w. und sich so fast 
jeden Anhaltspunktes bei der Diagnose der specifischen Ophthalmien beraubt, 
und dieses um so mehr, als gerade alle wahren Dyscrasien das eigenthümliche 
haben, sich nicht auf ein Organ des Bulbus zu beschränken, sondern, wenn 



Specificität der Keratitis. 65 

auch vorzugsweise Einem zugethan, doch nebstbei bald dieses, bald jenes Organ 
zu afflciren. Die Scrofuloso tiifft nicht nur die Liddrüsen, die Conjunctiva und 
Cornea, sondern anerkannter Maassen aucli die Iris, sie trifFt aber auch Choroidea 
und Netzhaut, wie Amnion, Ghelius es lehren und die älteren Autoren 
zugeben, indem sie scrofulose Deposits der Netzhaut und Aderhaut in MeduUar- 
schwainm übergehen lassen. Die Tuberkulose übrigens ist gewöhnlich eine 
Affektion des Gesammfbulbus, es ist kein einziges Organ ausgenommen, nicht 
einmal die Sclera. Dasselbe gilt von der Metastase, jedes Organ des Bulbus 
ist der Metastase geneigt, ich werde sie in der Conjunctiva, Cornea, Iris, 
Choroidea und Netzhaut nachweisen. Die Syphilis localisirt sich eben so gut 
in der Conjunctiva, Cornea, Choroidea, Netzhaut, als in der Iris, obwohl in der 
letzten weit häufiger primär. Von der Localisation des Krebses in allen Ge- 
bilden des Auges mit Ausnahme der Glashaut und Linse werde ich die eclatan- 
testen Beispiele anzuführen Gelegenheit haben. Die rheumatische Ophthalmie 
wird bald als Keratitis, bald als Descemctitis, bald als Iritis, bald als Scleritis 
geschildert. 

Was gewinnt man nun für die Diagnostik der specifischen Ophthalmien 
aus dem Sitze des Produktes? Gar keine, die Eigenthümlichkeit des Produktes 
und die allgemeinen Erscheinungen müssen abermals aushelfen. 

Eine durchgreifende Eintheilung der Ophthalmien lässt sich also auf Grund- 
lage alterirter Blutmischung durchaus nicht etabliren, das ätiologische Moment 
bleibt immer nur ein untergeordnetes Princip für die Eintheilung und kann nur 
benutzt werden, um gewisse bestimmte Exsudationsformen in Unterarten zu 
theilen, und dieses um so mehr, als jedes einzelne Exsudat unter Herrschaft der 
verschiedensten Blutdyscrasien zur Entwicklung kommen kann. 

§ 169. Dieselben Schwierigkeiten bietet nun auch eine Eintheilung der 
Exsudate nach ihrer chemischen Natur dar. 

Chemische Untersuchungen der Hornhautexsudate liegen bisher nicht vor. 
Die chemische Natur muss aus den Metamorphosen erschlossen werden, welche 
abgelagerte Produkte in der Hornhaut eingehen. Auf dass ein Exsudat in diese 
oder jene Classe gereiht werden könne, muss es demnach bereits gewisse Or- 
ganisationsstufen erreicht haben, denn die Urform einer jeden Exsudation ist 
eine ganz gleiche, constante, und durchaus nicht geeignet, auf die chemische 
Natur irgend einen Schluss zu gestatten. 

Wenn nun schon die Erkenntniss eines Exsudates als faserstoffiges oder 
albuminoses nicht jederzeit ermöglicht ist, so ist dieses noch weniger der Fall, 
wenn entschieden werden soll, ob ein Exsudat vorwiegend albuminös, oder vor- 
wiegend faserstoffig sei, ob der Faserstoff ein vorwaltend genuiner oder aber 
ein vorwaltend croupöser genannt werden könne. Um dieses zu beurtheilen 
ist die genaueste Untersuchung des Produktes und seiner verschiedenen Ent- 
wickelungsformen erforderlich, denn das äussere Ansehen mit freiem Auge ist 
zu derlei Diagnosen durchaus nicht hinreichend, indem gerade die differentesten 
Exsudate, das rein albuminöse und das im Zerfallen begriffene croupöse häufig 
sehr ähnlich sind. 

Eine Eintheilung der Exsudate nach der chemischen Natur entbehrt aber 
des fixen Eintheilungsprincipes, die Metamorphosen der Exsudate sind sehr 
häufig nur an der Leiche zu erkennen, im Leben, wo sie der Arzt am meisten 

Stell wag, Ophthalmologie. I. 5 



66 Keratitis mit bildungsunfähigem Exsudate. 

braucht, ist die Erkenntniss ganz gewöhnlich gar nicht möglich, und der 
Cliniker würde sehr häufig gezwungen sein, die Einreihung eines gegebenen 
Falles in diese oder jene Form ganz aufzugeben, oder je nach verschiedenen 
Stadien desselben Processes bald albuminose, bald genuin faserstoffige, bald 
croupöse Exsudationen anzunehmen. 

§ 170. Ich halte es zur Zeit daher für das beste, und der Tendenz 
meines Werkes entsprechendste, das Exsudat als Eins zu betrachten, 
und die verschiedenen Metamorphosen als eben so viele Ent- 
wicklungsformen desselben Produktes anzusehen, aus demselben 
Grundstoffe, dem Fibrinogen abzuleiten. Nur die äussere Gestaltung eines 
Exsudates ist nach dem Stande unserer Kenntnisse maassgebend in Bezug auf 
Unterscheidung gewisser Krankheitsformen, sie schliesst zugleich die Prämissen 
zu einer einigermassen sicheren Prognose und die Möglichkeit einer rationellen 
Aufstellung therapeutischer Indicationen in sich. 

Ich zerfalle die Exsudate daher vorerst in bildungsunfähige und 
gestaltungsfähige. 

Erster Abschnitt. 

Das im Zustande ursprünglicher Crudität verharrende 

Exsudat. 

§ 171. Es ist ein Produkt, welches die, dem Fibrinogen der Grund- 
substanz zukommende Fähigkeit, sich in andere Proteinverbindungen umzu- 
wandeln, nicht äussert, sondern seine eiweissähnliche Natur beibehält, in dem 
Zustande verharrt, in welchem es innerhalb des Cornealparenchyms und seines 
Epithels ursprünglich deponirt wurde, und höchstens durch gegenseitige An- 
ziehung der feinsten Theilchen sich zu Körnchen und Körnchenconglomeraten 
verdichtet, ein Vorgang, der auch ausserhalb des lebenden Organismus zahl- 
reiche Analogien findet und durchaus nicht auf ein vitales Princip zurückgeführt 
zu werden braucht. 

§ 172. Das Auftreten dieses Produktes ist durch Veränderungen in der 
Durchsichtigkeit der Hornhaut bezeichnet. Die Cornea nimmt in grösserem 
oder geringerem Umfange, öfters ihrer ganzen Ausdehnung nach ein eigen- 
tümliches sulziges Aussehen an, sie erscheint matt, graulich mit einem Stiche 
ins gelbliche oder grünliche, ohne dabei in ihrer Wölbung und Dicke verändert 
zu Averden. 

Oft ist dieses das einzige Symptom, häufig aber verliert gleichzeitig ihre 
Oberfläche den natürlichen Glanz, ihre spiegelartige Glätte, das Purkinie- 
Sansonsche Reflexionsbild wird trüb, matt, und bei gewissen Stellungen des 
Auges zum Lichte bemerkt mau nicht selten ein Opalisiren, ähnlich dem Farben- 
spiele alter Fensterscheiben 411 : Bei Befrachtung der Cornea aus grosser 
Nähe erscheint dann ihre Oberfläche rauh und voll sehr feiner Grübchen, als 
wäre sie ihrer ganzen Ausdehnung nach oder blos an einzelnen Stellen mit 
Nadeln gestochen worden. Mit der Lupe aber findet man sie voll kleiner, 
ganz unregelmässig eckiger, rauhrändiger, seichter Vertiefungen, welche durch 
schmale, niedere, uneben höckerige Leistchen umschlossen werden, die in den 
verschiedensten Winkeln einander interferiren und so ein ganz unregelmässiges 
Netzwerk mit vertieften Maschen bilden. Stellenweise findet man winzig kleine, 



Symptomatologie. 67 

hügelähnliche, fas( spitze Erhabenheiten zwischen den Grübchen, welche deutlich 
über das Niveau der Leistchen hervorragen. 

Die Krankheit kann in diesem Zustande lange Zeit verharren und sich selbst 
wieder zurückbilden, ohne Spur zu hinterlassen. Gewöhnlich aber entstehen 
in der bisher gleichmässigen Trübung der Hornhaut Aggregate kleiner, den 
Umfang eines Mohnkornes kaum überschreitender, rundlicher Flecken von mall- 
grauer, ins gelbliche oder ins grünliche spielender Farbe. Diese liegen zwischen 
den Lamellen der Cornea in verschiedener Tiefe, wie man sich sehr leicht bei 
seillicher Ansicht der Hornhaut überzeugen kann. Sie decken daher stellen- 
weise einander und scheinen dem freien Auge zusammenzulliessen. Berard 
vergleicht sie trefflich mit Nebelflecken des gestirnten Himmeis, welche sich 
durch die Lupe in einzelne Sterne auflösen lassen 112 . Am gedrängtesten 
stehen selbe gewöhnlich in den hintersten Schichten der Hornhaut, wo sie 
wirklich in mehr weniger ausgedehnte fleckige Trübungen verschwimmen. 

§ 173. Die Trübung der Hornhaut ist bedingt durch das Auftreten 
einer ungemein feinen, lichten, staubähnlichen Molekularmasse in der das Epithel 
und das Fasergewebe der Hornhaut durchtränkenden fibrinogenen Grundsubstanz. 
Man findet die Struktur der Hornhautlamellen vollkommen unverändert, doch 
wie angeraucht, trüblich, bereift. Dasselbe gilt von dem Epithelzelleninhalte, 
auch dieser erscheint matt, trüb, ohne dass sich bereits Körnchen in grösserer 
Menge angebildet hätten, als im normalen Zustande. Erst in den mehr un- 
durchsichtigen Flecken scheint sich die Molekularmasse durch gegenseitige 
Anziehung verdichtet zu haben, hier erscheinen bereits Körnchen der ver- 
schiedensten Gestalt von ganz dunkler Farbe discret und haufenweise zusammen- 
gebacken in lieblich trüber, feinkörniger Grundsubstanz, stets aber ohne jede 
Andeutung irgend eines höher gestalteten Formelementes 113 . 

Mit diesem Trübungsprocesse der halbflüssigen Grundlage des Corneal- 
gewebes scheint auch zugleich der Vegetationsprocess der Epithelzellen zu 
leiden und eine Abstossung derselben eingeleitet zu werden, denn die Rauhig- 
keit der Cornealoberfläche erweist sich begründet in dem Herausfallen einzelner 
Epithelzellen. Das Epithel stösst sich nicht plattenweise los, sondern nur ein- 
zelne Zellen treten aus ihrer Verbindung und lösen sich los. 

§ 174. Die begleitenden Erscheinungen sind öfters anschei- 
nend ohne alle Bedeutung. 

Die Conjunctiva ist fast immer ohne Injektionsröthe, nur in dem 
Episcleralgewebe etablirt sich der Regel nach ein rosiger Kranz injicirter Ge- 
fässe rings um die Cornea und die Congestion breitet sich dann gewöhnlich bis 
auf den Bindehautsaum der Hornhaut aus. Die Krankheit verläuft fast immer 
ohne allen, wenigstens ohne erheblichen Schmerz, und die Lichtscheu fehlt fast 
immer sammt der ihr eigenen reichlichen Absonderung der Thränen. Der 
Process würde häufig jahrelang ganz unbemerkt dahinschleichen, wenn nicht 
auffallende Abnahme des Gesichtsvermögens, oft auch lästige Scotome dem 
Kranken von seinem Uebel Notiz gäben. 

Diese Abnahme des Sehvermögens ist einestheils begründet in der 
Verminderung des in das Auge dringenden Lichtquantums, indem ein grosser 
Theil desselben an der rauhen Oberfläche der Cornea und an deren Flecken 
zerstreut wird, anderntheils aber ist dieselbe durch Anomalien der Uvea 

5. 



68 Keratitis mit bildungsunfähigem Exsudate. 

und Netzhaut bedingt, welche letztere den krankhaften Process zu einem 
der deletäresten stempeln. 

Sie zwingt uns hier also gleich auf die in den Lehrbüchern als Compli- 
cationen aufgeführten Leiden überzugchen, und unter diesen nimmt den ersten 
Platz die Affektion der Iris ein, welche den Veränderungen der Hornhaut 
Schritt für Schritt parallel geht, und wesentlich den rothen Saum um die Cornea 
bedingt. Es erscheint nämlich die Iris entfärbt, ohne dass sich in ihrem 
Parenchym merkliche Exsudationen nachweisen liessen, ihr Aussehen ist das 
einer atrophischen Regenbogenhaut. Sie ist unbeweglich und verursacht auf 
diese Weise den Verlust der Accomodationsfähigkeit, es werden Kranke im 
Gefolge dieses Processes häufig weitsichtig. Nicht selten gesellt sich später 
aber auch palpahle Exsudation dazu, das Kammerwasser trübt sich etwas und 
die Kapsel beschlägt sich mit einem ganz ähnlichen, grau-trüben Reife, ja selbst 
Pupillensperre oder theilweise Anlöthung des Pupillarrandes an die Kapsel sind 
die Folgen. In schwereren Fällen bleibt selbst Netzhaut und Choroidea nicht 
frei, es exsudirt wässeriges, trübes Produkt in ihr Parenchym, die Netzhaut 
wird stellenweise beuteiförmig hervorgetrieben (Hydrops subchoroidalis) 
und allgemeine Atrophie des Auges sind ganz gewöhnlich das End- 
resultat so gesteigerten Leidens 114 . 

§ 175. Die Krankheit kommt am häufigsten bei aufgedunsenen, schlaffen, 
trägen, fettleibigen Kindern vor, jenseits der Pubertätsperiode fand man sie 
bei schlecht genährten, cachektischen, hydrämischen Individuen, und da bei 
Weibern dieser Zustand gewöhnlich mit Dysmenorrhoe vergesellschaftet ist, 
glaubte man fälschlich, eine Grundursache in Menstruationsanomalien zu finden. 
Auch Tuberkulose wurde angeklagt, doch lässt sich von dieser behaupten, dass- 
sie den Krankheitsprocess begleiten, durchaus aber nicht begründen könne 1 15 . 
Sicherlich hingegen ist die constitutionelle Syphilis zur Einleitung dieses Processes 
geneigt, namentlich die mit Atrophie des Auges endenden secundären syphilitischen 
Leiden sind fast immer mit dieser punktförmigen Trübung der Hornhaut ver- 
bunden, so zwar dass einzelne Schriftsteller sie geradezu in die Reschreibung 
der syphilitischen Iritis aufgenommen haben. Als Gelegenheitsursache kann 
jeder wie immer gestaltete Reiz angenommen werden. 

§ 176. Die genaue Rerücksichtigung der angeführten Daten führt uns 
nun zu der Möglichkeit einer naturwissenschaftlichen Anschauung des ganzen 
Processes. Vor allem ist zu bedenken, dass sich durchaus keine Massenzu- 
nahme in dem Cornealgewebe nachweisen lässt und die Trübung eben so wohl 
das Epithel, als die Grundsubstanz des Parenchyms der Cornea betreffen kann. 
Es liegt demnach der Schluss sehr nahe, das staubähnliche Produkt sei das 
Resultat einer Gerinnung des fibrinogenen Antheils in der halbflüssigen Grund- 
lage der Hornhauttextur. Der Mangel erheblicher Reizungssymptome, der ab- 
solute Abgang des Rildungstriebes in dem gesetzten Produkte und die Aetiologie 
des gesammten Processes leiten weiters nothwendig darauf hin, nicht sowohl 
eine gesteigerte Lebensthätigkeit, als vielmehr eine Depression des vitalen Mo- 
mentes als Grund der Erscheinungen vorauszusetzen. Rerücksichtigt man die 
mit dieser Form der Erkrankung des Cornealgewebes einhergehenden Alterationen 
der Uvea und Retina, so kann man sich der Vermuthung nicht erwehren, dass 
<Iie in Rede stehende Form der Keratitis nichts als eine Theilerscheinung eines 



Wesen, Verlauf, Prognose. 69 

tief in die Organisation des gesammten Auges eingreifenden, delctären Processes 
sei, und ihre Begründung wesentlich in einer Aufhebung des zur nor- 
malen Vegetation nöthigen nervösen Impulses finde. Es wird 
sehr wahrscheinlich, dass die Erkrankung der Uvea und Netzhaut das Be- 
dingende der in der Cornea wahrnehmbaren Alterationen, und diese somit 
jenen Affektionen anzureihen seien, welche durch Vernichtung des Nerven- 
lebens in der Cornea herbeigeführt werden. Das Ausfallen einzelner Epithelial— 
Zeilen mit trägem Wiederersatz, die eigene meergrüne Färbung, wie sie bei 
Atrophie der Hornhaut und bei deren Atonie beschrieben wurde, der faktisch 
häufige Uebergang der Cornea in Schwund, ohne dass sich selber den abge- 
lagerten Produkten auf Rechnung bringen Hesse, sind Momente, welche einer 
solchen Ansicht gewiss das Wort reden 116 . 

Der Grund, warum die Beeinträchtigung der Nervenleitung bei dem in 
Rede stehenden Processe den Schwund der Hornhaut unter andern Erschei- 
nungen ins Leben ruft, als in den gewöhnlichen Fällen, ist freilich damit nicht 
erklärt, und er wird der Natur der Sache nach auch noch lange unerledigt 
bleiben. 

§ 177. Der Verlauf der Krankheit ist der von mir aufgestellten 
Ansicht ein günstiger. Wochen, Monate, ja Jahre vergehen oft, ohne dass sich 
in der Hornhaut erhebliche Veränderungen erkennen lassen, namentlich wenn 
nicht so sehr das Epithel, als vielmehr allein das Cornealparenchym krankhafte 
Erscheinungen darbot, und es geschieht nicht selten, dass nur die successive 
Ueberhandnahme der Alterationen in den gef'ässreichen Organen des Bulbus und 
die damit verbundene allmähliche Abnahme des Sehvermögens auf ein Vor- 
schreiten des Processes hindeuten. Doch hat der Process die Eigentümlichkeit, 
in manchen Fällen in unregelmässigen Zeiträumen eine Vermehrung der Corneal- 
flecken schubweise zu vermitteln. 

§ 178. In geringen Graden der Affektion, namentlich wenn die Er- 
scheinungen auf eine gleichmässige Trübung des Parenchyms und auf Alteration 
der Oberhaut beschränkt blieben, hat man oft noch Heilung eintreten gesehen, 
indem sich das Epithel wieder ersetzte und das Parenchym aufhellte. Sind 
aber bereits die Moleküle zu Plaques zusammengetreten, erscheint die Cornea 
geileckt, so ist die Aussicht auf gänzliche Wiederherstellung sehr geringe, denn 
fast immer bleiben die punktförmigen Trübungen, besonders im Centrum der 
Hornhaut zurück und widerstehen allen Mitteln. Doch alle diese Momente 
treten ihrer Wichtigkeit nach in den Hintergrund, wenn man die Folgen be- 
denkt, welche der Process in den gefässreichen Organen des Auges zurücklässü. 
Wo in der Uvea oder Netzhaut äusserlich sichtbare Alterationen gesetzt sind, 
ist jede Hoffnung auf Herstellung vernichtet, der Bulbus fällt unwiderruflich der 
Atrophie anheim. 

Zweiter Abschnitt. 

Die organisationsfähigen Exsudate. 
§ 179. Die charakteristische Eigenschaft derselben ist die Fähigkeit, 
sich in Gewebselemente umzubilden. Die Phasen, welche das Produkt eingeht, 
sind sehr verschiedene, und nach ihnen variirt natürlich die Form, unter welcher 
das Exsudat in die Erscheinung tritt. 



70 Keratitis mit gestaltungsunfähigem Exsudate. 

§ 180. Doch die Richtung, in welcher sich ein gehobenes Exsudat 
metamorphosirt, möge noch so different sein, stets entwickeln sich die Form- 
elemente aus einer in allen Fällen ganz gleichartigen sulzähnlichen, mehr minder 
succulenten Masse, welche das Gefüge der Hornhaut in grösserer oder ge- 
ringerer Quantität durchtränkt, ihrer Glätte und Durchsichtigkeit beraubt und 
unter dem Mikroskope als eine schmierige, strukturlose, durch eine ungeheure 
Anzahl ganz feiner, lichter, staubähnlicher Moleküle ausgezeichnete Substanz 
erscheint. 

Dieses ist die Grundform jeder Hornhautexsudation, diese 
Phase macht jede Keratitis durch, und nur die Kürze des Zeitraumes, während 
welcher sie darin verharrt, macht es, dass sie häufig übersehen wird. Die 
begleitenden Erscheinungen sind so different, dass an eine Zeichnung derselben 
nicht gedacht werden darf, sie ist übrigens unnöthig, da diese Symptome 
ohnehin in der Entwicklung der weiteren Formen unsere Aufmerksamkeit be- 
schäftigen müssen. 

§ 181. Die Keratitis kann in ihrer Grundform stehen bleiben, und 
selbst rückgängig werden, gewöhnlich aber geht das Exsudat weitere Me- 
tamorphosen ein, welche sich entweder: 

a) auf einfache Faserspaltung des gerinnenden Produktes reduciren lassen, 
Keratitis simplex, oder 

b) die Metamorphose äussert sich in Gefässbildung mit gleichzeitiger 
Entstehung von Epithel und Fasergewebe, Keratitis vasculosa. 

c) Das Exsudat ist theils wässerig, theils plastisch, bildet Gefässe, der zu 
Grunde liegende Process ist typisch und weist auf eclatante Weise seine Ab- 
hängigkeit von der Alteration einzelner sensitiver Nervenröhren nach, Herpes 
cornealis. 

d) Das Exsudat zerfällt wenigstens zum Theile in eiterähnliches Fluidum, 
Keratitis suppurativa. 

e) Das Exsudat geht die krebsige Metamorphose ein, Keratitis carci- 
nomatosa. 

f) Es ist eine Theilerscheinung luposer Ablagerung, Keratitis luposa. 

Erster Artikel. 

Keratitis simplex. 

§ 182. Ihre charakteristischen Erscheinungen sind jene der Grundform. 
Geht der Process nicht zurück, so mehrt sich das Produkt sichtlich, die ge- 
trübten Parthien der Hornhaut verlieren nach und nach den letzten Grad ihrer 
Durchsichtigkeit, das eigenthümliche sulzige Aussehen weicht dem eines in der 
Kälte angehauchten Glases. Das Epithel erscheint rauh, durch Verlust ein- 
zelner aus ihrer Verbindung tretender Epithelzellen öfters auch wie mit Nadeln 
durchstochen, das Parenchym der getrübten Portion grau. 

Der Sitz der Trübung ist bald das Centrum, bald irgend ein beliebiger 
Theil des Umfanges. Mitunter ist die Erkrankung auf die Peripherie der 
Cornea beschränkt und formirt einen Bogen von grösserer oder geringerer 
Ausdehnung, dessen äusserer Rand scharf abgesetzt ist, und an den Conjunctival- 
saum nahe ansteht, während der centrale Rand, sich allmälig verwaschend, in 
die normale Hornhautsubstanz übergeht. 



Anatomische Charaktere der Keratitis simplex. 71 

Im weiteren Verlaufe wird die Trübung häutig ungleichmassig, es ent- 
stehen Zeichnungen, die alle Arien von Wolken von dem FederwöflsChen zum 
Schäfchen und zur Haufenwolke nachahmen, und zusammenfliessend nicht seilen 
ganz anregelmässige Flecken formiren, die durch ihre gesättigtere weissgraue 
Farbe aus dem verschwommenen, wolkigen Grunde hervorstechen. 

Alle diese dilferenten Formen der Trübung sind einestheils das Resultat 
zunehmender Ablagerung, andernlheils aber vorschreitender Differenzirung ihrer 
chemischen Bestandteile und sofortiger Zunahme der optischen Ungleichartigkeit. 

§ 183. In dem Zeiträume gleichförmiger Trübung, sowie nach dem- 
selben, wenn man die lichteren Parthien des getrübten Gewebes untersucht, 
findet man alle Theile, Epithel und Fasertextur, durchdrungen von einer un- 
gemein feinen, lichten, staubähnlichen, nur bei starken Vergrösserungen nach- 
weisbaren Molekularmasse, sie erscheinen trüb, wie bereift, ohne dass sich 
irgend eine Tendenz zur Gestaltung in der Lagerung der Moleküle erkennen 
Hesse. Doch bald aggregiren sich die letzteren zu Klümpchen, und man findet 
auch in der sich mehrenden trüben Exsudation die ersten Andeutungen einer 
Faserung. Besonders an den trüberen fleckigen Stellen erscheint die Epiihel- 
schichte etwas verdickt, die einzelnen Zellen zeigen halblichte Conlouren, welche 
sich nur schwer von dem fast homogenen, aber getrübten Zelleninhalte abheben, 
aus welchem letzteren aber der dunklere unveränderte Kern noch deutlich 
hervorsticht. Die Intercellularsubstanz erscheint, besonders in den tieferen 
Stratis vermehrt, trüb, mit dunklen Körnchen und deren kernähnlichen Con- 
glomeraten bis zu dem vollständigen Kerne und der embryonalen Kernzelle 
durchsäet. Unmittelbar auf der vordersten Corneallamelle aufliegend findet man 
endlich nicht selten eine ganz deutlich wahrnehmbare Schichte einer trüblichen, 
völlig strukturlosen, mit dunkleren Körnchen durchstreuten Substanz, in der 
man nur selten eine ganz undeutliche lichte Faserstreifung als Urbeginn ihrer 
Faserung erkennen kann. Es ist eine Exsudation auf die freie Oberfläche des 
Cornealparenchyms. Die Corneallamellen erscheinen wie angeraucht mit 
dunkleren Körnchen durchsetzt, und in Fällen, in welchen die Trübung deut- 
licher ausgesprochen und durch massigere Exsudationen bedingt ist, erkennt 
man in horizontalen Schnitten nicht selten Schichten einer Substanz, welche 
jener ganz ähnlich ist, die an die freie Oberfläche der Cornealsubstanz unter 
das Epithel gelagert worden ist. 

§ 184. Dieser mikroskopische Befund stellt die Keratitis simplex als 
eine Exsudation starren genuinen Faserstoffes mit vorwaltender 
Tendenz zur Faserspaltung heraus, denn niemals entwickeln sich Kerne und Zellen, 
ausser an der äussersten Oberfläche im Bereiche des Epithels. Es gestaltet 
sich das Exsudat einfach durch Spaltung seiner Gesammtmasse und charakterisirt 
sich anfänglich durch einen einfachen staubförmigen Niederschlag, der alle 
Theile durchdringt, später aber, bei fortschreitender Absetzung, durch faser- 
stoffige Schichten, welche zwischen die Lamellen der Cornea und auf deren 
freie Oberfläche gelagert sind. 

§ 185. Die Exsudation erfolgt nicht selten ohne alle auf Entzündung 
hindeutende Erscheinungen, Trübung -der Sehkraft ist das einzige subjektive 
Symptom. Weder Schmerz, noch Lichtscheu begleiten sie, die Conjunctiva 
zeigt keine Spur einer Congestion und das subconjunctivale Gewebe, sowie der 



72 Keratitis simplex. 

Bindehautsaum der Cornea lässt durchaus keine injicirten Gefässe wahr- 
nehmen 117 . 

In anderen Fällen aber erscheint diese Form unter mehr weniger heftigen 
Schmerzen, Lichtscheu, Thränenfluss, die Conjunctiva ist von Gefässen ober- 
flächlich durchzogen, rings um die Cornea entwickelt sich ein rosiger Saum 
dicht gedrängter und netzartig unter einander verwobener Gefässe, mit gleich- 
zeitiger seröser Infiltration ihres Stromas, des subconjunctivalen Gewebes; der 
Bindehautsaum erscheint mehr weniger geröthet von dicht aneinander ge- 
drängten, centripetal laufenden Gefässen, die am centralen Bande sämmtlich 
umbiegen und durch Queranastomosen unter einander communiciren, ja oft so 
zahlreich sind, dass der Limbus als scharlachrolhes Bändchen den äusseren 
Band der getrübten Cornealstelle umgrenzt. Diese Gefässinjection mit seröser 
Infiltration findet in dem Congestionsheerde entzündeter Gewebe ihr Analogon, 
und geht oft der Exsudation in die Cornea tagelang voraus 118 . 

§ 186. Diese Form der Keratitis ist nun entweder eine reine, oder 
aber sie äussert sich in Gesellschaft mit Iritis, Choroiditis, Betinitis, und stellt 
so eine Theilerscheinung eines über grössere oder kleinere Parthien des 
Augapfels verbreiteten Processes dar, daher man ihre Symptome auch häufig 
in den Krankheitsbildern specifischer Ophthalmien verzeichnet findet. 

§ 187. Die Aetiologie ist ungemein reich. Es gibt kein Alter, 
keine Constitution, in welchen sich die Keratitis simplex nicht äussern könnte. 
Sie ist es, welche nach allen Arten mechanischen, chemischen, electrischen 
Beizungen der Cornea oder angrenzender Organe gewöhnlich ins Leben tritt. Sie 
vermittelt häufig die Verlöthung getrennter und den Wiederersatz verlorner 
Hornhautparthien, kann selbst fremde, in die Hornhautsubstanz eingedrungene 
Körper inkapsuliren 119 , und wird so für die Heilung gewisser Uebel von 
höchster Wichtigkeit. Sie umgrenzt brandige, erweichte, geschwürige, lupose, 
krebsige Herde. Doch häufig erscheint sie auch in ihren verschiedenen 
Formen ohne alle äussere bekannte Ursache, was für einige Autoren das 
Aequivalent für Verkühlung abgibt, daher sie denn auch als rheumatische Ent- 
zündung beschrieben wird, wenn nicht zufälliger Weise der Kranke eine ge- 
schwollene Nase u. dgl. trägt oder in Kinderstrümpfen steckt, wo sie auch 
scrofuloser oder tuberculoser Natur gezeihet wird. 

§ 188. Der Verlauf ist sehr variabel. Jene Formen, welche ohne 
erhebliche Congestionserscheinungen in die Nachbargebilde, ohne Schmerz, 
Lichtscheu und Thränentluss, ohne nachweisbare Ursache auftreten, verlaufen 
gewöhnlich sehr schleppend, und werden allgemein als chronische Formen ge- 
schildert. Jene Formen hingegen, welche unter auffallenden Beizerscheinungen 
zur Wahrnehmung kommen, und namentlich solche, welche durch äussere 
Schädlichkeiten bedingt werden, zeichnen sich in der Begel durch Acuität ihres 
Verlaufes aus; doch mangelt es nicht an Beispielen, wo sich auch in solchen 
Fällen die Krankheit Wochen und Monate protrahirt. 

§ 189. Das Exsudat ist anfänglich sulzig weich, und bietet so alle 
Chancen für eine leichte Besorbtion dar, die Krankheit kann zurückgehen und 
das gesetzte Produkt spurlos verschwinden. Sobald sich aber der Faserstoff 
condensirt hat und diese seine Metamorphose durch ungleichmässige Trübung 



Vascularisirende Exsudate. 73 

zu erkennen gibt, ist die Resolution schwierig, und die Prognose verschlimmert 
sich mit der Masse des Produktes und dem Grade seiner Verdichtung. Weisse 
Flecken verwandeln sich fast immer in unaufhellbare Leucome. Doch kann 
das Produkt trotz seiner Starrheit auch noch andere Metamorphosen eingehen, 
namentlich wenn sich in Folge neuer Ergüsse Produkte ablagern, welche das 
ursprüngliche faserstoffige Exsudat aufweichen, zur Resorbtion tauglich machen 
oder aber durch destructive, schmelzende Eigenschaften vernichten. 

Zweiter Artikel. 

Keratitis vasculosa. 

§ 190. Die Gefässe, welche die keratitischen Exsudate aufweisen, sind, 
wie ich bereits gezeigt habe, Neubildungen. Ihr Verlauf, ihr Caliber und 
ihre Yertheilung lassen darüber keinen Zweifel. Es sind in der Regel lang 
gestreckte, durch seltene, dichotonische Verästelung mit unmerklicher Abnahme 
des Calibers oder durch grossmaschige Anordnung ausgezeichnete Gefässe, 
Charaktere, welche Rokitansky 12ü als für neugebildete Gefässe bezeichnend 
erklärt. 

§ 191. Sie gehen aus einem organisirungsfähigen Exsudate hervor, sie 
setzen dieses als ein gegebenes und zur Entwickelung von Rlutkörperchen ge- 
eignetes voraus, ein Umstand, der vielseitig bereits erkannt wurde, und die 
Ursache ist, warum die Keratitis vasculosa mitunter als eine seeundäre Form 
aufgeführt wird. 

§ 192. Das zur Gefässbildung hinneigende Exsudat ist immer 
durch Succulenz ausgezeichnet, die wässerigen Elemente schlagen weit vor, 
und geben ihm den hohen Grad von Diaphanität, eine Eigenschaft, welche das 
Exsudat, besonders wenn es nur in einer dünnen Lage in die Cornea ergossen 
ist, gerne dem Auge entzieht. Dies wurde die Veranlassung, dass man die 
Neubildung der darin entstehenden Gefässe läugnend, die Vascularisation der 
entzündeten Cornea durch Injektion präexistenter Gefässe oder wandungsloser 
Canäle erklären zu müssen glaubte. 

Es werden diese, zur Vascularisation geeigneten Producte aber nicht 
immer rein abgelagert, sondern in Combination mit anders constituirten 
Exsudaten, es kommen Fälle vor, in denen anscheinend sehr starre, genuin 
faserstoffige, oder selbst eitrig zerfallende Exsudate vascularisiren. 

Wenn genuin faserstoffiges Exsudat, welches der Gefässbildung 
an und für sich nicht geneigt ist, in Verbindung mit einem Antheile weicheren, 
zur Blutbildung geeigneten Plasma abgesetzt wird, so wird unter fortschreitender 
Verdichtung des fibrinösen Antheiles die weichere Portion getrennt, gleichsam 
ausgepresst, wie der coagulirende Faserstoff des aus der Vene gelassenen 
Blutes durch seine Gerinnung die serösen Bestandteile abscheidet. Es vascu- 
larisiren solche gemischte Exsudate nur an der Oberfläche, während sie in 
ihrer Dicke einfach zu Fasern spalten. Der der Blutbildung geneigte Bestand- 
theil wird von der derberen Portion des Produktes constant an die Oberfläche 
des Exsudatheerdes gestossen, und geht dort auf dem Wege der Zellentheorie 
höhere Gestaltungen ein. 

Es bedecken sich mitunter aber auch nicht selten ältere, sehr feste und 
zähe, genuin faserstoffige Entzündungsprodukte mit Gefässen. Sie zerfallen 



74 Keratitis vasculosa. 

dann gewöhnlich in Eiter, oder werden sie unter sichtlicher Lockerung und 
Aufschwellung resorbirt. Man schrieb diese erweichenden Eigenschaften den 
Gefässen zu, sie sollten die wässerigen Exsudate in das ältere Produkt absetzen 
und so die Erweichung und Resorbtion vermitteln. Man nannte sie daher 
auch Resorbtionsgefässe. Sie sind jedoch wieder nur Neugebilde, und 
nicht die Ursache der Erweichung sondern die Folge, die Ablagerung weicher 
succulenter Exsudate geht der Erweichung voraus und setzt so die zur Vascu- 
larisation erforderlichen Bedingungen, die erweichten Parthien des älteren Pro- 
duktes vermehren nur das Blastem zur Blutbildung. 

Aehnliches gilt nun auch für Exsudate, welche gleich Anfangs zum 
Theile eitrig zerfallen, zum Theile vascularisiren und höhere Gestaltungen 
eingehen. Immer ist es ein gewisser, von dem übrigen Produkte seinen phy- 
sjcalischen und chemischen Eigenschaften nach verschiedener Antheil des Ex- 
sudates, welcher die Blutbildung eingeht. 

Es ist sofort die Vascularisation eines Exsudates an eine gewisse Con- 
stitution desselben gebunden, die Aufstellung einer Keratitis vasculosa als eigene 
Species, also in der Natur der Exsudate selbst begründet, unabweisbar. 

§ 193. Wo ein Exsudat abgelagert ist, welches die nöthigen Bedingungen 
zur Gefässentwickelung darbietet, bilden sich auch der Regel nach Gefässe, es 
ist daher deren Sitz bei Keratitis nicht nur die Oberfläche der Hornhaut, 
sondern auch jeder einzelne Zwischenraum zwischen je zwei Lamellen kann 
vascularisirende Exsudate bergen, und insofern ist die Eintheilung der Keratitis 
vasculosa in eine oberflächliche, parenchymatöse und tiefe (zwischen 
Cornea und Descemeti) gerechtfertigt. 

Die grössere Häufigkeit der oberflächlichen Gefässe und deren reichlichere 
Entwickelung ist eine Folge der grösseren Leichtigkeit, mit der Exsudate an 
der Oberfläche häutiger Organe gesetzt werden und Gestaltungsprocesse ein- 
gehen, indem hier der Druck der ihrer Ausdehnung widerstrebenden Gewebe- 
theile nicht hinderlich in den Weg treten kann. Daher sehen wir auch die 
grössten Gefässe und die reichsten Verzweigungen an der Oberfläche, und 
wenn parenchymatöse Heerde vascularisiren, so ist die Gefässentwickelung am 
reichlichsten an jener Seite, die einer Oberfläche der Cornea näher liegt. 

§ 194. Da die Gefässe bei Keratitis vasculosa Neubildungen und an 
das vascularisirende Produkt gebunden sind, ist auch ihr Verlauf ihre Ver- 
theilung und Verästelung in jedem spcciellen Falle ein anderer, der Form 
des Heerdes angemessener. Es ist unrichtig, den keratitischen Gefässen aus- 
schliesslich die Richtung des Halbmessers zuzuschreiben, sie ziehen oft in der 
Art von Kreissehnen, und bei gemischten centralen Exsudationsheerden sieht man 
sie öfters auch in unregelmässigen Winkeln, oder kranzförmig den starren 
fibrinösen Kern umgreifend. 

Hierin liegt ein neuer Bestäiigungsgrund für die neoplastische Natur 
dieser Gefässe, denn die Congestionsröthe bluthaltiger Organe ist unter 
allen Umständen eine gleiche, an die anatomische Vertheilung der Gefässe 
selbst gebundene. 

§ 195. Die neugebildeten Gefässe treten, sowie sie mit den Gefässen 
bluthaltiger Nachbargebilde in Berührung kommen, mit diesen in offene Ver- 
bindung, ein Umstand, der die Leichtigkeit der Injektion entzündeter 



Neoplastische Cornealgefässe. 75 

Hornhäute an der Leiche mit Farbestoffen erklärt. Der dieser Verbindung 
zu Grunde liegende Process ist bis zur Stunde noch nicht erörtert, nach 
Rokitansky 121 scheint Resorbtion der Wandung des alten Gelasses an der 
Stelle, auf welche ein neues Gefäss trifft, die Vermittlerin zu sein. Diese 
Anastomose scheint in sehr kurzer Zeit zu Stande zu kommen. 

§ 196. Eine wichtige Frage ist die, ob die neuen Gefässe auch 
neugebildetes Blut führen, ob es ein stets sich wiedererzeugendes sei, 
oder aber ob es, nachdem das neue Gefäss mit alten in Verbindung getreten 
ist, ein aus letzteren zuströmendes sei. 

Von länger bestehenden Gelassen, namentlich wenn der Entzündungsprocess 
schon geraume Zeit vorüber ist, kann es nicht geläugnet werden, dass sie nur 
Theile der gesammten Girculationshöhle seien, und ihren Inhalt aus dem allge- 
meinen Blutstrome stetig erneuern. 

In denGefässen ganz frischer Entstehung aber ist es ein anderes. 
Das darin vorfindige Blut ist durch vielfache Differenzen von jenem des allge- 
meinen Kreislaufes abweichend, Vermehrung der Congestion in den Nachbar- 
gebilden hat keine Ausdehnung ihres Galibers, Depletion der angrenzenden 
bluthaltigen und communicirenden Organe keine Entleerung der Cornealgefässe 
zur Folge 122 . Sie führen daher, von dem allgemeinen Kreislauf unabhängig, 
eigenes, neu erzeugtes Blut, wenigstens durch eine Zeit lang. 

§ 197. Dieser Umstand erklärt ihr spurloses Verschwinden, 
wenn die Exsudation, die Entzündung ihr Ende erreicht hat, und keine neuen 
Substrate zur Blutbildung mehr geliefert werden. Selbst an der Oberfläche 
gehen die Gefässe in den meisten Fällen zu Grunde, sobald dieses Stadium 
eingetreten ist, und hier kann doch weder ein Druck auf die Gefässwände von 
Seite des Parenchyms, noch von Seite des sich verdichtenden Exsudates selbst 
als Grund angenommen werden, wenn dieser auch hinlänglich wäre, ein Ver- 
schwinden tieferer Gefässe zu erklären. 

§ 198. Man hat den neugebildeten Gefässen die Fähigkeit zuerkannt, 
das Produkt zu vermehren. Aus dem bereits Mitgetheilten dürfte sich 
diese Annahme wenigstens bezüglich des Zeitraumes, in welchem dieselben 
noch nicht Theile des allgemeinen Kreislaufes sind, als unstatthaft erweisen. 
Es ist natürlich, dass mit der Zunahme der Vascularisation auch das Exsudat 
zunehmen muss, denn die Gefässe und ihr Blut gehen ja aus dem Produkte 
hervor; wo viele Gefässe sind, muss auch ein entsprechendes Quantum Exsudat 
abgelagert worden sein. Doch ist es ganz unrichtig, diesen Satz umzudrehen 
und zu sagen, reichliches Exsudat setzt reichliche, absondernde Gefässe voraus, 
denn es ist erwiesen, dass gerade die massenreichsten Exsudate, Exsudate, 
welche urplötzlich erscheinen und binnen der kürzesten Zeit die Hornhaut ver- 
nichten, ohne alle Vascularisation auftreten. 

§ 199. Neugebildete Gefässe sind auch der Regel nach abführende, 
nicht zuführende, daher rücken sie stets dem Exsudate nach, niemals schreitet 
die Gefässentwickelung der Exsudation voran 123 . Desswegen ist im Falle als 
das Exsudat in dem Centrum der Cornea auftritt und gegen die Peripherie 
vorschreitet, die Gefässentwickelung auch stets eine centrifugale, und nur an 
jenen Stellen, wo das Exsudat den Limbus conjunctivalis berührt, ist eine 



76 Keratitis vasculosa superficialis. 

Verbindung der neoplastischen Gefässe mit Gefässen der Nachbargebilde er- 
möglichet m . Gewöhnlich gehen die Gefässschläuche in solchen centralen und 
durch ganz normales Hornhautparenchym ringsum isolirten Heerden mit der 
Schrumpfung des Exsudates zu Grunde und das Blut bleibt in Form von Pig- 
mentflecken in der leucomatösen Stelle zurück, oder aber Exsudat und neuge- 
bildetes Blut gehen durch Resorbtion unter. 

§ 200. Nach diesen Erörterungen glaube ich zur speciellen Bearbeitung 
der einzelnen mit Gefässbildung eingehenden Formen der Keratitis schreiten zu 
dürfen und wähle dabei die schon erwähnte Eintheilung um so lieber, als der 
Sitz des vascularisirenden Exsudates nicht nur in Bezug auf Symptomatologie, 
sondern auch in ätiologischer, prognostischer und therapeutischer Rücksicht von 
hoher Wichtigkeit ist. 

/. Keratitis vasculosa superficialis und Pannus. 

§ 201. Es trübt sich an irgend einer Stelle die Cornea, bekömmt das 
der Keratitis Simplex eigenthümliche, sulzähnlich grauliche oder graulich gelbe 
Aussehen, die Oberfläche verliert die ihr zukommende Glätte und ihren Glanz, 
sie wird matt, rauh, ähnlich einem mattgeschliffenen Glase, nicht selten auch 
selbst fein punktirt, als wäre sie mit ungemein feinen Nadeln gestochen. 

Gewöhnlich ist der Ausgangspunkt dieser Trübung eine Stelle der 
Peripherie. Von hier aus rückt die Trübung gegen das Centrum vor, und 
überschreitet endlich dieses, um sich über die ganze Cornea auszubreiten. 
Mitunter trüben sich auch gleichzeitig oder hinter einander mehrere periphere 
Stellen der Cornea und fliessen, zum Centrum vorschreitend, in einander zu- 
sammen, ja nicht selten geht die Trübung von allen Punkten der Peripherie 
gleichzeitig aus und in überaus kurzer Zeit ist die ganze Oberfläche der Cornea 
graulich, oder graulich-gelb, trüb, gelockert. 

Dieser Vertheihmg der Trübung entsprechend, entstehen nun nach kürzerem 
oder längerem Bestände Gefässe. 

§ 202. War die Trübung von der Peripherie ausgegangen, 
so zeigen dieselben gleich Anfangs eine den Halbmessern der Hornhaut ähnliche 
Richtung. 

Es sind bald nur einzelne, welche in lang gestrecktem, unregelmässig 
geschlängeltem Laufe und wenig sich verzweigend, von der Peripherie gegen 
das Centrum vorrücken, um sich vor der verwaschenen Grenze der Trübung 
ganz unmerklich in einer Anzahl feiner Endzweigelchen zu verlieren, oder wohl 
auch schlingenförmig umkehrend in dem dichteren Theile der mehr peripheren 
Theile der Trübung untergehen, in nicht seltenen Fällen endlich durch diese 
Verlaufsweise wieder mit dem Bindehautsaum eines anderen Punktes der Cor- 
nealperipherie in Berührung kommen, und so gleichsam ein Segment aus der 
Cornea abgrenzen. 

Häufig ist die Gefässbildung aber eine so reichliche, und die einzelnen 
Zweige sind so enge unter einander verfilzt, dass dem freien Auge die Gefäss- 
stämme selbst verschwinden und die Trübung einen rothen Fleck darstellt, 
dessen Grenzen pinselförmig in Gefässzweigelchen zerfahren. 

In noch anderen Fällen aber entstehen in einer peripheren Trübung der 



Symptomatologie, Pannus crassus. 77 

Cornea eine Unzahl Gefässe, welche eng aneinander liegend und sämmtlich in 
Form von Radien verlaufend, einen mondsichelförmigen, mit der Con- 
cavifät gegen das Centrum stehenden rothen Streif darstellen, der mit der 
Convexität unmittelbar an den gleichzeitig stark congestionirten Limbus con- 
junctivae stösst, und sich unter demselben verliert, an der concaven Seite 
scharf begrenzt ist, mit dem Vorschreiten der Trübung aber auch vorrückt, bis 
er sich endlich auflost und in mehrere Zweige zerfahrt, welche entweder 
bündelweise, anfänglich mit zahlreichen Anastomosen, in weiterer Distanz von 
der Peripherie aber baumförmig verzweigt und einzeln ihre Wege nehmen. 

Häutig kommt es vor, dass während dieser Vascularisation die Trübung 
selbst zunimmt, wolkig, fleckig wird, indem sich starrere, festere Exsudat- 
parthien aus dem allgemeinen Ergüsse absondern, und dieses geschieht be- 
sonders gerne am Centrum der Cornea. Es sind minder lockere Parthien, 
daher zur Gefässbildung weniger geeignet und dem entsprechend werden dann 
auch oft die einzelnen Flecke und Punkte von den Endzweigen der gebildeten 
Gefässe umgriffen, kreisförmig umsponnen, indem sie durch ihre Ver- 
dichtung die weicheren, zur Blutbildung geeigneteren Parthien auf die Ober- 
fläche drücken und so zur aufgeführten Gestaltung der Gefässe direkt Veran- 
lassung geben. 

§ 203. War die Trübung selbst nicht eine von der Peripherie all— 
mälig vorschreitende, sondern gleich ursprünglich mehr ausgebreitete, 
so findet man anfänglich blos an der Peripherie feine Zweigelchen in der be- 
schriebenen Vertheilung. In weiterer Entfernung von der Peripherie aber 
entstehen nicht sogleich Gefässzweige, sondern die Vascularisation eröffnet die 
Scene unter Anbildung ungemein feiner, rother, zerstreuter Punkte, welche sehr 
bald nach verschiedenen Seiten sich ausdehnen, verlängern und endlich ein 
feines Gefässnetz mit unregelmässigen, engen Maschen bilden, das dem freien 
Auge oft als ein gleichmässig röthlicher Anstrich erscheint. Man kann dann 
sehr häufig die Entwickelung grösserer Gefässstämme verfolgen und bemerken, 
wie sich einzelne Maschen allmälig ausdehnen, gegenseitig in Verbindung treten 
und so zuletzt ein ganz unregelmässig hin- und hergebogenes Aederchen von 
starkem Caliber bilden, das der Peripherie zuströmend mit den dort bereits 
gebildeten Strömchen in Verbindung tritt, und in die Gefässe des Limbus con- 
junctivae übergeht, ja nicht selten darüber hinaus ein Stück weit in die Con- 
junctiva selbst sich verfolgen lässt. Durch gleichzeitige Anbildung mehrerer 
solcher Strömchen bekommt die Trübung ein strahliges Ansehen. 

§ 204. In den Fällen, in welchen sich sehr reichliches lockeres, orga- 
nisirungsfähiges Exsudat auf die Cornealoberfläche und rapid ergossen hat, ist 
auch die Entstehung der Blutpunkte und Gefässe öfters eine sehr rasche und 
ungemein reichliche, sodass das Stadium der einfachen Trübung äusserst schnell 
vorübergehet. Die Blutpunkte sind ungemein dicht gesäet, und die Netzbildung 
verschwindet ganz, indem die zusammenfliessenden Zweigelchen dem freien 
Auge nicht wahrnehmbar werden, die Oberfläche der Cornea erscheint gleich- 
mässig roth, mit Fleischwärzchen bedeckt, welche bei dem geringsten mecha- 
nischen Eingriffe leicht parenchymatöse Blutungen veranlassen und der Ober- 
fläche ein drusiges Ansehen geben. Man hat diesen Zustand Pannus crassus 
seu caruosus, auch sarcomatosus geheissen 126 . 



78 Keratitis vasculosa superficialis und Pannus. 

§ 205. Nicht selten kommen B lutextravasate vor, welche zwischen den 
Maschen der Gefässe als rothe, unregelmässige, verwaschene Flecken sichtbar 
werden, im Falle gleichmässiger Röthung der erkrankten Cornealparthie durch 
dichte Vascularisation aber dem Auge entgehen, ausser denn sie wären ober- 
flächliche, an dem Abfliessen des Blutes erkennbare. 

§ 206. Beider mikroskopischen Untersuchung einer getrübten 
und mit oberflächlichen Gefässen durchzogenen Cornealparthie im frischen Zu- 
stande findet man die Epithelialschichte verdickt und ungemein saftreich, weich, 
in Form eines feinkörnigen Breies an der Leiche abschürfbar. Die obersten 
Zellenschichten sind ganz gewöhnliche Epidermoidalzellen, doch ungewöhnlich 
saftreich, durch gegenseitige Abplattung polyedrisch und ihr Inhalt matt, ge- 
trübt, mitunter auch einige dunklere Körnchen einschliessend. Ihr Kern ist 
ungewöhnlich gross, oft doppelt, er nimmt oft mehr als zwei Drittheile des 
Zellenraumes ein und führt einen trüben mit Kernkörperchen gemischten Inhalt. 
Zwischen den einzelnen Zellen findet man, obwohl wenig, doch deutlich wahr- 
nehmbar eine trübliche, schmierige, mit lichten, staubähnlichen Molekülen und 
dunkleren Körnchen und Körnchenaggregaten durchsäete Intercellularsubstanz. 
Alles deutet also auf die Jugend selbst der äussersten Epidermoidallage hin. 
Geht man tiefer in das Epithel ein, so werden die Zellen kleiner, ihre polyedrischen 
Formen weichen ganz unregelmässigen Gestaltungen, unter denen keulenförmige 
besonders vorwalten, die Zellen sind vorzüglich nach einer Richtung hin ent- 
wickelt. Ihr Inhalt ist fast homogen, leicht getrübt ohne Körnchen, der Kern 
dunkler als der Zelleninhalt, seine Contour aber minder dunkel als in der Norm 
und sein Inhalt mehr gleichmässig mit wenig dunkleren Kernkörperchen. Neben 
diesen Zellen finden sich schon viele, deren Wand noch sehr wenig von dem 
Kerne absteht, und die sich nur durch die doppelte Contour als gekernte Zellen 
erkennen lassen. In dieser Schichte ist die Intercellularsubstanz schon sehr 
reichlich, ihr Gehalt an dunklen Körnchen und Körnchenaggregaten hat zuge- 
nommen. In den tiefsten, auf den Corneallamellen selbst auflagernden Parthien 
endlich bildet die schmierige, grauliche Grundsubstanz die Hauptmasse. Alle 
Arien Körnchen von dem feinsten, ganz lichten Moleküle zu dunkleren und ganz 
schwarzen Körnern und Klümpchen und von diesen bis zu dem wirklichen 
Kerne durchmischen sie. 

Sie füllt die Zwischenräume zwischen Lagern von Blutkörperchen, die in 
Gestalt und Grösse sehr variiren, sehr licht, gewöhnlich gelb-bräunlich gefärbt, 
einen fast homogenen Inhalt mit wenigen Körnchen aufweisen und von einem 
ganz durchsichtigen, aber gelblichen Serum umflossen sind, in welchem ich 
niemals ein fibröses Coagulum fand. Die Blutkörperchen sind theils isolirt, 
theils zu mehreren zusammengeklebt. Sie liegen in Hohlräumen ganz ver- 
schiedener Gestalt, bald in rundlichen Höhlungen, bald in verschieden verästelten, 
immer aber sehr armzweigigen Schläuchen, an denen man niemals eine Spur 
einer von der Grundsubstanz sich abhebenden Gefässwand erblickt. Die Blut- 
räume sind im Verhältnisse zur Injektion der Cornea während Lebszeiten immer 
sehr selten, wo sie aber existiren, ist die darin enthaltene Blutmasse immer 
sehr bedeutend, doch macht die Hauptmasse das gelbliche Serum, die Blut- 
kügelchen sind im Verhältniss wenig reichlich zu nennen. 

Es ist höchst wahrscheinlich, dass die meisten der während des Lebens 



Anatomische Charaktere, begleitende Erscheinungen. 79 

gefüllt gewesenen Blutschlauche ihren Inhalt bei dem Tode des Individuums in 
die Conjunctivalgefasse ablliessen lassen, und so nur wenige und anter diesen 
hauptsachlich solche gelullt bleiben, welche mit letzteren noch nicht in Ver- 
bindung getreten waren. 

Sind Blutextravasate zu Stande gekommen, so erkennt man sie an der 
Leiche sogleich durch mehr weniger ausgebreitete Imbibition aller Theile an 
gewissen Stellen. Zellen, Kerne und Grundsubstanz haben eine gelbliche Fär- 
bung angenommen, das Humatin des neugebildeten Blutes hat alle Theile gleich- 
massig imbibirt, zugleich ist die Anzahl dunkler Körnchen auffallend grosser, 
sie sind gewöhnlich kliimpchenweise zusammengebacken und variiren in ihrer 
Farbe von ockergelb bis rostroth und von da durch alle Nuancen von braun 
zu schwarz, doch eigentlich purpurrothe Färbung, wie bei Extravasaten aus 
Blutgefässen des allgemeinen Kreislaufes, ist mir bis jetzt noch nicht vorge- 
kommen. Daneben sieht man Häufchen von zusammengeklebten, stark ge- 
schrumpften, sehr dunkel contourirten Blutkörperchen mit dem durchsichtigen 
gelblichen Inhalte , in welchen nur wenige sehr dunkle Körner mit lichtem 
Centrum enthalten und grösstentheils an die innere Wand der Blutzöllen ange- 
drückt sind. 

Bei Pannus carnosus ist das Verhalten bezüglich der obersten Schichte 
ein ganz ähnliches, es ist wesentlich jenes Epithel mit sehr saftreichen polye- 
drischen Zellen, die sehr lichte Contouren aufweisen, einen lichten, molkenähn- 
lich trüben, mit mehr wenigen dunklen Fettkörnchen vermischten Inhalt, etwas 
dunkle, sehr grosse Kerne führen , und im Ganzen Mittelstufen von Epithelzellen 
zur unentwickelten Eiterzelle darstellen. Zwischen den Zellen findet man eine 
grautrübe, fein granulirte, mit dunkleren Fettmolekulen gemischte, ziemlich 
reichliche Zwischenmasse. In den mittleren Schichten erscheinen die Zellen oft 
zugespitzt, keulenförmig, spindelig, kurz in allen möglichen Formen mit Ueber- 
gängen zur Faser. Reichliche Grundsubstanz mit allen Formen von Körnchen um- 
lliessen sie. Diese Schichte ist schon ausgezeichnet durch eine ungeheure Quantität 
von Blutkörperchen in der oben beschriebenen Form, sie füllen, in gelbliches 
Serum gebettet, Hohlräume von verschiedenster Gestalt, welche niemals von 
Gefässwandungen umsponnen werden. Die letzte, ziemlich mächtige Schichte 
endlich ist ausgezeichnet durch verhältnissmässiges Zurückweichen der Zellen- 
bildungen, es ist eine fast homogene, trübe, weiche, unter dem Mikroskope 
ganz formlose Substanz, in der Körnchen aller möglichen Nuancen von grau bis 
schwarz vorkommen, doch so, dass sie um so seltener werden, je dunkler und 
grösser sie sind, und nur in geringer Anzahl sich zu Häufchen oder wohl gar 
kernälmlichen Gebilden erheben. Auch Blutkörperchen werden seltener, um 
endlich ganz zu verschwinden, so dass man unmittelbar auf der Cornealober- 
fläche nur die graulich trübe Grundsubstanz findet, in der sich nur mit grosser 
Mühe eine sehr undeutliche und daher kaum mit Gewissheit zu bestimmende 
trübliche Faserstreifung zu erkennen gibt 125 . 

§ 207. Die begleitenden Erscheinungen der Keratitis vasculosa 
sind ungemein wandelbar. 

Nicht selten ist die Injection der Conjunctiva auf die Ausdehnung 
einiger weniger Gefässe beschränkt, die einzeln oder bündeiförmig aggregirt, 
von der Uebergangsfalte in centripetalem Laufe gegen die Cornea ziehen, um 



80 Keratitis vasculosa superficialis und Pannus. 

sich in wenige Aeste auflösend, mit den Gefässen der Cornea zu verbinden. 
Der Scleralwulst ist dabei wenig entwickelt und nur auf einen kleinen Theil 
des Hornhautumfangs beschränkt, das entsprechende Stück des Conjunctival- 
saumes aber ganz gewöhnlich stärker injicirt. 

In andern Fällen ist die Injection der Conjunctivalgefässe reichlich, sie 
bilden ein verschiebbares Gefässnetz mit vorwaltend centripetaler Richtung. Das 
Subconjunctivalgewebe strotzt von Blut, seine Gefässe repräsentiren sich als 
ein höchst fein geädertes, rosiges Netz, welches zwischen den gröberen 
Maschen der Bindehautgefässe durchschimmert. Sein Stroma ist serös infiltrirt. 
Besonders entwickelt sind diese Erscheinungen in der Nähe der Cornea, wo sich 
das episclerale Gewebe in Gestalt eines intensiv rothen Ringwulstes erhebt, aus 
welchem eine Unzahl von Gefässen zu dem Limbus conjunctivalis treten, welcher 
letztere im hohen Grade congestionirt, als ein scharlachrother Saum an der Cor- 
nealperipherie erscheint. 

In noch anderen Fällen ist die Bindehaut trachomatös afficirt, oder 
aber bietet alle Merkmale einer Blennorrhoe mit Epithelialwucherungen 
ihrer Oberfläche dar. 

Nicht selten ist die Keratitis vascularis superficialis die Theil er seh ei- 
nung eines auf den ganzen Bulbus verbreiteten entzündlichen 
Processes, oder nur eine Complication einer Iritis, und im letzteren Falle 
lässt sich häufig nicht entscheiden, welches das primär ergriffene Organ ge- 
wesen. 

Dass diese combinirenden Affectionen die subjeetiven Symptome auch 
mächtig modificiren, leuchtet von selbst ein, doch selbst reine Formen bieten 
in Bezug auf Schmerz und Lichtscheu so viele Nuancen dar, dass es fast un- 
möglich ist, irgend welche Regeln aufzustellen, und Formen zu unterscheiden, 
denen ein bestimmtes Maass oder eine bestimmte Qualität des Schmerzes zu- 
kommt, und ein bestimmter Grad von Lichtscheu eigen ist. Häufig sind Schmerz 
und Lichtscheu äusserst gering, in andern Fällen periodisch oder wenigstens 
Morgens oder Abends remittirend, in noch andern Fällen endlich ist der 
Schmerz wüthend, über die ganze entsprechende Kopfhälfte verbreitet. Be- 
sonders heftig pflegt der Schmerz zu sein, wenn das Subconjunctivalgewebe 
stark injicirt, und namentlich, wenn der Scleralwulst stark entwickelt ist, sowohl 
dass man meinen sollte, der Schmerz bei der Keratitis sei eigentlich nicht so 
eine Folge der Cornealaffection selbst, sondern vielmehr unmittelbar begründet 
in der Mitleidenschaft des Episcleralgewebes oder aber der tieferen Gebilde des 
Augapfels und so fort der Ausdruck einer durch diese Combinationen be- 
dingten Erregung der Ciliarnerven. 

Dass mit der Trübung der Cornea eine Verminderung des Sehver- 
mögens gegeben ist, versteht sich von selbst. 

§ 208. Die Ursachen der Keratitis superficialis vasculosa sind höchst 
verschieden. 

Sie ist sehr häufig eine Theilerscheinung des herpetischen Pro- 
cesses, in der, diesem Uebel zu Grunde liegenden Alteration sensitiver Nerven- 
zweige der Cornea begründet. 

Oefters ist dieselbe mit Keratitis s i m p 1 e x gepaart, während 
deren Exsudate in den tieferen Cornealschichten durch Faserspaltung höhere 



Aeüologie, Pannus traumaficus, trachomatosus. 81 

Organisationsstufen erklimmen, organisiren sich die weicheren Parlhien, welche 
constant die Oberfläche der Cornea zu erreichen suchen, auf dem Wege der 
Zellenbildung zu Blut und Epithel. 

Daher sind denn auch die ursächlichen Momente dieser Form der Keratitis 
wesentlich identisch mit denen der Keratitis Simplex. Traumatische und 
chemische Reize bedingen sie. Vor allen sind hier mechanische Einwir- 
kungen, wenn die Cornea durch längere Zeit denselben ausgcselzt ist, zu be- 
rücksichtigen, z. B. der Reiz einwärts gekrümmter oder aber durch Entropium 
mit der Cornea in Berührung gebrachter Cilien, fremder in der Conjunetival- 
höhle hallender Körper u. s. w. Unzweckmässige Anwendung scharfer Salben, 
Wässer etc. auf das Auge, ja selbst die stetige Einwirkung der athmosphä- 
rischen Luft bei Verkürzungen der Lider oder bei Exopthalmus bedingen ganz 
gewöhnlich das Auftreten dieser Form der Keratitis. 

Die Begründung derselben in diesen Einflüssen ist eine so eclatante, dass 
man für derartige ätiologische Momente eine eigene Species der Keratitis auf- 
stellen zu müssen glaubte, und selbe mit dem Namen des Pannus traumaticus 
belegte. Der traumatische Pannus ist das Analogon jener Entzündungen mit 
üppiger Epithelialbildung, welche auf Schleimhautüberzügen vorgelagerter Theile, 
z. B. des Uterus, der Scheide, des Mastdarmes u. s. w. vorkommen. 

Oefters ist aber gar keine Ursache ergründbar, und es bleibt, falls 
man sich schämt, die diessfällige Unwissenheit zu gestehen, nichts übrig, als 
in das dunkle Reich der unsere Sinne fliehenden Dyscrasien zu greifen. 
Daher kommt es auch, dass diese Form der Keratitis in verschiedenen Lehr- 
büchern als Theilerscheinung ganz diflerenter speeifischer Opthalmien auf- 
geführt vorkommt, bald scrofuloser, bald rheumatischer, ja auch arthritischer, 
psorischer, syphilitischer, abdomineller Natur beschuldigt, und wo dieses nicht 
ausreicht, mit haarsträubenden Combinaiionen von Namen und Characteren 
belegt wird. 

§ 209. Das Trachom combinirt sich, wenigstens in seinen höheren 
Entwickelungsgradenund nach längerem Bestandein der Regel mit Ablagerungen 
vascularisirender Exsudate auf der Oberfläche der Cornea. Der Form nach 
ist diese Keratitis von den aus anderen Ursachen entstandenen, durchaus nicht 
zu unterscheiden. Die Trübung ist anfänglich eine gleichmässige, sulzige, und 
Gefässe in verschiedenen Graden von Häufigkeit bilden darin mehr minder 
dichte Netze. Das Auftreten weisslicher oder gelblicher Häufchen von Exsu- 
daten ohne Gefässentwickelung ist nicht allein dieser, sondern auch jeder an- 
deren ätiologischen Form der Keratitis eigen, und die Entwicklung der Trü- 
bung von dem oberen Cornealrande her kommt eben so gut bei der ersteren 
als der letzteren vor. Die Ausbreitung des Exsudalionsprocesses über die 
ganze Cornea bei trachomatöser Begründung kann begreiflicher Weise keinen 
Unierscheidungsgrund statuiren. Die Aufstellung des Pannus trachomatosus 
als eigene Species ist daher nur zu rechtfertigen, wenn man das ätiologische 
Moment zum Eintheilungsprincip wählt. Unter dieser Voraussetzung ist er aber 
ein ganz speeifischer, an das Auftreten eines gewissen Exsudates in der Con- 
junetiva und Cornea gebundener, mit einem Worte eine Theilerscheinung des 
Trachoms in der engsten Bedeutung des Wortes. Sobald der Charakter des 
auf der Conjunctiva abgelagerten Exsudats wechselt, wechselt auch jener der 

Stell wag, Ophthalmologie. I. l> 



82 Keratitis vasculosa superficialis und Pannus. 

Cornealexsudation. Häufig geschieht es, dass trachomatös infiltrirte Bindehäute 
unter der Form intercurrirender Blennorrhoen eitrig jauchiges Exsudat liefern, 
dann geht sehr häufig eine ähnliche Ablagerung in der Cornea parallel, und 
gefährdet deren Existenz durch Geschwürbildung und selbst totale Vereiterung, 
während umgekehrt Blennorrhoen, wenn sie in Trachombildung übergehen, nach 
der Erfahrung aller Zeiten in sofern als günstig verlaufend betrachtet werden 
müssen, als das nunmehr gelieferte Cornealprodukt auffallende Tendenz zur 
höheren Gestaltung nachweist und der Vereiterung constant fremd bleibend in 
Blut- und Epithelialgebilde metamorphosirt. Das Cornealexsudat erleidet somit 
Veränderungen, welche denen sehr analog sind, die das Conjunctivalexsudat 
selbst eingeht. Die allenfälligen Modificationen lassen sich sehr leicht auf die 
Differenzen in den Verhältnissen zurückführen, unter welchen sich das Ent- 
zündungsprodukt auf der freien Oberfläche der Cornea und in dem Stroma der 
Conjunctivalfollikel befindet. 

Dieser Umstand ist nun sicherlich am meisten geeignet, das Irrige der 
Ansicht darzuthun, als sei der trachomatose Pannus die Folge mechanischer 
Reizung der Cornealoberfläche durch die gegen letztere reibenden Conjunctival- 
granulationen. So ähnlich auch die äussere Erscheinung des Pannus trauma- 
ticus und jene des Pannus trachomatosus ist, so verschieden sind nach dem 
vorhergehenden die Causalmomente, der trachomatose Pannus ist wesentlich 
eine Theilerscheinung des trachomatosen Exsudationsprocesses, so wie Vereite- 
rung der Cornea im Verlauf von Blennorrhoen eine Theilerscheinung der blen- 
norrhoischen Produktbildung in Binde- und Hornhaut ist. Wäre der Pannus 
trachomatosus eine Folge mechanischer Beizung der Cornea, so könnte offenbar 
dasselbe nicht urplötzlich, binnen 24 Stunden und gleichzeitig mit dem Con- 
junctivaltrachom auftreten, es müsste eine gewisse Beziehung zwischen dem 
Grade und Dauer der trachomatosen Affection erkennbar werden, was nicht der 
Fall ist. 

§ 210. So wie das Trachom, so bedingen auch acute und chro- 
nische Blennorrhoen den Cornealpannus , jedoch nur dann, wenn der 
eitrig jauchige Charakter des Secretes einer grösseren Plasticität gewichen ist, 
und sich in der Formation üppig wuchernder, nicht selten hahnenkammartiger, 
selbst karfiolähnlicher Gebilde auf der Conjunctivaloberfläche kund gibt. Es sind 
dieses ihrer Wesenheit nach nichts als Epithelialwucherungen, wie sie über- 
haupt auf entzündeten Schleimhäuten häufig beobachtet werden und ihrem mikros- 
kopischen Verhalten nach Fleischwärzchen granulirender Wunden analog zu 
halten sind. Während die oberflächlichen Schichten die Eitermetamorphose 
durchmachen, zeigen die tieferen Schichten eclatante Tendenz zur Gestaltung 
in Epithelialgebilde, und die tiefsten Schichten werden in dem Zustande ur- 
sprünglicher Formlosigkeit gefunden. Ganz ähnliche Formationen etabliren 
sich unter solchen Umständen dann auch auf der Cornea und stellen den Pannus 
vor, dem man gewöhnlich den Namen des crassus, carnosus, sarcomatosus bei- 
legt. Er ist seiner Natur nach nichts als eine Epithelialwucherung, als ein 
Conglomerat von Fleischwärzchen auf der Cornealoberfläche haftend, und die 
Theilerscheinung eines in Epithelialwucherungen sich ergehenden blennorrhoi- 
schen Processes. 



Verlauf, Ausgänge. 83 

§ 211. Vom ätiologischen Standpunkte aus liessen sich demnach diffe- 
rente Species der Keratitis vascularis superficialis rechtfertigen, vom histologi- 
schen ist aber eine durchgreifende Sichtung derselben absolut unmöglich. 
Keratitides mit Vascularisation des Exsudates und Pannus sind 
dem Wesen nach gleich, so verschieden auch ihre Begründung sei, alle 
unter dieser Rubrik zusammengefassten Krankheitserscheinungen gehören von 
naturwissenschaftlichem Standpunkte aus betrachtet Einem Processe zu, einer 
Exsudation saftreicher Produkte mit entschiedener Tendenz zur Zellen- und 
Blutbildung. Die auf den kleinsten Raum beschränkte Keratitis superficialis mit 
2 — 3 Gefässen, und der Pannus crassus mit einer dicken Auflagerung üppig 
wuchernden Exsudates auf die Oberfläche der Cornea sind nur verschiedene 
Entwickelungsstufen eines und desselben Krankheitsprocesses und eben so 
wenig von einander zu trennen, als croupose Pneumonien, die einen kleinen 
Theil eines Lungenlappens, und solche, die beide Lungenflügel in ihrer grössten 
Ausdehnung betreffen. 

Dieses bezeugen die mikroscopischen Befunde und die weiteren Ent- 
wickelungsphasen der Ablagerungen in der Keratitis vasculosa und im Pannus 
crassus. Sie sind im wesentlichen identisch und die Differenzen sind lediglich 
die Folge der verschiedenen Verhältnisse, unter welchen sich dünne Exsudat- 
schichten und sehr dicke Strata, wenn sie an Oberflächen abgelagert sind, bei 
den weiteren Metamorphosen befinden. 

§ 212. Der Verlauf der Keratitis superficialis vasculosa 
ist bezüglich seiner Zeitdauer ein eben so differenter als die äussere Form es 
ist, unter der die Krankheit auftritt. 

Gewöhnlich richtet sich aber die Frist, binnen der der Process verlauft, 
nach der Ursache, welche die Keratitis bedingt hat. 

Ist das Causalmoment ein vorübergehender Reiz von was immer für Art, 
so ist die gesetzte Keratitis gewiss eine solche, welche am ehesten eine baldige 
Heilung zulässt, wenige Wochen, ja selbst Tage reichen hin, den Process zu 
Ende zu führen. Doch gibt es auch genug Fälle, in welchen ephemere Reize 
eingewirkt haben, oder auch sich nicht das geringste Zeichen einer bedingen- 
den Schädlichkeit nachweisen, eine dyscratische Begründung nur in der Theorie, 
durchaus nicht in der Natur supponiren lässt, und doch ist die Dauer eine 
den Arzt und Kranken ermüdende, monate- und jahrelange. 

Die Keratitis ahmt in diesen Fällen jene Formen nach, welche durch 
anhaltenden Reiz einwärts gekehrter Cilien, Lagophthalmus etc. bedingt und an 
die Dauer dieser Uebel gebunden sind. 

Ausgezeichnet durch den ungemein schleppenden Verlauf sind besonders 
jene Fälle, in welchen die mit Gefässbildung verlaufende Keratitis als Theiler- 
scheinung trachomatoser Exsudationen oder aber als Begleiterin von Epithelial- 
wucherungen auf der Conjunctiva auftritt. Sie wurde wegen ihrer Stabilität fast 
immer von den übrigen Formen der Keratitis getrennt, als organische Krank- 
heit, Verbildung u. s. w. beschrieben und vorzugsweise mit dem Namen 
Pannus bezeichnet 127 . 

§ 213. Die Keratitis vascularis superficialis geht nicht selten in 
andere Formen über, dadurch dass der Exsudationsprocess sich nicht auf 
die Oberfläche mehr beschränkt, sondern auch in die Tiefe greift. Es resul- 

6. 



84 Keratitis vasculosa superficialis und Pannus. 

tiren daraus Keratitides der verschiedensten Gestalt, je nach der Constitution 
des neuabgelagerten Produktes und dessen weiteren Metamorphosen. 

Die reine oberflächliche Keratitis mit Gefässbildung aber geht entweder in 
Genesung über, oder aber geht das Exsudat höhere Entwickelungsstufen ein 
und begründet so eine ständige Neubildung. 

§ 214. Im Falle der Genesung stösst sich das oberflächliche, neuge- 
bildete, trübe Epithel ab, die in den mittleren Schichten entstandenen Gefäss- 
räume entleeren ihr neugebildetes Blut in die Gefässe der Conjunctiva, und 
entschwinden dem Auge des Beobachters, ohne jedoch sogleich unterzugehen, 
denn es ist ein Factum, dass durch eine Zeit noch eine gewisse Reizbarkeit 
der Cornea zurückbleibt, vermöge deren nach ganz geringfügigen einwirkenden 
Schädlichkeiten das ergriffen gewesene Cornealstück sich also gleich wieder 
mit Blut injicirt. Es scheinen also die neugebildeten Blutcanäle noch einige 
Zeit zu bestehen, ohne Blut zu führen, bis endlich auch das sie umschliessende 
Gefüge seine Metamorphose zu Epithel vollendet hat und abgestossen wird, oder 
aber zerfallend und in aufsaugungsfähige S!offe zerlegt, der Resorblion anheim- 
fällt, worauf das aus normalem Blasteme mittlerweile entwickelte, normale 
Epithel an die Oberfläche gelangt und der Cornea ihren früheren Glanz und 
die frühere Durchsichtigkeit gibt. Allmälig treten auch die Congestionser- 
scheinungen der Conjunctiva und des Episcleralgewebes zurück, die Schmerz- 
haftigkeit und Lichtscheu schwindet, der normale Zustand ist hergestellt. 

§ 215. Es ist natürlich, dass dieser Ausgang vor allem jenen Fällen 
2ukomme, in welchen die Exsudatschichte eine sehr dünne, an festen, genuin- 
fibrinösen Bestandtheilen arme ist. Wo die Ablagerung eine massenreichere 
und an derberen faserstoffigen Elementen reichere geworden ist, dort ist eine 
solche Abstossung des krankhaften Produktes und die Formation eines neuen 
ganz durchsichtigen Epithels nicht mehr so leicht möglich, es geht der wasser- 
ärmere, zähere, derbere Exsudatantheil durch Faserspaltung höhere Organi- 
sationsstufen ein und hindert auch die Anbildung normalen Epithels auf der 
erkrankten Parthie. Es resultirt eine ständige Neubildung, die je nach der 
grösseren oder geringeren Anzahl auflagernder Oberhautschichlen in ihrem 
Aussehen etwas variirt. 

Ist das auf der Cornea abgelagerte E?^sudat ein überaus reichliches und 
zur Zellenbildung geeignetes, wie es so häufig vorkömmt, wenn der auch dem 
Trachom zu Grunde liegende Entzündungsprocess unter der Gestalt der Blen- 
norrhoe auftritt, und Wucherungen der Conjunctiva bedingt, so zeichnet sich 
auch das auf der Cornea zur Entwicklung kommende neoplastische Gefüge 
durch eine, zwischen die dicke Epitheliallage und das tiefe faserspaltige Stratum 
gelegte Schichte lockeren Bindegewebes aus. Die Cornealgranulationen gehen 
mit jenen auf der Conjunctiva gleiche Metamorphosen ein. 

§ 216. Bei jeder Art der Keratitis ist eine Durchfeuchtung des um- 
gebenden Cornealparenchyms mit wässerigem Produkte zu bemerken, es ist diese 
das Analogon des Oedoms rings um Entzündungsherde. Bei beschränkten 
Hornhautentzündungen treten deren unmittelbare Folgen nicht so sehr in die 
Wahrnehmung, bei jenen Formen der Keratitis aber, welche sich über die 
ganze Cornea zu verbreiten pflegen, namentlich dem Pannus trachomatosus und 
crassus ist der Infiltrationsgrad erstens ein sehr hoher und zweitens ein die 



Ectasia ex panno, Keratitis vasculosa parenchymatöse et profunda. 85 

ganze Cornea betreffender, er bedingt eine Resistenzyerminderung des Organs, 
die Cornea tritt hervor, indem sie durch den Druck des Kammerwassers aus- 
gedehnt wird. Wegen der gelingen Elasticität der Hornhaut in der Richtung 
ihrer Fasern ist ein Zurücktreten derselben in ihre normale Form nach Ablauf 
des krankhaften Processes nicht mehr möglich. Die Cornea bleibt norm- 
widrig kegelförmig gewölbt und ihre Oberfläche wegen der Organi- 
sation der aufgelagerten entzündlichen Produkte mehr weniger getrübt CArlt's 
Ectasia ex panno). 

§ 217. In seltenen Fällen geschieht es, dass der der Keratitis zu Grunde 
liegende Process auch die tieferen Gebilde des Augapfels afficirt , Funktions- 
untüchtigkeit der den Humor aqueus absondernden Organe und Schrumpfung, 
Atrophie des ganzen Augapfels setzt. 

2. Keratitis vasculosa parenchymatosa et 'profunda. 

§ 218. Ich behandle beide unter Einem in Berücksichtigung dessen, 
dass vascularisirende Exsudate zwischen der hintersten Corneallamelle und der 
Descemet! wohl niemals vorkommen, ohne gleichzeitige Ablagerungen ähnlicher 
Produkte in den Zwischenräumen der hinteren Corneallamellen, ferner in An- 
betracht der schwierigen DifFerenzialdiagnose und besonders in Berücksichtigung 
der ganz identischen ätiologischen und therapeutischen Momente. 

§ 219. Oft geht der Exsudation plastischer Stoffe ein Stadium voraus, 
in welchem nebst aulfälliger Congestion der Bindehaut und des Episcleralge- 
webes der Glanz der Hornhautoberfläche im hohen Grade vermehrt er- 
scheint. Es ist dieser vermehrte Glanz zum grössten Theile eine Folge der 
verstärkten Dichtigkeit des Hornhautgevvebes und diese ist. wieder bedingt in 
der, der Keratitis im Allgemeinen vorausgehenden, und Exsudationsherde um- 
grenzenden Aufschwellung des Gewebes durch Zunahme des Gehaltes an wäs- 
seriger Feuchtigkeit. Insofern lässt sich dieser Zustand mit der, jeder Entzündung 
vorausgehenden Congestion und serösen Durchfeuchtung anderer Organe ver- 
gleichen. Sicherlich aber hat auch der Umstand einen bedeutenden Einfluss, 
dass mit dem der Keratitis als solcher vorausgehenden Reizungszustande eine 
stärkere Abschilferung des Cornealepithels stattfindet, wie sich selbe aus dem 
vermehrten Gehalte der Thränenfeuchtigkeit an solchen Elementen erschliessen 
lässt. Dadurch kommen die jungem saftreichern Epifhelzellen an die Ober- 
fläche, an denen die Differenzirung ihres Inhaltes noch nicht so weit ge- 
diehen ist. 

§ 220. Allmälig beginnt das Hornhautparenchym an einer oder der 
anderen Stelle, gewöhnlich von der Peripherie aus, matter zu werden, seine 
Durchsichtigkeit nimmt etwas ab , und es erscheinen entweder jetzt schon Ge- 
fässe oder aber die Trübung wird vorerst deutlicher, sulzähnlich, und dann 
vascularisirt das Produkt, es entstehen ungemein feine, zarte Zweigelchen von 
mehr dunkler, purpurrother Farbe. Sie scheinen von dem Scleralrande aus- 
zugehen und gegen das Centrum der Cornea vorwärts zu schreiten, dem sich 
verbreitenden Exsudate auf dem Fusse folgend. Sie lassen sich anfänglich 
kaum eine Linie weit verfolgen, indem sie alsdann in eine Anzahl ungemein 
feiner, dem freien Auge unsichtbarer, unter einander netzförmig anastomosiren- 



86 Keratitis vasculosa parenchymatosa et profunda. 

der Reiserchen zerfahren. Ihre Anzahl ist bald sehr geringe, bald aber sind 
sie so enge aneinander gedrängt, dass ihre Zwischenräume verschwinden, und 
hre Totalität den Eindruck eines gleichmässig rothen Fleckes bedingt, dessen 
Ränder in feine Zweigelchen sich lösen. 

Mittlerweile beginnen in der anfänglich gleichmässigen Trübung wolken- 
ähnliche, streifige Zeichnungen, selbst mehr minder scharf begrenzte unregel- 
mässige Flecken aufzutauchen, das Exsudat sammelt sich stellenweise und 
erstarrt. Nun entwicklen sich bald Gefässe, die an der Oberfläche dieser 
condensirteren Parthien Netze bilden, gewöhnlich aber den Rand derselben 
umkränzen und mit den älteren Gefässen innig zusammenhängen, als wären sie 
bloss Fortsetzungen derselben. 

Doch ist diese Vertheilung der Gefässe an der vordem Fläche der stärker 
getrübten Parthien nur dann sichtbar, wenn die Exsudationsherde selbst in 
mehr oberflächlichen Interlamellarräumen sitzen, bei tieferer Lage sieht man 
fast immer die von dem Scleralrande aus gehenden Gefässchen theils um den 
Rand der Trübung herumgehen, theils aber hinter demselben verschwinden, so 
dass man deren Verzweigung an der hintern Fläche der Heerde anzunehmen 
gezwungen ist. Liegen die Exsudate in der Mitte der Dicke der Hornhaut, so 
sieht man wohl auch Gefässchen auf der Vorderfläche, andere aber an deren 
Hinterfläche treten. 

Immerhin sind diese Vascularisationen in tieferen Schichten der Cornea 
äusserst selten, desto häufiger aber bei Ablagerungen in den oberflächlichen 
Corneallagen , daher denn auch unter diesen Umständen oft schwer zu unter- 
scheiden wäre, ob die Gefässe unter dem Epithel oder wirklich in einem 
vorderen Interlamellarraume ziehen, wenn nicht einerseits häufig gleichzeitig 
eine oberflächliche Exsudation mit Gefässentwicklung die Ablagerung vasculari- 
sirender Produkte in dem Cornealparenchym begleitete, und durch den mög- 
lichen Vergleich in der Lagerung der Gefässchen die Diagnose erleichtert 
Würde, anderseits aber das Verschwinden der tiefen Gefässe hinter dem Con- 
junctivalsaurae der Cornea die Erkenntniss ihrer Lage sicherte. Ueberdiess 
bietet in einigen Fällen zugleich der Zustand der Cornealvorderfläche einen 
guten Anhaltspunkt dar, indem bei Keratitis vasculosa superficialis dieselbe 
rauh, sulzig aufgeweicht, bei der in Rede stehenden Form aber entweder ganz 
glatt, oder doch ohne sichtbare Rauhigkeiten und nur häufig wie mit feinen 
Nadeln gestochen erscheint 128 . 

§ 221. In andern Fällen geht die Exsudation rascher und ehe 
sich das Produkt auf höhere Organisationsstufen erheben kann, sind Massen 
desselben zwischen die Corneallamellen deponirt. Hier verschwindet gewöhn- 
lich das Stadium der gleichmässigen Infiltration und der wolkigen, streifigen 
Fleckung, binnen der kürzesten Zeit hat sich das Exsudat in den Interlamellar- 
räumen in solcher Quantität angesammelt, dass die Cornea sichtlich vorgetrieben 
ist, und oft ihrer ganzen Ausdehnung nach in einen weiss-gelblichen 
Knopf verwandelt zu sein scheint. 

Man sieht in diesen Fällen stets eine mehr weniger dicke Lage 
durchsichtigen Cornealparenchyms über den ganz undurchsichtigen, in 
seiner Farbe einem Eiterpfropfe täuschend ähnlichen Exsudationsherd 
hinüber ziehen, besonders, wenn man die Cornea von der Seite her 



Symptomatologie, anatomische Charaktere. 87 

betrachtet oder aber, wenn nach Durchschneidung derselben die Wundränder 
klaffen. 

Nach kürzerem oder längerem Bestände dieser Ablagerung entstehen auf 
der Oberfläche derselben rothe Punkte, Flecken, die sich bald zu Zweigen und 
Reisern umstalten, welche sofort ein mehr weniger dichtes Gefässnetz erzeugen, 
in dem bald einige stärkere Gefässchen von ganz unregelmässigem, winkelig 
hin- und hergebogenem Verlaufe auftreten , und an einer oder der anderen 
Stelle unterhalb des Bindehautsaumes sich verlieren. 

Wo Gefässe sichtbar werden, kommen mitunter auch Hämorrhagien 
vor, die als rothe Punkte und Flecke zwischen den Gefässmaschen erscheinen, 
oder aber das Exsudat stellenweise gleichmässig gelb oder braun -roth, selbst 
purpurähnlich färben und so demselben das Aussehen eines hämorrhagisch- 
plastischen verleihen. 

Man hat bisher diese Ablagerungen gewöhnlich als Abscesse der 
Hornhaut beschrieben, ohne dass sie es sind, wie der mikroskopische Befund 
ergibt, Sie können sich wohl in einen Abscess umwandeln, allein in solchen 
Fällen ist die Vereiterung immer secundär. 

§ 222. Die mikroskopische Untersuchung liefert etwas ab- 
weichende Besultate je nach der Masse und der mehr weniger weit vorge- 
schrittenen Differenzirung des Exsudates. 

Im Falle gleich massiger Trübung und sofortigem Mangel eines 
begrenzten Exsudationsheerdes findet man die Epithelschichte der Cornea von 
evident jugendlicher Formation, die Corneallamellen selbst wie bestäubt mit 
einer ungemein feinen lichten Molekularmasse, in der sich nur wenige grössere 
und dunklere Körnchen eingestreut finden. Die Interlamellarsubstanz ist offen- 
bar vermehrt, und zeigt sich als eine weiche, trübe, fast homogene Flüssigkeit, 
in der sich dunkle Körnchen und Körnchenaggregate aller Formen bis zu 
kernähnlichen Gebilden, aber nur in seltenen Fällen äusserst wenige Kerne und 
Zellen finden, welche letztere immer sehr zarte Contouren, einen leicht trüben 
Inhalt und einen oder mehrere grössere, etwas dunklere Kerne führen. Dafür 
aber findet man sehr viele Blutkörperchen von ganz evident neoplastischer 
Natur in gelblichem Serum eingebettet, isolirt und zu 3 — 4 zusammengehäuft, 
ohne Spuren von umhüllenden Gefässhäuten. 

Im Falle grösserer Anhäufung des Exsudates und daraus resul- 
tirender wolkig fleckiger Zeichnung der Trübung findet man nebst den ge- 
nannten Elementen noch ganz deutliche Schichten eines völlig strukturlosen 
Gerinnsels von festerer Consistenz, das aus einer hyalinen Grundsubstanz und 
eingestreuten sehr feinen lichten Molekülen besteht, aber nur äusserst wenige 
dunkle Körnchen einschliesst, in manchen Fällen wohl auch eine ganz undeut- 
liche zarte lichte Faserstreifung erkennen lässt. Die festeren Bestandtheile 
des Exsudates haben sich durch Coagulation von dem flüssigen Blasteme abge- 
sondert. 

In den Fällen, in welchen das Exsudat massenweise in der Form eines 
gelblich -weissen, einem Abscesse ähnlichen Heerdes in die Erscheinung 
tritt, findet man die vor- und hinterliegenden Corneallamellen ganz gewöhnlich 
unverändert, ohne Spur eines fremdartigen Formelementes. Das entzündliche 
Produkt findet sich dann in Gestalt eines concav-convexen Meniscus in die 



88 Keratitis vasculosa parenchymatosa et profunda. 

Dicke der Cornea eingeschaltet, es ist in mehrere Interlamellarräume abgelagert 
worden, treibt daher die zwischenliegenden Blätter auseinander, und da diese 
in dem dicken Exsudatpfropfe kaum nachweisbar sind, so scheint es, als wäre 
bloss ein einziger Zwischenblattraum der Sitz der Ablagerung, als wären da- 
durch bloss zwei Lamellen von einander getrennt worden und als erzeugten 
sie sofort Einen mit plastischem Exsudate erfüllten Hohlraum, dessen grösste 
Dicke gewöhnlich in das Centrum der Cornea fällt , und nicht selten 
0'".25 — 0'". 75 misst. Gegen den Cornealrand zu verjüngt sich der Hohl- 
raum und wird ungemein fein, so dass die Iris durch die zarte Exsudatschichte 
öfters noch durchleuchtet. Senkrecht auf den Heerd geführte Schnitte zeigen 
allda sehr deutlich die Zwischenlagerung des Exsudates zwischen mehrere 
Blätter, am Rande wechseln Cornealblätter und Exsudatschichten. 

Das Exsudat ist so consistent, dass bei Einschneidung der Cornea gar 
nichts austliesst, wohl aber Theile desselben aus der Wunde hervorquellen. 
Die oberflächlichen Schichten desselben sind saftreich, sie bestehen aus einer 
leimähnlichen schmierigen durchscheinenden, trüblichen Grundmasse, welche sich 
durch Druck auspressen lässt und eine grössere oder geringere Quantität 
dunkler Punkte enthält, die theils isolirt, theils aber gehäuft sind, so dass 
daraus grössere Körnchen und eine Menge Uebergangsformen bis zum wahren 
Kerne entstehen. Die Kerne sind grösstentheils oval, dunkel granulirt, in Essig- 
säure schärfer hervortretend. Daneben findet man jedoch in geringerer An- 
zahl und nicht immer,. gekernte Zellen in den verschiedensten Graden der Ent- 
wicklung von 0'".004 — 0"'.008 Durchmesser mit wasserhellem, trüblichem 
oder stärker granulirtem Inhalte. Doch treten gewöhnlich diese Kerne und 
Zellen ihrer Masse nach weit zurück gegen die enorme Menge von farblosen 
und blass- gelben Blutkörperchen von ganz jugendlichem Ansehen, die fast 
immer haufenweise, von gelblichem Serum umflossen, verschieden gestaltete 
Hohlräume einnehmen, niemals aber von Gefässhäuten umsponnen werden. 
Die mittleren Schichten des Exsudates erweisen sich fester, zäher, und er- 
scheinen unter dem Mikroskop ganz gewöhnlich als eine schollige Masse mit 
rauhen, abgerundeten oder fetzigen Rändern, die oft ganz ohne Spur einer 
Textur, bloss feinkörnig ist, in anderen Fällen aber eine mehr minder deutliche, 
zarte, unregelmässige, geradeziehende oder geschweifte Faserstreifung erkennen 
lässt, sich also als Fasersto.'fgerinnung kund gibt 129 . 

Wo Blutextravasate stattgefunden haben, findet man die Umgebung gelb- 
lich durchtränkt und Conglomerate von Blutkörperchen mit den bei der Keratitis 
vascularis superficialis bedeuteten .Metamorphosen. 

§ 223. Die begleitenden Erscheinungen sind gewöhnlich im 
hohen Grade auffällige, bedeutende Injektion des Episcleralgewebes 
und der Conjunctiva, seröse Schwellung derselben bis zu der Anbildung 
chemotischer Wülste sind ganz gewöhnliche Symptome. 

Häufig beschränkt sich die Congestion der Conjunctiva aber auf die Aus- 
dehnung einer Anzahl Gefässe, welche ein mehr weniger dichtes Netz mit 
vorwaltend centripetaler Richtung der Stämme bilden und in den Maschen das 
rosenrothe, zarte, dichte Netz des Episcleralgewebes durchschimmern lassen. 
Der Scleralwulst ist alsdann stark entwickelt, durch seröses Infiltrat hervorge- 
trieben und von tiefer Röthe. Aus ihm entspringen eine Unzahl Gefässe, welche 



Symptomatologie, Aeliologie. Verlauf, Ausgänge. 89 

zu dem Bindehautsaiime übertreten und dort so enge an einander liegen, dass 
die Zwischenräume entschwinden, und der Limbus als ein scharlachruther Me- 
niskus von 0"'.25 — 0'".5 und mehr Breite mit scharf abgesetztem centralen 
Rande erscheint, aus dem nicht selten einzelne Gcfässe zur trüben Überfläche 
der Cornea laufen und so eine Combination der Keratitis vascularis parenchy- 
matosa mit der superficialis darstellen. 

Entsprechend diesem hohen Grade der Alteration in der Circulation des 
Blutes, welche sich häufig zugleich in der Anregung eines mehr minder heftigen 
Fiebers zu erkennen gibt, ist auch gewöhnlich, im Anfange wenigstens, der 
Schmerz ein ganz bedeutender, stechender, reissender, über die ganze Kopf- 
hälfte verbreiteter, mit Exacerbationen wüthender, und ihm parallel geht Licht- 
scheu mit Thränenfluss einher. 

Sehr häufig ist diese Form der Keratitis in Combination mit 
Iritis, in seltenen Fällen mit Entzündung der Ader- und selbst der 
Netzhaut. In solchen Fällen sind dann natürlich auch die Erscheinungen 
gemischt mit denen, welche diesen letzteren Affektionen zukommen. 

§ 224. Die Ursachen sind höchst different, und in den meisten Fällen 
völlig unbekannt, daher denn, wie bei anderen Formen der Keratitis, die 
Scrofulose oder Rheuma als Causalmoment angenommen werden. 

Abgesehen von diesen Fällen ist wohl am häufigsten eine mechanische 
Verletzung des Augapfels die Ursache, namentlich ein den Bulbus treffender 
Schlag, Stoss mit oder ohne oberflächlichen Substanzverlust, ferner verschiedene 
Arten von Wunden, selbst ganz reine, wie sie zum Beispiel bei der Operation 
des grauen Staares oder der künstlichen Pupillenbildung gesetzt werden 13 °. 

§ 225. Die Krankheit, so plötzlich sie häufig eintritt und so reissende 
Fortschritte sie macht, nimmt, nachdem sie ihren Höhenpunkt erreicht hat, ganz 
gewöhnlich einen sehr schleppenden Verlauf, der jedoch nicht so sehr dem 
Entzündungsprocesse selbst, als vielmehr den weiteren Metamorphosen des 
Exsudates selbst auf Rechnung zu setzen ist. 

§ 226. Nur für den Fall, als der Process zurückgeht, ehe das Exsudat 
sich in einen festeren Kern und weichere Hülle geschieden hat, ist an eine 
baldige Herstellung zu denken, die Gefässe treten zurück, das Exsudat ver- 
schwindet durch Resorbtion und der Augapfel geht seiner völligen Herstellung 
entgegen. 

Sobald sich aber das Exsudat bereits mehr differenzirt hat, 
und diesen seinen Zustand durch wolkige oder fleckige Zeichnung zu erkennen 
gibt, ist der Process immer ein Wochen, ja Monate andauernder, denn erstens 
ist ja diese Differenzirung selbst schon ein Process, der Zeit in Anspruch 
nimmt, und zweitens ist die Reduction auf den normalen Zustand um so schwie- 
riger, je mehr Masse zu resorbiren und je schwerer dieselbe auf den zur 
Resorbtion geeigneten Status zu bringen, d. i. je consistenter sie ist. Es 
scheint, als ob die Exsudatmasse selbst als ein Reiz wirke, und die Congesf ions- 
erscheinungen in den anliegenden Gebilden unterhalte, anderseits aber ist die 
Herbeischaffung des zur Lösung bestimmten flüssigeren Substrates ohne ab- 
norme Stimmung des ganzen Vegetationsprocesses der Cornea schwer denkbar, 
daher geht denn auch die Vascularisation älterer festgewordener Exsudatab- 
lagerungen ganz gewöhnlich unter mehr minder heftigen Reizerscheinungen einher. 



90 Herpes cornealis. 

Während dieses Umstaltungsprocesses des Cornealexsudates sieht man 
häufig die Form der trüberen Parthien, und mit ihr die Gefässvertheilung 
wechseln, es zerfallen Flecke und Wolken in einzelne gegenseitig getrennte 
Flöckchen und Häufchen, ja einige Male sah ich ringförmige Gestalten sich 
herausbilden mit lichterem Centrum. Die Gefässe verschwinden sodann an 
den lichter gewordenen Parthien und lassen nur manchmal kleine Pigment- 
flecke zurück, während sie an den Grenzen der neu entstandenen Figuren nicht 
selten an Menge und Dichtigkeit zunehmen. 

Man hat dieses Zerfallen der Trübungen in kleinere Parthien mit Recht 
als ein die Resorbtionsthätigkeit beurkundendes, somit günstiges prognostisches 
Moment hervorgehoben. 

Natürlich ist das Verschwinden der Trübungen ein bald vollständigeres, 
bald minder vollkommenes, das Exsudat geht weitere Metamorphosen 
ein. Besonders die massigeren, Abscesse nachahmenden Ablagerungen bieten 
wenig Hoffnung auf gänzliche Herstellung des normalen Zustandes, obwohl in 
manchen Fällen unter Anwendung geeigneter Mittel die Resorbtionskraft alle 
Hoffnungen überbietet. 

Das Exsudat zerfällt mitunter ganz oder theilweise in Eiter, der 
durchbohrt und Geschwüre erzeugt oder eindickt und verkalkt. In der Regel 
aber umstaltet sich das Exsudat zu einem festen, faserigen Gefüge, das an der 
Oberfläche Pigmenthäufchen erkennen und selbst nach langer Zeit des Bestehens 
noch Gefässchen an der Oberfläche und in seiner Tiefe nachweisen lässt. In 
einzelnen Fällen geht auch der Exsudationsherd die Fettmetamorphose ein, ein 
Theil resorbirt sich und der andere schrumpft, nicht selten verkalkend. 

Gleichzeitig stellt sich manchmal, besonders wenn auch die Iris, oder die 
Ader- und Netzhaut mitleidend waren, Schwund des Augapfels und somit 
auch der Cornea ein. 

Vor Wölbungen der Cornea in Folge der Keratitis vascularis paren- 
chymatöse et profunda sind selten. 

Dritter Artikel. 

Der Herpes cornealis. 

§ 227. Es gibt vielleicht keine Augenkrankheit, welche so häufig be- 
schrieben, so mannigfaltig benannt, und dabei so falsch gedeutet wurde, als der 
Herpes cornealis. Bald als Rindehautentzündung, bald als Keratitis, bald als 
Exanthem, bald als Tuberkel geschildert, findet man ihn theils mit anderen 
ganz differenten Krankheitsformen zusammengeworfen, bald in seinem eigenen 
Fleische zerstückelt und seine Fetzen diesem oder jenem Krankheitsbilde ein- 
verleibt. Es konnte dieses auch nicht anders kommen bei der proteusähnlichen 
Gestalt des Herpes, bei dem früheren niederen Stande der Dermatopathologie 
und bei der Hartnäckigkeit, mit der sich kleine Geister der naturhistorischen 
Forschungsmethode der neueren Schule entgegenstemmen. 

§ 228. Der Herpes ist eine, ihrem Wesen nach acut und typisch ver- 
laufende, durch öftere Nachschübe häufig einen chronischen Decurs simulirende 
Krankheit, welche unter der Form eines brennenden oder stechenden Schmerzes 



Symptomatologie. 91 

an der peripheren Ausstrahlung eines sensitiven Nervenastes beginnt, und erst 
später objektiv in die Wahrnehmung tritt, indem an den ausser sten Endpunkten 
des afficirten Nervenzweiges an der Überfläche der äusseren Haut oder einer 
Schleimhaut einzeln stehende oder gruppig gehäufte Exsudatherde abgelagert 
werden, welche je nach der Beschaffenheit des Produktes bald als serum- 
erfüllte Bläschen, bald als Knötchen erscheinen, und ihren Sitz niemals in dem 
Stroma eines Follikels haben 132 . 

229. Alle diese Charaktere finden sich nun in ganz eclatanter Weise an 
jener Form der Ophthalmie repräsentirt , welche ich als Herpes cornealis 
bezeichne. Die etwa vorkommenden Modificationen sind einfach die Folge 
der Verhältnisse, unter welchen sich das Exsudat auf der Binde- und Hornhaut 
befindet. 

§ 230. Es geht der Cornealeruption ein mehr minder heftiger, brennen- 
der oder stechender Schmerz, verbunden mit einem entsprechenden Grade 
von Lichtscheu voraus. Die Cornea erscheint glänzender, als in der Norm, 
die Thränenabsonderung und die Epithelialabschürfung der Conjunctiva und 
Cornea ist vermehrt. 

§ 231. Nach einem oder zwei Tagen, wohl auch noch später, erhebt 
sich auf dem Bindehautsaume oder im Bereiche der Cornealoberfläche selbst 
ein, selten mehrere Bläschen oder grauliche Knötchen von mohn- bis 
hirsekorngrossem Umfange. Nur selten kommt es nicht zu dieser Anhäufung 
des Exsudates und es etablirt sich bloss eine mehr weniger ausgebreitete sulz- 
ähnliche gleichmässige oder feinwolkige Trübung. 

Die Bläschen und Knötchen, wenn deren mehrere gleichzeitig oder kurz 
nach einander aufschiessen, sind entweder auf verschiedene Punkte des Limbus 
conjunctivalis und der Cornealoberfläche zerstreut, oder aber stehen sie 
gruppenweise beisammen, und falls sie auf den Bindehautsaum concentrirt 
sind, umgreifen sie in einer Beihe einen kleineren oder grösseren Bogen des 
Cornealrandes, oder aber bilden in seltenen Fällen einen ununterbrochenen, 
unregelmässigen Kranz rings um die Cornealperipherie. 

Die Bläschen führen anfänglich einen ganz wasserhellen Inhalt, und 
ihre molkige Trübung rührt von der Veränderung des emporgehobenen Epithels 
her. Doch bald wird der Inhalt selbst trüblich, grau, weissgrau und geht 
endlich in eine dem Eiter ähnliche gelblich gefärbte Flüssigkeit über, während 
gleichzeitig durch Trübung der, ihre Basis umfassenden Epithelialparthie und 
durch Ablagerung eines sulzigen, allmälig sich condensirenden Exsudates an 
der Oberfläche der Cornea ein schmaler Halo entsteht, auf dem das Bläschen 
selbst aufsitzt, und welcher bei einer Mehrheit gruppig gehäufter Bläschen 
mit den Höfen anliegender Efflorescenzen zusammenfliesst und so eine gemein- 
schaftliche Basis abgibt, die nicht selten binnen kurzer Zeit ein reichliches 
Blutgefässnetz anbildet, aus dessen rundlichen Maschen die einzelnen Bläschen 
sich erheben. 

Falls statt Bläschen die Eruption unter der Form von Knötchen zu 
Tage geht, sieht man anfänglich grau-weisse flache Hügelchen, welche allmälig 
ihre Farbe in reineres Weiss oder in gelblich-weiss umwandeln, und dabei an 
Masse gewinnend, mehr und mehr hervorspringen, kleine Kegelchen bilden, die 
entweder mit breiter Basis der Cornealoberfläche aufsitzen oder zapfenähnlich 



92 Herpes cornealis. 

in das Parenchym der Cornea in verschiedene Tiefe eindringen, und ringsum 
von einem graulich durchscheinenden Hofe von trübem Epithel und trüblichem 
Exsudate umgeben sind, welches, so wie bei der Bläschenform des Exanthemes, 
mit den Höfen anstehender Knötchen vereinigt gleichsam einen gemeinschaftlichen 
Blüthenboden abgibt, in dem oft sehr bald Gefässe auftreten, welche unter 
einander anastomosirend die einzelnen Knötchen an ihrer Basis umfassen, und 
nicht selten auch Zweigelchen auf die Oberfläche der Knötchen senden, wenn 
das Knötchen nicht bei Zeiten die eitrige Metamorphose durchmacht. 

In den Fällen, in denen es nicht zum Ansätze von Bläschen und Knötchen 
kommt, tritt der Herpes cornealis unter der Form einer Keratitis vas- 
cularis superficialis auf, es trübt sich nach vorhergegangener Sensibilitäts- 
störung eines oder des andern Ciliarnerven eine oder die andere Parthie der 
Cornealoberfläche sulzähnlich, öfters auch mit fein wolkiger Zeichnung und 
bald durchziehen mehr minder dichte Gefässconvolute die alterirte Stelle, auf 
welcher nicht selten erst durch spätere Eruptionen die dem Herpes eigen- 
thümliche Bläschen- und Knötchcnbildung zum Vorschein kömmt. 

§ 232. Die mikroskopische Untersuchung der Eruption liefert 
so mannigfaltige Resultate, als die äussere Form des Exanthemes selbst ist. 

Die äussere Hülle der Bläschen und der oberflächlichste 
Theil des Halo besteht durchwegs aus Epithelzellen mit Kernen und einem 
trüben, äusserst fein granulirten, nicht selten auch mit gröberen, dunklen 
Punkten durchstreuten Inhalte, und dieses ist namentlich der Fall, wenn das 
das Bläschen füllende Fluidum bereits durch Ditferenzirung seiner plastischen 
Besfandtheile und durch Kern- und Zellenbildung seinen ursprünglichen Wasser- 
bällen Zustand mit einem molkigen, milchigen oder gar eiterähnlichen Aus- 
sehen vertauscht hat. Dann ist auch das Epithel des Halo schon gewöhnlich 
durch Exsudat von der obersten Corneallamelle abgehoben, und es finden sich 
alsdann alle jene mikroskopischen Elemente, welche als der oberflächlichen 
Keratitis mit Gefässbildung eigenthümlich geschildert wurden. 

In dem Maasse, als sich der Bläscheninhalt trübt, gewinnt das an- 
fänglich ganz wasserhelle, höchstens mit einigen dunkleren Molekülen durch- 
streute Fluidum an sichtbaren festen Bestandteilen, es erscheint anfänglich wie 
eine Emulsion, bestehend aus Miriaden ganz feiner, staubähnlicher, lichter und 
graulicher Moleküle, die in einer wasserhellen Flüssigkeit suspendirt sind. Nach 
und nach entstehen dunkle Punkte, die sich coacerviren, Häufchen und endlich 
Kerne mit deutlich unterscheidbarer, häutiger Hülle und einem trüben, grauen 
Inhalte und dunklen Kernkörperchen. Dann gewinnen die Kerne doppelte 
Contouren, es entwickeln sich Kernzellen mit ganz lichten Contouren, einem 
lichten, fein granulirten, trüben Inhalt und sehr grossen Kernen der genannten 
Form, bis endlich auch der Zelleninhalt sich weiter differenzirt, dunkle Moleküle 
und Feltbläschen anschiesst und die reine Eiterzelle darstellt. Mit der Ver- 
mehrung dieser Zellen hat dann auch der Bläscheninhalt schon die Farbe des 
reinen Eiters angenommen und durch Absonderung einer strukturlosen, fein 
granulirten, schmierigen Placenta, welche dem Bläschengrunde anhaftet, alle 
Charaktere des Eiters acquirirt, mit Ausnahme der Körnchenzellen, welche ich 
bisher in diesem Stadio des Herpes noch nicht fand, obwohl sie nicht gänzlich 
fehlen mögen. In diesen vorgerückten Epochen ist dann auch der anfänglich 



Anatomische Charaktere, begleitende Erscheinungen. 93 

ganz normale Grund des Bläschens trüber geworden, nach Entfernung der auf- 
lagernden Exsudatplacenta findet man die oberflächlichsten Corneallamellen 
sulzig trübe, gelockert, von einem lichten, sehr fein granulirten, gelatinösen 
Produkte durchdrungen, von eigentlichen Formelementen aber nur dunkle 
Körnchen discret und in Häufchen coacervirt. 

Die Knötchen bestehen aus einer oberflächlichen Lage trüben Epithels, 
das alle Charaktere jugendlichen Alters darbietet, aus gekernten, polyedrischen 
Zellen mit trübem Inhalte und grossen Kernen zusammengesetzt wird. Darunter 
sind mehr keulenförmige und eckige Zellen, die durch eine deutlich wahr- 
nehmbare, graue, trübe, schmierige, fein granulirle Grusidmasse zusammenge- 
halten werden, in der sich alle Entwickelungsstul'en von dem einfachen dunklen 
Molekül bis zum Kerne eingestreut und nicht seilen auch mit jungen Blut- 
körperchen gefüllte, wandungslose Hohlräume verschiedener Gestalt gefunden 
werden. Darunter nun kommt die Hauptmasse der Efllorescenz, eine schollige, 
halbweiche, strukturlose Substanz mit hyaliner Grundlage und eine Unzahl der 
feinsten, kaum wahrnehmbaren Stäubchen, halb-dunklen, punkt-ähnlichen Mo- 
lekülen und dunkleren Körnchen. Diese Masse setzt sich durch alle Schichten 
fort, der an der Hinterfläche des Knötchens mitunter vorfindige Zapfen besteht 
wesentlich daraus, ich konnte bis jetzt aber aus .Mangel von Fällen nicht darüber 
ins Beine kommen, ob in diesem Stadio die einzelnen Blätter der Cornea im 
Bereiche des Zapfens schon durchbohrt seien oder aber ob das Exsudat die in 
ihrer Integrität bestehenden Lagen der Hornhaut durchsetzt und sofort der 
Zapfen aus einer Beihe von hinter einander gelagerten allmälig an Umfang 
abnehmenden Exsudatlagen besteht. Es dünkt mir wahrscheinlich, da ich 
dieses Verhalten bei dem Hofe des eitrig zerfallenden Zapfens und der dadurch 
gesetzten Durchbohrung der Cornea fand, und überhaupt alle parenchymatösen 
Exsudate der Cornea geschichtet sind. 

Dort, wo das Exsudat ein mehr gleichmässig vertheiltes ist, 
und nicht eine dem Herpes eigentümliche Efllorescenz gebildet hat, ist der 
mikroskopische Befund derselbe, als der, welcher der Keratitis Simplex und der 
Keratitis mit Gefässbildung zukömmt, und dem entsprechend ist auch das äussere 
Ansehen der afficirten Stelle ein diesen Formen zukommendes. 

§ 233. Die begleitenden Erscheinungen sind so mannigfaltig 
nüancirt, als es die äussere Form des Exanthemes selbst ist. Sie sind theils 
rein nervösen Charakters, theils in Circulationsstörungen der blutführenden 
Organtheile des Auges begründet. 

§ 234. Ich sagte bereits, dass die Krankheit mit einem brennenden 
oder stechenden Schmerzen im Auge, mit Lichtscheu und ihren stetigen 
Begleitern, Lidkrampf und Thränenlluss beginne. Der Grad dieser Symptome 
ist ein sehr diverser. 

In vielen Fällen lässt der Schmerz und die Lichtscheu nach, sobald sich 
die eigentümliche Efllorescenz gebildet hat, die Exsudation geht ihre Phasen 
durch, ohne dass der Kranke weiter sehr belästigt würde, es wäre denn durch 
das Gefühl eines fremden Körpers im Auge und durch einige Empfindlichkeit 
gegen grelles Licht. Namentlich bei erwachsenen Individuen findet sich diese 
Erscheinung, ausnahmsweise aber auch bei Kindern. 

Grösstentheils aber bestehen der Schmerz und die Lichtscheu fori, und 



94 Herpes cornealis. 

dieses ist namentlich der Fall, wenn sich die Eruption der charakteristischen 
Bläschen oder Knötchen lange Zeit hinauszieht, und die Krankheit eine Keratitis 
superficialis vasculosa simulirt. Mit der Erscheinung der eigenthümlichen 
Efflorescenz ist dann häufig die nervöse Aufregung vorüber, es wäre denn dass 
sich neue Nachschübe vorbereiten. 

Der Schmerz und die Lichtscheu gehen immer einander parallel, die 
Heftigkeit des einen entspricht der Intensität der anderen, denn es ist gewiss, 
dass der Schmerz mit der Lichtscheu eine und dieselbe Quelle habe, Schmerz 
und Lichtscheu bezeichnen hier dasselbe Symptom, der erste bei 
Mangel an objektiver Lichteinwirkung, der andere bei deren Vorhandensein. 
Sie variiren in den verschiedensten Graden von leichter Schmerzhaftigkeit beim 
Eindringen eines grösseren Lichtquantums in das Auge, bis zu der Unverträg- 
lichkeit gegen die allergeringste Lichtmenge, und wüthenden Schmerzen selbst 
bei absolutem Mangel allen Lichtes, sodass der Kranke in dem finstersten 
Zimmer den verborgensten Ort sucht und mit Gewalt seine Augen gegen irgend 
einen Gegenstand drückt um einigen Grad von Erleichterung zu suchen. 
Schmerz und Lichtscheu sind immer remittirend, nicht selten vollkommen inter- 
mittirend, ohne dass sich jedoch eine ganz bestimmte Regelmässigkeit in den 
Exacerbationen und Paroxysmen nachweisen liesse. Meistentheils sind sie 
jedoch des Morgens heftiger und halten so den quotidianen Typus ein. Doch gibt es 
auch Fälle, in denen die Anfälle mehrere Tage aussetzen, und so einen tertiären, 
quarterneren, selbst acht- und vierzehntägigen Typus mit Schwankungen einhalten. 

§ 235. Ganz charakteristisch sind häufig die Circulationsstörungen 
in der Conjunktiva und dem episcleralen Gewebe. 

Gewöhnlich entwickeln sich kurz nach dem Auftreten des charakteristischen 
Schmerzes und der Lichtscheu, noch vor dem Sichtbarwerden der Efflorescenz 
einige Gefässe in der Bindehaut, die unter der Uebergangsfalte hervortretend 
gegen den Cornealrand streichen und sich allmälig vermehrend und ausdehnend 
ein Bündel construiren, welches die Form eines Streifens, häufiger aber 
die eines Fächers annimmt, dessen Basis in der Uebergangsfalte, die Spitze 
aber an dem Cornealrande ansteht. 

Sitzt die Efflorescenz auf dem Bindehautsaume, so fällt ihre Basis und die 
Spitze des Gefässbündels constant zusammen, die Efflorescenz entwickelt sich 
an dem centralen Ende des Gefässbündels. 

Sitzt aber das Bläschen oder Knötchen im Bereiche der Cornealvorder- 
fläche, so erscheint das Gefässbündelchen am centralen Bande des Bindehaut- 
saumes abgestutzt und es führt eine Brücke sulzig getrübter Cornealsubstanz 
zu der Efflorescenz hinüber. Bald, oft wenige Stunden nach Auftreten dieser 
Trübung entwickeln sich Gefässe darin, und diese erscheinen gleichsam als 
Fortsetzungen der Conjunctivalgefässe, das Gefässbündel scheint sich über die 
Cornealoberfläche bis zu der Efflorescenz hinüber zu ziehen. 

Häufig aber ist nicht Ein isolirtes Gefässbündel entwickelt, die Con- 
junctiva bulbi ist ihrer ganzen Ausdehnung nach von erweiterten, 
centripetal laufenden Gefässen und Gefässbündeln durchzogen, und dann 
sind auch gewöhnlich mehrere Efflorescenzen an verschiedenen Stellen der 
Cornea zu bemerken. Zugleich ist die Bindehaut sichtlich serös inflltrirt, etwas 
geschwellt, ja nicht selten finden sich ganz ähnliche, wasserhelle Bläschen auf 



Begleitende Erscheinungen. 95 

derselben, die durch Erguss wässeriger Lymphe und durch sofortige Empor- 
hebung des Epithels entstanden, dieselben Charaktere darbieten als die gleichen 
Efflorescenzen der Cornea, sie entleeren, wenn sie angestochen werden, ihren 
ganzen Inhalt. 

Die Lid bind ehaut zeigt fast immer die Erscheinungen des Catarrhs. 
Es sind die Follikel geschwellt, bieten nicht selten die Charaktere eines leichten 
partiellen Trachomes dar und es variirt das von der Conjunctiva gelieferte 
Secret. Es ist wesentlich ein mit Thränen gemischter Schleim, der sich unter 
dem Mikroskope als eine strukturlose, schmierige, durchscheinende, äusserst 
fein und licht granulirte Masse zu erkennen gibt. Darin findet man viel 
Meibomsches Fett in Gestalt grösserer und kleinerer Klümpchen, die aus dunklen 
Körnchen und sehr dunkel contourirten Bläschen mit ganz lichtem Inhalte be- 
stehen. Sehr häufig stösst man auf Plaques älteren Epithels als Conglomerate 
sehr scharf und dunkel begrenzter, polyedrischer, platter, fast ohne Zwischen- 
substanz an einander gelagerter Zellen mit wasserhellem Inhalte, in welchem 
mehr weniger dunkle Körnchen eingestreut sind und welcher constant einen 
dunklen Kern mit Kernkörperchen einschliesst. Weit mehr aber tritt junges 
Epithel zum Vorschein in zusammengehäuften, rundlichen, ovalen, häufig auch 
keuligen, geschwänzten, spindeligen Zellen diverser Grösse, mit sehr lichten 
Contouren, einem graulichen, fast homogenen Inhalte, in welchem nur einzelne 
dunklere Moleküle schwimmen, und ein grosser, sehr lichter Kern mit halb- 
dunklen Körnchen eingeschaltet ist. Eiterzellen und Eiterkerne findet man 
nur bei sehr ausgesprochenem, combinirendem Catarrh. 

Das Episcler algewebe ist stets in grösserem oder geringerem Um- 
fange congestionirt, geschwellt von serösem, häufig auch sulzälmlichem, 
mehr consistentem Infiltrate. Im Falle partieller Congestion ist das rosenrothe 
Gefässnetz an jene Stellen gebunden, an welchen die oberflächlichen Con- 
junctivalgefässe verlaufen, es ist somit auch hier blos ein Streifen des Subcon- 
junctivalgewebes alterirt. In der Gegend des Scleralwulstes findet man immer 
die Congestion am bedeutendsten, es tritt ein Segment desselben in Gestalt 
eines rosig gerötheten, erhabenen Wülstchens hervor, über dessen Mitte das 
Gefässbündel der Conjunctiva hinwegtritt. Aus dem centralen Bande desselben 
treten Gefässchen hervor, welche sich häufig gabelig theilen, einen grösseren 
oder kleineren Kreisbogen der Cornea umschreiben und zuletzt in den Con- 
junctivalsaum übergehen um mit den Gefässen der Cornealtrübung zu com- 
municiren. 

Die Injektion und Schwellung des Episcleralgewebes ist constanter als es 
jene der Conjunctiva selbst ist. Die erstere fehlt niemals wo die letztere zu- 
gegen ist, häufig aber findet man in der Bindehaut gar keine oder doch nur 
wenige einzeln ziehende Gefässe, während das Subconjunctivalgewebe deutlich 
die Circulationsstörung erkennen lässt. 

Die Congestion und Infiltration der Bindehaut und des ihr unterliegenden 
Zellgewebes steht durchaus nicht immer in Proportion zu der Grösse der Nerven- 
aufregung. Schmerz und Lichtscheu können in den höchsten Graden schwanken 
und die Congestionserscheinungen kaum merkbar sein und umgekehrt ist oft 
die Injection und Schwellung der Conjunctiva und des episcleralen Gewebes 
eine sehr ausgesprochene, während die nervösen Symptome nach Auftreten der 
eigenthümlichen Efflorescenz ganz in den Hintergrund treten. Wo aber beide, 



96 Herpes cornealis. 

die Nervenaufregung und Circulationsstörung, gleichzeitig vorhanden sind, lässt 
sich ihr gegenseitiger Causalnexus nicht verkennen, indem mit den Exacer- 
bationen und Paroxysmen des Schmerzes und der Lichtscheu constant eine 
Vermehrung der Injektionsröthe einhergeht. 

§ 236. Es gibt indess auch genug Fälle, in welchen das Exanthem der 
Cornea weder von nervösen Symptomen noch mit Circulations- 
störungen der blutführenden Organe sichtbar begleite! wird, der Schmerz 
tritt mit dem Erscheinen der Efflorescenz zurück, und diese steht ganz isolirt, 
rings umgeben von ganz normalem Cornealparenchym, sie ist das einzige 
Merkmal eines auf dem Bulbus vor sich gehenden krankhaften Processes. 

§ 237. Jede einzelne Efflorescenz verlauft typisch, der 
Cyclus des sie bedingenden specifischen Processes ist innerhalb acht Tagen 
vollendet. Die weiteren Metamorphosen nach Ablauf dieses Zeitraumes sind 
nicht mehr typisch, sie sind dieselben, welche Produkte anderer krankhafter 
Processe unter den gegebenen Verhältnissen durchzumachen pflegen, und es 
kommt daher auf die Constitution des durch den specifischen Process gelieferten 
Exsudates und auf die Verhältnisse an, unter welchen sich das Exsudat während 
des Ganges und nach Ablauf des specifischen Processes befindet, diese Momente 
bestimmen die weiteren Phasen und mit diesen die Modifikationen des Krank- 
heitsbildes, des Verlaufes und der gesetzten Folgezustände. 

§ 238. Daher sehen wir denn auch den Herpes cornealis Formen 
und einen Verlauf nehmen, die dem Herpes auf der äusseren 
Haut nicht zukommen, ihre Analogie aber in den Localisationsheerden 
auf Schleimhäuten finden. 

Das herpetische Exsudat wird niemals in das Stroma eines Follikels ab- 
gesetzt, es ist an das periphere Ende einer Nervenröhre gebunden, und er- 
scheint daher auf der allgemeinen Decke und auf Schleimhäuten constant unter 
dein Epithel im Bereiche eines Tastwärzchens. Gleiches gilt nun auch von 
dem Herpes cornealis, sein Produkt erscheint immer am meisten an der Ober- 
fläche zusammengehäufl, und erhebt das Epithel in Gestalt von Bläschen und 
Knötchen, es wäre denn, dass es nicht zur Anbildung der eigenthümlichen 
Efflorescenzen käme, sondern das Exanthem eine oberflächliche Keratitis mit 
Gefässbildung nachahmt, ein Verhalten, welches auch auf der äusseren Haut 
sein Analogon in der Entwickehmg scharf umgrenzter Congestionsheerde mit 
Infiltration ohne Anschiessen von Bläschen oder Knötchen findet. 

Die Zartheit des Cornealepithels bedingt nun häufig Abweichungen 
in der specifischen Form des herpetischen Exanthemen, namentlich 
wenn das Exsudat ein flüssiges ist, und das Epithel in Bläschenform emporhebt. 
Da nämlich das herpetische Bläschen einen einzigen Hohlraum darstellt, multiplicirt 
sich der Druck, den jedes Theilchen des gelösten Epithels auszuhalten hat, mit 
der Grösse der Ablagerung, und ein Einriss hat die Entleerung der ganzen 
Efflorescenz und sofort eine totale Gestaltveränderung zur Folge. 

Nicht selten geschieht es, dass das Bläschen schon im Beginne der Ex- 
sudation berstet, ehe diese noch vollendet ist, und das vorläufig abgesetzte 
Produkt irgend welche Metamorphosen einzugehen im Stande war. Es resultirt 
eine seichte Vertiefung, welche von Epithelialfetzen umgeben ist, und im 
Falle die Efflorescenz auf dem Bindehautsaume aufsass, einen gelatinösen Grund 



Formvariotäten. 97 

aufweist, im Falle des Standortes auf der Cornealoberflächc aber eine wasser- 
helle Basis erkennen lässt. Das Exanthem erscheint unter diesen Umständen 
als ein leichter Abschliff der Cornea, als das, was man unter dem Namen eines 
Resorbtionsgeschwüres begreift. Es ist dieses nichts, als eine zu Grunde ge- 
gangene herpetische Efilorescenz mit wässerigem Produkte. Auf diesem Ab- 
schliff dauert nun die Ablagerung des eigentümlichen herpetischen Produktes 
bis zur Vollendung des dem Herpes zukommenden Cyclus fort, der Herpes 
cornealis verläuft unter der Gestalt eines Resorbtionsgeschwüres oder besser 
gesagt unter der Gestalt einer Gornealfacette. 

In anderen Fällen ist das Exsudat gleich von vornherein ein an plastischen 
Stoffen reicheres und zur Differenzirung derselben geneigteres, oder aber das 
Bläschen berstet erst später, nachdem das ursprünglich rohe, serum-ähnliche Ex- 
sudat bereits durch Coagulation seine plastischen Stoffe abgesondert hat. Diese 
lagern sich wie in jedem Exsudationsherde an die Wandungen des Hohl- 
raumes an, und nach Zerstörung der Efilorescenz findet man den Grund des 
Bläschens mit einer mehr weniger dicken Lage trüber schmieriger Masse 
belegt, die, falls der Process noch nicht abgelaufen ist, sich durch neue Ab- 
lagerungen allmälig verdickt und so nach Vollendung des typischen Verlaufes 
als ein speckiges Scheibchen an der Stelle der Efflorescenz erscheint. 

Seltener geschieht es, dass das Exsudat Zeit hat, sich in Eiter umzu- 
wandeln, ehe das Bläschen berstet. Erfolgt dann die Ruptur, so findet man 
den Grund der Efflorescenz mit einer eitrigen Lage bedeckt, der Herpes tritt 
unter der Gestalt eines Geschwürchens in die Bahn der nicht speeifischen 
Folgezustände. 

In gewissen Fällen endlich berstet das Bläschen niemals, der Inhalt geht 
weitere Metamorphosen ein, verdichtet sich durch die Exosmose des flüssigen 
Bestandteiles, das Bläschen schrumpft, und tritt unter der Form eines 
Knötchens aus der Reihe der speeifischen Metamorphosen heraus. 

Das Knötchen hat vermöge der grösseren Plastizität des dasselbe gestaltenden 
Produktes schon an und für sich mehr Bestand, seine weiteren Metamorphosen 
treten fast immer erst lange nach dem Ablaufe des typischen Processes auf, 
sie gehören nicht mehr dem Herpes als solchem zu, sie sind seeundäre Folgen, 
und finden in der Lehre von den Ausgängen ihre Erledigung. Ganz dasselbe 
gilt von jener Form des Herpes, welche als Keratitis mit Gefässbildung auftritt. 

So sehen wir den Herpes cornealis unter den verschiedensten Gestalten 
den Cyclus seiner speeifischen Metamorphosen vollenden, und in die Reihe nicht 
speeifischer Krankheitsformen übertreten, deren Verlauf natürlich nichts weniger 
als typisch und je nach Umständen ein höchst verschiedener, sowohl in Bezug 
auf Zeit als auch in Bezug auf Folgezustände ist. 

§ 238. Nicht weniger als diese Momente ist auch die bekannte eclatante 
Neigung des Herpes zu Recidiven geeignet, den acuten, typischen Verlauf 
des Herpes cornealis zu modificiren und ins Unbestimmte hinaus zu verlängern. 
Nicht selten geschieht es nämlich, dass in kurzen Zeiträumen hinter einander 
ein Bläschen oder Knötchen nach dem andern auftritt, oder aber speeifische 
Efflorescenzen mit diffusen Ablagerungen wechseln, wodurch es scheint, als 
wandere die Efflorescenz von einem Orte zum andern und nehme einen 
chronischen Verlauf. 

Stell wag, Ophthalmologie, I. 7 



98 Herpes cornealis. 

Es sind dieses jedoch stets nur Nachschübe, genaue Untersuchungen 
lehren, dass der Standort jeder Effiorescenz ein unveränderlicher und ihr Ver- 
lauf ein typischer sei, dass aber die Ausgänge mannigfaltig nach den ange- 
gebenen Umständen variiren. 

§ 239. Ganz besonders täuschend ist jene Form, welche Fischer m 
als scrofuloses Gefässbändchen und Pseudogefässbändchen vor- 
trefflich beschreibt. Es entsteht ein Knötchen an irgend einer Stelle des 
Cornealrandes, und ehe es alle seine Metamorphosen durchgemacht hat, erblüht ein 
zweites an dem Rande des ersteren, endlich ein drittes, viertes u. s. w., während 
die vorhergehenden vereitern und Narben setzen, oder in ihrer Organisation 
weiter schreiten, sich allmälig vascularisiren und so einen mit Gefässen durch- 
zogenen, grau-weissen oder gelblich-weissen Streifen darstellen, der gewöhnlich 
nach einer oder der anderen Seite hin gebogen, wohl auch winklich gebrochen 
erscheint. Dadurch wird nun der Verlauf Wochen und Monate hinausgezogen, 
stets ist ein frisches Knötchen an der Spitze des grau-weissen Streifens und 
scheint allmälig vorwärts gerückt zu sein, während es eine neue Effiorescenz ist. 

§ 240. Weit häufiger wird aber durch die öfteren und reichlichen 
Nachschübe des Herpes eine Form gesetzt, welche der Cornea und der Con- 
junctiva gleichmässig zukommt, und von der Prager Schule als Tuberkel der 
Cornea und Sclera geschildert wird 134 , ohne dass sich auch nur ein einziges 
Moment für eine solche Ansicht aufführen lässt. 

Gewöhnlich ist schon die erste Eruption eine reichlichere, eine ganze 
Gruppe von Efflorescenzen entwickelt sich auf einem mehr weniger ausge- 
breiteten, gemeinschaftlichen Boden. Die herpetische Gruppe sitzt zum Theile 
auf der Cornea, zum Theile auf der entsprechenden Parthie des Conjunctival- 
saumes und der Bindehaut. Sie besteht theils aus Bläschen, theils aus 
Knötchen, welche die ihnen eigentümlichen Metamorphosen durchmachen und 
durch diffuses, anfänglich sulzähnliches, später vascularisirendes, selbst granu- 
lirendes Exsudat unter einander verbunden werden. Durch stete Nachschübe 
wird diese Masse fortwährend vermehrt, es erscheint ein grosser Theil der 
Cornealperipherie pannös und später in ein sehnenähnliches Gewebe ver- 
wandelt, auf dem eine Unzahl Gefässe verlaufen, frische Bläschen, Knötchen 
des verschiedensten Alters, Geschwüre unter einander gemischt wahrgenommen 
werden. 

Der Conjunctivalsaum ist ganz unkenntlich geworden, die Exsudatmasse 
der Cornea steht in unmittelbarer Verbindung mit dem ganz veränderten, an- 
liegenden Theile der Conjunctiva und des subconjunctivalen Gewebes, es ist 
die Grenze zwischen beiden untergegangen. Die letzteren Gebilde sind durch 
eingelagertes Exsudat bedeutend geschwellt, oft linienhoch über das Niveau 
der übrigen Conjunctiva erhoben und bilden einen nierenförmigen Wulst, dessen 
Hilus unmerklich in das alterirte Cornealgewebe übergeht, während der convexe, 
unregelmässig zackige Rand nach aussen sieht und häufig schroff abgegrenzt 
ist von dem mehr peripheren und ganz normalen Conjunctivalgewebe. Dieser 
Wulst umgreift einen grösseren oder kleineren Bogen der Cornea, ist durch 
Entwickelung einer Unzahl von Gefässen tief roth gefärbt und mit einer Anzahl 
hirse- bis hanfkorngrossen Knötchen besetzt, welche bald Sago ähnlich, sulzig 
durchscheinend, bald weiss-grau, Knorpel ähnlich, bald gelblich in der Form 



Pannus herpetica?. 99 

von Eiterpunkten hervorragen, und nicht selten mit wasserhellen, trüben, selbst 
eitrigen Bläschen und mehr weniger ausgebreiteten Geschwüren der ver- 
schiedensten Gestalt durchmischt sind. Aus der Convexität dieses Wulstes 
gehen gewöhnlich mehrere Bündel dicker, stark ausgedehnter Gelasse in centri- 
fugalem Verlaufe zu der entsprechenden Parthie der Uebergangsfalle, in welche 
sie sich einsenken und verschwinden. 

Die mikroskopische Untersuchung dieser Efflorescenz liefert nach 
den verschiedenen Theilen derselben ein sehr verschiedenes Resultat. Die 
Bläschen und Knötchen zeigen dieselben Bestandteile, welche ich bei dem 
Herpes der Cornea in seiner einfachsten Form geschildert habe, und die nach 
dem Alter und der ursprünglichen Constitution des Exsudates mannigfaltig 
wechseln, die Geschwüre lassen alle Elemente des Eiters erkennen. In dem 
vascularisirten Grunde der Efflorescenz findet man junges Epithel, darunter 
Zellen, Kerne im Uebergange zur Kern- und Zellenfaser, selbst entwickelte 
Bindegewebsfasern und blutgefüllte, wandungslose Räume in schmieriger, fein 
granulirter, strukturloser Masse und endlich in der Tiefe ein in Faserspaltung 
begriffenes, starres Blastem, welches den mehr weniger trüben Corneallamellen 
auflagert. Im Bereiche der Conjunctiva ist das Exsudat oberflächlich in eine 
mehr weniger dicke Lage Epithels übergegangen, in denen sich alle möglichen 
Altersstufen nachweisen lassen, und darunter findet sich ein ungemein blut- 
reiches, lockeres, weiches Gefüge, welches als Grundlage altes, wohl ent- 
wickeltes Bindegewebe, die Elemente der Conjunctiva und des episcleralen 
Gewebes, erkennen lässt, in dessen Maschenräume ein reichliches, sulzähnliches, 
trübliches Exsudat ergossen ist, in welchem sich vorfinden alle möglichen 
Zwischenstufen von dem feinsten, lichten, Staub ähnlichen Moleküle zum dunkleren 
Körnchen und Körnchenhaufen, von diesem zum Kerne und zur gekernten Zelle, 
und alle möglichen Uebergangsformationen von der Zelle zur Zellen- und Kern- 
faser bis zu vollständig entwickeltem neoplastischem Bindegewebe. In diesem 
Gefüge eingebettet nun finden sich die dem Herpes eigentümlichen Bläschen, 
Knötchen und Geschwüre, deren Formelemente dieselben sind, welche ich als 
den Efflorescenzen der Cornea zukommend geschildert habe. 

Die constiluirenden Elemente dieser Efflorescenzen gehen ihren eigen- 
thümlichen Gang, ihre weiteren Phasen variiren nach den oben angegebenen 
Momenten. 

Die Metamorphosen desjenigen Exsudattheiles, welcher zur Bildung des 
gemeinschaftlichen Bodens der Efflorescenzen verwendet wird, sind aber immer 
ganz bestimmte, in der Cornea entwickelt er sich auf dem Wege der Faser- 
spaltung, theils auf jenem der Zellentheorie, in der Conjunctiva und dem ihr 
unterliegenden Zellengewebe aber allein nach der Zellentheorie zu höheren 
Organisationsstufen. Es scheint als ob die Exsudation dieser Massen nicht so 
sehr dem specifischen Processe, als vielmehr dem mit ihm gesetzten Reize der 
nachbarlichen Gebilde auf Rechnung zu schreiben sei, wodurch es geschieht, 
dass in der Conjunctiva Blutstase, in der Cornea aber jene Momente herbei- 
geführt werden, welche dem Auftreten der Keratitis überhaupt zu Grunde 
liegen, mit andern Worten, das Zustandekommen des Exsudationsherdes, 
welcher die specifischen Efflorescenzen des Herpes umfasst und deren Grund- 
lage bildet, scheint bezüglich seiner letzten Ursache den gewöhnlichen Ent- 
zündungen der Cornea und des Bindegewebes identisch, nicht specifisch zu 

7. 



100 Herpes cornealis. 

sein. Aus dieser Ursache möchte ich diese Form des Herpes Pannus her- 
peticus nennen, er kommt dem bereits Mitgetheilten zufolge mit den Er- 
scheinungen der einfachen Keratitis Yascularis superficialis seu Pannus überein, 
und unterscheidet sich nur durch seine Ursache und durch seine stete Com- 
bination mit herpetischen Efflorescenzen. 

Die Sclera ist stets vollkommen gesund, der neugebildete Wulst lässt sich 
auf ihr etwas verschieben, und das Wesen des Exsudates ist nichts weniger 
als Tuberkel, die Benennung „Tuberkel der Sclera und Cornea" ist also eine 
durch und durch falsche, und die Greirung eines Namens geboten, was mich 
in dieser Hinsicht entschuldigen möge. 

§ 241. Nach Vorausschickung der Symptomatologie scheint es mir 
zweckmässig, auf den eigentlichen Vorgang bei der Exsudation, auf das Wesen 
des Processes selbst einzugehen. Es liesse sich hier der Knoten sehr 
leicht zerhauen, indem man die geschilderte Krankheit als Herpes, das ist als 
ein Exanthem hinstellt, welches seiner Natur nach in Alteration eines Nerven- 
zweiges begründet ist. Vom naturwissenschaftlichen Standpunkte ausgehende 
Forschungen können sich aber mit Aufstellung eines Dogmas nicht beruhigen, 
sie erfordern eine allseitige Beleuchtung und gründliche Analyse aller charak- 
teristischen Momente, nur auf diese hin bauen sie ihre Schlüsse. 

Es kommt also darauf an, im Herpes cornealis die Selbstständigkeit des 
nervösen Krankheitsmomentes, die Abhängigkeit der äusserlich wahrnehmbaren 
Erscheinungen von demselben darzulhun und auf diese Weise die Analogie mit 
dem Herpes auf anderen Theilen der Körperoberfläche, mit dem Herpes zoster, 
labialis, progenialis etc. nicht nur aus der Aehnlichkeit des objektiv Wahr- 
nehmbaren, sondern auch durch den Nachweis der Identität in dem zu Grunde 
liegenden Processe in Evidenz zu setzen. 

Sensibilitätsstörung ist das erste, das constanteste Symptom der Krankheit. 
Der charakteristische brennende oder stechende Schmerz geht der Circulations- 
störung und der Exsudation stetig voraus, er verschwindet häufig mit dem 
Auftreten der letzteren, im Falle seiner Fortdauer steht er aber der Begel nach 
in gar keinem Verhältnisse zu der Intensität der Injektion und der Menge des 
abgelagerten Produktes, ja er ist gewöhnlich gerade am intensivsten in Fällen, 
in welchen die Circulationsstörung eine ganz unbedeutende und eine palpable 
Produktsetzung noch nicht erfolgt ist. Es lässt sich nach diesen Prämissen eine 
Abhängigkeit der Nervenalteration von Veränderungen in dem Blutlaufe und von 
Exsudation auf keinerlei Weise begründen, der Schmerz und die Lichtscheu 
müssen als der Ausdruck einer primären, selbstständigen Erkrankung einzelner 
Ciliarnervenzweige anerkannt werden und dieses um so mehr, als sie diesen 
ihren Charakter in der Mehrzahl der Fälle durch ganz auffällige, nicht selten 
typische Intermissionen auf eine eclafante Weise bethätigen. 

Umgekehrt lassen sich aber eine Anzahl Momente anführen, welche eine 
Begründung der Exsudation und der Circulationsstörungen in der nervösen 
Affektion mehr als wahrscheinlich machen. Wir sehen das herpetische Exsudat 
sehr häufig ganz frei auf der Cornea stehen, rings umgeben von ganz normalen 
fiewebetheilen, ohne dass sich auch nur eine Spur einer Congestion in den 
nachbarlichen Gebilden eruiren und die Produktbildung sofort auf Entzündungs- 
stase zurückfuhren liesse. Es bleibt also nur das nervöse Moment als Grund 



Wesen des Coraealherpes. 101 

der pathologischen Veränderung annehmbar, und wir sind zu dieser Erklärung 
selbst in den Fällen gezwungen, in denen sich die Injektionsröthc der an- 
liegenden blutführenden Organe deutlich nachweisen lässt, denn die Kxsudation 
elablirt sich der Regel nach, nicht wie in der Entzündung, im Cenlrum des 
Congestionsherdes, sondern fast constant an der äussersten Grenze, an dem 
Rande desselben, und zwar gewöhnlich an Stellen, an welchen bekanntlich am 
meisten sensitive Nervenzweige enden, d. i. im Rereiche des Linibus con- 
junctivalis. 

Doch wenn sich auch ein Causalnexus zwischen der Circulationsstörung 
und der Exsudation begründen liesse, was nicht der Fall ist, so würde dadurch 
die Annahme des nervösen Momentes als Ausgangspunkt der Krankheit keines- 
falls umgestossen, indem die Congestion und Infiltration der Conjunctiva und 
des episcleralen Gewebes eben nur als Folgezuslände des veränderten Nerven- 
impulses betrachtet werden müssen, weil sie der Regel nach strenge an den 
Verlauf eines oder des andern Astes des Ciliarnervensystemes gebunden eine 
streifen- oder flügelähnliche Parthie der genannten Gewebe einnehmen, und 
ihre Abhängigkeit von der Nervenalteration ganz deutlich durch eine den 
Paroxysmen der letzteren parallel gehende Steigerung nachweisen. 

Die Zunahme der Congestionsröthe und der Schwellung der Conjunctiva 
und des episcleralen Gewebes während der typischen Paroxysmen der Sensi- 
bilitätsstörung ist in manchen Fällen so hervorspringend, dass mehrere Schrift- 
steller dieselben geradezu als Ophthalmia intermittens beschrieben haben. 

Dieses sind die Umstände, welche verbunden mit den anatomischen 
Charakteren der Efflorescenzen mich bestimmten, den Herpes cornealis aufzu- 
stellen. Es liegt ihm eine krankhafte Affektion eines Ciliar- 
nervenzweiges zu Grunde, diese ist das Hauptmoment, alle 
anderen Erscheinungen sind blos Folgezustände. Worin aber 
diese Alteration zuletzt bestehe, das eigentliche Wesen der Krankheit ist bis 
zur Stunde unbekannt. 

§ 242. Es stellt sich demnach die Congestion und Infiltration der Rinde- 
haut und des subconjunctivalen Gewebes als häufige Regleiter des Herpes in die 
Parallele mit jenen Circulationsstörungen und Oedemen, welche man so häufig 
im Ausstrahlungsbereiche hyperästhetischer Nerven, z. R. beim Fothergilschen 
Gesichtsschmerze, bei der Neuralgia frontalis u. s. w. findet. So wie hier die 
Verbreitung der Congestion und des Oedemes in Proportion steht zu der Anzahl 
der affizirten Nervenröhren und ihr Sitz sich genau bindet an das Terrain, in 
welchem der hyperästhetische Theil des Nerven ausstrahlt, dürfte auch der Sitz 
und die Ausdehnung der Congestion und der Infiltration in dem Auge während 
dem Verlaufe des Herpes cornealis mit einiger Wahrscheinlichkeit auf die 
Alteration ganz bestimmter Zweige des Nervensystemes in dem Sehorgane zurück- 
schliessen lassen. 

Es dürfte die Alteration der Conjunctiva und des ihr unterliegenden Zell- 
gewebes abhängig sein von der Affektion jener Zweige des fünften Nerven, 
welche, ohne das Ganglion ophthalmicum zu berühren, in den genannten Organ- 
theilen ausstrahlen; eine Vermuthung, die dadurch an Halt gewinnt, dass sich 
der Herpes im Auge, wenn er mit auffallender Congestion und Infiltration 
der Conjunctiva und des episcleralen Gewebes einhergeht, öfters auch 



102 Herpes comealis. 

mit herpetischen Efflorescenzen an der Peripherie des Nervus frontalis, lacryraalis, 
infraorbitalis etc. combinirt, die dem Herpes zu Grunde liegende Alteration 
betrifft einen grösseren Zweig des Trigeminus, während die Bündelform der 
Injektionsröthe auf die Affektion eines einzelnen Nervenrohres oder doch nur 
weniger Primitivröhrchen in der Conjunctiva und dem episcleralen Gewebe 
hinweist. Jene Zweige des Nervus quintus, welche innerhalb des Augapfels 
verlaufen, können dabei ganz unbeirrt sein, daher unter solchen Umständen 
auch häufig Schmerz und Lichtscheu zurücktreten und nur eine vermehrte Ab- 
sonderung der Thränen als Folge der Irritation der sensitiven Nervenzweige 
der Orbita beobachtet wird. 

Jene Fälle, in welchen sich keine Spur einer Congestionsröthe der Con- 
junctiva vorfindet, und höchstens nur ein kleiner Theil des Scleralwulstes injicirt 
ist, sind nach dem Vorhergehenden begründet in der Alteration der eigentlichen 
Ciliarnerven, die aus dem Ganglion ciliare kommend, die Sclera durchbohren 
und zwischen Sclera und Choroidea zu dem Ciliarmuskel treten, um sich theils 
in diesem, theils in der Iris, theils in der Cornea zu verbreiten. Diese Nerven- 
reiserchen haben natürlich auf die Bindehaut und das subconjunctivale Gewebe 
wenig oder gar keinen Einfluss, es ist daher erklärlich, dass ihre Alteration 
ohne alle sichtbare Injektionsröthe verlaufen oder doch höchstens nur im 
Scleralwulste einige Congestion und Schwellung erzeugen könne, es ist er- 
klärlich, dass die durch sie bedingten Efflorescenzen constant jenseits des Binde- 
hautsauraes dem Centro der Cornea näher stehen, und gewöhnlich tiefer greifen, 
es ist endlich erklärlich, warum gerade die höchsten Grade der Lichtscheu in 
Fällen beobachtet werden, in welchen die Congestionsröthe der Conjunctiva 
und des episcleralen Gewebes wenig oder gar nicht ausgesprochen ist. 

§ 243. So findet die proteusähnliche Gestalt des Herpes comealis ihren 
genügenden Grund in der anatomischen Verkeilung der affizirten Nerven- 
zweige, anderseits sind aber die äusserlich wahrnehmbaren Erscheinungen des 
Herpes ganz geeignet, den grossen Einfluss in klares Licht zu setzen, welchen 
das Nervenleben auf die Vegetation der einzelnen Organe auszuüben im Stande 
ist, besonders aber die Abhängigkeit zu zeigen, in welcher Produkt- 
bildungen in der Cornea zu Störungen des normalen Nerven- 
impulses stehen. 

Wir sehen häufig eine Exsudatbrücke von dem Bindehautsaume zu 
central gelagerten herpetischen Efflorescenzen hinüberziehen, eine Brücke, 
deren Formeleinente mit jenen einer Keratitis mit Gefässbildung vollständig 
überein kommen, und welche durch ihren, streng an den Zug der Corneal- 
nerven gebundenen Verlauf, durch die Schärfe ihrer Bänder und streifige Form 
ihre Begründung in der Alteration des betreffenden Hornhautnerven sehr wahr- 
scheinlich macht. Nimmt man die engen Grenzen der Efflorescenzen hinzu, 
und bedenkt man, dass sich für die Anhäufung des Exsudates an einem ein- 
zigen Punkte kein erklärender Grund in der anatomischen Struktur des Organes 
und in dem Ergriffensein eines bestimmten Organtheiles, z. B. eines Follikels, 
auffinden lässt, so kann man sich kaum des Glaubens erwehren, es sei die Ex- 
sudation eine Folge des krankhaften Impulses, den das periphere Ende des 
afficirten Nervenrohres auf den betreffenden Punkt, als auf sein Emanations- 
ierrain ausübt. 



Wesen, Aetiologie. 103 

Hauptsächlich der Herpes cornealis ist es, welcher es wahrscheinlich 
macht, dass der letzte Grund der Keratitis in Störungen des Nerveidebens zu 
suchen, und selbe als eine von Cireulationsstürungen unabhängige Exsudation 
zu betrachten sei. Ist ja doch der enge Verband, welcher zwischen der Nerven- 
funklion und dein Stoffwechsel der Cornea besteht, nicht nur durch die Trübung 
und Erweichung der letztern bei Beeinträchtigung der Nervenleitung erwiesen, 
sondern auch das Auftreten der Keratitis und von Cornealverschwärungen bei 
Reizzuständen des Nervus trigeminus ausser allen Zweifel gesetzt 135 . 

§ 244. Es geht aus dem Mitgeteilten hervor, wie unrichtig es sei, den 
Herpes im Auge unter dem speciellen Namen einer Conjunctivitis, oder 
besser gesagt, einer Syndesmitis zu beschreiben. 

Es ist zwar wahr, dass in einzelnen Fällen die mit der Circulafionssldrung 
der Conjunctiva einhergehende Exsudation ein mehr plastisches Produkt liefert 
und die Charaktere einer Entzündung im engeren Wortsinne annimmt, wie 
dieses besonders im Pannus herpeticus vorkömmt, ja dass es nicht so selten 
ist, die dem Herpes eigentümlichen Efflorescenzen allein im Bereiche der 
Bindehaut zu finden; jedoch ist dieses nicht Regel, es ist Ausnahme und kann 
sofort als Benennungsgrund nicht dienen. Die Bezeichnung des Herpes als 
Syndesmitis führt nothwendig zu der ganz sonderbaren Inconscquenz, eine Con- 
juhCtivalaffektion zu schildern, welche das Eigentümliche hat, dass dabei die 
Bindehaut ganz gesund sein kann, und dass deren Hauptcharaktere in der 
Alteration anderer Organe gesucht werden müssen. 

Eben so wenig richtig ist die Aufführung des Herpes im Auge als Keratitis, 
denn nicht in allen Fällen erkrankt bei seiner Localisalion die Hornhaut. 
Syndesmitis und Keratitis sind zu enge Begriffe, es sind nur Theilerscheinungen 
des Herpes, sie bezeichnen nur den jeweiligen Sitz, nicht das Wesen der 
Krankheit. Es gibt daher wohl eine Keratitis herpetica und eine Syndesmitis 
herpetica, allein der Herpes ist ausschliesslich weder eine Keratitis noch eine 
Syndesmitis. 

§ 245. Der Herpes ist eine der häufigsten Augenkrank- 
heiten, ja einige Schriftsteller bezeichnen ihn geradezu als das häufigste aller 
Augenübel 136 . 

Der Grundcharakter des Herpes ist Alteration eines sensitiven Nerven- 
astes. Es darf daher auch gar nicht wundern, wenn derselbe hauptsächlich 
bei Individuen betroffen wird, deren Nervensystem sich durch besondere 
Erregbarkeit auszeichnet. Jugendliche Individuen, und vorzüglich Kinder 
von 2 — 7 Jahren mit zartem Körperbau, regem Geiste und auffallender Volu- 
bilität ihres ganzen Wesens bieten die meisten Erkrankungsfälle dar, und der 
Herpes nimmt um so mehr an Häufigkeit und Entwickelung seiner nervösen 
Erscheinungen ab, in je höhere Altersstufen man bei der statistischen Zählung 
emporsteigt. 

Doch auch Erwachsene und selbst Greise sind dem Herpes unterworfen; 
sind doch die Momente, welche das Nervensystem im hohen Grade empfindlich 
zu machen, und sofort die Disposition zu herpetischen Affektionen zu setzen 
vermögen, äusserst verschieden. Die nach Ablauf schwerer Krankheiten zurück- 
bleibende Schwäche und mit ihr verbundene ungemeine Sensibilität ist bekannt, 
und das Auftreten des Herpes an verschiedenen Stellen der Körperoberfläche 



104 Herpes cornealis. 

nach Pneumonien, Typhus u. s. w. etwas sehr gewöhnliches. Das Vorkommen 
des Herpes mit Wechselfiebern hat selbst Veranlassung gegeben, denselben als 
eine wahre Typose zu bezeichnen, namentlich in Fällen, in welchen die 
charakteristischen Efflorescenzen nicht zur Entwickelung kamen, und die ner- 
vösen Züge des Krankheitsbildes besonders hervorstachen. 

§ 246. Am meisten Disposition zu dem Herpes im Auge erzeugen 
jedoch- die acuten exanthematischen Krankheiten, die Blattern, die Masern, der 
Scharlach. Der Herpes cornealis ist nach ihrem Ablauf eine ungemein häufige 
Erscheinung, und es steht sehr zu vermuthen, dass nicht nur die mit dem All- 
gemeinleiden einhergehende Schwächung des Gesammtorganismus und sofort 
sich entwickelnde Reizbarkeit des Nervensystemes, sondern mehr noch der 
innige Consens, in denen die häutigen Decken der Körperoberfläche unter 
einander stehen, wirksame Faktoren bei der Begründung des Herpes seien. Man 
hat den Herpes cornealis unter diesen Umständen als Ophthalmia morbillosa, 
scarlatinosa, variolosa beschrieben, und ihn zusammengeworfen mit Ex- 
sudationsprocessen, welche wesentlich in einer mit diesen Krankheiten einher- 
gehenden Blutentmischung bedingt und als Metastasen zu betrachten sind. Die 
Ophthalmia morbillosa, scarlatinosa und variolosa, welche nach völligem Ablauf 
der genannten Allgemeinkrankheiten auftritt, ist einfach ein Herpes oder ein 
Catarrh, wie er auch auf andern Schleimhäuten vorkömmt. 

§ 247. Aus ganz ähnlichen Gründen finden wir den Herpes auch sehr 
häufig als Begleiter diverser chronischer Hautausschläge, er stellt dann das vor, 
was in den Lehrbüchern als Ophthalmia psorica, serpiginosa, im- 
petiginosa, scabiosa u. s. w. beschrieben wird. Der enge Rapport, in 
welchem die einzelnen Hautsysteme unter einander durch die Vermittelung 
der sensitiven Nerven stehen, macht das Erscheinen des Herpes im Auge, als 
Folge einer Nervenalteration sehr leicht erklärlich. 

Namentlich ist dieses der Fall, wenn der Ausschlag im Gesichte, also in 
dem Aussfrahlungsterritorium des fünften Nerven steht, dann sind auch her- 
petische Efflorescenzen auf der Schleimhaut und Hornhaut des Auges, in der 
Mucosa der Nase und des Mundes sehr häufig. Vielleicht hat die sympathische 
Reizung des Augenastes ihren Grund nicht allein in der den Ausschlag con- 
stiluirenden Entzündung, sondern auch in der Einwirkung des scharfen, 
oft ätzenden Sekretes auf die Endigungen der Hautnerven, 
besonders dürfte diese Annahme begründet sein, wenn durch die Furcht, den 
Ausschlag zurückzutreiben, jeder Tropfen Wasser ängstlich ferne gehalten und 
so dem krankhaften Produkte Gelegenheit geboten wird, sich chemisch umzu- 
wandeln, ranzig, sauer zu werden, oder wenn diese reizende Einwirkung des 
Secretes durch diverse Salben und Pflaster unterstützt wird. Wenigstens sah 
ich bereits zu wiederholten Malen Herpetes auf Stirne und im Auge durch 
Anwendung der grauen Quecksilbersalbe erzeugt werden. 

Die sympathische Reizung trifft aber nicht blos die nachbarlichen Stämme, 
oft bedeckt sich der ganze Körper mit diversen Efflorescenzen, trotzdem der 
ursprüngliche Sitz des Exanthemes auf eine einzige, eng umschriebene Stelle 
beschränkt war. Diese Ausschläge sind dann ganz geeignet, den Kranken 
durch beständiges Brennen, Beissen und Jucken in eine ununterbrochene Auf- 
regung zu versetzen, besonders wenn er der Reinlichkeit nicht pflegt, und in 



Aetiologie. 105 

dorn sich sammelnden Schmutze Schaaren von Läusen und Flohen eine ge- 
müthliche Heimath finden. Der Kranke schabt Tag und Nacht an seinem 
Leichname herum, entbehrt jeder Ruhe, ist es dann sonderbar, wenn das Nerven- 
system in den zum Herpes disponirenden Zustand versetzt wird, und selbst die 
Vegetation des ganzen Organismus gestört, die normale Blutbildung gehemmt 
wird? So sehen wir oft Ursache und Wirkung in ihren secundären Folgen 
sich wechselseitig unterstützen. Wird dann noch mit saft- und kraftlosen 
Speisen nothdürftig das Leben gefristet, der Kranke mit Pulvern gestopft, die 
selbst den gesündesten Magen ruiniren und mit Abgüssen von Pflanzen ange- 
schwemmt, die selbst das Thier auf der Weide sorgfältig meidet, wird ihm der Genuss 
der frischen Luft als verderblich untersagt, und sein ohnehin ganz wunder 
Leib noch aus Menschenliebe mit Vesikantien, Fontanellen und Haarseilen ge- 
schunden, so muss wohl eine riesige Constitution unterliegen, und hochgradige 
Dyscrasien mit allen ihren Folgezuständen, Drüsenanschwellungen, Tuberkel- 
ablagerungen u. s. w. entwickelt werden. So siechen oft früher frische und 
gesunde Kinder elend dahin, wenn sie das Unglück hatten, von einem leichten 
Eczeme befallen zu werden. Es heisst dann der Hautausschlag sei das erste 
Symptom der latenten Dysorasie gewesen. 

§ 248. Ganz dasselbe, was ich von chronischen Hautausschlägen sagte, 
ist nun auch auf das Verhältniss zwischen dem Herpes im Auge und zwischen 
einer zu Grunde liegenden Dyscrasie, besonders der scrofulosen anzuwenden. 

Der Herpes etablirt sich oft in vollkommen gesunden Kindern, er ist das 
erste Krankheitssymptom. Das durch ihn begründete Leiden ist aber ganz 
geeignet, zarte Constitutionen herabzubringen, namentlich wenn in Folge des 
Consenses der äussern Haut noch chronische Hautausschläge, und in Folge 
deren Drüsenanschwellungen u. s. w. in das Leben treten, und der verderbliche 
Einfluss der bereits zu Stande gekommenen Alterationen auf den Gesammt- 
organismus noch künstlich durch das widersinnige diätetische und pharmaceutische 
Verfahren des behandelnden Arztes vermehrt wird. Der Herpes ist so häufig 
die Grundursache der Scrofulose, umgekehrt kann aber die Scrofulose nur als 
ein entfernteres Causalmoment des Herpes betrachtet werden, insofern nämlich 
mit ihr nicht selten ein ganz aulfallender Erethismus des Nervensystems, die 
Disposition zum Herpes einhergeht. Dass diese Eigenschaft des Nervensystems 
und nicht die anomale Blutmischung dem Herpes zu Grunde liege, ergibt 
sich schon einfach daraus, dass der Scrofulosis torpida der älteren Autoren 
eine ganz andere Form der Ophthalmie zugeschrieben wird. 

Es ist also ganz unrichtig, den Herpes als Ophthalmia scrofulosa 
oder Conjunctivitis scrofulosa zu beschreiben, er ist kein Prärogativ der 
Scrofulose, er ist nicht in der scrofulosen Diathese begründet, sondern kömmt 
häufig auch mit andern ganz entgegengesetzten Krasen, z. B. mit der Rachitis 
vor, ja selbst alte Arthritiker sah ich daran leiden. 

Aus der Stabilität des genannten disponirenden Momentes erklärt sich 
auch sehr natürlich die dem Herpes eigenthümliche Neigung zu Recidiven. 
Es enträthselt sich auch aus dem Mitgetheilten der zu Gunsten der Scrofulose 
vielfach ausgebeutete Umstand, dass mit Heilung der Dyscrasie auch die weiteren 
Nachschübe des Herpes hintangehalten werden, denn mit Hebung der Gesammt- 
vegetation verliert sich auch der Nervenerethismus und mit Beseitigung der die 



106 Herpes cornealis. 

Augennerven auf consensuellera Wege reizenden Localübel fällt auch die Ge- 
legenheitsursache zu ferneren Recidiven. 

§ 249. Man hat auch ein zum Herpes des Auges disponircndes Moment 
in dem Wechsel siderisch tellurischer Verhältnisse während der 
einzelnen Jahreszeiten zu finden geglaubt. Wirklich sind die Erkrankungsfälle 
im ersten Frühjahre und in dem Spätherbste häufiger, als zu andern Zeiten 
des Jahres. Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich den Grund dieser 
Erscheinung ganz prosaisch darin finde, dass die dem Herpes am meisten aus- 
gesetzten Kinder, nachdem sie den Winter hindurch in warmen Stuben gehalten 
wurden, im Frühjahre dem ganzen Heere der Gelegenheitsursachen ausgesetzt 
werden, und nachdem sie im Sommer den Genuss der frischen Luft gewöhnt 
waren, im Herbste in die feuchten, dumpfen, rauchigen Wohnungen gebannt 
werden. 

§ 250. Diese Erklärung des häufigeren Vorkommens des Herpes im 
Frühjahre und Spätherbste gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man die 
Gelegenheitsursachen näher ins Auge fasst. 

Jeder traumatische Reiz, ein in das Auge gefallener, fremder Körper, 
chronisch reizende Stoffe, scharfe Dämpfe, Rauch u. s. w. kann die Gelegen- 
heitsursache zum Herpes abgeben, ja die tägliche Erfahrung lehrt es, dass selbst 
ein kühler Luftstrom, das Auge treffend, bei gegebener Disposition den Herpes 
hervorzurufen im Stande sei. 

Namentlich sind Verkühlungen dann häufig die Ursache des Herpes, wenn 
durch sie Catarrhe der Augen- und Nasenschleimhaut gesetzt werden. Die 
Häufigkeit der Vergesellschaftung des Schnupfens und des Herpes im Auge und 
auf der Lippe ist bekannt. Sie ist so auffallend, dass Morand m die Ent- 
zündung der Schneider'schen Haut, besonders bei jungen Individuen geradezu 
als die Ursache der Ophthalmia scrofulosa bezeichnet, und ihre Heilung durch 
Aetzung der Nasenschleimhaut mit Höllenstein einzuleiten empfiehlt. Dieser 
Zusammenhang des Catarrhs mit dem Herpes erklärt ganz einfach das mitunter 
endemische oder epidemische Auftreten des letzteren. Offenbar ist der Nervus 
quintus das Band, durch welches beide zusammenhängen. 

Der Trigeminus ist es auch, welcher den beim Zahnen der Kinder 
gesetzten Reiz auf das Auge überträgt und den unter diesen Umständen so 
häufig vorkommenden Herpes erzeugt. 

§ 251. Es ist leicht einzusehen, dass Alterationen einzelner Augennerven 
selbst sich leichter noch auf die übrigen Zweige des Augenastes des Trigeminus 
fortpflanzen, als von den übrigen Aesten dieses Nerven. Daher sehen wir 
auch ungemein häufig den Herpes cornealis als Complication der ver- 
schiedensten Entzündungsformen des Auges und seiner Um- 
gebungen. Er ist ein ganz gewöhnlicher Begleiter der Haardrüsenentzündung 
am Lidrande. Er zeigt sich aber auch als sogenanntes Resorbtionsgeschwür, 
als Bläschen oder Knötchen in deren verschiedensten Phasen in Gesellschaft der 
Iritis und diverser Arten der Keratitis. Besonders gerne combinirt er die 
oberflächliche Keratitis mit Gefässbildung, wenn sie mit auffallenden Nerven- 
symptomen einhergeht, wesswegen denn auch Phlyctenen in den meisten Lehr- 
büchern als in das Krankheitsbild der sogenannten rheumatischen Keratitis 
gehörig aufgeführt werden. Wirklich ist bei derartigen Fällen oft die Diagnose 



Ausgänge, Heilungsprocess von Cornealfacetten. 107 

sehr schwierig, ob die Krankheit, mehr als Herpes oder als Keratitis mit Ge- 
fässbildung zu betrachten sei, und oft leitet nur die bändeiförmige Injektionsrölhe 
der Conjimctiva zur richtigen Erkenntniss. 

Auch im Pannus trach oma tos us sind es oft combinirende herpetische 
Efflorescenzen, welche verschwärende Exsudate setzen, und sofort das Krank- 
heilsbild des Pannus im hohen Grade modifiziren. 

§ 252. Es ist überhaupt zum Auftreten des Herpes durchaus nicht eine 
gesunde Parthie der Cornea erforderlich, der Herpes sc hi esst, wenn auch 
seltener, so doch auch auf tiefalterirten Parthien auf, ich sah ihn auf 
Leucomen seinen Standort wählen 138 . 

§ 253. So gross auch die Verschiedenheit in der äusseren Form des Herpes 
Cornealis sei, so wird sie doch weithin übertroffen durch die Mannigfaltigkeit 
der Erscheinungen, wenn der Herpes herausgetreten ist aus dem 
Cyclus seiner typischen Phasen. 

§ 254. War das flüssige Exsudat einzig und allein unter das Epithel 
ergossen worden, ohne die oberflächlichen Lagen der Hornhaut selbst zu in- 
teressiren, und ist mit der Berstung des daraus hervorgehenden Bläschens der 
Exsudationsprocess schon erloschen gewesen, so resultirt ein ganz oberfläch- 
licher Cornealabschliff, der gewöhnlich ohne alle Gefahr bleibt, denn 
das in Verlust gerathene Epithel ersetzt sich in Kurzem aus durchsichtigem 
Blastem, welches auf die entblösste vorderste Corneallamelle abgelagert wird. 

§ 255. Nicht selten aber betrifft die Exsudation flüssigen Exsudates 
nicht nur die Oberfläche der Cornea, sondern einige der vorderen Interlamellar- 
räume. Berstet dann das Bläschen, so bleibt ein trüber Fleck, der sich ab- 
stosst, und man hat ein Kesorbtionsgeschwür von einiger Tiefe und 
der_ Gestalt einer Mulde, es sind einige Schichten der entblössten Cornealparthie 
abgestossen worden. Nun ist der Heilungsprocess ein schwierigerer. Gewöhnlich 
entzündet sich der Grund, um durch Produktsetzung den Vernarbungsprocess 
einzuleiten. Mitunter aber überzieht sich der Grund des sogenannten Resorb- 
tionsgeschwüres mit Epithel, das ganz durchsichtig ist, und in diesem Zu- 
stande verharrt dann die Cornealfacette Wochen und Monate, ohne sich zu 
verändern. Sie stellt eine mehr minder tiefe muldenförmige Grube dar, 
deren Ränder ganz unmerklich in das Niveau der normalen Wölbung über- 
gehen, und selbst mittelst der besten Luppe keine Stufe erkennen lassen, ein 
Beweis für die Fortsetzung des Cornealepithels auf die Concavität der Grube. 
Die endliche Ausfüllung und Verstreichung dieser Vertiefung wird nun entweder 
durch eine nachfolgende Exsudation plastischer Lymphe eingeleitet, die organi- 
sirt und eine wolkige Trübung zurücklässt, oder aber die Ausfüllung geht un- 
merklich vor sich durch allmälige Hebung des durchsichtigen Grundes, und in 
diesem Falle kann trotz dem ganz deutlich gewesenen Verluste einiger Corneal- 
lamellen unter steter Durchsichtigkeit die Cornealfacette verschwinden. 

Ich stelle mir dieses Heben des Grundes dadurch bedingt vor, dass mit 
dem Untergange der oberflächlicheren derben, zähen Corneallamellen der Druck 
abnimmt, der auf den tieferen Schichten lastet, dadurch aber eine Ansammlung 
der homogenen eiweissähnlichen Grundsubstanz der Hornhaut in den Interla- 
mellarräumen möglich wird. So kann an der Stelle der Facette die Hornhaut- 



108 Herpes cornealis. 

Substanz schwellen, ohne im mindesten ihre optische Gleichartigkeit einzubüssen, 
und auch dauernd in diesem Zustande verharren. 

Ich greife diese Hypothese nicht aus der Luft, ich basire sie auf die genaue 
Beobachtung von Erscheinungen, welche eine solche Schwellung entblösster Cor- 
nealparthien in noch weit hervorstechenderen Formen faktisch nachweisen lassen. 

Es kommen nämlich ganz häufig in dem verwaschenen Umkreise ausge- 
breiteter Leucome herpetische Efflorescenzen vor, die natürlich nicht als 
Bläschen aufschiessen können, indem das flüssige Exsudat von der obersten 
gesunden Corneallamelle abgesondert wird, welche letztere von einer zähen, 
derben, gewöhnlich strukturlosen oder aber faserstreifigen trüben Schichte 
neoplastischer Substanz und über dieser erst von einer Lage trüben Epithels 
bedeckt wird. Das Exanthem zeigt sich hier unter der Gestalt einer ober- 
flächlichen Erweichung. Es lockert sich im Umfange eines Hirse- oder Pfeffer- 
kornes der trübe Beleg der Hornhaut, fällt heraus, es resultirt ein scharf 
begrenztes Grübchen mit steilem, wie mit einem Locheisen geschlagenen Rande 
und vollkommen durchsichtigen Grunde. Binnen sehr kurzer Zeit füllt sich das 
Grübchen, der wasserhelle Grund erhebt sich allmälig, und tritt endlich über 
das Niveau der Cornealoberfläche hervor. Man findet dann ein kleines, halb- 
kugeliges, vollkommen durchsichtiges Hügelchen, dessen Basis scharf begrenzt 
aus der Trübung hervorquillt, und von der letzteren öfters halsförmig einge- 
schnürt scheint. Es hat ganz das Ansehen, als ob die tieferen gesunden Cor- 
nealschichten , das Loch , welches durch die herpetische Efflorescenz in der 
beengenden fibrinösen Exsudatschichte der Oberfläche entstanden ist, benützten, 
um sich von einem Theile des auf ihnen lastenden Druckes zu befreien, indem 
sie sich durch die Oeffnung hervordrängen. Kein Gefässchen entwickelt sich 
auf dem Hügel, er bleibt durchsichtig, und verändert sich häufig durch Wochen 
und Monate nicht. Ich fand in einem Falle an der Leiche den Halo aus den- 
selben Elementen zusammengesetzt, aus welchen oberflächliche Leucome der 
Cornea überhaupt bestehen. Das Knötchen selbst hatte eine Decke von ganz 
durchsichtigem, jungen Cornealepithel, und bestand zum grössten Theile aus der 
pelluciden, eiweiss ähnlichen Grundsubstanz der Cornea, welche sich zwischen 
einigen wenigen Blättern gesunden Cornealparenchyms angesammelt hatte. 

Nach einiger Zeit flachen sich die Hügelchen ab, das sie deckende Epithel 
trübt sich, wird undurchsichtig, und alles verschwimmt in dem Lymphflecke, es 
ist das Hügelchen in der getrübten Parthie der Cornea untergegangen. 

Diese Hügelchen sind eine Erscheinung, welche in den oculistischen 
Schriften fast immer mit der Keratokele, d. i. mit einem blasenähnlichen 
Hervortreten eines nahebei entblössten Theiles der Wasserhaut aus der Tiefe 
eines Hornhautgeschwüres verwechselt wild, in seiner eigentlichen Bedeutung 
aber niemals aufgefasst wurde. 

Dass ihnen, wenn sie aus einer vorläufigen getrübten Cornealparthie aus- 
brechen, ein herpetischer Process zu Grunde liege, ist mir besonders aus ihrer 
scharfen Umgrenzung und aus dem Umstände wahrscheinlich, ja gewiss, als sie 
auch nicht selten in kleinen Gruppen zu 3 — 4 auftauchen. 

Ich erwähne sie desshalb, weil sie auch bei späteren Gelegenheiten, 
namentlich bei der Frage von der Regenerationsfähigkeit der Hornhaut von 
Belang werden, und in gewissen Formen des Cornealgeschwüres analoge 
Erscheinungen in die Wahrnehmung treten. 



Keratitis ulcerata secundaria. 109 

§ 256. Nicht selten geschieht es, dass mit der Berstung des wasser- 
hellen Bläschens der herpetische Exsudationsprocess noch nicht erschöpft ist, 
die Produktablagerung auf der der Oberhaut beraubten Stelle 
der Cornea dauert fort, das Produkt wechselt aber seinen Charakter, es 
wird ein an plastischen Stoffen reicheres, mächig trübes und selbst ein mit auf- 
fallender Tendenz zur Eitermetamorphose begabtes. Unter solchen Umständen 
trübt sich dann natürlich die facettirte Stelle der Cornea, ja sie bekommt ein 
geschwüriges Aussehen, und die weiteren Phasen der Efflorescenz sind dann 
nach Verschiedenheit der Verhältnisse sehr different. Besonders maassgebend 
ist dabei die stete Einwirkung der scharfen Thränen und der atmosphärischen 
Luft auf die cntblössten Corneallamellen 139 . Durch diese wird das Corneal- 
parenehym in einen bedeutenden Reizungszustand versetzt, und die Exsudation 
seeundär, unabhängig von dem herpetischen Processe vermehrt. Es entwickelt 
sich auf dem Grunde des geborstenen Bläschens eine Keratitis im eigent- 
lichen W ortsinne und es kommt nur auf die Constitution des nachträglich 
gelieferten Produktes und die Tiefe der Infiltration an, welchen weiteren Gang 
die Metamorphose nimmt. 

In gewissen Fällen wird das Exsudat coagulirt und geht höhere 
Organisationsstufen ein, es wandelt sich je nach seiner Lage zu Epithel, 
zu Blutkörperchen um, und beginnt in den tieferen Schichten auf dem Wege 
der Faserspaltung sich zu differenziren. 

War die Exsudation eine bloss oberflächliche, so resultirt daraus 
ein Macula, die zum grössten Theile aus trübem Epithel besteht. Dieses stösst 
sich nach und nach ab, die Macula wird lichter, durchsichtiger, und der geringe 
Rest schollig faseriger Masse, der auf der obersten Corneallamelle unmittelbar 
auflagert, kann entweder durch spontan eintretende, oder durch künstlich 
angeregte Resorbtion zum Verschwinden gebracht werden. 

Ist aber die Exsudation nicht auf die Oberfläche beschränkt geblieben, 
sind auch tiefere In teil am eil arräume mit Produkten der genannten Art 
infiltrirt worden, so wird die Resorbtion in Proportion zu der Blasse des 
gelieferten Produktes eine schwierigere, es bleibt gewöhnlich eine mehr weniger 
tief greifende wolkige Trübung zurück. 

In anderen Fällen ist die Richtung der weiteren Metamorphosen des Ex- 
sudates aber eine differente, das Produkt geht die eitrige Metamorphose ein. 
Je nach dem Umfange der gereizten Stelle, und je nach der Tiefe, in welcher 
sich das Exsudat verbreitet hat, entstehen mehr weniger ausgebreitete und tief- 
greifende Geschwüre, die allmälig fortschreitend, endlich einen grossen Theil 
der Cornea zerstören, durchbohren und alle Folgen dieser Uebel herbeiführen 
können. Es sind seeundäre Geschwüre auf dem Grunde der herpetischen 
Efflorescenz entstanden, die in jeder Beziehung, ausgenommen der ätiologischen, 
den Geschwüren der Keratitis ulcerativa analog sind, ihre detaillirte Schilde- 
rung also in den folgenden Blättern finden. 

§ 257. Berstet das herpetische Bläschen, nachdem sein Inhalt bereits 
coagulirt ist, so findet man den Grund der Facette gewöhnlich mit einer mehr 
minder dicken Schichte trüber, schmieriger Substanz, dem Niederschlage des 
Contentums bedeckt, trüb, undurchsichtig. Dieser Beleg wirkt nun gleichsam 
als eine schützende Decke, er verhindert die Thränenfeuchtigkeit und die 



110 Herpes cornealis. 

atmosphärische Luft, reizend auf die Cornealoberfläche einzuwirken. Fällt inner- 
halb kurzer Zeit die präcipirte Schichte nicht ab, und vereitert sie nicht, so 
hat die Cornea Zeit, unter derselben neues gesundes Epithel anzubilden, und 
kömmt dann die Abstossung des Krankhaften zu Stande, so ist die Facette 
bereits mit Epithel überkleidet, und der normale Zustand hergestellt. Dieses 
ist der gewöhnliche Verlauf, wenn herpetische, bereits trüb gewordene Bläschen 
bersten. Ist der Niederschlag nicht genügend gewesen, um als Schutzmittel 
zu dienen, so sind dieselben Verhältnisse gegeben, welche nach Berstung 
wasserheller Bläschen eintreten und die Folgen sind dieselben. 

Mitunter beschränkt sich auch die Exsudation des an plastischen Stoffen 
reichen Exsudates nicht allein auf die äusserste Oberfläche der Cornea, sie 
greift gleich ursprünglich tiefer und es entstehen entweder mehr minder tiefe 
und trübe Flecke oder aber Geschwüre, je nachdem das Exsudat mehr Tendenz 
zur höheren Organisation oder zur Eitermetamorphose hat, und je nachdem die 
Bedingungen mehr der Entwicklung desselben in dieser oder jener Richtung 
förderlich sind. 

Hat das Contenfuin des Bläschens schon seiner Natur nach entschiedene 
Neigung eitrig zu zerfallen, und ist die Berstung erst dann erfolgt, nachdem 
sich bereits Eiterelemente in der Efflorescenz gebildet hatten, so findet man 
gewöhnlich den Grund des Bläschens schon von Anfang an grau -trüb ohne 
sichtlichen Niederschlag. Die oberste Corneallamelle scheint schon die schmel- 
zende Eigenschaft des Eiters erfahren zu haben, ihre Substanz selbst ist trüb. 
Die nachfolgenden, durch den Reiz der Thränen und der atmosphärischen Luft 
hervorgerufenen Exsudationen liefern meistens wieder eitriges Produkt, und 
wenn nicht schon vor der Berstung das unter dem Bläschen liegende Corneal- 
parenchym mit Eiterexsudat infiltrirt war, so geschieht es nachträglich, es 
etablirt sich ein secundäres Cornealgeschwür mit allen seinen Folgen. 

Diese secundären Geschwüre sind es hauptsächlich, welche 
den Herpes der Cornea gefährlich machen, an und für sich ist er 
eine ganz unschuldige Krankheit. Doch kommen nicht selten Fälle vor, in 
denen bereits Eiterbläschen entwickelt sind, nach ihrer Berstung kommt es zu 
keinen weiteren Exsudationen, es resultirt ein einfacher Cornealabschliff, der 
spurlos verschwinden kann. 

§ 258. Berstet das Bläschen nicht, Mas nur dann der Fall sein kann, 
wenn die Exsudatioii eine sehr geringe war, so vertrocknet allmälig der Eiter, 
das Bläschen schrumpft, es wird zu einem Knötchen, das mehr minder tief in der 
Substanz der Cornea sitzt, und zuletzt in Fett und Kalksalze verwandelt wird, 
es entsteht an der Stelle der Efflorescenz eine mit Cholestearin krystallen ge- 
mengte, knötchenförmige Concretion. 

§ 259. Herpetische Knötchen sind schon der Constitution ihres 
Exsudates nach zur Vereiterung weniger geeignet, am häufigsten gehen sie 
höhere Organisationsstufen ein. Ihr oberflächlicher Theil metamor- 
phosirt grösstentheils zu Epithel, das sich nach und nach abstösst, es schleift 
sich das Exsudathügelchen ab, und es bleibt eine Trübung zurück, der, je nach- 
dem dasKnölchen einen mehr minder langen Zapfen hatte, entweder bloss ober- 
flächliche oder auch tiefere Interlamellarräume betrifft, oder wohl auch nur 
gar ein ganz oberflächliches Wölkchen darstellt. Das Exsudat ist auf dem 



Ausgange. 111 

Wege der Faserspaltung entwickelt worden, nur selten verkreidet es unter 
gleichzeitiger Entwicklung freien Fettes. 

In manchen Fällen vereitert aber das Knötchenexsudat, es fällt das 
ganze Hügelchen sammt dem ihm etwa anhaftenden Zapfen heraus, und es ist 
sofort ein Geschwür entwickelt, das entweder nur oberflächlich oder liefgreifend, 
selbst die ganze Dicke der Cornea bis zur Descemeti durchbohrt. Je nach 
dem Volum des Knötchens und seines Zäpfchens ist dann der Substanzverlust 
ein verschieden grosser und mannigfaltig gestalteter, entweder ein mulden- 
förmiger mit unregelmässigem Grunde, oder ein trichterförmiger mit fein aus- 
gezogener Spitze, welche bis an die Descemeti reicht 140 . In diesen Vertiefungen 
sammeln sich Thränen, Schleim, die atmosphärische Luft unterstützt deren 
reizende Einwirkung und vermehrt so die ohnehin durch den Substanzverlust 
gesetzte Tendenz zur Exsudatablagerung, zur Entzündung. Bald infiltriren sich 
die VVundränder , trüben sich, und nur in selteneren Fällen etablirt sich gleich 
anfänglich ein Produkt, das der höheren Organisation geneigt, eine feste Narbe 
bildet. Gewöhnlich zerfällt das Exsudat eitrig, der Substanzverlust wird all— 
mälig vergrössert, ein secundäres ausgebreitetes, und selbst die Cornea 
durchbohrendes Geschwür ist die Folge. 

Doch nicht selten sind die Folgen vereiterter herpetischer Knoten mit 
Zapfen weit günstigere. Ich sah öfters schon, nachdem durch Vereiterung 
eines herpetischen Knötchens und seines Zäpfchens ein sehr feiner trichter- 
förmiger Canal senkrecht auf die Oberfläche der Cornea entstanden war, die 
nachträgliche Exsudation beschränkt auf die muldenförmige Oeffnung. Im 
Bereiche des feineren Canales etablirte sich keine Exsudation, die Wandungen 
desselben quollen etwas, und verschlossen so die Lichtung. Ja in einzelnen 
Fällen war die Schwellung der Canalwände eine so bedeutende, dass in der 
Mitte der Mulde ein stecknadelkopfgrosses Hügelchen ganz durchsichtiger Cor- 
nealsubstanz emportauchte. Es wurde nun eine ganz oberflächliche Trübung 
gesetzt, trotzdem der Substanzverlust ein penetrirender war i41 . 

Wir sehen hier abermals einen Substanzverlust der Hornhaut durch ein- 
fache Schwellung des Parenchyms, durch Anhäufung der strukturlosen Grund- 
substanz unter den entblössten Lamellen ausfüllen, und sofort die Wahrheit 
meiner § 255 aufgestellten Ansicht belhätigen, dass es durchaus nicht überall 
der Anbildung neuer Cornealsubstanz bedürfe, wo Lücken gesetzt worden, um 
den ursprünglichen Zustand herbei zu führen. Kleine Substanzverluste, können 
durch Schwellung der umgrenzenden Parthien ausgefüllt werden, ohne dass 
dadurch die optische Gleichartigkeit gestört würde. 

§ 260. In den Fällen, in welchen es gar nicht zur Entwickelung der 
dem Herpes eigenthümlichen Efflorescenzen kömmt, sondern nur zu einer 
Keratitis mitGefässbildung in ihrer gewöhnlichen äusseren Form, sind 
die Ausgänge natürlich dieselben, welche nach derartigen Hornhautentzündungen 
nicht specifischer Begründung zu Stande kommen. Ist ja doch, wie ich wahr- 
scheinlich gemacht habe, diese Keratitis nicht sowohl eine herpetische Eruption, 
sondern eine Keratitis vasculosa, wie jede andere, die sich nur durch die 
Eigentümlichkeit ihrer Gelegenheitsursache unterscheidet, d. i. dadurch, dass 
der sie bedingende Reiz durch den herpetischen Process gesetzt wurde, 



112 Herpes comealis. 

während in anderen Fällen das die Keratitis hervorrufende Causalmoment ein 
von aussen her wirkendes genannt werden muss. 

Es sind daher auch nur dort, wo der specifische herpetische Process 
endlich zu palpabler Exsudation kömmt, ihre Ausgänge verschieden, sie sind 
Combinationen der Folgezustände der Keratitis vascularis und der dem Herpes 
zugehörigen Bläschen und Knötchen. Diese endliche Combination ist nun eine 
so häufige, dass sie wirklich als Regel aufgestellt werden kann. 

So lange der herpetische Process nicht zur Eruption des charakteristischen 
Exanthemes gediehen ist, sind in den meisten Fällen der Schmerz und die 
Lichtscheu sehr bedeutend, während die objektiv wahrnehmbaren Erschei- 
nungen entweder ganz fehlen oder auf die Symptome einer leichten Keratitis 
vasculosa beschränkt sind. So zieht sich der Process oft Monate hinaus, bis 
er endlich zurückgeht, oder aber massige, umschriebene Exsudationen unter 
der Form von Bläschen und Knötchen auftauchen, der Schmerz und die Licht- 
scheu werden plötzlich gemildert, es scheint, als ob die Krankheit in Folge 
einer heilsamen Krise gebrochen worden wäre. Diese Exsudationen gehen die 
in dem Vorhergehenden gezeichneten Phasen durch, während das keratitische 
Produkt sich auf seine eigentümliche Weise metamorphosirt. Sind die Re- 
sultate dieser Umwandelungsprocesse günstig, so ist der Kranke von seinem 
Leiden befreit, entweder für immer, oder bloss temporär, bis durch eine ge- 
gebene Gelegenheitsursache die ganze Reihe der geschilderten Vorgänge von 
neuem beginnt. Desshalb sehen wir die unter den heftigsten Graden des 
Schmerzes und der Lichtscheu einhergehende sogenannte Ophthalmia scro- 
fulosa erethica Monate lang bestehen, ohne erhebliche Gefahr für das 
Sehvermögen zu setzen. Plötzlich legt sich die enorme Störung der Sensibi- 
lität, der Schmerz und die Lichtscheu lassen nach, es ist eine Untersuchung 
des leidenden Auges ermöglicht. Man findet eine Bläschen- oder Knötchen- 
eruption mit allen Charakteren jugendlichen Alters. Offenbar bestehen diese 
Exsudatansammlungen nicht seit dem Beginne der Krankheit, sie sind erst in 
jüngstverflossener Zeit gesetzt worden, es sind zu den Erscheinungen der 
Keratitis vasculosa jene der herpetischen Eruption hinzugetreten, es hat sich 
endlich der herpetische Process auf die ihm eigene Weise localisirt, er ist da- 
mit untergegangen, erloschen. Damit fällt nun auch die Gelegenheitsursache 
der Keratitis, die dieselbe constituirenden Exsudate, so wie der Inhalt der 
Bläschen und die Knötchen gehen nunmehr den ihnen durch die obwaltenden 
Verhältnisse vorgezeichneten Gang, es resultiren Uebel, die theils Folgen der 
Keratitis, theils Folgen der herpetischen Ablagerungen sind. 

§ 261. Die Brücke, welche einzelne und mehr central gelegene her- 
petische Cornealeruptionen mit dem gegenüberstehenden Segmente des Limbus 
conjunctivalis verbindet, ist, wie ich bereits gesagt habe, nichts als der 
Ausdruck der den herpetischen Process combinirenden Keratitis vascularis 
superficialis. Demgemäss sind die weiteren Metamorphosen des sie consti- 
tuirenden Exsudates auch denen identisch, welchen wir in der reinen Hornhaut- 
entzündung mit Gefässbildung begegnen. 

In den meisten Fällen ist die Masse des abgelagerten Produktes sehr 
gering, und die Exsudation beschränkt sich allein auf die Oberfläche der 
Cornea. TotaleAbstossungundResorbtion sind daher ganz gewöhnlich, 



Ausgänge, Ptcrygium. 113 

mit dem Aufhören des herpetischen Processes verschwindet die Brücke, 
welche von dem Bindchautsaiime zu der herpetischen Efflorescenz führt, gänz- 
lich, und falls durch diese letztere Trübungen, Narben u. s. w. gesetzt wurden, 
stehen dieselben auf der Cornea isolirt, rings umgeben von normalem durch- 
sichtigem Cornealgewebe , und sind durch diesen Umstand so wie durch ihre 
gewöhnlich enge Umgrenzung nach Ablauf vieler Jahre noch als Ueberbleibsel 
herpetischer Processe zu erkennen. 

In andern Fällen aber besteht das Exsudat fort, es organisirt zu 
einer Lage Epithel und einem darunter gelegenen Stratum faserspaltiger, 
zäher, sehnenähnlicher Masse, es ist eine streifenförmige, faserig schollige 
Neubildung entstanden, deren ein Ende mit dem Limbus conjunctivalis zu- 
sammenhängt, während die andere, centrale Extremität von dem mehr weniger 
tiefgreifenden Narbenflecke oder der kreideähnlichen Goncretion, als den Resten 
der herpetischen Efflorescenz, gekrönt wird. 

War das, die Conjunotiva in der Richtung der afflcirten Nerven infil- 
frirende, Produkt ein an plastischen Stoffen reicheres, so geschieht es mitunter, 
dass auch hier neoplastische Gewebe entwickelt werden, Bindefasern und 
Gefässe entstehen, welche die streifen- oder flügeiförmige Parthie der Conjunc- 
tiva schwellen, verdichten und in einem continuirlichen Congestionszustand 
erscheinen lassen, der dem Herpes eigenthümliche Gongestionsherd der Con- 
junctiva ist hypertrophirt, es hat sich ein Flügelfell, ein Pterygium aus- 
gebildet, das im Bereiche der Bindehaut aus wahren Bindegewebsfaserbündeln und 
Gefässen besteht, während seine unmittelbare Fortsetzung auf der Cornea durch 
den sehnigen Streifen gebildet wird, der aus dem höher gestalteten Produkte 
der begleiteten Keratitis vascularis entstanden ist. Das Pterygium ist stets 
eine Folge des Herpes mit massiger Ablagerung plastischer Stoffe längs 
dem Verlaufe eines afflcirten und oberflächlich, in der Conjunctiva, ziehenden 
sensitiven Nerven, seine Formelemente sind im Bereiche der Conjunctiva und 
Cornea different, es lässt sich ihre Entwicklung Schritt für Schritt in den 
Metamorphosen jenes Exsudates verfolgen, welches während dem erpetischen 
Processe die Schwellung des streifigen oder flügeiförmigen Congestionsherdes 
der Bindehaut bewirkt, im Bereiche der Cornea aber die gefässhaltige trübe 
Brücke zwischen Bindehautsaum und der herpetischen Efflorescenz darstellt. 

§ 262. Einen ganz ähnlichen Ausgang nimmt auch fast immer der 
Pannus herpeticus, die auf der Cornea abgelagerten Produkte bilden 
eine mehr weniger ausgebreitete, weissgraue Trübung mit verwaschenem cen- 
tralem Bande, in welcher Trübung theils oberflächliche, theils tief eingreifende, 
umschriebene, dichtere, narbige Flecken und kreideähnliche Knoten eingestreut 
sind. Diese Trübung wird nach aussen im Bereiche der Conjunctiva von 
einem erhabenen rauhen, von ausgedehnten Gefässen gerötheten, consistenten 
Wulste umfasst. Der innere Rand dieses Wulstes geht unmerklich in die 
Cornealtrübung über, der äussere Rand ist zackig und dicke Gefässe treten 
aus ihm hervor , der Uebergangsfalte zuströmend. Ein dickes Stratum 
trüben Epithels deckt diesen Wulst, der seiner Hauptmasse nach aus ge- 
fässreichem Bindegewebe zusammengesetzt wird, und von sehnenähnlichen 
Knoten und Streifen durchzogen wird, die theils aus ganz strukturloser, 
trüber, scholliger, theils deutlich faserstreifiger, ja selbst faseriger Masse 
Stell wag, Ophthalmologie. I. 8 



114 Herpes cornealis, Keratitis ulcerativa. 

formirt werden. Mitunter finden sich auch sandähnliche Häufchen kreidiger 
Substanz eingelagert. 

Der Grundursache, der Entstehungsweise und dem mikroskopischen Ver- 
halten nach sind diese Neugebilde dasselbe, was das Pterygium ist, es sind 
Ueberbleibsel der mit dem herpetischen Processe abgelagerten Produkte. In 
dem Flügelfelle war nur Eine Efflorescenz gesetzt worden, in dem Pannus 
herpetious aber eine ganze Gruppe mit gemeinschaftlichem Boden. 

§ 263. Nach dem bisher Mitgetheilten ist leicht ersichtlich, dass der 
Herpes in vielen Fällen ohne alle Gefahr für das Sehvermögen verläuft, wäh- 
rend er in anderen Fällen eine im hohen Grade verderbliche und die weitere 
Brauchbarkeit des Auges in Frage stellende Affektion darstellt. Bichtige 
Verständniss des ganzen Vorganges wird den Arzt in der Entwickelung einer 
richtigen Prognose leiten, ohne Bewusstsein der möglichen Phasen des gesetzten 
Produktes wird aber die Vorhersage stets auf schwankenden Prämissen ruhen, 
alle in einem Buche aufführbaren sogenannten praktischen Winke werden im 
concreten Falle illudirt durch hundertfältige Zwischenfälle, und sofort werthlos. 
Nur die pathologische Anatomie und die Erkenntniss der jeweilig obwaltenden 
emflussreichen Verhältnisse sind im Stande, eine einigermaassen sichere Vor- 
hersage zu begründen. Die Prognostik ist, kurz gesagt, in der vorher- 
gehenden Schilderung des Verlaufes und der Ausgänge gegeben. Wer sie 
daraus abzuleiten nicht fähig ist, dem nützt auch eine specielle Erörterung 
desselben wenig oder nichts. 

Ich will nur noch erwähnen, dass der. Standort der Efflorescenz 
unter allen Verhältnissen von der höchsten Bedeutung sei und die Gefahr um 
so mehr wachse, je näher die Produktsetzung dem Centro der Cornea erfolgt, 
und zweitens, dass die ungemeine Neigung des Herpes zu Becidiven ein 
wohl zu berücksichtigendes Moment sei, indem häufig eine gerade vorhandene 
Efflorescenz alle Chancen eines glücklichen Verlaufes darbietet, während die 
Nachschübe das Auge zerstören können. Daher ist denn auch jederzeit 
der Zustand des ganzen Nervensystems wohl zu erwägen, und falls auf- 
fallender Erethismus desselben, hochgradige Beizbarkeit als Grundursache 
des herpetischen Processes anzunehmen ist, bei der Vorhersage wohl in An- 
schlag zu bringen. Die geringste Gelegenheitsursache veranlasst dann eine 
Recidive, während ohne diese gegebene Disposition durch locale Ursachen 
gesetzte Herpetes fast immer in der ersten Eruption erschöpft werden. 

Vierter Artikel. 

Keratitis ulcerativa. 

§ 264. Unter der Form eitriger Exsudation drängt sich dem natur- 
wissenschaftlichen Forscher eine Beihe höchst mannigfaltiger Processe auf. Er 
findet die verschiedenartigsten Produkte, wo die alte Schule eine unter allen 
Umständen gleiche gelbliche Flüssigkeit, den Eiter, vermuthete. 

Unter solchen Verhältnissen war ehemals auch eine strikte und höchst 
einfache Eintheilung leicht ausführbar. Die äussere Erscheinung, das 
formelle Krankheitsbild war es, welches den Eintheilungsgrund abgab, und 



Jauchig-eitriges Exsudat. 115 

sohin die Zerklüftung in offene Geschwüre und in geschlossene Abscesse als 
genügend erkennen Hess. 

§ 265. Die Mikroskopie hat nun eine neue Bahn des Wissens eröffnet 
und die engen Marken einer empirischen Anschauungsweise in das Unendliche 
hinausgerückt. Sie hat aber auch die Eintheilung und scharfe Abgrenzung 
der einzelnen Processe, welche unter der Form eiterähnlicher Exsudation in 
die Wahrnehmung treten, ungemein schwierig gemacht, indem sie nachweist, 
dass die Constitution der Produkte, das Charakterist icum der zu Grunde liegen- 
den Processe, der Zeit nach wechsle, und in den meisten Fällen ein aus den 
verschiedenartigsten, chemisch und mikroskopisch differentesten Bestandtheilen 
zusammengesetztes sei. Wir finden Elemente des genuinen Eiters gemischt 
mit corrodirender wässeriger Jauche, in Combination mit croupösem Faserstoffe 
und dem ihm so nahe verwandten croupös faserstoffigen Tuberkel, und endlich 
mit Fibrin, welches sich durch alle Charaktere als genuine Form zu erkennen gibt. 
Abgesehen von den Mischungen mit Blut, Krebsblasteme und so weiter resultirt 
aus den verschiedenen Zusammensetzungsverhältnissen der genannten Stoffe 
eine unübersehbare Kette höchst verschiedenartiger Produkte, und es wäre 
schwer, in deren naturwissenschaftlicher Schilderung den Anfang und das 
Ende zu finden, wenn hierbei nicht ein Umstand zu Hilfe käme und den Gang 
der Darstellung mit eiserner Hand vorzeichnete. 

§ 266. Dieser Umstand ist nun der jedem einzelnen Exsudationsprocesse 
eiterähnlichen Produktes der Hegel nach zukommende endliche Uebergang in 
Ablagerung genuinen Faserstoffes, vermittelst welchen die Vernarbung und 
sofortige relative Heilung der gesetzten Substanzverluste eingeleitet wird. Die 
Ablagerung genuinen Faserstoffes erscheint als Endglied der 
verschiedenartigsten Exsudationen eiterähnlicher Produkte. 

Ich beginne demnach mit der wässerigen corrodirenden Eiterjauche, um 
mit steter Berücksichtigung der Zwischenstufen mich zu dem vorwaltend crou- 
pös faserstoffigen starren Produkte zu erheben, und so auf natürlichem Wege 
zu dem narbenbildenden genuinen Faserstoffe zu gelangen. 

§ 267. Die äussere Form des Exsudationsherdes, ich meine das 
Geschwür und den Abscess, begründen keinen wesentlichen Unterschied des 
Processes, beide sind das Resultat der Infiltration, und nur die grössere oder 
geringere Corrosionskraft des Produktes, so wie die mehr oberflächliche oder tiefe 
Lage der infiltrirten Zwischenblatträume ist es, welche die Differenz in der 
Gestaltung des Krankheitsbildes bedingt. Diese ist um so weniger maass- 
gebend, als häufig das Gesohwür nur ein vorgeschrittenes Stadium des Ab- 
scesses darstellt. 

i. Das jauchig-eitrige Exsudat. 

§ 268. Ueberwiegen der wässerig serösen Bestandtheile bei grossem 
Mangel an organisationsfähigem Blastem, flüssige Form oder doch rasche Ver- 
flüssigung des vorläufig erstarrt gewesenen, eigenthümlich croupös faser- 
stoffigen Antheils und exquisite Tendenz zur Schmelzung anliegender Gewebe, 
das sind die Eigenschaften, welche dem jauchig -eitrigen Exsudate seinem 
Wesen nach zukommen. 

8. 



116 Keratitis ulcerativa mit jauchig-eitrigem Exsudate, 

Sie sind insofern von der höchsten Bedeutung, als sie auch am Lebenden 
ohne Zuhilfenahme zusammengesetzter optischer Instrumente erkannt, oder 
doch wenigstens erschlossen und daher zur Entwickelung einer richtigen 
Diagnose, Prognose und zur Entwerfung eines entsprechenden Heilplanes benützt 
werden können. 

§ 269. Die dem jauchig-eitrigen Exsudate inhärirende exquisite Fähig- 
keit, organische Gewebe zur Schmelzung zu bringen, macht, dass die Exsu- 
dationsherde immer nur sehr kurze Zeit in der Form der Infiltration 
gesehen werden. Wenige Stunden reichen oft hin, um das über-, unter- und 
anliegende Cornealparenchym aufzulösen und zur Abstossung und Ausschwem- 
mung geeignet zu machen. Daher sehen wir im Gefolge eitrig -jauchender 
Exsudationen niemals geschlossene AbscesshöMen, Hohlgeschwüre mit zaokigem 
Verlaufe, Eitersenkungen zwischen die Lamellen der Hornhaut. Es schmelzen 
immer die Umgebungen des Exsudationsherdes vollständig, und weit offene, 
gewöhnlich durchbohrende Geschwüre sind die Folgen, wenn nicht der 
Brand der infiltrirten Hornhaut deren Existenz völlig vernichtet. 

In dem Stadium der Infiltration findet man eine grössere oder geringere 
Parthie der Hornhaut anfänglich molkenähnlich, später grau-gelb, selbst grau- 
grünlich getrübt, mit einem deutlich aufgequellten rauhen Epithel bekleidet. 
Die infiltrirte Stelle schwillt an, und bald ist sie in einen schmierigen Brei 
zerfallen, der sich abstösst und ein, gewöhnlich bis auf die Descemeti durch- 
bohrendes, unregelmässig gestaltetes Geschwür mit steilen, fetzigen Bändern 
und einen rauhen flockigen, zerrissenen Grund zurücklässt. Ja es sind die 
Fälle nicht so selten, in welchen die Cornea in ihrer ganzen Dicke und in 
ihrem ganzen Umfange infiltrirt wird, breiartig zerfällt und als ein Beleg von 
topfenähnlicher Consistenz sammt der unveränderten faltigen Descemeti von 
der unterliegenden Iris abgespült werden kann. 

Die Schnelligkeit, mit welcher das eitrig jauchige Exsudat die infiltrirten 
Cornealparthien zum Schmelzen bringt und mit ihnen sich abstösst, ist che- 
mischen Umwandlungen der Jauche und deren Zersetzung in binäre 
Verbindungen nicht günstig, daher denn auch die Entwickelung schwefeliger, 
ammoniakalischer und ähnlicher Gase, so wie die Krystallisation von Salzen 
innerhalb dem Cornealparenchym trotz der exquisit jauchigen Beschaffenheit 
mancher Infiltrate nicht vorkömmt, und sohin Differenzen bedingt mit jauchigen 
Exsudaten, welche in anderen Körperteilen abgelagert werden und längere 
Zeit in neugebildeten Höhlen stagniren. 

Der absolute Blutmangel der Hornhaut und die geringe oder gänzlich 
fehlende Tendenz des eitrig-jauchigen Exsudates zur Höhergestaltung, welche 
der Anbildung neoplastischer Gefässe entgegen ist und die Entwickelung von 
ausgebreiteten Exsudationsherden ohne Spur irgend einer Vascularisation zu 
Stande kommen lässt, erklärt auch den geringen Wechsel in den Farben- 
nuancen der jauchig-eitrigen Hornhautexsudation. Während derlei Herde 
in bluthaltigen Organen alle Nuancen von grau -gelb und grünlich, von roth, 
braun und schwarz darbieten können, schwankt die Hornhautjauche stets 
zwischen grau-weis und grau-gelb und spielt höchstens in das Grünliche. 

§ 270. Untersucht man den Beleg jener Geschwüre, welche aus der 
Schmelzung der mit eitrig-jauchigem Exsudate infiltrirten Hornhautparthien 



Anatomische Charaktere des eitrig-jauchigen Geschwüres. 117 

hervorgegangen sind, so findet man als Grundsubstanz eine wasserige Flüssig- 
keit, welche durch Miriaden höchst feiner und lichter Moleküle ein fast gleich- 
massig trübes Ansehen gewonnen hat und in verschiedenen Quantitätsverhält- 
nissen dunkle Punkte und Körnchen, theils isolirt, theils zu Klümpchen aggregirt 
enthält, und einen bedeutenden Gehalt an freiem Fette, theils in Form von 
Körnchen, theils in Form äusserst kleiner Bläschen mit dunkler Contour und 
wasserhellem Centrum erkennen lässt. In dieser Masse eingeschlossen finden 
sich Kerne in verschiedenen Graden ihrer Entwickelung, welche durch Behand- 
lung mit Essigsäure schärfer hervortreten. Exsudatzellen mit trübem und selbst 
dunkelkörnigem Inhalte bis zur Eiterzelle, welche sich theils in verdünnter 
Essigsäure lösen, theils indifferent gegen selbe zeigen und sofort ihren Ursprung 
aus croupösem Faserstoffe beurkunden, mischen sich in verschiedenen Quanti- 
tätsverhältnissen bei. Oft findet sich auch etwas an starrem, croupösem oder 
selbst genuinem Faserstoffe in Gestalt schollig-fetziger Massen ohne alle Struktur 
oder höchstens mit Andeutungen von Faserstreifung auf den Grund des Ge- 
schwüres präcipitirt und mit den Trümmern der Wandungen des Exsudations- 
herdes gemischt. 

Diese Trümmer des infiltrirt gewesenen Hornhautparenchyms ragen aus 
der Geschwürsfläche hervor und bedingen deren häufig zottiges Aussehen. Sie 
hängen mit einem Ende an dem Geschwürsboden fest, während das andere 
frei flottirt. Untersucht man eine solche Zotte genauer, so erkennt man in der- 
selben die schön lockig wellige Faserung der normalen Hornhautblätter nicht 
mehr, es sind Fetzen einzelner Lamellen, welche deutlich geschwellt, gleich- 
massig getrübt und sichtlich erweicht sind, und sich häufig nur durch ihre 
eigentümliche parallelogramme Begrenzung als Hornhautrudimente erkennen 
lassen. 

Die Gleichmässigkeit ihrer Trübung zeigt, dass keine fremdartigen Form- 
elemente in ihr Gefüge eingegangen seien, und dass, wenn ihre Schmelzung 
durch Stoffwechsel mit dem Exsudate bewirkt werden sollte, derselbe nur be- 
züglich der flüssigen Bestandteile des Produktes angenommen werden könne. 
Die Formelemente des jauchig eitrigen Exsudates lagern den Hornhauttrümmern 
constant nur von Aussen auf. 

Daraus geht hervor, dass die Exsudation selbst ein Process sei, der 
hauptsächlich nur in den Zwischenblatträumen von Statten geht und durch die 
Grundsubstanz der Cornea vermittelt wird. Demnach muss auch die Exsudation 
für einen neuen Beweis betrachtet werden, dass die Grundsubstanz der Horn- 
haut der Träger der vegetativen Funktionen der Hornhaut sei. 

Besonders deutlich wird die Zwischenlagerung des Exsudates zwischen die 
einzelnen Hornhautlamellen, wenn man in der Untersuchung des Geschwürsgrundes 
und des Geschwürsrandes etwas tiefer dringt. Das Geschwür ist nämlich constant 
von einer mehr weniger dicken trüben Schale begrenzt, welche den Ueb er gang 
von dem Geschwüre in das normale Cornealparenchym darstellt. 
In diesemTheile der krankhaft afficirten Cornea findet man die Wundränder der 
zum Theile zerstörten und in Verlust gerathenen Blätter wohl noch in ihrer ur- 
sprünglichen Lage, allein sie sind gegenseitig von einander abgehoben durch 
eine zwischengeschobene Schichte grau -weissen oder grau -gelben Exsudates, 
welches an Formelementen nur Pucktmasse und freies Fett, niemals aber Kern- 
und Zellenbildungen enthält, übrigens aber mit dem Geschwürsbelege überein- 



118 Keratitis ulcerativa mit jauchig-eitrigem Exsudate. 

stimmt. Gewöhnlich Iässt sich dieses Exsudat durch Druck zwischen den 
Blättern hervorquetschen, es ist fast immer flüssig, ja es entleert sich sehr 
häufig von selbst, und es erscheinen dann die frei flottirenden Blattwundränder 
so deutlich von einander getrennt, dass sie selbst dem freien Auge wahr- 
nehmbar werden, ein Umstand, der einige ältere Autoren veranlasste, einen 
sinnigen Vergleich zwischen der äusseren Form des Geschwürsbodens und den 
Eselsohren eines vielgelesenen Buches aufzustellen. 

§ 271. Die Aetiologie des eitrig -jauchigen Hornhautexsudates ist 
eines der schwierigsten Probleme der gesammten Ophthalmologie, indem es 
einestheils fast unmöglich ist, das Terrain derselben genau zu umstecken, 
anderseits aber die gründlichen Forschungsmethoden, mittelst deren die übrigen 
Zweige der Medizin in den letzten Decennien so bedeutende Fortschritte ge- 
macht haben, in der Augenheilkunde noch keinen Eingang zu finden vermochten. 
Es verlassen uns die Hauptmomente, auf welche die alte Schule ihre Aetiologie 
fcasirte, geschwollene Nasen, Lippen und Drüsen, Beissen in einem oder dem 
anderen Gliede, Stuhlverstopfung, Dysmenorrhoe u. s. w. und es ist nothwendig, 
auf andere Gebiete der Medizin überzuschweifen, um hier Keime zu suchen, 
die auf die Oculistik überpflanzt und sorgsam gepflegt, fähig wären, der Lehre 
von den Augenkrankheiten eine einigermassen wissenschaftliche Grundlage zu 
geben, und die Möglichkeit herstellen, die letztere Wissenschaft durch fortge- 
setzte angestrengte Forschungen in gleiches Niveau mit den übrigen Zweigen 
der Medizin zu bringen. 

§ 272. In vielen Fällen ist die Zurückführung der jauchig -eitrigen 
Exsudate der Cornea auf eine Erkrankung der gesammten Blut- 
masse durch den Complex der in dem Gesammtorganismus gegebenen Er- 
scheinungen eine nothwendig gebotene. Die Abhängigkeit der Hornhaut- 
erkrankung von einem Allgemeinleiden tritt dadurch besonders klar hervor, 
dass selbe nicht allein dasteht, sondern ganz ähnliche Exsudationen in den ver- 
schiedensten Organen . des Körpers nachweisbar werden, und deren Hervor- 
gehen aus quantitativer und qualitativer Erkrankung einzelner Blutbestand- 
theile nicht nur am Lebenden, sondern auch an der Leiche faktisch nachgewiesen 
werden kann. Die Cornealexsudation erscheint in dieser Hinsicht als Locali- 
sationsherd einer Allgemeinkrankheit, als das, was man als Eiterablagerung, 
Eiterdepot, Eitermetastase zu bezeichnen pflegt. Sie stellt gleich den 
übrigen Localisationen eine Theilerscheinung des Gesammtleidens dar. 

§ 273. Ich habe schon (§ 151 — 170) nachzuweisen gesucht, dass allge- 
meine Blutentmischung und sofortige krankhafte Zustände des die Cornea 
nährenden Fluidums noch nicht fähig seien, die Vegetation einzelner Hornhaut- 
abschnitte gänzlich zu hemmen, dass dazu noch eine Veränderung des Nerven- 
impulses gehöre, es sei dieselbe nun entweder angeregt durch die locale 
Umstimmung des Vegetationsvorganges selbst, oder aber durch Einfluss des in 
in seiner Totalität erkrankten Blutes auf die Centra der Augennerven bedingt 142 . 
Unter diesen Umständen kommt es erst zur Exsudation, das heisst, zu der Um- 
wandlung des der Norm nach in der Hornhaut enthaltenen, und zum Hervor- 
treten des nachträglich in die Hornhaut eingehenden Fibrinogens in einer 
äusserlich sichtbaren, krankhaften Form. Die Exsudation selbst ist demnach 
einestheils bedingt in der anomalen Beschaffenheit des die Hornhaut nährenden 



Aetiologie, Pyämie. 119 

Blastems, anderseits aber in der krankhaften Affektion einzelner oder aller 
vegetativen Nervenröhren der Cornea. 

§ 274. Gänzliche Aufhebung des Nerveneinflusses, Paralyse des Corneal- 
nervensystcmos, bei hochgradiger Erkrankung des Blutes, besonders bei Neigung 
desselben zur Sepsis, bedingt nicht mehr eine blose Exsudation jauchig-eitriger 
Produkte und Geschwürbildung, sondern Brand der Cornea. Es kommt 
jedoch bei dem brandigen Absterben nicht immer vorläufig zu wirklicher 
Produktabsetzimg, die Grundsubstanz der Hornhaut geht in faulige Zersetzung 
über, das Cornealgewebe zerfliesst in einen missfärbigen, stinkenden Brei oder 
geht in einen trockenen Schorf über, ohne dass sich vorläufig etwas Exsudat- 
ähnliches gezeigt hätte. 

Dieses ist der Grund, warum ich diese Brandformen, so enge sie auch 
häufig zusammenhängen mit Exsudation jauchig-eitriger und croupöser Produkte, 
von der Keratitis ulcerativa getrennt, und in einer ganz anderen Fehlergruppe 
abgehandelt habe. Es scheint mir nämlich unter solchen Verhältnissen, selbst 
wenn schon eitrig -jauchige Infiltrate gegeben sind, der Grund des Brandes 
nicht immer in der Einwirkung dieser Produkte auf das Cornealgewebe 
gelegen zu sein, der Brand scheint mir bisweilen unabhängig davon aufzutreten, 
mit der Exsudation schmelzender Produkte aber eine gleiche Quelle zu haben, 
jedoch höhere Grade der Blutenlmischung und namentlich der Nervenstörung 
vorauszusetzen, so zwar, dass bei weniger vorgeschrittener Erkrankung des 
Blutes und geringerer Beeinträchtigung des Nervenlebens die Alteration der 
Cornealgrundsubstanz sich in Umwandlung des Fibrinogens zu jauchig- eitrigen 
Produkten äussert, bei weiter gediehener Blutentmischung und gänzlicher Aufhebung 
des nervösen Einflusses aber sich durch faulige Zersetzung zu erkennen gibt. 

§ 275. Man ist von Alters her übereingekommen, die, eitrig-jauchigen 
Ablagerungen zu Grunde liegende, Erkrankung des Blutes mit dem Namen der 
Pyämie zu bezeichnen. Es ist nicht meine Aufgabe, das Richtige und Un- 
richtige dieser Bezeichnung zu erörtern, und eine Pathogenie der Pyämie zu 
entwickeln. Ich wähle diesen Ausdruck, um mich verständlich zu machen und 
erwähne nur, dass derselbe in gegenwärtigem Werke nicht seiner ganzen 
Tragweite nach genommen, sondern nur jene bisher nicht ganz aufgeklärte 
Blutkrankheit darunter verstanden werde, welche sich in der Localisation durch 
flüssiges, oder doch äusserst rasch verflüssigendes, eigenthümlich croupös 
faserstoffiges, sohneil durch Ulceration und Nekrosirung die Gewebe destruirendes 
Exsudat zu erkennen gibt. 

§ 276. Es ist anerkannt, dass Pyämie und mit ihr alle davon abhängigen 
Lokalerkrankungen sich entwickeln können, ohne dass irgend welche unseren 
Sinnen zugängliche Gelegenheitsursachen gegeben wären. Es gibt eine pri- 
mitive und, spontan sich entwickelnde Pyämie, daraus hervor- 
gehende eitrig-jauchige Exsudationsherde in den einzelnen Körpertheilen und 
sofort auch in der Hornhaut. 

§ 277. Weit häufiger jedoch kommt Pyämie durch Umsetzung 
einer prä existenten Dyscrasie zu Stande, und es zeichnen sich 
durch die ganz besondere Neigung zu Metaschematismus in die eitrige und 
croupöse Krase jene aus, welche Rokitansky unter den allgemeinen Namen 
der venösen Krasen zusammengefasst hat 143 . 



120 Keratitis ulcerativa mit jauchig-eitrigem Exsudate. 

§ 278. Vor allem ist es in gegenwärtiger Zeit die gewissen Puer- 
peralfiebern zu Grunde liegende Hypinose, welche durch Umsetzung zur 
Pyämie häutig Eitermetastasen in verschiedenen Körpertheilen zur Entwickelung 
bringt, und dem Auge durch allgemeine Exsudation die höchste Gefahr droht. 
Die meisten der in neuerer Zeit bekannt gewordenen und auf allgemeine Blut- 
erkrankung zurückführbaren, zerstörenden Augenentzündungen sind aus puer- 
peralen Processen hervorgegangen, es sind Localisationen der Pyämie, in welche 
die puerperale Albuminose umgesetzt hat. Ihre Begründung in diesem Allge- 
meinleiden ist eine so ersichtliche, unläugbare, dass sie es vorzüglich ist, welche 
man unter dem Namen der Ophthalmia phlebitica seu metastatica 
in den oculistischen Schriften verzeichnet findet 144 . 

§ 279. Die typhöse K r a s e reiht sich durch ihre Neigung zur Umsetzung 
in Pyämie unmittelbar an die puerperale an. Es ist nichts seltenes während des 
Verlaufes des Typhus oder aber in dem Stadio der Beconvalescenz jauchig-eitrige 
Metastasen in diesem oder jenem Organe, gewöhnlich in mehreren zugleich 
und darunter bisweilen auch in dem Auge sich entwickeln zu sehen. Es sind viele 
Beispiele von Verschwärung und bei höhergradiger Blutzersetzung von brandigem 
Absterben der Cornea und der tieferen, bluthältigen Organe des Augapfels als 
Folgen des Typhus und der ihm nahe verwandten Allgemeinkrankheiten be- 
kannt 145 . Auch die Cholera asiatica gefährdet mitunter durch Umsetzung zur 
Pyämie oder croupösen Krase, ja selbst durch Uebergang in septische Ent- 
mischung des Blutes den Augapfel, bedingt jauchig-eitrige Verschwärung und 
selbst Zersetzung der genannten Gebilde in einen missfärbigen, graulichen, 
schmierigen Brei 146 . 

§ 280. Die Aehnlichkeit der Krase und namentlich der faktische Ueber- 
gang in Pyämie und Sepsis veranlassen mich, Eitermetastasen und Brand der 
Cornea auch als Folgezustände mancher epidemisir ender Dyssenterien 
anzunehmen, obwohl mir bisher kein entsprechender Fall zur Citation vorliegt. 

§ 281. Unstreitig die meisten Opfer sind aber den zur Pyämie, zur 
croupösen Krase umsetzenden oder zur Putrescenz der gesammten Blutmasse 
degenerirenden exanthematischen Bluterkrankungen im engeren Wortsinne ge- 
fallen. Gerade die zerstörendsten Augenübel im Gefolge der Masern, des 
Scharlachs, der Blattern sind wesentlich nichts als Localisationen der 
in die genannten Krasen umgesetzten morbillosen, scarlatinosen, variolosen 
Hypinose. 

Eine kaum glaubliche Confusion herrscht in der Lehre von diesen lokalen 
Erkrankungen. Nur die riesigen Fortschritte der Dermatopathologie und 
namentlich der pathologischen Anatomie machen es möglich, das Chaos zu 
ordnen, die im Gefolge der Masern, des Scharlachs und der Blattern auf- 
tretenden Localprocesse im Auge auf eine dem Standpunkte der neueren 
Medizin angemessene Weise zu sondern und durch scharfe Grenzen gegenseitig 
abzumarken. Man hat unter dem Namen der Ophthalmia morbillosa scarla- 
tinosa, variolosa Krankheiten unter einander geworfen, welche nichts unter sich 
gemein haben als den Boden, auf welchem sie wurzeln, d. i. das Auge eines 
von den genannten exanthematischen Processen ergriffenen oder ergriffen ge- 
wesenen Individuums. 



Ophthalmia variolosa, morbillosa, scarlafinosa. 121 

§ 282. Ich hatte schon Gelegenheit, eine Form der Ophthalmie 
zu besprechen, welche häufig im Gefolge der Masern, Blattern, 
des Scharlachs auftritt. Es ist der Herpes in allen seinen Gestalten, der 
bald nach dem Verschwinden jeder Spur des Vorhandengewesenseins eines 
specifisehen Allgemeinleidens auf der Bindehaut oder Cornea zur Wahrnehmung 
kömmt. Schon Beer 147 sträubt sich mit aller Macht gegen dessen Einreihung 
in die Rubrik der morbillosen, scarlatinosen und variolosen Ophthalmie, indem 
er ihn nicht in dem speeifischen Ansteckungsstoffe begründet, nicht als einen 
Eliminationsherd des eigenthümlichen Giftes zu betrachten erklärt, sondern auf 
Rechnung der Scrofulose bringt, einer Dyscrasie, welche so häufig durch den 
vorhergegangenen exanthematischen Process angeregt, im Falle ihrer Präexistenz 
aber zu einem höheren Grade entwickelt werden könne. Er sondert sehr 
strenge den Herpes von der eigenthümlichen morbillosen, scarlatinosen, variolosen 
Ophthalmie und lässt nur Uebergänge in der Art gelten, dass nicht vollständig 
assimilirtes, in dem Blutstrome zurückgebliebenes, exanthematisches Gift auf 
die Gestaltung der nachträglich auftretenden scrofulosen Ophthalmie Einfluss 
nimmt und sofort complicirte Krankheitsbilder zur Entwicklung bringt. 

Der vom naturwissenschaftlichen Standpunkte ausgehende Forscher kann 
sich mit der Aufstellung einer einzigen Dyscrasie als Begründerin des nach 
Blattern, Masern und Scharlach auftretenden Herpes nicht begnügen. Hat die 
Blutmischung einen Einüuss auf dessen Hervortreten, so muss der Charakter 
derselben ein in verschiedenen Fällen sehr differenter sein, indem die her- 
petischen Efflorescenzen constituirt werden bald durch ein äusserst blandes, 
wässerig albuminöses, trübes oder eiter-ähnliches Exsudat (Bläschenform) bald 
durch coagulables, organisationsfähiges, bald croupöses, croupös- tuberkulöses, 
jauchig-eitriges mit auffallender Tendenz zur Corrosion und sofortiger Ent- 
wickelung tiefgreifender, verheerender Geschwüre. Sollen alle diese Exsudate 
aus einer und derselben Krase fliessen? Ich kann es nicht glauben. Es geht 
das Blut aus dem exanthematischen Processe sicherlich in sehr verschiedenen 
Zuständen hervor, und diese begründen sofort Differenzen in der Gestaltung 
der herpetischen Exsudationen. Der Herpes ist, wie ich bereits gezeigt, 
wesentlich eine Folge nervöser Alteration, die Krase ist dabei Nebensache, sie 
modificirt nur das Produkt und mit die äussere Form des Exanthems. 

Daher sehen wir den Herpes in Individuen, welche sich nach Ablauf des 
morbillosen, scarlatinosen, variolosen Processes vollständig erhohlt, und ihren 
früheren Gesundheitszustand wieder erreicht haben, Formen annehmen, welche 
ebenso in übrigens ganz gesunden Organismen zur Wahrnehmung kommen, es 
erblühen herpetische Efflorescenzen, die nicht so sehr durch sich selbst, als 
vielmehr durch seeundäre Entzündungen unter ungünstigen Verhältnissen Gefahr 
drohend werden. 

Restituirt sich die Krase jedoch nicht vollständig, setzt sie in andere 
anomale Blutmischung um, oder aber ist das Individuum von vornherein schon 
ungesund, cachektisch gewesen, so partieipirt auch das herpetische Exsudat, 
die Efflorescenzen werden durch jauchig-eitrige, croupöse, tuberkulöse Produkte 
constituirt, welche rasch verheerende Geschwüre in der Cornea und Con- 
junetiva setzen und sofort das Sehvermögen des betroffenen Auges für immer 
aufheben. Es ist dazu durchaus nicht nothwendig, dass die den Herpes modi- 
ficirende Krase einen Grad erreicht habe, der hinreicht, um auch ähnliche 



122 Keratitis ulcerativa mit jauchig-eitrigem Exsudate. 

Ablagerungen in anderen Körpertheilen zu bedingen, die herpetische Efflorescenz 
ist eine äusserst günstige Gelegenheit sich zu äussern, wenn auch die Krase 
an und für sich nicht fähig wäre, spontan Ablagerungen aus dem Blute zu 
begründen. Gewöhnlich aber äussert sich der hohe Grad der Bluterkrankung, 
welcher verheerende herpetische Exsudationen zu Wege bringt, gleichzeitig in 
Furunkeln, ausgebreiteten Hautgeschwüren, Drüsenverschwärungen, Ablagerungen 
in den Gelenken u. s. w., es hat sich aus der exanthematischen Krase nach 
und nach wahre Pyämie, croupöse Krase, croupös tuberkulöse Bluterkrankung 
herausgebildet, welche sich nun, oft spät nach Ablauf des Exanthemes, in der 
ausgesprochensten Weise zu erkennen gibt. 

Der Zusammenhang des Herpes mit den genannten Exanthemen erscheint 
nach dem Vorhergehenden ein äusserst loser. Das eigentliche vermittelnde 
Band ist nicht sowohl die dem exanthematischen Processe der Masern, Blattern 
und des Scharlachs zu Grunde liegende Krase, es scheint vielmehr einfach in 
der Alteration gelegen zu sein, welcher die Hautnerven nicht nur während 
des Eruptionsstadiums, sondern auch während der Exsiccationsperiode zweifels- 
ohne ausgesetzt waren. 

§ 283. Ganz anders verhält sich die Sache bei der zweiten Form 
jener Augenleiden, welche im Causalnexus mit den genannten 
exanthematischen Processen stehen. Ich meine jene Hyperämie und 
Schwellung der Conjunctiva und des subconjunctivalen Gewebes, welche sich 
so häufig im Verlaufe der Masern, des Scharlachs und der Blattern zeigt. Ihre 
Form gehört allen drei Exanthemen gemeinschaftlich zu, sie ist überall dieselbe, 
indem sie wesentlich nur an die anatomische Verkeilung der Gefässe in der 
Bindehaut und dem unterliegenden Zellgewebe gebunden ist. Sie elablirt sich 
constant während dem Stadio der Eruption, um mit der Abtrocknung des 
Exanthems und dem Erlöschen des specißschen Krankheitsprocesses gänzlich 
zu verschwinden. Diese Hyperämie ist eine Theilerscheinung des exanthema- 
tischen Processes selbst, sie ist wesentlich in der exanthematischen Krase be- 
gründet, stellt ein Symptom derselben dar, und ist insofern ganz in die Parallele 
zu setzen mit jenen Hyperämien, welche während des Verlaufes der Masern, 
des Scharlachs, der Blattern, auf den Schleimhäuten des Mundes, des Rachens, 
der Nase u. s. w. in die Wahrnehmung kommen. So wie es Epidemien gibt, 
welche sich durch vorzugweises Ergriffensein der Mund-, der Rachen-, der 
Nasen-, der Kehlkopfschleimhaut u. s. w. auszeichnen, so gibt es auch Epidemien, 
in welchen die Affektion der Conjunctiva und des episcleralen Gewebes in der 
Reihe der Symptome eine hervorstechende Rolle spielt. Wo Follikel sind, an 
der Conjunctiva palpebrarum nimmt sie die Form des Catarrhs an, an der von 
Follikeln entblössten Augapfelbindehaut aber repräsentirt sie sich unter einer 
Gestalt, welche die alte Schule als der scrofulosen Ophthalmie zukommend wähnt. 

Es ist natürlich, dass diese Affektion der Bindehaut und des subconjunctivalen 
Gewebes, indem sie einzig und allein von der exanthematischen Bluterkrankung 
abhängt und durch sie hervorgebracht ist, je nach dem Charakter des Allge- 
meinleidens wechselt. Wir sehen leichte Formen des Catarrhs, geringe 
Grade von Hyperämie und seröser Schwellung in der Conjunctiva bulbi ge- 
bunden an erethischen Charakter des exanthematischen Processes, Chemose mit 
synochalem Charakter, und im Verlaufe der sogenannten malignen Masern, 



Ophthalmia variolosa, morbillosa, scarlatinosa. 123 

Blattern und des Scharlachs äussert sich die allgemeine Blutzersetzung nicht 
selten in der Entwickelung einer wahrhaften Ophthalmoblennorrhoe mit eitrig- 
jauchigem, in kurzer Zeit die Cornea schmelzendem Exsudate, ja bei hoch- 
gradiger Blutentmischung nimmt das Conjunctivalexsudat, gleich dem auf der 
Mund-, Rachen-, Nasenschleimhaut abgesetzten Produkte wahrhaft diphtherische 
Eigenschaften an und verjaucht die in Berührung stehenden Gewebe, oder aber 
consumirt selbe unter Hervortreten von Petechien durch Brand und Nekrose 148 . 
Dieser Form allein kommt der Name einer morbillosen, 
scarlatinosen, variolosen Ophthalmie zu, sie geht aus dem exan- 
thematischen Processe selbst hervor, theilt dessen Charakter und bindet sich 
genau an seinen Verlauf. Die Zerstörungen der Hornhaut, welche unter den soeben 
erwähnten Verhältnissen gesetzt werden, sind jedoch nichts weniger als Folgen 
einer Comealefllorescenz, sie stellen sich vielmehr in die Categorie jener Corneal- 
leiden, welche gewöhnliche Ophthalmoblennorrhoen mit corrodirendem jauchig- 
eitrigem oder diphtherischem Produkte zu anerkannt gefahrdrohenden Affektionen 
stempeln. Hier wie dort ist das die Hornhaut gefährdende Produkt ursprünglich 
ein respektive äusseres. 

§ 284. Die speeifischen Efflorescenzen des Masern-, Scharlach- und 
Blatternprocesses sind wesentlich gebunden an das Stroma der Follikel, die 
Constitution, die Masse des Exsudates und die Art und Weise, in welcher das 
Follikularstroma afficirt ist, diese Momente bestimmen eben die speeifische 
Form des Exanthems. Wo Follikel fehlen, fehlet auch die der Maser und 
dem Scharlach zukommende Stipe, es fehlt die Blatterpustel. Unter diesen 
Follikeln sind es wieder vornehmlich die Schmeer absondernden, welche den 
genannten Exanthemen zu Localisationsherden dienen, weniger die Schleim- 
follikel. Daher sehen wir auch die eigentlichen Blatterpusteln fast aus- 
schliesslich an den Haardrüsen der Lidränder emporschiessen, während die 
Schleimfollikel der Lidbindehaut nur äusserst selten und dann ohne alle daraus 
hervorgehende Mitleidenschaft der Hornhaut in der Form speeifischer Efflores- 
cenzen alterirt werden 149 , sondern vielmehr ihr Ergriffensein in Absonderung 
catarrhalischer oder wahrhaft blennorrhoischer Produkte manifestiren. 

In der Conjunctiva bulbi und in der Cornea fehlen aber die Follikel 
gänzlich, es ist demnach das Auftreten speeifischer Efflorescenzen der Masern, 
der Blattern und des Scharlachs auf diesen Gebilden eine absolute Unmöglichkeit. 
Es ergibt sich schon daraus die Unrichtigkeit der Behauptung, als wären die 
scharf begrenzten, jauchig-eitrigen Infiltrationen der Cornea, welche im Verlaufe 
der genannten Exantheme auftreten, und gerade die zerstöre ndste Form 
der sogenannten morbillosen, scarlatinosen und variolosen 
Ophthalmie vorstellen, Exantheme. 

Von dieser dritten Form gilt hauptsächlich das, was ich bezüglich 
der jauchig-eitrigen Exsudation in die Hornhaut mitgetheilt habe. Die äussere 
Form der Exsudationsherde und die Varietäten des Exsudates sind allen drei 
Exanthemen gemeinschaftlich, es sind dieselben, welche man im Verlaufe des 
puerperalen, typhösen, des Choleraprocesses, ja sogar bei der Ophthalmo- 
blennorrhoe u. s. w. zuweilen zu beobachten Gelegenheit hat. 

Schon dieser Umstand allein hätte darauf aufmerksam machen können, 
dass die Produktablagerungen dieser Art nicht in Parallele gestellt werden 



124 Keratitis ülceraüva mit jauchig-eitrigem Exsudate. 

können mit den specifischen Efflorescenzen des Maser-, des Scharlach- und des 
Blatterprocesses, und dieses um so mehr, als Vereiterung des Exsudates der 
Maser- und der Scharlachstipe durchaus nicht zukömmt. 

Es täuschte hier die während des Blatterprocesses bisweilen vorkommende 
Form des Exsudationsherdes als einer eitergefüllten Blase, wie sie der 
Altmeister der Wiener Schule, der unerreichte Beer in seinem Handbuche 
als ächte, variolose, äussere Augapfelentzündung beschrieben und abge- 
bildet hat 150 . Es sind wirkliche, mit Eiter gefüllte, über die gewölbte 
Fläche der Hornhaut hervorgehende Blasen. Eiterblasen sind aber keine 
Blatterpusteln, sie haben nur eine einzige Höhle, wie daraus hervorgeht, dass 
sie ein Einstich mit der Staarnadel vollkommen entleert. 

Uebrigens haben Carron de Villards Untersuchungen 151 an den Leichen 
vieler an Blattern verstorbener Individuen die Differenz dieser Cornealexsu- 
dationen von wahren Blatterpusteln nachgewiesen. Er beschreibt sie als 
Onyx subconjunctivalis. Während des Lebens bieten sie in Grösse und Gestalt 
viel Aehnlichkeit mit einer Linse dar, und breiten sich nach und nach aus, ohne 
ihre äussere Form zu verändern, nur, wenn sie an den Cornealrand anstossen, 
gehen sie in die Gestalt eines Halbmondes über. Er nennt sie scharf begrenzte 
Abscesse, welche ringsum von einem Entzündungsherde umgeben sind, sich 
langsam entleeren und in ein hohles gefränztes Geschwür mit steilen Bändern 
übergehen. Nach dem Tode, wenn der Abscess sich nicht entleert hat, zeigt 
sich das Epithel der Hornhaut durch den ergossenen Eiter abgehoben und die 
entsprechende Parthie der Cornealparthie muldenförmig vertieft, und dieses um 
so mehr, je älter die Cornealaffektion zu sein scheint. Den Grund des Abscesses 
fand er glatt, durch Abspülen mit Wasser Hess er sich rein herstellen, ein Be- 
weis der vollständigen Schmelzung der mit dem Exsudate in Berührung 
stehenden Lamellen. Carron de Villards erklärt diesen Onyx variolosus aus- 
drücklich für etwas durchaus nicht speciflsches, indem er ganz identische 
Formen auch im Gefolge von Traumen, Verbrennungen, während der Ophthalmia 
neonatorum und militaris u. s. w. auftreten gesehen zu haben behauptet. 

Dass diese im Verlaufe der Masern, Blattern und des Scharlachs auf- 
tretenden, im höchsten Grade die Existenz des Auges gefährdenden Eiterab- 
lagerungen nicht exanthematische Efflorescenzen seien, lässt sich weiterhin mit 
positiver Gewissheit daraus entnehmen, dass sie, mit äusserst seltenen Aus- 
nahmen, nicht in dem Eruptionsstadium der exanthematischen Erkrankung 
hervortreten, sondern fast constant in der Maturitionsperiode oder während der 
Abtrocknung des Exanthems, ja nicht selten erst nachher, wenn somit der 
speeifische Process bereits erloschen ist, Alle Autoren stimmen in dieser 
Hinsicht überein, und Beer 152 vindicirt seiner ächten variolosen, äussern Aug- 
apfelentzündung ausdrücklich die Eigenschaft, niemals gleichen Schritt mit den 
Stadien der Pocken zu halten, sondern oft erst während des Abtrocknungs- 
stadiums oder aber nach dem gänzlichen Verlaufe der Blattern sich einzustellen. 

So entscheidend auch diese Gründe eine direkte Abhängigkeit der in Bede 
stehenden Exsudationen von dem specifischen exanthematischen Processe in 
Abrede stellen, werden sie in ihrer Beweiskraft dennoch übertroffen durch den 
Umstand, dass jauchig- eitrige Ablagerungen in den einzelnen Gebilden des 
Augapfels nimmermehr im Gefolge normal verlaufender Masern, Blattern und 
des Scharlachs auftreten. Sie sind stets gebunden an regelwidrig einher- 



Ophthalmia variolosa, morbillosa, scarlalinosa. 125 

gehende exanthematische Processe, und namentlich an die sogenannte maligne 
Form derselben, diese sei nun entweder in der Eigenschaft der gerade herr- 
schenden Epidemie selbst begründet, oder aber bedingt durch präexistente 
krankhafte Affektion des betroffenen Individuums in der Art, dass der zur 
völligen Restitution der normalen Krase nöthige Process in dem Blute un- 
möglich werde. 

Dieses ist der Grund, warum ältere Forscher als Ursache der betreffenden 
Exsudationen in die Gebilde des Augapfels annehmen zu müssen glaubten, das 
specifische exanthematische Gift sei in Folge herrschender Verhältnisse nicht 
völlig assimilirt und eliminirt worden, ein Theil desselben sei vielmehr in dem 
Blutstrome zurückgeblieben und gehe nun in den eitrig-jauchigen Ablagerungen 
zu Tage. Beer erklärt seine ächte variolose, morbillose und scarlatinose Oph- 
thalmie für solche Ausscheidungen specifischen, exanthematischen Giftes 153 
und spricht sich demgemäss entschieden gegen deren metastatische Bedeutung 
aus 154 . 

§ 285. Es ist allerdings richtig, dass sich für eine Metastase in dem 
Sinne der alten Schule keine begründenden Momente auffinden lassen, dass 
das Zustandekommen der eitrig-jauchigen Herde in der Cornea unter den genannten 
Umständen auf eine Resorbtion des Produktes aus einem präexistenten Herde 
und auf eine Uebertragung dieses Stoffes auf das Auge nicht geschoben werden 
könne. Allein die Forschungen der neueren Medizin haben den Begriff der 
Metastase etwas verändert, und in deren Sinne ist der metastatische Charakter 
der Ablagerungen in dem Auge wohl nicht abzuweisen l55 . Die neuere Medizin 
betrachtet die im Gefolge der exanthematischen Processe auftretenden Ex- 
sudationen eitrig-jauchiger Produkte als locale Aeusserungen einer die Gesammt- 
masse des Blutes betreffenden anomalen Krase, als Ausscheidungen erkrankten 
Eiweisses oder Faserstoffes und hat für die Wahrheit dieser Behauptung ge- 
wichtige Gründe beigebracht 156 . 

Dass die in Rede stehenden Exsudationen in die Cornea und in die übrigen 
Gebilde des Auges nicht rein locale Processe, dass sie in einer anomalen Krase 
begründet seien, dieses geht mit Sicherheit daraus hervor, dass sie fast niemals 
allein, für sich in die Wahrnehmung treten, sondern beinahe constant in Gesell- 
schaft mit Ablagerungen vollkommen analoger Produkte in anderen Körper- 
theilen, mit Meningealexsudationen, lobulärer Pneumonie, häufiger aber mit 
verschwärenden Drüsengeschwülsten, Ecthymablasen, Hautfurunkeln, Zellgewebs- 
abscessen, Eiterergüssen in die Gelenkshöhlen u. s. w. unter Entwicklung 
eines Fiebers erscheinen, welches ganz den Charakter eines Eiterungsfiebers 
darbietet und unter dem Namen der Febris tertiaria bekannt ist. 

§ 286. Die Krase, welche die letztgenannten Localprocesse bedingt, 
ist erwiesener Massen ein von den exanthematischen verschiedene, 
es ist dieselbe, welche mitunter im Gefolge des Typhus, der Cholera, der 
Dyssenterie, ins Leben tritt, es ist mit einem Worte die Pyämie, in welche die 
exanthematische Krase mitunter umsetzt. Es kann die exanthematische Krase 
in jeder Periode des specifischen Processes zur Pyämie umsetzen. Doch ist 
dieser Vorgang am häufigsten in dem Stadio der Reife und der Abtrocknung 
des Exanthemes, also zu einer Zeit, in welcher die eigentliche exanthematische 
Blutconsütution durch vollendete Ausscheidung ihrer specifischen Produkte dem 



126 Keratitis mit jauchig-eitrigem Exsudate. 

Erlöschen nahe, oder bereits wirklich erloschen ist, und in regelrechten Fällen 
in die normale Blutmischung überzugehen pflegt. Wir sehen daher die ge- 
nannten Folgen fast immer in dem Zeiträume der Mafurition und Desiccation 
eintreten, nur in seltenen Ausnahmen während früherer Stadien sich entwickeln. 

Unter solchen Umständen beurkundet sich der Metaschematismus der 
Krase in Hemmung der weiteren Entwickelung der specifischen Efflorescenzen, 
die Maserstipe, der Scharlachausschlag erblasst, wird dem freien Auge un- 
sichtbar, die Blatterpusteln aber verjauchen, ändern ihre Farbe, indem die 
weiteren Produkte der noch unvollendet gewesenen Ausscheidung dem Charakter 
der neuentstandenen Krase entsprechen, mit Blut gemengt hervortreten und 
ihre corrodirenden und selbst septischen Eigenschaften durch sichtbare Merkmale 
zu erkennen geben. Es ist der specifisch exanthematische Process erloschen, 
ein anderer ist an seine Stelle getreten. Man hat desshalb die Eiterab- 
lagerungen in verschiedenen Körpertheilen, also auch jene im Auge als Folgen 
unterdrückter Masern, Scharlachs und Blattern bezeichnen zu müssen geglaubt, 
und somit für Ursache genommen, was die Wirkung ist. Nicht das Zurück- 
treten und die Veränderungen des specifischen Exanthemes sind der Grund der 
das Sehorgan und selbst das Leben in Frage stellenden Localprocesse, diese 
sind vielmehr sämmtlich Folgen einer und derselben Ursache, einer Umsetzung 
der specifischen Krase in die pyämische, croupöse oder selbst putride. 

Indess wäre es doch gewagt, die Entstehung der Pyämie unter allen Ver- 
hältnissen als Folge eines stattgehabten Metaschematismus zu erklären. 
Wenigstens für die im Maturitions- und Desiccationsstadio des Blatternprocesses 
auftretende Pyämie dürfte mitunter eine theilweise Resorbtion des in den 
Efflorescenzen massenhaft ergossenen, anerkannt organisationsunfähigen, und oft 
jauchigen Eiters als Gelegenheitsursache nur schwer und kaum mit schlagenden 
Gründen zu widerlegen sein, wenn sie sich auch eben so wenig beweisen lässt. 

Unter solchen Umständen müsste dann die Pyämie als Folge der Infektion 
der Blutmasse mit jauchig -eitrigen Produkten eines längst erloschenen, oder 
aber durch die Entwickelung einer neuen Krase zum Erlöschen gebrachten 
Processes betrachtet werden. 

Diese Hypothese erscheint mir um so annehmbarer, als faktisch die Pyämie 
nicht selten angeregt wird durch jauchig -eitrige Produkte eines localen Ent- 
zündungsprocesses, oder aber durch Uebertragung einer in Zersetzung be- 
griffenen organischen Flüssigkeit in den allgemeinen Kreislauf. 

§ 287. Es ist natürlich, dass eine solche durch Infektion zu Stande 
gekommene Pyämie sich eben so gut im Auge localisiren könne, als eine aus 
anderen Quellen fliessende. Daher sehen wir denn auch jauchig-eitrige Horn- 
hautexsudate neben Ablagerungen in anderen Körpertheilen auftreten, während 
des Verlaufes der Phlebitis mit jauchig-eitrigem Produkte, im Gefolge ver- 
schwärender Wunden, maligner Abscesse u. s. w. 457 . 

§ 288. Der hohe Grad von Zersetzung in dem localen Ausgangsherde 
ist auch die Ursache, warum in der allgemeinen Rotzkrankheit beim 
Menschen und Thiere gewöhnlich Eiterablagerungen in den verschiedensten 
Körpertheilen und namentlich auch in der Cornea zu Stande kommen, welche 
sich durch ganz besondere Neigung zu tiefen Destructionen ganz besonders 
auszeichnen. Die Verschwärungen der Hornhaut im Gefolge allgemeiner 



Locale Infectionen. 127 

Rotzkrankheit sind etwas Gewöhnliches, und allenthalben in die Symptomato- 
logie des Malleus humidus aufgenommen 158 . 

§ 289. Es ist mir zwar kein Fall bekannt, wo Pyämie in Folge der 
Infektion mit Leichengift Verschwörung der Hornhaut oder des ganzen 
Augapfels gesetzt hätte, indessen zweifle ich doch keinen Augenblick an der 
Möglichkeit eines solchen Vorkommnisses, indem sich die Pyämie als Allgemein- 
krankheit eben in a'len Organen localisiren kann und Magendie 159 durch 
Versuche bewiesen hat, dass Injektionen verschiedener Substanzen in das Blut, 
Ophthalmien erzeugen, welche fast immer übel ausgehen, indem gewöhnlich 
zuerst die Cornea getrübt wird, sich eitrig infiltrirt, erweicht, und mit Entlee- 
rung des Bulbus berstet. 

§ 290. Infektion mit jauchig-eitrigen Produkten oder in 
Zersetzung begriffenen organischen Stoffen bedingt mitunter aber 
auch auf eine andere Weise Verschwörungen der Hornhaut und der tieferen 
Gebilde des Augapfels, sie veranlasst eitrig-jauchige Ablagerungen, 
ohne dass sich deren Entwickelung auf Grund einer Pyämie, d. i. 
auf Grund einer Erkrankung der gesammten Blutmasse setzen Hesse. 

Es ist durch die tägliche Erfahrung festgestellt, dass Einwirkung jauchig- 
eitriger oder in Zersetzung begriffener organischer Stoffe auf einen Punkt der 
Blutsäule nicht alsogleich eine Erkrankung der gesammten Blutmasse bedinge. 
Es beschränken sich vielmehr die chemischen Vorgänge, welche durch solche 
Produkte in dem Blute hervorgerufen werden, während einer längeren oder 
kürzeren Zeit auf den Infektionsherd und seine unmittelbare Umgebung. Die 
innerhalb dieses Terrains abgesonderten P/odukte bieten alle Merkmale einer 
Veränderung des Blutfaserstoffes und des Bluteiweisses dar. Jenseits der 
Grenzen des Infektionsherdes abgesetzte faserstoffige oder albuminöse Exsudate 
lassen keine Spur einer Veränderung erkennen, sie zeichnen sich durch alle 
Eigenschaften normalen Faserstoffes und normalen Eiweisses aus. Wir sehen 
nicht selten in grosser Nähe von Infektionsherden gesetzte reine Wunden per 
primam intentionem heilen oder ganz normalen, blanden Eiter absondern, wäh- 
rend in dem Infektionsherde grosse Massen corrodirender, selbst in Zersetzung 
begriffener, jauchiger Produkte fortwährend ausgeschieden werden. 

Es lässt sich diese Erscheinung nicht anders erklären, als dass das Blut 
in normalem Zustande dem Infektionsherde zuströme, allhier durch den Con- 
takt mit dem Ansteckungsstoffe speeifisch verändert, zugleich aber auch ange- 
regt werde, die alterirten Bestandteile aus dem Blutstrome zu entfernen, im 
Infektionsheerde selbst abzusetzen, und sich ihrer, wenigstens zum grössten 
Theile, zu entledigen. Dadurch kömmt es, dass das Blut aus dem Infektions- 
herde in einem Zustande wieder heraustritt, in welchem es nur wenig alterirte 
Elemente mehr enthält, so wenig, dass es leicht möglich wird, selbe vollständig 
zu assimiliren oder aber durch Excretionsorgane aus dem Körper zu werfen 
und sofort den normalen Mischungszustand des Blutes herzustellen. 

Nur in dem Falle, als es nicht möglich ist, die in dem Infektionsherde 
alterirten Blutbestandtheile allsogleich wieder auszuscheiden, oder sich deren 
in weiterem Laufe des Blutes zu entledigen, geht der Ansteckungsstoff in den 
gesammten Kreislauf über, es wird durch denselben nach und nach das ganze 
Blut verändert, die dem speeifischen Ansteckungsstoffe zukommende Krase ent- 



128 Keratitis ulcerativa mit jauchig-eitrigem Exsudate. 

wickelt, es betrifft die eigentümliche chemische Umsetzung nicht mehr bloss 
jenen Theil des Blutes, welcher jeden Augenblick den Infektionsherd durch- 
strömt, der Process ist ein allgemeiner geworden, es etablirt sich eine Dyscrasie. 

Es ist der Vorgang in dem localen Infektionsherde und in dem ganzen 
Umfange der Blutsäule ein dem Wesen nach gleicher, beide Processe unter- 
scheiden sich nur durch die differente Extension ihrer Grenzen. 

Fällt das Auge in den Rayon eines Infektionsherdes mit jauchig eitrigem 
oder in Zersetzung begriffenem Produkte, so kann die Cornea und selbst der 
ganze Bulbus unter Erscheinungen zu Grunde gehen, die denen einer Eiter- 
metastase aus pyämischer Krase der Form und dem Wesen nach vollkommen 
identisch sind, und nur in Bezug auf die specifischen Eigenschaften des infici- 
renden Produktes untergeordnete Modifikationen darbieten. 

§ 291. Durch Rotzkrankheit werden unter geeigneten Verhältnissen 
bisweilen ausgebreitete Knochenabsterbungen und Verschwärungen in der 
Nase und der Orbita gesetzt und der in das Bereich des Herdes fallende 
Bulbus geht durch Jaucheablagerungen zu Grunde, ehe die Krankheit noch 
eine allgemeine geworden zu sein scheint. 

§ 292. Am allerhäufigsten ist jedoch eine Verschwärung der Hornhaut 
und mitunter auch der tieferen Gebilde des Augapfels als Folge localer Infektion 
der Blutsäule mit eitrig -jauchigem Produkte in dem ophth alinoblen nor- 
rhoischen Processe gegeben. 

Es ist diese Krankheit eines der eclatantesten Beispiele einer auf einen 
Theil der Blutsäule beschränkten Infektion. Die massenreichen blennorrhoischen 
Produkte äussern auf unverkennbare Weise die tiefe Erkrankung des consti- 
tuirenden Albumens und des Faserstoffes, während das Blut in allen übrigen 
Körperteilen seine normale Mischung beibehält, im Falle einer Alteration aber 
nicht die dem blennorrhoischen Processe entsprechenden Alterationen seiner 
proteinigen Elemente, sondern andere, ja nicht selten ganz entgegengesetzte 
Eigenschaften erkennen lässt. Die Bindehaut repräsentirt in dem ophthalmo- 
blennorrhoischen Processe einen Infektionsherd, das in normalem Zustande 
einströmende Blut wird alsogleich durch die Einwirkung der Infektionsjauche 
auf entsprechende Weise modificirt, zugleich aber auch zur Ausscheidung der 
erkrankten Faserstoff- und Eiweisselemente angeregt. 

Der Infektionsherd beschränkt sich gewöhnlich auf dio Bindehaut und 
das ihr unterliegende Zellgewebe, nur das durch diese Organe streichende Blut 
erfährt die modificirende Einwirkung der blennorrhoischen Jauche und wird 
zur qualitativen Umsetzung seiner proteinigen Elemente gestimmt. Mitunter 
dehnen sich aber die Grenzen des Herdes aus, die Umwandlung des Faser- 
stoffes und des Eiweisses beschränkt sich nicht nur auf das die Bindehaut und 
das subconjunctivale Gewebe durchströmende Blut, sie betrifft auch jenen 
Theil der allgemeinen Blutsäule, welcher durch gemeinschaftliche Gefässstämm- 
chen mit dem Blutsysteme der genannten Organe in innigem Rapport stehet, 
es wird auch das Blut, welches in dem Augapfel kreiset, alterirt und äussert 
seine Erkrankung durch jauchig-eitrige Exsudate in der Hornhaut und auf der 
Oberfläche der blutführenden Uvea. Die Ablagerung eitrig-jauchiger Produkte 
in die Hornhaut während des Verlaufes der Ophthalmoblennorrhoe betrifft ent- 
weder bloss die Oberfläche und Theile der vordersten Schichten 



Ophthalraoblonnorroischc Cornealgeschwüro. 129 

der Hornhaut oder aber das Cornealparenchym in dem grössten 
Theile seiner Dicke. 

Im ersteren Falle schmelzen die oberflächlichen Schichten sammt dem 
Epithel rasch und stossen sich ab, wodurch seichte muldenförmige Substanz- 
verluste mit durchsichtigem oder grauem Grunde entstehen, welche den soge- 
nannten Resorbtionsgeschwüren ihrer Form nach ganz entsprechen. 

Die eitrig-jauchigen Ablagerungen in dem Parenchym der 
Hornhaut bieten aber ganz dieselben Charaktere dar, welche Eitermetastasen 
im Gefolge allgemeiner Pyämie zur Schau tragen. Sie setzen durch rasche 
Schmelzung des infiltrirten Hornhautgewebes weit offene Geschwüre mit steilem 
Rande und fetzigem Grunde, welche eben so gut im Centrum als an der Peri- 
pherie der Hornhaut sitzen können, und im ersten Falle gewöhnlich eine unregel- 
mässig rundliche, im zweiten aber die Gestalt einer Lancette darbieten. Es 
gilt von ihnen wesentlich das, was ich in der Symptomatologie der durch eitrig- 
jauchige Exsudate der Hornhaut bedingten Uebel mitgetheilt habe. 

§ 293. Sie unterscheiden sich durch ihre äussere Form gründlich von 
den mondsichelförmigen Geschwüren der Hornhaut, welche so 
häufig im Gefolge der Ophthalmoblennorrhoe am Cornealrande 
auftreten und das Sehvermögen des betroffenen Auges im hohen Grade gefähr- 
den. Die ungemeine Wichtigkeit dieser mondsichelförmigen Geschwüre nöthigt 
mich, hier etwas näher in ihre Erörterung einzugehen. 

Sie entwickeln sich aus einer, während des Verlaufes der Ophthalmo- 
blennorrhoe auftretenden, mehr weniger tief greifenden länglich ovalen Trü- 
bung, deren äusserer, scharf begrenzter Rand nahe an den Bindehautsaum an- 
steht, der innere Rand aber gegen das Centrum der Cornea hin sich verwäscht. 
Von diesem Flecke aus schreitet die Trübung, sich immer in gleicher Ferne 
von dem äussersten Cornealrande haltend, nach zwei einander entgegengesetzten 
Richtungen vorwärts, während sie sich viel langsamer gegen den Mittelpunkt 
der Hornhaut fortpflanzt. Bald schwillt die getrübte Parthie an und zerfällt 
endlich in einen grau-weissen Brei, welcher sich abstösst. Es resultirt daraus 
ein Substanzverlust, welcher in seiner Gestalt einer, den Hornhautrand in 
grösserem oder geringerem Bogen umgreifenden Mondsichel sehr ähnlich ist, 
und eine Rinne darstellt, deren grösste Breite und Tiefe an den Ausgangspunkt 
der Trübung fällt, in der Bichtung der beiden Hörner aber und gegen das 
Centrum der Cornea hin abnimmt, um dort unmerklich in das Niveau der nor- 
malen Hornhaut überzugehen. Die äussere Wand der Rinne ist schroff und 
steht fast senkrecht auf der Hornhautoberfläche. Sie wird niemals von dem 
Scleralrande selbst gebildet, sondern stets von dem strukturlosen, nicht blätte- 
rigen Theile der äussersten Cornealperipherie , welche nach aussen von dem 
Limbus conjunctivalis bedeckt wird, und die Cornealblätter mit dem Scleral- 
rande verbindet. Die innere Wand der Rinne schneidet die erstere unter 
einem spitzigen Winkel, ist rauh, fetzig, staffelig, sie steigt aus dem 
Grunde allmälig empor und geht ohne scharfe Grenze in die Cornealwölbung 
über. 

Die Wände dieser Rinne sind gewöhnlich in einer ganz geringen Dicke 
wolkig trübe, sie werden von halberweichter Cornealsubstanz gebildet, der 

Stell wag, Ophthalmologie. I. 9 



130 Keratitis ulcerativa mit jauchig-eitrigem Exsudate. 

Process schreitet auch in die Tiefe allmälig vorwärts, und durchbohrt dann 
nicht selten die Hornhaut. 

Die mondsichelförmige Gestalt ist eine so eigentümliche Er- 
scheinung, dass es wohl der Mühe werth ist, sich über die Verhältnisse 
auszusprechen, welche das Zustandekommen derselben be- 
dingen. 

Besonders drei Ansichten haben sich in dieser Hinsicht geltend gemacht. 
Einige Autoren legen Entzündung mit schmelzenden Produkten zu Grunde, 
die andern leiten den Zerstörungsprocess von der ätzenden Einwirkung des 
blennorrhoischen Bindehautsekretes oder von dem Drucke ab, der von Seite 
der chemotischen Bindehautwülste auf den Gornealrand ausgeübt wird. 

Die letztere Ansicht, nach der das Absterben des Cornealrandes 
in Folge des Druckes von Seite der chemotischen Wülste bedingt 
wird, erscheint schon desswegen sehr unwahrscheinlich, weil bei einer solchen 
Annahme es ganz unbegreiflich würde, wie die Gefahr für die Cornea ab- 
nehmen sollte, wenn bei unverändertem Bestände der Wülste das blennorrhoische 
Sekret seine jauchige Beschaffenheit mit mehr plastischem Charakter vertauscht, 
wenn die Bindehautoberfläche mit trachomatosen Körnern und Vegetationen 
von derber Consistenz bedeckt wird, und selbst, die Cornea vergrabend, in 
Gestalt fleischrother Wülste zur Lidspalte hervortritt. Wie käme es dann, dass 
die Form des Geschwüres eine mondsichelförmige ist, da doch die Wülste die 
verschiedensten Formen annehmen, wie käme es, dass der äussere Band des 
Geschwüres senkrecht in die Tiefe steigt, da doch nach Verlust der oberfläch- 
lichsten Lamellen des Cornealrandes ein Druck auf die tieferen Blätter nicht 
mehr möglich ist, indem sich die Wülste dann brückenförmig über die Lücke 
legen? Wie käme es, dass die Conjunctivalwülste, welche doch rings um die 
Cornea lagern, der Begel nach nur an dem untern Cornealrande einen Detritus 
erzeugen? Ich glaube, dieses sind hinlängliche Gegengründe, es bleibt also 
nur der Werth der beiden andern Hypothesen zu erörtern. 

Gegen die Anätzung der Hornhaut lässt sich besonders geltend machen, 
dass der Schmelzung des Cornealrandes stets eine mehr weniger tief greifende 
Trübung vorhergeht, dass die Alteration nicht schichtweise vorschreitet und 
sofort eine Schichte nach der anderen erweicht und herausfällt, sondern dass 
der Erweichungsprocess gleich ursprünglich den Cornealrand in tieferen Lagen 
trifft, welche einer unmittelbaren Einwirkung des blennorrhoischen Sekretes 
unmöglich ausgesetzt gedacht werden können. 

Gegen die Infiltration mit schmelzendem Exsudate spricht aber die 
Form der Geschwüre und der pathologisch -anatomische Befund. Das blen- 
norrhoische Sekret ist stetig ein flüssiges, sobald es die Cornea in der frag- 
lichen Weise gefährdet. Flüssige Exsudate, besonders, wenn sie in einiger 
Menge in das Cornealparenchym abgelagert werden, bilden stets diffuse Herde, 
sie verbreiten sich nach allen Richtungen in den Interlamellarräumen, und 
können sowohl in oberflächlichen, als tiefen Zwischenräumen auftreten. Bei 
den mondsichelförmigen Geschwüren sind aber jederzeit die oberflächlichsten 
Schichten vorzugsweise ergriffen und das Vorschreiten der Erweichung nach 
einer bestimmten Bichtung ist eine so auffallende, dass die E.xsudation eines flüs- 
sigen Produktes zwischen die Lamellen der Cornea unmöglich angenommen 
werden kann, und dieses um so weniger, als sich in diesen Geschwüren durch- 



Ophthalmoblennorrhoische Comealgeschwüre. 131 

aus kein Abhoben der einzelnen Lamellen von einander durch zwischengelagcrte 
Produkte erkennen lässt. Hat man die zufällig aufliegenden Elemente des 
Bindehautsekretes vorsichtig abgeschwemmt, und untersucht nunmehr den Beleg 
des Geschwüres, so findet man nicht jauchig eitrige Produkte in Schichten ab- 
wechselnd mit getrübten Corneallamellen, sondern es ist die Cornealsubslanz in 
eine fast homogene, leicht getrübte, weiche und mit dunkleren Körnchen reich- 
bch durchstreute Masse metamorphosirt. Es sondern sich die Corneallamellen 
und das zwischen sie gelagerte Produkt nicht durch scharfe mikroskopische 
Unterschiede, es haben die Corneallamellen und die zwischen ihnen befindliche 
Grundsubslanz dieselbe Metamorphose erlitten, sind mit Differenzirung dunkler 
Punktmasse trüb, wie staubig geworden und durch grösseren Eeuchtigkeitsgrad 
aufgebläht, Insofern sind die mondsichelförmigen Geschwüre der Hornhaut von 
den durch Infiltration entstandenen, häufiger im Centrum sitzenden rundlichen 
oder halbmondförmigen ihrem inneren Wesen nach sehr verschieden. 

Nimmt man diese Momente in Betracht, und bedenkt man, dass das Auf- 
treten der mondsichelförmigen Geschwüre constant gebunden ist an Blennor- 
rhoen mit eclatant jauchigem Exsudate, welche mit bedeutender chemotischer 
Schwellung der Bindehaut einhergehen, bedenkt man, dass durch die über den 
Cornealrand hinüberragenden Conjunctivalwülste Rinnen und Spalten entstehen, 
in welchen sich das blennorrhoische Produkt sammeln und durch längere Zeit 
auf den Cornealrand einwirken kann, bedenkt man endlich, dass die mond- 
sichelförmigen Geschwüre am häufigsten am untern Rande der Cornea auf- 
treten, also dort, wo sich das Sekret am meisten anhäufen und stagniren kann, 
und dass die Form der Geschwüre genau entspricht der Gestalt und der Breite 
jener Rinnen, welche durch die Ueberdeckung des Cornealrandes mit Binde- 
hautwülsten entstehen, und Sammelplätze für das jauchige Exsudat der Con- 
junetiva abgeben: so wird man nicht bezweifeln, dass das blennorrhoische 
Produkt auf die Entstehung der mondsichelförmigen Geschwüre Einfluss nehmen 
könne, ja dass es deren Entwicklung nothwendig begründe, wenn es auch 
nicht in dem Parenchym der Cornea selbst abgelagert ist, sondern der Horn- 
haut nur von Aussen aufliegt. 

Es ist sicher, dass das blennorrhoische Sekret nicht in der Weise ätzend 
angenommen werden könne, wie z. B. die Schwefelsäure, das Aetzkali etc. Es 
ist die Arrosion des Cornealparenchyms nichts weniger, als ein nach den Ge- 
setzen der Wahlverwandtschaft vor sich gehender chemischer Process. 
Es tritt nicht ein Element der Hornhaut nach dem andern zu dem berührenden 
jauchig-eitrigen Produkte der Bindehaut über, während sich Bestandteile des 
letzteren mit chemischen Elementen der Cornea binden. Wäre ein Uebertreten 
einzelner Elemente der Hornhautlamellen zu dem Bindehautprodukte erforder- 
lich, um den Begriff einer Anätzung zu erschöpfen, so wäre die Behauptung 
einer Arrosion sehr schwierig, dann wären aber die pathologischen Anatomen 
mit der Aufstellung der schmelzenden corrodirenden Exsudate sehr in Ver- 
legenheit. 

Ich nehme die Corrosion der Hornhaut durch blennorrhoische Jauche in 
dem Sinne, in welchem die neuere Schule überhaupt die Schmelzung von 
Parenchymen durch Infiltration mit corrodirenden Exsudaten auffasst. Es ist 
ein Process, der in der Einwirkung von Fermenten auf gäh- 
rungsfähige Substanzen, in der Einwirkung Yon pflanzlichem Eiweiss 

9. 



132 Keratitis ulcerativa mit jauchig-eitrigem Exsudate. 

auf Amygdalin u. s. w. seine Analogie findet. Das Ferment bindet sich nicht 
mit den Elementen der gährungsfähigen StofTe, das Eiweiss zersetzt sich nicht 
auf Kosten des Amygdalins, nein, die gegenseitige Berührung dieser Stoffe 
unter günstigen Verhältnissen reicht hin, in beiden Stoffen einen Zersetzungs- 
process hervorzurufen, ohne dass ein Bestandteil des einen in die Zusammen- 
setzung des anderen überginge. Je intensiver der Zersetzungsprocess in dem 
Fermente, desto rascher und vollständiger die chemische Umwandlung der 
gährungsfähigen Substanz, je mehr Berührungspunkte das Ferment, das Ei- 
weiss mit den gährungsfähigen Flüssigkeiten, mit dem Amygdalin hat, desto 
schneller und in desto grösserem Maasse werden die Zerlegungsprodukte ge- 
liefert. 

In dieser Weise ist nun auch die Schmelzung von Geweben zu verstehen, 
welche mit corrodirenden Exsudaten in Berührung sind. Das schmelzende 
Exsudat theilt den in Gontakt stehenden Gewebetheilen die 
Tendenz zur Zersetzung mit, ohne dass ein gegenseitiger Stoffaustausch 
nothwendig wäre, die schmelzenden Gewebe hören auf zu vegetiren, sie er- 
weichen und lösen sich in eine Flüssigkeit, welche sich dem corrodirenden 
Produkte beimischt. 

Unter dieser Annahme vereiniget sich die Entstehung einer allgemeinen 
Dyscrasie durch Infektion des Blutes mit jauchig eitrigem Produkte und die 
Schmelzung der Gewebe in den localen Ablagerungsherden dieser Krase unter 
einem und demselben Gesichtspunkte. Innerhalb der Gefässe ist es das Eiweiss 
und der Faserstoff des Blutes, welcher durch Contaktwirkung des inficirenden 
Stoffes zu eigentümlichen Metamorphosen angeregt wird, in den localen Heer- 
den ist es aber das zum grössten Theile die Gewebe constituirende Albumen 
und Fibrin, welches durch den in dem Exsudate vor sich gehenden Zer- 
setzungsprocess zu ähnlichen chemischen Vorgängen umgestimmt wird. 

Es ist dabei durchaus nicht nöthig, dass das corrodirende Exsudat die 
der Schmelzung anheimfallenden Formelemente rings umgebe, einseitige 
Berührung genügt. Infiltration der Parenchyme mit schmelzendem Exsudate 
beschleunigt nur die corrodirende Wirkung, indem sie die Berührungspunkte 
vervielfältigt. Insofern stellen sich die im Gefolge der Ophthalmoblennorrhoe 
auftretenden, durch Infiltration mit jauchig-eitrigem Produkte bedingten rund- 
lichen oder lanzettförmigen Geschwüre in Parallele mit den mondsichelförmigen. 
Im ersteren Falle ist die Berührung des Exsudates mit den Gorneallamellen 
eine allseitige, in dem letzteren Falle ist aber das schmelzende Produkt relativ 
zur Cornea ein äusseres und seine Einwirkung eine einseitige, in der Bichtung 
von vorne nach rückwärts stattfindende. Das Produkt und seine Quelle, das 
jauchig inficirte Blut bleiben dasselbe, daher sich denn auch beide Formen der 
Geschwüre häufig auf einer und derselben Hornhaut combiniren. 

Damit ein Gewebe durch corrodirende Exsudate geschmolzen werde, 
ist erforderlich, dass die zersetzende Kraft derselben einen gewissen Grad er- 
reicht habe. Die Corrosionsfähigkeit verschiedener Exsudate ist eine sehr ver- 
schiedene, ja sie wechselt bei demselben Produkte sehr bedeutend nach der 
Zeit, indem sie zunimmt, je älter das Produkt und je weiter in ihm selbst die 
Zersetzung vorgeschritten ist. Es bedarf einer gewissen Zeit, auf dass sich 
ein Exsudat auf höhere Stufen der Corrosionsfähigkeit erschwingen kann, und 
hat sie diese Stufe erreicht, so geschieht die Zersetzung der in Contakt stehenden 



Rein Iocale Ursachen, Ophthalmia sympathica. 133 

Gewebe auch nicht mit einem Schlage, sie geht, wie jeder Process in der 
Zeit vor. Daher etabliren sich Arrosionsgeschvvüre der Hornhaut nicht leicht 
auf einem Punkte der Cornealwölbung, wo das blennorrhoische Sekret unter 
allen Lagen des Körpers leicht abfliesst und sich stets erneuert, sondern an 
den abhängigsten Parthien des Cornealrandes, dort wo sich in der von dem 
Bindehautwulste gesetzten Rinne das blennorrhoische Sekret festsetzen, weitere 
Zersetzungen eingehen kann, ohne abzufliessen und stets von frischem Produkte 
ersetzt oder durch Wasser und therapeutische Mittel ausgeschwemmt und gänz- 
lich zerlegt zu werden 16 °. 

§ 294. Das mondsichelförmige Arrosionsgeschwür der Hornhaut stellt 
dem Mitgetheilten zufolge die Wirkung eines localen Processes dar. Es bildet 
den Uebergang zu jenen eitrig-jauchigen Exsudationen der Cornea, welche 
durch Schädlichkeiten hervorgerufen werden, die die Cornea unmittelbar treffen, 
ohne irgend einen anderen Körpertheil zu afficiren. Es kommen Fälle vor, wo 
durch Gelegenheitsursachen traumatischer und chemischer Natur 
oder auch ohne alle bewusste äussere und ohne nachweisbare 
innere Ursache eitrig-jauchige Exsudate in die Hornhaut abgelagert wer- 
den, die sich durch rasche Schmelzung des Gewebes auszeichnen, und in jeder 
Hinsicht, ausgenommen dem Causalmomente, den Eitermetastasen der Pyämie 
entsprechen. Ihre nähere Begründung ist bei dem gegenwärtigen Stande un- 
seres Wissens nicht möglich, und wir müssen uns damit bescheiden, sie auf 
eine eigentümliche Disposition zu schieben. 

Namentlich nach Staaroperationen sind derlei Processe nicht selten von 
höchst verderblichem Einflüsse und bedingen gänzlichen Verlust des Gesichts- 
organes in Fällen, welche anscheinend die günstigsten Chancen für ein Gelingen 
des operativen Heilverfahrens boten, und in welchen die Operation selbst auf 
die exaeteste Weise ohne alle üble Zufälle leicht und sicher vollendet wurde. 
Die Unmöglichkeit, in diesen Fällen den schlimmen Ausgang auf seine Grund- 
ursachen zurückzuführen, hat die Oculisten von jeher bestimmt, eine eigene 
Vulnerabilität anzunehmen und Charaktere aufzusuchen, aus denen sich auf 
diese Eigenschaft des Organismus schliessen, und sofort Anhaltspunkte zur 
Wahl mindest eingreifender Operationsverfahren finden Hessen. Adam Schmidt 
hat bereits ungewöhnliche Zartheit der äusseren Haut und ungemeine Reizbar- 
keit des Gefäss- und Nervensystemes als wichtige diagnostische Kennzeichen 
dieses verborgenen Feindes anerkannt, und Beer dessen Richtigkeit bestätigt 161 . 
Indess reicht dieses Criterium weithin nicht aus, und es gibt genug Fälle, in 
welcher trotz derber Haut und anscheinend sehr geringer Reaklionsthätigkeit 
des Organismus die traurigen Folgen eitrig-jauchiger Exsudation den Kranken 
und Operateur in sehr missliche Lagen setzen. 

§ 295. Dieses führt mich auf die sogenannte Ophthalmia sympa- 
thica. Es ist ausgemacht, dass Atrophie oder Phthise des einen Augapfels in 
Folge einer heftigen Augenentzündung ein ungünstiges Moment in Bezug auf 
die Prognose ist, im Falle es sich darum handelt, irgend eine eingreifendere 
Operation auf dem anderen Bulbus einzuleiten, selbst wenn alle übrigen Er- 
scheinungen auf ein Gelingen des Vorhabens Hoffnung machen. In den Fällen, 
in welchen der eine Augapfel, sei es durch welch immer für Einflüsse, zu 
Grunde gegangen ist und sein Sehnerv bereits in einem atrophischen Zu- 



134 Keratitis ulcerativa mit jauchig-eitrigem Exsudate. 

stände vorausgesetzt werden muss, geschieht es sehr häufig 162 , dass selbst 
ganz leichte Operationen einen sehr üblen Ausgang nehmen, indem die Horn- 
haut durch jauchig-eitrige Exsudation zu Grunde geht, und eben solche Ab- 
lagerungen aus den tieferen bluthaltigen Organen des Bulbus ausgeschwitzt 
werden. Es lassen sich für diesen Process sehr häufig durchaus keine, irgend 
wie begründbare Causalmomente vorfinden. Man hat zwar die erhöhte An- 
strengung des einen Auges bei der Sehfunktion und dadurch bedingte Con- 
gestion zu der Arteria ophthalmica, schleichende Entzündungen, welche sich 
von dem Sehnerven des zuerst verloren gegangenen Auges auf den Sehnerven 
des anderen Augapfels fortpflanzen etc. beschuldigen wollen, allein alle diese 
Momente halten nicht Stich, das eine Auge ist oft schon viele Jahre erblindet, 
und sein Sehnerv auf einen fibrösen, blutarmen, der Entzündung fast unfähigen 
Strang geschwunden, und das zweite, zu operirende Auge seit längerer Zeit 
blind, also durchaus nicht angestrengt, und sofort Congestion in seinen Gefässen 
unwahrscheinlich, und doch tritt auf die geringste Verletzung eine zerstörende 
Entzündung auf. Die Theorie bleibt hier hinter der Erfahrung zurück, es ist 
wieder die Disposition der Anker, an dem wir festhalten in Ermangelung eines 
besseren Erklärungsgrundes. Es lässt sich nichts anderes und nichts besseres 
sagen, als dass die Disposition, d. i. dasjenige, was wir nicht wissen und was 
die Zerstörung des einen Auges bedingte oder doch beförderte, auch den an- 
deren Bulbus seiner Vernichtung entgegengeführt. 

§ 296. Die Mannigfaltigkeit der ätiologischen Momente bedingt eine 
ungemeine Verschiedenheit jener Krankheitserscheinungen, 
welche den Exsudationsprocess eitrig -jauchiger Produkte in die Cornea be- 
gleiten. 

Es ist nicht meine Aufgabe, ein Bild jener Allgemeinleiden zu entwerfen, 
welche das eitrig-jauchige Exsudat in der Cornea begründen, dieses ist Sache 
der speciellen Pathologie. Ich beschränke mich darauf eine Skizze der das 
Auge selbst betreffenden Erscheinungen zu zeichnen. 

In dieser Hinsicht ist vor Allem zu erwähnen, dass nur in äusserst sel- 
tenen Fällen wirkliche Ablagerungen eitrig-jauchiger Produkte die Hornhaut 
allein betreffen, fast immer sind es nebstbei die bluthaltigen Or- 
gane des Augapfels, welche mitleiden. In der Hegel, nicht immer, ist es 
die Netzhaut und die Uvea, welche gleichzeitig eitrig-jauchige Exsudate 
liefern, ja gewöhnlich sind diese Organe die ersten, welche ergriffen werden, 
lind noch bevor irgend welche Symptome auf den Eitererguss hindeuten, durch 
völlige Erblindung des Auges ihre tiefe Affektion beurkunden. Es kann dieses 
Verhältniss nicht Wunder nehmen, wenn man bedenkt, dass die Cornea selbst 
gefässlos, und bezüglich ihrer Nahrungsstoffe wesentlich von der Uvea abhängig 
ist, daher Durchtränkung mit qualitativ alterirten proteinigen Elementen am 
leichtesten hervorgehen kann aus einer Erkrankung der in den Gefässen der 
Uvea kreisenden Blutmasse. 

Daraus ergibt sich schon, dass die eitrig-jauchigen Produkte am häufig- 
sten unter den Erscheinungen einer Panophthalmitis , unter erysipelatöser 
Schwellung der Lider, chemotischer Auftreibung der Conjunctiva und bedeuten- 
der seröser Infiltration des Orbitalzellgewebes mit consequutivem Exophthalmus, 
in der Cornea abgelagert werden. 



Begleitende Erscheinungen. 135 

Es gibt jedoch genug Fälle, in welchen ausgedehnte Herde gesetzt wer- 
den, ohne dass die Schutz- und Hilfsorgane in einem höheren Grade afficirt 
würden, die Cornealexsudation gehl unter den Symptomen einer mehr minder 
heftigen Kerato- Iritis oder unter der Form einer mit Keratitis combinirten 
Choroiditis vor sich, die Conjuncliva zeigt ausser einigen ausgedehnten Gefässen 
nichts bemerkenswertes , nur das subconjunctivale Gewebe ist congestionirt 
und constituirt rings um die Cornea einen mehr weniger entwickelten Ring, wie 
selber der Iritis charakteristisch zukommt. 

Ja es kommen Fälle vor, in welchen die den Bulbus umgebenden Organe 
wenig Merkmale einer Circulationsstörung darbieten und keine Spur einer In- 
filtration, des sogenannten entzündlichen Oedemes erkennen lassen, die Ab- 
lagerung, so reichlich und zerstörend in ihren Folgen sie auch sei, kommt 
ohne inflammatorische Erscheinungen zu Stande. 

Dieses gilt nun sowohl von den aus Pyämie hervorgegangenen Eiterme- 
tastasen als den rein localen, auf das Auge allein beschränkten, eitrig-jauchigen 
Exsudationsprocessen. Die Circulationsstörungen in den Nachbar- 
gebilden des ergriffenen Augapfels können alle Grade der In- 
tensität darbieten, oder wohl auch fehlen. Namentlich 
nach Staaroperationen, künstlichen Pupillenbildungen, zufälligen Verletzungen 
etabliren sich in manchen Fällen eitrig-jauchige Exsudationen in der Hornhaut 
und den tieferen Gebilden des Augapfels, ohne dass irgendwie erhebliche Con- 
gestion und seröse Infiltration der Conjunctiva und des episcleralen Gewebes 
damit vergesellschaftet wären. 

Die nervösen Erscheinungen stehen den Alterationen des Gefäss- 
systemes rücksichtlich ihrer Mannigfaltigkeit nicht nach. Sie sind grösstenteils 
Sache subjektiver Empfindung und ihre Wahrnehmung hängt insofern ab von 
der Integrität des allgemeinen Sensoriums. 

Die im Gefolge der Pyämie so häufig zu Stande kommenden Eitermeta- 
stasen innerhalb der Schädelhöhle sind in vielen Fällen Momente, welche dem 
Bewusstwerden der Sensibilitätsstörung in den Augennerven hemmend in den 
Weg treten. Es sind dann nur Lähmungen der Muskeln, welche auf Nerven- 
alterationen hindeuten. Ist der Kranke während der Pyämie bei Bewusstsein 
oder ist das Augenleiden nicht in einer, das Sensorium selbst in Mitleidenschaft 
ziehenden Allgemeinkrankheit begründet, ist es ein rein örtliches Uebel, so ist 
fast immer amaurotische Erblindung des Auges das erste und am meisten be- 
unruhigende Symptom. Geht die Eiterablagerung unter den Erscheinungen 
einer bedeutenden Circulationsstörung vor sich, so ist die Abnahme des Seh- 
vermögens gewöhnlich mit Feuer-, Funken- und Farbensehen vergesellschaftet, 
lauter Momente, welche auf ein gleichzeitiges oder in der Zeit vorhergehendes 
Leiden der tieferen bluthaltigen Organe des Bulbus hinweisen. 

Schmerzen und Lichtscheu in allen Graden und Arten gehen nebenher. 
Ihre Intensität steht der Regel nach in einem gewissen Verhältnisse zu der 
Grösse der Circulationsstörungen. Sie sind häufig wüthend, bohrend, reissend, 
klopfend, über die entsprechende Kopfhälfte bis zu dem Hinterhaupte ausge- 
dehnt, wenn der Ablagerungsprocess unter dem Bilde einer Panophthalmitis mit 
Schwellung der Lider und der Orbitalgewebe einhergeht ] und steigen ent- 
sprechend den geringeren Graden der begleitenden Gefässalterationen zu min- 
deren Stufen herab, ja sie können ganz fehlen, das Auge geht phthisisch zu 



136 Keratitis ulcerativa mit jauchig-eitrigem Exsudate. 

Grunde, ohne dass sich in dem Gefäss- oder Nervensystem desselben erhebliche 
Störungen nachweisen Hessen. Es lassen sich jedoch für diese Symptome nicht 
absolut waltende Gesetze aufstellen, oft genug entspricht die Heftigkeit der 
Schmerzen und der Lichtscheu durchaus nicht dem geringen Grade der Circu- 
lationsstörung und umgekehrt. Der Schmerz und die Reaktion des Individuums 
gegen denselben sind individuell verschieden. 

Eben so variabel sind die Erscheinungen der Eiterablagerung in das 
Auge während des Verlaufes der Ophthalmoblennorrhoe. Nur Ein Moment ist 
hier constant. Die Ablagerung eitrig-jauchiger Produkte in den Augapfel ist 
stets gebunden an Blennorrhoen mit auffallend dünnflüssigem, molkigem, fleisch- 
wasserähnlichem, oder selbst consistenterem , aber ganz exquisite Neigung zur 
Schmelzung äusserndem, croupösem, diphtherischem Exsudate und Arrosionsge- 
schwüre kommen nur unter bedeutender chemotischer Schwellung der Conjunctiva 
zu Stande. Sobald sich auf dem Boden der blennorrhoisch erkrankten Con- 
junctiva organisationsfähige Exsudate zeigen, Epidermoidalwucherungen, tracho- 
matose Follikularinfiltrationen entwicklen, kommt es nicht mehr zu eitrig jauchigen 
Ablagerungen, es verschwärt nicht mehr die Cornea, sie wird mit bildungs- 
fähigem Plasma infiltrirt und bedeckt, es etablirt sich Pannus oder aber ausge- 
breitete Lympfflecke. 

Es steht die Qualität des blennorrhoischen Produktes durchaus nicht in 
direktem Verhältnisse zu der Grösse der chemotischen Schwellung und der 
Circulationsstörung in der Bindehaut und dem unterliegenden Zellgewebe. Bei 
geringer Infiltration und wenig entwickelter Röthung der so eben genannten 
Gebilde gehen oft Produkte zu Tage, welche sich durch ganz ausgezeichnete 
Corrosionskraft hervorthun. Es braucht die Ophthalmoblennorrhoe durchaus 
nicht den sogenannten dritten Grad erreicht zu haben, um eitrig jauchige Ex- 
sudationen in der Hornhaut und den tieferen Gebilden des Augapfels zu be- 
dingen. Demnach ist auch das Krankheitsbild selbst in den Fällen ein nicht 
ganz gleiches, in welchen das eitrig-jauchige Exsudat der Hornhaut und der 
blulhaltigen Organe des Augapfels aus einer ganz bestimmten, localen Quelle, 
dem ophthalmoblennorrhoischen Processe fliesst, der Grad der Schwellung und 
der Congestionsrölhe in der Bindehaut und dem episcleralen Gewebe, so wie 
die Intensität der begleitenden Schmerzen ist dabei eine sehr verschiedene. 

§ 297. So mannigfaltig die den Exsudationsprocess eitrig -jauchiger 
Produkte in die Hornhaut begründenden Causalmomente und so variabel die 
Erscheinungen sind, welche denselben begleiten, eben so wandelbar sind auch 
der weitere Verlauf und der Complex der daraus resultirenden 
Folgezustände. 

Leider der gewöhnlichste Ausgang ist rasche Consumtion des Augapfels 
durch Phthise oder Schwund. 

Dieses gilt namentlich von den in Pyämie begründeten Ablagerungen 
eitrig-jauchiger Produkte, es verhindert hier häufig nur der schnell eintretende 
Tod die gänzliche Zerstörung des Augapfels. Aber auch Ablagerungen eitrig- 
jauchiger Produkte im Gefolge der Ophthalmoblennorrhoe oder als Ausdruck 
eines auf den Bulbus beschränkten, rein örtlichen Leidens, endigen häufig mit 
gänzlicher Vernichtung des Sehorganes. 

Wenn nämlich auch anfänglich der Infiltrationsherd nur auf einen kleinen 



Ausgänge. 137 

Theil der Hornhaut beschränkt ist, so geschieht es doch ganz gewöhnlich, dass 
die Exsudation rasch und nach allen Richtungen um sich greift, die Hornhaut 
in der kürzesten Zeit entweder ganz oder doch zum grössten Theil breiig 
schmilzt, und deren Durchbruch mit Entleerung der Augapfelhöhle bedingt, 
worauf der Bulbus zusammensinkt und nach Abstossung der corrodirten Bestand- 
teile unter Ablagerung organisationsfähigen Blastems zu einem bohnen- bis 
erbsengrossen Klümpchen schrumpft. 

Dieser Ausgang ist um so häufiger, als in sehr vielen Fällen das 
Comealleiden mit Ausschwitzung ähnlicher Produkte in die tieferen Gebilde 
des Augapfels vergesellschaftet und die Phthise des Bulbus eingeleitet ist, 
ehe es noch in der Hornhaut zu wahrnehmbaren Veränderungen gekommen war. 

Aus dieser Ursache ist Consumtion des Augapfels auch in solchen Fällen 
eine ganz gewöhnliche Erscheinung, in welchen die Affektion der Cornea relativ 
eine unerhebliche genannt werden muss. Massenreiche, eitrig -jauchige Ex- 
sudationen in das Parenchym und auf die Oberflächen der Netzhaut und Uvea 
machen das weitere Vonstattengehen der vegetativen Funktionen zur Unmöglich- 
keit, der Augapfel und mit ihm die Hornhaut gehen atrophisch zu Grunde. 

Nur in seltenen Fällen trifft es sich, dass die pyämische Krase bald nach 
ihrer Localisation in dem Auge, und ehe dadurch dessen Existenz gänzlich 
vernichtet worden ist, zu einer andern Krase umsetzt. Je nach der 
Qualität dieser neu entstandenen Krase und nach der Grösse der bereits ge- 
setzten Zerstörungen sind dann die weiteren Folgen ungemein different. Es 
resultirt brandige Zersetzung der afflcirten Gewebe bei Uebergang der Pyämie 
in Sepsis. Croupöse Exsudationen setzen den Schmelzungsprocess fort und 
führen den Augapfel seinem totalen Ruine zu, wenn die Pyämie der croupösen 
Krase Platz gemacht hat. Stirbt der Kranke nicht in Folge anderweitiger 
Localisationen des allgemeinen Blutleidens, so kömmt es aber endlich immer 
wieder zu der Herstellung einer wenigstens relativ normalen Blutmischung und 
dem entsprechend sind die weiteren Produkte, welche in der Hornhaut und in 
tieferen Gebilden des Augapfels abgelagert werden, nicht mehr jauchige, cor- 
rodirende, sie bieten die Charaktere des normalen blanden Eiters dar, ihr Gehalt 
an genuinem, organisationsfähigem Faserstoffe nimmt zu, die Substanzverluste 
werden auf dem Wege der reinen Eiterung durch narbige Gewebe 
ersetzt und der ganze Process mit Hinterlassung von Folgeübeln geschlossen, 
welche das Gesicht in höherem oder niederem Grade beeinträchtigen und ihre 
Erledigung in der Lehre von dem rein eitrigen Exsudate finden. 

Fast ganz dasselbe gilt von den Ablagerungen eitrig -jauchiger Produkte, 
welche im Gefolge einer Ophthalmoblennorrhoe die Hornhaut treffen, 
das veranlassende Bindehautleiden sei nun durch Infektion mit blennorroischem 
Ansteckungsstoffe veranlasst, oder aber blos ein höherer Grad der den Blattern-, 
Masern-, Scharlachprocess begleitenden Bindehautreizung u. dgl. Wenn der 
Bulbus nicht durch Schmelzung der Hornhaut oder durch entzündliche Ab- 
lagerungen in die tieferen Gebilde der Phthise oder dem Schwunde zum Opfer 
gefallen ist, werden die den Augapfel betreffenden Folgezuslände häufig modificirt 
durch die Wandelbarkeit der blennorrhoischen Blutmischung. Es wechselt das 
blennorrhoische Produkt sehr häufig in seiner Constitution und dieser Wechsel 
ist stets nur der Ausdruck von Veränderungen, welche in jenem Theile der 
Blutsäule vor sich gehen, der innerhalb der Grenzen des Krankheitsherdes kreist. 



138 Keratitis ulcerativa mit croupösem Exsudate. 

Mit und je nach diesem Wechsel lagern sich in der Cornea und in den tieferen 
Gebilden des Augapfels croupöse, diphtherische Produkte ab, oder es etabliren 
sich wahrhaft brandige Zerstörungen. Zuletzt geht die Oberfläche der ge- 
setzten Cornealgeschwüre, sowie die Uvea und Netzhaut immer in reine Eiterung 
über und schickt sich durch vermehrte Ablagerung organisationsfähigen Blastems 
zur Vernarbung der gesetzten Substanzverluste an. 

Es beschränkt sich in diesen letzteren Fällen aber häufig der Zerstörungs- 
process auf die Cornea, es werden im Verlaufe der Ophthalmoblennorrhoe 
seltener die Netzhaut und Uvea der Sitz krankhafter Ablagerungen. Insofern 
hängen die Folgeübel fast lediglich von der Grösse jener Schäden ab, welche 
der Process bereits gesetzt hatte, als der Umsprang der localen blennorrhoischen 
Krase zu der normalen oder einer der normalen nahe stehenden vor sich ging. 
Sie sind gewöhnlich blos solche, welche die normale Brechung und den Durch- 
gang der Lichtstrahlen durch einzelne Parthien der Hornhaut und die Pupille 
beeinträchtigen, ohne die Perceptionsfähigkeit der Netzhaut für Lichtbilder 
aufzuheben. 

Rein locale, eitrig-jauchige Ablagerungen kommen mit den, auf Pyämie 
und ophthalmoblennorrhoischen Processen beruhenden Exsudationen bezüglich 
ihrer den Augapfel selbst betreffenden Folgen vollkommen überein. So wie bei 
den letzteren wechselt häufig das Produkt in seiner Constitution, und zerstört 
so den Bulbus ganz, oder aber werden die gesetzten Substanzverluste auf dem 
Wege der reinen Eiterung der Heilung zugeführt, 

2. Das croupös faserstoffige Exsudat und der Hornhauttuberkel. 

% 298. Der croupöse Faserstoff grenzt seinen physicalischen Eigen- 
schaften nach an den der Pyämie und seine Kerne und Zellen nähern sich in 
ihrem Verhalten den Eiterkernen und Eiterzellen. Es lässt sich zwischen beiden 
keine scharfe Grenze ziehen. Um so weniger ist dieses möglich bei den 
Produkten eines Exsudationsprocesses, wo der croupöse Faserstoff fast constant 
nur einen Theil des Produktes ausmacht und in den verschiedensten Quantitäts- 
verhältnissen schwankt. Es kann hier also nur die Rede sein von vor- 
waltend croupös faserstoffigem Produkte. 

§ 299. Geringer Gehalt an flüssigen Bestandtheilen, auffallende Neigung 
zur Gerinnung bedingen dessen constantes Auftreten in starrer Form und 
begründen sofort die Möglichkeit, denselben im Momente seines Erscheinens 
zu diagnostiziren, wobei die ausgezeichnete Opacität, die gelbe oder gelb- 
grüne Farbe desselben zu Hülfe kommen. Seine Unfähigkeit, höhere Organi- 
sationsstufen einzugehen, seine Neigung, in eiterähnliche, rahmartige Flüssigkeit 
zu zerfallen und die in Contakt stehenden Gewebe zur Schmelzung zu bringen, 
sind ihm wesentlich zukommende Eigenschaften und lassen denselben in speciellen 
Fällen absolut nicht verkennen. 

§ 300. Es kommen diese Kennzeichen dem croupösen Faserstoffe und 
dem gelben croupös faserstoffigen Tuberkel gleichmässig zu, es 
sind beide, so lange die infiltrirte Hornhaut allein in Betracht gezogen wird, 
nicht von einander zu unterscheiden, das Tuberkulisiren, das ist das Ballen des 
croupös tuberkulösen Exsudates ist aus anatomischen Rücksichten in der Hörn- 



Anatomische Charaktere und Symptomatologie. 139 

haut nicht gegeben und das raschere Zerfallen des rein croupösen fasersloffigen 
Exsudates ist eben nur ein Charakterislicum, das auf einem Plus und Minus, auf 
einer lediglichen Schätzung beruht und, wie der weitere Verlauf dieses Ab- 
schnittes zeigen wird, keinen fixen diagnostischen Anhaltspunkt bezüglich der 
Hornhaut gewährt. 

Nur das Hervorgehen des croupös tuberkulösen Hornhaulexsudates aus 
einer erwiesener Massen weit vorgeschrittenen croupös tuberkulösen Krase 
geben ein sicheres diagnostisches Hilfsmittel an die Hand, das reine, croupös 
faserstoftige Exsudat von dem tuberkulösen zu unterscheiden, die Erscheinungen 
in anderen afficirten Organen stellen erst die exquisite Neigung des croupös 
erkrankten Faserstoffs zur Ausscheidung, zur Tuberkulisation heraus; wo der 
Tuberkel eine rein locale Bedeutung hat, ist seine Unterscheidung unmöglich 
und dieses ist der Grund, warum ich beide Exsudate zusammenfasse, als Eines 
behandle. 

Es ist ganz wahr, dass so wie in anderen Organen, so auch in der Horn- 
haut das croupös tuberkulöse Exsudat selten des primitive sei, dass der gelbe 
Hornhauttuberkel sich ganz gewöhnlich zu einem vorläufig bestehenden grauen, 
rein faserstoffigen Tuberkel hinzugeselle, ein Appositum des letzteren bilde. 
Allein dasselbe gilt auch von dem nicht tuberkulösen, croupös faserstoffigen 
Exsudate, auch dieses entwickelt sich häufig erst auf dem Boden einer voraus- 
gegangenen Keratitis simplex mit genuin faserstoffigem Exsudate. Den Fällen, 
in welchen sich das croupös faserstoffige Exsudat primitiv in der Cornea ab- 
gelagert hat, lassen sich Fälle entgegensetzen, in welchen eclatant gelbes 
tuberkulöses Produkt sich in der Hornhaut zeigt, ohne dass grauer Tuberkel 
vorherging, oder doch wegen der Kürze seines Bestehens nachweisen liess. 

Ein primitives Auftreten des gelben Tuberkels in der Hornhaut ist meisthin 
darin begründet, dass die Cornea sehr wenig Disposition zur tuberkulösen Er- 
krankung zu erkennen gibt, vielmehr gewöhnlich dann erst in die Erscheinung 
tritt, wenn die tuberkulöse Bluterkrankung durch Alterationen der meisten 
übrigen Körpertheile den Kranken dem Grabe nahe gebracht hat, und durch 
floride Phthise ihren Uebergang in die eigentlich croupös tuberkulöse Krase 
faktisch nachweisen lässt. Diesem Zustande des Allgemeinleidens entsprechend 
charakterisirt sich denn auch der Hornhauttuberkel durch rasches Zerfliessen 
und entäussert sich des letzten Merkmales, um mit Sicherheit von dem rein 
croupös faserstoffigen Exsudate ohne Bücksichtnahme auf den Allgemeinprocess 
unterschieden zu werden. 

§ 301. Sieht man von den Fällen ab, in welchen das croupös faser- 
stoffige Exsudat unter der Form eines herpetischen Knötchens zu Tage ging, 
und seinem Verhalten nach bereits in dem Vorhergehenden seine Erledigung 
fand, so muss man seine Ausschwitzung als eine, gewöhnlich einen grossen 
Theil der Hornhaut, meisthin aber die ganze Cornea betreffende erklären. 

§ 302. Es gehen in vielen Fällen die Erscheinungen der Keratitis 
simplex parenehymatosa voraus, die erkrankte Parthie der Hornhaut trübt sich 
sulzähnlich und gewinnt bald eine weiss-graue Farbe. Das Exsudat mehrt sich 
unter zunehmender Trübung und merklicher Anschwellung des Organs. 
Nach kürzerer oder längerer Zeit, gewöhnlich schon nach wenigen Tagen, 
wechselt die Farbe, es verliert sich der geringe Grad von Diaphamie, welcher 



140 Keratitis alcerativa mit croupösem Exsudate. 

dem Exsudat einen bläulich-grauen Schimmer verlieh, die erkrankte Stelle wird 
gelb, ja gewinnt selbst einen Stich ins grüne und seine Opacität wird voll- 
ständig. 

Die Grenzen des Exsudationsherdes sind scharf gezeichnet, nur 
in dem Falle der Combination mit rein faserstoffigem Exsudate ist die Peripherie 
der Ablagerung eine verschwommene, wolkige. Die Protuberanz der infillrirten 
Parthie ist deutlich, die Cornea hat allda an Dicke zugenommen. Bei Be- 
trachtung des Herdes von der Seite erkennt man leicht die Lagerung des 
Exsudates in grösserer oder geringerer Tiefe der Cornealdicke, eine mehr 
weniger dicke Lage ganz reinen durchsichtigen Cornealparenchyms zieht über 
den Exsudationsherd hinüber. Sticht man mit dem Messer oder der Lanze 
ein, so entleert sich nichts, ausser die Wunde dringt durch die Hornhaut hin- 
durch. Die Wundränder bleiben aber klaffend, und nicht selten drängt sich 
das starre Exsudat in Gestalt eines Klümpchens oder Flockens über das Niveau 
derselben hervor. Es kann dann mit einer Pincette gefasst und ein oft nicht 
unbedeutender Fetzen, gleich dem Eiterpfropfe eines Abscesses herausgezogen 
werden. 

Bei der anatomischen Untersuchung der erkrankten Hornhaut- 
parthie findet man constant das Exsudat in mehr weniger dicken Scheiben 
zwischen den Blättern des Hornhautparenchyms angehäuft, und die Blätter selbst 
dadurch gegenseitig von einander abgehoben, das Exsudat ist in sehr flachen 
meniscoiden Bäumen von verschiedenem Durchmesser angesammelt. Es wechseln 
ganz unveränderte Corneallamellen mit Exsudatlagen ab. Der strukturlose, 
nicht geblätterte Cornealrand ist niemals Sitz einer Ablagerung, der Herd be- 
grenzt sich constant an dem Uebergange der Blätter in die homogene Substanz, 
welche die Lamellen der Hornhaut mit dem Scleralrande verbindet, 

Je nach der mehr oberflächlichen oder tieferen Lagerung des Exsudates 
variiren nun auch einige Nebenerscheinungen. Sind vordere Zwischenblatt- 
räume der Sitz des krankhaften Produktes, so ist die Protuberanz nach vorn 
ausgesprochen und das Epithel leidet mit, stösst sich zum Theile ab und trübt 
sich, die Oberfläche der Hornhaut wird trübe, rauh, häufig wie mit Nadeln 
zerstochen, was in den Fällen, in welchen tiefere Interlammellarräume Sitz der 
Exsudation sind, nicht der Fall ist, hier behält das Epithel seine Integrität bei. 
Selten geschieht es, dass der Hauptherd zwischen Descemeti und die hinterste 
Corneallamelle fällt, dann erscheint die Wasserhaut in grosser Ausdehnung ab- 
gelöst und durch das Exsudat in Form einer Linse abgehoben, in die Vorder- 
kammer hineinragend. 

§ 303. Unter zunehmender Masse des Exsudates beginnt, gewöhnlich 
bald nach dem ersten Auftreten desselben, die Erweichung. Diese betrifft an- 
fänglich niemals das Produkt in seiner Totalität, es erweicht niemals das Exsudat in 
allen seinen Theilen gleichmässig und gleichzeitig. Constant ist es ein Punkt 
im Centrum des Herdes, welcher zuerst verflüssigt, in eine eiterartige, rahm- 
ähnliche, dickliche Masse zerfällt. 

Erst jetzt, in dem verflüssigten Zustande äussert das Exsudat seine schmel- 
zende, corrodirende Kraft. Die den Infiltrationsherd durchsetzenden Corneal- 
blätter erweichen an dem Punkte, an welchem die Ablagerung bereits zerfallen 
ist, sie schwellen auf, ihre Faserung geht unter, sie werden trüblich, sulzähnlich 



Abscess, Onyx. 141 

und zerfliessen endlich, um sich in diesem Zustande dem eiterähnlich gewordenen 
Produkte beizumengen. 

Sobald einmal der Schmclzungsproccss in einer Exsudatscheibe begonnen 
hat, zerfallen auch bald Parthien der Ablagerungen in anderen Zwischenblatt- 
räumen, doch geht die Erweichung nicht immer in demselben Radius der ein- 
zelnen Interlammellarräume vor sich, es erweichen nicht Exsudatparthien, welche 
in einer und derselben Linie hinter einander gelagert sind, die Schmelzung des 
Exsudates in den verschiedenen Zwischenblatträumen geht an verschiedenen, 
obwohl niemals weit von dem Centrum des Herdes entfernten Parthien vor 
sich. Dadurch entsteht ein mit rahmähnlicher Masse erfüllter Abscessraum 
von sehr unregelmässig buchtig-winklicher, zackiger Form, der durch die ein- 
springenden Ränder der durchbohrten Corneallamellen, in der Richtung von 
vorn nach hinten in lauter Fächer abgetheilt erscheint, die durch regellos zer- 
streute, bald grössere, bald kleinere, zackig -buchtige Löcher mit einander 
communiciren. 

Nach vorn und nach rückwärts ist die Abscesshöhle von durchsichtigem, 
oder aber von infiltrirtem, noch nicht geschmolzenem Cornealparenchyme bedeckt, 
geschlossen. Im Falle ein zwischen Descemeti und der hintersten Corneal- 
lamelle gelagertes Exsudat den Schmelzungsprocess eingegangen ist, bildet die 
Wasserhaut für sich die hintere Abscesswand. 

Ist der Abscess nach vorn und nach rückwärts von gesunden oder doch 
blos ödematös geschwellten Cornealparthien umgeben und der Herd nur auf 
einen Theil der Hornhaut beschränkt, so geschieht es mitunter, dass das eitrige 
Contentum desselben, indem es einem bedeutenden Drucke ausgesetzt ist, und 
nach vorn und hinten nicht schnell genug durchbrechen kann, sich seitwärts in 
den Zwischenblatträumen einen Weg bahnt, und so den Abscess auf mechanische 
Weise vergrössert. Der mehr gelockerte Zusammenhang der mittelsten Corneal- 
lamellen ist diesem Vorgange ganz besonders günstig, daher denn auch die 
Peripherie solcher Abscesse immer in die mittelsten Blatträume fällt. 

§ 304. Mit dem Uebertritt des zerflossenen Produktes in diese mittleren 
Schichten der Cornealdicke ist aber auch der auf dem Produkte lastende Druck 
verringert, es folgt nun dem Gesetze der Schwere und senkt sich an die tiefsten 
Stellen des Interlamellarraumes herab, die Grundsubstanz der Cornea ver- 
drängend. Es erscheint plötzlich an einer kurz zuvor ganz gesunden Parthie 
des unteren Cornealrandes, den sogenannten 

Nagel, Onyx, Unguis 
vorstellend, welchen einige Autoren auch als Hypopyum spurium beschreiben. 

Es ist derselbe wesentlich eine, in den anatomischen Verhältnissen der 
Hornhaut begründete und auf den Gesetzen der Schwerkraft beruhende Orts- 
veränderung eitrig-flüssigen Cornealexsudates. Er findet seine Analogie in den 
Eiterversenkungen zwischen Muskelfascien u. s. w. 

Er setzt die ursprüngliche Integrität jener Theile voraus, nach welchen 
der Eiter sich begibt, denn sind diese selbst infiltrirt und im Schmelzungs- 
processe begriffen, so ist kein Onyx, es ist eine einfache Communication zweier 
Abscesse vorhanden 164 . 

Der Onyx erscheint dem Gesagten zu Folge immer am unteren Rande 
der Hornhaut, je nach der Lage, welche der Kranke während des Processes 



142 Keratitis ulcerativa mit croupösem Exsudate. 

durch eine längere Zeit eingenommen hat, etwas nach aussen oder innen ab- 
weichend. Niemals kommt er am oberen Hornhautrande zu Stande, denn eine 
Lage des Kopfes, bei welcher dieser Rand den tiefsten Punkt der Hornhaut 
einnimmt, ist für die Dauer nicht zu ertragen. 

Der Onyx dringt niemals bis zu dem Scleralrande vor, die Ortsveränderung 
des Eiters ist auf die Zwischenblatträume der Hornhaut beschränkt, und 
findet daher stets ihre Grenze an der strukturlosen Masse, welche die Horn- 
hautlamellen mit dem Scleralrande verbindet, der Onyx reicht niemals tiefer 
als bis zu dem inneren Rande des Bindehautsaumes, es ist unmöglich, dass 
selbst ganz kleine Quantitäten versenkten Eiters hinter dem Scleralfalze ver- 
borgen werden könnten. 

Der Unguis zeigt daher constant eine scharfe, untere, mit dem Limbus 
conjunctivalis fast zusammenfallende Grenze. Hier sammelt sich das Produkt, 
seiner Schwere folgend, am meisten, daher denn auch die gelbe Farbe und 
Undurchsichtigkeit am unteren Rande am hervorstechendsten ist. Nach oben 
zu nimmt die Dicke der Exsudatlage ab, und consequenter Weise wird die 
Trübung mehr durchscheinend, matter. Der obere Rand des Unguis ist immer 
weniger scharf begrenzt, und gewöhnlich concav, indem eben die Corneal- 
blätter in dem centralen Theile der Hornhaut fester an einander haften und 
der Ausbreitung des versenkten Eiters einen grösseren Widerstand bieten, als 
an der Peripherie. 

Die Onyxhöhle reicht nicht weiter, als der Eiter von aussen her sichtbar 
ist. Jede Yergrösserung des Hohlraumes setzt eine Verdrängung der zwischen 
den Blättern lagernden Grundsubstanz voraus, welche nichts weniger als flüssig 
ist. Damit daher der Onyx seine Lage wechseln könne, muss der auf dem 
versenkten Eiterfluidum lastende Druck und die ihr inhärirende Schwere das 
Uebergewicht bekommen über die Kraft, mit der die blos stellenweise ge- 
trennten Blätter zusammenhängen, daher wechselt bei vorübergehenden Lage- 
vt'iänderungen des Kopfes der Onyx nicht so leicht seinen Sitz und mit diesen 
die Form, was man als Unterscheidungszeichen von dem wahren Hypopyum, 
dem Ergüsse eitrigen Exsudates in die Vorderkammer hervorgehoben hat. 

Das beste und sicherste Kennzeichen des Onyx ist aber immer sein Sitz. 
Bei der Betrachtung der Hornhaut von oben und der Seite, erblickt man ihn 
als eine nach vorn convexe, trübe, undurchsichtige Schale, deren hintere Con- 
cavität durch die ganze Yorderkammer von der Iris getrennt ist, und die nach 
oben mit einem dünnen, verwaschenen Rande endet, während das wahre 
Hypopyum der Iris anliegt, und von oben gesehen eine der Dicke der Vorder- 
kammer entsprechende, scharf begrenzte Fläche darbietet. 

Die anatomische Untersuchung des Unguis ergibt, wie schon die 
Pathogenese desselben darthut, gegenseitige Lostrennung zweier Cornealblätter 
und Zwischenlagerung des eitrigen Fluidums. Diese Lostrennung beschränkt 
sich constant auf das Territorium des Unguis selbst, ihre Ausdehnung wird 
durch die Quantität des sich senkenden Fluidums bestimmt, die Höhle des Onyx 
wächst in centripetaler Richtung. Bei grossen Quantitäten versenkten Eiters 
geschieht es daher oft, dass der obere Rand des Nagels mit dem ursprüng- 
lichen Abscesse zusammenfliesst, und beide dann Eine mit Eiter gefüllte Höhle 
darstellen, welche im Bereiche des letzteren von infiltrirten, im Territorium des 
ersteren aber von gesundem Gornealparenchym umschlossen ist. Gewöhnlich 



Abscess und Onyx. 143 

aber, und anfänglich ist dieses immer der Fall, ist der obere Rand des Onyx 
durch eine breitere oder schmälere Parthie ganz durchsichtigen Corneal- 
parenchymes von dem entsprechenden Rande des Abscesses getrennt. 

In dieser Rrücke nun verläuft der Gommunicationscanal. Es wird 
nicht das Cornealparenchym in der ganzen Rreite des untern Abscessrandes 
gespalten, im Gegentheile, der Communicationscanal zwischen Abscess und Onyx 
ist immer nur sehr schmal, wie man sich leicht überzeugen kann an der Leiche, 
wenn man auf den Onyx drückt, wo das Eiterlluidum in Gestalt eines platten 
Strömchens in die ursprüngliche Abscesshöhle zurücktritt, mit nachlassendem 
Drucke aber wieder in den Unguis sich niedersenkt. In seltenen Fällen ist 
derselbe noch während des Lebens durch ein eiterfarbiges Verbindungs- 
strömchen zwischen Abscess und Unguis wahrzunehmen. 

Der Sitz des Unguis ist immer einer der mittelsten Interlamellarräume, 
also dort, wo die Dichtigkeit des Cornealparenchyms am geringsten und die 
Grundsubstanz vorwaltend ist, die Zwischenblatträume also am grössten sind. 

Nur die unmittelbar an die Onyxhöhle anstossenden Corneallamellen er- 
scheinen, anfänglich wenigstens, erkrankt, im Erweichungsprocesse begriffen, 
geschwellt, trübüch, ihrer Faserung verlustig, je nach der grösseren oder ge- 
ringeren Gorrosionskraft des versenkten Fluidums werden bald früher, bald 
später auch entferntere Blätter angegriffen, geschmolzen und so die Onyxhöhle 
durch Substanzverluste vergrössert. 

Ich fand in den bisher von mir beobachteten wenigen Fällen stets nur 
eine einfache Höhle, ohne alle Abtheilung durch einspringende Blätter. Es 
musste demnach die Versenkung in einem einzigen Zwischenblatträume vor sich 
gegangen sein, oder aber, wenn der Eiter in mehreren Interlamellarräumen 
Ortsveränderungen einging, mussten die Cornealblätter, welche die einzelnen, 
partiellen Onyces gegenseitig trennten, im ganzen Bereiche der Nagelhöhle 
geschmolzen worden sein. Das erstere scheint mir wahrscheinlicher, indem 
ein Abhandensein von Stufen und Fetzen in den Wandungen des Onyx voraus- 
setzt, dass die Grösse, die Ausbreitung der einzelnen Onyces eine vollkommen 
gleiche und die Schmelzung eine ganz vollständige sei. Es reicht indessen ein 
einziger Communicationscanal und eine einzige Onyxhöhle hin, auf dass das 
geschmolzene Produkt aus allen Schichten des ursprünglichen Herdes sich ver- 
senken könne, denn es communiziren ja die Zwischenblatträume in der ur- 
sprünglichen Abscesshöhle mit einander. Mehrt sich in dem letzteren das 
Produkt, so wird auf alle Punkte der Abscesswandung eine entsprechende 
Druckkraft ausgeübt werden. Die Wand gibt nach, wo sie den geringsten 
Widerstand zu leisten vermag, und dieses ist nun natürlich am ehesten der Fall 
bei den mittleren Blättern, die durch bedeutende Mengen der gelatinösen 
Grundsubstanz gegenseitig getrennt werden. Sie weichen auseinander und ge- 
statten sofort dem Eiter sich auszubreiten. Da alle Theile der Abscesshöhle 
unter einander zusammenhängen, so kann auch der Inhalt desselben aus allen 
Punkten nach der bereits entstandenen Communicationsöffnung strömen, ohne 
sich neue Bahnen zu brechen. Er tritt um so eher in diese letztere, als eben 
durch deren Bestand das wichtigste Moment zur mechanischen Trennung der 
Zwischenblatträume, der Druck, unter welchem das Abscesscontentum steht, 
aufgehoben ist. 

Der Onyx, die Versenkung eiterähnlicher Stoffe, setzt einen bedeutenden 



144 Keratitis ülcerativa mit croupösem Exsudate. 

Grad von Fluidät voraus. Zähflüssiger, dicker, sehr consistenter Eiter versenkt 
sich nicht leicht. Eine zweite Bedingung ist aber auch eine verhällnissmässig 
geringe Corrosionskraft, denn wo diese bedeutend ist, durchbricht das Produkt 
die Abscesswandungen eher nach aussen oder innen, ehe es auf mechanischem 
Wege seine Compression zu vermindern im Stande ist. Daher sind Onyces 
niemals in Gesellschaft eitrig-jauchiger Produkte trotz deren hohem Grad von 
Flüssigkeit zu treffen. Wegen des geringen Grades von Fluidität und bedeutender 
Corrosionsfähigkeit sind sie verhältnissmässig selten bei dem croupös faser- 
stoffigen Produkte, und fehlen stets bei dem Tuberkel, sie sind eigentlich 
Attribute des reinen Eiters, dessen Flüssigkeit und geringe schmelzende Eigen- 
schaft allen Erfordernissen ihrer Genesis entspricht. 

Der Onyx stellt dem Gesagten zu Folge einen Divertikel eines präexistenten 
geschlossenen Abscesses dar, er ist wesentlich ein Abscess, und sein weiteres 
Verhalten lässt sich mit der Naturgeschichte des Abscesses unter Einem erörtern. 

Reicht die schmelzende Kraft des in dem Abscessraume und sofort auch 
des in dem secundär entstandenen Onyx eingeschlossenen Exsudates nicht aus, 
um die über- und unterliegenden Hornhautschichten zu durchbrechen, und sofort 
einen Abfluss des krankhaften Produktes zu erzwingen, was besonders dann 
der Fall ist, wenn die Masse des schmelzenden Exsudates gering, oder dasselbe 
in bedeutendem Quantitätsverhältnisse mit genuinem Faserstoff und Eiweiss 
gemischt ist, so geschieht es ganz gewöhnlich, dass die flüssigeren Bestand- 
teile resorbirt werden, während die übrigen sich diesem Vorgange entsprechend 
eindicken. Was organisationsfähig ist, geht in Narbengewebe über, die Reste 
des zur Gestaltung nicht geeigneten Exsudatantheiles verfettigen und verkreiden. 

Immerhin ist dieser Ausgang bei dem croupös faserstoffigen Exsudate 
wegen dessen exquisiter Corrosionsfähigkeit ein seltener, und bei dem Hornhaut- 
tuberkel tritt er wohl nie in die Erscheinung, weil eben derselbe fast constant 
erst in den letzten Stadien der tuberkulösen Phthise in die Erscheinung tritt, 
demnach selbst unter den günstigsten Verhältnissen zur Verkreidung der den 
Kranken ereilende Tod einer solchen Metamorphose die nöthige Zeit entzieht. 

§ 305. Weithin in den meisten Fällen durchbohrt aber der das zer- 
fallene croupös faserstoffige Produkt und der ihm verwandte Tuberkel die 
vordere, seltener die hintere Wand des Abscesses, oder beide, er eröffnet sich 
nach aussen oder nach der Vorderkammer hin oder durchbohrt die Hornhaut in 
ihrer ganzen Dicke sammt der Descemeti. Er verwandelt sich in ein 

Geschwür. 
Es ist das Geschwür nicht als ein Ausgang des Abscesses zu betrachten, es ist 
nur ein höherer Entwickelungsgrad des Abscesses, es ist ein geöffneter Abscess. 

§ 306. Entsprechend der successiven Schmelzung des abgelagerten 
Produktes von der Mitte des Herdes aus ist der Sitz des Geschwüres fast 
constant im Centrum der Trübung, oder doch wenigstens an der Stelle der 
grössten Exsudatanhäufung. 

Die Oeffnung ist anfänglich klein, ganz unregelmässig, buchtig, zackig, 
mit überragenden Rändern von bald gesundem, grösstentheils aber infiltrirtem 
Cornealparenchym. Sie führt in einen engen Canal, der fast immer von einem 
aus croupösem Faserstoffe gebildeten Pfropfe verstopft, in lauter Kreuz- und 
Ouerzügen von einem Interlamellarraume zu dem anderen vordringt, einen 



Anatomie des cronpö'sen Hohlgeschwüres. 145 

ganz unregelmässigen, winkeligen Verlauf nimmt, und die durch theilweise 
Schmolzung der Exsudatscheiben entstandenen Lücken in den Zwischenblatt- 
räumen unter einander verbindet, Er stellt ein wahres Hohlgeschwür, im 
Falle aber die Schmelzung bis auf die Descemet i vorgedrungen ist und selbe 
durchbohrt hat, eine Geschwürsfistel dar, durch welche das Kammer- 
wasser ungehindert abfliessl, wenn die Iris sich nicht vorlegt, wo es dann nicht 
selten geschieht, dass der noch gesunde Theil der Hornhaut schlaff, welk wird, 
einsinkt, sich faltet, und ein eigenes cadaveröses Ansehen gewinnt. 

Die Wandungen dieses Hohlgeschwüres oder der Geschwürsfistel werden 
theils von den bereits arrodirten Blättern der Hornhaut gebildet, theils von noch 
starrem, nicht zerfallenem Exsudate, welches zwischen den einzelnen Blättern 
gelagert ist, und selbe von einander abhebt. Das Exsudat schmilzt früher als 
die Cornealsubstanz, daher ragt dieselbe in Gestalt von unregelmässigen Fetzen, 
Leisten und selbst ausgedehnten Scheidewänden in die Abscesshöhle hinein. 
Sie wird erst sichtbar, nachdem man die Abscesshöhle geöffnet und durch einen 
angewandten Druck oder durch Behandlung mit Wasser das rahmartige, er- 
weichte Produkt, welches die isolirten Trümmer des Cornealparenchyms umgibt 
und verdeckt, entfernt hat. Dann ist der blätterige Bau der Geschwürwandung 
ungemein deutlich. Die Ablösung der einzelnen Blätter von ihren Umgebungen 
ist entsprechend der in verschiedenen Schichten ungleich weit vorgerückten 
Schmelzung des Produktes in verschiedenen Tiefen der Hornhautdicke eine sehr 
verschiedene, und somit der Durchmesser des Geschwürskanals in den ver- 
schiedenen Theilen seines Verlaufes ein sehr variabler, es wechseln weite Höhlen 
mit sehr engen Spalten ab. 

§ 307. Untersucht man das, den Hohlraum erfüllende 
eiterähnlicheFluidum näher, so findet man als Grundlage eine schmierige, 
durch eine Unzahl höchst feiner, lichter Stäubchen emulsionsartig trübe Substanz, 
in der Miriaden dunkler, fast schwarzer Körnchen verschiedenen Calibers, und 
ungemein feine Fettröpfchen mit sehr dunkler Contour und wasserhellem 
Centrum schwimmen. Diese Fettmolekule und Fettbläschen bedingen die un- 
gemeine Opacität des Produktes, und den häufig exquisit ranzigen Geruch der 
Präparate aus einigermassen älteren Leichen. Sie wiegen ihrer Zahl nach 
vor über alle anderen Formelemente, welche in dem Exsudate nachweisbar 
werden. Sie conglomeriren häufig zu grösseren Drusen, ohne sich aber jemals 
in eine bestimmte Form zu vereinigen. Eingebettet in diese mit schwarzen 
Punkten dicht durchstreute Masse findet man nun in sehr verschiedenen, nach 
den einzelnen Fällen, namentlich aber nach der grösseren oder geringeren 
Beimischung genuinen Faserstoffes und genuinen Eiweisses wechselnden Quantitäts- 
verhältnissen, kernähnliche, unregelmässige Körnchenconglomerate, wahre, oft 
geschrumpfte, gegen Essigsäure indifferente Zellenkerne mit dunkel granulirtem, 
oder blos trüblichem Inhalte und deutlichen Kernkörperchen und Zellen in allen 
Graden der Entwickelung, von der Kerngestalt mit doppelter Contour his hinauf 
zur wahren Exsudatzelle mit lichter, aber scharfer Contour und wasserhellem 
oder trüblichem Inhalte und einem oder zwei bis drei grossen Kernen, und von 
der Exsudatzelle durch verschiedene Mittelstufen mit mehr und mehr differen- 
zirtem, fettig-körnigem Inhalte bis zur wahren Eiterzelle, in der die Kerne 
durch die Menge des fettig-körnigen Inhaltes ganz verdeckt werden, und welche 
St eil wag, Ophthalmologie. I. 10 



146 Keratitis ulcerativa mit croupösem Exsudate. 

zum Theil durch Indifferenz gegen Essigsäure ihr Hervorgehen aus croupösem 
Faserstoff beurkunden, bald durch Löslichkeit in diesem Reagenz dem Antheile 
wahren Eiters zuzugehören scheinen. Nur in seltenen Fällen fand ich Körnchen- 
zellen in grösserer Masse beigemischt, als Ausdruck bereits rückschreitender 
Metamorphose der zu Zellen organisirten Exsudatbestandtheile. Fast niemals 
fehlen Flocken und Fetzen unzerfallenen Faserstoffes, sie sind der eiterähnlichen 
Masse beigemischt, und constituiren immer zum grössten Theile den in dem 
Geschwürscanal vorfindlichen Pfropf. Unter dem Mikroskope bietet dieser ganz 
die Charaktere des croupösen Faserstoffes dar, er erscheint als eine mit den 
vorhin genannten Elementen gemischte, opake, schollige, oder schollig-fetzige 
Masse, in der sich entweder gar keine Andeutung einer Struktur oder doch nur eine 
sehr undeutliche Streifung, selten eine unvollkommene Faserung zu erkennen gibt. 

Blutkügelchen und deren weitere Metamorphosen fehlen constant, nur wenn 
das croupös faserstoffige Exsudat oder der Tuberkel in Combination mit vielem 
gestaltungsfähigem Blasteme auftritt und in späteren Stadien des in Rede 
stehenden Geschwürs treten junge Blutkörperchen in die Erscheinung. 

Dafür mischen sich aber in ziemlich bedeutender Menge fetzige Trümmer 
der arrodirten Cornealblätter bei. Sie erscheinen als lichte, trübliche, 
deutlich geschwellte, ihrer Faserstruktur beraubte Flocken mit zerfliessenden 
Rändern. 

Dringt man bei der Untersuchung der Canahvände weiter vor in den mit 
noch nicht zerflossenem Produkte infiltrirten Theil der Hornhaut, so gewinnt 
der Durchschnitt gewöhnlich ein ganz exquisites käse- oder speckähnliches 
Ansehen. Die mikroskopische Forschung weist abwechselnde Schichten von 
ganz unveränderten, höchstens etwas matteren Corneallamellen, in denen die 
charakteristische lockig-wellige Faserung sehr deutlich zu sehen ist, und von 
einem opaken gelben, alle Eigenschaften des croupösen Faserstoffes dar- 
bietenden Produkte nach. Dieses letztere erscheint nämlich als eine starre, 
völlig strukturlose, schollige Masse, in der nur äusserst selten eine Andeutung 
von Faserung zu erkennen ist, die aber von einer ganz ungeheuren Anzald 
dunkler Körnchen und Fettbläschen dicht durchsäet ist. Es fehlten alle übrigen 
Formelemente in allen den Fällen, welche ich bisher zur Beobachtung bekam, 
weder Kerne noch Zellen vermochte ich zu entdecken, sodass es scheint, dass 
der Druck, unter welchem das Exsudat in den Zwischenblatträumen steht, der 
Kern- und Zellenbildung hinderlich in den Weg tritt, das Produkt bleibt 
strukturlos im eigentlichen V. ortsinne, so lange es nicht erweicht, und durch 
Bildung einer Höhle, die nach aussen mündet, von dem auf ihr lastenden Druck 
befreit wird. 

Mitunter geschieht es, dass rings um den Herd einfaches plastisches 
Faserstoff-Exsudat abgesetzt wird, alsdann ist es auch möglich, in dem ver- 
waschenen Saum der infiltrirten Parthie alle jene Formelemente zu finden, 
welche ich bei Gelegenheit der Keratitis parenchymatosa vasculosa erwähnt 
habe, die Peripherie des Exsudationsherdes vascularisirt und geht organische 
Gestaltnngsprocesse abnormer Art ein. Wo dieses aber nicht ist, wo croupös 
faserstoffiges Exsudat oder gelber Tuberkel rein zu Tage geht, dort ist die 
Grenze immer scharf, der äussere Rand der zwischen die Cornealblätter abge- 
lagerten, rohen Exsudatscheiben stösst unmittelbar an ganz gesundes, nur etwas 
saftigeres, höchstens ödematös geschwelltes Cornealparenchym. 



Anatomie des croupösen Geschwüres. 147 

§ 308. Doch nicht lange bleibt das Geschwür in dem soeben ge- 
schilderten Zustande eines Hohlganges oder einer Fistel, die Schmelzung des 
Exsudates schreitet in centrifugaler Richtung vorwärts und damit fallen auch 
die das Hohlgeschwür durchsetzenden Blatttrümmer der Hornhaut dem Schmel- 
zungsprocesse anheim, die Geschwürshöhle erweitert sich, wenigstens theilweise, 
zu einem grösseren Räume. ' Je nachdem nun dieser Raum naher an die 
vordere oder hintere Oberfläche der Hornhaut fällt, ist das weitere Verhalten 
ein differentes. 

Liegt der Hohlraum näher der vorderen Hornhautoberfläche, so geschieht 
es ganz gewöhnlich, dass der gleichsam unterminirte Deckel desselben, wenn 
er von gesundem Cornealparenchyme gebildet wurde, brandig abstirbt, wenn 
er aber, was am häufigsten der Fall ist, vorläufig infiltrirt wurde, durch den 
Schmelzungsprocess zu Grunde geht und abfällt, es hat sich dann der Infiltrations- 
herd in ein weit offenes Geschwür mit steil abfallenden, überhängenden, 
untergrabenen, zackig buchtigen, wie besessenen Rändern verwandelt, dessen 
Grund mit einer zäh -flüssigen, gelben oder gelb - grünlichen, ganz opaken 
Materie bedeckt, höchst unregelmässig hügelig, drusig erscheint, und durch 
den fortschreitenden Schmelzungsprocess immer tiefer und tiefer greift, bis 
endlich die Hornhaut durchbohrt wird. 

§ 309. War aber die Exsudation auf die hinteren Interlamellarräume 
beschränkt oder aber bei Infiltration der Cornea in deren ganzer Dicke der 
Schmelzungsprocess des Exsudates in den der Vorderkammer näheren Schichten 
ein rascherer und ausgiebigerer gewesen, so geschieht der Durchbruch nach 
hinten, es schmilzt die den Abscess nach hinten deckende Wand und durch die 
Gewalt des Druckes von Seite des angesammelten Inhaltes wird die Descemeti 
durchrissen, der Eiter entleert sich zum Theile in die Vorderkammer, ein oft 
schnell wieder sich aufsaugendes Hypopyum bildend. 

Ja mitunter, nicht sehr selten, kommen Fälle vor, in welchen die Exsudation 
massenhaft zwischen Descemeti und die hinterste Corneallamelle erfolgt, und 
diese beide Organe gegenseitig ablöst. Durch die mit der Schmelzung ein- 
hergehende Volumszunahme des Produktes wird die Wasserhaut gewaltsam nach 
einwärts gebaucht und reisst endlich in ganz unregelmässiger Weise ein. 
In diesen letzteren Fällen findet man dann die abgelöste Descemeti in Fetzen 
der geschwürigen Stelle der Hornhaut aufliegend und durch consistentere Reste 
des Exsudates von der hintersten Corneallamelle getrennt. Falls aber die Ex- 
sudation, und die Schmelzung des Produktes in dem Cornealparenchym selbst 
vor sich ging, ist, so wie an den nach vorn geöffneten Geschwüren, eine von 
überhängenden Rändern zum Theil bedeckte Aushöhlung der hinteren Corneal- 
wand zu bemerken, die aber wohl mitunter ein treppenähnliches Aussehen, 
niemals aber jene drusigen Erhabenheiten darbietet, wie sie an nach vom 
offenen Geschwüren getroffen werden. Es scheint der Druck des Kammerwassers 
dieser ungleichmässigen Schwellung des Geschwürsbodens entgegen zu sein. 

Man hat die Möglichkeit geläugnet, oder doch bezweifelt, dass einCorneal- 
abscess nach hinten durchbrechen könne. Meine Untersuchungen 
haben dieses Ereigniss als Thatsache herausgestellt. Ich fand in zwei Fällen 
einen hinteren Durchbruch der Hornhaut mit Hypopyum. Es waren die Ränder 
der Oeffnung sammt der Descemeti nach hinten, d. i. in die Vorderkammer 

10. 



148 Keratitis ülcerativa mit croupösem Exsudate. 

hinein ausgestülpt, und zum Theile verdeckt von einem aus der Abscesshöhle 
hervorragenden Klumpen zähen Exsudates. Die nähere Untersuchung ergab, 
dass der Pfropf der Abscesshöhle bei dem Durchbruche der hintersten Corneal- 
lamelle und der Descemeti sich sammt dem flüssigen Inhalte des Abscesses 
hervorgedrängt, und sofort zum Theile in die Vorderkammer gelangt war. 

In einem Falle fand ich eine merkwürdige Combination eines vorderen, 
weit offenen Geschwürs mit einem hinteren von fast gleicher Ausdehnung. 
Beide boten die in dem Vorhergehenden geschilderten charakteristischen Eigen- 
schaften dar. Sie waren durch eine bei 0'".25 dicke Schichte inflltrirten und 
halberweichten Cornealparenchyms getrennt und communizirten mittelst eines, 
diese Scheidewand durchsetzenden, äusserst feinen, zackigen Canales, durch 
welchen das Kammerwasser freien Abfluss hatte. Der Schmelzungsprocess des 
die Cornea ihrer ganzen Dicke nach inflltrirenden Exsudates war in den ober- 
flächlicheren und tieferen Parthien rasch eingetreten, während er in den mittleren 
Schichten säumte. Diese wurden also im Bereiche des Infiltrationsherdes isolirt. 
Zweifelsohne hatte nur der zu früh erfolgte Tod diese Parthie der Hornhaut 
vor der Zerstörung geschützt, ein Schritt weiter, und der Infiltrationsherd wäre in 
ein weit offenes, die Cornea ihrer ganzen Dicke nach durch- 
bohrendes Geschwür verwandelt worden, ein Vorgang, der regelmässig 
durch die fortgesetzte Schmelzung des croupös faserstoffigen und tuberkulösen 
Exsudates eingeleitet wird. 

§ 310. So weit der Exsudationsherd reicht, schmilzt das Parenchym der 
Hornhaut, es fällt heraus und hinterlässt eine Oeffnung, die ganz das Ansehen 
hat, als wäre sie mit einem Locheisen geschlagen worden. Die Contour des 
Loches ist wohl gewöhnlich unregelmässig kerbig, der Rand aber stets steil 
abfallend und nicht selten steht er senkrecht auf die beiden Oberflächen der 
Hornhaut. Die Randfläche hat das blättrige Gefüge verloren, welchem wir in 
den Wandungen des Hohlgeschwüres und Abscesses begegneten, sie ist wie 
abgeschliffen, es deckt sie eine dünnere oder dicke Schichte in Schmelzung be- 
griffenen croupös faserstoffigen oder croupös tuberkulösen Exsudates. 

Namentlich den eigentlich tuberkulösen Geschwüren kommt diese 
Form zu, während sie bei den croupös faserstoffigen, nicht tuberkulösen Ex- 
sudationsherden oft durch den Umstand in ihrer Entwickelung gehemmt wird, dass 
gleich ursprünglich, oder doch während des Verlaufes des Schmelzungs- 
processes im Umkreis des Herdes genuin faserstoffiges oder albuminoses 
Exsudat abgelagert wird, welches die ihm eigenthümlichen Metamorphosen 
durchmacht. Es verwandelt sich das Geschwür nach Abstossung des croupös 
faserstoffigen Produktes und der geschmolzenen Cornealparthien in eine rein 
eiternde, vernarbende Fläche, und wechselt dann je nach den obwaltenden 
Verhältnissen seine äussere Gestalt. 

Bei tuberkulösen Ablagerungen ist jedoch die Möglichkeit einer solchen Ab- 
grenzung des Herdes durch einfach plastische Produkte häufig nicht gegeben, indem 
entsprechend der weit gediehenen Erkrankung der Blutmasse auch der letzte 
Antheil des Faserstoffes und Eiweisses die tuberkulöse Metamorphose einge- 
gangen ist. Die Begrenzung des Herdes geschieht dann durch grauen Tuberkel, 
dessen mikroskopische Elemente seine Combination mit croupös faserstoffigen 
nicht verkennen lassen. Der gekerbte Rand des Geschwürs ist dann mit einer 



Anatomie des croupösen Geschwüres. 149 

mehr weniger dicken Lage croupöser, in Schmelzung begriffener Tuberkelmasse 
belegt. Auf diese folgt ein Kreis von speck- oder käseähnlicher, starrer, 
croupös faserstoffiger, in das Hornhautgewebe eingelagerter Tuberkelmasse, 
und diese verwäscht sich nach aussen allmälig in den mit grauem, einfach 
faserstoffigem Tuberkel infütrirten Cornealrand, welcher dadurch mächtig ge- 
schwellt, und ein ganz eigenthümliches, mattes, sulzähnlich durchscheinendes, 
grauliches oder grau -gelbliches Ansehen gewinnt. In der zerfallenen, die 
Geschwürsfläche deckenden Masse erkennt man alle jene Elemente, welche ich 
bei Gelegenheit des Hohlgeschwüres angeführt habe, die äusserste grau durch- 
scheinende Grenze des Herdes erscheint aber zusammengesetzt aus abwechselnden 
Schichten der kaum veränderten Cornealblälter und zwischengelagerter, struktur- 
loser, graulicher, durchscheinender, speckiger Masse, in der sich ausser einer 
ganz ungeheuren Anzahl feinerer und gröberer, dunkler Punktmasse und der 
feinsten Fettkügelchen kein anderes Formelement erkennen lässt. 

Durch die fortgesetzte Schmelzung des in den Rand des Cornealloches 
infütrirten Tuberkels erweitert sich natürlich die Oeffnung beständig, ohne je- 
doch die charakteristische Form zu verändern, bis endlich die Hornhaut auf 
einen ganz schmalen tuberkulös infütrirten Saum reducirt ist 165 . 

§ 311. Es wäre jedoch sehr gefehlt, wollte man sämmtliche croupös 
faserstoffige Exsudationen ursprünglich unter der Form von Abscessen auf- 
tretend erklären. Im Gegentheile, so wie das genuin faserstoffige und vascu- 
larisirende Exsudat, so kann auch das croupös faserstoffige an die Ober- 
fläche der Hornhaut abgelagert werden. 

Ich sah aber solche Exsudationen niemals, ohne dass zugleich auch eine 
grössere oder geringere Anzahl der vordersten Corneallamellen mit in den 
Bereich der Affektion gezogen worden wären, croupös faserstoffige Produkte 
sind nach meinen bisherigen Erfahrungen niemals rein oberflächliche. Sie 
äussern sich anfänglich durch einen mehr weniger ausgebreiteten, sichtlich über 
das normale Hornhautniveau erhabenen, graulichen Fleck, der bald gelblich 
und vollkommen undurchsichtig wird. Seine Ränder sind sehr scharf, die 
intensive Trübung grenzt fast unmittelbar an vollkommen durchsichtiges Gewebe, 
ohne merklich verwaschen zu sein. 

Bald erweicht die auf- und eingelagerte Masse zu einem grau-gelblichen, 
käseartigen, fettigen Brei, wird abgeschwemmt, und es bleibt ein mehr weniger 
tiefgreifendes Geschwür zurück mit steilen, zackigen, wie besessenen 
Rändern und einem sehr unebenen, hügeligen Grunde. In den Vertiefungen 
des Geschwürsbodens findet sich dann jene Masse, welche ich oben bei Ge- 
legenheit des Hohlgeschwüres geschildert habe. 

Es ist nun entweder das gesammte Exsudat bereits zerfallen und abge- 
stossen worden, der Geschwürsboden und die Ränder werden von durch- 
sichtigem Cornealparenchym gebildet, welches im hohen Grade saftreich, 
durch Anhäufung der gelatinösen Grundsubstanz in den Interlamellarräumen 
deutlich geschwellt, gefunden wird, oder aber sind die Ränder und der 
Geschwürsboden noch infiltrirt, grau, undurchsichtig, es befindet sich in ihnen 
das croupös faserstoffige Exsudat noch im starren Zustande, es wird von vorn 
nach hinten ein Zwischenblattraum nach dem andern mit croupös faserstoffigem 
Exsudate infiltrirt, während die oberflächlichen immer wieder durch Schmelzung 



150 Keratitis nlcerativa mit croupösem Exsudate. 

zu Grunde gehen, bis endlich ein die Cornea in ihrer ganzen Dicke durch- 
bohrendes Geschwür mit steilen, wie von einem Locheisen geschlagenen Rändern 
gesetzt ist, ein Zustand, der zusammenfällt mit dem, der auch in Folge von 
Abscessen beobachtet wird, und durch fortschreitende Infiltration und Schmelzung 
der Ränder ebenfalls zur totalen Consumtion der Cornea führen kann. 

§ 312. Das croupös faserstoffige und tuberkulöse Hornhautprodukt bieten 
in Rezug auf ihre aetiologischen Momente viel Uebereinstimmung dar mit 
den eitrig-jauchigen Exsudaten. 

§ 313. Häufig sind sie nur der locale Ausdruck einer den Rlutfaserstoff 
in seiner Totalität betreffenden Erkrankung, einer anomalen Krase. 

Namentlich gilt dieses von dem tuberkulösen Hornhautexsudate, 
seine Existenz ist nach den bisherigen Erfahrungen constant gebunden an 
das Vorhandensein einer hochgradigen allgemeinen Tuberkulose. Der Grund 
hiervon liegt wohl zum Theile auch darin, dass uns bisher die Mittel fehlen, 
den gelben Tuberkel in der Hornhaut selbst mit Hilfe des Mikroskopes 
zu erkennen, wenn nicht gleichzeitig evident tuberkulisirende Ablagerungen in 
anderen Körpertheilen seine Diagnose sichein. Ich will damit nicht die Mög- 
lichkeit einer rein localen Ablagerung tuberkuloser Masse in die Hornhaut 
läugnen, gibt es doch auch in anderen Körpertheilen Tuberkel rein localer Re- 
deutung. Allein ein localer Tuberkel in der Hornhaut ist bisher noch nicht 
Gegenstand meiner Erfahrung geworden, und die höchst ditferenten Produkte, 
welche Andere als Hornhauttuberkel auf blose Muthmassungen hin erklären zu 
können glaubten, haben sich als alles Andere, nur nicht als Tuberkel erwiesen. 

Aber auch das rein croupös faserstoffige Exsudat in der Horn- 
haut lässt sein Hervorgehen aus einer entsprechenden, das Gesammtblut be- 
treffenden, croupösen Krase mitunter deutlich nachweisen. Es tritt in Gesell- 
schaft ganz ähnlicher Ablagerungen in anderen Körpertheilen und unter Um- 
ständen auf. welche an dem Vorhandensein einer zu Grunde liegenden croupösen 
Krase keinen Augenblick zweifeln lassen. Insofern fällt seine Aetiologie zu- 
sammen mit jener der begründenden Dyscrasie. welche bald eine protopathische, 
bald aber eine deuteropathische, durch Umsetzung der puerperalen, typhösen, 
cholerischen, dyssenterischen, exanthematischen entstanden ist. Ein nicht un- 
bedeutendes Contingent der im Verlaufe und nach Ablauf des puerperale^ 
typhösen, cholerischen, dyssenterischen, des Rlatter-, Maser- und Scharlach- 
processes vor sich gehenden Zerstörungen des Auges gehören der croupösen 
Krase an. welche aus der Hypinose der ersteren durch Metasehematismus her- 
vorgegangen ist. 

Immerhin sind aber Exsudationen in die Hornhaut unter der Herrschaft 
der croupösen Krase, sie sei protopathisch oder deuteropathisch, eine seltnere 
Erscheinung, als im Gefolge der Pyämie, die aber durch ihre besondere Neigung, 
sich gleichzeitig in den differentesten Organen unter der Form kleiner, um- 
schränkter Herde zu localisiren, ganz vorzüglich ausgezeichnet ist. Die croupöse 
sowohl, als die tuberkulöse Krase haben ihre besondern Organe, in welchen sie 
sich am häufigsten und liebsten localisiren, und das x\uge nimmt auf der Stufen- 
leiter der letzteren eine sehr tiefe Stellung ein. Es scheint, als ob in den 
Fällen, in welchen die croupöse und tuberkulöse Krase nicht zu den höchsten 
Entwickelungsgraden gekommen ist, eine das Auge speciell treffende Schädlich- 



Aetiologie, begleitende Erscheinungen. 151 

keit erforderlich wäre, auf dass die eigenthümlichcn Produkte derKrase in den 
Gesichtsorganen zu Tage gehen können. 

Es ist dabei durchaus nicht nöthig, dass diese Schädlichkeit stets eine von 
aussen einwirkende sei. Die speeifische croupöse oder tuberkulöse Erkrankung 
des Blutfaserstoffes steht nicht immer isolirt da, sie ist nicht selten ein Epiphä- 
nomenon anderer Krasen, deren Localisation in dem Auge den nächsten Grund 
eroupöser oder tuberkuloser Ablagerungen abgeben können. So scheint mir 
die in der exanlhematischen Krase begründete Schleimhautreizung die nächste 
Ursache der Localisation, wenn diese Krase in die croupöse umgesetzt hat. 
Auf dieselbe Weise scheinen sich auch croupöse oder tuberkulöse Produkte 
während des Verlaufes des Scorbutes in der Hornhaut und den tieferen 
Gebilden des Augapfels etabliren zu können. Die scorbutische Affektion des 
Bulbus und seiner Umgebungen dürfte der Ausscheidung des gleichzeitig er- 
krankenden Faserstoffes förderlich werden. Thielmans Keratitis scorbutica 
gehört wahrscheinlich hierher 166 . 

§ 314. Unstreitig am häufigsten sind aber jene Fälle, in denen die 
Gelegen h ei ts Ursache das cardinale Causalmoment abgibt, die Krase 
aber ganz in den Hintergrund tritt, oder aber ganz unnachweisbar wird, in 
denen das croupöse Exsudat in der Hornhaut auftritt bei Individuen und unter 
Umständen, welche seine Begründung in einem allgemeinen Blutleiden ganz 
unthunlich erscheinen lassen. 

Das croupös faserstoffige Exsudat tritt mitunter plötzlich zum Vorschein 
im Verlaufe einer einfachen Keratitis, das entzündliche Produkt wechselt 
seinen Charakter, die Hornhaut infiltrirt sich mit croupös faserstoffigem 
Produkte. 

Sehr häufig ist dasselbe aber primär, durch local auf das Auge wir- 
kende mechanische oder chemische Schädlichkeiten hervorgerufen. 

Ja nicht selten lässt sich auch nicht eine Spur einer Allgemeinkrankheit 
und einer Gelegenheitsursache als Erklärungsgrund rascher Exsudation croupös 
faserstoffigen Produktes in die Hornhaut finden. Der Mensch liebt es, aus 
seiner Phantasie zu schöpfen, was die Natur seinen Sinnen unzugänglich ge- 
macht oder zur Zeit noch verborgen hält. Man hat daher solche Fälle auf 
eine latente Scrophulose, auf Rheuma u. s. w. zu basiren versucht. Eine nicht 
geringe Anzahl der in den Büchern als scrofulose, rheumatische Horn- 
hautabscesse beschriebenen Localleiden gehören wesentlich hierher. 

§ 315. In der Aetiologie liegt der Schlüssel zu vielen der Erschei- 
nungen, welche den Exsudationsprocess des croupös faser- 
stoffigen und tuberculosen Produktes in der Hornhaut zu 
begleiten pflegen. Dieses ist der Grund, warum ich die Aufzählung der 
Causalmomente der Schilderung der begleitenden Erscheinungen voranschickte, 
und auf spezielle Pathologien verweisend mich auf jene Symptome beschränken 
zu können glaube, welche das Auge als abgesondertes Ganzes betreffen. 

In dieser Hinsicht ist vor Allem zu bemerken, dass die Infiltration der 
Hornhaut mit croupös faserstoffigen und tuberkulösen Produkten in der Regel 
nur ein Theil eines über den ganzen Augapfel ausgebreiteten Exsudations- 
herdes sei, daher sie denn auch ganz gewöhnlich in der Symptomatologie der 
Panophthalmitis prangt. 



152 Keratitis ulcerativa mit croupösem Exsudate. 

Doch fehlen mitunter die der letzteren zukommenden hochgradigen Cir- 
culationsstörungen in der Bindehaut, in den Orbitalgeweben, und der fast un- 
erträgliche, verschieden nuancirte, Avegen seines Einflusses auf das Gehirn nicht 
selten Gefahr drohende Schmerz. 

Der Entwickelungsgrad der begleitenden Congestion und des Schmerzes 
sind höchst variabel, er steht weder mit der Quantität des gesetzten Exsudates, 
noch mit der Rapidität seines Zustandekommens in irgend einem stetigen Ver- 
hältnisse, bei massiger Ausschwitzung croupös faserstoffigen oder tuberkulösen 
Exsudates findet sich häufig nur unbedeutende Sensibilitätsstörung und eine 
Bindehautcongestion, wie sie einer einfachen Keratitis oder Iritis, einem 
simplen Catarrhe zukömmt, ja es geschieht gar nicht selten, dass Schmerz und 
Congestionserscheinungen gänzlich fehlen. Man hat solche Infiltrationsherde 
desshalb auch kalte Abscesse genannt. 

Es kommt auch in nicht wenigen Fällen vor, dass die Exsudation unter 
scheinbarem Indifferentismus des Gefäss- und Nervensystemes im Auge vor 
sich geht, und erst, nachdem sie auf einer gewissen Höhe angelangt ist, oder 
aber, wenn der Erweichungsprocess beginnt, die Reaction hervorruft, und auf 
nicht unbedeutende Grade hinaufschraubt. Namentlich ist dieses nach meinen 
bisherigen Erfahrungen bei der Tuberkulose des Auges der Fall. Die Ab- 
lagerung grauen Tuberkels geht unter ganz unbedeutenden Circulationsstörungen 
einher, erst später, nachdem gelber Tuberkel in grösserem Maasse anschiesst 
und seine Schmelzung florirt, entwickelt sich unter gleichzeitiger tuberkuloser 
Infiltration der Bindehaut und des subconjunctivalen Gewebes congestive Röthe 
und chemotische Schwellung. In den von mir beobachteten Fällen fehlten eben 
so wohl der Schmerz als die Lichtscheu in sämmtlichen Stadien. Das einzige 
nervöse Symptom betraf den specifischen Nerven des Auges, es war Amaurose 
als Folge der Erkrankung der Netz- und Aderhaut. 

§ 316. Der Verlauf des in Rede stehenden Localprocesses ist ein 
höchst variabler. Die grössere oder geringere Neigung des Exsudates zum 
Zerfliessen, der verschiedene Grad seiner Corrosionsfähigkeit und eine Unzahl 
anderer Verhältnisse bestimmen so viele Abweichungen, dass es zuletzt un- 
möglich wird, eine Regel aufzustellen. 

Vor Allem ist zu bemerken, dass eine nicht unbeträchtliche Anzahl der 
Fälle in einer allgemeinen Bluterkrankung begründet sei, die an und für sich 
und durch andere, in lebenswichtigen Organen gesetzte Veränderungen häufig 
den Tod bedingt, und sofort den Localprocess in seinem Verlaufe unterbricht. 
Dieses gilt nicht nur von der croupös tuberkulösen, es gilt auch von der 
croupös faserstoffigen Krase im eigentlichen \Vortsinne. 

Von einem Verlaufe und den Ausgängen des Localprocesses kann also im 
Grunde genommen nur nach Erlöschen der begründenden Krase und in Fällen 
die Rede sein, in welchen die Exsudation ein rein örtliches, auf das Auge 
beschränktes Leiden vorstellt. 

Im Allgemeinen kann man hier sagen, dass Ablagerungen, welche unter 
den Erscheinungen einer Panophthalmitis zu Stande kommen, unter bedeutender 
Congestion der Nachbargebilde und heftigem Schmerze einhergehen, fast immer 
in kurzer Zeit ihre sämmtlichen Stadien durchgehen, und den Augapfel con- 
sumiren, indem das Exsudat und mit ihm die infiltrirten Organe schmelzen oder 



Ausgange. 153 

aber necrosiren, zu einem schmierigen, zunderähnlichen missfarbigen, übel- 
riechenden fettigen Schorfe verwandelt werden, welcher sich abslösst. Wenige 
Tage genügen, diesen Ausgang herbeizuführen. 

In den übrigen Fällen, namentlich aber bei den sogenannten kalten Ab- 
scessen ist der Verlauf gewöhnlich ein langsamerer, die Infiltration und die 
weiteren Metamorphosen gehen langsamer von Statten, der Process zieht sich 
durch eine lange Reihe von Tagen, nicht selten auch durch mehrere Wochen 
hin, ehe er sein Ende erreicht. Dieses ist fast immer ein eben so betrübendes, 
als jenes, welches den Schlussstein acut verlaufender Exsudationen bildet. Die 
Neigung des croupösen Faserstoffes zum Zerfallen und die damit sich ent- 
wickelnde Corrosionskraft sind Momente, welche einer Rettung des Seh- 
vermögens unübersteigliche Hindernisse in den Weg legen. Dazu kommt noch, 
dass die Exsudation in das Hornhautparenchym der Regel nach nur ein Theil 
eines über den ganzen Augapfel ausgebreiteten Ablagerungsprocesses ist. 
Zerstörung oder Funktionsuntüchtigkeit der Netzhaut und Uvea sind also fast 
immer unmittelbare Consequenzen , sie führen Amaurose und weiterhin Atro- 
phie des Augapfels herbei, selbst wenn die weiteren Metamorphosen des 
Cornealexsudates die möglichst günstigen Wendungen nehmen würden. 

Ein solcher günstiger Ausgang wäre Resorbtion des Produktes, ehe 
dasselbe das Comealparenchym zur Schmelzung gebracht, zerstört hat. Resorb- 
tion des starren croupösen Faserstoffes ist nicht möglich ohne vorläufige Ver- 
flüssigung desselben, mit der aber auch schon die Schmelzung des in Contakt 
stehenden Parenchyms eingeleitet ist. Zugleich kömmt der Umstand in Re- 
tracht, dass Schmelzung, Verflüssigung des starren Produktes ohne bedeutende 
Volumszunahme nicht möglich ist, dass daher der Druck, welcher von Seite des 
Exsudates auf das infiltrirte Parenchym ausgeübt wird, eine sehr bedeutende 
Steigerung erfährt. Eine nicht unbedeutende Anzahl von Fällen, in welchen 
die infiltrirten Cornealparthien brandig absterben, finden hierin ihre Erklärung. 

Es sind also gerade jene Momente, welche den günstigsten Ausgang, die 
Resorbtion einzuleiten fähig wären, solche, welche die Zerstörung der Hornhaut 
unmittelbar mit sich führen. Jene Exsudationsherde, welche ohne Spur zu 
hinterlassen durch Aufsaugung vollständig verschwinden, können daher unmög- 
lich Ablagerungen croupösen Faserstoffes sein, ein solcher Vorgang setzt ein 
zur Corrosion ungeeignetes blandes Produkt voraus. 

Ich will damit nicht die Möglichkeit läugnen, dass einzelne Restandtheile 
des croupös faserstoffigen Exsudates und eines localen Tuberkels der Auf- 
saugung anheimfallen können. Die Metamorphosen dieser Produkte in anderen 
Körpertheilen, und selbst einzelne seltene Fälle von Cornealinfiltrationen stellen 
es als unwiderlegbar heraus, dass Theile des Exsudationsherdes durch Re- 
sorbtion verschwinden können, allein immer ist damit auch Substanzverlust 
gesetzt, es gehen immer die im Verflüssigungsstadio geschmolzenen Antheile 
des Parenchyms mit. Auch trifft die Resorbtion nicht alle Elemente des Ex- 
sudates gleichmässig, sondern die flüssigen und fetten vorherrschend, der Inhalt 
des Abscesses dickt sich nach und nach ein, und es restirt ein aus freiem 
Fette, Cholestearinkrystallen und Kalksalzen bestehender, mit formloser orga- 
nischer Masse gemischter Rrei, der sich bei fortgesetzter Resorbtion in ein 
festes, kalkiges, fettarmes Concrement ballt, um welches herum die 
Cornea atrophirt. Die Verfettigung und Vermeidung ist also nicht so ein 



154 Keratitis ulcerativa mit rein eitrigem und narbenbildendem Exsudate. 

Attribut des starren Exsudates, es ist immer ein Ausgang eines vorläufig ge- 
bildeten, nicht zum Durchbruch gekommenen Abscesses. 

Immerhin ist dieser Ausgang aber ein äusserst seltener, eine Ausnahme, 
fast jederzeit ist Schmelzung und Abstossung des Cornealparenchyms in dem 
ganzen Umfange des Exsudationsherdes die unmittelbare Folge. Das dadurch 
in der Hornhaut gesetzte Loch verbreitet sich beständig durch neue Ablagerungen 
zerfliessenden Produktes und consumirt endlich die ganze Hornhaut, der Bulbus 
geht phthisisch zu Grunde, oder aber der ursprüngliche Herd wird ringsum 
begrenzt durch einfache Keratitis mit genuin faserstoffigem und albuminösem 
Exsudate, das corrodirende Geschwür verwandelt sich in ein rein 
eiterndes, vernarbendes. Von diesem Momente an fallen dann die wei- 
teren Erscheinungen und Ausgänge mit denen des einfachen Hornhautgeschwüres 
zusammen. 

3. Das rein eitrige und narbenbildende Exsudat. 

§ 317. Ich fasse unter dieser Aufschrift eine beinahe unübersehbare 
Reihe differenter Produkte zusammen, Produkte, die ihrer Zusammensetzung 
nach einerseits an das jauchig eitrige, anderseits an das starre, organisations- 
fähige, rein faserstoffige streifen. Nur die blande Beschaffenheit derselben, die 
geringe Corrosionskraft, die Neigung zur Organisation und die sofort mit ihrem 
Auftreten gesetzte Möglichkeit zur Verkeilung lassen sie ohne Zuhilfenahme 
zusammengesetzter optischer Insrumente von den im Vorhergehenden geschil- 
derten Produkten unterscheiden. 

§ 318. Formelemente des genuinen, albuminösen Eiters mischen sich in 
ihnen nach den verschiedensten Quantitätsverhältnissen mit einfach plastischem 
Faserstoffe, der theils nach dem ihm vorgeschriebenen Entwicklungsgänge 
höhere Stufen der Organisation erklimmt, theils ungünstigen Verhältnissen unter- 
liegend verflüssigt und mit den Bestandtheilen des Eiters verschwimmt. Häufig 
kleben dem Exsudate, wenigstens zeitweilig, Elemente croupösen Faserstoffes 
an, sie erklären die in manchen Fällen dem Produkte inhärirende Fähigkeit, 
anstossende Gewebe zur Schmelzung anzuregen. Aus der verschiedenartigen 
Combination dieser Grundbestandtheile resultiren Nuancen, die das Exsudat fast 
in jedem Falle unter einer andern Form erscheinen lassen. 

§ 319. Immerhin ist aber die flüssige Form, die Eiterconsistenz die 
vorschlagende, sie ist eine nothwendig erforderliche, auf dass ein Exsudat als 
eitriges erklärt werden könne. Sie ist entweder eine ursprüngliche, das 
Produkt geht unter flüssiger Form zu Tage, oder aber eine abgeleitete, der 
Eiter entwickelt sich aus vorläufig starrem Blasteme, durch Zerfallen fibri- 
nöser Gerinnungen. 

§ 320. Weiter ist das rein eitrige narbenbildende Exsudat entweder 
ein primäres oder secundäres, das ist ein solches, welches sich zu Pro- 
dukten anderer Processe hinzugesellt, selbe umgrenzt, und die Verheilung der 
durch erstere bedingten Substanzverluste einleitet. 

§ 321. Es leuchtet aus dem Allem ein, dass die äussere Gestalt des 
Infiltrationsherdes mit eitrigem Produkte in verschiedenen Fällen eine höchst 
verschiedene sei. 



Symptomatologie des rein eitrigen Abscesses. 155 

Um einige Ordnung in die Schilderung derselben zu bringen und eine 
leichtere Einsicht in den eigentlichen Vorgang zu ermöglichen, dünkt es mir 
am zweckdienlichsten, mit der Erörterung jener Fälle die Scene zu eröffnen, 
in welchen das eitrige Produkt durch Schmelzung einfach plastischen, in das 
Homhautparenchym infiltrirten Faserstoffes unter der Form eines Abscesses 
zum Vorschein gekommen ist. 

§ 322. Nachdem die Erscheinungen einer Keratitis Simplex parenchy- 
matosa kürzere oder längere Zeit vorhergegangen sind, beginnt plötzlich das 
Centrum des Herdes d. i. jene Stelle, in welcher die Trübung durch massigere 
Ablagerung am intensivsten hervortritt, zu schwellen, das ursprüngliche gela- 
tinöse Ansehen derselben kehrt zurück und nicht selten entwicklen sich sogar 
einige Gefässzweigelchen, Symptome, welche den Uebergang der ein- 
fachen Keratitis in die vasculose bezeichnen, und sofort das Verhältniss dem 
ganz analog gestalten, als ginge die Exsudation eitrigen Produktes unmittelbar 
aus einer Keratitis mit Gefässbildung hervor. 

Bald trübt sich aber das Centrum des Herdes desto intensiver, wird 
gänzlich undurchsichtig und nimmt die dem Eiter eigenthümliohe gelbe Farbe an. 
Es hat sich in der Cornea ein Eiterdepöt gebildet, welches von wolkig trübem 
oder in Vascularisation begriffenem organisirendem Blasteme umgeben wird, und 
mehr weniger rasch in centrifugaler Kichtung und nach vorne oder hinten um 
sich greift, seine Grenzen erweitert. 

Das Krankheitsbild gleicht dann ganz jenem, welches sich dem Beobachter 
in Fällen darbietet, in welchen ein umschriebener Eiterherd ohne voraus- 
gegangene Erscheinungen einer Keratitis entwickelt wird, in 
welchen die Ablagerung eitrigen Exsudates das primäre ist, und erst nach- 
träglich die Begrenzung mittelst eines Saumes einfach plastischen, organisiren- 
den, und dabei vascularisirenden Exsudates eingeleitet wird. 

Nicht selten geschieht es unter solchen Verhältnissen, dass der in die 
Zwischenblatträume der Hornhaut abgelagerte Eiter, dem auf ihm lastenden 
Drucke ausweichend und dem Gesetze der Schwere folgend, sich senkt und 
Onyces erzeugt, die ihrem äusseren Ansehen nach vollkommen denen gleichen, 
welche durch Senkung Zerflossenen croupösen Faserstoffes aus vorläufig gebil- 
deten Abscesshöhlen zu Stande kommen. 

Der Unguis wächst in dem Maasse als die Ablagerung eitrigen Produktes 
in dem primitiven Herde zunimmt, sein oberer Rand stösst endlich mit dem 
unteren des Abscesses zusammen, dieser breitet sich mehr und mehr aus, und 
zuletzt ist die Cornea ihrer Totalität nach in einen gelblich-weissen oder 
gelben Knopf verwandelt, dessen Rand unmittelbar an den Limbus con- 
junctivalis grenzt. 

Es ist dieses wieder ein Resultat, welches nicht selten ohne Vermittelung 
eines Unguis während des Verlaufes einer Keratitis simplex oder vasculosa, in 
vielen Fällen aber auch primär ins Leben tritt, indem sich ohne jedes 
Symptom einer localen vorläufigen Erkrankung die Hornhaut in der schnellsten 
Zeit, über Nacht, in einen sogenannten Vortex purulentus verwandelt. 

§ 323. Bei der anatomischen Untersuchung findet man den 
Eiter fast immor in Form eines sehr flachen, meniseoiden Scheibchens zwischen 
die Blatträume der Hornhaut abgelagert, es ist die Exsudation auf nur weiüge 



156 Keratitis ulcerativa mit rein eitrigem und narbenbildendem Exsudate. 

Interlamellarräunie beschränkt geblieben, und nur in seltenen Fällen die ganze 
Dicke der Hornhaut Sitz eitrigen Produktes. Nach vorne und hinten wird der 
Abscess entweder von durchsichtigem oder aber von Cornealparenchym bedeckt, 
welches mit einfach faserstoffigem, organisirendem oder selbst vascularisirendem 
Exsudate infiltrirt ist. 

Je nach der Mächtigkeit dieser überlagernden Hornhautschichfe ist nun 
auch das Aussehen ein etwas difFerentes. 

Mitunter geschieht es, dass die eitrige Exsudation in ziemlicher Menge in 
den oberflächlicheren Zwischenblatträumen angesammelt wird. Durch die 
Ausdehnung dieses Raumes tritt dann der Herd nicht selten etwas über das 
Niveau der Cornealvorderfläche hervor, bildet einen sehr flachen gelblichen 
Hügel, ein Zustand, der von Carron de Villards 167 Onyx subconjunctivalis ge- 
nannt wurde. 

In anderen Fällen, und dieses sind die häufigsten, liegt der Eiterherd tiefer, 
es sind die mittleren Blatträume der Hornhaut durch zwischengelagerten 
Eiter ausgedehnt, wie man dieses auf den ersten Blick erkennt, wenn man die 
Hornhaut von der Seite her befrachtet, wo man über die opake Eiterscheibe 
eine mehr weniger beträchtliche Schichte entweder ganz gesunden spiegelnden 
oder mit organisirenden , starren, selbst Gefäss'chen führenden Produkten iufil- 
trirten Cornealparenchyms überkleidet findet. 

Diese Abscesse gehen durch unmerkliche Zwischenstufen in die hinteren 
über, deren Endglied Eiteransammlungen zwischen Descemeti und der tiefsten 
Hornhautlage abgeben (Carron's Onyx subaquosus). 

Sticht man eine derartig erkrankte Hornhaufparthie an, so entleert sich 
immer ein grosser Theil des enthaltenen eitrigen Fluidums, dasselbe spritzt oft 
auf ziemlich namhafte Distanz hervor und beurkundet damit den Druck, unter 
welchem sich dasselbe während des Lebens befindet. 

Das Produkt lässt eine wässerige, durch die feinste, lichte Punktmasse 
trübe Flüssigkeit als Grundsubstanz erkennen, in welcher sich je nach ver- 
schiedenen Fällen eine verschiedene Quantität dunkler Moleküle diversen Calibers 
und feiner Fettbläschen eingestreut finden. Die Hauptmasse bilden Kerne und 
Zellen in den verschiedensten Graden ihrer Entwickelung. Man findet eine 
Unzahl ungemein kleiner, bläschenähnlicher rundlicher oder ovaler Kerne mit 
scharfen halbdunklen Contouren und fast homogenem, trüblichem Inhalt, andere 
grössere, in welchen der Inhalt bereits durch DilTerenzirung seiner chemischen 
Bestandteile mehr weniger dunkle isolirte Körnchen erkennen lässt, und noch 
andere, in welchen bereits deutlich die Kernkörperchen wahrnehmbar geworden 
sind. Sie bilden häufig durch evident doppelte Contour schon den Uebergang 
zur wahren Zelle mit äusserst feiner Zellenwand und durchsichtigem wasser- 
hellem Inhalt. Der Zellenraum findet sich in vielen vergrössert, es resultiren 
runde und ovale Zellen mit theils wasserhellem, theils staubähnlich getrübtem, 
lichtem Inhalte, in welchem eine grössere oder geringere Anzahl dunkler 
Körnchen schwimmen. Diese letzteren nehmen an Masse zu, sie ballen sich 
und daraus resultirt nun eine Zelle, die fast immer ihrer Menge nach in dem 
Produkte vorschlägt, den cardinalen Bestandteil des Exsudates abgibt. Es ist 
die Eiterzelle mit ihrer scharfen halbdunklen Contour und einem, den grössten 
Theil des Zellenraumes erfüllenden dunkel granulirten Centralkörper, dem die 
scharfe, häutige Grenze fehlt, der vielmehr durch allmälige Dichtigkeitsabnahme 



Anatomie des rein eitrigen Abscesses. 157 

fast unmerklich in die wasserhelle Peripherie des Zellenraumes übergeht. 
Durch Behandlung mit Essigsäure zerstäubt der Centralkörper , es treten die 
Körnchen aus einander, und es treten die Kerne in Drei- oder Vierzahl hervor. 
Seltener sind kernlose Zellen mit wasserhellem oder trüblichem Inhalte und 
eigentliche Körnchenzellen ; wo sie aber vorkommen , und dieses scheint 
mir nach den bisherigen Erfahrungen in älteren Abscessen der Fall zu 
sein, sind sie ungemein häufig. Sie machen dann den grössten Theil der 
geformten Parthien des Exsudates aus, und mischen sich mit ausgebrei- 
teten, ganz unregelmässig gestalteten Klümpchen congregirter Fettkörnchen 
in reichlichem Maasse. Neben diesen Elementen finden sich fast immer 
Flocken geronnenen Fibrins, als schollig faserige, lichttrübliche äusserst fein 
granulirte, in anderen Fällen aber als dunkelkörnige Massen ohne alle An- 
deutung einer Struktur, höchstens mit einer ganz ungemein feinen lichten 
Streifung. 

In Fällen, in welchen der Abscess aus einer Keratitis vasculosa her- 
vorging, oder aber sich mit vascularisirendem Exsudate umsponnen hatte, 
fehlen auch niemals Blutkörperchen, theils frisch und offenbar ganz junger 
Formation als unregelmässig rundliche, blass gelb-bräunliche Bläschen von ver- 
schiedener Grösse mit dunkler, scharfer Contour und homogenem Inhalt, theils 
geschrumpft und zusammengebacken in unregelmässige Haufen. Ja in einzelnen 
Fällen nehmen diese Blutkörperchen ungemein überhand, sie überdecken zum 
grossen Theile die anderen Formelemente, und das aus ihrer Höhle ausgetretene 
gelöste Hämatin färbt die Grundsubstanz und Fibringerinnungen gelb-bräunlich, 
das Exsudat ist ein hämorrhagisches. Es kommt immer nur dort vor, wo das 
Exsudat einen bedeutenden Antheil organisationsfähigen Blastems in sich schliesst, 
und die damit gegebene Anlage zu höherer Gestaltung in üppiger Vascularisation 
der Abscesswandungen zu erkennen gibt. Es ist ein Attribut jener Abscesse, 
welche aus der vorläufigen Entzündung mit Gefässbildung auftreten oder aber 
später von einer Keratitis vascularis umsäumt werden. In Abscessen, welche 
rasch, und ohne alle vorausgehende Erscheinungen einer Keratitis zu Tage 
gehen, fehlt constant die Beimischung von Blutbestandtheilen , es wäre denn, 
und dieses ist ein sehr seltener, von mir noch nicht beobachteter Fall, dass 
Blutextravasate aus den, den Cornealfalz umgebenden Gefässen sich mit dem 
Hornhautexsudate mischen. 

Ausgenommen dieser rein zufälligen Complication der eitrigen Hornhaut- 
exsudation mit Blutaustretungen aus den Nachbargebilden ist das hämorrhagische 
Exsudat in der Cornea also stets begründet in der Schmelzung vascularisirten 
Neugebildes, das in den Blutschläuchen und Blutkanälchen früher gesetzten 
keratitischen Produktes entwickelte Blut tritt mit der Schmelzung des Exsudates 
heraus aus seinen Spalten und Gängen, es mischt sich dem flüssigen Eiter bei. 

Dieses führt mich auf die Wandungen des Abscesses selbst. 
Ich bemerkte schon oben, dass weithin in den meisten Fällen die grösste Aus- 
dehnung des Abscesses in einen oder doch nur sehr wenige unmittelbar an 
einander anstossende Interlamellarräume falle, dass nur selten die erkrankte 
Parthie der Hornhaut in der ganzen Dicke infiltrirt gefunden werde. Der 
eitrige Abscess der Hornhaut hat dem entsprechend nur eine vordere und eine 
hintere Wand, welche sich an der Peripherie des Herdes unter einem spitzigen 
Winkel schneiden. Dadurch unterscheidet er sich wesentlich von der zikzak 



158 Keratitis ulcerativa mit rein eitrigem und narbenbildendem Exsudate. 

verlaufenden Abscesshöhle des croupös faserstoffigen Hornhautexsudates. Die 
meniscoide Gestalt des eifrigen Abscesses ist eine nothwendige Folge des 
flüssigen Zustandes, in welchem sich das eitrige Produkt gleich nach seiner 
Ablagerung befindet, und des Druckes, der auf ihm lastet. Es sucht nach allen 
Richtungen hin auszuweichen und die blätterige Textur der Cornea ist seiner 
Ausbreitung in die Fläche ganz gelegen. Geben die Lamellen im ganzen Um- 
kreise eines centralen Abscesses gleichmässig nach, so behält der Abscess seine 
Scheibenform, widrigenfalls wird er winkelig eckig, ja durch Nachgeben an 
einem Punkte in grösserem Maasse dringt der Eiter leicht in ganz gesunde 
Hornhaufparthien vor, er gelangt, an die peripherischen, lockerer gebauten 
Parthien und versenkt sich in den mittleren Zwischenblatträumen, er formirt 
eine secundäre Abscesshöhle, einen Onyx. Ist aber der Abscess an der Peri- 
pherie der Hornhaut gelagert, so nimmt er ganz gewöhnlich eine nierenförmige 
Gestalt an, indem eben die centralen Parthien der Blätter fester an einander 
haften, als die peripheren, der Eiter also leichter am Hornhautrande sich aus- 
breiten kann. 

Diese nierenförmigen Hornhautabscesse sind ganz geeignet, den eigent- 
lichen Bildungsherd des Eiters, die Ablagerungsstelle im Centro des Herdes 
zu erweisen, d. i. darzuthun, dass das Produkt nicht immer an jenem Punkte 
zum Vorscheine trete, an welchem es ursprünglich aus der Ernährungsflüssig- 
keit ausgeschieden wurde. Der Exsudationsprocess ist häufig an andere Stellen 
gebunden, die Unmöglichkeit, das Exsudat an dem Orte der Deposition zu 
fassen, bedingt die Ausbreitung des Herdes in centrifugaler Richtung. 

Dieses erklärt nun den Umstand, warum eitergefüllte Abscesshöhlen fast 
immer in ihrem Centrum geräumiger sind. Hier ist der eigentliche Krankheitsherd, 
hier geht die Exsudation gleichzeitig in mehreren Schichten der Cornea vor 
sich, gibt aber einmal ein Zwischenraum nach, so ist bereits ein Weg gebahnt, 
auf welchem auch Ablagerungen aus anderen Blatträumen der Hornhaut aus- 
weichen, und so dem auf sie wirkenden Drucke entgehen können. Die im 
Centro des Herdes gegenseitig von einander abgelösten Blätter schmelzen 
nämlich bald in Folge des Druckes und der jedem Eiter, wenn auch in 
geringerem Grade, inhärirenden Schmelzungskraft, und vermitteln somit die 
Commuuication zwischen den einzelnen Blattzwischenräumen. Es braucht sich 
somit nicht jede einzelne, in einem Interlamellarraume abgesetzte Exsudat- 
schichte ihren eigenen Weg zu bahnen, und Separatherde zu bilden. 

Hebt man daher die obere Wand des Eiterabscesses ab, so findet man 
die den Abscess einschliessenden Flächen des Hornhautparenchyms treppen- 
förmig gegen das Centrum hin vertieft, die Abscesshöhle erscheint an der 
Peripherie nicht blätterig, sondern stufig und höchstens in der Mitte flockig 
fetzig von nicht ganz geschmolzenen, durchbohrten Blättern, der periphere 
Theil der beiden Wandungen verhält sich ganz wie die Wandungen des 
Onyx, es sind unversehrte oder doch nur wenig angegriffene Hornhaut- 
lamellen. 

Diese Abscesswandungen finden sich nun in sehr differenten Zuständen. 
Häufig haften zwischen den sie belegenden Blatttrümmern Gerinsel von Faser- 
stoff, die ihnen unter dem Wasser ein zart flockiges Ansehen geben, gewöhnlich 
aber, und dieses ist namentlich der Fall, wenn der Herd auf einer vorgängigen 
einfachen oder mit Gefässbildung einhergehenden Keratitis fusst, sind sie selbst 



Anatomie des rein eitrigen Geschwüres. 159 

infillrirl, es ist plastisches, vascularisirendes Exsudat, in die Zwischenblatträume 
und ringsum in den Falz gelagert, welcher durch die Peripherie der Abscess- 
wände gebildet wird. 

Durch Schmelzung dieses Dammes vergrössert sich natürlich auch der 
Abseess, und, wenn der Process nicht rückgängig wird und Resorbtion oder 
\ cikieidung des Produktes eintritt, bohrt er endlich durch. 

Der Durchbruch geschieht selten, und nur dann nach hinten, wenn die 
hintersten Interlamellarräume der ursprüngliche Sitz des Abscesses waren, oder 
aber, wenn die Ablagerung zwischen Descemeti und der hintern Hornhautfläche 
zu Stande kam, wo die hügelartig nach hinten ausgebauchte Wasserhaut, der 
Ausdehnung unfähig, durchreisst, und den Inhalt des Abscesses zum Theil in 
die Vorderkammer entleert. 

Der ungewöhnlich häufigere Sitz des Hornhautabscesses in den mittleren, 
weniger dichten Cornealschichten bedingt aber weithin in den meisten Fällen 
einen Durchbruch nach vorn, es trübt sich eine Parthie der vorderen 
Abscessdecke, erweicht, und fällt heraus, der Abseess berstet und sein Inhalt 
spritzt, wenn die Lidspalte nicht geschlossen ist, nicht selten auf eine ziem- 
liche Entfernung hervor, ist aber das Auge bedeckt, so entleert er sich un- 
merklich. 

Ganz auf dieselbe Weise brechen auch Onyces durch, sie entleeren sich 
wegen ihrer constanten Lagerung in der Mitte der Cornealdicke immer nach 
Vorne. 

§ 324. Abseess und Unguis gehen so in ein rein eiterndes Ge- 
schwür mit weit überhangenden, fetzigen, dünnen, theils durchsichtigen, theils 
trübern Rändern über, welche fast immer bald schmelzen und eine vertiefte, 
geschwürige Fläche von dem Umfange und der Contour der Eiterhöhle zurück- 
lassen. 

Der Krankheitsprocess ist nun auf einen Punkt angelangt, auf welchem 
sich ohne Anamnese oft nicht mehr unterscheiden lässt, ob ein Abseess oder 
Onyx mit eitrigem Produkte vorangegangen ist, ob die Geschwürsfläche die 
Grenzmarke eines entleerten eitrig jauchigen oder croupös-faserstoffigen In- 
filtrationsherdes darstellt, oder ob die eiterbedeckte Cornealmulde das Resultat 
der Schmelzung eines Produktes ist, welches ursprünglich bestimmt war, einen, 
durch mechanische oder chemische Schädlichkeiten, durch eine herpetische 
Efflorescenz oder aber durch Corrosion mit blennorrhoischem Secrete gesetzten, 
Substanzverlust zur Heilung zu bringen. Alle diese Localprocesse können 
unter Umständen, welche der unmittelbaren höheren Gestaltung der zum Er- 
sätze abgelagerten Produkte entgegenwirken, die veranlassende Ursache der 
Entwickelung eines rein eiternden Geschwüres werden, welches in Anbetracht 
seiner Pathogenese als ein seeundäres bezeichnet werden muss, bezüglich 
seines ganzen Verhaltens aber mit dem primären zusammenfällt, das ist mit 
jenem Geschwüre, in welchem der Substanzverlust eine unmittelbare 
Folge der rein eitrigen Schmelzung eines in das Hornhaufparenchym abge- 
lagerten Produktes ist. 

Es kommt nämlich das rein eiternde Geschwür der Hornhaut häufig da- 
durch zu Stande, dass unter den Erscheinungen einer Keratitis Simplex oder 
vasculosa superficialis eitriges Produkt an der äussersten Oberfläche der Hörn- 



160 Keratitis ulcerativa mit rein eitrigem und narbenbildendem Exsudate. 

haut unter das Epithel und in die vordersten Zwischenblafträume ergossen wird 
oder durch Schmelzung bereits bestehender Exsudationen in die Erscheinung 
tritt, es trübt sich plötzlich eine umschränkte Stelle der Hornhautvorderiläche 
intensiver, wird undurchsichtig, grau, endlich gelb, gewinnt ein eigenthümlich 
gelockertes rauhes Aussehen und stösst sich nach jederzeit sehr kurzem Be- 
stände ab, es ist eine Cornealfacette mit geschwürigem Grunde gegeben, welche 
sich durch weitere Ablagerungen und Schmelzung der Exsudate allmälig aus- 
zubreiten fähig ist, es hat sich ein wahres Hornhautgeschwür entwickelt. 

Der Sitz des rein eitrigen Hornhautgeschwüres ist ein höchst differenter, 
es gibt keine Stelle der Cornealoberfläche, welche nicht den Standort desselben 
abgeben könnte. Kur der äusserste Rand ist ausgenommen, der nicht blätterige, 
strukturlose Antheil des Cornealparenchyms ist niemals eitrig infiltrirt, niemals 
fällt er in das Revier eines Geschwüres, es ist diese strukturlose Schichte die 
Scheidemauer, welche zu überschreiten der Process unvermögend ist. 

Die Grösse des Geschwüres variirt von dem Umfange eines Pfeffer- 
kornes bis zu dem Flächeninhalte der Cornea selbst, es kommen Geschwüre 
vor, welche über die ganze Oberfläche der Hornhaut ausgebreitet sind. Bei 
richtigem Verständniss der zu Grunde liegenden Processe kann es wohl nicht 
schwer werden, jene Umstände zu errathen, welche enge umgrenzten und weit 
ausgebreiteten Geschwüren förderlich sind. 

Die grösste Mannigfaltigkeit bietet aber die äussere Form der Geschwüre 
dar, sie wechselt nicht nur nach den verschiedenen Fällen, sondern auch in 
jedem einzelnen Falle nach der Zeit und den jeweiligen Verhältnissen. 

Die Contour centraler Geschwüre ist im Allgemeinen eine rundliche oder 
ovale, mitunter unregelmässig winkelig buchtige, periphere Geschwüre er- 
scheinen gewöhnlich lancettförmig, halbmondförmig, nierenförmig und im Falle 
sie auf den Boden eines ophthalmoblennorrhoischen Arrosionsgeschwüres fusseu, 
selbst mondsichelförmig mit abgerundeten Spitzen. Die Contour des rein eitrigen 
Geschwüres ist, wie leicht einzusehen sein dürfte, grösstenteils abhängig von 
der Form des zu Grunde liegenden Substanzverlustes. 

Die Ränder sind nur dann steil abfallend, wenn das Geschwür auf 
croupös faserstoffigen Ablagerungsherden zur Entwickelung kommt oder aber 
im Falle dasselbe aus einem rein eitrigen Abscesse hervorging. Dessen vordere 
Decke schmilzt nämlich niemals auf einmal in ihrer ganzen Ausdehnung, ihr 
peripherer Theil besteht durch einige Zeit unter der Gestalt trüber, über- 
hängender Fetzen. Diese erweichen endlich bis an ihre Wurzel, stossen sich 
ab, und hinterlassen so einen unregelmässig buchtig winkeligen, oft wie befressen 
aussehenden Saum, dessen innere Fläche senkrecht auf der Cornealwölbung 
steht und in ihrer Dicke mit der Tiefe der ehemaligen Abscesshöhle wächst. 

Gewöhnlich ist der Geschwürsrand ein wenig markirter, der Geschwürs- 
boden geht fast unmerklich, unter einem sehr stumpfen Winkel in die Corneal- 
oberfläche über, ihre beiderseitige Grenze lässt sich nur durch das Abhanden- 
sein des Epithels unterscheiden. 

Fast immer ist der Geschwürsrand selbst auf eine grössere oder geringere 
Breite der Sitz einer Infiltration entweder mit starrem faserstoffigem Exsudate, 
oder aber mit weicherem, auf dem Wege der Zellenbildung höhere Gestallung 
anstrebendem und daher auch vascularisirendem Produkte , es findet sich der 
Geschwürsrand fast stets in dem Zustande einer Keratitis simplex oder vasculosa, 



Anatomie des rein eitrigen Geschwüres. Kit 

nur selten stösst er an vollkommen normales durchsichtiges Cornealgewebe. 
Sind Gefässe entwickelt, eine mit Blutbildung einhergehehde Keratitis an den 
nachbarlichen Parlhien der Horahautoberfläche ins Leben getreten, so ändern 
die in gerader Richtung von der Cornealperipherie zu dem Geschwüre hin- 
ziehenden Gefässe, an dessen Rand angelangt, constant, ihren Lauf, sie biegen 
winkelig um, und umkreisen das Geschwür, ohne in den Geschwürsboden ein- 
zutreten. Nur feine Zweige, welche im rechten Winkel aus der Concavität 
derselben hervorgehen, überschreiten den Geschwürsrand, um sich unter dem 
Belege der eiternden Fläche zu verlieren. Diese Gefässentwickelung rings um 
die Peripherie des Geschwüres ist häufig eine ungemein reichliche, ein dicht 
gewebter Kranz unter einander verschlungener Blutströme umgibt die ulce- 
rirende Stelle, ein blulrother Wall, dessen Convexität sich in eine Anzahl feiner 
Blutströmehen auflöst, die allmälig zu grösseren Strömen zusammentretend auf 
dem kürzesten Wege dem Limbus conjunctivalis zuschreiten. 

Eine reichliche Blutbildung an den Marken des Geschwüres setzt eine 
ergiebige Exsudation bildungsfähigen Blastems voraus, und diese lässt sich 
unter solchen Umständen auch jederzeit mit dem Mikroskope nachweisen. 
Schon dem freien Auge erscheint häufig die nächste Umgebung des Ge- 
schwürsrandes ungewöhnlich saftreich , sulzig , aufgequollen , rauh , die 
Gefässe ziehen in sueculentem Boden. Das bewaffnete Auge erkennt aber 
augenblicklich die übermässige Anbildung jungen Epithels und dessen Hervor- 
gehen aus einer die Norm weit überschreitenden Quantität formlosen Plasmas, 
es erkennt augenblicklich alle jene Elemente, welche ich bei Gelegenheit der 
Keratitis superficialis mit Gefässbildung beschrieben habe. 

Zugleich lässt sich aber auch häufig die auf der Oberfläche des Geschwürs- 
randes vor sich gehende Eiterbildung und damit die fortschreitende Ver - 
gross er ung des Geschwüres selbst verfolgen. 

Die hier vorfindlichen jungen Epithelzellen erscheinen in den verschiedensten 
Uebergangsstadien zu der Eiterzelle und selbst zu der Körnchenzelle. In der 
weichlichen formlosen, nicht selten von anhängendem croupösem Faserstoffe 
dunkel punktirten, schmierigen Grundlage finden sich Kerne in den verschie- 
densten Entwickelungsstufen von dem kleinen trüben Bläschen bis zu der 
vollendeten ovalen Kernform mit eingestreuten Kernkörperchen. Die grösste 
Masse des Produktes wird aber von Zellen gebildet mit scharfer, halb dunkler 
Contour, sehr variabler Grösse von O^'-OOG — 0'".01 Durchmesser, und 
ovaler etwas abgeplatteter Gestalt. Sie führen häufig einen wasserhellen, durch 
Berührung mit Wasser sich trübenden Inhalt und einen grossen, (/ '.0037 bis 
0'".0(M6 im Durchmesser haltenden Kern, und gleichen vollkommen jungen 
Epithelzellen. In vielen solchen Fällen zeigen sich aber zwei, drei, auch vier 
Kerne und der wasserhelle Inhalt schliesst mehr weniger dunkle Körnchen und 
selbst Fettbläschen ein. Durch allmälige Zunahme dieser Körnchen und Bläs- 
chen nähern sich andere Zellen allmälig der Eiterzelle, und in vielen ist der 
Typus der Eiterzelle vollkommen ausgeprägt, sie stellen Zellen der oben be- 
schriebenen Form und Grösse dar, deren Höhle zum grössten Theile von einem 
nicht scharf begrenzten Klumpen dunkler Körnehen und Fettbläschen ausgefüllt 
wird, welcher Klumpen die Kerne einhüllt. Mit weiterer Zunahme dieser 
Granulationen gehen endlich die Eiterzellen in Körnchenzellen über, deren 
Wandung durch Resorbtion verschwindet, es sind in dem Belege des Geschwürs* 

Stellwag, Ophthalmologie. I. 11 



162 Keratitis ulcerativa mit rein eitrigem und narbenbildendem Exsudate. 

randes Eiterzellen , Körnchenzellen und formlose Plaques granulirter, fettiger 
Masse entwickelt. Tausende von jungen Blutkugeln mischen sich bei und 
verursachen bei überwiegender Quantität eine röthliche Färbung, das Exsudat 
ist ein hämorrhagisches. 

So verwandelt sich das Produkt der Keratitis superficialis vasculosa, 
welches den Geschwürsrand umgibt, in Eiter, seine Formelemente verfettigen, 
stossen sich ab, und die Grenzen des Geschwüres rücken nach Aussen. 

Ist der Geschwürsrand mit einem genuinen, fibrinösen, starren Pro- 
dukte belegt, die Erscheinungen einer Keratitis simplex ringsum das Ge- 
schwür gegeben, so breitet sich das letztere gewöhnlich schwieriger aus, häufig 
gehet der Verfettigung eine Auflockerung mit Gefässbildung voraus, es gehen 
die starren Exsudate am Geschwürsrande erst eine Aufweichung ein, vascu- 
larisiren und nun erst beginnt die Umwandlung der einzelnen Formgebilde in 
Elemente des Eiters. 

Der Boden kleinerer Geschwüre ist der Begel nach vertieft. Er 
ist mitunter, namentlich, wenn das Geschwür aus einem geschmolzenen her- 
petischen Bläschen hervorging, trichterförmig; ophthalmoblennorrhoische Arro- 
sionsgeschwüre hinterlassen rinnenförmige Substanzverluste mit eiternden Flächen; 
in den übrigen Fällen aber erscheint das rein eiternde Geschwür von beschränktem 
Umfange fast immer muldenförmig ausgehöhlt. 

Nur in seltenen Fällen ist der Grund kleiner Geschwüre vorgebaucht, eine 
Eigenschaft, welche ausgebreiteten, um fangsreichen Geschwürsflächen 
hingegen ganz gewöhnlich zukömmt. Diese Wölbung ist eine notwendige Folge 
der verminderten Widerstandskraft, welche die geschwürige, durch Substanz- 
verlust verdünnte Comealparthie dem von hinten auf sie drückenden Inhalte 
des Bulbus entgegenzusetzen vermag. Der Druck, den die Contenta der Aug- 
apfelshöhle auf die Cornea ausüben, ist ein auf alle Punkte deren Hintertläche 
gleichmässig verteilter, und steht mit der Besistenz derselben im normalen 
Zustande im Gleichgewicht. Je tiefer der Substanzverlust, desto mehr wächst 
die Differenz beider Kräfte und je ausgebreiteter der Geschwürsgrund, desto 
mehr Angriffspunkte bieten sich, der relativ zur Besistenz vermehrten, Druckkraft 
dar, der Druck multiplicirt sich mit der Fläche des Geschwüres. 

Der Geschwürsgrund tritt sofort im Verhältnisse zur Differenz zwischen 
der Druck- und Widerstandskraft hervor, der Gesehwürsboden stülpt sich in 
Form eines Staphylomes so weit nach vorne, als erforderlich ist, auf dass beide 
Kräfte ins Gleichgewicht kommen, sein Scheitel steigt in beträchtliche Höhe 
über das Niveau der normalen Hornhautwölbung empor. Die Yorbauchung ist 
kegelförmig, wenn die Grösse des Substanzverlustes von der Peripherie des 
Geschwüres gegen dessen Centrum alimälig zunimmt, indem dann auch die Diffe- 
renz beider wirkender Kräfte von dem Umfange gegen den Mittelpunkt des 
Geschwüres alimälig wächst. Der Geschwürsgrund wölbt sich aber blasenartig 
hervor mit wenig gekrümmtem Scheitel und steil abfallender Basis, wenn das 
Geschwür das Besultat eines abgedeckten Abscesses ist, und die Tiefe des 
Substanzverlustes an sämmtlichen Punkten des Krankheitsherdes wenig Ver- 
schiedenheit darbietet. 

Die Geschwürsfläche ist stets von einem mehr weniger dicken 
Stratum gelblichen oder grau-weissen Eiters belegt, dessen Elemente die- 
selben sind, welche die Höhle rein eitriger Abscesse füllen. Nur sind häufig 



Anatomie des rein eitrigen Geschwüres. 16J 

Körnchenzellen in etwas grösserer Masse beigemischt, und fast immer finden 
sich aufgeschwemmte alte Epithclplatten von der Conjuncliva eingemengt. Nicht 
selten constituiren Blutkügelchen einen bedeutenden Antheil des Beleges und 
stempeln bei übermässiger Elitwickelung das Exsudat zu einem wahrhaft 
hämorrhagischen, dem freien Auge rothgestriemt oder blutig gefleckt er- 
scheinenden. 

Unter dem Belege kommt man bei successiv vorschreitender Untersuchung 
auf die blossgelegten und zum Theile zerstörten Cornealblätter. Sie präsent u> •• 
sich gewöhnlich nur als breitere und schmalere Bänder, indem die Grösse ihres. 
Substanzverlustes im Verhältniss zu ihrer tieferen Lage abnimmt, der Geschwürs- 
boden demnach treppenförmig von der Peripherie gegen das Cenlrum zu auf 
tiefere Schichten des Cornealparenchyms vordringt. Nur wenn das Geschwür 
aus einem abgedeckten Abscesse entstand, ist die vorderste Lamelle der hintern 
Höhlenwandung aus den oben erörterten Gründen auf einen grösseren Umfang 
erhalten , und erst gegen die Mitte des Geschwüres zu beginnt dessen Grund 
sich stufenartig abzuteufen. 

Die einzelnen zu Tage gehenden Corneallamellen sind durch zwischen- 
gelagertes Exsudat im Bereiche des Geschwüres gegenseitig gelrennt und nicht 
selten derart von einander abgehoben, dass ihre Bänder nach Aussen gestülpt 
erscheinen und dem Geschwürsboden das von Alters her bekannte blätterige 
Ansehen geben. Das zwischengelagerte Produkt erweist sich unter dem 
Mikroskop selten als ganz roher coagulirter Faserstoff, fast immer sind Kerne 
und Zellen beigemischt und in den meisten Fällen beurkundet eine üppige 
Vascularisation dessen namhafte Tendenz zur höheren Gestaltung, der Geschwürs- 
boden befindet sich meisthin auf eine grössere oder geringere Tiefe in dem 
Zustande einer Keratitis parenehymatosa mit Gefässbildung. Daher hat denn 
auch jede noch so unbedeutende Verletzung desselben gewöhnlich eine 
parenchymatöse Blutung im Gefolge. 

Die bloss gelegten Bänder der Corneallamellen selbst erscheinen immer 
merklich geschwellt, trüblich, ihrer Faserung grösstenteils verlustig, als un- 
regelmässig zackige Blätter oder Fetzen, deren freies Ende von dem eitrigen 
Belege und dem Infiltrate eingehüllt ist, deren andere Extremität aber der 
Begel nach mit scharfer Grenze in den normalen Antheil des betreffenden 
Hornhautblattes übergeht. 

Nicht selten ist das Infiltrat auf die einzelnen Punkte des Geschwürbodens 
ungleichmässig vertheilt. Es resultiren daraus hügel ähnliche Erhaben- 
heiten, welche wohl zu unterscheiden sind von jenen Vorstauchungen des 
Geschwürsgrundes , welche die Druckkraft des Bulbusiiihaltes bedingt. Sie 
kommen mehr überein mit jenen partiellen Ansammlungen normaler Grund- 
substanz, welche ich bei der Schilderung der aus herpetischen Bläschen her- 
vorgehenden Besorbtionsgeschwüre (§ 255) erwähnt habe. Hier wie dort 
sind die Bedingungen dazu gegeben, und daher findet man auch nicht selten 
eiternde Hornhautgeschwüre, deren bucklig drusiger Grund wesentlich dadurch 
verursacht ist, dass in den tieferen gesunden Schichten der Hornhaut wegen 
der Aufhebung des auf sie von vorne her wirkenden Druckes die zähflüssige 
Grundsubstanz eine günstige Gelegenheit zu normwidriger Anhäufung fand. 

§ 325. Das den Geschwürsgrund infiltrirende Exsudat geht nach 

11. 



164 Keratitis ulcerativa mit rein eitrigem und narbenbildendem Exsudate. 

Umständen sehr differente Metamorphosen ein. Es kann vorläufig 
nur von jenen die Rede sein, welche den Verschwärungsprocess nicht beenden, 
und daher nicht als Ausgänge zu betrachten sind. 

§ 326. Mitunter wuchert es sichtlich und ergeht sich in üppiger An- 
bildung neoplastischer Gefässe, es tritt als ein schwammähnliches, rosig bis 
blutroth gefärbtes, bei jeder Berührung leicht blutendes, warzig drusiges 
Gewächs aus der Geschwürsmulde heraus und erweist sich sowohl in Bezug 
auf sein äusseres Aussehen, als in Bezug seiner Formelemente den Granula- 
tionen eiternder Wunden analog, es ist ein schwammiges Geschwür, ein 
ulcus fungosum etablirt. 

Die Oberfläche desselben ist constant mit einer dünnen Lage reinen Eiters 
belegt. Dessen Formelemente gehen theils aus frischen, auf die Oberfläche 
der Granulationen abgelagerten, albuminösen Blastems hervor, theils sind sie 
abgestossene , ehemals integrirende Bestandtheile der Fleischwärzchen selbst. 
Die äussersten Schichten der letzteren werden nämlich zum allergrössten Theile 
aus Kernzellen gebildet, die alle Entwickelungsgrade nachweisen lassen von der 
jüngsten Formation bis hinauf zur verfettigten Eiterzelle. In den tieferen 
Schichten fehlen Eiterzellen, der Zelleninhalt führt höchstens einige wenige 
Fettkörnchen, ist wasserhell und der Raum der an Volum allmälig abnehmen- 
den Zellenhöhlen erscheint mehr und mehr von dem Kerne ausgefüllt. Man 
findet mehr freie Kerne, die trübe strukturlose Grundsubstanz nimmt zu und 
in ihr finden sich Miriaden junger Blutkügelchen in wandungslosen Räumen. 
Noch tiefer fehlen die Zellen ganz, nur wenige Kerne treten hervor, diese 
sind in eine starre schollig faserige, staubähnlich und lichtgranulirte Masse 
eingehüllt, welche von feinen Blutströmehen durchkreuzt wird. In den tief- 
sten Stratis endlich erscheint der Bau geblättert, indem die Ränder der ent- 
Jblösst gewesenen Hornhautlamellen durch das zwischen ihnen ergossene starre, 
schollige, höchstens undeutlich faserstreifige Exsudat nach Aussen gestülpt 
werden. 

Erst im späteren Verlaufe verliert sich der eitrige Beschlag und die 
obersten Zellenschichten der Granulationen verlieren ihren dunkel punktirten 
Inhalt, sie verfettigen nicht mehr, sondern metamorphosiren zu Epithelplatten, 
während die mittleren Schichten auf dem Wege der Zellentheorie in locker 
faseriges Bindegewebe übergehen, und die tiefsten Schichten durch Faser- 
spallung zu einem blätterigen starren, festen, knorpelähnlichen Narbengewebe 
werden. 

Hornhautgeschwüre mit jauchigem Exsudate sah ich noch nie granuliren, 
die Analogie mit Geschwüren an anderen Körpertheilen lässt aber ein solches 
Vorkommniss als möglich erscheinen. 

Wenn Granulationen auch häufiger sind bei durchbohrenden Hornhaut- 
geschwüren mit vorgefallener Iris, so ist die Entwickelung der Fleischwärzchen 
auf oberflächlichen Geschwüren dennoch ausgemacht, mehrere von mir beob- 
achtete Fälle bezeugen es. Es sind dieses immer solche Geschwüre, deren 
Rand mit dem Limbus conjunctivalis an einer Stelle in naher Berührung steht. 
Es scheint demnach der Contakt des Exsudates mit bindegewebiger Textur 
erforderlich zu sein, auf dass das Produkt auf dem Wege der Zellenbildung die 
faserige Struktur acquiriren könne. 



Sich reinigende Geschwüre, Keratokele. 165 

§ 327. Im Gegensatze zu den schwammig wuchernden Geschwüren gibt 
es wieder solche, in welchen das den Geschwürsboden infiltrirende Produkt 
sammt den davon eingehüllten Blatträndern schmilzt und sich abstösst, ohne 
dass neues Exsudat an den Grenzmarken abgelagert würde. Es gibt Geschwüre, 
und sie sind nicht selten, in welchen sich Rand und Boden allmälig 
reinigen, den natürlichen Glanz und die normale Durchsichtigkeil erlangen, 
es ist jede Spur eines entzündlichen Produktes im Bereiche des Geschwüres 
verschwunden. Es erscheint dasselbe als eine Vertiefung in der Hornhaut mit 
stumpfwinkeligem abgerundetem Rande und treppenförmigem, nicht selten auch 
hügeligem Grunde, von welchem ein helles, klares aber unregelmässig ver- 
zerrtes Spiegelbild zurückgeworfen wird. 

In diesem Zustande bleiben Geschwüre oft längere Zeit stehen, bis sich 
deren Oberfläche wieder sulzig zu trüben, selbst Gefässe anzubilden und Eiter 
abzusondern beginnt, in den früheren Zustand des Eitergeschwüres zurück- 
kehrt, oder aber sich mit starrem, grau-weissem Faserstoff überzieht, ohne 
zu eitern, eine derbe Narbe ansetzt mit oberflächlicher, dünner Lage trüben 
Epithels. 

Im Falle der Geschwürsboden wieder unter der Form einer Keratitis mit 
Gefässbildung krankhaft afficirt wird und das Bild eines eiternden Geschwüres 
darbietet, kann es nach einiger Zeit abermals geschehen, dass es sich reinigt 
und das Aussehen eines tiefgreifenden Resorbtionsgeschwüres bekömmt, und 
so wechselt mitunter eine Geschwürsfläche mehrmals ihre äussere Gestalt, ver- 
senkt sich dabei aber immer mehr und mehr, bis zuletzt in ihrem Centrum nur 
einige wenige Blätter unversehrt geblieben sind. 

§ 328. Ist nun das Geschwür ein enge umgrenztes, oder aber bei 
grosser Ausbreitung bloss im Centro steil abfallendes, so tritt aus den oben 
aufgeführten Gründen die übermässig verdünnte Mitte seines Bodens sammt 
der anhaftenden Parthie der Wasserhaut in Gestalt eines trüben oder auch 
wasserhellen, bis hanfkorngrossen Bläschens hervor, und bildet das, was 
man als 

Hornhautbruch, Keratokele, Hernia corneae 

zu bezeichnen gewohnt ist. Die constituirenden Elemente desselben sind nach 
dem Mitgetheilten einige der hintersten, durch den Verschwärungsprocess bloss- 
gelegten Corneallamellen und der entsprechende Theil der Descemeti. 

Der Hornhautbruch stellt nur eine durch mechanische Kräfte veränderte 
Lagerung des Bodens eines tiefgreifenden Geschwüres dar. So wie sich nun 
der Grund eines mehr oberflächlichen Geschwüres bald reinigt, bald durch 
weitere Infiltration wieder trübt, so ist dieses auch mit dem vorgedrängten 
Theile eines Geschwürsbodens der Fall, das Bläschen erscheint bald wasserhell, 
bald trüb, mit Eiter belegt. 

So greift die Schmelzung immer tiefer und tiefer, und endlich sind auch 
die letzten Reste der Hornhautlamellen zerstört, und die wasserhelle Descemeti 
steht zu Tage, das Bläschen wird zum grössten Theile von der Wasserhaut 
formirt, welche sich durch das Löchelchen im Cornealparenchym nach Aussen 
drängt. 

Ich sage, das Bläschen wird zum grössten Theile von der Wasserhaut 



166 Keratitis ulcerativa mit rein eitrigem und narbenbildendem Exsudate. 

förmirt, nicht ganz, denn der Geschwürsboden der Hornhaut ist immer ein 
schief gegen das Geschwürscentrum abfallender, und die Vortreibung betrifft 
nicht nur die entblösste Wasserhautparthie , sondern auch die Ränder der auf- 
liegenden durchbohrten Corneallamellen, sie treten mit der Basis der Blase nach 
vorn und überlagern sie nach Art der Fassungen edler Steine. Der Hornhaut- 
bruch, oder besser gesagt, die Vorlagerung der Wasserhaut erscheint daher 
gewöhnlich von einem Kreise trüber Cornealsubstanz umsäumt. 

In diesem Zustande kann die Keratokele einige Zeit bestehen. Man hat 
sie sehr häufig mit jenen hügeligen Vorbauchungen des Geschwürsbodens ver- 
wechselt, welche durch ungleichmässige Ansammlungen normaler Grundsubstanz 
in nahe unter der Oberfläche gelegene Interlamellarräume entstehen. Diese 
Hügel ähneln mitunter auch auf ganz überraschende Weise dem Wasserhaut- 
vorfalle, indem in der Rinne, welche durch die Erhebung ihrer Basis aus dem 
Geschwürsboden gebildet wird, sich zähere Bestandteile des Geschwürsbeleges 
ansammeln und so auch die trübe Fassung wahrer Hernien der Descemet! 
simuliren. 

Die Unkenntniss dieser Verhältnisse war namentlich Schuld an dem 
Glauben, es können mehrere Wasserhautvorfälle neben einander 
auf dem Boden eines und desselben Geschwüres zur Entwicklung kommen. 
Dieses ist aus mechanischen Gründen ganz unmöglich. Es fordert nämlich ein 
solcher Fall, dass das Geschwür an mehreren Stellen zugleich die Hornhaut bis 
auf die Descemeti durchbricht und dass das Balkenwerk, welches, aus Resten 
der Cornealsubstanz bestehend, die einzelnen Vorfälle gegenseitig trennt, die 
normale Widerstandskraft beibehalte, indem sonst der Geschwürsgrund, im 
Ganzen durch den Bulbusinhalt nach Aussen gedrängt, das Zustandekommen 
einzelner Blasen also unmöglich wird. Der Hauptgegengrund liegt aber darin, 
dass die Vorbauchung eines Theiles der Descemeti nicht durch Ausdehnung, 
durch Flächenzunahme der Wasserhaut erfolgt, sondern durch Zuziehung be- 
nachbarter Parthien der betreffenden Membran, die Bildung eines Vorfalles also 
jener einer zweiten und dritten im Wege steht. 

Uebrigens haben meine sorgfältigen Untersuchungen die Nichtigkeit obiger 
Ansicht mit voller Gewissheit herausgestellt, und bewiesen, dass solche gruppig 
nebeneinander stehende Hügelchen durch Vorbauchung einzelner entblösster 
Parthien von vorderen oder mittleren Lamellen durch untergelagerte reichlichere 
Quantitäten durchsichtiger Grundsubstanz zu Stande kommen, und dass selbe 
unter allen Verhältnissen entwickelt werden können, unter welchen durch Ver- 
lust der auflagernden Schichten der von vorne her wirkende Druck verringert 
wird. 

Es ist nun allerdings denkbar, dass eine Keratokele, ohne durchzulassen, 
wieder zurückgehen könne, indem während des kurzen Zeitpunktes, als sie 
dem von hinten andrängenden Inhalte des Bulbus wegen der geringen Anzahl 
der gebotenen Angriffspunkte Widerstand leistet, der Verschwärungsprocess 
sein Ende erreicht, und statt schmelzenden Exsudaten feste plastische, einfach 
faserstoffige Produkte auf der Geschwürsfläche abgesetzt werden, welche auch 
den Vorfall überkleiden und seine Resistenz vermehren, oder indem üppig 
hervorschiessende Fleischwärzchen das Bläschen bedecken, vergraben, und durch 
ihre weitere Organisation und damit gesetzte Schrumpfung die Wölbung ab- 
flachen und endlich aufheben: allein dieses geschieht gewiss äusserst selten, 



Keratokele, durchbohrendes rein eitriges Geschwür. 1G7 

und ein solcher Vorgang wurde bisher noch durch keine sicheren Beobach- 
tungen ronslalirl, noch weniger aber ein Fortbestand des Bläschens, oder eine 
Einwachsung desselben als solches in das Farenchym einer Cornealnarbe nach- 
gewiesen. 

Nach den bisherigen Erscheinungen rauss ich behaupten, ein wahrer 
Hornhäutbruch reisse immer ein, indem das Bläschen unter allen Um- 
standen eine zu geringe Widerstandskraft entwickeln könne, um dem Drucke 
nachhaltig zu begegnen, welcher schon der Norm nach auf seine Hinterfläche 
wirkt und durch gleichzeitige Contractionen je zweier gegenliegender gerader 
Augmuskeln nothwendig verstärkt werden muss. Die Gefahr ihrer Einreissung 
wächst, indem durch fortschreitende Verschwörung der seine Basis umfassenden 
Ränder des Hornhautdurchbruchs der Flächeninhalt der entblössten Parthie und 
mit ihr die Anzahl der Angriffspunkte für die sogenannte vis a tergo zunimmt. 
Selbst die kleinsten Vorfälle sah ich constant bersten. 

Keratokelen erreichen niemals mehr als II auf körn grosse, die 
Angaben jener Autoren, welche Vorlagerungen der Wasserhaut von der Grösse 
einer halben Zuckererbse gesehen haben wollen, beruhen auf Täuschung, es 
sind dieses immer Narbenstaphylome , welche durch die Gewalt des Druckes, 
unter welchem sie stehen, sich in hohem Grade verdünnt haben, und dadurch 
stellenweise durchsichtig geworden sind. Genaue mikroskopische Untersuchungen, 
und Einsicht in die physikalischen Verhältnisse, welche eine solche enorme 
Ausbauchung der entblössten Descemeti ganz unmöglich machen, würden 
zweifelsohne einem derartigen Irrthume für immer vorgebeugt haben 168 . 

§ 329. Ich sagte, der blasig vorgedrängte Theil der Descemeti reisse 
immer nach kürzerem oder längerem Bestehen ein, das Kammerwasser stürzt 
dann hervor und es ist ein 

d urch bohrendes Hörn hautgeschwür 

gegeben, wie selbes auch häufig, ja in den meisten Fällen zu Stande kommt, 
ohne dass sich unter langsamer Vertiefung des Geschwürbodens vorläufig eine 
Keratokele ausgebildet hat, indem der letztere noch bei ziemlicher Dicke der 
hintergelegenen Hornhautsubstanz dem von hinten einwirkenden Drucke weicht 
und platzt, 

Der Durchbruch des Geschwürbodens setzt keine Modifikation im Ver- 
schwärungsprocesse selbst, dieser letztere verfolgt nach wie vor seinen Gang, 
wenn nicht die Verhältnisse, unter denen sich die Ulceration überhaupt etablirt 
hat, der weiteren Schmelzung des auf und in den Ausbruchsrändern abge- 
lagerten Produktes entgegen und dessen höherer Gestaltung zur Narbensubstanz 
förderlich sind. 

So geschieht es denn, dass die Durchbruchsöffnung, ohne vergrössert 
worden zu sein, mitunter wieder narbig verschlossen wird, häufiger 
aber schmelzen die Ränder des geschwürigen Loches, indem das die- 
selben inftltrirende Produkt fort und fort die Eitermetamorphose eingeht und 
sich abstösst, die Oeffnung wird weiter und Aveiter, es ist endlich ein Drit- 
theil , die Hälfte der Hornhaut ihrer ganzen Dicke nach verloren gegangen, 
ja es sind die Fälle nicht selten, in welchen die Cornea beinahe ihrer 



168 Keratitis ulcerativa mit rein eitrigem und narbenbildendem Exsudate. 

Totalität nach untergeht, und zuletzt nur durch einen schmalen Saum 
repräsentirt wird, der ringsum dem Scleralrande anhaftet. 

Weiter greift die Ulceration aber niemals, die strukturlose Rand- 
substanz der Cornea und gewöhnlich auch die peripheren Theile der hin- 
tersten Lamellen bleiben stehen, sie finden sich sowohl während des 
Verschwärungsprocesses, als auch lange darnach, wenn bereits veraltete Narben 
die traurige Kunde seines verheerenden Dagewesenseins geben. 

Es wäre aber sehr gefehlt, ausgebreitete Hornhautdurchbrüche stets auf 
einen fortschreitenden Schmelzungsprocess in den Rändern ursprünglich kleiner 
Oeffnungen zu setzen. Die Mannigfaltigkeit jener Processe, welche die 
Entwickelung eines rein eiternden Geschwüres bedingen, ist unendlich gross, 
und mit ihr auch die Zustände der Hornhaut, unter welchen rein eitriges Pro- 
dukt ihrem Roden entquillt. 

Das eitrige Geschwür ist ja häufig nur bedingt in durchgreifenden 
Substanz Verlusten; in vielen Fällen ist die Hornhaut schon in grossem 
Umfange zerstört, ehe das rein eiternde Geschwür in die Erscheinung tritt. 
Ich erinnere hier an jene Verheerungen, welche die Malacie, der Rrand, eitrig- 
jauchige, croupös faserstoftige Infiltrate, mechanische Verletzungen und che- 
mische Anätzungen setzen. Alle diese Momente bedingen zuletzt ein rein 
eiterndes Geschwür, sie gehen durch das Mittelglied des Verschwärungs- 
processes der Heilung zu, dieser kömmt gewöhnlich erst zu Stande, wenn 
bereits Löcher von namhaftem Umfange in der Hornhautsubstanz eröffnet sind. 
Und selbst das rein eitrige Produkt, wenn es sich in einer Abscesshöhle häuft, 
bedingt nicht selten urplötzlich grossartige Durchbrüche, wenn nach Schmelzung 
der vorderen Decke die hintere dem Drucke des Augapfelinhaltes nicht ge- 
wachsen, in grossem Umfange einreisst und die weithin isolirlen Fetzen der- 
selben schmelzen, oder brandig ersterben. 

§ 330. Immerhin ist aber das durchbohrende Hornhautgeschwür bezüglich 
seines äusseren Aussehens und besonders in Anbetracht seiner Folgen 
ein anderes, als das nicht perforirende. Die Modifikationen betreffen jedoch 
nicht sowohl die Hornhaut selbst, sondern Nachbarorgane, das Geschwür wird 
ein complicirtes. 

Nur bei äusserst feinen Durchrissen des Geschwüres ist die 
Möglichkeit gegeben, dass das Uebel auf die Hornhaut beschränkt bleibe, die 
Wasserhaut und den Humor aqueus aber nur vorübergehend treffe. Mit der 
Eröffnung des Geschwüres und der hinterlagernden Descemeti entleert sich 
nämlich ein Theil des Kammerwassers oder dessen gesammte Masse, die Horn- 
haut sinkt etwas ein und die damit gegebene Faltung reicht mitunter aus, um 
die Wundränder in gegenseitige Berührung zu bringen. Sie können unter 
günstigen Umständen durch mittlerweile abgelagertes plastisches Exsudat ver- 
kleben, und so eine weitere Ansammlung des Kammerwassers gestatten. Bei 
einem gewissen Spannungsgrad der Hornhaut berstet dann abermals der Ge- 
schwürsgund und so wechseln mitunter Füllungen und Entleerungen der 
Kammern etliche Male ab, bis das die Wundränder verklebende Exsudat an 
Masse und Consistenz hinlänglich zugenommen hat, um den Ausgang dauernd 
zu sperren, oder aber der Schmelzungsprocess weiter gegriffen hat, und die 
Perforalionsöffnung der Hornhaut eine grössere geworden ist. 



Folgen dos geschwungen Hornhautdurchbruches. J69 

Bei bedeutenderem Umfange des Durchbruohes fliesst immer 
das ganze Kammerwasser aus, und es treten Iris und Vorder kapsei an 
die Hinter wand der Cornea an. Je nach der mehr peripheren oder 
centralen Lage des Durchbruches und der Weite des Sehloches legt sich ein 
Theil der Regenbogenhaut oder der Vorderkapsel vor die Homhautöffnung. 
Anfänglich ist die gegenseitige Berührung dieser Gebilde nur eine mechanische. 
Spater wird aber immer durch Ausschwitzung plastischer Exsudate aus den 
Wundrändern der Hornhaut und bei Vorlegung der Iris, aus den Gefässen 
der letzteren eine Verlöthung zu Stande gebracht. Die Vorderkapsel oder 
Iris bilden einen Theil des Geschwürsgrundes. Die Vorderkapsel bleibt 
dabei in ihrer natürlichen Krümmung, die Iris tritt aber in Gestalt einer 
Blase und falls ein Theil ihres Pupillarrandes in die Oeffnung fiel, in Ge- 
stalt eines halskrausenähnlich gefalteten Knöpfchens hervor, entzündet sich 
und liefert Produkte, die denen der Hornhautwundränder entsprechen, bald 
eitrig zerfallen, bald in Form von Fleischwärzchen wuchern, bald aber bei 
derbem Gefüge auf dem Wege der Faserspaltung in fibröses Narbengewebe 
übergehen. 

Wie viel von der Iris oder der Vorderkapsel in den Bereich des Geschwürs- 
grundes fällt, hängt natürlich zum grössten Theile von der Grösse des Corneal- 
durchbruches ab. 

Bei sehr umfangreichen Durchbrüchen beschränkt sich die 
Summe complicirender Erscheinungen aber nicht auf blosse Vorlagerung der 
Iris oder der Vorderkapsel. Die Gewalt, mit der während der Perforation die 
in dem Hinterraume der Bulbushöhle befindlichen Organe nach vorne stossen, 
ist oft so bedeutend, dass die Descemeti ringsum von ihrer Verbindung 
losreisst, die Kapsel berstet oder selbst von der Zonula Zinnii abge- 
trennt wird und sammt der Linse und dem Glaskörper auf Distanz her- 
vorgeschleudert werden und der Bulbus sofort einsinkt. 

Bisweilen geschieht es dann, dass nebst der Iris Theile der Aderhaut 
und Netzhaut in die Hornhautwunde vorfallen und durch entzündliche 
Produkte schmelzen, oder brandig absterben, oder auch dauernd eingelöthet 
werden. Der Geschwürsgrund kann unter solchen Um- 
ständen also von den differen testen Organen gebildet 
werden. 

Doch nicht immer ist mit ausgebreiteter Zerstörung des Gornealparenchyms 
eine solche Entleerung der Bulbushöhle und Vorlagerung seiner häutigen Gebilde 
gegeben. Es kommen Fälle genug vor, in welchen die Hornhaut fast ganz 
schmilzt, ohne dass die Iris und Linse, um so weniger also die tieferen Gebilde 
aus ihrer Lage gerückt würden. Das zu einem Brei geschmolzene Hornhaut- 
parenchym bleibt auf der Iris und Kapsel liegen, und wird erst nach 
und nach abgeschwemmt. Es wird dann der Geschwürsgrund von der Iris 
gebildet, die mit verengerter Pupille der Linse aufliegt und von der ganz 
unverletzten, wasserhellen, glänzenden, stark faltigen Descemeti bedeckt wird. 
Die weiteren Processe gehören dann natürlich nicht sowohl der Hornhaut an, 
sie wurzeln in dem Gefässsysteme der Iris. 

§ 331. Durch diese Complicationen gelangen wir auf dem natürlichen 
Wege der Ideenassociation in das Gebiet der begleitenden Erscheinungen. 



170 Keratitis ulcerativa mit rein eitrigem und narbenbildendem Exsudate. 

Um die letzteren aber in ihrer Bedeutung gehörig zu würdigen und Wieder- 
holungen zu vermeiden, ist es nothwendig, die Bahn über das Feld der Ae tiologie 
zu lenken. 

§ 332. Das rein eiternde Geschwür ist in vielen Fällen ein secundäres. 
Es ist die Brücke, auf welcher erweichte Parthien und Brandherde der Heilung 
zuschreiten. Es vermittelt die Abstossung chemisch angeätzter, erschütterter, 
gequetschter, in grossem Umfange losgetrennter Cornealtheile und die Ver- 
narbung der damit gesetzten Substanzverluste, sowie jene gerissener, zusammen- 
gesetzter, verunreinigter Wunden. Eitrig jauchige und croupös faserstoffige 
Exsudationsherde umgeben sich entweder gleich anfänglich mit genuin faser- 
stoffigen und albuminosen Produkten oder aber lagern sich diese nachträglich 
auf den Boden der Substanzlücken ab und es resultiren nach Abstossung des 
corrodirenden Exsudates rein eiternde Geschwüre 169 . 

Mit diesen Momenten ist die Entwicklung eines rein eiternden Ge- 
schwüres gegeben, es fragt sich nun, was dessen Fortbestand veranlasse, nach- 
dem alles entfernt und abgeschwemmt ist, was lebensunfähig geworden war, 
warum die zum Ersätze des Verlorenen abgesetzten Produkte, die sich ihrer Con- 
stitution nach und nach den aus ihnen hervorgehenden Formelementen offenbar 
zur höheren Gestallung neigen, immer wieder verfettigen und eitrig zerfallen? 

§ 333. Es ist höchst wahrscheinlich, dass die Einwirkung der 
at hm o sphärischen Luft auf die oberflächlichen Parthien des rein faser- 
stoffig albuminosen Exsudates von wesentlichem Einflüsse auf dessen Meta- 
morphose zu Eiter sei. Ist doch die leichtere Schmelzung infiltrirter und ver- 
härteter Abscesswände nach Eröffnung der Eiterhöhle und unter Zutritt der 
atmosphärischen Luft in der Chirurgie längst anerkannt, und lässt doch der 
Umstand auf eine ähnliche Begründung der Hornhautverschwärung schliessen, 
dass unter krampfhaft verschlossenen Lidern lichtscheuer Augen nur selten 
Comealgeschwüre von einiger Ausbreitung gefunden werden. 

Diese Hypothese wird um so plausibler, wenn man bedenkt, dass reine, 
einfache Wunden immer per seeundam intentionem heilen, wenn sich ihre 
Flächen verschieben oder aber die Form der Wunde eine solche ist, dass eine 
gegenseitige Berührung der Bänder oder eine Bedeckung mit vorgelagerten 
Gebilden der Augapfelhöhle unmöglich wird. Vorstehende Wundkanten schleifen 
sich immer auf dem Wege einer langsamen Verschwörung ab. Es ist hier 
der Einfluss der atmosphärischen Luft oft ein ungemein auffallender, indem 
hart an der vereiternden Fläche Wundstellen, welche mit lebensfähigen Organ- 
th eilen in Berührung stehen per primam intentionem verkleben, eine fehlerhafte 
Constitution des Exsudates, also als unannehmbar darthun. So erklärt sich 
denn auch die Entwicklung rein eiternder Geschwüre auf dem Boden ge- 
borstener herpetischer Efflorescenzen, der im Verlaufe der Ophthalmoblennorrhoe 
entstandenen und nach deren Ablauf fortbestehenden Cornealfacetten u. s. w. 

Dass die atmosphärische Luft in dieser ihrer Wirkung durch Schwängerung 
mit Bauch, Staub, scharfen Dämpfen u. dgl., sowie durch den gleichzeitigen 
Einfluss der scharfen Thränen unterstützt werde, liegt auf der Hand. 

§ 334. Immerhin ist aber der Complex dieser Schädlichkeiten in vielen 
Fällen ganz unzureichend, die Enstehung und Unterhaltung eitriger Geschwüre 
genugsam zu erklären, es vereitern ganz wohl gedeckte Exsudate und die Eiter- 



Aetiologie, begleitende Erscheinungen. 171 

metamorphose des unter dem Verlaufe einer Keratitis in das Hornhaulparenchym 
abgelagerten Produktes ist einer solchen Auslegung ganz unfähig. 

Die Aetiologie des rein eiternden Geschwürs fällt unter solchen Umständen 
mit der der Keratitis simplex und vasculosa zusammen, dieselben Momente, 
welche diese hervorrufen, traumatische und chemische Reize und 
eine Unzahl ganz unbekannter Einwirkungen bedingen auch primäre 
rein eiternde Hornhautgeschwüre, sowohl in einzelnen Individuen, als auch in 
einer grossen Anzahl von Gliedern einer Nation, einen endemischen 
Charakter simulirend, wie bei der Ophthalmie d'Afrique Furnaris 170 . 

Der Grund, warum einmal organisirende, das andere Mal eitrig schmelzende 
Exsudate geliefert werden, ja warum Theile desselben Exsudates höhere Ge- 
staltungen eingehen, während nebenliegende zerfallen, bleibt uns ganz ver- 
borgen, denn mit der Annahme einer abweichenden Constitution der Exsudate 
sind wohl Worte, aber keine Thatsachen gegeben, indem der Eifer des Ge- 
schwüres Formelemente aufweist, die ebenso aus normalem Faserstoffe und 
Albumen hervorgehen, als die organisirten Theile des Produktes. 

Dieser Umstand macht auch die Begründung der Eitermetamorphose in 
latenten Dyscrasien unmöglich, und dieses um so mehr, als rein eiternde 
Geschwüre unter der Herrschaft der differentesten Dyscrasien zu Stande kommen. 
Falls also eine anomale Krase nebenbei hergeht, kann dieselbe unmöglich als 
maassgebend bei der Entwicklung und Unterhaltung rein eiternder Geschwüre 
gedacht werden. 

Am allerwenigsten ist aber Scrofulosis und Rheuma dem Etablissement 
solcher Verschwärungen zu Grunde liegend, denn scrofulose Produkte lassen 
immer auf den ersten Blick die tiefe Erkrankung des Faserstoffes undAlbumens 
erkennen und rheumatische sind zur Eiterung nicht geneigt. 

§ 335. Aus der Aetiologie ergibt sich ein grosser Theil der beglei- 
tenden Erscheinungen von selbst. 

Die reine Eiterung ist häufig das letzte Glied jener Processe, welche 
sämmtliche Gebilde des Augapfels fast gleichmässig treffend, den Bulbus seiner 
gänzlichen Zerstörung entgegenführen. Die Reste der Hornhaut verschwären 
mitunter durch reine Eiterung, während die Uvea und Netzhaut noch in der 
Abstossung brandiger oder in Folge eitrig jauchiger oder croupös faserstoffiger 
Infiltration vegetationsunfähig gewordener Theile begriffen sind, ja die Corneal- 
ulceration ist mitunter nur ein Mittel um den im Innern des Bulbus abge- 
storbenen Organresten und zerfallenen krankhaften Produkten den Austritt zu 
gestatten, die Cornea entzündet sich mit Ablagerung rein faserstoffiger oder 
albuminoser Exsudate, und durchbohrt unter den wüthendsten Schmerzen, um 
dem anomalen Inhalte der Bulbushöhle einen Ausgang zu verschaffen. 

Anderseits ist wieder die Hornhautverschwärung nur eine Theilerscheinung 
einer auf den ganzen Augapfel verbreiteten Entzündung mit genuin faser- 
stoffigen und albuminosen Exsudaten, wie dieses namentlich nach intensiven 
Einwirkungen mechanischer oder chemischer Schädlichkeiten der Fall ist. Ja 
das Hornhautgeschwür kann als solches der Entwickelung einer wahren 
Panophthalmitis zu Grunde liegen, indem mit seiner Durchbohrung in grossem 
Umfange Linse und Glaskörper sich entleeren, äei Bulbus zusammenfällt und 
die Gefässe der Uvea und Netzhaut, von dem in der Norm cuf ihnen lastenden 



172 Keratitis ulcerativa mit rein eifrigem und narbenbildendem Exsudate. 

Drucke befreit, sich übernatürlich ausdehnen, und so auf mechanischem Wege 
eine Blutstase mit nachfolgender Entzündung bedingen, oder aber durch Berstung 
enorme Quantitäten Blutes ergiessen, welches theils aus der Wunde fliesst, 
theils aber auch in der Augapfelhöhle zurückbleibt und auf dem Wege der 
Eiterung entfernt wird. 

In allen diesen Fällen ist das Krankheitsbild aus Symptomen zusammen- 
gesetzt, welche nicht dem krankhaften Processe der Hornhaut, vielmehr der 
Affektion tieferer Gebilde zuzuschreiben sind. 

Ebenso mischen sich häufig die Erscheinungen einer Iritis zu jenen der 
Hornhautentzündung mit eitrig schmelzendem Exsudate, und die Regenbogen- 
hautentzündung ist dann entweder in derselben Ursache begründet als die 
Keratitis, oder eine Folge der Durchbohrung der Hornhaut und sofortiger Ent- 
blössung einzelner Iristheile. 

Abgesehen von diesen Complicationen tritt das eitrige Produkt der Horn- 
haut unter denselben Erscheinungen auf, unter welchen sich überhaupt Keratitides 
entwickeln, ist ja doch das rein eitrige Produkt die Folge einer Hornhautent- 
zündung, deren Exsudate nur wegen besonderer Verhältnisse die höhere Ge- 
staltung nicht eingehen. So wie bei der Keratitis simplex und vasculosa ist 
oft die Congestion und Schwellung der Bindehaut, des Episcleral- 
gewebes eine enorme, der Schmerz und die Lichtscheu in hohem 
Grade erregt, und diese Erscheinungen steigern sich häufig zu fast unerträg- 
lichem Maasse, sodass der Kranke unter heftigem Fieber in Delirien verfällt, 
bis mit der Berstung der Hornhaut die übermässige Spannung der Theile und 
mit dieser der Schmerz und die Circulationsstörung abnimmt. 

Von diesem Culminationspunkte abwärts gibt es eine Menge von Mittel- 
gliedern, Schmerz, Lichtscheu und die Congestionserscheinungen sind mehr 
weniger entwickelt, es gibt Fälle mit heftigem Schmerze, andere mit hervor- 
stechender Lichtscheu, wieder andere, in denen die Circulationsstörung eine 
bedeutende ohne entsprechende Grade von Sensibilitätsstörung ist, und so 
mischen sich diese Symptome in den verschiedensten Evolutionsgraden ohne alle 
bestimmte, d. i. bekannte Regel, bis endlich alle gleichmässig abgenommen 
haben und das Hornhautgeschwür ohne namhafte Congestionsröthe der Binde- 
haut und des subconjunctivalen Gewebes, ohne Schmerz und ohne Lichtscheu 
einherschreitet. 

Ja es gibt genug Fälle, in welchen namhafte Quantitäten eitrigen Pro- 
duktes die Hornhaut infiltriren, derselben in der kürzesten Zeit das Aussehen 
eines convexen, glänzenden, gelben Knopfes mittheilen, ohne dass der Kranke 
irgend einer lästigen Empfindung bewusst und Circulationsstörungen in den be- 
nachbarten Orgauen objektiv wahrnehmbar würden. 

§ 336. So verschieden die äusseren Erscheinungen, unter denen Horn- 
hautexsudate eitriger Natur auftreten und so mannigfaltig die ätiologischen Mo- 
mente sind, welche sie begründen, ebenso variabel ist auch der Verlauf 
des Ablagerungsprocesses selbst. 

Wenige Tage genügen oft, um die Krankheit zu Ende zu führen, und 
anderseits bestehen eitrige Infiltrationen und offene Geschwüre Wochen und 
Monate, ohne sich wesentlich verändert zu haben. 

Im Allgemeinen kann man sagen, dass der Verlauf ein desto rascherer ist, 



Verlauf, Ausgänge. 173 

je grösser die nebenhergehenden Circulationsstörungen und je bedeutender der 
durch den Process erregte Schmerz ist, daher man denn auch von Alters her 
acut verlaufende Geschwüre durch die Intensität entzündlicher Phänomene von 
chronischen Ulcerationen ohne Benützung der Anamnese unterscheiden zu 
können glaubt. 

Es darf dabei aber nicht die Grösse der Ausdehnung einzelner Gefässe 
oder Gefässgruppen als Maassstab für die Vehemenz des inflammatorischen 
Processes genommen werden, es ist gerade die Feinheit und Dichtigkeit der 
Injektion, das Verschwinden der Maschenräume zwischen den letzten Gefäss- 
zweigelchen, die Gleichmässigkeit und Tiefe der Congestionsröthe, die Grösse 
der sie begleitenden serösen Infiltration und der damit gesetzten Spannung des 
Bindehaut- und subconjunctivalen Gewebes, nach welchen die Intensität der 
Entzündung beurtheilt werden muss. Bedeutende Vergrösserung des Calibers, 
selbst varicose Ausdehnung einzelner Gefässe und bündelig angeordneter Ge- 
fässverzweigungen in der Conjunctiva sind gerade charakteristische Erscheinungen 
sehr langsam einherschreitender Exsudationsprocesse. Eben so wenig darf die 
Lichtscheu als Prämisse zur Stellung einer Prognose benützt werden, sie 
ist sehr acut verlaufenden und den allerchronischsten Formen in gleichem 
Maasse eigen. 

Auch die Aetiologie gibt einige Anhaltspunkte. Verschwärungen der 
Hornhaut, welche durch vorübergehende mechanische oder chemische Schädlich- 
keiten ins Leben gerufen wurden, eilen nach Entfernung des sie bedingenden 
Beizes gewöhnlich sehr bald der^Verheilung zu, während die aus unbekannten 
Ursachen entstandenen Hornhautgeschwüre oft einen sehr chronischen Verlauf 
nehmen. 

Indess sind alle diese prognostischen Momente häufig sehr trügerisch, es 
entwickeln sich unter den Erscheinungen der heftigsten Entzündung, nach 
Traumen und Causomen Geschwüre, die Wochen und Monate fortbestehen, und 
anderseits treten Infiltrationen der Hornhaut ohne alle Circulations- und 
Sensibilitätsstörung, ohne alle zu enträlhselnde Gelegenheitsursache auf, und 
wenige Tage reichen hin, den Process zum Ende zu bringen, sie kommen und 
gehen, Niemand weiss woher und wohin? 

§ 337. Die Ausgänge der Exsudation rein eitriger Produkte in die Horn- 
haut lassen sich auf Besorbtion, auf chemische Umwandlung in Salze, 
Erden und Cholestearin und auf höhere Gestaltung zu Narben- 
gewebe und Epithel zurückführen. 

§ 338. Die Absorb tion massiger eitriger Exsudationen in der 
Hornhaut ist eine pathologische Thatsache und Mackenzie 171 nennt sie sogar 
eine häufige. Sie ist gebunden an Produkte, deren rasches Auftreten ohne alle 
erheblichen Entzündungserscheinungen und unter Abgang einer hyperinotischen 
Krase, sowie das ganze Aussehen auf einen geringen Gehalt coagulabler Be- 
standtheile schliessen lassen, und deren gelbliche Farbe hinweist auf eine reich- 
liche Entwicklung freien Fettes. 

Die Besorbtion erfolgt immer kurz nach der Ablagerung, also zu 
einer Zeit, wo die allenfalls anhaftenden und durch Gerinnung sich präcipitirenden 
Antheile organisationsfähigen Faserstoffes ihren Uebergang in höhere Formen 
der Gestaltung, in faserige Schollen einzuleiten noch nicht im Stande waren. 



174 Keratitis ulcerativa mit rein eitrigem und narbenbildendem Exsudate. 

Nur in dieser Periode ist die Möglichkeit einer vollständigen Resorbtion ge- 
geben, nur kurz nach der Ausschwitzung ist eine totale Umwandlung der 
proteinigen Elemente in Fett, Extractivstoffe und eiweissartige Materie, als 
Bedingung der Resorbtionsfähigkeif, ermöglicht 172 . 

§ 339. Produkte, welche längere Zeit bestehen, ehe der Aufsaugungs- 
process beginnt, werden nie mehr ganz resorbirt, die Aufsaugung beschränkt 
sich auf die flüssigen Bestandteile und auf fettig metamorphosirte und dadurch 
in einen emulsionsartigen Zustand versetzbar gewordene Elemente, ein grosser 
Theil des krankhaften Produktes bleibt als unlösliche, salzig erdige, mit 
Colestearinkrystallen vermischte, häufig klumpig aggregirte Massen 
zurück, während der zur Zeit des beginnenden Aufsaugungsprocesses bereits 
auf höheren Organisationsstufen angelangte Faserstoff seine weiteren Metamor- 
phosen zu Narbengewebe durchmacht. Es resultiren aus solchen Hornhaut- 
abscessen sogenannte Kreide flecke und Narben. 

Der bedeutende Grad von Organisationsfähigkeit, den Blutbildung in einem 
Exsudate voraussetzt, und die mit dem Bestände neoplastischer Gefässe immer 
bereits in hohem Grade vorgeschrittene Gestaltung eines Produktes erklärt es, 
warum Abscesse, welche mit Gefässbildung einhergehen, unter keiner Bedingung 
mehr gänzlich verschwinden, sondern stets Kreideflecke und Narbengewebe 
hinterlassen, deren Durchstreuung mit Pigment in Körnchen und Körnchen- 
haufen von rostgelber bis braun-schwarzer, selbst kohlschwarzer Farbe ihren 
Ursprung aus vascularisirten Produkten in später Zeit beurkunden. Da hämor- 
rhagische Exsudate der Hornhaut in den allermeisten Fällen auf einer neo- 
plastischen, wieder untergegangenen Gefässbildung beruhen, kommt der eben 
genannte Ausgang wesentlich den blutgefärbten Hornhautprodukten zu. 

§ 340. Offene Geschwüre setzen immer einen Substanzverlust in 
dem Hornhautgewebe. 

Betrifft der Substanzverlust blos das Epithel, war das eitrige Produkt blos 
ein oberflächliches, so überzieht sich nach dessen Abstossung die entblösste 
Cornealstelle mit frischer, durchsichtiger Oberhaut und der normale Zustand ist 
in der kürzesten Zeit hergestellt. 

Es heilen aber auch ziemlich tiefe Geschwürsmulden, die 
Lücke in der Hornhaut füllt sich und es bleibt nur eine ganz feine, ober- 
flächliche Trübung zurück, deren Mächtigkeif nicht im entferntesten der Tiefe 
des vorausgegangenen Substanzverlustes gleichkömmt. Ich und so viele andere 
sahen selbst perforirende Geschwüre mit temporärer Anheftung der Iris 
oder Yorderkapsel, welche mit einer ganz oberflächlichen, in späteren Zeiten 
fast verschwindenden Narbe heilten, die tieferen Schichten der Cornea hatten 
kurz nach dem Durchbruch scheinbar ihre völlige Integrität wiedererlangt. 

Diesen Thatsachen gegenüber lässt sich ein Ersatz verloren gegangener 
Hornhautsubstanz durch pellucide Masse nicht läugnen, es fragt sich nun, ob 
dieser Ersatz eine wahre Neubildung von Hornhautgewebe mit allen seinen 
charakteristischen Eigenschaften zu nennen sei, es fragt sich, ist die 
Hornhaut regenerationsfähig, oder ist sie es nicht? 

Die Lösung der über diesen Punkt obschwebenden Meinungsverschieden- 
heiten kann nur auf dem Wege sehr genauer und sehr oft wiederholter 
mikroskopischer Untersuchungen erwartet werden. 



Ausgange, Regeneration des Cornealgewebes. 175 

Ich habe bisher mehr als 300 -erkrankte Hornhäute mit der grössten 
Sorgfall mikroskopisch durchforscht und die Metamorphosen der Exsudate von 

dem Stadium des Geschwüres verfolgt bis zu der veralteten Narbe und dem 
Kreidefleck. Ich habe dazu Objekte von Lebenden und Todteu verwendet 
und an Kaninchen künstlich Geschwüre in der Hornhaut erzeugt, um die Pro- 
dukte in jeder Phase ihrer Entwickelung belauschen zu können. Trotz aller 
Mühe ist es mir aber nicht ein einziges Mal gelungen, eine Ucbergangsform 
von dem Exsudate in normales Cornealgewebe zu beobachten. 

Es ist wahr, Hornhautprodukte, die auf dem Wege der Easerspaltung zu 
höheren Entwickelungsstufen erhoben Morden sind, gelangen mitunter zu einem 
ziemlich hohen Grade optischer Gleichartigkeit, und ihre Diaphanität wird durch 
die ungemeine Dünnheit der Schichten, in welchen sie abgelagert werden, ver- 
mehrt, sodass sie dem minder bewanderten Mikroskopiker leicht als pellucides 
Cornealparenchym imponiren können. Doch erkennt sie der geübtere Forscher 
immer an der minderen Succulenz und dem matteren Glänze, an dem Mangel 
des opalisirenden Lichtreflexes bei Behandlung mit Wasser, an der zunehmenden 
Durchsichtigkeit bei Berührung mit verdünnter Essigsäure, an der weitge- 
schwungenen, nicht lockig welligen Faserstreifung, an den pinselartig zerfaserten, 
gefranzten, nicht selten flammenähnlichen Objekträndern u. s. w. 

Narbengewebe, welches in Lösung begriffen ist, und von welchem man 
vorzüglich ein Uebergehen in Hornhautgewebe behaupten zu können glaubte, 
indem eben die Zertheilung mit Aufhellung der Cornealfrübung einhergeht, 
unterscheidet sich aber noch viel auffallender von pellucidem Hornhaufparenchym. 
Man findet in solchen Flecken die neoplastische Schichte stark granulirt, mit 
dunklen, in unregelmässigen Gruppen angehäuften Körnern durchsäet und die 
Faserstreifung gänzlich untergegangen. 

Eine Umwandlung plastischen Exsudates zu Hornhautgewebe in dem 
Sinne, in welchem Arlt 173 sie annimmt, ist in der Natur nicht gegeben, 
ihre Behauptung beruht auf ganz ungenügenden Prämissen. Noch weniger 
Halt hat aber Hasners 174 Ansicht, als würden Substanzverluste der Hornhaut 
durch Zuziehung normalen Cornealgewebes in Folge der Schrumpfung der sich 
organisirenden Narbe verkleinert. Diese Theorie geräth mit der Erfahrung 
in direkten Widerspruch, indem, abgesehen von den treffenden Gegengründen 
Arlt's, von einem spurlosen Verschwinden der Narbe unter keinem Verhältnisse 
die Bede sein könnte, und perforirende Geschwüre constant einen durch- 
greifenden Narbenpfropf hinterlassen müssten. 

Die Hebung des Grundes lief er Geschwürsmulden und die 
Verwachsung enger Durchbruchskanäle ohne Trübung erklärt 
sich ganz einfach aus einer bisher missdeuteten uralten Beobachtung, deren zu 
gedenken ich bereits Gelegenheit halle. 

Bei ulcerativer Abstossung oberflächlicher Cornealblätter in be- 
schränktem Umfange treten nämlich bisweilen die entblössten Parthien tieferer 
Lamellen in Form eines pelluciden Hügelchens hervor, und bei ausgebreiteten 
Cornealgeschwüren erscheint der Grund nicht selten uneben von einem oder 
mehreren ganz durchsichtigen, stumpfen Kegelchen. 

Man hat diese Vorwölbungen fälschlich mit blasigen Ausdehnungen der 
Descemeti zusammengeworfen. Meine genaue Untersuchungen haben sie aber 
als normwidrige Anhäufungen der Cornealgrundsubstanz in 



176 Keratitis ulcerativa mit rein eitrigem und narbenbildendem Exsudate. 

Zwischenblatträumen herausgesteift, und den Grund ihres Auftretens, die 
Veranlassung dieser regelwidrigen Vermehrung der gallertigen Cornealsubstanz 
in der Aufhebung des Druckes erkennen lassen, dem der Inhalt eines jeden 
Interlamellarraumes der Norm nach von Seite der überliegenden Schichten und 
der von hinten andrängenden Augapfelcontenta ausgesetzt ist. 

Jeder geschwürige Substanzverlust oberflächlicher Cornealschichten setzt 
die Bedingungen, unter welchen Hebungen tieferer Lamellen durch die Gewalt 
der unter ihnen sich häufenden Grundsubstanz zu Stande kommen können, und 
genaue Beobachtung lehren, dass die Natur sich wirklich dieses Mittels bediene, 
um tiefere Mulden auszugleichen, ja selbst durchbohrende Geschwüre spurlos 
verschwinden zu machen und so die Funktionstüchtigkeit der Hornhaut als 
Hauptmediums des dioptrischen Apparates zu erhalten. 

Tiefgreifende Geschwüre der Hornhaut reinigen sich und über- 
ziehen sich mit einer ungemein dünnen Schichte trüblichen starren Exsudates, 
welches zu Epithel und einem darunter liegenden Stratum faserstreifigen Narben - 
gewebes verwendet wird. Ohne dass diese Schichte neoplastischen Gewebes 
an Mächtigkeit zunimmt, rückt der Boden der Mulde nach vorn und die ge- 
schwürige Stelle erlangt ihre normale Wölbung. Die Trübung löst sich später 
durch Abstossung und Besorbtion, durchsichtiges Epithel schiesst an, es ist jede 
Spur des ehemaligen Substanzverlustes verschwunden. 

Etwas ganz ähnliches geht bei perforirenden Cornealgeschwüren 
vor sich. Ihr Boden reinigt sich, wird wasserhell und bekömmt durch partielle 
Schwellungen ein hügeliches Ansehen. In manchen Fällen ist diese Aufwerfung 
pellucider Hügelchen ganz besonders auffallend um die Durchbruchsöffnung 
herum, und bedingt ganz deutlich eine Abnahme in deren Durchmesser. Bei 
sehr steil abfallenden Geschwürsrändern und sehr enger Perforationsöffnung 
geschieht es nicht selten, dass der hintere Theil des Geschwürskraters sich 
ganz schliesst, indem die von wässeriger Feuchtigkeit infiltrirten und hügelich 
emporgewölbten Bänder an einander treten und ein drusiges Wärzchen bilden, 
welches gerade über dem Durchbruche in der Mitte der Geschwürsmulde 
hervortritt und auf seinem Scheitel einen Nabel als Best der ehemaligen 
Perforationsöffnung erkennen lässt. Endlich verschwindet auch dieser Nabel 
und der Geschwürsboden überzieht sich mit einer dünnen Lage trüblichen 
Exsudates, indem er immer weiter nach vorn rückt. Die Cornealöffnung ist 
nun völlig geschlossen. Die an ihre hintere Mündung angepickt gewesene Iris 
und Vorderkapsel löst sich wieder los, tritt in die normale Stellung zurück und 
das perforirende Gornealgeschwür heilt mit Hinterlassung einer ganz ober- 
flächlichen Narbe, welche später noch bedeutend an Dicke und Umfang ab- 
nimmt, ja selbst dem Verschwinden nahe kömmt 175 . 

Mit diesen Beobachtungen ist nun wohl die Ausfüllung bedeutender 
Substanzverluste der Hornhaut durch Ansammlungen der Grundsubstanz in den 
Zwischenblatträumen nachgewiesen, allein sie geben keinen Aufschluss über die 
weiteren Metamorphosen der normwidrig angehäuften Massen, 
und sind daher nicht geeignet, den Nachweis einer wirklichen Anbildung der 
der Hornhaut eigentümlichen faserigen Blätter zu geben. 

Hier helfen mikroskopische Untersuchungen von Hornhautparthien aus, 
welche durch ihre Lage unter einer oberflächlichen Narbe und über einer, 
dem Sitze dieser Narbe entsprechenden fibrösen Auflagerung auf die Vorder- 



Ausgänge, Regeneration des Cornealgewebes. 177 

kapsei ihre ehemalige Perforation mit Sicherheit auf dem Wege der Induktion 
erschliessen lassen. Ich habe drei solche Fälle mit besonderer Rücksicht- 
nahme auf den strittigen Punkt genau durchforscht, Ich fand die Corneal- 
struktur an der Stelle des ehemaligen Durchbruches ganz normal, die perforirü 
gewesene Stelle, sowie weit davon entfernte, bestanden aus völlig durchsichtigen, 
lockig faserigen Blättern und zwischengelagerten Schichten pellucider, struktur- 
loser Grundsubstanz. Ich konnte keine normwidrige Vergrösserung der Zwischen- 
blatträume erkennen. 

Ich schliesse sofort, dass die den Geschwürsboden hebende, in den Inter- 
lamellarräuinen tieferer Schichten sich sammelnde strukturlose Grundsubstanz 
durch Ditferenzirung ihrer Elemente eine Anbildung neuer Corneal- 
lam eilen bedingen könne. Ich erkenne die Regenerations- 
fähigkeit der Hornhaut an, stelle es aber späteren Untersuchungen 
anheim, das Verhältniss zu ergründen, in welches die neoplastischen Blätter zu 
den bereits bestehenden ursprünglichen Lamellen der Cornea treten. 

Eine solche Heilung perforirender Geschwüre ohne Hinterlassung einer 
Narbe setzt aber eine sehr enge Durchbruchsöffnung voraus, letztere muss 
so fein sein, dass ihre Ränder durch die mit der Anschwellung gesetzte Aus- 
dehnung in gegenseitige Berührung kommen und verwachsen können. Es ver- 
heilen daher vorzüglich gerne kleine aber sehr tiefe Geschwüre auf die ange- 
gebene Weise. 

Ausgebreitete Geschwüre mit weiter Durchbruchsöffnung hinterlassen 
immer eine durchgreifende Narbe, dasselbe gilt vorzugsweise von Ge- 
schwüren, welche sich mit Vorfall der Iris compüciren. 

Immerhin steht aber das Volum der Narbe in keinem Verhältnisse zu der 
Grösse des von ihr ausgeglichenen Substanzverlustes. Fast immer verringert 
sich mit dem Beginne der Vernarbung der Umfang des Geschwüres, ohne dass 
Cornealsubstanz aus der Nachbarschaft zugezogen würde, und ausgedehnte Ge- 
schwüre hinterlassen häufig nur eine sehr kleine, trichter- oder kelchähnliche 
Narbe, deren Ränder sich oberflächlich in eine wolkige Trübung verlieren. 
Diese oberflächliche Trübung nimmt die Stelle der peripheren Theile der ehe- 
maligen Geschwürsmulde ein, sie sitzt auf Theilen der Hornhaut, welche in der 
Verschwärungsperiode einen oft namhaften Substanzverlust oberflächlicher Blätter 
erlitten hatten. Der Ersatz ist hier auf dieselbe Weise zu Stande gekommen, 
wie bei engen Geschwüren, er reichte aber nicht aus, nur ein Theil des Ver- 
lornen wurde durch Regeneration von Cornealsubstanz ersetzt, das fehlende 
leistet die Narbe. 

Die Regeneration neuer Cornealsubstanz setzt die Existenz von Zwischen- 
blatträumen und deren Entblössung von dem grössten Theile der auflagernden 
Schichten voraus, denn nur unter solchen Umständen ist eine Ansammlung der 
Grundsubstanz ausführbar. Daher ist verhältnissmässig der Wiederersatz am 
grössten bei stark verflachten Geschwüren und nach Donders Versuchen kann 
selbst die Hornhaut auf i / 2 ,lt Dicke bei Kaninchen abgeschält werden, das 
Verlorne ersetzt sich wieder, während Geschwüre mit weiter Durch- 
bruchsöffnung und steilen Rändern, Geschwüre, welche das Ansehen 
haben, als wären sie mit einem Locheisen geschlagen worden, nur wenig oder 
gar keinen Ersatz aus regenerirter Hornhautsubstanz erwarten lassen, sondern 
Stell wag, Ophthalmologie. I. 12 



178 Cornealcarcinome. 

fast ganz durch Narbengewebe ausgefüllt werden, und dieses Narbengewebe 
wechselt in seiner elementaren Zusammensetzung sehr bedeutend je nach der 
Constitution des Blastems, aus welchem es hervorging. 

§ 341. Je nach dem nun die Resistenz der Narbe mit dem von hinten 
her auf sie wirkenden Drucke der Augapfelcontenta im Gleichgewicht steht, 
oder selbe übertrifft, oder aber von ihr überboten wird, bleibt die Narben- 
substanz in der normalen Krümmung stehen, oder sie schrumpft mit 
Abflachung oder Faltung der Hornhaut und Verkleinerung ihres Flächeninhaltes, 
oder aber sie baucht sich nach Aussen, ein Narbenstaphylom erzeugend, 
einen Zustand, der nicht selten auch auf dem Boden nicht perforirender Ge- 
schwüre entwickelt wird, indem entweder schon im Ulcerationsstadium der 
Geschwürsgrund nach vorn getrieben wird, oder aber erst später nach An- 
bildung der Narbe. 

Perforirende Geschwüre hinterlassen ferner häufig Einwachsungen 
der im Bereiche der Durchbruchsöffnung zipfelförmig eingerissenen Wasser- 
haut, ferner vordere Synechien der Iris mit Verzerrungen und selbst 
Verschliessungen der Pupille, centrale Kapselstaare, Anheftungen 
der Vorderkapsel mit Trübung der Linsensubstanz, Einlöthungen 
der Ader- und Netzhaut. 

Bei umfangsreichen Durchbrüchen und Entleerung der Contenta des Aug- 
apfels oder aber, wenn das Cornealgeschwür nur eine Theilerscheinung eines 
auf den ganzen Bulbus ausgebreiteten Exsudationsprocesses war, geht das 
Auge gewöhnlich phthisisch zu Grunde. 

Fünfter Artikel. 

Das Hornhautcarcinom. 

§ 342. Wenn sich irgendwo der Mangel mikroskopischer Forschungen in 
drückender Weise fühlbar macht, so ist es gerade hier. Massen von Beobachtungen 
sind aufgespeichert, ein nutzloser Ballast, da ihnen fast sämmflich die Diagnose ab- 
geht, es sind nur wenig Fälle bekannt, in welchen die Struktur der Afterge- 
wächse als Basis der Eintheilung genommen wurde, fast immer ist es einfach 
die Consistenz, noch häufiger aber der Sitz des Tumors, welcher als diagnos- 
tisches Unterscheidungszeichen genommen wurde, man ging sogar so weit, 
jedes carcinomatöse Gebilde, wenn es an den äusseren Theilen des Augapfels 
sass, ohne weiteres unter der Aufschrift Cancer, Scirrhus, entwickelte es sich 
aber aus inneren Organtheilen des Bulbus als Fungus medullaris oder melanodes 
zu beschreiben. 

Den nachfolgenden Erörterungen liegen grösstenteils nur eigene Er- 
fahrungen zu Grunde. Es bleibt späteren Zeiten vorbehalten, selbe den 
Fortschritten der Medioin entsprechend zu berichtigen und zu bereichern. 

Ich habe bisher 45 in dem Auge wurzelnde Carcinome genau und mit 
Zuhilfenahme des Mikroskopes untersucht 176 . Es waren zwei Gallertkrebse 
in Combination mit Medullaris und Melanodes, ein Epidermoidalkrebs und die 
übrigen repräsentirten sich als medulläre in genuiner Form, oder aber als dessen 
Abarten, als Fungus hämatodes und melanodes. Der genuine Faserkrebs und 



Gallerlkrcbs der Cornea. 179 

die zahlreichen anderen Arten des Carcinomes kamen mir nicht vor und wo 
deren als im Augapfel sitzend erwähnt wird, lassen sich sehr begründete Zweifel 
gegen die Richtigkeit ihrer Diagnose erheben 177 . 

§ 343. In der Hornhaut fand ich nur den Medullär is in seinen ver- 
schiedenen Formen, den Epidermoidalkrebs und in einem Falle den 
Gallertkrebs. 

§ 344. So wie jedes andere Exsudat, so auch das krebsige, erscheint 
in der Hornhaut ursprünglich als eine durchscheinende, sulzähnliche, grauliche 
oder gelbliche, völlig strukturlose Substanz, mit mehr oder weniger Gehalt an 
wässerigen Bestandtheilen. Es ist zwischen den Blättern der Hornhaut er- 
gossen, und drängt selbe auseinander, die Dicke der Membran sichtlich ver- 
mehrend, ohne aber deren Durchsichtigkeit aufzuheben. Erst mit der weiteren 
Differenzirung dieser eingelagerten sulzigen Masse trübt sich die infiltrirte Stelle 
und gewinnt die jeder Species des Carcinoms eigenthümliche Färbung. Erst 
nachdem die Hornhaut durchbrochen, die überlagernden Schichten gesunden 
Hornhautgewebes durch Resorbtion oder Schmelzung entfernt, und das After- 
gewächs von dem auf ihm lastenden Drucke befreit ist, entwickelt sich dasselbe 
zu Geschwülsten, welche nach der Species des Carcinoms sehr differente 
Charaktere darbieten. 

§ 345. Das Krebsblastem verharrt bisweilen auf dem ursprünglichen 
Zustand der Crudität und stellt den 

1. Gallertkrebs 

oder cruden Krebs vor. Ich glaube einen der von mir untersuchten Fälle als 
solchen bezeichnen zu müssen. 

Ich fand die Hornhaut um mehr als das Doppelte verdickt und daher 
sichtlich hervorgetrieben, mit vollkommen glatter Oberfläche und fast parabolisch 
gekrümmter Yorderfläche, aber unveränderter Curve der hinteren Fläche. Sie 
war gelblich, sulzähnlich durchscheinend, aber von ziemlicher Consistenz. Die 
mikroskopische Untersuchung ergab das Epithel von Weingeist getrübt. In dem 
Parenchym der Hornhaut war die blätterige Textur auf ganz eclatante Weise 
ausgeprägt. Die Hornhautblätter erschienen nur sehr wenig trüber als in der 
Norm, theils strukturlos, theils aber sehr deutlich von einer ungemein zarten 
und lichten, lockig welligen Faserung durchsetzt, ihre Ränder scharf und 
geradlinig, häufig parrallelogrammalische Figuren umgränzend. Die Zwischen- 
blatträume waren ganz deutlich vergrössert, selbst dem freien Auge sichtbar 
und darin eine gelbliche, durchsichtige, zähe Masse ergossen, die unter dem 
Mikroskop wasserhell, durchsichtig, grösstentheils strukturlos erschien, in ein- 
zelnen Objekten aber auch eine äusserst zarte und lichte, schnurgerade ziehende 
oder in weit geschwungenen Wellen verlaufende Faserstreifung, nirgends aber 
isolirte Fasern erkennen Hess. Die Aftermasse war hie und da mit dunkleren 
Kornchen und ganz dunklen Grumenhäufen durchstreut, welche sicherlich durch 
den Weingeist alterirte Kerne und Zellen vorstellten. 

Das Aftergebilde war auf sämmtliche Organe des Augapfels ausgebreitet 
mit blosser Ausnahme der Sclera. Ebenso waren bis auf die Augenmuskeln 
sämmtliche Orbitalgewebe darin untergegangen 178 , 

12. 



180 Epidermoidalkrebs der Cornea. 

§ 346. Durch Differenzirung des rohen Krebsblasteras in Kerne, Zellen, 
Fasern und Gefässe entwickeln sich Krebsarten, die ihrem äusseren Aussehen 
und ihrem Verlaufe nach sehr von einander abweichen , ihrem Ursprünge 
nach aber sicherlich die innigste Verwandtschaft besitzen und gleichsam eine 
Stufenleiter höherer und höherer Gestaltungen eines und desselben Blastems 
repräsentiren. 

§ 347. Ich knüpfe an den rohen Krebs ein Carcinom, das in seinen 
Formelementen nur embryonale Gestaltungen aufweist und sich niemals über 
die Zellenbildung erhebt, 

2. Den Epidermoidalkrebs. 

Er ist eine sehr seltene Erscheinung auf der Hornhaut, und bisher 
noch nicht primär auf diesem Gebilde beobachtet worden. Er ist es, welcher 
gewöhnlich als Cancer oder Scirrhus des Augapfels beschrieben wird, und 
namentlich jene. Fälle, welche eine Ausbreitung des Cancer von der Lidhaut 
auf Conjunctiva und von dieser auf die Cornea beobachten Hessen, dürften 
zum grossen Theile als Epidermoidalkrebse zu betrachten sein. 

Immerhin ist aber auch diese secundäre Form des Epidermoidal- 
carcinomes auf der Hornhaut ein sehr seltenes Vorkommniss , und eine Menge 
Fälle, in denen durch dieses Aftergebilde die Lider, die Conjunctiva, fast 
sämmtliche in der Orbita gelegenen und den Bulbus umhüllenden Gewebe, 
grosse Parthien der Augenhöhlenwandungen und der übrigen Gesichtsknochen 
zerstört gefunden wurden, während der Bulbus zwar entblösst aber von jeder 
krebsigen Destruction frei geblieben war, in denen sich also das Aftergebilde 
rings um die Cornea begrenzt hatte und auf die Sclera überzugreifen nicht im 
Stande war, eine Menge solcher Fälle, sage ich, beweisen, dass der Epider- 
moidalkrebs keinen günstigen Boden zu seiner Entwickelung in den Geweben 
des Augapfels und in specie in der Hornhaut finde. Die meisten Beobachter,, 
welche mit einiger Genauigkeit das fragliche Leiden untersucht und geschildert 
haben, sprechen nur von Vereiterung der Hornhaut und des Bulbus, und be- 
gründen diesen Vorgang in der mit der Zerstörung der Lider gesetzten Bloss- 
legung des Augapfels, erwähnen aber nichts von einem Uebergange des Car- 
cinoins auf den Augapfel 179 , ja Travers 180 läugnet ein solches Vorkommniss 
ganz. Gescheidt 1S1 hat indessen durch Veröffentlichung zweier unzweifelhafter 
FäUe die Möglichkeit dessen herausgestellt, und ich schliesse mich mit einem 
dritten Falle an seine Beobachtungen an 182 . 

§ 348. Nach den vorliegenden Erfahrungen geht dem Epidermoidalkrebse 
der Hornhaut stets die Entwickelung höckerig warziger, drusiger und selbst blät- 
triger Knoten auf der äusseren Lidfläche voran. Diese Knoten erreichen bis- 
weilen namhafte Grössen und zeichnen sich durch weisse, weiss-gelbliche, 
röthliche, selbst bläulich-röthliche Farbe und verschiedene Consistenzgrade von 
der Knorpelhärte bis zur weichen, schwammigen Pulpe aus. Nachdem sie 
eine gewisse Grösse erreicht haben, wird ihre Spitze weich, gelblich und 
zerfällt in einen eiterähnlichen Brei, es ist ein Geschwür mit wallartigen, 
steilen, besessenen Bändern und rothem unebenem, jauchig-eiterig belegtem 
Grunde entstanden, das sich durch Destruction angrenzender Knoten allmälig 
vergrößert und, tiefer und tiefer greifend, nach einander die Lider, die Orbital- 



Symptome, anatomische Charaktere. 181 

knochen, die Conjunctiva und die Hüllen des Augapfels zerstört, den letztem 
bioslegt und zur Vereiterung bringt, oder aber von der Conjunctiva auf die 
Cornea überschreitet. 

Der Epidermoidalkrebs der Cornea charakterisirt sich durch kleine, 
hirse- bis hanfkorngrosse, weisse, consistente Knötchen, welche mit schmä- 
lerer Basis auf einem gemeinschaftlichen, trüben, mit einzelnen Gefässchen durch- 
zogenen Boden sitzen, und aus dem Parenchym der Hornhaut hervorwuchern. 

Es erweichen einzelne solche Knötchen und durchbohren die Hornhaut 
in Form rundlicher Löcher mit steil abfallenden geschwürigen Bändern, zwischen 
denen die Iris vorfällt und selbst von demselben Processe ergriffen wird, kreb- 
sige Knötchen auf der Oberfläche des Prolapsus anschiessend. Währenddem 
schreitet der Knötchenbildungsprocess weiter und weiter vor, der grösste Theil 
der Hornhaut, ja die ganze Cornea verschwärt, der Augapfelinhalt entleert 
sich, der Bulbus sinkt zusammen, und wird durch Ausbreitung des Carcinomes 
auf die Netz- und Aderhaut so wie auf die Sclera völlig consumirf, so dass 
keine Spur von ihm übrig bleibt. 

§ 349. Bei der genauem Untersuchung der Cornealknötchen fand 
ich ganz jene Formelemente, welche dem Epidermoidalkrebs überhaupt zu- 
kommen. In den oberflächlichsten Lagen fast lauter colossale, rhomboidale Plat- 
ten, denen des Epithels ähnlich mit scharfer, dunkler Contour, wasserhellem 
Körper, und einem oder zwei mehr weniger deutlichen, von dunklen Körn- 
chen umgebenen Kernen, oder auch, und dieses nicht selten, ohne allen Kern. 
In den tieferen Schichten nahm die Grösse dieser Platten ab, ich fand niedere 
Entwickelungsgrade, bläschenartige trübliche, und schon mit Nucleolis ver- 
sehene Kerne, Zellen fast ganz vom Kerne erfüllt mit wasserhellem Inhalt, 
andere oval mit trübem Inhalte und einem oder zwei granulirten Kernen 
und noch andere, die den Epithelzellen vollkommen gliechen, von irre- 
gulärer abgeplatteter Gestalt, wasserhellem Inhalte, in welchem ein oder 
zwei, von dunklen Molekülen umgebene rundliche oder ovale Kerne lagerten. 
Eine trübliche, strukturlose mit dunklen Körnchen eingestreute Grundsubstanz 
verband diese Elemente unter einander. In den tiefsten Schichten des After- 
gebildes, d. i. in dem Fusse der Knötchen und in der gleichmässig getrübten 
Parthie der Hornhaut, aus welcher, gleichsam aus einem gemeinschaftlichen. 
Blüthenboden, die Knötchen hervorsprossten, mangelten die epithelartigen Platten 
gänzlich, ich fand die Grundsubsfanz in reichlicher Menge, nur von Molekülen, 
Kernen und wenigen, noch sehr unentwickelten Zellen durchstreut, und an 
einigen Stellen auch mit Blutkörperchen neuer Formation angefüllte Hohlräume 
ohne alle Gefässwand. Dieses Gemische war sichtlich in die Zwischenblatt- 
räume ergossen und die letzteren dadurch ausgedehnt. Dort, wo Knötchen 
emporstiegen, waren die Blätter ganz deutlich durchbrochen und nach vorn 
gestülpt, so dass sie einzeln in das Knötchen hineinragten. Die hintersten 
Cornealschichten fand ich gesund, durchsichtig, der Process war in meinem 
Falle noch nicht zur Durchbohrung und eben so wenig zur Destruktion des 
Gebildes selbst gekommen, daher ich die näheren Details dieses Vorganges 
bezüglichen Beobachtungen der Zukunft vorbehalte. 

Die Diagnose dieses Leidens ist nach dem angegebenen nicht schwer. 
Namentlich mit anderen Krebsarten dürfte eine Verwechselung, wie sie in 



182 Medulläre Cornealcarcinome. 

allen älteren Schriftstellern ganz unbegreiflicher Weise gang und gäbe ist, für- 
der nicht mehr zu rechtfertigen sein. 

§ 350. Der Epidermoidalkrebs consumirt, ohne jemals bedeutende 
Volumina zu erreichen. Ehe seine Knoten zu namhaften Grössen heranwachsen, 
verjauchen sie und stellen ein Geschwür dar, das in eben dem Maasse an Tiefe 
zunimmt, als der Krebsprocess vorwärts schreitet, daher denn auch der Name 
„Fressendes Krebsgeschwür" vorzüglich dieser Species des Carcinomes zu- 
gehört. 

§ 351. Die begleitendenErscheinungen des Homhautepidermoidal- 
krebses sind bereits zum grössten Theile erwähnt worden, ihre nähere Schil- 
derung gehört einem andern Theile dieses Werkes zu, einem Theile, in welchem 
das Epidermoidalcarcinom des Augenlides und der übrigen Schutzorgane des 
Augapfels erörtert wird. 

Dort ist auch der Ort, um über Aetiologie, den stets sehr langsamen 
Verlauf, und die Ausgänge zu sprechen. 

§ 352. An den Epidermoidalkrebs der Hornhaut reihen sich unmittel- 
bar an 

3. Das Medullär carcinom und seine Abarten, der Fungus hämatodes 

und melanodes. 

So wie dem Epidermoidalkrebse , so auch diesen Arten des Carcinoms 
geht ein Stadium einfacher Infiltration in den oberflächlichen Schichten des 
Cornealparenchyms unter der Form eines grauen, grau -weissen, mitunter 
vascularisirten oder braun mehrten Fleckes voran. 

An einer oder der andern, bisweilen an mehreren Stellen zugleich, tritt 
die Aftermasse hervor, indem sie die überliegenden Cornealblätter empor- 
staucht und durchbricht. Sie repräsentirt sich dann als ein oder mehrere 
rundliche Knoten, die an der Basis von den dachziegelartig auflagernden 
Durchbruchsrändern der oberflächlichen Cornealschichten halsförmig einge- 
schnürt sind. 

Die Farbe der Knoten variirt von bläulich-weiss ins röthliche, blutrothe, 
braune und schwarze, die Consistenz von der einer breiigen Masse bis zu 
Muskel- und Knorpelhärte. Verletzt reagiren sie durch mehr weniger intensive 
Blutungen. Alle diese Erscheinungen sind das Resultat tief in der Organi- 
sation des Aftergebildes wurzelnder Verhältnisse. 

§ 353. Das Mikroskop weist nämlich die dem medullären Carcinom 
im allgemeinen zukommenden Bestandteile, Krebsserum, Zellenbildungen und 
faseriges, mit Gefässen durchsetztes Gefüge in verschiedenen Mischungsver- 
hältnissen nach. Bald überwiegen weithin das Serum und die embryonalen 
Formelemente, das Carcinom erscheint als weiche, encephaloide, weissliche 
oder röthliche Masse, oder wenn die Zellen sich in Pigmentbildung ergehen, 
als Melanodes von weicher Consistenz; bald schlägt die Anbildung neopla- 
stischer Gefässe vor, der Knoten repräsentirt sich als Blutschwamm; bald 
aber äussern die Zellen entschiedene Neigung zur Höhergestaltung in Fasern 
«nd Faserzellen, das medulläre Carcinom nähert sich durch Entwickelung eines 



Anatomische Charaktere. 183 

mehr weniger dichten, derben, fächerigen Stromas dem Faserkrebse und 
leitet so durch Induktion auf die Möglichkeit des Vorkommens dos eigentlichen, 
bisher noch nicht in der Hornhaut aufgefundenen Carcinoma fibrosum in seiner 
genuinen Form. 

Die Textur dieser Aftergebilde wird durch ihren Sitz auf der Cornea 
nicht inodificirf. Sie ist dieselbe, welche bei Carcinomen der genannten Arten 
gefunden wird, wenn sie auf anderen Organen wuchern. 

Nur eine Differenz dürfte hier geltend gemacht werden können, und diese 
liegt in der constant geringeren Entwickelungsstufe, auf welcher sich jener 
Theil des Carcinomes befindet, Avelcher noch nicht durch Resorbtion oder 
Verschwärung der aufliegenden Cornealblätter frei geworden, sondern noch 
als Infiltrat bestehender Interlamellarräume zu betrachten ist. Ich 
meine damit die Basis, auf welcher der krebsige Knoten wurzelt, jenen 
trüben Fleck, der in Gestalt eines Hofes den Hals der Geschwulst umgibt, 
und in der Tiefe die Grenze zwischen der bereits entwickelten Krebsgeschwulst 
und den hintersten noch gesunden Cornealschichten bildet. Dieses Infiltrat 
erweist sich als fast rohes , mit staubähnlichen lichten Molekülen und gröberen 
dunklen Körnchen durchstreutes, strukturloses, weiches, succulentes Blastem, 
das höchstens einige wenige Kerne, rudimentäre Zellen, und in verschiedenen 
Mengenverhältnissen neoplastische Blutkugeln in Hohlräumen ohne Wandung 
oder gestreckten Zellen enthält. Es hat das Ansehen, als habe sich der Fuss 
des Krebsknotens mit genuinem, faserstoffig albuminösem Exsudate umgeben, als 
würde das Aftergewebe von einer Keratitis Simplex oder vascularis abgegrenzt. 

§ 354. Doch bald äussert sich auch in diesem Infiltrate die ihm inhä- 
rirende krebsige Natur, indem von dem Halse des Knotens her die nach vorn 
gestülpten Cornealblat.tränder resorbirt oder geschmolzen werden und das unter- 
liegende Exsudat die dem Aftergebilde eigenthümlichen Formelemente in Schnel- 
ligkeit entwickelt, und den Umfang des Knotens vergrössert, während ringsum 
die Infiltration des noch gesunden Cornealparenchymes fortschreitet. So brei- 
tet sich allmälig die Basis der Geschwulst aus, getrennt stehende 
Knoten fliessen zusammen, bis endlich die Cornea ihrer ganzen Ausdehnung 
nach mit Aftermasse bedeckt ist, 

Nur in seltenen Fällen greift der Krebs durch die ganze Dicke der 
Hornhaut hindurch, ehe er sich über die ganze Oberfläche der Hornhaut ver- 
breitet hat, die Ausbreitung des Aftergebildes in der Breite geht rascher vor 
sich, als jene in die Tiefe. Immer aber verfolgt der Krebs nach den bisherigen 
Erfahrungen diesen Gang, immer entwickelt er sich zuerst in den oberflächlichen 
Cornealschichten, und von hier erst geht er in die tiefern über, indem ein 
Zwischenblattraum nach dem andern infiltrirt und nach der angegebenen Weise 
aufgehoben wird 183 . Es scheint der geringere Druck, unter welchem sich die 
vorderen Interlamellarräume befinden, der reichlicheren Exsudation und weiter- 
hin der höheren Gestaltung des Blastemes eine günstigere Gelegenheit zu bieten, 
als dieses in den hinteren Cornealschichten der Fall ist. 

So geht denn endlich die ganze Cornea verloren, die Geschwulst wuchert 
fort und erreicht ansehnliche Grössen, sie gleicht einer schäumenden Flüssigkeit, 
die aus der Scleralöffnung hervorquellend in lappig drusigen Wülsten die Con- 
junktiva überdeckt. 



184 Medulläre Hornhautcarcinome. 

§ 355. So enorm aber auch das Volumen des Hornhautkrebses an- 
wachsen möge, niemals greift er von der Cornea auf die Bindehaut 
über, immer findet er an dem strukturlosen Theile der Hornhautperipherie 
eine Grenze, welche er zu übersteigen nicht fähig ist. 

Wohl aber gehen Bindehautcarcinome ganz gewöhnlich auf die 
Hornhaut über, ja dieses Verhältniss ist sogar ein ganz gewöhnliches. Sehr 
häufig entstehen an einer oder der andern Stelle der Bindehaut, primär oder 
secundär, Krebsgeschwülste, die sich allmälig ausbreiten, bis sie den Cornealrand 
erreichen. Hier bleiben sie gewöhnlich eine Weile stehen und wuchern um 
einen Theil des Cornealrandes herum, endlich aber tritt das Aftergewächs 
auf die Cornea hinüber und bald ist die Hornhaut ihrer ganzen Oberfläche 
nach vom Krebs überdeckt. 

Wenn die Bindehaut ringsum die gleichfalls entartete Cornea krebsig 
zerstört ist, so ist die Verbreitung des Krebses stets dadurch zu Stande gekom- 
men, dass die Brücke, welche den Krebs von der Bindehaut auf die Hornhaut 
hinübergeführt hat, allmälig im Querdurchmesser zunimmt, bis sie die ganze 
Cornea umgreift, und das Aftergewächs der Hörn- und Bindehaut zu Einer 
Masse verschmilzt. 

Dass Aftergeschwülste krebsiger Natur nur sehr schwierig von der 
Scleralöffnung aus auf die Bindehaut übertreten, geht sehr deut- 
lich aus solchen Fällen hervor, in welchen die ganze Hornhaut geschwürig 
oder brandig zerstört worden ist, um tief in den Bulbus wurzelnden Car- 
cinomen den Durchtritt zu gestatten, in welchen also die Scleralöffnung 
ganz von Krebsmasse ausgefüllt ist, und so gleichsam einen Pass vorstellt, 
durch den gewaltige, zu Tage liegende Aftennassen zusammenhängen mit dem 
die ganze Bulbushöhle ausfüllenden Krebse. In acht solchen Fällen, in welchen 
Choroidal- oder Netzhautkrebse durch die Scleralöffnung hervorgetreten waren 
und den ganzen v ordertheil des Bulbus überdeckten, fand ich den Scleralrand mit 
der strukturlosen Bandsubstanz der Cornea gewöhnlich noch überzogen, seltener 
war diese strukturlose Bandsubstanz verschwunden, wahrscheinlich durch Be- 
sorbtion, der Scleralrand war rein herauspräparirt und die Conjunctiva ohne 
alle Spur einer Entartung, sie zog zwischen dem überhängenden Lappen der 
Aftergeschwulst und der Sclera, gleichsam eingeklemmt von beiden, bis zum 
Bande der Sclera, wo sie endete, ohne irgend wie mit der Aftermasse in 
Verbindung zu treten. 

Noch weniger aber, als ein Uebergreifen von der Cornea auf Bindehaut 
und Sclera, dürfte ein Ueber tritt des Carcinomes per contiguum 
auf tiefere Gebilde des Augapfels zu Stande kommen. Aus vielen von 
mir gesammelten Thatsachen geht die Immunität der Glashäute gegen krebsige 
Destruktion hervor, die Glashäute bilden stets Scheidewände, welche nur durch 
mechanische Gewalt, von den Krebsen durchrissen werden. Ein Durchbruch der 
Descemeti nach hinten ist wohl nicht möglich, der Druck der Augapfelcontenta 
steht diesem Vorgange entgegen, eine Durchbohrung nach vorne kann aber nur 
dann zu Stande kommen, wenn, was so selten ist, der Krebs der Hornhaut in die 
Tiefe greift, ehe er zu bedeutendem Volumen angeschwollen ist, und so durch 
seine eigene Cohärenz dem Andrängen der Augapfelcontenta das Gleichgewicht 
zu halten nicht vermag, dieses ist der einzige Fall, in welchem das Hornhaut- 
carcinom sich unmittelbar auf die vorfallenden, bluthaltigen Organe der Aug- 



Krebsbildungsprocess in der Cornea. 185 

apfelhöhle verbreiten kann, denn da der Rand der Descemeti ringsum an den 
Vordertheil der Sclera anhaftet, und diese ebenso der krebsigen Destruclion 
hartnackig widersteht, ist der Hornhautkrebs gleichsam von undurchdringlichen 
Scheidewänden in seiner Ausbreitung nach einer andern Richtung, als nach 
vorne, gehindert, er bleibt auf die Hornhaut beschränkt. 

§ 356. Dieses Verhältnis? ist ungemein wichtig, indem es Aufschluss 
gibt über den eigentlichen physiologischen Vorgang bei der Exsu- 
dat i o n des Krebsblastems und bei dem weiteren W a c h s t h u m e 
des Aftergebildes auf der Hornhaut. Die Beschränkung des Hornhaut- 
krebses auf das Parenchym der Cornea beweist mit ziemlicher Sicherheit , dass 
es nicht Gefässe sind, welche aus der Conjunctiva und aus der Sclera 
zur Hornhaut ziehen und das Krebsmaterial zufuhren. 

Wo Gefässe existiren, die aus einem Gebilde des Augapfels in das andere 
vordringen, ist stets ein Uebergreifen des Krebses von Einem auf das Andere 
gegeben, das Carcinom verbreitet sich, dem Verlaufe der Gefässe folgend. 
Aderhautkrebse greifen immer in der Mitte der Sclera durch, wo die hinteren 
Ciliargefässe eintreten; Krebse, welche in den Strahlenfortsätzen,' der Iris und 
dem Ciliarmuskel zur Entwickelung kommen, gehen immer an der Grenze 
zwischen Cornea und Sclera nach Aussen, dort wo sich die Gefässe aus dem 
Seleralsaume in die Bulbushöhle einsenken. Nie erfolgt ein krebsiger Durch- 
bruch des Augapfels an einer andern Stelle. Dort wo die Cornea den Ort 
abgibt, an welchen Krebse der tieferen Gebilde des Bulbus nach Aussen dringen, 
ist es niemals eine carcinomatöse Zerstörung diu- Hornhaut, es ist entweder 
Vereiterung oder Brand , welcher den Ausgang eröffnet. Der Augapfelkrebs 
hält sich also constant in seiner Ausbreitung auf andere Gebilde an den Verlauf 
der Gefässe. Carcinome, welche an der äusseren Wand des Bulbus, in dem 
episcleralen Gewebe wuchern, dringen niemals nach innen vor, indem dort, 
wo sowohl der äussere Umfang des Bulbus krebsig überwuchert ist, als auch 
die Augapfelhöhle von carcinomatöser Masse zum Theile oder ganz erfüllt ist, 
entweder gar keine Verbindung zwischen beiden Massen besteht, oder aber, 
wo diese vorhanden ist, die Ränder des Scleraldurchbruches constant nach 
aussen gestülpt sind. 

Aus diesem geht nun hervor, dass die Ausbreitung des Krebses in 
der Richtung des venösen Kreislaufes von Statten gehe. Es scheint 
als ob die Capillarität in gefässhaltigen Gebilden das Blastem absondere, und 
als ob die Apposition neuer und neuer Produkte, die Umfangsvermehrung des 
carcinomatösen Tumors dadurch zu Stande komme, dass in den arteriellen Ge- 
iässstämmen selbst Krebsmasse gebildet werde, und von den Zweigen zu den 
Stämmen fortschreite, es scheint als ob der Krebsbildungsprocess von der Capil- 
larität in rückschreitender Kichtung in und auf den arteriellen Gefässen weiter 
greife. 

Will man nun für die Hornhaut nicht ein gerade umgekehrtes Verhältniss 
annehmen, so muss man die Unabhängigkeit ihrer carcinomatösen Zerstörung 
von Gefässen zugeben, denn wir sehen wohl Conjunctivalkrebse auf die Horn- 
haut übergreifen, nie aber Carcinome, welche, auf den Ort der Hornhaut stehend 
in die Conjunctiva übergehen, bei einem Uebergange von Gefässen aus der 
Conjunctiva und Sclera in die Cornea, müsste ein Uebergehen des Bindehaut- 



186 Medulläre Cornealcarcinome. 

krebses in die Hornhaut selten, ein Fortschreiten des Cornealcarcinoms auf die 
Conjunctiva aber häufig sein, was der Erfahrung widerspricht. 

Es ist dieses ein neuer wichtiger Grund für die Richtigkeit meiner Be- 
hauptung bezüglich der Unabhängigkeit der Cornealexsudationen von 
Hornhautgefässen. Das Krebsblastem erscheint, so wie jedes andere 
krankhafte Produkt in der Hornhaut als eine Folge anomaler Yegetationsthätig- 
keit in der Grundsubstanz , der Trägerin des Ernährungsprocesses. Das Wachs- 
thum des Hornhautkrebses wird auf diese Weise durch Zufuhr neuen Blastems 
aus dem Kammervvasser unterhalten und dieses selbst, nachdem die Hornhaut 
ihrer ganzen Dicke nach verloren gegangen ist , und durch Aftergewebe ersetzt 
wird. 

§ 357. Die vorhergehenden Mittheilungen schliessen schon das primäre 
Auftreten des Hornhautkrebses in sich, es gibt primäre Corneal- 
carcinome 183 . 

Weit häufiger aber, ja in weithin den meisten Fällen ist der Hornhaut- 
krebs ein secun dar es Leiden, er ist auch der Conjunctiva entsprossen, 
und hat sich allmälig über die Hornhautoberfläche verbreitet, ohne seinen 
Charakter zu ändern. 

Nur Bindehautcarcinorae schreiten auf die Hornhaut über, 
nur die Bindehaut ist das Mittelglied, durch welches Krebse, welche an der 
Aussenfläche des Bulbus wuchern, in die Hornhaut übergreifen, Krebse, welche 
in dem episcleralen Gewebe wurzeln, setzen sich nicht in die Hornhaut fort, 
wie mir mehrere Fälle zeigten, sie finden stets an dem Bindehautsaume ihre 
Grenze. Erst nachdem das Carcinom von dem episcleralen Gewebe auf die 
Conjunktiva übergetreten ist, erst dann ist die Gelegenheit gegeben zur 
Ausdehnung auf die Cornea. Diese Bindehautcarcinome sind Beers Papulae 
rebelles 185 , welche die scirrhöse Zerstörung des Augapfels bedingen sollen, 
eine Behauptung, welche nach dem bereits Erörterten dahin zu berichtigen ist, 
dass Carcinome, welche den äussern Hüllen des Augapfels entkeimt sind, niemals 
in das Innere des Bulbus übergehen. 

Noch weniger, als von dem episcleralen Gewebe ist eine Fortsetzung der 
carcinomatösen Entartung von der Uvea und Netzhaut auf die Cornea 
gegeben. Nur dann, wenn das Uvealcarcinom oder der Netzhautkrebs an 
irgend einem Ciliargelässpaquet die Sclera durchbrochen, und fortwuchernd die 
Conjunctiva ergriffen hat , erst dann ist eine Ausbreitung auf die Hornhaut mög- 
lich. Dieses geht aus einer Mehrzahl von Fällen hervor, in welchem ein in 
der Iris wurzelnder Krebs an der Grenze zwischen Cornea und Sclera, dort 
wo aus dem Scleralwulste so viele Gefässe in die Augapfelhöhle treten, durch- 
bohrt, und in Gestalt eines grösseren oder kleineren, halsförmig eingeschnürten 
Tumors nach Aussen tritt (eine andere Art Papula rebellis). Die Communications- 
öffhung in der Augapfelwand ist anfänglich sehr enge, sie dehnt sich bald aber 
zu bedeutenderen Durchmessern aus, und es kommt endlich so weit, dass eine 
Hälfte ihres Saumes von der Sclera, die andere von dem Cornealparenchym 
gebildet wird. Es fehlt dann ein kleines Bogenstück der sonst vollkommen 
durchsichtigen Randsubstanz, ist wahrscheinlich per detritum untergegangen; jener 
Theil des Lochrandes, welcher von blätteriger Cornealsubstanz gebildet wird, 
zeigt aber stets eine hofartige Trübung und an der den Hals des Carcinomes 



Zerstörung der Cornea bei Krebsen der Bulbushöhle. 187 

berührenden Fläche geschwürige Consumüon. Das Mikroscop weist aber nie einen 
Uebergang des Carcinoms in die Hornhaut nach, es ist immer ein genuin, faser- 
stofflg albuniinöses Exsudat, welches den an den Hals des Aftergebildes an- 
stehenden blättrigen Theil des Cornealparenchyms intiltrirt und durch Eilermeta- 
niorphose der neugebildeten Formelemente zerstört. Ich sah nussgrosse Krebs- 
geschwülste aus der Iris und dem Ciliarmuskel zwischen Cornea und Sclera 
nach aussen tretend, nie aber einen Uebergang des Krebses auf die Hornhaut, 
obwohl sie ansehnliche Parthien des vordem Theils des episcleralen Gewebes 
intiltrirt hatten. Sie waren immer von unversehrter Conjunctiva überzogen, 
die nur an dem Theile der Geschwulst fehlte, welche unmittelbar von blätterigem 
Cornealparenchym umgrenzt wurden. 

§ 358. Diese Substanzverluste des Hornhautrandes führen mich auf 
Zerstörungen der Cornea in grösserem Umfange. 

Es trübt sich nämlich häufig im Gefolge tief in der Augapfelhöhle wuchern- 
der Krebsmassen die Cornea ihrer ganzen Ausdehnung nach. Das die Trübung 
bedingende Exsudat ist dann ganz gewöhnlich gutartiger Natur , ein genuin 
faserstoffig albuminöses, es entwickelt keine Krebselemente, sondern geht eher 
die Eitermetamorphose ein und begründet so ein Geschwür, das den bereits 
geschilderten Formen vollkommen entspricht. 

Mit seiner Durchbohrung entleert sich gewöhnlich die Linse und der Glas- 
körper, der Druck, unter welchem der Inhalt des Bulbus stand, vermindert 
sich. Mitunter schliesst sich dann die üeffnung wieder unter der Form einer 
Narbe. Es scheint sogar, als ob dieser Process bisweilen der Wucherung 
des Krebses im Innern des Augapfels Schranken setzen könne, denn ich sah 
drei Fälle, in welchen der geschrumpfte atrophische Augapfel ganz mit Krebs- 
masse gefüllt in Gestalt eines bohnengrossen Knötchens an der Seite eines enorm 
grossen Tumors haftete, welcher in dem Orbitalgewebe wurzelte. 

Gewöhnlich breitet sich aber das Geschwür aus, die ganze Cornea geht 
im Verschwärungsprocesse unter, worauf der in der Netzhaut oder Uvea fus- 
sende Krebs die Scleralöffnung passirt und nach aussen tritt. 

Dieser Ausgang ist aber nicht immer durch einen Verschwärungsprocess 
bedingt, mitunter geht die Cornea unter solchen Verhältnissen mit einem Male 
durch Erweichung oder Brand verloren, sie fällt ab. Die Erweichung, 
der Brand kann nicht allein auf Beclumng des vermehrten Druckes geschrieben 
werden, unter welchem die Bulbuswände nach Anbildung des Krebses stehen, 
denn ich sah viele Fälle, in welchem der ganze hintere Augapfelraum von 
Krebs erfüllt war, ohne dass die Linse und Cornea getrübt oder gar zerstört war. 
Es wäre sehr leicht möglich, dass die Yegetationsstörung der Hornhaut unter 
solchen Verhältnissen durch Verstopfung jener Quelle herbeigeführt wurde, welche 
den Humor aqueus absondert, ich fand totale Vernichtungen der Cornea am 
häufigsten an Augäpfeln, deren Ciliarfortsätze und überhaupt der vordere Aug- 
apfelraum von Krebsmassen erfüllt waren. 

§ 359. Ich habe mich in der Schilderung dieser Verhältnisse etwas weiter 
ausgelassen als es vielleicht dem Systeme entspricht, welches ich meinem Werke 
unterlege. Indess ist das System nicht Zweck, es ist Mittel und die kleinen 
Abweichungen dürften sich durch die Nothwendigkeit, gleich hier eine Einsicht 
in den Krebsbildungsprocess der Hornhaut zu eröffnen, entschuldigen lassen. 



188 Medulläre Cornealcarcinome. 

Ich habe mit diesen Mittheilungen zugleich einen bedeutenden Theil der Aetio- 
logie des Cornealcarcinoms erschöpft. Weiter vorschreitend auf diesem Felde 
gelangen wir in immer dichteren und dichteren Nebel. Die herrlichen Gestalten, 
welche die ältere naturpliilosophische Schule daraus zu formen wusste, sind 
lange vor dem kritischen Auge der neueren Medizin wie Spreu zerstoben. Nur 
so viel ist Thatsache der Beobachtung, dass dem Krebsbildungsprocesse in den 
meisten Fällen eine bestimmte Anomalie des Blutlebens zu Grunde 
liege. Wenn damit nun auch keine Einsicht in die Causalmomente gegeben, 
der Fragepunkt nur um ein kleines weiter hinausgerückt ist, so lange uns das 
Wesen dieser Krebse so wenig bekannt ist, als jetzt, so ist damit doch ein 
sehr wichtiges prognostisches Moment gegeben, und in dieser Beziehung 
die Berücksichtigung der Dyscrasie vom naturwissenschaftlichen Standpunkte so 
gut geboten wie von jedem andern. 

Leider äussert sich dieselbe durch keine auffälligen Symptome, ausser sie 
wäre denn zu hohen Graden gediehen, und es bleibt in den meisten Fällen 
unentschieden, soll der Krebs auf allgemeine Bluterkrankung zurückgeführt, 
oder aber als rein locales Leiden betrachtet werden und dieses selbst dann, 
wenn der Krebs offenbar eine Folge der Einwirkung äusserer mechanischer 
oder chemischer Schädlichkeiten ist. 

Exstirpationen solcher örtlich scheinender, durch locale Gelegenheits- 
ursachen in ihrer Entwickelung angeregte Krebse haben so häufig einen Nach- 
wuchs des Carcinoms, ja das Auftreten dieses Aftergebildes an den verschie- 
densten Organen des Körpers zur Folge, dass man beinahe glauben sollte, dass 
die Entwickelung des ursprünglichen Krebsherdes schon unter der Aegide eines 
allgemeinen krebsigen Blutleidens zu Stande gekommen sein müsse, oder aber 
der Bestand des ersteren den des zweiten nothwendig nach sich ziehe. 

§ 360. Die Erscheinungen, welche hohe Grade der Krebs- 
dyscrasie bezeichnen, gehören füglich in den Bereich der speciellen 
Pathologie, ich verweise auf diese. 

Auch die das Carcinom in dem Hornhautparenchym begleitenden ört- 
lichen Symptome sind dieselben, welche bei solchen Aftergeschwülsten an 
anderen Körperlheilen zu beobachten sind. Sie reduziren sich fast immer auf 
mehr weniger intensive Injektionsröthe der Conjunctiva und auf Schmerzens- 
äusserungen des Kranken. Indess können diese beide Erscheinungen fehlen. 
Der Hornhautkrebs kann ohne alle bedeutende Blutanhäufung in der Conjunctiva 
vor sich gehen. Die varicosen Ausdehnungen, Avelche als charakteristisch an- 
gegeben werden, sind nichts als Folgen mechanischer Beeinträchtigung des 
venösen Blutlaufes, sie sind nicht in dem Hornhaulkrebse bedingt, sondern 
in der carcinomatösen Entartung nachbarlicher Gebilde. Ebenso sind die Stö- 
rungen der Sensibilität, welche der Krebsbildungsprocess anregt, nicht constant, 
und falls sie vorhanden sind, ist die Entscheidung schwer, in welchem der 
gleichzeitig affizirten Organe die Nerven alterirt werden. 

Im allgemeinen lässt sich sagen, dass die carcinomatöse Entartung mit 
desto intensiveren Circulationsstörungen der Nachbargebilde und mit desto hef- 
tigeren lancinirenden oder reissenden Schmerzen einhergehe, je rascher der 
Verlauf, je schneller seine Volumszunahme ist. 

§ 361. Es gibt Krebsgeschwülste, welche auf dem vordem Umfange 



Verlauf, Ausgänge. 189 

des Augapfels entwickelt, unter den Erscheinungen einer stürmischen Entzündung 
und unter lebhaften Schmerzen binnen wenig Wochen zu enormen Grössen 
airwachsen, andere wieder, welche als kleine Knötchen der vorderen Augen- 
wand entsprossend, kaum bemerkt, viel weniger aber von dem Kranken be- 
achtet werden. Jahre vergehen oft und das Aftergebilde ist kaum erbsen- 
oder bohnengross geworden, es ist schmerzlos und seine Umgebung ohne alle 
Spur einer krankhaften Alteration. Nicht selten geht die Wucherung schub- 
weise vor sich. Mit oder ohne gegebene äussere Ursache congestionirt sich 
der Boden des Krebses, der Knoten wird schmerzhaft und in Kurzem hat er 
sich auf das doppelte, dreifache seines früheren Volumens erhoben. Nun geht 
die Hyperämie zurück, die Schmerzen hören auf, die Geschwulst bleibt wieder 
scheinbar stehen ohne sich weiter zu vergrössern, bis ein neuer Nachschub 
beginnt. 

§ 362. So kann der Krebs jahrelang, bis zu dem anderweitig begründeten 
Tode des Individuums fortexistiren , ohne seine bösartige Natur zu verrathen. 
Ja aus der Analogie mit Krebsen an anderen Körpertheilen lässt sich sogar die 
Möglichkeit einer spontanen Heilung erschliessen , indem die Zellen den 
Verfettigungsprocess eingehen, zu Körnchenzellen werden, deren weitere Zer- 
fällung in emulsionsartige Flüssigkeit die Resorbtion möglich macht, oder aber 
indem neben diesem Processe auch eine Verschrumpfung, eine Obsolescenz, eine 
Verkalkung etablirt wird, so also dass der Krebs durch die Uebergangsform 
des reticulirten Carcinoms entweder durch Verseifung oder durch Atrophie 
in einfaches Narbengewebe verwandelt wird. Sollte sich Ritterichs 1S6 Fall 
als ein medulläres Carcinom der Cornea deuten lassen, so gäbe er ein eben 
so schönes als seltenes Beispiel dieses Processes. 

Weithin in den meisten Fällen führt der Krebs aber zum Tode, indem 
er sich mehr und mehr ausbreitet und selbst bis zu dem Gehirn fortschreitet, 
oder indem in Folge des nach und nach sich etablirenden oder präexistenten 
Blutleidens lebenswichtige Organe durch Krebsbildung funktionsuntüchtig wer- 
den, gewöhnlich aber durch Erschöpfung der Kräfte. Der Hornhautkrebs ver- 
jaucht nämlich sehr gern und bald, bevor er ansehnliche Grössen erreicht hat, 
ein Vorgang, der durch die Berührung mit der athmosphärisohen Luft wesentlich 
begünstiget zu werden scheint. Enorme Quantitäten jauchigen Secretes ergies- 
sen sich aus der freien, in Form tiefer Geschwüre arrodirten, Oberfläche und 
nehmen einen kaum erschwinglichen Aufwand von Säften in Anspruch. Kommt 
dazu noch die Necrose, der Brand einzelner Parthien und consecutive Zer- 
störung von Gefässen, reichliche Blutungen aus deren angefressenen Zweigen 
und Stämmen, so ist Anämie, Tabes die nächste Folge. Nur äusserst selten 
liegt in der Vereiterung oder Nekrose der Weg zur Heilung, fast immer ge- 
schieht es, dass der Kranke stirbt. 

Sechster Artikel. 

Lupus corneae. 

§ 363. Das lupose Exsudat schliesst sich durch die äussere Form , unter 
welcher es auf der Oberfläche und in dem Parenchyme der Hornhaut auftritt, 
so wie durch seine verderbüchen Folgen einiger Maassen dem Carcinome an. 



190 Lupus corneae. 

Besonders auffallend ist bisweilen seine Aehnlichkeit mit dem Epidermoidal- 
krebse und die Beschreibungen, welche die alte Schule von dem fressenden 
Krebsgeschwüre der Augenlider , der Bindehaut u. s. w. gibt , lassen mit 
Grund vermuthen, dass unter diesen Namen der Lupus und der Epidermoidal- 
krebs meistenteils zusammengeworfen wurden. Diese Vermuthung gewinnt an 
Halt durch das Schweigen , mit welchem die oculistischen Schriften über jene 
Formen der Ophthalmie hinweggehen, welche den Lupus faciei bisweilen be- 
gleiten, denn es ist nicht zu glauben, dass sämmtliche ophthalmologische Schrift- 
steller der Gelegenheit zu solchen Beobachtungen ermangelt hätten 187 . 

§ 364. Es ist nicht bloss der Lupus, wie ihn unsere deutschen Gauen 
aufzuweisen haben, welcher sich auf der Cornea localisiren kann, auch dessen 
verschiedene, durch mannigfaltige endemische Verhältnisse modificirten Species, 
Cdie Badesyge, Facaldine, Estiomene, der Scarlievo, Morbus dittmarsicus und 
tauricus , der Spedalsked, die Lepra etc.) in ihrer knotigen Form treten auf der 
Cornea in die Erscheinung. 

§ 365. Die Häufigkeit des Lupus in gewissen Gegenden bedingt natür- 
lich auch eine reichlichere Gelegenheit, denselben auf den Gebilden des Ge- 
sichtsorganes zu beobachten, es sind daher auch vornehmlich Monographien 
über die genannten speciellen Formen dieser Krankheit und ethnographische 
Werke, welche des Lupus im Auge gedenken und denselben einer genaueren 
Erörterung würdig erachten. Leider wurden jedoch unter dem Namen der 
Ophthalmia leprosa fast immer höchst verschiedenartige Complicationen 
des Lupus faciei zusammengeworfen, und selbst das Wesen der eigentlichen, 
endemischen Krankheit verkannt. Erst in der letzten Zeit sind Werke ver- 
öffentlicht worden , welche eine genaue Einsicht in den Process der Ophthalmia 
leprosa gestatten 188 . 

Es geht daraus hervor, dass die genannten endemischen Krank- 
heiten sehr strenge zu sondern seien inzwei höchst differente 
Formen. 

Die eine derselben charakterisirt sich durch reichliche Exsudalion eigen- 
thümlicher Produkte in das Derma und deren Auftreten in knotigklumpigen 
Massen, sie erweist sich als Lupus im eigentlichen Wortsinne. 

Die andere derselben aber äussert sich als Lähmung der sensiblen Nerven, 
Behemmung der secretorischcn Thätigkeilen und Nutritionsstörungen, ihr End- 
punkt ist Atrophie, so wohl im Auge, als auch in anderen Körpertheilen. 
Sie wird als anästhetische Form geschildert und findet ihren Ausgangs- 
punkt in reichlichen Exsudationen dicker seroalbuminöser und plastischer Exsu- 
dationen aus den injicirten Hüllen des immer theilweise atrophisirenden Gehirns 
und Bückenmarkes , pathologische Veränderungen , welche häufig auch einzelne 
Nerven treffen, und dann die Beschränkung der die Lepra anästhetica consti- 
tuirendcn Krankheilserscheinungen auf scharf umschriebene Begionen des Körpers 
erklären. So ist für die Lepra anästhetica des Gesichtes massige Exsudation 
von dicken , opaken , seroalbuminösen Produkten um das Ganglion Gasseri und 
in sein Parenchym 189 das pathogenetische Moment, aus diesem lassen sich 
die Gefühllosigkeit im ganzen Ausstrahlungsterrain des Quintus als erstes Symptom, 
die enorme Trockenheit des Auges und die endliche Atrophie des letzteren so 



Wesen. 191 

wie seiner Hüllen zwanglos ableiten. Es ist hier die Atrophie der Hornhaut 
eine Theilerscheinung eines über den ganzen Bulbus und seine Umgebungen 
verbreiteten Pröcesses, sie ist nicht nur secundär in Bezug auf das Grundleiden, 
sondern auch secundär in Bezug auf die in dem Augapfel selbst zur Wahr- 
nehmung kommenden Veränderungen, sie ist evidenter Massen begründet in 
der Versiegung des Kammerwassers als Folge der Alteration der Ciliarfort- 
sätze , ich ziehe es daher vor, diese Form der Lepra in einem späteren Buche, 
bei Gelegenheit der Krankheiten der Uvea abzuhandeln, und mich hier auf die 
Schilderung der lupösen Form zu beschränken. 

§ 36G. Nach dem , was bereits über den Lupus im Auge bekannt ist, 
erscheint das lupöse Exsudat, niemals primär auf der Hornhaut, sondern ist 
daselbst stets eine secundär e Affektion, bedingt durch allmälige Ausbrei- 
tung eines lupösen Exsudationsherdes von dem Derma der Lider auf die Con- 
junctiva und von hier auf die Cornea. Der Lupus der Cornea setzt, immer ein 
vorläufiges Ergriffensein der Lidhäute und der Conjunctiva voraus und dieses 
um so bestimmter, als selbst eclatante lupöse Tuberkel, welche aus dem 
Parenchym der Iris emporwuchern , auf die Cornea nicht übergreifen , sondern 
nach jahrelangem Bestände erst das Auge der Atrophie, in sehr seltenen Fällen 
aber der allgemeinen Vereiterung zuführen 19 °. 

Doch nicht jedes Exsudat, welches unter dem Verlaufe 
eines lupösen Pröcesses auf den Lidern und der Conjunctiva im Bereiche der 
Cornea erscheint, ist lupös, im Gegentheile, in weithin den allermeisten Fällen 
weist seine äussere Form, seine Färbung und der jahrelange Bestand, ohne 
für die Existenz der Cornea im geringsten verderblich zu werden, die gänzliche 
Verschiedenheit von lupösen Produkten nach. Es erscheint als ein genuin 
faserstoffiges Produkt, welches unter dem Verlaufe einer einfachen oder 
mit Gefässentwickelung verlaufenden Keratitis, gewöhnlich ganz oberflächlich, 
auf die Cornea abgelagert wird, sich späterhin in eine mehr weniger aus- 
gebreitete, sehnig-weisse Neubildung mit verwaschenen Bändern organisirt und 
in jeder Hinsicht mit einem Epithelialfleck oder einem wahren Leucome über- 
einkömmt, Wo immer ein Lupus in der Augengegend zur Entwickelung 
kömmt, fehlen diese Trübungen auf der Cornealoberfläche niemals. 

Die sie bedingende Keratitis kann mitunter in Parallele gestellt 
werden mit jenen Hornhautentzündungen, welche sich bei Ectropien der Lider, 
Exophthahnis entwickeln, doch nicht immer, denn die Trübungen sind der 
Begel nach schon vorhanden, wenn die Lider weder durch Schrumpfung noch 
durch Schmelzung eingelagerter lupöser Produkte verkürzt gefunden werden, 
und die Lidspalten noch vollkommen gut schliessen. Es ist diese Keratitis ganz 
einfach eine Folge der zeitweiligen Steigerung eines continuirlichen Beizungs- 
zustandes, in welchem sich die Umgebung des eigentlichen Exsudationsherdes 
befindet. Es bedarf nur einer sehr unscheinbaren Gelegenheitsursache, um im 
Bereiche dieses Congestionsringes jene Verhältnisse hervorzurufen, weiche 
Exsudationen bedingen. Hört diese Gelegenheitsursache, welche auch ein 
Nachschub lupöser Produkte auf den Lidern und der Conjunctiva sein kann, 
auf zu wirken, so sinkt der Beizungszustand im Umkreise des Herdes wieder 
auf geringere, zur Exsudation plastischer Stoffe ungeeignete Stufen herab, die 
gelieferten Produkte organisiren weiter, bis ein neuer Ausschwitzungsprocess 



192 Lupus corneae. 

beginnt, oder endlich der Lupus selbst sich auf die Cornea per contiguum aus- 
gebreitet hat. 

§ 367. Nach meinen eigenen Erfahrungen und nach dem, was ich aus 
den Schriften Anderer entnehmen kann, lässt sich der Uebergang des Lupus 
auf die Cornea und das Bild des Hornhautwolfes folgender Maassen schildern: 

Nachdem die lupöse Exsudation in dem Derma der Augenlider und 
deren subcutanen Gewebe zu einem gewissen Grade von Entwickelung ge- 
kommen ist, geht der Process auf die Conjunctiva über, selbe röthet sich 
mit einem Stiche ins blaue, schwillt enorm an. Es entwickeln sich gelbliche, 
erbsen- bis bohnengrosse , ziemlich harte, rundliche Knoten, die in dem sub- 
conjunctivalen Gewebe sitzen, und sich besonders rings um die Cornea anhäufen, 
einen gelb-röthlichen, höckerigen Wall bildend. 

Noch bevor diese Knoten den Verschwärungsprocess eingehen, trübt sich 
die Hornhaut durch oberflächliche Ablagerung und durch Infiltration eines 
gelatinösen, bald gelblich werdenden, schmierigen Exsudates, das Epithel wird 
rauh succulent, offenbar verdickt. Bald erscheinen zahlreiche Blutpunkte und 
Gefässe, die die Oberfläche mit einem dichten Netze bedecken und, in grössere 
Stämme sich sammelnd, in centrifugaler Richtung der geschwellten und knotig 
infiltrirten Conjunctiva zuströmen. Es entspricht dieses Stadium dem lupus 
maculosus der äusseren Haut und ähnelt bis auf die eclatant gelbliche Fär- 
bung des Exsudates, einer Folge des enormen Fettgehaltes, einem gewöhnlichen 
Pannus, durch den hindurch man noch die Iris erblicken und der Kranke 
grössere Gegenstände wahrnehmen kann. 

Doch sehr bald mehrt sich das Exsudat, namentlich auf der Oberfläche. 
Ich sah es unter der Form einer 0'".5 dicken, gelb-röthlichen, von vielen 
Gelassen durchzogenen, succulenten, dabei aber ziemlich consistenten , fein- 
körnigen, stellenweise grobwarzigen Schichte die ganze Oberfläche der Horn- 
haut bedeckend und ohne Lnterbrechung in den gleichfarbigen Conjunctivalwulst 
übergehen, so dass kaum die Grenze der Cornea und der Sclera von Aussen 
her unterschieden werden konnte, der Lupus corneae in diesem Entwickelungs- 
grade lässt sich mit dem Lupus hypertrophicus des Derma an die Seite 
stellen. 

Bei der mikroskopischen Untersuchung eines mittelst des Staar- 
messers unter ziemlich reicher Blutung exstirpirten, blattförmigen Stückes aus 
der oberflächlich aufgelagerten Exsudatschichte fand ich dieselben Elemente, 
welche die knotigen Geschwülste der Conjunctiva formirten mit Ausnahme 
älterer kernhaltiger Epithelialplatten, welche diese Bindehauttuberkeln deckten. 
Die äusserste Schichte des Cornealproduktes wurde aus lauter unregelmässig 
eliptischen Zellen von 0'".0037 — 0'".0055 Breite und 0"'. 0092 — 0'". 011 
Länge gebildet, die eine scharfe, halbdunkle, durch Aetzkalilösung schärfer 
hervortretende Contour, wasserhellen Inhalt und 1 — 2 dunkelgranulirte , mit 
einem Hofe von fast schwarzen Körnchen umgebene Kerne erkennen Hessen, 
und sofort als junge Epithelzellen mit beginnender Fettmetamorphose ihres 
Inhaltes zu befrachten sind. Eine reichliche strukturlose, mit feinen, staub- 
ähnlichen, lichten Molekülen durchstreute, trübliohe, nur hier und da ganz 
undeutlich faserstreifige Grundmasse verband sie. In dieser Grundmasse fand ich 
der Masse nach vorwiegend eine ganz ungeheure Anzahl von kleinen Fetfkügelchen 



Anatomische Charaktere. 193 

und Fettbläschen mit schwarzer Contour und wasserhellem Gentium, die grösstcn- 
theils isolirt, stellenweise aber auch in ganz formlose Plaques ohne bestimmte Be- 
grenzung conglomerirt waren und den Objekten ein dunkel punktirtes Ansehen 
gaben. In den tieferen Schichten waltete diese Grundmasse mehr vor, und es er- 
schienen die Zellen in niederen Entwickelungsgraden, in Formen, wie sie einfachen 
Exsudaten ganz jugendlichen Alters zukommen. Es erschienen bläschenartige 
wasserhelle oder bereits trübliche Kerne mit 1 — 3 Nucleolis; sehr viele Kerne mit 
sehr dunkel granulirtem Inhalte, eine Menge blasser Blutkörperchen der verschie- 
densten Grösse, von ovaler, platter Form; eine Unzahl Zellen von 0'".005 — 
0"'. 007 Durchmesser, mit wasserhellem Inhalte und kleinen runden excentrischen 
Kernen; endlich hier und da auch Mutterzellen mit 3 — 4 Tochterzellen. Nir- 
gends aber waren Uebergangsformen der Zellen und Kerne zu Fasergewebe 
nachzuweisen. Es waren Produkte, die auf der Stufe embryonaler Gestaltung 
stehen bleibend, die Fettmetamorphose eingingen. Ich fand keine entwickelten 
Körnchenzellen, es scheint der Grund darin zu liegen, dass die reiferen, ent- 
wickelteren Zellen der oberflächlichen Exsudatschichten, welche in der körnigen 
Granulation ihres Inhaltes den Beginn des Verfettigungsprocesses andeuteten, zu 
rasch abgestossen wurden, als dass sie sich vorläufig zu wahren Körnchenzellen 
umwandeln konnten. Fürwahr ist aber auch die Secretion der krankhaften 
Conjunctiva und Cornea in diesem Falle eine sehr reichliche, eiterähnliche 
gewesen, und die Untersuchung des gelieferten Produktes wies eine sehr grosse 
Menge der oben beschriebenen Zellen darin nach. 

Die Analogie dieser Abstossung oberflächlicher Exsudatschichten von der 
Cornea mit der Abschilferung des Lupus exfoliativus an der äusseren Haut 
ist ganz auffallend. Die Verschiedenheit in der äusseren Form dieses Processes 
ist keine wesentliche, sondern nur in der reichlichen Durchtränkung des Corneal- 
exsudates mit Thränenfeuchtigkeit bedingt, welche nicht gestattet, dass das 
Produkt zu trockenen Platten und Fetzen verdorre, ehe es zum Abfallen ge- 
bracht wird. 

Aus den Beobachtungen anderer Autoren ergibt sich auch das nicht so 
seltene Auftreten des Hornhautwolfes in tuberculirter Form, ja es geht aus 
ihnen sogar hervor, dass die knotige Ballung des lupösen Produktes als Begel 
zu betrachten sei. Das lupöse Exsudat sammelt sich an einzelnen Stellen der 
Cornea mehr an und formirt so bräunliche Knoten von grösserem und kleinerem 
Caliber. Das stellenweise warzige Ansehen der Produktschichte in meinem Falle 
dürfte sich als eine Uebergangsform des Lupus hypertrophicus zum Lupus 
tuberculatus betrachten lassen. 

§ 368. Durch fortgesetzte Schmelzung und Abstossung des, immer tiefere 
und tiefere Interlamellarräume infiltrirenden, lupösen Exsudates, besonders aber 
durch Erweichung einzelner tief sitzender lupöser Knoten werden häufig 
Durchbohrungen der Hornhaut gesetzt. Ist die Oeflhung klein, so fällt 
die Iris vor und inflltrirt sich bald auch mit lupösem Exsudate; wächst sodann 
die Perforationsöffnung wegen weiterer Schmelzung ihrer Bänder, oder war 
sie gleich Anfangs eine sehr grosse, so entleert sich der Augapfelinhalt, der 
Bulbus sinkt zusammen, er geht phthisisch zu Grunde. 

Häufiger dürfte jedoch nach Danielsen's und Böck's Schilderung 191 die 
lupöse Exsudation aus der Iris noch früher zu Stande kommen, als die Cornea 
Stellwag, Ophthalmologie. I. 13 



194 Ständige Entwickelungsformen der Comealexsudate. 

durchbohrt wird. Nachdem die Cornea ihrer ganzen Dicke nach im Bereiche 
des Knotens infiltrirt ist, wird die Pupille irregulär, die Vorderkammer füllt sich 
mit gelb -weisser Tuberkelmasse, der Bulbus schwillt zu einer unförmlichen, 
aus der Lidspalte hervorragenden Masse an, welche endlich in ihrer ganzen 
Dicke auf einmal zu schmelzen beginnt und den Bulbus als ein kleines drusiges 
Knötchen zurücklässt. 

§ 369. Die begleitenden Erscheinungen des lupösen Exsuda- 
tionsprocesses auf der Hornhaut sind zum grossen Theile in dem Vorhergehenden 
bereits geschildert. Die Krankheit verläuft schmerzlos und trotz ausgebreiteter 
Zerstörungen ist häufig auch nicht die geringste Spur einer Alteration in dem 
Allgemeinbefinden der Kranken zu entdecken. Nur dann, wenn sich bereits 
Exsudation im Inneren des Augapfels etablirt, sind heftige Augenschmerzen 
vorhanden und sie steigern sich bis zu der totalen Schmelzung, worauf der 
Kranke wieder zu relativem Wohlsein gelangt. 

§ 370. Das ganz gewöhnlich blühende Aussehen der Ergriffenen und 
ihr allgemeines Wohlbefinden so wie die Unmöglichkeit, irgend welche, auf 
Erkrankung der inneren, lebenswichtigen Organe hinzeigende Symptome zu 
eruiren, macht die Zurückführung des Processes auf eine Dyscrasie häufig 
ganz unthunlich 192 und die Annahme einer scrofulosen oder syphilitischen 
Begründung eben so willkürlich, als der Nachweis einer specifischen lupösen 
Dyscrasie schwierig ist. 

§ 371. Der Verlauf ist gewöhnlich ein äussert langsamer, Jahre lang 
sich hinziehender. In dem von mir beobachteten Falle bestand der Lupus an 
der Gesichtshaut schon seit vielen Jahren, an dem rechten Auge seit zwei 
Jahren, ohne das Krankheitsbild sonderlich modificirt zu haben. Im Allgemeinen 
geht aber der Process racher bei Kindern, wo er fast immer neben Erschei- 
nungen der Scrofulose einherschreitet. 

§372. Die Möglichkeit der Heilung ist gegeben, selbst der spontanen, 
obwohl selbe bisher durch keinen Fall in den ophthalmologischen Schriften 
nachgewiesen worden ist, der Analogie mit dem Lupus der äusseren Haut zu 
Folge dürften aber immer ausgebreitete narbige Trübungen der Hornhaut 
zurückbleiben. Gewöhnlich ist aber p h Musische Co nsumtion des Aug- 
apfels die Folge. 

Zweites Hauptstück. 
Die ständigen Entwickelungsformen der Hornhautexsudate, 

§ 373. Das vorhergehende Capitel schildert die Hornhautexsudate als 
ein in Metamorphose Begriffenes, es verfolgt das Leben und Weben der ein- 
zelnen Formelemente in ihren mannigfaltigen Entwickelungsphasen. Die diffe- 
renten Gestaltungen der Formelemente erscheinen als Uebergänge, als Zwischen- 
glieder, mittelst deren das krankhafte Produkt entweder resorbtionsfähig , oder 
zur Abstossung geeignet wird, oder aber Entwickelungsstufen erklimmt, auf 
welchen angelangt, es wohl noch einem fortgesetzten Stoffwechsel unterworfen 
ist, seine äussere Gestalt und die Textur aber wenig oder gar nicht mehr 
ändert, eine ständige Form behauptet. 



Catoptrische Verhältnisse. 195 

§ 374. Solche ständige Entwickelungsformen der Hornhautexsudate sind 
Epithel, lockeres Bindegewebe, faserig scholliges Narben- 
gewebe, Verknöcherungen, Verkalkungen und anomale Fett- 
bildungen. 

Selten steht eine oder die andere dieser Neubildungen allein und rein 
da, sie mischen sich der Regel nach unter einander in den mannig- 
falligsten Combinationen und den verschiedensten Quantitätsverhältnissen. 

§ 375. Doch so variabel auch die innere textuelle Zusammensetzung 
sein möge, ein Charakteristieum, und gerade das auffälligste ist allen diesen 
Neoplasien gemeinsam. Es ist dieses der Mangel an optischer Gleich- 
artigkeit in ihrem Gefüge und die darin begründete Eigen- 
schaft, auffallendes Licht unregelmässig zu zerstreuen. 

§ 376. Jedes Element der Neoplasie lässt sich als Ausgangspunkt einer 
kugelförmigen Lichtwelle betrachten, welche theils durch das im Welträume 
diffundirte Licht, theils durch Licht angeregt wird, welches von äusseren 
Objekten zurückgeworfen auf das Neugebilde trifft. 

§ 377. Ein Theil dieser kugelförmigen, nach allen Richtungen gleich- 
massig fortschreitenden Wellen verbreitet sich in der Aussenwelt, und ver- 
mittelt, als sogenannter reflectirter Antheil, die Sichtbarkeit der Neo- 
plasie als eines trüben, je nach der Constitution der einzelnen Formelemente 
verschiedenfarbigen Fleckes. 

Die Intensität der seeundären Wellen wächst, wie aus den Gesetzen der 
Optik bekannt ist, mit der Erleuchtungsintensität jenes Elementes, von welchem 
die Welle ausgeht. Die absolute Helligkeit der Neubildung, d. h. die absolute 
Lichtmenge, welche von der Neoplasie nach einer bestimmten Richtung aus- 
geht, wird daher um so grösser sein, der Fleck wird um so intensiver, 
gesättigter gefärbt erscheinen, je stärker die Erleuchtung desselben ist und je 
mehr Elemente der Neubildung das Licht zerstreuen, je mehr ihr Gefüge 
optisch ungleichartig ist. 

Daher erscheinen bei gleicher Erleuchtungsintensität verkalkte Exsudate 
von gesättigterer Färbung als Epithelialneubildungen, und diese gesättigter als 
lockeres Bindegewebe, wenn es nicht sehr gefässreich ist, und als die faserig 
schollige Narbe. 

Ein Sektor jeder der an der Oberfläche der Neoplasie angeregten seeun- 
dären Wellen schreitet mit dem direkten, durchgelassenen Lichte in gleicher 
Richtung vorwärts. Trifft es auf diesem Wege eine neue Schichte optisch 
ungleichartigen Gefüges, so wiederholt sich der an der Oberfläche stattgehabte 
Process, und so geht es in jeder weiteren Schichte fort, es wird immer wieder 
ein neuer Theil des auffallenden Lichtes reflektirt, und sofort die Sichtbarkeit 
des Hornhautfleckes vermehrt. Es wächst dessen absolute Helligkeit nicht nur 
mit der Stärke der Erleuchtung, und dem Grade der optischen Ungleichartigkeit, 
sondern auch mit der Dicke der Neubildung. Sehr dünne Schichten einer 
Neubildung reflektiren nur wenig Licht, ihr Bild projicirt sich auf dem dunklen 
Augengrunde und der durchleuchtenden Iris, sie erscheinen grau oder bläulich, 
mächtigere Neoplasien aber erscheinen stets in der eigenthümlichen Farbe ihrer 
Elemente. 

13. 



196 Ständige Entwickelungsformen der Cornealexsudate. 

§ 378. Das Quantum des durchgelassenen Lichtes steht im 
umgekehrten Verhältnisse zu jenem des reflektirten, es muss daher von dem 
Lichte, welches, von irgend einem Objekte ausströmend oder zurückgeworfen, 
die Neubildung auf der Hornhaut trifft, um so weniger durchzutreten im Stande 
sein, je dicker und optisch ungleichartiger das neugebildete Gefüge ist, und je 
geringer die Erleuchtungsintensität eines Elementes der Oberfläche ist. 

§ 379. Wendet man dieses auf jene Fälle an, in welchen eine derartige 
Neubildung entweder die ganze Hornhaut oder doch den der 
Pupille gegenüberliegenden T h eil derselben verdunkelt, so 
ergibt sich, dass bei gleichbleibender Erleuchtungsintensitat der getrübten 
Cornealstelle von Seite eines äusseren Objektes um so weniger Strahlen zur 
Netzhaut kommen müssen, daher die Sichtbarkeit dieses Gegenstandes um so 
mehr abnehmen werde, je weniger die Neoplasie optisch gleichartig und 
je dicker sie ist. 

In einem bestimmten Falle, bei gleichbleibender Dicke und Zusammen- 
setzung einer Hornhauttrübung muss aber die Wahrnehmbarkeit eines Objektes 
abnehmen, je geringer die absolute Helligkeit dieses Objektes, das 
heisst, je geringer die Intensität des von jedem einzelnen Punkte des Objektes 
ausgehenden Lichtes und je kleiner die leuchtende Oberfläche des äusseren 
Gegenstandes ist. 

Sie muss ferner in eben dem Maasse abnehmen, als das Quadrat der 
Entfernungen zunimmt, und als der Sinus des Neigungswinkels der 
auf die getrübte Cornea auffallenden Strahlen abnimmt, je schiefer die Strahlen 
auf die getrübte Cornealparthie treffen. 

Es müssen daher in jedem einzelnen Falle bei ausgebreiteten und die 
Pupille überdeckenden Hornhauttrübungen sehr grell erleuchtete, stark glän- 
zende Gegenstände besser, als trübe erleuchtete und matte, grössere besser, 
als kleinere , nähere besser, als ferne , und in der verlängerten optischen Achse 
gelegene besser, als seitliche gesehen werden. 

Indem ferner der scheinbare Glanz eines Netzhautbildes ceteris paribus 
um so mehr abnimmt, je grösser sein Flächeninhalt ist, dieser aber um so mehr 
zunimmt, je weiter das Objekt ausserhalb der jeweiligen Accommodations- 
weite des Auges gelegen ist, so ist leicht ersichtlich, dass die Wahrnehmung 
eines äusseren Objektes durch eine getrübte Hornhaut um so schwieriger 
werden müsse , je weniger sich der dioptrische Apparat für eine ent- 
sprechende Ferne anzupassen fähig ist. Sehr entfernte Gegenstände, welche weit 
jenseits des Fernpunktes des betreffenden Auges gelegen sind, werden daher 
stets trüber, undeutlicher gesehen, als selbst weniger intensiv beleuchtete und 
verhältnissmässig kleinere, wenn sie innerhalb der deutlichen Sehweite stehen. 

Es ist ferner ersichtlich, dass Neoplasien, wenn sie mit Abflachung 
oder aber Verkürzung des Krümmungsradiums der Hornhaut ver- 
bunden sind, das Sehen ungleich mehr beeinträchtigen müssen, als Neubildungen, 
welche ohne Veränderung der normalen Wölbung der Cornea bestehen, denn 
es rückt im ersteren Falle die Vereinigungsweite auffallender Strahlen um so 
weiter vor oder hinter die Netzhaut, je grösser die Abweichung von der nor- 
malen Wölbung in den Oberflächen der Hornhaut ist. Augen, deren Hornhaut 
verflacht, oder narbig eingezogen oder staphylomatös ausgebaucht sind, sehen 



Dioptrische Verhältnisse ausgebreiteter CorneaKrübungen. 197 

immer schlechter, als Augen, deren Hornhaut die normale Krümmung beibe- 
halten hat, selbst wenn letztere im höheren Grade getrübt ist als erstere. 
Es wird durch die normale Krümmung der beiden Oberflächen nicht nur die 
Schärfe, sondern auch die Helligkeit und sofortige Deutlichkeit der Netzhaut- 
bilder äusserer Objekte vermindert. 

§ 380. CorneaKrübungen stören das Gesicht aber nicht blos durch Ver- 
minderurg der scheinbaren Helligkeit in den Netzhautbildern äusserer Gegen- 
stände. Sie wirken unter Umständen selbst als leuchtende Objekte 
auf die Retina. 

Ein Sektor der an jedem Elemente der Neubildung angeregten secundären 
Kugelwelle gelangt bei deren allmäliger Ausbreitung zur hinteren Corneal- 
fläche, und von hier zur Pupille und Linse. Der mathematische Calcul 
lehrt 193 , dass die diesen Sektor zusammensetzenden Strahlen nach ihrer 
Brechung in dem dioptrischen Apparate unter Winkeln auf die Netzhaut fallen, 
als kämen sie von einem vor der Hornhaut gelegenen Punkte. Es wird ein 
scheinbares, vergrössertes Bild vor der Cornea entworfen, und dieses Bild der 
Neoplasie rückt der Cornealoberfläche um so näher, je näher die lichtzer- 
streuende Neoplasie der Cornealhinterfläche gelegen ist. 

Jeder Punkt dieses scheinbaren Bildes ist als Spitze eines Lichtkegels an- 
zusehen, dessen Basis auf der Netzhaut aufsteht, und sich hier als ein Zer- 
streuungskreis projicirt. 

Die scheinbare Helligkeit dieses Zerstreuungskreises wird natürlich wachsen 
mit der Intensität der von dem entsprechenden Elemente der Neoplasie aus- 
gehenden secundären Welle m , sie wird zunehmen mit der Intensität der 
Erleuchtung und dem Grade der optischen Ungleichartigkeit. 

Was nun von Einem Elemente der Neoplasie gilt, das gilt auch von allen 
übrigen, welche Strahlen zur Netzhaut senden. Die scheinbare Helligkeit einer 
von dem unregelmässig zerstreuten Lichtantheile beleuchteten Netzhautparthie 
lässt sich als das Produkt aus der Anzahl jener neoplastischen Elemente, welche 
zerstreutes Licht auf die Netzhaut werfen und aus der Beleuchtungsintensität 
ihrer auf der Netzhaut sich deckenden Zerstreuungskreise betrachten. Das 
Produkt muss wachsen, wenn einer oder der andere Faktor wächst, wenn die 
Anzahl der optisch ungleichartigen Punkte zunimmt, und ihre Erleuchtungs- 
intensität vergrössert wird. Dieses gilt jedoch nur, wenn sämmtliche Elemente 
der Neoplasie in einer der Cornea parallelen Ebene gelegen sind. Bei merk- 
licher Dicke der Neoplasie nimmt begreiflicher Weise die scheinbare Helligkeit 
des beleuchteten Netzhautantheiles ab, und um so mehr, je weniger optisch 
gleichartig das Gefüge der Neoplasie und je dicker selbe ist, denn dann wird 
die Intensität der an den oberflächlichen Schichten angeregten secundären 
Wellen durch die lichtzerstreuende Kraft der tieferen Schichten geschwächt, 
und die Intensität der in den tieferen Lagen angeregten secundären Wellen ist 
an und für sich eine geringere wegen der Abnahme der Erleuchtung ihrer 
einzelnen Elemente. 

§ 381. Ein und dasselbe Element der Netzhaut kann die 
Wahrnehmung zweier differenter Eindrücke nicht gleichzeitig 
vermitteln, es kann weder von dem einen noch von dem anderen eine 
reine Empfindung in dem Sensorium anregen, sondern nur eine aus beiden 



198 Ständige Entwickelungsformen der Cornealexsudate. 

Eindrücken gemischte Empfindung hervorbringen, und die Empfindung des 
einen oder des anderen Eindruckes wird um so mehr vorwalten, je grösser die 
Differenz ihrer Intensitäten ist. Fallen auf eine Netzhautparthie Zerstreuungs- 
kreise von einer Neoplasie der Cornea und das Bild eines äusseren Gegenstandes, 
so muss die Wahrnehmung des einen durch die des anderen gestört werden, 
die Empfindung des einen oder des anderen Strahlensystems muss aber um so 
mehr hervorschlagen, je grösser die Differenz zwischen den sie bedingenden 
Eindrücken ist. 

Da nun die Intensität des von einem äusseren Gegenstande refiektirten 
und zur Netzhaut gelangenden Lichtes eben so, wie die Intensität des von der 
Neoplasie auf die Retina gelangenden Lichtanlheiles geschwächt wird, da beide 
im gleichen Verhältnisse um so mehr abnehmen, je dicker die Neoplasie und 
je grösser ihre optische Ungleichartigkeit ist, so kann die Mächtigkeit der 
Neubildung und der Grad ihrer optischen Ungleichartigkeit bei der Betrachtung 
jener Momente, welche Differenzen in der Intensität der Netzhauteindrücke 
hervorbringen, ganz vernachlässigt werden, es wächst der Contrast zwischen 
dem scheinbaren Glänze des Netzhautbildes äusserer Gegenstände und der von 
der Neoplasie erzeugten Zerstreuungskreise mit der Zunahme oder Abnahme 
jenes Lichtquantums, welches unabhängig von dem betreffenden äussern Objekte 
auf die Neoplasie fällt. 

Daher sehen Augen mit getrübter Cornea bei matter Beleuchtung oder 
in der Dämmerung grell erleuchtete Gegenstände mit einem braun-rothen oder 
grauen Nebel überlagert, immer aber besser als mattgefärbte oder ganz dunkle, 
umgekehrt aber im hellen Sonnenscheine dunkle Gegenstände wie mit einem 
weissen Nebel überzogen, aber besser als helle Gegenstände, wenn die Inten- 
sität des refiektirten Lichtes nicht die Intensität des im allgemeinen Welträume 
diffundirten und das Auge treffenden Lichtes überbietet. 

Es ist leicht einzusehen, dass diese letzteren Contrastwirkungen durch 
alle jene Umstände, welche die scheinbare Helligkeit des Netzhautbildes im 
gesunden Auge verändern, wie die Entfernung, die Stellung der äusseren 
Objekte u. s. w. wesentlich modificirt werden. 

§ 382. Hornhauttrübungen, welche nicht die ganze Pupille 
verdecken, werden begreitlicher Weise den scheinbaren Glanz der Netz- 
haulbilder äusserer Objekte um so mehr schwächen, einen je grösseren Antheil 
des auffallenden Lichtes sie unregelmässig zerstreuen, also je weniger optisch 
gleichartig ihr Gefüge, je dicker die sie bedingende Neubildung und je grösser 
der Flächeninhalt des der Pupille gegenüberstehenden Theiles ist. Sie beein- 
trächtigen aber nicht nur die Deutlichkeit des Sehens, sondern auch die 
Schärfe, indem jene Strahlen, welche von äusseren Objekten auf die Neoplasie 
auffallen, wegen des verschiedenen Brechungsindexes der letzteren in einem 
anderen Verhältnisse abgelenkt werden, als jene Strahlen, welche auf normale 
Parthien der Hornhaut treffen. Es bedarf wohl keiner Erwähnung, dass diese 
Störung des Gesichtes wachsen müsse, wenn die Krümmungen der getrübten 
Stellen gleichzeitig alterirt worden sind. 

Fallen aber die von der Neoplasie auf der Netzhaut erzeugten Zer- 
streuungskreise zusammen mit den Netzhautbildern äusserer Objekte, so muss 
natürlich die Deutlichkeit des Sehens, welche ohnehin durch Schwächung des 



Dioptrische Verhältnisse centrischer Hornhauttrübungen. 199 

scheinbaren Glanzes der Netzhautbilder gelitten hat, noch mehr abnehmen, es 
tritt die Wahrnehmung der von der Neoplasie erzeugten Zerstrewangskreise 
jener der Netzhautbilder hemmend in den Weg, letztere werden von einem 
dunklen Nebel oder einer lichten Wolke umflort gesehen, und der auf die 
Netzhaut gemachte Eindruck nimmt um so mehr ab, je weniger das Netzhaut- 
bild durch grossen scheinbaren Glanz oder durch Dunkelheil von dem schein- 
baren Glänze der Zerstreuungskreise conlrastirt. 

§ 383. Es kömmt nun darauf an, zu untersuchen, unter welchen Be- 
dingungen Neubildungen auf der Hornhaut Zerstreuungskreise auf der Retina 
erzeugen, und wenn diese Zerstreuungskreise mit Netzhaulbildern äusserer 
Objekte zusammenfallen können. Da das deutliche Sehen ferner ausschliesslich 
von dem in der optischen Achse gelegenen Punkte der Netzhaut und den nach- 
barlichen Elementen vermittelt wird, so stellt sich die Aufgabe, zu eruiren, 
wenn die Zerstreuungskreise auf das optische Centrum der 
Netzhaut fallen. 

Der mathematische Calcul lehrt 195 , dass von allen, dem optischen 
Mittelpunkte der Cornea nahe gelegenen Elementen einer optisch 
ungleichartigen Neoplasie Strahlenkegel ausgehen , welche das optische 
Centrum der Netzhaut treffen, dass aber die Achsen dieser Lichtkegel 
die optische Achse des Auges um so weiter vor der Netzhaut schneiden, also 
um so mehr excentrisch auf die Retina treffen, je weiter ihr Ausgangspunkt 
von dem optischen Centrum der Cornealkrümmung abseits liegt. 

Er lehrt, dass unter Einrichtung des dioptrischen Apparates für die Ferne 
bei einer Pupillenweite von 1"'.A Strahlen, welche von Einem Elemente 
derNeoplasie kommen, welches von dem optischen Mittelpunkte 
der Cornealvorderfläche weiter entfernt ist, als 0'".59, nicht 
mehr auf das optische Centrum der Netzhaut fallen, 
daher das deutliche Sehen eines äusseren Objektes nicht mehr beeinträchtigen 
können. 

Der mathematische Calcul lehrt ferner, dass die von einem gegebenen 
excentrischen Elemente einer Neoplasie der Cornea ausgehenden Strahlen um 
so mehr excentrisch auf die Netzhaut fallen, je mehr sich die Pupille ver- 
engt, so zwar, dass während der Accommodation des Auges für die Ferne bei 
einem Pupillendurchmesser von 0"'.1& bereits Zerstreuungskreise jenseits des 
optischen Netzhautcentrums auffallen, deren Ausgangspunkte über 0'" . 321 von 
dem optischen Mittelpunkte der Cornealvorderfläche abstehen. 

Der mathematische Calcul lehrt endlich, dass die Achse eines Strahlenkegels 
um so weiter entfernt von dem optischen Centrum auf die Netzhaut treffe, je 
näher bei gleichbleibender PupUlenweite das scheinbare Bild seines Ausgangs- 
punktes der Cornealvorderfläche rückt, dass also die excentrische Lage der Zer- 
streuungskreise um so mehr zunimmt, je näher der hinteren Corneal- 
fläohe das Element der Neoplasie gelegen ist, und für je kürzere 
Distanzen sich das Auge accomodirt. 

§ 384. Central gelagerte Neoplasien auf der Hornhaut weifen 
demzufolge unter allen Verhältnissen Zerstreuungskreise auf das Centrum der 
Netzhaut, und müssen, abgesehen von der Verminderung des scheinbaren Glanzes 
der Netzhautbilder, die Deutlichkeit und Schärfe ihrer Wahrnehmung durch das 



200 Ständige Entwickelungsformen der Cornealexsudate. 

von ihnen unregelmässig zerstreute und zur Netzhaut gelangende Licht direct 
beeinträchtigen. 

Diese Beeinträchtigung des deutlichen Sehens muss um so grösser werden, 
je geringer der Contrast zwischen der scheinbaren Helligkeit der Netz- 
hautbilder und der von der Neoplasie auf gleiche Stellen der Netzhaut ge- 
worfenen Zerstreuungskreise ist, oder je mehr die scheinbare Helligkeit der 
letzteren bei gleichbleibender scheinbarer Helligkeit der ersteren zunimmt. Bei 
gleichbleibender Erleuchtung der Neoplasie von Seite des im allgemeinen Welt- 
räume diffundirten Lichtes oder aber einer anderweitigen Lichtquelle wird 
demnach die Wahrnehmbarkeit eines äusseren Objektes abnehmen, je kleiner 
dasselbe ist, je geringer die absolute Menge des einem physischen Elemente 
seiner Oberfläche entströmenden Lichtquantums ist, je weiter dasselbe von dem 
Auge absteht, und unter einem desto kleineren Neigungswinkel seine Strahlen 
die Cornea treffen. Bleiben diese Verhältnisse dieselben, so wird die Deut- 
lichkeit seiner Wahrnehmung abnehmen, je grösser die Erleuchtung der Cornea 
unabhängig von dem, von dem Objekte ausgehenden Lichtquantum ist. 

Es ist nun leicht einzusehen, dass unter Voraussetzung der Stabilität der 
soeben erörterten Momente der scheinbare Glanz der Netzhautbilder äusserer 
Objekte wachsen müsse, wenn die Pupille sich erweitert, denn dann 
wächst das Lichtquantum, welches von den äusseren Objekten kommend, nach 
regelrechter Brechung in den dioptrischen Medien des Auges zur Erleuchtung 
der Netzhautbilder verwendet wird. Der scheinbare Glanz der von der 
Neoplasie der Cornea erleuchteten Netzhautparthie bleibt aber nahebei der- 
selben, es muss sofort bei centralen Hornhauttrübungen mit Erweiterung des 
Sehloches die Deutlichkeit der Wahrnehmung äusserer Objekte steigen. 

Ich sage, der scheinbare Glanz der von dem zerstreuten Lichte er- 
leuchteten Netzhautparthie bleibt fast derselbe, denn wenn auch mit der Er- 
weiterung der Pupille der Sektor jener secundären Kugelwellen, welcher von 
der Neoplasie angeregt, zur Pupille und Netzhaut gelangt, zunimmt, so wächst 
auch in demselben Verhältnisse der Flächenraum der dadurch erleuchteten 
Netzhautportion, die Erleuchtung einer bestimmten Flächeneinheit der Netzhaut 
bleibt nahebei dieselbe. 

Der Erfahrung gemäss unterscheiden Augen mit centralen Trübungen der 
Hornhaut nahe Gegenstände besser, als ferne. Der Grund davon liegt einzig 
und allein darin, dass sich das Auge überhaupt leichter für die Nähe, als für 
die Ferne vollkommen accommodirt, und dass unter vollständig richtiger An- 
passung des dioptrischen Apparates für die Distanz eines Objektes der schein- 
bare Glanz seines Netzhautbildes am grössten ist. Nur unter der Bedingung, 
dass das Auge, dessen Hornhautmitte getrübt ist, sich für die Nähe vollständig 
accommodiren kann, wird es ihm möglich, nahe Gegenstände deutlicher wahrzu- 
nehmen, als ferne. Der scheinbare Glanz des Netzhautbildes, welcher allein 
die Grösse des auf das Sensorium übergehenden Eindrucks bestimmt, bleibt 
nämlich unter jeweilig richtiger Accommodation des Auges für jede Distanz eines 
Objektes derselbe 196 . Er nimmt aber in eben dem Maasse ab, als der Flächen- 
inhalt des Netzhautbildes bei gleichbleibender Distanz des Objektes wächst. 
Weil nun der Flächeninhalt des Netzhautbildes um so grösser wird, je weiter 
der Gegenstand ausserhalb der jeweiligen Accommadationsweite steht, liegt es 
auf der Hand, dass durch die richtige Accommodation des Auges die Deutlichkeit 



Dioptrische Verhältnisse centrischer Corneallriibungen. 201 

in der Wahrnehmung zunehmen inuss, und dieses um so mehr, als sich 
herausstellt, dass mit der Verkürzung der Accommodationsweite der scheinbare 
Glanz der von der centralen Cornealneoplasie erleuchteten Netzhautportion ein 
fast gleicher bleibt. 

Für den ersten Augenblick scheint es freilich m , dass Verkürzung der 
Accommodationsweite auch durch Verminderung des scheinbaren Glanzes der von 
der Neoplasie kommenden Zerstreuungskreise die Deutlichkeit der Wahrnehmung 
äusserer Objekte steigern könne, denn je näher die Linse der Hornhaut rückt, 
desto mjhr nähert sich auch das scheinbare Bild der Neoplasie der Retina, 
der Flächeninhalt der durch zerstreutes Licht erleuchteten Netzhautportion 
sollte also wachsen und der scheinbare Glanz demnach abnehmen. Allein bei ge- 
nauerer Betrachtung findet man, dass auf diese Weise für die Deutlichkeit der 
Wahrnehmung äusserer Objekte nichts gewonnen werden könne, denn erstens 
verkleinert sich mit dem Hereinrücken des scheinbaren Bildes sein Flächen- 
inhalt und zweitens wächst der von jedem Elemente der Neubildung zur Netz- 
haut gelangende Kugelsektor, vorausgesetzt, die Pupille ändert nicht ihren 
Durchmesser. Es muss daher der scheinbare Glanz der von der Corneal- 
trübung erleuchteten Netzhautparthie entweder ein gleicher bleiben, oder es 
muss um etwas wachsen. Es ist nun freilich wahr, dass die Verkürzung der 
Accommodationsweite der Regel nach mit einer Verengerung der Pupille ver- 
gesellschaftet sei, welche jene Zunahme der Erleuchtungsintensität reichlich 
recompensiren kann. Allein mit der Verkleinerung der Pupille nimmt der 
scheinbare Glanz der Netzhautbilder äusserer Objekte wieder ab, es kann sofort 
die deutlichere Wahrnehmung naher Gegenstände nur die Folge der schärferen 
Zeichnung der Netzhautbilder sein und davon abhängen, dass der Flächenraum 
der Netzhautbilder bei richtiger Accommodationsweite relativ abnehme, der 
scheinbare Glanz also zunehme. 

Da der Flächeninhalt der Netzhautbilder äusserer Objekte im umgekehrten 
quadratischen Verhältnisse steht zu der Entfernung der Objekte von dem Auge, 
liegt der Gedanke sehr nahe, dass die Annäherung der Gegenstände 
zu dem Auge auch insofern ihre deutlichere Wahrnehmung bedingen könne, 
dass mit Vergrösserung ihrer Netzhautbilder Theile der letzteren ausserhalb 
des Bereiches der von der Cornealneoplasie auf die Retina geworfenen Zer- 
streuungskreise fallen, und hier Empfindungen veranlassen können, wie in ge- 
sunden Augen. Es ist nämlich wohl erwiesen, dass die Empfindlichkeit der 
Netzhaut mit der Entfernung ihrer consütuirenden Elemente von dem gelben 
Flecke abnehme, allein es ist ebenso gewiss, dass darum seitliche Netz- 
hautparthien zum Sehen noch nicht gänzlich unbrauchbar sind. Zwischen 
deutlichem Sehen und Nichtsehen gibt es eine Unzahl Mittelstufen. Es lassen 
sich nun sehr wohl Fälle denken, in welchen die minder empfindlichen Seiten- 
theile der Netzhaut, wenn auf sie reine Bilder äusserer Objekte fallen, deren 
Wahrnehmung besser vermitteln können, als centrale Theile der Retina, auf 
welchen sich Netzhautbilder äusserer Gegenstände und intensiv beleuchtete oder 
aber dichtschattige Zerstreuungskreise einer Cornealneoplasie mischen. Wenn 
nun auch in solchen Augen nicht von Deutlichsehen die Rede sein kann, so kann 
doch von einem Besser- und Schlechtersehen gesprochen werden, und insofern 
lässt sich die Möglichkeit nicht bestreiten, dass unter Umständen die Vergrösserung 
der Netzhautbilder der deutlicheren Wahrnehmung; zu Hilfe kommen könne. 



202 Ständige Entwickelungsformen der Cornealexsudate. 

Legt man der Berechnung 198 einen Pupillendurchmesser von l' w .4 zu 
Grunde, und nimmt man den Diameter des scheinbaren Bildes der Neoplasie 
gleich 3'". 5 (was einem Durchmesse; der Neoplasie von 0'".5 entspricht) 
so ergibt sich, dass der Durchmesser der von zerstreutem Lichte erleuchteten 
Netzhautparthie 2,'" .Ti betrage, und dass sofort ein, 10 Zoll von dem Auge 
entferntes, Objekt mehr als 10 Zoll lineare Ausdehnung haben müsse, auf dass 
Theile seines Netzhautbildes ausserhalb den Bereich der von der Corneal- 
neoplasie erleuchteten Portion der Retina fallen. 

Da nun bei einer Sehweite von 10 Zoll die Peripherie des Gesichtskreises 
eine weit grössere als 10 Zoll ist, ergibt sich, dass Theile eines Objektes, 
welche mehr als 5" von der nach vorn verlängerten optischen Achse abstehen, 
von einem Auge, dessen Cornea eine 0'".5 Durchmesser haltende centrale 
Neubildung trägt, gerade so deutlich gesehen werden müssten, als von einem 
gesunden Auge, wenn nicht der scheinbare Glanz ihrer Netzhautbilder durch 
das von der Neoplasie zerstreute Lichtquantum abgenommen hätte. 

Es ist nun richtig, dass diese Abnahme des scheinbaren Glanzes mit Be- 
zug auf die geringere Empfindlichkeit der seiflichen Netzhauiparthien die Deut- 
lichkeit der Wahrnehmung verringern müsse, allein sie hebt sie nicht auf. Sie 
wird nur bei matt erleuchteten Gegenständen von Wichtigkeit. Bei sehr glän- 
zenden Gegenständen bleibt immer noch genug Licht übrig, um einen hin- 
länglichen Eindruck auf der Netzhaut zu erzeugen, und bei sehr dunklen Gegen- 
ständen ist es der Contrast mit den helleren nachbarlichen Objekten, welcher 
noch die Wahrnehmung der Contouren des Objektes ermöglicht. 

Wie gross die Deutlichkeit der Wahrnehmung seitlicher Theile eines Ob- 
jektes bei centralen Cornealneubildungen sei, lässt sich leicht durch das Ex- 
periment versinnlichen, wenn man den Mittelpunkt einer 10 Zoll von dem Auge 
entfernten schwarzen Scheibe von o" Radius fixirt, und gleichzeitig ausserhalb 
der Scheibe gelegene hell erleuchtete Objekte beobachtet. Berücksichtigt man 
den Erfolg fortgesetzter Uebung, so lässt sich gar nicht zweifeln, dass die seit- 
lichen Theile der Netzhaut bei centralen Cornealneubildungen bezüglich der 
Wahrnehmung äusserer Objekte von Wichtigkeit werden, und dass sofort die 
Vergrösserung der Netzhautbilder äusserer Objekte durch deren Annäherung 
an das Auge die Unterscheidung derselben erleichtere. 

Es kommt hierbei noch der hochwichtige Umstand in Betracht, dass die 
Intensität der Erleuchtung oder respective Beschattung der Netzhaut von Seite 
der Cornealneoplasie nicht an allen Punkten eine gleiche sei, sondern dass sich 
in dieser, von den secundären Kugelwellen getroffenen Parthie der Retina ein 
centraler Theil und eine ringsum gelegte Zone unterscheiden 
lasse, von denen der erste aus allen Elementen der Neoplasie Licht empfängt, 
die letztere aber nur von randständigen Punkten der Neubildung erleuchtet 
wird 199 . 

Die Intensität der Erleuchtung oder respective Beschattung des centralen 
Theiles der von den secundären Kugelwellen getroffenen Netzhautparthie ist 
demnach am stärksten, jene der Zone schwächer, und sie nimmt hier um so 
mehr ab, je weiter ein Punkt der Zone von dem Mittelpunkt entfernt ist, denn 
mit der Entfernung von diesem Centrum nimmt die Anzahl der sich deckenden 
Zerstreuungskreise ab. 

Da nun die Störung des Gesichtes im Bereiche dieser Zone natürlicher 



Dioptrischc Verhältnisse centrischer Cornealtrübungen. 203 

Weise eine viel geringere sein muss, als in dem centralen Thcile, so ist leicht 
einzusehen, dass die Verhältnisse für das Sehvermögen von Augen, deren 
Cornealcentrum getrübt ist, viel günstigere seien, als dieses nach obiger Be- 
rechnung, bei der auf das Vorhandensein dieser Zone keine Rücksicht ge- 
nommen wurde, für den ersten Augenblick scheint. Es steht zu vermuthen, 
dass selbst in den Fällen, in welchen die Beschattung des Netzhautcentruins 
eine so intensive ist, dass die Wahrnehmung darauf fallender Netzhautbilder 
ganz unmöglich wird, noch Seitentheile der Netzhaut, welche in das Bereich 
der genannten Zone lallen, das Sehen vermitteln, und sofort Objekttheile zur 
Wahrnehmung kommen können, welche nicht so weit von der nach vorn ver- 
längerten optischen Achse entfernt stehen, als es nach dem Obigen nöthig er- 
schien. Ich sage: es steht zu vermuthen, denn experimentelle Beweise fehlen, 
und es nimmt die Empfindlichkeit der Netzhauttheile mit ihrer Entfernung von 
dem optischen Centrum derselben ab, es bedarf an excentrischen Stellen also 
sicherlich nur einer geringeren Störung, um die Wahrnehmung darauf fallender 
Netzhautbilder aufzuheben, als an centralen Theilen, es ist bisher aber nicht 
ermittelt, in welchem Grade die Empfindlichkeit abnimmt, also auch nicht, wie 
gross an Seitentheilen der Netzhaut die Störung sein müsse, um das Sehen, 
das Unterscheiden äusserer Objekte, unmöglich zu machen. 

Ich glaube nicht erst erwähnen zu müssen, dass dasjenige, was von seit- 
lichen Theilen eines Objektes gilt, auch für seitlich gelegene Objekte 
seine volle Anwendung finde. Augen, deren Cornealmitte getrübt ist, müssen 
unter den angegebenen Bedingungen Objekte, welche seitwärts der nach vorn 
verlängerten optischen Achse gelegen sind, besser zu unterscheiden vermögen, 
als Objekte, welche in der optischen Achse selbst gelegen sind 20 °. 

§ 385. Die Erfahrung bestätigt das, was die Theorie theils nach- 
weist, theils aber mit Grund vermuthen lässt. Es ist seit lange her bekannt, 
dass Leute, deren ein Auge zum Sehen gänzlich unbrauchbar geworden ist, 
das andere aber im Centrum der Cornea eine beinahe ganz undurchsichtige 
Neubildung trägt, die Gegenstände, um sie deutlicher zu unterscheiden, sehr 
nahe an das Auge und seitlich halten, oder aber bei fixer Stellung 
des Objektes das Auge scheinbar abwenden, schielen. Schon in älteren 
Werken findet man die Behauptung, dass Augen mit Hornhautflecken abgewandl 
werden, auf dass neben dem Flecke vorbei Lichtstrahlen zur Netzhaut gelangen 
können. 

Aslt 201 läugnet das deutlichere Sehen seitlicher Objekte bei centralen 
Trübungen der Cornea, verfällt dabei aber in denselben Fehler, in welchen die 
Vertheidiger des Gegentheiles, die nach ihm aller Kenntnisse über die Physio- 
logie des Auges und namentlich über das Einfachsehen mit zwei Augen baar 
sein müssen, verfielen. 

Es ist hier nämlich nicht gleichgültig, ob das andere Auge zum 
Sehen ganz unbrauchbar ist, oder aber die Wahrnehmung eines 
äusseren Objektes zu vermitteln vermag. 

Im letzteren Falle stört nämlich das undeutlichere Bild des kranken 
Auges die Grösse des Totaleindruckes, den die beiden Bilder der beiden auf 
den Gegenstand gerichteten Augen in dem allgemeinen Sensorium hervorbringen, 
auf positive Weise, was die betreffenden Individuen dadurch auszudrücken 



204 Ständige Entwickelungsformen der Cornealexsudate. 

suchen, dass sie sagen, das kranke Auge blende das gesunde. Rücken sie 
aber den Gegenstand seitlich, so muss, soll nicht Doppeltsehen entstehen, auch 
das Netzhautbild im gesunden Auge auf seitliche Netzhautparthien fallen, und 
sofort die Deutlichkeit der Wahrnehmung abnehmen. Falls also das eine Auge 
noch gesund, oder doch zum deutlicheren Sehen geeignet ist, als das andere, 
dessen Cornealcentrum eine Neubildung trägt, ist es ganz richtig, dass, um 
deutlich zu sehen, das letztere Auge anfänglich bedeckt werden muss, später 
aber, nachdem sich das Individuum gewöhnt, mit einem Auge allein zu sehen, 
wegen fortwährender Ruhe ganz unfähig wird, ohne besonders darauf ver- 
wendete Aufmerksamkeit von äusseren Objekten Wahrnehmungen zu vermitteln. 
Das kranke Auge wird im späteren Verlaufe vernachlässigt, die auf seine Netz- 
haut gemachten Eindrücke gelangen nicht mehr zu dem Bewusstsein, das Auge 
existirt nur der Form nach für den Kranken. 

Wird aber das Auge dauernd ausser Thätigkeit gesetzt, so ist leicht er- 
klärlich, dass nach und nach der Accommodationsmuskel, wie jeder andere seiner 
Wirksamkeit beraubte Muskel, seine Funktionstüchtigkeit einbüssen, und vorerst 
durch frühzeitige Ermüdung, durch Nachlassen seiner Contraktionsenergie bei 
einigermaassen angestrengterer Thätigkeit, durch die sogenannte Asthenopie, 
Kopiopie, später aber durch gänzlichen Verlust des Accommodationsvermögens 
seine Erlahmung äusserlich zu erkennen geben werde. Anderseits ist es aber 
erklärlich, dass mit der Vernachlässigung des Auges bei dem Sehen der Maass- 
stab verloren geht, nach welchem das allgemeine Sensorium die Contraktionen 
der Augenmuskeln so zu combiniren im Stande ist, dass die optischen Achsen 
sich jederzeit auf den in Sicht befindlichen Gegenstand kreuzen. Es geschieht 
daher sehr häufig, dass in solchen Fällen, in welchen das eine Auge durch eine 
centrale Cornealneubildung die Wahrnehmungen des anderen besseren Auges 
beeinträchtiget, das kranke Auge incongruente Bewegungen macht, das Indi- 
viduum den sogenannten falschen Blick acquirirt, oder aber ganz abseits ge- 
lenkt, st r abotisch wird, und dieses letztere besonders dann, wenn das 
Individuum noch sehrjungunddie richtige Association der einzelnen Contraktionen 
der Augenmuskeln noch nicht ganz habituell geworden ist. Jugendliche Indi- 
viduen lernen um so leichter schielen, als die im Anfange gesetzte Störung des 
Gesichtes durch das kranke Auge sie continuirlich zu Ablenkungen desselben 
einladet. 

Ganz anders gestalten sich aber die Verhältnisse, wenn das Auge, welches 
eine centrale Neubildung auf der Cornea trägt, dasjenige Auge ist, welches 
entweder ausschliesslich zum Sehen verwendet werden kann, indem das andere 
entweder ganz unbrauchbar, oder aber durch was immer für 
Fehler minder verwendbar ist. Hier gelten ganz andere Begeln. Von 
mehreren Fällen, welche ich zu beobachten Gelegenheit hatte, hatte kein einziges 
Auge die Fähigkeif, sich für die Nähe zu accommodiren, verloren. Im Gegen- 
theile fand ich, dass sie übereinstimmend mit den obigen mathematischen De- 
ductionen, um Gegenstände deutlicher zu unterscheiden, dieselben immer sehr 
nahe und seitwärts hielten, bei fixer Stellung des Objektes aber das Auge sehr 
bedeutend ablenkten, und zwar so, dass möglichst viele Strahlen von dem Ob- 
jekte auf seitliche Theile der Netzhaut fielen. Das Auge war kurzsichtig 
geworden und seine Ablenkung aus der normalen Richtung während des 
Sehens bezweckte offenbar, die Deutlichkeit der Wahrnehmungen zu Yergrössern. 



Dioptrische Verhältnisse excentrischer Corneallrübungen. 205 

Doch bleibt das Auge selten in seiner abgelenkten Stellung ruhig stehen, 
der Regel nach walzen die Kranken das Auge in der Orbita herum und bringen 
so das Bild des äusseren Gegenstandes bald auf diesen, bald auf jenen seit- 
lichen Theil der Netzhaut, was wieder nur die Verbesserung des Gesichtes 
bezweckt. Denn die seitlichen Nelzhautparthien erschöpfen sich bei ihrer 
Wirksamkeit viel früher als centrale, wie man sich leicht überzeugen kann, 
wenn man mit einem Auge einen schwarzen Punkt auf einer weissen Fläche 
fixirt, und gleichzeitig einen 4 — 5 Zoll davon entfernten schwarzen Punkt 
beobachtet. Wenige Secunden reichen oft hin, das Bild des letzteren zu ver- 
löschen, während der fixirte Punkt noch deutlich unterschieden wird. Diese 
leichtere Erschöpfung der seitlichen Netzhauttheilchen ist es, welche die Kranken 
zwingt, entweder den Gegenstand oder das Auge continuirlich zu bewegen, um 
auf diese Weise immer neue und neue Netzhauttheile in Thätigkeit zu ver- 
setzen, bis die so gewonnenen Eindrücke hinreichen, um aus ihnen ein Urtheil 
über die äusserlich sichtbaren Eigenschaften eines Objektes zu combiniren. 

Bei Kindern artet diese willkürliche Bewegung des Auges häufig in 
Nystagmus aus, sie wird zuletzt unwillkürlich. Nystagmus etablirt sich nur 
dann, wenn entweder beide Augen nur halb sehen, oder eben eines ganz un- 
brauchbar geworden ist, während das andere halb sieht. Wo ein Auge ganz 
normal ist, entwickelt sich kein Nystagmus, das kranke Auge wird strabotisch 
abgelenkt. 

Während also bei der Integrität des einen Auges der Accommodations- 
apparat und die geraden Muskeln des kranken Auges die Folgen fortgesetzter 
Unthätigkeit zu erkennen geben, erscheint, bei völligem Verluste des einen 
Auges oder seiner relativen Unbrauchbarkeit, in dem anderen mit einer cen- 
tralen Neubildung auf der Cornea Behafteten Myopie als das Resultat fast un- 
ausgesetzter, intensiver Accommodationsanstrengungen für die Nähe, und eine 
willkürliche Ablenkung des Auges zum Zwecke des deutlichen Sehens, welche 
unter Umständen zu unwillkürlichen, krampfhaften clonischen Zusammenziehungen 
der einzelnen Augenmuskeln führen kann. 

§ 386. Weit weniger complicirt sind die Verhältnisse bei excen- 
trischen Hornhauttrübungen. 

Es ist klar, dass dieselben Umstände den scheinbaren Glanz der Netz- 
hautbilder vermehren und verringern, welche bei centralen Cornealneubildungen 
in dieser Hinsicht von Einfluss erscheinen. 

Die Störungen, welche das Auge in der Wahrnehmung äusserer Objekte 
von Seite excentrisch auf der Cornea gelagerter Neubildungen erfährt, hängen 
aber in ganz auffallender Weise ab von dem Abstände der centralen 
Grenze der Neoplasie von dem optischen Mittelpunkte der 
Hornhaut, von dem Durchmesser der Pupille und dem je- 
weiligen Accommodationszustande des Auges. 

Es braucht nach dem Vorhergehenden keines speciellen Beweises, dass 
von excentrischen Trübungen der Cornea ausgehende Lichtkegel weder mit 
ihrem Achsenstrahle noch mit ihrem Hauptstrahle das optische Centrum der 
Netzhaut treffen können, dass sofort der von sämmtlichen Elementen der Neu- 
bildung erleuchtete oder beziehungsweise beschattete Theil der Retina stets ein 
seitlicher sein werde. Der Kern des von der Cornealtrübung ausgehenden 



206 Ständige Entwickelungsformen der Cornealexsudate. 

Licht- oder Schattenkreises fällt jederzeit jenseits des gelben Fleckes, und zwar 
um so weiter abseits, je weiter die centrale Grenze der Neubildung von dem 
optischen Centrum der Cornea entfernt ist. 

Daraus ergibt sich nun, dass die Störung des deutlichen Sehens von Seite 
excentrischer Cornealtrübungen eine viel geringere sein müsse, als von Seite 
central gelagerter Neubildungen. Sie muss um so geringer werden, 
je mehr die Neoplasie mit ihrem centralen Rande von dem op- 
tischen Mittelpunkte der Cornea absteht, denn mit der Zunahme 
dieser Distanz fallen immer weniger intensiv erleuchtete oder beschattete 
Theile der den Kern umgebenden Zone in den Bereich des optischen Netzhaut- 
centrums. 

Um nun auch diese Störung zu beseitigen, ist dem Auge in der Ver- 
engerung der Pupille ein Mittel gegeben. Es leuchtet aus dem bereits 
Mitgetheilten ein, dass unter Accomodation des dioptrischen Apparates für die 
Ferne bei einer Puppillenweite von l //( .4 und 1'".5 die centrale Grenze des 
Cornealfleckes dem optischen Centrum der Hornhaut auf 2 //y .187 und 2'". 34 
zurücken könne, ohne dass zerstreutes Licht, von der Neoplasie ausgehend, den 
gelben Fleck der Netzhaut träfe, und sofort darauf projicirte Netzhautbilder 
im mindesten zu stören vermöchte. Je näher die centrale Grenze der Neoplasie 
dem optischen Centrum der Netzhaut tritt, desto mehr muss sich die Pupille 
verengen, um die von der Neoplasie angeregten Lichtkegel aus dem Bereiche 
des optischen Netzhautcentrums zu drängen. 

Wo die Pupillenverengerung zu diesem Zwecke nicht ausreicht, wird sie 
noch durch Accomodation des Auges für die Nähe im hohen Grade 
unterstützt, denn durch Vorschiebung der Linse wächst der Winkel, in welchem 
die Achsen der von der Neoplasie ausgehenden Lichtkegel die optische Augen- 
achse schneiden. Es ist nun die Verkürzung der Accomodationsweite der 
Regel nach mit Verengerung der Pupille verbunden, woraus sich sehr leicht 
erklärt, warum Augen mit excentrischen Cornealtrübungen nahe Gegenstände 
deutlicher und schärfer wahrnehmen als ferne. 

Es erklärt sich hieraus, warum solche Augen, wenn sie allein zum Sehen 
verwendet werden, die Myopie acquiriren, falls aber das andere Auge seine 
Integrität bewahrte und daher vorzugsweise in Thätigkeit ist, mit der Zeit 
vernachlässigt werden, sofort die Fähigkeit, den dioptrischen Apparat 
für verschiedene Distanzen einzustellen, ganz verlieren, und 
endlich auch in vielen Fällen strabotisch abgelenkt werden. 

§ 387. Die alte Schule, tieferen Forschungen, besonders mit bewaff- 
netem Auge fremd, zum Theil auch Feind, und daher in ihrer Diagnose einzig 
und allein angewiesen auf Aeusserlichkeiten von untergeordneter Wichtigkeit, 
fasste sämmtliche Neoplasien der Hornhaut unter Einem zusammen. Sie begnügte 
sich damit, dieselben, je nach ihrer Farbe, der Verschiedenheit des Glanzes, 
der äusseren Contour zu unterscheiden, und nach Aehnlichkeiten mit allgemein 
bekannten Dingen, Macula, Nephelium, Nebula, Nubecula, Aegis, Leucoma, 
Margarita, Perla, Paralampsis, Cicatrix u. s. w. zu taufen. 

Beer 202 erkannte bald das Ungenügende, Willkürliche dieser Bezeich- 
nungen, und die Notwendigkeit eines, auf positiven Grundlagen beruhenden 
Systemes. Er theilte demnach die Flecken und Verdunklungen der Hornhaut 



Eintheilung. Epithelialneubildungen. 207 

in vier Hauplklassen, die einfachen Verdunklungen und einfachen Flecken, das 
Leucom, die Narbe und das vertrocknete Aposlem. 

Vom histologischen Standpunkt» aus fallen aber diese vier 
Klassen zusammen. Der einfache Fleck und das Leucom stellen nur Gradver- 
schiedenheiten eines seinem Wesen nach identischen Zuslandes vor. Die Narbe 
repräsentirt sich sehr oft als einfacher Fleck oder als Leucom, und Leucom 
und Narbe treten nicht selten unter der Form des vertrockneten Abscesses in 
die Wahrnehmung. 

Naturwissenschaftliche Systeme können nur immer, das Wesen der Dinge 
selbstbegründcnde , Momente als Eintheilungsprincip anerkennen , alle anderen 
Criterien sind nur geeignet, Gattungen und Arten von einander zu differenziren. 
Daher spreche ich der Reihe nach von Epithelialneubildungen, locke- 
rem Bindegewebe, der derben faserig scholligen Narbe, den 
Verknöcherungen, Verkalkungen und anomalen Fettbildungen 
als ständigen Entwickelungsformen der Hornhautexsudate. Ich benütze die 
äussere Form und die Entstehungsweise derselben nur als Grundlage secundärer 
Eintheilungen, als Mittel, allzugrosser Verallgemeinerung der Begriffe zu 
begegnen, die gegenseitige Verständigung zu erleichtern , und sofort die prak- 
tische Anwendbarkeit des Erörterten zu erhöhen. 

Erstes* Abschnitt. 

Die Epithelialneubildungen der Cornea. 

§ 388. Das Objekt der nachstehenden Erörterung sind anomale Ober- 
hautsohichten, welche durch krankhafte Vegetationsprocesse der Hornhaut ins 
Leben gerufen , nach Ablauf dieser regelwidrigen Vorgänge fortbestehen, ohne 
sich im Wesentlichen zu verändern. 

§389. Nur oberflächliche Exsudatschichten metamor- 
phosiren sich zu Epi thelialgebilden. Krankhafte Produkte, welche 
innerhalb Zwischenblatträumen der Cornea eingeschlossen sind, gehen niemals 
in Formelemente über, wie sie der Oberhaut eigenthümlich sind. 

Epithel, krankes wie gesundes, ist einem stetigen Wechsel seiner 
Foringebilde unterworfen , die äussersten , ältesten Schichten stossen sich 
fortwährend ab , während von innen her aus der Matrix neues Blastem aus- 
geschieden und aus diesen Zellen angebildet werden , die in fortschreitender 
Entwicklung begriffen, von nachfolgenden Schichten allmälig nach vorne ge- 
drängt werden und, an der Oberfläche angelangt, sich abschilfern. 

Die fortgesetzte Bildung krankhaften, trüben Epithels auf 
der Convexität der Cornea setzt einen Grund voraus. Mikroskopische For- 
schungen lassen denselben leicht eruiren, er beruht auf dem Umstände, dass die 
Constitution epithelialer Formelemente nach der Basis variirt, auf welcher 
dieselben zur Entwickelung kommen, krankhaftes Epithel aber niemals auf 
gesundem Cornealparenchym unmittelbar auflagert, sondern von letzterem stets 
durch eine zwischengelagerte Schichte anomaler neoplastischer 
Substanz getrennt ist. 

In vielen Fällen bildet das krankhafte Epithel nur das äusserst e Stra- 
tum eines oberflächlichen bindegewebigen, oder starren, faserig scholligen 



208 Epithelialneubildungen auf der Cornea. 

knorpelähnlichen Neugebildes, welches füglich als Matrix des überlagernden 
Oberhautstratums betrachtet werden kann, so dass das letztere in die Cathegorie 
jener Epithele zu stellen ist, welche auf Narbengeweben anderer, oberflächlich 
gelegener Körpertheile zu Stande kommen. Eine solche Ansicht wird häufig 
noch dadurch begründet, dass die organisirte Basis des Epithels mit Gefässen 
durchzogen, wenigstens zum Theile, unabhängig von der Hornhaut dasteht, 
und sofort auch die Oberhautbildung auf ihrer freien Fläche als ein von dem 
Ernährungsprocesse der Cornea ganz unabhängiger organischer Vorgang be- 
trachtet werden muss. 

In anderen Fällen, und diese sind das Substrat der gegenwärtigen Ver- 
handlung, ist aber das Epithel der Hauptbestandtheil der Neoplasie, nur 
eine ungemein dünne, mikroskopisch feine Schichte einer strukturlosen oder 
kaum merklich faserstreifigen Substanz ist zwischengeschoben, eine Schichte, 
deren geringe organische Entwickelung und totaler Blutmangel der Annahme 
direkt entgegen sind, als könnte dieselbe ein selbstständiges Leben fristen oder 
wohl gar als Muttergewebe der oft zahllosen auflagernden Oberhautschichten 
fungiren. Es muss vielmehr angenommen werden, dass nicht nur diese zwischen- 
geschobene Schichte, sondern auch das Epithel ihre gemeinschaftliche Nah- 
rungsquelle in dem das Cornealparenchym durchtränkenden 
Kammerwasser haben, welches gerade so wie im Zustande der Integrität 
an die Oberfläche der Hornhaut ausgeschwitzt, und zum Theile zur Bildung 
des Epithels verwendet wird. 

Es wird nun das an die Oberfläche tretende Epithelialblastem entweder 
schon während des Durchtrittes durch die genannte anomale Substanzlage 
inetamorphosirt oder aber die Bildung durchsichtigen Epithels dadurch verhin- 
dert, dass die Zellenformation ausser Contakt mit normalem Cornealparenchym 
von Statten geht. 

§ 390. Dass ein gegebenes Cornealexsudat zu einem ständigen Epithelial— 
Stratum werde, dieses hängt nicht allein von dem Sitze des krankhaften Pro- 
duktes an der Oberfläche ab, auch die Quantität des auf die freie Fläche 
der erkrankten Hornhaufstelle ausgeschwitzten Blastems und namentlich 
die innere Constitution des Exsudates, seine grössere oder geringere 
virtuelle Anlage zu höheren Gestaltungen nehmen Einfluss auf die Entwickelung. 

Ist die Exsudatschichte eine sehr dünne, so erschöpft sie sich gleich- 
sam in der Formation des oberflächlichen Epithelialstratums , die Constitution 
des krankhaften Produktes sei , welche sie wolle , das daraus hervorgehende 
ständige Neugebilde setzt sich immer zusammen aus einer Oberhautlage und 
einem daruntergelegenen Stratum strukturloser trüber Masse. 

Ist die Exsudation aber eine reichlichere gewesen, so kommt es ganz 
allein auf die Constitution des gelieferten Produktes an, welche Formgebilde 
daraus entwickelt werden. Bein fibrinöse, massige Produkte metamorphosiren 
sich fast immer zu einer sehr derben, sehnenähnlichen Neubildung, welche nur 
mit einem sehr dünnen Stratum Oberhaut bedeckt ist. Beichliche faserstoffig- 
albuminöse Exsudate, die schon während des Entzündungsprocesses eine auf- 
fallende Tendenz zur Zellenbildung verrathen, und in Form von Pannus oder 
Geschwürsgranulationen in die Wahrnehmung treten, gehen in ständige Neu- 
gebilde über, welche entweder zum grössten Theile aus lockerem Bindegewebe 



Der Epithelialfleck der Cornea. 201) 

mit auflagernden zahlreichen Epitheliallagen und unterliegendem, starrem, sehnen- 
ähnlichem Gefüge bestehen, oder fast gänzlich aus epidermisartiger Oberhaut 
zusammengesetzt werden, die durch strukturlose oder höchstens undeutlich faser- 
streifige , sehr derbe , trockene , knorpelähnliche Substanz von der obersten 
Lage des gesunden Homhaulparenchyms getrennt erscheint und häufig ihre 
geringe Entwickelungsfähigkeit durch Mischung der tieferen Schichten mit Kalk- 
drusen und Fettkrystallconglomeraten zu erkennen gibt, 

§ 391. Epithelialneubildungen der Hornhaut von sehr geringer Dicke, 
unter welche der grösste Theil der von den älteren Schriftstellern als 

1. Einfache Verdunklungen, einfache Flecken, nebel- und wolken- 

ähnliche Flecken 

aufgeführten Trübungen gehört, erscheinen dem freien Auge als ganz ober- 
flächliche, rauch-, nebel- oder wolkenartige, halbdurchsichtige Stellen von 
bläulicher oder grauer Farbe mit verwaschenen, unbestimmten Grenzen. 

Mit der zusammengesetzten Lupe betrachtet, namentlich, nachdem der 
aus Thränen und Schleim gemischte Ueberzug sorgsam abgewischt wurde, 
repräsentirt sich ihre Oberfläche mehr weniger rauh, oft auffallend porös, 
und nicht selten voll von ganz unregelmässig geformten und verteilten Er- 
höhungen und Vertiefungen , ähnlich der Oberfläche eines im Wasser erkalteten 
Klumpens von geschmolzenem Blei. Genaue Untersuchungen lassen diese Er- 
habenheiten und Einsenkungen der getrübten Cornealoberfläche als partielle 
Anschwellungen der unterhalb der Trübung gelegenen Parthien des durchsich- 
tigen Cornealparenchyms erkennen, über welche sich das trübe Neugebilde in 
einer ganz gleichmässig dicken Schichte, gleich einem durch Sedimentbildung 
entstandenen Ueberzuge, hinwegzieht. 

Das Mikroskop weist als Hauptbestandteil der anomalen Formation 
Epithelialzellen nach. Die oberflächlichsten Lagen derselben erscheinen polye- 
drisch, abgeflacht, mit halbdunklen Contouren, einem grautrüben, äusserst fein 
moleculirten , nur selten einige wenige dunkle Körnchen führenden, fast homo- 
genen, in coagulirenden Mitteln wenig veränderlichen, wasserreichen Inhalte, 
und einem oder zwei grossen Kernen mit dunklem, scharfem Rande, und meh- 
reren Nucleolis, welche von einer Masse umgeben sind, die jener des Zellen- 
raumes vollkommen entspricht, In den tiefern Schichten nimmt die Grösse der 
Zellen ab, man findet sie häufig noch als blosse Kerne mit doppelter Contour, 
und dem bereits erwähnten trüblichen Contentum, eingehüllt von einer suecu- 
lenten, grauen, fast homogenen, strukturlosen Grundsubstanz. Die tiefste, 
gewöhnlich nur sehr dünne Schichte ermangelt aller Formgebilde und erscheint 
als eine starre, coagulirtem Eiweiss ähnliche, bisweilen mit dunklen Molekülen 
sparsam durchstreute, ganz strukturlose, nur höchst selten und diess namentlich 
bei einigermassen merklicher Dicke undeutlich faserstreifige Masse, welche 
unmittelbar dem durchsichtigen Cornealparenchyme auflagert. 

Die Rauhigkeit der Oberfläche an derartig erkrankten Cornealstellen 
vermindert auffallend die Intensität des regelmässig reflectirten Lichtquantums, 
der Glanz ist an solchen getrübten Parthien auffallend geringer, dieselben 
erscheinen matt, und das von ihnen erzeugte Spiegelbild ist undeutlich, licht- 
schwach, mit verschwimmenden Contouren oder fehlt ganz. 

Stellwag, Ophthalmologie. I. 14 



210 Der Epithelialfleck der Cornea. 

Die Rauhigkeit der Oberfläche bedingt mitunter Phänomene der Licht- 
beugung und Interferenz, wodurch der Fleck ein seidenglänzendes An- 
sehen gewinnt, und bei gewissen Stellungen des beleuchtenden Körpers selbst 
in matten Regenbogenfarben schillert, ähnlich der inneren Fläche der Perl- 
muschel. 

§ 392. Der Epithelialfleck ist der Regel nach die Folge einer ober- 
flächlichen Keratitis, und zwar jener Formen, welche ich als einfache 
und als mit Gefässbildung einherschreitende geschildert habe, gleichviel, ob 
diese Keratitis eine primäre oder secundäre, auf dem Boden entleerter herpe- 
tischer Efflorescenzen zu Stande gekommene, ist. 

§ 393. Das Exsudat der Keratitis Simplex ist seiner derben, rein 
fibrinösen Beschaffenheit wegen dem Zellenbildungsprocesse abhold, die ober- 
flächliche Lagerung desselben ist es , welche es bestimmt, seiner ursprünglichen 
Tendenz entgegen, die Epithelialformation einzugehen. Es kommt dabei natür- 
lich nur auf die Mächtigkeit des exsudb'ten Produktes an, ob dasselbe sich in 
der Anbildung des oberflächlichen Epithelialstratums erschöpft, oder ob nebstbei 
noch Material übrig bleibt, um eine den virtuellen Anlagen des Produktes ent- 
sprechende Schichte fibrös scholliger Neubildung zu entwickeln. Insofern grenzt 
der Epithelialfleck unmittelbar an die faserig schollige Narbenmasse, beide gehen 
in einander über, und combiniren sich ungemein häufig, indem die Ablagerung 
nicht an allen Stellen eine gleichmässige ist. Sehr häufig findet man dichte 
fibrös schollige Narbenmassen der Cornea aufgelagert, deren wolkig verwasche- 
ner Rand seiner textuellen Zusammensetzung nach als Epithelialfleck anerkannt 
werden muss. 

§ 394. Das Produkt der Keratitis vasculosa ist seinem ganzen 
Wesen nach der Zellenbildung geneigter und weist diese seine Anlage unver- 
kennbar in der reichlichen Produktion neoplastischer Blutkügelchen nach. Schon 
während des Verlaufes der Keratitis metamorphosirt das entzündliche Produkt 
zu Zellen der verschiedensten Formen, und der Epithelialfleck stellt nur 
weitere Entwickelungsphasen derselben vor. Die reichliche Abschürfung der 
im Uebermaasse erzeugten Oberhautzellen bedingt aber nach Ablauf des 
entzündlichen Processes sehr bald eine Verminderung der Mächtigkeit des neo- 
plastischen Stratums, um so mehr, als die Zellen selbst an Succulenz bedeutend 
abnehmen, es bleibt ein Fleck zurück, der aus trüben Oberhautzellen besteht, 
die einer sehr dünnen Lage strukturloser Substanz auflagern. Die Neoplasie 
wird der ganz identisch , welche aus einer einfachen Keratitis ohne Gefässbil- 
dung hervorging. Beide sind nicht mehr zu unterscheiden, und dieses um so 
weniger, als nach Aufhören der reichlichen Exsudation auch der Blutbildungs- 
process sein Ende erreicht, die Gefässschläuche sofort zusammensinken, und 
auch jede Spur eines Gefässes verschwindet. Nur dort, wo die Keratitis vas- 
cularis den Herd eines Processes umsäumte, welcher die Formation einer 
mit Gefässen versehenen ständigen Neubildung bedingt, nur dort bleiben die 
Gefässlumina auch im Bereich des Epithelialfleckes offen, und umspinnen sich 
nach der Hand mit strukturloser, hyaliner Gefässhaut, sie metamorphosiren zu 
wahren Gefässen, welche die Communicafion der Neoplasie mit dem allgemei- 
nen Kreislaufe vermitteln. Diese Gefässe ziehen ganz oberflächlich, in den 
Limbus conjunctivalis übergehend. Sie sind stets beiderseits von einer inten- 



Pathogenese, Pannus siccus. 211 

sivcren Trübung eingefasst, dem Resultate grösserer Anhäufung epithelialer 
Formgebilde oder strukturloser trüber Substanz, welche verhindert, dass die 
Gelasse, gleich Strängen hervorspringen und an dem grössten Theile ihrer 
Oberfläche blossliegend, schädlichen Potenzen der Aussenwelt preisgegeben sind. 

Besonders die als Pannus tenuis geltenden chronischen Formen der 
Keratitis vasculosa bedingen sehr häufig die Entwickelung von Epithelialflecken. 
Die constituirenden Elemente des sogenannten Pannus crassus äussern schon 
während des Entzündungsprocesses auf unzweideutige Weise die ihnen inhäri- 
rende Tendenz zu höherer Gestaltung, und metamorphosiren demgemäss zu 
zellgewebigen Neoplasien. 

Die Aetiologie des Epithelialfleckes fällt daher theilweise zusammen miE 
jener des Pannus tenuis. Er entwickelt sich fast immer, wenn der Augapfel 
durch Hervordrängung aus der Orbita, durch Verkürzung oder Zerstörung der 
Lider oder durch wie immer bedingte Unfähigkeit der letzteren, sich zu 
schliessen, seiner natürlichen Schutzdecken beraubt, oder aber dem Reiz nach 
einwärts gekehrter Cilien dauernd ausgesetzt ist. Je nachdem die ganze Horn- 
haut oder nur Theile derselben den schädlichen Wirkungen dieser normwidrigen 
Verhältnisse exponirt sind, ist die Trübung eine allgemeine oder aber bloss 
partielle und in dem letzteren Falle der Regel nach auf den Ort der ursäch- 
lichen Störung beschränkte. 

Der Epithelialfleck findet unter diesen Umständen seine vollständige Ana- 
logie in jenen Metamorphosen, welche Schleimhäute durch Entblössung oder 
durch continuirliche Reizung von Seite mechanischer oder chemischer, hete- 
rogener Einflüsse eingehen. Daher hat man denselben ganz richtig mit Schwielen 
verglichen, eine Aehnlichkeit, die besonders dann auffallend hervortritt, wenn 
wegen massiger Ablagerung von Exsudat und behinderter Abschilferung die 
constituirenden Elemente des Epithelialfleckes sich häufen, und die Neoplasie 
an Mächtigkeit gewinnt, wo sie sich dann in Gestalt eines seidenartig oder 
fettglänzenden Häutchens im Zusammenhange lospräpariren lässt 203 . 

§ 395. Die Häufigkeit des Pannus tenuis als Theilerscheinung des 
trachomatösen Processes schliesst das öftere Auftreten des Epithelial- 
fleckes im Gefolge des letzteren nothwendig in sich. So wie der trachomatose 
Pannus der Regel nach die Hornhaut ihrem gesammten Flächeninhalte über- 
zieht, so ist auch seine weitere Entwickelungsphase, der Epithelialfleck, miü 
wenigen Ausnahmen über die ganze Cornealoberfläche verbreitet und beschränkt 
sich nur selten auf den gewöhnlichen Ausgangspunkt des Pannus trachomatosus, 
die obere Cornealhälfte. In nur seltenen Fällen ist die Mächtigkeit und der 
Dichtigkeitsgrad des Neugebildes an allen Stellen eine gleiche, die Neoplasie 
repräsentirt sich nur selten als ein gleichmässig dickes und dichtes, sehnenartig 
glänzendes, plattes, mehr weniger intensiv gefärbtes, zusammenhängendes 
Häutchen, weithin in den meisten Fällen formirt es eine ganz ungleichmässige, 
den Federwolken ähnliche Trübung, in der dichte, gesättigter weisse Stellen 
durch dünnere, rauch- oder nebelähnliche Parthien gegenseitig verbunden sind. 
Piringer 204 hat diesen Zustand mit dem Namen des Pannus siccus be- 
zeichnet, Insofern der Begriff des Pannus aber noch das Vonstattengehen des 
eigenthümlich entzündlichen Processes, der üppigen Zellenbildung und Bluter- 
zeugung in sich schliesst, ist diese Benennung übel gewählt. Der trachomatose 

14. 



212 Der Epithelialfleck der Cornea. 

Epithelialfleck ist der Ausdruck des bereits erstorbenen pannösen Processes. 
JNur dort, wo die Exsudation beendet ist, die Epithelialformation mächtig 
restringirt wird, die Blutbildung aufhört, und sofort die pannösen Gefässschläuche 
verschwinden, wo also bereits alle Momente fehlen, welche den Begriff des 
Pannus erschöpfen, ist Piringers Pannus siccus gegeben. Er ist ein Epithelial- 
fleck , wie alle anderen , welche sich aus einer oberflächlichen Lage trüben 
Epithels und einer untergeschobenen Schichte strukturloser, derber, scholliger 
Substanz componiren. Nur in selteneren Fällen erreicht die Exsudation eine 
solche Mächtigkeit, dass stellenweise eine, durch Faserspaltung zu höheren 
Organisationsstufen gelangte, Schichte eingeschaltet gefunden wird zwischen 
die Oberhautstrata und das gesunde Cornealparenchym, Fälle, welche dann 
nicht mehr als Epithelialneoplasien, sondern als Neubildungen faserig scholliger 
JNarbenmasse zu betrachten sind. 

Diese letzteren sind ganz besonders geeignet, die Analogie des 
t r a c h o m a t ö s e n Hornhautfleckes mit den sehnenähnlichen 
Narbenstreifen auf der trachomatös erkrankten Bindehaut in 
klares Licht zu setzen. Beide stellen Endglieder in der Beihe jener Metamor- 
phosen vor, welche das trachomatöse Exsudat vermöge der ihm inhärirenden 
Anlagen einzugehen, fähig ist. Der weichere succulente Antheil des tracho- 
matösen Produktes, welcher, mehr oberflächlich gelagert, während des Verlaufes 
des krankhaften Processes sich in der Zellenbildung erging, stösst sich nach 
Vollendung desselben unter der Gestalt von Epithel sowohl auf der Hornhaut 
als auf der Conjunctiva ab, der derbere, rein faserstoffige Antheil aber bleibt 
zurück. Auf der Cornea begründet er eine faserig schollige Neoplasie oder 
aber bei allzugeringer Mächtigkeit den innig verwandten Epithelialfleck; auf 
der Bindehaut, in welcher er als Infiltrat den Bedingungen der Epithelial- 
formation mehr entrückt ist, gestaltet er sich durch Faserspaltung zu einer 
derben, sehnenähnlichen Narbe, welche aus geschlängelten, parallelziehenden, 
durch fast hyaline Grundsubstanz unter einander verbundenen, äusserst feinen 
Fibrillen zusammengesetzt ist, und ungerechter Weise als verödeter, verhornter 
Tuberkel verschrieen wurde. 

Die Analogie tritt noch mehr hervor durch den Umstand, dass der tracho- 
matöse Hornhautfleck, so wie die sehnige Narbe der Conjunctiva niemals 
gleichzeitig und gleichmässig im ganzen Bereiche der trachomatös oder pannös 
afficirten Organe zur Entwickelung kommt, der trachomatöse und sein Aequi- 
valent, der pannöse Process, erlischt nicht auf allen Stellen zugleich, auf der 
Bindehaut findet man als Uebergänge zur totalen sehnigen Verbildung narbig 
metamorphosirte Stellen mit solchen abwechseln, auf welchen die trachomatösen 
Körner noch in ihrer Blüthe stehen. Eben so geht auf der Cornea anfänglich 
der Pannus stets nur parthienweise die ständige Entwickelungsform ein, pannöse 
Stellen grenzen dann an solche, welche bereits als Epithelialfleck oder aber 
als faserig schollige Neubildung gelten müssen, und ganz übereinstimmend mit 
den sehnigen Narbenflecken der Conjunctiva die Immunität vor den sonst so 
häufigen Bückfällen des Pannus bedingen, eine Acquisition, welche in Anbe- 
tracht der Unheilbarkeit dieses Hornhautfleckes immerhin eine sehr traurige zu 
nennen ist. 

§ 396. Der Epithelialfleck entwickelt sich aber auch auf den Boden 



Enlwickelung aus Geschwüren. 213 

von Cornoalgeschwüren. Er entspricht dann, vom pathogenetischen 
Standpunkte aus betrachtet, vollkommen dem Begriffe einer Narbe. 

Die Bedingung zu seinem Entstehen unter diesen Verhältnissen ist Hebung 
des Geschwürsbodens in das Niveau der normalen Homhautwölbung durch 
Anschwellung der untergelegenen Cornealparthien. Nur dann, wenn diese, 
durch Anhäufung der Cornealgrundsubstanz in den an die Oberfläche gerückten 
Zwischenblatträumen bedingte, und dem Congestionsoedem entzündlicher Herde 
äquivalente Schwellung den erlittenen Substanzverlust nahebei auszugleichen im 
Stande ist, nur dann wird es möglich, dass sich auf dem Boden eines Corneal- 
geschwüres ein Epithelialfleck etablire. Wo der Geschwürsboden tief unter der 
Oberfläche der gesunden Hornhautparthien eingesenkt bleibt, und die Füllung 
der Lücke zum grössten Theile dem organisirenden Exsudate anheimfällt, dort 
entsteht kein Epithelialfleck, sondern eine andere ständige Entwickelungsform, 
die unter Umständen wohl auch aus Epithelialformelementen zusammengesetzt 
sein kann, dann aber nicht mehr als Epithelialfleck, sondern als Epithelialnarbe 
im engeren Wortsinne zu betrachten ist. 

Es sind daher vornehmlich oberflächliche Gescjiwüre, welche 
Epithelialflecke hinterlassen. Doch ist es nicht so selten, den Epithelialfleck 
als Denkmal vorausgegangener tiefer und selbst durchbohrender Geschwüre zu 
finden. Perforirende Geschwüre können nur dann zur Entwickelung eines 
Epithelialfleckes Veranlassung geben, wenn der Durchbruch nicht Einlöthung 
der Iris oder eines anderen Organes zur Folge hatte, wenn vielmehr die Durch- 
bruchsöffnungen der tieferen Cornealblätter wieder ohne Zwischenkunft fremd- 
artiger Materien verlöthen und so nach Schliessung der Zwischenblatträume die 
Möglichkeit gesetzt wird, die Substanzlücke durch Ansammlung normaler 
Grundsubstanz in diesen Interlamellarräumen zum grössten Theile auszufüllen. 
Jene Durchbrüche der Hornhaut, welche durch Schmelzung herpetischer, 
zapfenförmig nach hinten verlängerter Knötchen zu Stande kommen , ent- 
sprechen allen den genannten Bedingungen im hohen Grade, und heilen daher 
auch gewöhnlich auf die besprochene Weise, wenn nicht durch secundäre 
Verschwärung der Wundränder die Entwickelung eines Epithelialfleckes un- 
möglich gemacht wird. 

Die Hebung des Geschwürsbodens ist fast immer eine ungleichmässige, 
und in Folge dessen bleibt auch die Oberfläche der auf Geschwüren entstan- 
denen Epithelialflecke gewöhnlich uneben, von unregelmässigen Erhöhungen 
und zwischenlaufenden Thälern durchschnitten. Sie hat, mit der Lupe be- 
trachtet, Aehnlichkeit mit der Oberfläche eines geschmolzenen und im Wasser 
erkalteten Tropfens Blei, und lässt auf diese Weise sehr leicht den auf einem 
vorausgegangenen Geschwüre basirenden Epithelialfleck von dem unterscheiden, 
welcher Folge einer einfachen oder vasculären Keratitis ist. 

Die Hebung des Geschwürsbodens ist ferner nur selten hinreichend, um 
allenthalben das normale Niveau wieder herzustellen, daher findet man als 
charakteristische Eigenschaft der auf Geschwüren zu Stande gekommenen 
Epithelialflecke fast constant eine, wenn auch geringe Einsenkung in das Pa- 
renchym der Cornea. Man hat fälschlicher Weise diese Einsenkung allen 
Epithelialflecken ohne Unterschied beigemessen. Ich sage fälschlich, weil die 
Vertiefung, welche nach Abschälung eines, nach einfacher oder vasculärer 
Keratitis entstandenen Epithelialfleckes, zurückbleibt, nicht die Blaftsubstanz 



214 Der Epithelialfleck der Cornea. 

interessirt, sondern ganz jenen Gruben gleich gehalten werden muss, welche 
durch partielle Abtragung normalen Epithels auf gesunden, Hornhäuten erzeugt 
werden können. 

§ 397. Der Epithelialfleck in seiner reinen Form schliesst wegen seiner 
oberflächlichen Lage und seiner Entstehungsweise begleitende Erschei- 
nungen aus, wenn man letztere im althergebrachten Sinne und im not- 
wendigen causalen Zusammenhange stehend betrachtet. Man miisste denn als 
begleitende Erscheinungen die oben erwähnten Störungen des Gesichtes an- 
sehen. Doch ist der Epithelialfleck häufig selbst nur eine begleitende Er- 
scheinung, er findet sich fast constant als Saum um die übrigen, wie immer 
gearteten Neoplasien der Cornea herumgelegt, als Grenze, durch welche diese 
Neugebilde in die normal gebliebenen Parthien der Cornea übergehen. 

§ 398. Der Begriff einer ständigen Entwickelungsform fasst schon die 
geringe Wandelbarkeit der Epithelialflecke in sich. Nichts desto weniger 
gibt es aber Umstände, welche Veränderungen in diesen Neugebilden zu veran- 
lassen im Stande sind, und daher lässt sich auch von Ausgängen sprechen. 

§ 399. Der Epithelialfleck bietet unter sämmtlichen Neoplasien der 
Cornea noch die meisten Chancen für die Möglichkeit der Heilung. Alle 
erfahrenen Augenärzte kommen darin überein, dass Zeit und zweckmässige 
Mittel Epithelialflecke zum Verschwinden bringen können. 

Bei Rindern ist das Verschwinden des Epithelialfleckes nicht selten eine 
einfache Folge der mit dem Wachsthum der Cornea gesetzten Vertheilung der 
constituirenden Elemente auf einen grösseren Flächenraum. Dadurch wird 
natürlich der Fleck verdünnt, objektiv und subjektiv weniger wahrnehmbar. 

Es ist auch nicht zu zweifeln, dass, da mit dieser Ausdehnung der Neo- 
plasie auch die Anzahl der Berührungspunkte wächst, welche sie dem unter- 
liegenden gesunden Cornealpareuchym bietet, das Besultat eintretender Besorb- 
lionsprocesse im hohen Grade günstiger ausfallen müsse. 

Bei Erwachsenen fällt dieses, die Besorbtion fördernde, Moment weg. 
Dass aber dennoch die Besorbtion eingeleitet werden könne, lehrt die tägbche 
Erfahrung. 

Der Grund dieser Aufsaugungsfähigkeit der Epithelialflecke hegt in der 
Strukturlosigkeit jener Substanz, welche dem gesunden Cornealpareuchym un- 
mittelbar auflagert und eben die Ursache der fortgesetzten Bildung trüber 
Epithelialzellen abgibt. Die Strukturlosigkeit dieses Stratums involvirt dessen 
grössere Fähigkeit, sich in Fett, Extraktivstoffe und eiweissartige Substanzen 
umzusetzen, d. h. Metamorphosen einzugehen, welche nach Virchows 205 
Untersuchungen die Aufsaugung starrer proteiniger Gebilde ermöglichen. 

Es ist gar nichts so Seltenes, die strukturlose Grundsubstanz des Epithelial- 
fleckes auffallend stärker und dunkler granulirt und von ganzen Plaques evi- 
denter Fettmolekule durchsäet zu finden. Mitunter trifft man sogar auf Parthien, 
die sichtlich lückenhaft geworden sind. Es sind Fettkörnchen und dunkle 
Moleküle in maschenartigen Gruppen auf ganz durchsichtigem Cornealparenchym 
aufgelagert. Immer participirt unter solchen Umständen der Inhalt der auf- 
liegenden Epithelialzellen. Er erscheint dunkler granulirt und mit Fettbläschen 
des kleinsten Calibers gemischt. 

Dieser Befund setzt das Vorkommen chemischer Metamorphosen in der 



Ausgänge. Xerosis corneae. 215 

Grundsubsfanz der EpUhelialflecke ausser Zweifel. Obwohl er von den drei 
Reihen der uns bekannten resorbtionsfähigon Substanzen nur das Fett nach- 
weist, stellt er doch mit Sicherheit heraus, dass diese Veränderungen eben 
nur Mittel sind, die Aufsaugung zu ermöglichen. Die lückenhafte Gruppirung 
der Moleküle in einzelnen Fällen beweist es. 

Wie die Aufsaugung eingeleitet wird, durch welche Mittel die löslich 
gewordenen Bestandtheile bei der Gefässlosigkeit der Cornea entfernt werden, 
liegt ausser dem Bereiche unseres Wissens. Sicherlich leistet dabei die Ab- 
stossung der an die Oberfläche gerückten Elemente sehr viel. Für den zelligen 
Theil des Epitheliallleckes gibt sie gewiss das Hauptmoment ab. 

Ausgemacht ist es, dass die die Resorbtion ermöglichende chemische 
Umsetzung der neoplastischen Elemente durch Reize, sie mögen von Aussen 
oder von Innen auf die Cornea wirken, mächtig gefördert werden. Sämmt- 
liche, gegen Cornealflecke empfohlene Mittel gehören unter die Classe der 
reizenden. Dass nachfolgende Entzündungen Epithelialflecke zum Verschwinden 
bringen können, ist anerkannt. Es ist wahrscheinlich, dass die Incitation des 
der Cornea eigenthümlichen Vegetaüonsprocesses und die damit gesetzte Ver- 
stärkung des endosmotischen Stromes, die Vermehrung der ihr Parenchym 
durchtränkenden Feuchtigkeit bei der Lösung der Epithelialflecke eine grosse 
Rolle spiele. Hat man es doch von jeher für ein günstiges Zeichen gehalten, 
wenn unter dem Gebrauche eines Mittels der Epitheliallleck sich lockert, auf- 
quillt, selbst Gefässe erzeugt und diese Erscheinungen durch die verschiedensten, 
oft widersinnigen Mittel, durch Scarificationen des Fleckes, Durchzug eines 
Haarseiles 206 u. s. w. hervorzurufen gesucht. 

§ 400. Die Aufweichung des Epithelialfleckes durch entzündliche Pro- 
dukte führt aber keineswegs immer zur Resorbtion, das Vorhandensein einer 
solchen Neoplasie steckt den nachfolgenden Exsudaten kein bestimmtes' Ziel 
vor. Ich sah auf dem Boden des Epithelialfleckes einfache und vasculäre 
Entzündungen sich entwickeln, herpetische Efflorescenzen und 
Geschwüre der verschiedensten Art und Form erscheinen und denselben 
Verlauf wie auf gesunden Hornhautparlhien nehmen. Es ist demzufolge leicht 
einzusehen, dass Epithelialflecke durch nachfolgende Entzündungen nicht nur 
vergrössert, sondern auch in andere ständige Entwickelungsformen umgewandelt 
werden können. 

§ 401. Der Aufweichung des Epithelialfleckes diametral entgegen- 
gesetzt ist dessen Vertrocknung, ein Zustand, der fast allgemein bezeichnet 
wird als 

Xerosis corneae. 

Die Succulenz der dem Epithelialflecke zukommenden Zellen ist einerseits 
Attribut ihres jugendlichen Alters , eine Folge continuirlicher Abstossung der 
älteren, oberflächlichen Zellenlagen, anderseits aber das Resultat ihrer steten 
Berührung mit Flüssigkeiten. 

§ 402. Die schleim- und fettgemischten Thränen so wie das die Cornea 
stets durchsetzende Kammerwasser sind es, welche nicht nur die Abschilferung 
der älteren Oberhautzellen veranlassen, sondern auch die Verdunstung des 
Feuchtigkeitsgehaltes der rückbleibenden Formelemente behindern. Der Lid- 



216 Xerosis corneae. 

schlag ist das mechanische Moment, welches die Flüssigkeiten der Conjunctival- 
höhle continuirlich über sämmtliche Theile der vorderen Augapfelwölbung 
leitet und verbreitet, er ist Bedingung, auf dass die Thränen die Vertrocknung 
des Cornealepithels hintanhalten können. 

Wo Eines oder mehrere dieser Momente fehlen oder in ihrer Wirksam- 
keit in höherem Grade beeinträchtigt werden, da häufen sich die epithelialen 
Formelemente auf der Cornealoberfläche, ihr flüssiger Inhalt verdampft, in die 
Athmosphäre, ihr Kern schwindet ganz oder zum Theile, sie verflachen sich 
zu fast durchsichtigen, mit wenigen dunklen groben Körnchen (Fett) durch- 
streuten, polyedrischen, scharf contourirten , schuppenähnlichen, trockenen 
Plättchen, welche denen der Epidermis völlig analog sind; die unterliegende, 
strukturlose Substanzlage dorrt ein; der Fleck gewinnt dasselbe Aussehen, 
welches getrübte Hornhäute aus Cadavern, nachdem sie längere Zeit offen an 
der Luft gelegen sind, darbieten, der Fleck wird mehr durchscheinend, gelb- 
lich, feinschuppig, von eigenthümlich seidenartigem oder fettigem Glänze, ähnlich 
dem Strohpapiere, er wird mit einem Worte xerotisch. 

§ 403. Die Trübung, welche das brechende Auge der Sterbenden 
und der in schweren Krankheiten Darniederliegenden charakterisirt, ist ein 
niederer Grad von Xerose, und findet ihre Begründung in der mit der Selten- 
heit des Lidschlages gesetzten Einwirkung der austrocknenden Luft auf das 
offen stehende Auge 207 . 

Atrophische, besonders aber atonische Hornhäute werden wegen 
der Verminderung des sie durchtränkenden Kammerwassers gewissermassen 
xerotisch. 

§ 404. Als eigentümliche Krankheitsform tritt aber die Cornealxerose 
nur auf, wenn wegen Exophthalmus, wegen Zerstörung , Verkürzung 
und anderweitig begründeter Schliessungsunfähigkeit der Lider der 
Thränenstrom dauernd verhindert wird, über die Cornea hinwegzufliessen 208 
oder aber Avenn durch narbige Schrumpfung der thränenabsondern- 
den Bindehaut und damit verbundene Obliteration der Ausführungs- 
gänge der Thränendrüse die Quellen der den Conjunctivalsack füllenden 
Flüssigkeiten versiegen. 

Die Trockenlegung der Conjunctiva durch narbigsehnige 
Schrumpfung ihres Gewebes ist die häufigste Ursache der Xerosis 
corneae, weithin die meisten bisher bekannten Fälle 209 leiten ihren Ursprung 
daraus ab. Die Cornealxerose stellt sich sohin gewöhnlich als Folge der 
Bindehautxerose heraus, beide zusammen bilden das, was man als X er Oph- 
thal mus bezeichnet. 

Dessen Urgrund ist Infiltration des Bindehautparenchyms mit plastischem 
Exsudate, welches zu höheren Gestaltungsformen aufsteigend, sich zusammen- 
zieht und die Conjunctivaltextur durch Druck vernichtet. 

Sowohl mechanische Schädlichkeiten als chemische sind fähig, 
durch Anregung eines exsudativen Entzündungsprocesses die Xerose zu er- 
zeugen. Weit öfter findet sich der Ausgangspunkt aber in dem Heere der 
sogenannten chronischen Ophthalmien und unter diesen steht oben an 
das Trachom. Es vereinigen diese Krankheiten in ihren Folgezuständen 
alle Bedingungen, welche zur Entwicklung der Cornealxerose erforderlich. 



Aetiologie, partielle Xerose. 217 

sind: Vernichtung der sekretorischen Thätigkeit der Bindehaut, Obliteration 
der Thränendriisen,- Aasführungsgänge, Behinderung und selbst Aufhebung 
des Lidschlages durch Schrumpfung und Verkürzung der Conjunctiva, welche 
mitunter so weit gedeiht, dass ihr Best in Form einer schmalen, sehnigen, 
silberglänzenden Brücke von dem inneren Cantus der Lider unmittelbar zu dem 
Bandlheile der Hornhaut hinüberführt, und daher nicht nur jede Bewegung des 
Bulbus, sondern auch jene der halb offenstehenden Lider unmöglich macht, der 
austrocknenden athmosphärischen Luft sohin freien Spielraum gewährt. Dazu 
kömmt noch der Umstand, dass die ursächlichen Entzündungen sich nicht immer 
auf die äusseren Theile des Sehorgans beschränken, sondern häufig auf die 
inneren gefässhaltigen Gebilde, die Uvea und Netzhaut übergreifen, und durch 
Exsudationen in deren Parenchym die Atrophie des Augapfels einleiten, also 
die letzte Quelle stopfen, aus welcher die Hornhaut ihre Feuchtigkeiten zog. 

So sehen wir dieXerosis corneae als Folgezustand derselben Uebel, welche 
den Pannus und den Epithelialfleck erzeugen. Pannus, Epithelialtleck und 
Cornealxerose sind auf einander folgende Glieder einer und derselben Krank- 
heitskette, Phasen eines und desselben Processes. Nur Entzündungen, welche 
den Epithelialtleck erzeugen, bedingen in weiterer Instanz die beschriebene 
Form der Xerose. Conjunctivalentzündungen , welche mit Ausschwitzung 
massenhafter, weicher, zur Zellenbildung hinneigender Produkte an die Oberfläche 
einhergehen, und die Entwicklung üppig wuchernder schwammiger Vegeta- 
tionen bedingen, combiniren sich nicht mit dem Pannus tenuis und dem 
Epithelialfleck, es ist der Pannus crassus ihr ständiger Begleiter, aus welchem 
sich eine zellgewebige Neubildung auf der Hornhaut herausbildet, die unter 
Umständen, welche die Xerose bedingen, in eine Form übergehet, welche man 
durch den Namen des Xerophthalmus squammosus von der besprochenen Form, 
dem Xerophthalmus glaber zu sichten, gezwungen war. 

§ 405. So wie der in Bindehautentzündungen der genannten Arten 
begründete Pannus und dessen Folgezustand, der Epithelialfleck, der Hegel nach 
über die ganze Hornhaut verbreitet ist, so ist es auch das letzte Glied des 
Krankheitsprocesses, die Xerosis, sie ist es um so mehr, als eben ihre Ent- 
wickelung die grösstmöglichste Intensität des bedingenden Conjunctivalleidens 
voraussetzt. 

§ 406. Es kommen aber auch, obwohl selten, partielle Xerosen der 
Hornhaut vor. Sie entwickeln sich im Gefolge dauernder Beizungen einer 
Cornealstelle durch nach einwärts gekehrte Cilien, und stellen das Endglied 
des in diesem Einflüsse begründeten partiellen Pannus und der Epithelial— 
schwiele vor. 

Sie theilen ihre physicalischen Eigenschaften ganz mit der allgemeinen 
Xerose, nur ihre Begrenzung auf einen blossen Theil der Cornea und die 
Aetiologie unterscheiden beide. Die Trockenheit dieses Neugebildes kann bei 
dem Mangel aller vorgenannten Bedingungen nur in dem Alter der sich häu- 
fenden oberflächlichen Zellenlagen und vielleicht auch darin begründet sein, 
dass mit dem stetigen Auf- und Niedergehen des inneren Lidkantus der Mei- 
bom'sche Schmeer, welcher wegen vorhandenem Beizzustande in reichlicherem 
Maasse abgesondert wird, an der rauhen Oberfläche der Neubildung aufge- 
strichen, die letztere eingeölt und sofort für die Thränen impermeabel wird. 



218 Die Epithelialnarbe der Cornea. 

Nur so erklärt es sich, wie die Feuchtigkeiten des Bindehautsackes darüber 
hinweglaufen, als würden sie über eine fette Fläche geleitet. 

§ 407. Die begleitenden Erscheinungen der Cornealxerose bedürfen 
nach dem bereits Erörterten keiner besonderen Aufzählung. Ich erwähne blos 
der Gesichtsstörungen, welche gewöhnlich blos Folge der Trübung der Corneal- 
oberfläche sind, und insofern aus den (§ 378 — 386} entwickelten optischen 
Gesetzen abgeleitet werden können. Augen mit totaler Cornealxerose unter- 
scheiden gewöhnlich grössere, nahe gelegene Gegenstände, und es kommen die 
meisten Beobachter darüber überein, dass Beölung der xerotischen Hornhaut 
das Sehvermögen bessere, was sich daraus erklärt, dass durch dieses Mittel 
nicht nur die Bauhigkeit der Oberfläche verringert, sondern auch die optische 
Gleichartigkeit des Gefüges vermehrt wird, die Intensität des durchgelassenen 
Lichtes also zunimmt. Doch nicht ganz selten wird durch den bedingenden 
Process im Stadio der Entzündung bereits der vegetative und sensitive Apparat 
des Augapfels im hohen Grade alterirt, funktionsuntüchtig gemacht, der Xeroph- 
thalmus combinirt sich demgemäss mit Amaurosis. Mackenzie 210 erklärt 
das Xerom als häufigen Begleiter der Anfangsstadien der Amaurosis. 

Die Amaurosis ist aber nicht die Ursache des Xerophthalmus, sie ist ent- 
weder in combinatorischer Affektion der Ader- und Netzhaut während des 
Entzündungsstadiums des die Xerose bedingenden Processes begründet, oder 
aber Symptom der durch Xerose herbeigeführten Atrophie des Augapfels. 
Wenn nämlich auch der Xerophthalmus in vielen Fällen lange Zeit besteht, 
ohne auf die inneren Gebilde des Bulbus schädlich rückzuwirken, so führt er 
doch über kurz oder lang zum Schwunde, die vegetativen und sensitiven 
Funktionen des Gesichtsorganes ersterben zuletzt in der Atrophie der sie ver- 
mittelnden Organe. 

§ 408. Dem Epithelialflecke durch Identität der constituirenden Elemente 
nahe verwandt ist 

2. Die Epithelialnarbe. 

Sie charakterisirt sich durch eine tief in das Parenchym der Cornea ein- 
greifende, ganz opake Neubildung von gesättigt weisser, weiss und rostgelb 
melirter oder ganz rostgelber bis roslbrauner Farbe, deren Bänder entweder 
verwaschen oder scharf begrenzt, die Oberfläche fettig glänzend oder kreide- 
artig, matt, rauh, schuppig abschilfernd, bisweilen auch von gelben, dem ver- 
trockneten Eiter ähnlichen Krusten belegt ist. 

Die ganze Neubildung lässt sich mit dem anatomischen Messer sehr leicht 
in Form einer fettig griesig anzufühlenden, körnig schuppigen, oder blättrig 
scholligen, spröden, leicht zerbröckelnden Masse von der Cornea abkratzen. 
Es bleibt dann ein der Grösse, Dicke und Form der Trübung congruente Ver- 
tiefung in der Substanzlage der Hornhaut zurück, deren Bänder steil abfallen, 
deren Grund unregelmässig warzig hügelig, concav oder aber etwas nach vorn 
gebaucht getroffen wird. Band und Grundfläche dieser Vertiefung sind mit 
einer dünnen Lage einer gleichmässig grauen, trüben Substanz überkleidet, 
welche sich ihrer Zartheit und festen Verbindung wegen von dem unterlagernden 
durchsichtigen Cornealparenchym ohne dessen Verletzung nicht mehr abschälen 



Anatomische Charaktere, Pathogenese. 219 

lässt. Nicht selten findet sich in dem tiefsten Theile dieser Grube ein inten- 
siver gefärbter, sehniger Fleck von weisser, braun- oder blau-schwarzer Farbe, 
welcher durch die ganze Dicke der Hornhaut hindurchgreift und die Einlöthungs- 
stelle einer Parthie der Regenbogenhaut bezeichnet. 

Bei der genaueren Untersuchung erweisen sich die der Oberfläche 
häufig aufgelagerten bräunlich-gelben Krusten als durchscheinende, bernsteingelbe, 
völlig strukturlose, brüchige, im Wasser aufquellende Massen, als vertrockneter 
Meibomscher Schmeer und Schleim. Den Hauptbestandtheil der Neubildung 
bilden Epilhelialzellen aller möglichen Grössen und Gestalten. Es sind rundliche, 
elyptische, polyedrische, gestreckte, keulenförmige und ganz irreguläre Platten 
mit dunklem, rauhem, oft wie befressenem Rande, mit hellem, häufig von 
dunklen Feltkörnchen und feinen Fettbläschen durchstreutem Körper, deren 
Kern gewöhnlich fehlt, oder nur in einem excentrisch gelagerten, lockeren 
Häufchen grauer Körnchen angedeutet ist, seltener aber, und dieses nur in den 
tieferen, noch saftigeren Schichten als ein dunkel und scharf contourirter, grob 
gekörnter Körper mit deutlichen Kernkörperchen zu erkennen ist. In den ober- 
flächlichen Lagen sind die Zellenplatten sehr dicht aneinander gedrängt, durch 
wenig oder gar keine Intercellularsubstanz gegenseitig getrennt, sie hängen fest 
aneinander und bilden derbe Massen, die sich nur schwer für das Mikroskop 
präpariren lassen. In den tieferen Schichten nimmt die Grösse der Zellen ab, 
sie sind alle mehr weniger keulenförmig oder rundlich, elyptisch, mehr saftig, 
weniger gekörnt, eine reichliche, strukturlose, grau-körnige, mit Fettkörnchen, 
häufig auch mit Kalksalzdrusen und Cholestearinkrystallen durchmischte Grund- 
substanz trennt sie von einander. An den Stellen, welche dem freien Auge 
schon rostfarben erscheinen, sind sämmtliche Gebilde der Neoplasie gleichmässig 
rostgelb, rostroth bis ins Purpurrothe tingirt. In der Grundsubstanz findet man 
Häufchen von rostrothen bis braunen und schwarzen Körnchen eingestreut und 
nicht selten auch grössere oder kleinere irreguläre Klumpen zusammengebackener, 
abgeflachter, geschrumpfter, unregelmässig zackig rauh geränderter Blutkörperchen 
von rostgelber bis purpurroter Farbe mit dunkelkörnigem Inhalt, deren Um- 
hüllungsmembran oft schon lückenhaft, den beginnenden Umsetzungsprocess zu 
Pigment erkennen lässt. Correspondirend einer vorhandenen vorderen Synechie 
sieht man gewöhnlich Massen schwarzer Pigmentkörner eingestreut in die Grund- 
substanz der tieferen Lagen. Die tiefste Schichte der Neubildung erweist sich 
als ein matt-grauer, fein-körniger, ganz strukturloser Beleg der völlig normalen 
Cornealsubstauz aufgelagert. 

§ 409. Der mikroskopische Befund lässt schon die Aetiologie der 
Epithelialnarbe errathen, es sind die sogenannten schwammigen Hornhaut- 
geschwüre, auf deren Boden die in Rede stehende Neubildung zur Ent- 
wicklung kömmt. Die zelligen Formgebilde der Granulationen gehen, nach- 
dem die Bedingungen zur Verfettigung ihres Inhaltes und sofort zu ihrer 
Abstossung unter der Form von Eiterelementen erloschen sind, die epitheliale 
Metamorphose ein. Die Intercellularsubstanz zerfällt, trocknet ein zu einer 
üchtkörnigen Masse, und wird zum Theile in Fett und Kalksalze umgesetzt. 
Damit verlieren auch die neoplastischen Gefässschläuche der Granulationen 
ihre Wandungen, die enthaltenen Blutkörperchen stagniren, und gehen jene 
Veränderungen ein, welche überhaupt extravasirten Blutelementen eigen 



220 Die Epithelialnarbe der Cornea. 

sind. Zum Theile werden sie farblos und lösen sich, während das aus ihnen 
herausgetretene Hämatin alle nachbarlichen Gebilde durchtränkt und später zu 
Pigmentkörnchen sich umsetzt, zum Theile aber behalten sie ihren Farbestoff, 
trocknen ein und backen klumpig zusammen, um in Gemeinschaft die Pigment- 
metamorphose einzugehen, oder aber zu verfettigen. 

Ursachen der verschiedensten Art sind fähig, granulirende Geschwüre und 
in weiterer Folge die Epithelialnarbe zu erzeugen. Ich sah sie nach me- 
chanischen Verletzungen, chemischen Anätzungen und ohne alle erweisbare 
äussere und innere Ursache zur Entwickelung kommen. 

Am liebsten aber granuliren perforirende Geschwüre mit Vorlagerung der 
Iris. Dieses letztere Gebilde gibt gewöhnlich den Impuls zur Anbildung der 
Fleischwärzchen, welche dann bald auch auf der geschwürigen Cornealfläche 
hervorschiessen. Dem entsprechend findet man auch fast constant am Grunde 
der Epithelialnarbe eine vordere Synechie und in den benachbarten Theilen 
der Neoplasie Haufen schwarzer Pigmentkörnchen, den letzten Resten der 
atrophirten vorgelagerten Parthien. 

Diese Einlöthung der Iris in die Durchbruchsöffnung concurrirt aber auch 
noch dadurch bei der Pathogenese der Epithelialnarbe, dass sie die Hebung 
des Ge?chwursbodens durch entzündliches Oedem der tieferen Corneallagen 
unmöglich macht, und dieses ist eine Hauptbedingung. soll eine Epithelialnarbe 
zur Entwickelung kommen, denn der Zusammenhalt ihrer constituirenden Elemente 
ist ein zu geringer, als dass dieselben bei ihrem Hervortreten über das Niveau 
der Cornea durch den Lidschlag nicht sollten abgestreift werden. Nur dann, 
wenn sie vor steter Reibung gesichert sind, können sie sich massenhaft an- 
sammeln. Da die Epithelialnarbe nur auf einen Substanzverlust der Hornhaut 
fu?st. und das Verlorne zu ersetzen bestimmt ist, rechtfertigt sich ihre Be- 
zeichnung als Narbe. 

"Wenn der Geschwürsgrund durch Ansammlung normaler Grundsubsfanz 
zwischen den Lamellen der tieferen Corneallagen emporgehoben wird, oder 
aber, dem Drucke des Augapfelinhaltes nachgebend, sich nach vorn baucht, da 
entsteht keine Epithelialnarbe. es etablirt sich gleich ursprünglich ein einfacher 
Epitheliallleck. und tritt der Grund später, nachdem bereits eine Epithelialnarbe den- 
selben überkleidet hat. staphylomatös hervor, so stossen sich die Oberhaut- 
formelemente zum grössten Theile ab. und es resultirt wieder eine Neubüdung, 
die allen Charakteren nach blos dem Begriff eines einfachen Epithelial — 
fleckes entspricht 

§ 410. Dieses letztere ist zugleich der einzige Ausgang, den ich bisher 
bei Epithelialnarben beobachtet habe. Die Epithelialnarben sind, einmal ent- 
wickelt, fast unveränderlich, sie bestellen das ganze Leben hindurch fort, ohne 
irgend welche .Metamorphosen, ausser die genannte einzugehen. 

Nur der Atrophie ist noch zu gedenken, diese fallt aber nicht sowohl 
auf Rechnung des Neugebildes selbst, sondern vielmehr auf jene der sie be- 
gleitenden Krankheitszustände. Als solche sind alle jene Veränderungen im 
Innern des Augapfels, welche bei tiefgreifenden Verschwärungsprocessen der 
Cornea und namentlich bei Durchbohrungen ihrer Substanz und Einlöthungen 
wichtiger Organe als Folgezustände vorkommen, und die Gesichtsstorungen zu 
betrachten, die allen Hornhautverdunklungen gemeinsam sind. 



Die Epithelialwarzo und das Epithclialhorn der Cornea. 221 

Als Anhang zu den Epithelialneugebilden der Hornhaut erwähne ich noch 
3. Die Epithelialwarze und das Epilhelialhorn der Cornea. 

§ 411. Es kommen auf der Cornea, obwohl äusserst selten Epithclial- 
"wucherungen vor, die in der Anordnung ihrer elementaren Formgebilde bald 
den auf der allgemeinen Körperdecke so häufigen Warzen gleichen, bald aber 
Aehnlichkeit haben mit epidermoidalen Schwielen, dem Leuch dorne, den 
Schuppen und stachelartigenExcrescenzenichtyotischer Häute. 

§ 412. Der Epithelialwarze der Cornea gedenkt Richter 211 , ohne 
aber seine Diagnose durch irgend einen plausiblen Grund zu erhärten. Er er- 
wähnt nur, dass trotz wiederholter Abtragungen der Nachwuchs derselben 
nicht hintangehalten wurde. Die Existenz dieses Neugebildes würde demnach 
im hohen Grade problematisch sein, wenn dieselbe nicht durch ein auf der 
Wiener Augenklinik seit vielen Jahren als Fungus cellularis aufbewahrtes Prä- 
parat mit ziemlicher Sicherheit dargethan würde. Leider ist der betreffende 
Tumor, der auf der Cornea und Scleralconjunctiva mit breiter Basis aufgesessen 
hatte, durch die Einwirkung des sehr starken Weingeistes ungemein verdorben, 
brettartig vertrocknet. Seine Grösse ist die einer Bohne, die Oberfläche rauh, 
der Durchschnitt stalactitenartig. Er besteht aus lauter zwirnsfadendicken Fäden, 
welche in grader Linie von der Basis zur Oberfläche ziehen. Unter dem 
Mikroskop erkennt man diese Fäden als hyaline Massen, stellenweise aber auch 
als dicht aneinander gedrängte, gekernte Epithelzellen. An manchen Parthien 
ist das Gefüge minder dicht, und besteht aus grumöser Masse, in welcher noch 
viele dunkel granulirte Kerne enthalten sind. 

§ 413. Für das Corniculum corneae habe ich keine eigene Beobach- 
tung aufzuführen. Fischer 212 erwähnt zweier solcher Fälle, in denen ein 
*/ 2 Zoll langes Hörn in der Form und Dicke eines Fingerhutes zwischen der 
Lidspalte hervorragte. Das eine war stumpf-spitzig, grau von Farbe und wie 
mit Schuppen belegt, das andere mehr kolbig, glatt, schmutzig dunkel gefärbt. 
Beide Hörner schienen aus der Epithelialschichte der Hornhaut hervorge- 
wuchert zu sein und nicht sehr fest aufzusitzen. Ihre Einreihung unter die 
Epithelialwucherungen liesse sich nach diesem Befunde noch keineswegs recht- 
fertigen, im Gegentheile müsste man der Vermuthung Raum geben, dass selbe 
mit hornartig hervorwuchernden, faserig scholligen, in Consistenz dem Knorpel 
ähnlichen Narben, wie sie später einer ausführlichen Erörterung Gelegenheit 
darbieten werden, zusammengeworfen wurden, wenn nicht in beiden ange- 
zogenen Fällen einer solchen Ansicht der Umstand entgegentrete, dass die seit 
vielen Jahren bestehenden Cornicula von Zeit zu Zeit von selbst abgefallen 
seien, sich aber immer wieder nach und nach, und in gleicher Grösse erneuert 
haben sollen. 

Ein solcher Vorgang ist nur unter Anerkennung der epithelialen Nadir 
der Geschwulst denkbar. Es gewinnen dadurch auch jene Fälle einigen 
Halt, welche Behrends 213 , Küchler 214 und Szokalski 215 veröffentlicht haben, 
und es lässt sich die Möglichkeit des Corniculum um so weniger abstreiten, als 
Velpeau 216 an Individuen, welche mit Ichthyose behaftet waren, eine den 
Panzerschuppen der äusseren Haut ähnliche epidermoidale Auflagerung auf der 
Cornea beobachtet zu haben behauptet. 



222 Bindegewebige Neoplasien auf der Cornea. 



Zweiter Abschnitt. 

Die bindegewebigen Neoplasien auf der Hornhaut. 

§ 414. Im Namen ist bereits die Begriffsbestimmung gegeben. 
Es sind Neubildungen, deren Hauptbestandtheil mehr weniger dicht ver- 
filzte Bündel ungemein feiner, theils lichter, in Essigsäure verschwindender, 
theils dunkler, durch Behandlung mit diesem Reagenz schärfer hervortretender 
Fasern sind, welche durchwegs einen sehr schön geschwungenen Verlauf zeigen, 
und in allem und jedem mit den Bindegewebsfasern übereinkommen. Einge- 
webt in diesen Faserfilz findet man bald in reichlicher, bald in geringer Menge 
Gefässe mit deutlichen, aus strukturlosen Häuten bestehenden Wänden und mit 
Blutkörperchen gefüllt, die den Zusammenhang dieser Gefässe mit dem allge- 
meinen Kreislauf auf das eclatanteste darthun. 

§ 415. Dem entsprechend repräsentirt sich die in Rede stehende 
Neoplasie bald als ein röthliches, gefässreiches, laxes, bald als ein derbes, 
graues bis sehnig -weisses, straffes, kurzfaseriges Gefüge, welches vermöge 
seines gefässigen Zusammenhanges mit dem allgemeinen Kreislaufe fähig ist, 
auf angebrachte Reize durch Congestionsröthe, auf Traumen durch mehr minder 
heftige Hämorrhagien zu reagiren, von dem Hornhautgewebe unabhängig zu 
vegetiren und selbstständig zu erkranken. 

Die Oberfläche der bindegewebigen Neoplasie deckt immer Epithel, 
welches je nach der Menge der auflagernden Schichten und sofort nach dem 
Alter der äussersten Strata bald epidermoidalen Charakter, bald aber die Eigen- 
schaften des trüben, saftigen Schleimhautepithels nachweisen lässt. 

Niemals stehen die bindegewebigen Fasern auf vollkommen gesunden, 
durchsichtigen Corneallamellen auf, ihre Verbindung mit dem Hornhaut- 
parenchyme ist constant vermittelt durch eine dünne zwischenlagernde 
Schichte grauen, trüben, strukturlosen, sehr fein granulirten Produktes, wie 
ich es auch als Grundlage des Epifhelialfleckes und der Epithelialnarbe ge- 
schildert habe. 

Doch kommt die bindegewebige Neoplasie nicht immer rein, in der eben 
angedeuteten Form zur Beobachtung. Umstände bedingen häufig Combi- 
nationen mit Neubildungen eines anderen histologischen Charakters. Man 
findet sie nicht selten vergraben unter einem mächtigen Lager aufeinander ge- 
schichteter Epidermoidalplatten, durchsetzt von derben Knoten und Streifen 
theils roher, theils faserig scholliger, theils kalkiger oder fettiger Massen; oder 
endlich ruhend auf einem dicken Stratum trüben, knorpelähnlichen Gefüges, 
welches bald ein in das Cornealparenchym infiltrirtes, bald ein auf dessen 
Oberfläche aufsitzendes, auf dem Wege der Faserspaltung organisirtes Faser- 
stoffexsudat vorstellt. 

§ 416. Auf dass sich eine reine bindegewebige Neoplasie 
auf der Cornea entwickele, müssen nämlich gewisse Verhältnisse noth- 
wendig zusammenwirken. Es muss erstens ein Blastem gegeben sein, dessen 
elementare Zusammensetzung der Höhergestaltung auf dem Wege der Zellen- 
theorie günstig ist, es muss zweitens dieses Blastem oberflächlich abge- 
lagert werden, denn infiltrirte Exsudate metamorphosiren niemals in Binde- 



Pathogenese. 223 

gewebe, und drittens muss die Exsudation eine reichliche sein, denn dünne 
Lagen wie immer constituirter Entzündungsprodukte auf der Oberfläche der 
Cornea erschöpfen sich in der Formation der epithelialen Decke und der 
strukturlosen Basis, sie entwickeln sich zu einem einfachen Epilhelialilecke. 

Granulationen, wie sie eiternden Flächen entsprossen, vereinigen 
alle diese Bedingungen in sich, und es sind wirklich auch nur fleischähnliche 
Vegetationen der Cornealoberfläche, aus welchen sich bindegewebige Neoplasien 
als ständige Entwickelungsformen hervorbilden. 

Allein nicht jede Granulation der Cornea ist geeignet, sich auf dem 
Wege der Zellentheorie bis zur Faserbildung emporzuschwingen. Dieser Vor- 
gang ist noch an eine weitere Bedingung geknüpft, und diese ist, dass die 
Gefässe der Granulation während der weiteren Entwicklung ihrer Formelemente 
mit dem allgemeinen Kreislauf in unmittelbare Verbindung treten und darin 
verbleiben können. 

Nur randständige Cornealgranulationen, welche mit der Con- 
junctiva zusammenhängen, und Granulationen, welche in perforirenden Horn- 
hautgeschwüren auf voluminöseren Vorfällen der Uvea wuchern, 
erzeugen bindegewebige Neoplasien in ihrer reinen Form. Im ersteren Falle 
sichert der Zusammenhang der neugebildeten Gefässe mit jenen der Conjunctiva, 
im zweiten Falle der Uebergang der neoplastischen Gefässe in jene der Uvea 
die Stellung der Neubildung im Bereiche des allgemeinen Kreislaufes, die Zu- 
fuhr des zur Vegetation des Bindegewebes nöthigen Blutquantums. Corneal- 
granulationen, welche auf centralen Cornealdurchbrüchen zur Entwickelung 
kommen, in welchen nur ein sehr kleiner Theil der Iris vorgefallen und weiters 
noch atrophisirt ist, solche Cornealgranulationen metamorphosiren nach meinen 
bisherigen, zahlreichen Untersuchungen niemals zur bindegewebigen Neoplasie, 
sie gehen in Epithelialnarben, häufig auch in Verkalkung und Verfertigung 
über, da unter solchen Verhältnissen die Lebensbedingungen des Bindegewebes 
nicht erfüllt sind, der Stoffwechsel in dem erforderlichen Grade nicht vor sich 
gehen kann. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Fällen stellt es sogar mit 
ziemlicher Sicherheit heraus, dass die unmittelbare Gefässverbindung mit dem 
allgemeinen Kreislauf eine reichliche sein müsse, auf dass Granulationen der 
Cornealoberfläche zu bindegewebigen Neoplasien werden, denn ich fand wohl 
Epithelialnarben und Kalkmassen, welche durch Brücken getrübten und mit 
einigen Gefässen durchwehten Cornealgewebes mit der Bindehaut in Verbindung 
standen, niemals aber bindegewebige Neoplasien der Cornea, deren Gefässe 
nicht durch zahlreiche Stämme in die Gefässe der Conjunctiva oder Uvea un- 
mittelbar gemündet hätten. 

§ 417. Damit wäre nun der grösste Theil der Aetiologie der binde- 
gewebigen Neubildungen gegeben, die Aetiologie der letzteren fliesst aus der 
der Granulationen. Eine nähere Auseinandersetzung der ursächlichen Momente 
wird aber dadurch geboten, dass diese das natürlichste Ei nth eil ungspr ine ip 
der mannigfachen Formen abgeben, unter welchen die bindegewebige Corneal- 
neoplasie zur Beobachtung kommt. 

Ein sehr auffälliger Unterschied in der äusseren Gestaltung dieser Neu- 
bildung ist vor allem darin begründet, dass die Vorläufer derselben, die Granu- 
lationen bald die Cornea ihrer gesam raten Flächenausdehnung 



224 Bindegewebige Neoplasien auf der Cornea. 

nach überkleiden, bald aber nur auf Theile ihrer Oberfläche be- 
schränkt sind. 

§ 418. Im ersteren Falle repräsentiren sich die Granulationen als 
Pannus crassus. 

Dessen aetiologischen Momenten nachspürend, finden wir einerseits die 
mit Trachom so häufig zusammengeworfenen Blennorrhoen, welche mit 
reichlicher Ausscheidung plastischer Exsudate auf der Oberfläche der Con- 
juncüva und Cornea einherschreiten, anderseits aber traumatische und 
chemische Schädlichkeiten, welche auf die gesammte Vorderfläche des 
Augapfels einwirkend, dieselbe in einen Eiterherd zu verwandeln im Stande 
sind. In beiden Fällen überzieht sich nicht selten die ganze Binde- und Horn- 
haut binnen kurzer Zeit mit üppig wuchernden Granulationen, deren Form- 
elemente schon während des Entzündungsstadiums durch auffallend gestreckte 
Formen ihre Tendenz zur Höhergestaltung in Fasergewebe kund geben, der 
Grund zur Entwickelung der bindegewebigen Neoplasie ist gelegt. Es geschieht 
nun ganz gewöhnlich, dass die einander berührenden Granulationen der Lid- 
bindehaut und der gegenüberliegenden Cornea und Conjuncüva bulbi zu- 
sammenwachsen, während mit der fortschreitenden Organisation das neo- 
plastische Gewebe schrumpft. Dadurch wird nun nicht nur die Thronen 
absondernde Fläche der Conjuncüva aufgehoben und die Ausführungsgänge der 
Thränendrüse geschlossen, durch die unmittelbare Verbindung der Lidränder 
mit der, der Vorderfläche des Bulbus auflagernden Neubildung ist auch die 
Bewegung des Augapfels und der Lider gehemmt. Die Vorderfläche des Bulbus 
kann nicht mehr von Thränen und Schleim überspült werden, und die auf dem 
lockeren, saftigen, neoplastischen Gewebe continuirlich erzeugten Epithelialzellen 
werden weder durch den Lidschlag abgestossen, noch durch die Flüssigkeiten des 
Conjunctivalsackes abgeschwemmt. Die Oberhautelemente sammeln sich zu 
dicken Lagern, ihre oberflächlichsten alten Schichten trocknen ein und mischen 
sich mit verdorrendem Meibom'schen Schmeer. Dadurch gewinnt die Vorder- 
fläche des Augapfels das Ansehen eines vertrockneten Zustandes. Die binde- 
gewebige Neoplasie als ständige Entwickelungsform des fleischigen Pannus tritt 
als eine Art des Xerophthalmus in die Wahrnehmung, unter einer Gestalt, 
welche sich dem äusseren Ansehen nach von der Xerosis glabra nur durch die 
Anhäufung aufgelagerter Epithelialelemente differenzirt, und daher als Xeroph- 
thalmus squamosus von ersterer getrennt wird, ihrer Pathogenese und dem 
histologischen Charakter nach aber gründlich verschieden ist 217 . 

Es ist nämlich nicht eine derbe knorpelige, schwach faserstreifige Masse, 
welche hier die Verbindung des Lidrandes mit der unter der Gestalt eines 
Epithelialileck.es getrübten Cornealoberfläche oder doch mit der sehnig knorpelig 
entarteten Conjuncüva bulbi vermittelt, wie dieses die Xerosis glabra charak- 
terisirt, es ist ein mehr weniger lockeres, laxes, langflockiges, gefässreiches, 
oder aber trockneres, dichteres, strafferes, deutlich faseriges Gewebe, welches 
von dem Lidrande auf die Vorderfläche des Bulbus, und oft unmittelbar zur 
Cornea übertritt, und selbe in einem mehr minder mächtigen Stratum über- 
zieht, nicht selten auch in Gestalt von bindegewebigen Falten auftritt, welche 
von dem Cornealcentrum strahlenförmig zu dem Lidrande ziehen 218 . 

So wie der fleischige Pannus aber nicht immer an allen Stellen der 



Pathogenese, ständiger Pannus crassus und herpeticus. 225 

Cornealobcrfläche in gleicher Mächtigkeit entwickelt ist, sondern von der 
Peripherie der Cornea gegen das Centrum derselben nicht nur an Dicke, sondern 
auch an Succulcnz abnimmt, so auch die daraus hervorgehende bindegewebige 
Neubildung. Man findet deren Parenchym an dem Cornealrande flockig, lang- 
zotlig, minder dicht, gegen das Centrum hin wird es kurzfaserig, straff, fester 
und dichter, ja in einem Falle fehlte der bindegewebige Ueberzug der Cornealmitte 
ganz, die Neoplasie formirte einen l 1 / 2 " / breiten Saum, der das Ansehen hatte, 
als hätte sich die Conjunctiva bulbi über den Cornealrand fortgesetzt und sofort 
die hintere Öffnung des Conjunctivalsackes bis auf eine queroyale Lichtung 
von 2'" Durchmesser verengt, welche letztere durch einen einfachen Epithelial- 
fleck geschlossen wurde. Die pannösen Elemente hatten sich im Centrum 
der Cornea nicht über die Zellenbildung emporgeschwungen, sie blieben auf 
der Stufe des Epithels stehen. 

Nicht selten, ja in den meisten Fällen geschieht es auch, dass ein Theil 
der Hornhaut während des Verlaufes der Blennorrhoe oder bei bedingenden 
traumatischen und chemischen Schädlichkeiten in Folge eintretender paren- 
chymatöser Ulceration ganz zerstört wird, und dieses zwar entweder bevor 
sich der Pannus crassus entwickelt hatte, oder aber erst nach dessen voll- 
ständiger Ausbildung. Das Geschwür kann nun ganz nach seiner eigenen Weise 
heilen, während sich nebenbei Granulationen auf der Bindehaut und den Resten 
der Hornhaut entwickeln, oder aber schon entwickelte weiter metamorphosiren. 
Man findet daher oft bindegewebige Neubildungen, welche den Resten der 
oberflächlichen Hornhautblätter aullagernd, mehr minder tief greifende und 
selbst die ganze Dicke der Cornea durchsetzende Narben epithelialen, knorpelig 
sehnigen oder kalkigen Gefüges umsäumen. Es scheint dann bei der Betrachtung 
des Auges von vorneher, als wäre die Cornea auf ein kleines trübes Scheibchen 
zusammengeschrumpft, während bei genauerer Untersuchung von der Augapfel- 
höhle aus die Hornhaut nur um weniges verkleinert gefunden wird, ihr peri- 
pherer Theil ist von aussen durch die bindegewebige Neoplasie verdeckt, und 
was man für den Rest der Cornea gehalten hat, ist blos eine centrale Narbe. 
Solche Befunde sind ungemein häufig. 

§ 419. Durch diese complicirten Formen reiht sich an die, aus dem 
Pannus crassus hervorgehenden Neoplasien unmitfelbnr jene an, zu welchen 
der Pannus herpeticus mitunter Veranlassung gibt. 

In der Regel ist die einfache Keratitis, welche gleichsam das Receptaculum 
abgibt, auf dem die herpetischen Efflorescenzen verschiedener Generationen 
bei dem Pannus herpeticus sich entwickeln, nicht fähig, eine bindegewebige 
Neoplasie zu erzeugen, ihr Produkt erschöpft sich in der Formation eines ein- 
fachen Epithelialfleckes oder aber organisirt zu einer faserig scholligen Narben- 
masse, welche späterhin die ständig gewordenen exanthematischen Exsudate 
auf einer gemeinschaftlichen Basis vereinigt, 

Ein von mir beobachteter Fall 219 beweist aber die Möglichkeit reich- 
licher Ablagerung entzündlichen Exsudates zwischen den einzelnen herpetischen 
Knoten nach Art des Pannus crassus und dessen ausnahmsweiser Organisation 
zu einem röthlichen, mit zahlreichen Gefässen durchzogenen, leicht blutenden 
Gewebe, welches sich in Falten auflieben lässt und mit der gleichzeitig ver- 
dickten Conjunctiva in dem äusseren Ansehen ganz übereinstimmt. 
St eil wag, Ophthalmologie. I. 15 



226 Bindegewebige Neoplasien auf der Cornea. 

Ganz sicherlich gehören hierher weiter Beer's 220 Fleischwärzchen 
der Bindehaut des Augapfels, die Carunculae, Epanastemafa, welche zu- 
weilen die ganze Cornea in Gestalt kleiner, warzenförmiger, röthlicher Knötchen 
übersäen, denn Beer führt ausdrücklich als Grund ihrer Entstehung öfters wieder- 
holte s er oful ose Augenentzündungen und eine zu üppiger Vegetation geneigte 
Constitution an. 

§ 420. Weit weniger selten, als die beiden genannten Formen der 
bindegewebigen Neoplasie, findet man Narbenmassen, welche aus 
reinem Bindegewebe mit epithelialem Ueberzuge bestehen, und 
Substanzverluste füllen, welche in Folge von durchbohrenden Geschwüren 
in dem Cornealgewebe gesetzt wurden. Es ist dabei gleichgiltig, ob das Ge- 
schwür in inneren Ursachen begründet war, oder aber die eiternde Fläche 
einer penetrirenden Cornealwunde darstellte, wenn nur ein namhafter Theil der 
Iris vorfiel oder aber der Standort des Geschwüres ein solcher war, dass die 
sich entwickelnden Granulationen mit dem Conjunctivalsaum in unmittelbarer 
Berührung standen, unter solchen Bedingungen bietet gewöhnlich die Narben- 
inasse die Charaktere des Bindegewebes dar, eines flockigen, langfaserigen, 
oder straffen, kurzfädigen Gewebes, welches von einer Wundfläche zur andern 
hinüberzieht und mit dem Gewebe der Conjunctiva oder aber der vorgefallenen 
Iris in unmittelbarer Verbindung steht, während der Zusammenhang mit dem 
Cornealgewebe durch trübe strukturlose Masse vermittelt wird. Die äussere 
Form der Narbe richtet sich unter diesen Umständen natürlich nach der Gestalt 
des Geschwüres, sie ist häufig strich-, balkenförmig u. s. w. und nimmt selbst 
bei runden Geschwüren nicht selten diese Form an, indem sie durch Verkürzung 
während ihrer Organisation gegenüberstehende Wundränder einander nähert. 

§ 421. Unstreitig am häufigsten etablirt sich aber die bindegewebige 
Neubildung auf nicht p er forir enden Geschwüren, welche durch Ver- 
brennung oder chemische Anätzung einer peripheren Cornealparthie 
lind der nachbarlichen Portion der Bindehaut bedingt werden. Solche Ge- 
schwüre neigen vor allen anderen zur Granulation. Dann findet man die Con- 
junctiva an der der Schädlichkeit ausgesetzt gewesenen Stelle mächtig verdickt, 
in ein zahnfleischähnliches, rosenrothes, mit zahlreichen Gefässen durchsetztes, 
weiches, laxes, faseriges Neugebilde verwandelt, welches sich über den Corneal- 
rand hinüberlegt, und je nach der Grösse des ehemaligen Cornealgeschwüres 
grössere oder kleinere Portionen der Cornealoberlläche überzieht. 

Die Neoplasie formirt dann häufig eine Art Flügelfell von un regel- 
mässiger Gestalt mit abgerundeter, kolbiger, fleischiger, auf der Cornea 
aufsitzender Spitze und zackiger, gegen die Uebergangsfalte der Conjunctiva 
gerichteter Basis. In anderen Fällen ähnelt die solcher Art zur Entwickelung 
gekommene Neubildung einem umgekehrten Pterygium, dessen Basis in das 
Bereich der Cornea fällt, und hier entweder mit einem convexen oder nieren- 
förmig eingebogenen Bande begrenzt ist, während die Seitenränder bald in 
gerader Bichtung gegen die Uebergangsfalte convergiren und so eine Fächer- 
form erzeugen, bald aber in gebogenem Verlaufe mit ihren Convexitäten an 
einander treten, und der Neubildung die Gestalt eines Kelchdurchrisses geben. 

Immer ist der auf die Cornea fallende Theil der Neubildung von einem 
Epithelialflecke oder aber von einer faserig scholligen Narbe umsäumt, während 



Symblepharon anterius, Naevus corneae. 227 

der äusserste Rand im Bereiche der Conjunctiva sich in starke Gefässe auflöst» 
welche in der UebergangsfaUe verschwinden. Daraus ergibt sich schon, dass 
die Ausdehnung der bindegewebigen Neoplasie auf der Cornea 
nicht immer der Grösse des vorläufigen Geschwüres entspricht, 
der Randtheil der Granulationen kann die bindegewebige Metamorphose um- 
gehen. Umgekehrt kann auch die bindegewebige Neoplasie auf der Cornea 
einen grösseren Flächenraum einnehmen, als das bedingende Geschwür, ja ich 
sah bindegewebige Neoplasien auf Hornhautstellen, die von der ursächlichen 
Schädlichkeit gar nicht getroffen wurden. Ich sah üppig wuchernde Granu- 
lationen auf dem Conjunctivalsaume, die mit ihren überhängenden Randtheilen 
an die in Contakt stehenden Parthien der Cornea anheilten und so die con- 
secutive bindegewebige Neoplasie auf Stellen verpflanzten, auf welche der 
heisse Körper oder das Aetzmittel gar nicht gewirkt hatte. 

Es ist etwas sehr gewöhnliches, dass in das Auge gelangende chemische 
Agentien oder heisse Körper nicht nur die Cornea und Conjunctiva bulbi, 
sondern auch die gegenüberliegenden Parthien der Lidbindehaut in einen 
Eiterungsprocess mit Granulationen verwickeln. Die einander berührenden 
Fleischwärzchen der beiden gegenüberliegenden Flächen vereinigen sich dann 
bald zu Einer Masse, welche unter ihrer weiteren Organisation zu Bindegewebe 
durch die Bewegungen des Bulbus und der Lider in verschiedene Formen ge- 
zerrt wird und das vorstellt, was Amnion 221 ein Symblepharon anterius 
genannt hat. Das Symblepharon anterius ist wesentlich nichts anders, als eine 
bindegewebige Neoplasie, welche die Cornea und Conjunctiva bulbi, oder letztere 
allein mit der Lidbindehaut in krankhafte Verbindung setzt 222 . 

§ 422. Die begleitenden Erscheinungen hat die bindegewebige 
Neoplasie mit allen übrigen Neubildungen auf der Hornhaut gemein. Sie 
variiren, je nachdem das bedingende Geschwür ein excentrisches oder centrales, 
ein oberflächliches oder perforirendes war, je nachdem es sich auf einen Theil 
der Cornea beschränkte, oder aber die Hornhaut ihrem ganzen Flächeninhalte 
nach einen Granulationsherd dargestellt hatte. 

§ 423. Einmal entwickelt, besteht die bindegewebige Neubildung durch 
das ganze Leben hindurch unverändert fort, und selbst die aus begreiflichen 
Gründen nicht selten hinzutretende Atrophie des Bulbus ist nicht im Stande, 
ihr Gefüge wesentlich zu modiflciren. Nur Entzündungen ihres gefässhaltigen 
Gewebes dürften mitunter Texturabweichungen in derselben bedingen. 

§ 424. Eine ganz besondere Form von Neubildungen auf der Hornhaut 
stellen Auswüchse vor, welche trotz öfters vorgekommenen Exstirpationen ihrer 
Textur nach gänzlich unbekannt geblieben sind, und daher kaum mit einiger 
Sicherheit in einem wissenschaftlichen Systeme eingereiht werden können. Sie 
ähneln ihrem äusseren Aussehen nach sehr denNaevis der äusseren Haut und 
mögen daher als 

Mahl der Hornhaut, Naevus corneae 

hier eine Stelle finden. Vor allem häufig sind dieses scharf begrenzte, weiche, 
fleischähnliche, röthliche, leicht blutende Knoten, welche entweder zum Theile 
auf der Bindehaut, zum Theile auf der Hornhaut, oder aber auf einem dieser 

15. 



228 Bindegewebige Neoplasien auf der Cornea. 

Organe allein fussen, und bald mit breiter Basis, bald aber durch einen längeren 
oder kürzeren Stiel mit der Hornhaut oberflächlich in Verbindung stehen. 
Desmarres 223 hält sie für ganz gewöhnliche Granulationen, die entweder auf 
oberflächlichen Cornealgeschwüren oder auf vorgefallenen Irisparthien zur Ent- 
wickelung kommen. Es lässt sich mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen^ 
dass ein bedeutender Theil der bekannt gewordenen Fälle wirklich in der- 
artigen Verhältnissen begründet sei, so wie Granulationen auf anderen Körper- 
teilen mitunter enorme Geschwülste constituiren, und selbst als gestielte Vege- 
tationen auftreten, so können auch Fleischwärzchen auf dem Conjunctivalrande 
und auf der Cornea zu ungewöhnlichen Formen, warzenähnlichen Gebilden 
emporwuchern 22i . Indess für viele veröffentlichte Fälle wird eine solche 
Entwickelungsweise sehr problematisch, und namentlich dort, wo die warzen- 
förmigen Fleischauswüchse der Hornhaut schon mit auf die Welt gebracht 
werden 225 , lässt sich eine solche Pathogenese nur mit der äussersten Schwierig- 
keit vertheidigen. 

Ungewöhnlicher Gefässreichthum solcher bindegewebigen Neubildungen 
mag wohl zu Gräfe's Behauptung Anlass gegeben haben, nach welcher auf der 
Cornea auch Telangectasien vorkommen sollen 226 . 

Durch höhere Gestaltung der fleischwärzchenähnlichen Excrescenzen, na- 
mentlich wenn das ursprüngliche Blastem an Fibrin reich und daher auch zum 
Theile auf dem Wege der Faserspaltung organisirt, dürften jene knorpel- 
artiaen Auswüchse zustande kommen, deren man hier und da Erwähnung 
findet~ 227 . 

§ 425. Eine ganz besondere Erscheinung ist die Haarbildung auf 
solchen Auswüchsen. Es sind bald nur einige wenige lange und steife 
Haare, bald aber eine grosse Anzahl derselben, sodass die Neubildung das 
Ansehen eines langhaarigen Pinsels bekömmt. Nicht selten mischen sich die 
steifen, den Cilien ähnlichen Haare mit feinen weissen Wollhaaren 22s . Das 
Nachwachsen derselben nach Ausziehungen stellt es mit Sicherheit heraus, dass 
die Haare aus Haarbälgen mit allen deren Attributen hervorgehen. 

Die Ent Wickelung der Haarbälge in bindegewebigen Neoplasien 
kann nach dem Vorhergehenden nicht mehr Wunder nehmen. Sie lässt sich 
aus den allgemeinen Gesetzen der Haarbildung leicht deduciren. Es sind nämlich 
die ersten bekannten Formelemente der äusseren Körperdecke und jene der 
Fleischwärzchen ganz identisch, oberflächlich rundliche, denen der Epidermis 
ähnliche Zellen, und darunter Zellen durch gestreckte Formen ihre Tendenz zur 
Faserbildung andeutend. Erst später differenziren sich bestimmter Oberhaut 
und Derma, sowie die Epithelialdecke und die bindegewebige Textur in den 
sich organisirenden Granulationen. Darf man nun aus der Gleichheit dieser 
Vorgänge auf die Identität in dem Haarbildungsprocesse der äussern Haut und 
der in Organisation begriffenen Granulationen schliessen, und die Haarbildung 
auf Neubildungen anderer Körpertheile spricht dem das Wort: so kommen 
Haarbildungen in der ständigen Entwickelungsform der Granulationen, sowie in 
der äusseren Haut dadurch zu Stande, dass sich die weicheren Lagen der 
Epithelialschichte stellenweise durch Wucherung in Wärzchen- und später in 
Flaschenform, als Haaranlage in das faserig werdende, gefässreiche Parenchym 
einsenken und nun durch weitere Differenzirung in die Wurzelscheiden, das 



Schollig faserige Neoplasien auf der Cornea. 229 

Haar und die Haarpapille umwandeln, während die äussere Wurzelscheide 'des 
späteren Balges durch weitere Wucherung und eigenthüniliche Umstaltung ihrer 
Zellen die Talgdrüsen des Haarbalges erzeuget 229 . 

§ 426. An den Naevus corneae reihen sich einige Neubildungen, 
welche auf der Hornhaut gesehen, aber nicht näher untersucht, oder doch nur 
auf eine Weise beschrieben wurden, welche ein näheres Eingehen auf ihre 
Textur ganz unmöglich macht. Es sind dieses theils schwammartige Aus- 
wüchse 230 (möglicher Weise Carcinome), theils sind es Gewächse, welche 
ihrem äusseren Aussehen nach Fett- und Speckgeschwülste genannt 
wurden 231 . 



Dritter Abschnitt. 

Die schollig faserige Neubildung auf der Hornhaut. 

§ 427. Sie ist die ständige Entwickelungsform der auf dem Wege der 
Faserspaltung organisirenden Entzündungsprodukte. 

§ 428. Grosse Derbheit und Starrheit, sowie ein geringer Grad 
optischer Ungleichartigkeit charakterisiren ihr knorpelähnliches Gefüge. 

Der Regel nach geschichtet, lässt sie sich leicht in schollige Fetzen, 
reissen, welche entweder ganz strukturlos, gleichmässig trüb, ungemein fein 
staubartig molekulirt und gekochtem Eiweisse ähnlich sind, oder aber bei ge- 
ringerem Grade von Trübheit der Grundmasse eine höchst zarte, undeutliche 
Faserstreifung erkennen lassen; in den höchsten Entwickelungsgraden aber bei 
bedeutender Pellucidität aus lauter äusserst feinen, lichten, parallel in welligem 
Zuge verlaufenden, in verdünnter Essigsäure verschwindenden Fibrillen zu- 
sammengesetzt werden, welche letztere durch eine völlig homogene, hyaline 
Zwischenmasse vereinigt sind und nur an den oft flammig zackigen Rändern 
fransenartig auseinanderfahren. 

Gefässe kommen der faserig scholligen Neubildung auf der Hornhaut, 
wenigstens in deren reiner Form, nur sehr wenige zu, oder mangeln auch ganz. 

§ 429. Damit ist schon die Ernährung der Neoplasie zum grossen 
Theile in Abhängigkeit gestellt von dem Muttergewebe, der Hornhaut, oder 
vielmehr von dem die Cornea durchtränkenden und nährenden Kammerwasser. 

Wenigstens für jene Fälle wird die Ernährung der Neoplasie auf dem 
Wege der Durchtränkung von Seite des Humor aqueus unabweisbar, in welchen 
die Neubildung in dünnen Schichten zwischen saftige Cornealblätter einge- 
schlossen oder aber der Hornhaut auflagernd, ringsum von gesundem gefäss- 
losem Hornhautgewebe umgeben, jedes gefässigen Zusammenhanges mit dem 
allgemeinen Kreislaufe entbehrt. 

In jenen Fällen, in welchen die Neubildung durch neoplastische Gefässe 
mittelbar oder unmittelbar zusammenhängt mit der Bindehaut oder aber mit 
vorgefallenen und in die Neoplasie eingeheilten Parthien der Uvea oder Netz- 
haut, in solchen Fällen, sage ich, erklärt sich der fortgesetzte Stoffwechsel viel 
einfacher und sicherer aus der durch die offenen Gefässe stetig zuströmenden 
Blutmasse, und dieses um so mehr, als sehnig knorpelige Gewebe bekannter 
Maassen nur sehr geringe Mengen nährender Stoffe zu ihrem Weiterbestände 



230 Faserig schollige Neoplasien auf der Cornea. 

befiöthigen. Die Ableitung der Ernährung aus den eingewebten, wenn auch 
noch so sparsam vertheilten Gefässen wird insbesondere dort geboten und diese 
müssen als einzige Nahrungsquelle betrachtet werden, wo die Neoplasie in an- 
sehnlicher Mächtigkeit entwickelt, ohne zwischengelagerte Schichten saftreichen 
Cornealparenchyms besteht, und durch die gleichzeitig vorhandenen Veränderungen 
im Innern des Augapfels die Absonderung des Kammerwassers sehr beschränkt 
oder auf Null reducirt ist. 

§ 430. Nur derbe, saftarnie, schnell erstarrende, genuin faserstoffige 
Exsudate und Exsudatantheile organisiren auf dem Wege der Fasei Spaltung. 
Dieser Entwickelungsvorgang ist aber der Blutbildung im hohen Grade fremd. 
Wo immer also neoplastische Gefässschläuche und Gefässe in einer faserig- 
scholligen Neoplasie zur Beobachtung kommen, muss ihre Entstehung zum 
grössten Theile auf Rechnung von Produkten geschrieben werden, die dem 
genuin faserstoffigen beigemischt, zur Zellenbildung geeignet er- 
scheinen. 

§' 431. Dem entspricht auch ganz der mikroskopische Befund. 
Das Gefüge der faserig scholligen Neubildung ist um so lockerer, je grösser 
sein Gefässreichthum ist. Wo solche Neoplasien, im Leben oder Tode ange- 
schnitten, blutig punktirte Wundflächen zeigen, da lassen sich immer schon mit 
freiem Auge die einzelnen Blattschichten unterscheiden, es finden sich zwischen 
den einzelnen Lamellen der Neoplasie Elemente, welche offenbar auf anderen 
Wegen, als auf dem der Faserspaltung ihre Höhergestaltung einzuleiten strebten. 

§ 432. Insofern müsste demnach die gefässhaltige, faserig schollige 
Neubildung schon als unreine Form betrachtet werden. Indessen lässt sich 
um so leichter von diesen Beimengungen absehen, als sie innerhalb des faserig 
scholligen Gefüges niemals zu organischen Formelementen im engeren Wort- 
sinne gedeihen, sondern immer nur als grobkörnige Molekularmasse in der 
Entwickelung stehen bleiben, und höchstenfalls es zu kernähnlichen Grumen- 
häufchen und einzelnen krüppelhaften Kernen bringen. 

§ 433. Die faserig schollige Neubildung auf der Hornhaut, sobald sie 
zu Tage steht, ist der Regel nach mit Epithel bekleidet, das dem ganz ent- 
spricht, welches den einfachen Epithelialfleck constituirt. Sie ist ferner mit 
Ausnahme jener Fälle, in welchen sie nach totalem Verlust der Hornhaut die 
Scleralöffnung ganz ausfüllt, constant von einem Epithelflecke umsäumt. Auch 
diese Form der faserig scholligen Neubildung kann nicht als unreine gelten, 
denn der umgürtende Epithelialfleck ist nach dem Vorhergehenden nur eine 
aus Mangel an organisirbarem Blasteme verkümmerte faserig schollige Neoplasie. 

§ 434. Als gemischte Formen sind nur jene zu bezeichnen, in 
welchen die faserig schollige Neubildung mit einem dicken Stratum epithelialer 
Formgebilde oder aber mit einer Lage Bindegewebe überzogen gefunden wird, 
ferner jene Fälle, in welchen die faserig schollige Neubildung neben einer 
Epithelialnarbe besteht, oder von einem Saume lockeren Bindegewebes um- 
geben wird oder endlich kalkige oder verknöcherte Massen puddingartig ein- 
geschlossen hält. 

§ 435. Die Aetiologie der faserig scholligen Neubildung lässt sich 
in Einem Worte zusammenfassen, es lautet: Entzündung. 



Pathogenese. 231 

Jede Keratitis mit Exsudation genuin faserstoffiger Pro- 
dukte kann unter Umständen diese Neubildung nach sich ziehen, und es 
ist dabei gleichgültig, ob dieses Produkt ein primär ausgeschiedenes ist oder 
auf Substanzverlusten, als Folgen der Vereiterung früherer Exsudattonen, zu 
Stande kommt, oder aber ob es zu bereits vorhandenen, und sich wie immer 
gestaltenden, Ablagerungen hinzutritt. Daraus folgt, dass Hornhautentzündungen 
jeder Form die Veranlassung zur Entwicklung dieser Neoplasie geben können, 
und dieses um so mehr, als nicht nur die Keratitis Simplex, sondern auch 
die mit Gefässentwickelung einhergehende Cornealinflammation, 
welche die gewöhnlichste Begleiterin und fast consfante Schlussform sämmt- 
licher entzündlicher Processe auf der Hornhaut ist, als Ausgangspunkt der 
faserig scholligen Neubildung zu betrachten sind. 

Jener Theil des entzündlichen Produktes, welcher bei der Keratitis 
vascularis in Zellen- und Kernbildungen sich zu ergehen fähig ist, wird 
nämlich schon während des inflamatorisehen Processes zum Theil unter der 
Form neoplastischer Blutkörperchen, zum Theil im gelösten Zustande durch die 
offenen Gefässräume abgeführt. Mit der Beendigung des entzündlichen 
Exsudationsprocesses hört dann auch die Blutbildung auf, die Gefässe schwinden 
ganz oder zum grössten Theile und von den zur Organisation auf dem Wege 
der Faserspaltung nicht geeigneten Bestandtheilen des keratitischen Produktes 
bleiben nur jene oben erwähnten rudimentären Formgebilde in den Zwischen- 
räumen der faserig scholligen Blattlagen zurück. Und selbst diese letzten 
Beste der weicheren vascularisirenden Exsudatantheile verringern sich häufig 
noch ausnehmend und verschwinden wohl auch ganz und gar auf dem Wege 
einer in das Stadium der ständigen Entwickelungsform fortgesetzten Besorbtion, 
wie sich aus dem Umstände schliessen lassen dürfte, dass man nicht so selten 
in den Zwischenblattlagen der faserig scholligen Neubildung freies Fett in 
Körnchen und Bläschenform findet. 

Daraus geht hervor, dass man aus dem Vorhandensein solcher Substanz- 
lagen in den Zwischenblatträumen einer faserig scholligen Neubildung wohl 
auf deren Begründung in einem gefässbildenden Entzündungsprodukte schliessen 
könne, dass aber umgekehrt der Beichthum einer entzündeten Hornhautparthie 
durchaus keinen Maassstab abgebe für die Vascularisation der nachfolgenden 
ständigen Entwickelungsform. 

Dieser Satz findet seine vollste Bestätigung in der nicht so seltenen 
Beobachtung von rostrothen bis braun-schwarzen Pigmenthäufchen 
und in Pigmentbildung begriffener Häufchen zusammengebackener Blut- 
körperchen, Avelche in den Blattzwischenräumen völlig gefässloser, faserig 
scholliger Neubildungen eingeschaltet, offenbar nur daraus zu erklären sind, 
dass in einer früheren Epoche entweder Blutextravasate aus Gefässen statt- 
gefunden haben, oder aber neoplastische Blutpunkte und Bliilschläuche vor- 
handen waren, welche mit dem allgemeinen Kreislaufe noch nicht in Verbindung 
standen, als der Exsudationsprocess sein Ende erreichte, wo also die Blut- 
elemente in den Zwischenblattlagen liegen blieben und in das der Besorbtion 
hartnäckig widerstehende Pigment metamorphosirten. 

§ 436. So wie nun das Exsudat in der Keratitis bald als Infiltrat 
auftritt, bald als Auflagerung auf die Hornhautoberfläche, bald als 



232 Die parenchymatöse, faserig schollige Neubildung in der Cornea. 

Beleg geschwüriger Substanzverluste, so ist auch die ständige Ent- 
wickelungsform desselben, die faserig schollige Neubildung bald schichtenweise 
in die Zwischenblatträume der Cornea eingeschaltet, bald deckt sie einen Theil 
der Cornealoberfläche in Form einer sehnig knorpeligen Haut, bald aber erfüllt 
sie die Gruben ehemaliger Geschwürsmulden. 

Es Hesse sich daher die fragliche Neubildung sehr einfach einfheilen in 
den parenchymatösen Fleck, das eigentliche, oberflächlich ge- 
lagerte Leucom und in die faserig schollige Narbe. 

Die Heilung der Cornealgeschwüre durch Hebung ihres Bodens macht 
aber häufig, dass Leucome auf tiefgreifenden, selbst durchbohrenden Geschwüren 
zu Stande kommen, und sofort als wahre Narben fungiren. Ich ziehe es daher 
vor, den Begriff der faserig scholligen Narbe mit Bücksicht auf das 
eben erwähnte Verhältniss zu beschränken auf jene Neubildungen dieser Art, 
welche penetrirende Wunden verlöthend und durchgreifende geschwürige 
Substanzlücken ausfüllend, die ganze Dicke der Cornea durchsetzen. 

Eine solche stricktere Begriffsbestimmung ist um so nothwendiger, als es 
nur dadurch möglich wird, jene faserig scholligen Narben einzureihen, 
welche nach totalem Verluste der Hornhaut auf den blossliegenden, 
gefässhaltigen Häuten der Bulbushöhle anschiessen und in aetiologischer, sowie 
in symptomatischer Beziehung durch zahllose Zwischenformen ihre innige Ver- 
wandtschaft mit den ersteren nachweisen. 

i. Die parenchymatöse, faserig schollige Neubildung der Cornea. 

§ 437. Sie erscheint dem freien Auge unter der Form rauchiger, 
bläulich durchscheinender Trübungen; als dichtere, minder diaphane, figurirte 
Wolken; als ganz opake, weisse Flecken, Streifen, mondsichelförmige Gestalten; 
als Binge, welche das Centruin der Cornea umkreisen u. s. f. 

Sie ähnelt in dem äusseren Ansehen ausnehmend dem Epithelialllecke und 
mitunter auch den alsbald zu beschreibenden oberflächlichen Leucomen, unter- 
scheidet sich aber gründlich dadurch, dass zwischen der Oberfläche der Trü- 
bung und dem Cornealepithel immer eine mehr weniger dicke Schichte pellucider 
Cornealsubstanz eingeschoben ist, dass sofort das überlagernde Cornealepithel 
selbst, wenn auch matter, doch nicht ganz seine Durchsichtigkeit verloren hat 
und vermöge der Homogeneität seines Gefüges noch fähig ist, ziemlich licht- 
starke Spiegelbilder zu erzeugen; sie unterscheidet sich ferner dadurch, dass 
sie im Falle peripherer Lagerung stets mit scharfem Bande in einiger Ent- 
fernung von dem Limbus conjunctivalis abgeschnitten endet, und niemals bis 
an die Flächen des Scleralfalzes ansteht, während der Epithelialfleck und das 
Leucom bei gleicher peripherer Lagerung, entsprechend der Verbreitung des 
Cornealepithels, unmittelbar an den Bindehautsaum angrenzen. 

Natürlich gelten diese Kennzeichen nur für jene nicht allzuhäufigen Fälle, 
in welchen sich der parenchymatöse Fleck nicht mit dem Epithelialflecke und 
dem Leucome im engeren Wortsinne combinirt. In diesen Fällen gibt dann 
die Stellung der beiden Trübungen in verschiedenen Niveaus ein noch hand- 
greiflicheres Criterium zur Unterscheidung beider. 

§ 438. Der mikroskopische Befund commentirt diese diagnostischen 
Zeichen. In unmittelbarer Nähe der getrübten Cornealschichten findet man 



Anatomische Charaktere. 233 

die Hornhautlamellen weniger saftig, weniger schwellend, minder durchsichtig, 
ohne getrübt zu sein, ihre Faserung ist deutlich, oft deutlicher als in der Norm, 
allein die Objekte entbehren ihres natürlichen Glanzes, sie sind matter, ihre 
Ränder brechen das Licht weniger stark, es nimmt die Schärfe der Contouren 
ab, fremde Elemente finden sich hier gar keine. Präparate aus den getrübten 
Schichten der Cornea selbst zeigen noch deutlich die parallelogrammatischen 
Fetzen der Comealblätter mit ihrer eigentümlichen Faserung, allein die eben 
bemerkten krankhaften Charaktere treten noch weit mehr hervor, die Lamellen 
erscheinen noch trockener, saftärmer, ohne Glanz, gleichmässig trüblich, äusserst 
fein staubig. Dazwischen findet man je nach der Stärke der Trübung ent- 
weder noch gar keine fremden Stoffe in geschichteter Form, die trüben 
rauchigen Corneallamcllen liegen unmittelbar aufeinander, die Neubildung 
besteht blos in der staubähnlichen Auflagerung auf die glanzlosen Lamellen; oder 
aber, und dieses findet bei dichteren Flecken statt, lässt sich die Neubildung 
schon als zusammenhängende Schichte nachweisen, sie erscheint als eine fein 
staubige, mit gröberen Körnchen durchstreute, hautartige Gerinnung, die sich 
von den Cornealblättern noch durch ihre abgerundeten, rauhen, oft kerbigen, 
dunklen Contouren unterscheidet, mitunter auch schon hier und da eine feine, 
undeutliche Streifung erkennen lässt. In ganz opaken, weissen, dicken Flecken 
endlich verschwinden die Comealblätter ganz, die trübe Masse erscheint 
blätterig, die Blätter sehr pellucid, äusserst fein und licht wellig gefasert, mit 
flammig zackigen Objekträndern. Häufig mischen sich auch strukturlose, blos 
körnige oder faserstreifige Blätter mit den auf der höchsten Entwickelungs- 
stufe stehenden Schichten. Die Zwischenblatträume enthalten statt der, wahr- 
scheinlich in Folge der Compression oder aber der behinderten Durchtränkung 
mit Kammerwasser atrophirten, Corneallamellen die oben genannten Molekular- 
massen, Fett und rudimentäre Kerne, oder aber fehlt jede Zwischensubstanz, 
die faserig scholligen Schichten berühren einander vollständig. Gefässe sah 
ich in der reinen parenchymatösen faserig scholligen Neubildung noch nie. 
Eben so wenig Blutkörperchen und deren Metamorphosen. Das über einem 
solchen infillrirten Cornealfleck lagernde Epithel, selbst wenn zwischen beiden 
eine bedeutende Schichte durchsichtigen Hornhautgewebes eingeschoben ist, 
erscheint gewöhnlich minder pellucid, seine einzelnen Zellen weniger glänzend, 
ihr flüssiger Inhalt etwas neblig, fein staubig. 

§ 439. Der Sitz des parenchymatösen Hornhautfleckes ist constant auf 
den blätterigen Theil der Cornea beschränkt, die strukturlose Randsubstanz 
der Hornhaut partieipirt niemals, sie bleibt immer durchsichtig, wie man selbst 
in den compiieirtesten Formen, bei totaler Trübung der vordem Cornealober- 
fläche durch Epithelialflecke oder Leucome, am Cadaver durch Betrachtung 
der Hornhaut von hinten her nachweisen kann. 

§ 440. Der parenchymatöse Hornhautfteck niederer Grade repräsentirt 
sich als eine einfache Gerinnung der zwischen den Hornhautlamellen de norma 
enthaltenen Grundsubstanz, in den dichtesten Flecken aber tritt sie schon als 
normwidrige Massenvermehrung der gleichzeitig morphologisch umgewandelten 
Grundsubsfanz auf, wo diese Substanz fehlt, im äussersten Cornealrande, ent- 
wickelt sich daher die genannte Neubildung nie. 

Der infiltrirte Cornealfleck stellt mit einem Worte nur eine weitere Phase 



234 Die parenchymatöse faserig schollige Neubildung an der Cornea. 

jener Form der Keratitis parenchymatosa vor, welche ich als Grund- 
form, als Keratitis Simplex geschildert habe. Der erstere ist die ständige 
Entwickelungsform der in der letzteren auftretenden Produkte 232 . 

§ 441. Weil sich aber die entzündliche Coagulation und Massenver- 
mehrung der fibrinogenen Grundsubstanz nur selten auf die Zwischenblatträume 
der Hornhaut beschränkt, sondern fast constant mit Ausscheidung plastischer 
Stoffe auf die Oberfläche der Cornea einherschreitet, so ist es etwas ganz 
gewöhnliches, den infiltrirten Fleck in Combination mit dem Epithelial- 
flecke und dem oberflächlichen Leucome zu finden. Die Rückbildung 
neoplastischer Gefässe in der weiteren Entwickelung der auf dem Wege der 
Faserspaltung organisirenden Exsudate macht es auch begreiflich, dass solche 
complicirte Formen häufig aus Hornhautentzündungen resultiren, welche mit 
Gefässbildung an der Oberfläche verlaufen. Ja es ist sicher, dass mitunter 
auch parenchymatöse Keratitides vasculares in solche Flecke über- 
gehen, obwohl ich bisher den mikroskopischen Nachweis zu geben nicht im 
Stande bin. 

§ 442. Indem die parenchymatöse Keratitis Simplex und vascul-aris die 
fast constante Begleiterin aller übrigen Exsudationsprocesse der Hornhaut ist, 
oder wenigstens im Umkreise dieser Herde den Heilungsvorgang einzuleiten 
strebt, nachdem der speeifische Process sein Ende erreicht hat; findet man die 
parenchymatöse faserig schollige Neubildung ganz gewöhnlich auch als Um- 
grenzung der allerverschiedensten , in das Cornealgewebe 
selbst eingreifenden, oder wenigstens als Narbe ehemaliger 
Geschwüre fungirenden Neoplasien, er umgibt häufig die Epithelial- 
narbe, die bindegewebige Neoplasie, Leucome, durchgreifende faserig schollige 
Narben, verknöcherte, verkalkte Massen, selbst Krebse und lupöse Infiltrationen. 
Er verhält sich zu den tiefer sitzenden Neoplasien anderer Art und Form, 
wie der Epithelialileck zu den auf der Oberfläche der Hornhaut Wurzelnden. 

§ 443. Selbst Abscesse der Hornhaut kapseln sich durch die faserig 
schollige parenchymatöse Neubildung ein, sie erscheinen später als fibröse, 
linsenförmige zweischalige Kapseln der oben geschilderten Struktur, deren Hohl- 
raum mit den fettigen und kalkigen Resten des abscedirenden Exsudates gefüllt 
ist. Es lässt sich sogar vermuthen, dass im Falle gänzlicher Aufsaugung dieser 
Massen die Kapselwände aneinander treten und sofort verwachsend, auf seeun- 
däre Weise eine reine parenchymatöse faserig schollige Neubildung erzeugen 
können. 

§ 444. Die Erfahrung aller Zeiten hat die Verkleinerung und selbst 
das Verschwinden infiltrirter Cornealflecke mit Sicherheit als 
möglich herausgestellt. 

Es ist kein Zweifel, dass dieResorbtion dabei die grösste Rolle spiele, 
wenn auch das Unmerklichwerden der Trübung in jugendlichen Hornhäuten 
mitunter auch dadurch erzielt werden kann, dass mit dem Wach stimme der 
Cornea die nicht weiter an Masse vermehrte Neubildung auf einen grösseren 
Flächeninhalt vertheilt und sofort dünner, durchscheinender wird, wie dieses 
schon bei dem Epithelialflecke erwähnt wurde. Eine solche Resorbtionsfähig- 
keit muss erfahrungsgemäss insbesondere den dünnen wolkig trüben Flecken 



Ausgänge. Cornealleucom im engeren Wortsinne. 235 

zugeschrieben werden, deren constituirende Elemente jeder Struktur entbehren 
und in sehr zarten Lagen zwischen funktionstüchtigen Hornhautlamellen einge- 
schaltet sind. 

Ihre Aufsaugungsfähigkeit lässt sich nicht selten mikroskopisch 
nachweisen, indem in den entsprechenden Parthien der Hornhaut, so wie 
bei der strukturlosen Basis der Epithelialflecke , maschenartige Lücken er- 
scheinen, deren Umgrenzungen zum grössten Theile aus dunklen körnigen, mit 
freiem Fette gemischten Massen gebildet weiden, während in den Lücken selbst 
nur einige wenige solche dunkle Körnchen zurückgeblieben sind. Die Zwischen- 
lagerung fettiger Moleküle zwischen die Blätter hochorganisirter faserig schol- 
liger Neubildungen der in Rede stehenden Art stellen aber auch die Resorb- 
tionsfähigkeit , wenigstens eines Theils dieser letzteren in Evidenz, wenn auch 
über diese Eigenschaft des eigentlichen organisirteu Blattgefüges noch absolut 
keine Beweise vorführbar sind. 

Wie wichtig in praktischer Hinsicht übrigens die Resorbtionsfähigkeit der 
noch nicht ganz vollständig organisirten Parthien sei, ergibt sich erstlich aus dem 
Umstände, dass dichte organisirte Flecke fast stets von dünneren, noch un- 
organisirten umgeben sind, und ferner aus der Betrachtung der durch Corneal- 
flecke herbeigeführten Störungen des Gesichtes, deren als begleitende Er- 
scheinungen des fraglichen Uebels Erwähnung zu machen ist. 

2. Das Leucom im engeren Wortsinne. 

§ 445. Es repräsentirt sich dem freien Auge als eine sehnen- 
ähnliche Haut von grösserer oder geringerer Dicke, welche der Cornealvorder- 
fläche in verschiedener Ausdehnung und Gestalt auflagert, und meisthin etwas 
über deren Niveau hervorragt. Geringe Grade von Durchscheinbarkeit 
bis zu völliger Opa ci tat, milchweisse bis kreideweisse Färbung, sehniger, 
seidenartiger, mitunter perlmutterähnlich opalisirender Glanz, ausnehmende 
Derbheit und Starrheit bilden die übrigen physicalischen Eigenschaften. 

Seine Grenzen sind der Regel nach nicht scharf, sie verwaschen sich 
allmälig in das gesunde Hornhautparenchym, den Rand umsäumt ein Epithelial— 
fleck, die hintere Fläche ruht auf einer infiltrirten faserig scholligen Neubildung 
niederer Entwickelungsform. 

Falls das Leucom unmittelbar oder durch den Epithelialfleck an den 
Bindehautsaum grenzt, ziehen sich gewöhnlich ein oder mehrere, ausgedehnte 
Gefässe aus der Conjunctiva hinüber auf seine Vorderfläche, um sich hier 
unter ganz regellosem Verlaufe zu verzweigen, und in das Parenchym der 
Neoplasie einzudringen. Die Gefässhaltigkeit der Neubildung bedingt deren 
Fähigkeit auf Verletzungen durch stärkere oder schwächere Blutungen zu 
reagiren. Wo das Leucom weder unmittelbar noch mittelbar mit dem Limbus 
conjunctivalis zusammenhängt, ringsum von durchsichtigem Hornhautparenchym 
umgeben erscheint, dort mangeln constant die Gefässe und Einschnitte haben 
niemals Blutungen zur Folge. 

§ 446. Die Neubildung lässt sich fast immer im Zusammenhange 
von der Cornealoberfläche abziehen, worauf eine Vertiefung er- 
scheint, welche entweder sehr seicht und ebenen Grundes, durch das Vor- 



236 Cornealleucom im engeren Worfsinne. 

springen der Ränder des stehen gebliebenen Epithelialfleckes bedingt wird, 
oder bei wellig hügeligem Grunde eine wahre Einsenkung in das Corneal- 
parenchym erkennen lässt. 

Die mikroskopische Untersuchung erweist die neoplastische Haut 
bestehend aus einer oberflächlichen Lage getrübten Epithels, unter welchem 
mitunter Gefässe mit strukturlosen, membranösen Wandungen zu finden sind, 
und aus darunter liegendem faserspaltigem Gewebe der verschiedensten Evo- 
lutionsgrade, wie ich sie gleich Eingangs geschildert habe. Oft lässt sich die 
Schichtung dieser Hauptsubstanz des Leucoms nicht wohl nachweisen, deren 
C-efüge erscheint mehr homogen, in den meisten Fällen aber, und namentlich 
in dickeren Neubildungen ist sie deutlich. Die Blätter liegen dann einander 
unmittelbar auf ohne erkennbare Zwischensubstanz, oder aber finden sich deut- 
liche Zwischenblatträume, in denen die oben erwähnten molecularen Massen 
eingelagert sind, und auch frische Blutkörperchen in wandungslosen Canälen 
gefunden werden. Nicht selten trifft man streckenweise gar keine frischen 
Blutkörperchen, und doch zeigt der Reichthum der Zwischenblatträume an 
molecularen und kernähnlichen Gebilden, an Pigmenthäufchen und Klumpen 
alter, schrumpfender, in Pigmentmetamorphose begriffener Blutkugeln das Ab- 
gelaufensein einer mit Vascularisation der Neoplasie einhergehenden Bildungs- 
epoche. 

§ 447. Aus diesen Befunden lassen sich sämmtliche ätiologische 
Momente ableiten, welche die Erfahrung dem Leucome zu Grunde legt 233 . 

§ 448. Die einfache und die mit Gefässbildung e inner - 
schreitende, oberflächliche Keratitis nehmen dabei einen hohen Rang 
ein. Vorzüglich jene Formen derselben sind es, welche unter einem mehr 
weniger schleppenden Verlaufe reichliche fibrinöse Exsudationen auf der Horn- 
hautoberfläche veranlassen, denn Keratitides mit sparsamer Produktbildung oder 
mit Ausschwitzung eines weichen, in der Zellenformation sich ergehenden 
Blastemes erzeugen einfache Epithiiialflecke 234 . 

So wie diese Formen der Keratitis fast immer fleckenartig auf der Horn- 
haut ausgebreitet sind, so auch die aus ihnen hervorgehenden Leucome. Doch 
ist die Keratitis Simplex und vascularis superficialis häufig nur eine Neben- 
erscheinung eines in der Cornea vor sich gehenden exsudativen Processes ganz 
heterogener Natur, daher findet man auch das Leucom sehr häufig als Saum 
einer anderweitigen Neoplasie, während es selbst wieder nach Aussen hin von 
einem Epithelialflecke umgeben wird. 

§ 449. Ganz besondere Figurationen des Leucomes bedingt die den 
Herpes corneae begleitende vasculäre Keratitis. Diese letztere 
repräsentirt sich nämlich gewöhnlich unter der Form eines trüben, gefässreichen 
Triangels, dessen Spitze die herpetische Efflorescenz trägt, während sich die 
Basis über den Bindehautsaum hinüber auf die Gonjunctiva fortsetzt, und hier 
als eine stark congestionirte, mächtig geschwellte, inflltrirte, fächerförmige 
Portion der Bindehaut erscheint. Unter Umständen können die auf der Cornea 
und in der Conjunctiva längs des Verlaufes des alterirten Nervenzweiges ab- 
gelagerten Produkte mächtig überhand nehmen, und sich in ständige Formen 
entwickeln. Das Bindehautinfiltrat organisirt constant auf dem Wege der 
Zellentheorie zu Bindegewebe, die betreffende Parthie der Conjunctiva hyper- 



Pterygiumspitze. Pathogenese. Complicirte Formen. 237 

trophirt im wahren Sinne des Wortes, das auf der Cornea abgelagerte Produkt 
entwickelt sich aber auf dem Wege der Faserspaltung zu einem triangulären 
Leucom, welches die Spitze der fächerartigen Gonjunctivalwucherung abgibt. 
Es resultirt mit einem Worte ein Flügel feil. 

Alle wahren Flügelfelle bilden sich auf diese Weise, immer ist ihr Corneal- 
antheil leueomatös, sehnig, weiss, glänzend, scholligen Gefüges, während ihre 
Bindehautparthien aus verfilzten Bindegewebs-Faserbündeln bestehen. 

Streifen-, band-, hakenförmig figurirte Leucome hinterlässt 
die wandernde Form des Herpes, Fischers scrofuloses Gefässbändchen. 

§ 450. Am häufigsten ist das Leucom ein Folgezustand tiefer, selbst 
durchbohrender Geschwüre, wenn sie nicht mit Einlöthung der Iris 
u. s. w. enden. Granulationen, welche die Epithelialnarbe und die binde- 
gewebige Neoplasie bedingen, sind nur ausnahmsweise Belege derselben, in 
der Regel entwickelt sich das wasserhelle oder gewöhnliche trübe, fibrinöse 
Exsudat, welches den Boden der zur Heilung hinneigenden Geschwüre und 
vereiterter herpetischer Efflorescenzen überzieht, auf dem Wege der Faser- 
spallung zu einem Leucome, und dessen geschichteter Bau deutet dann meisthin 
auf eine schubweise Absetzung des zu Grunde liegenden Blastems hin. 

Die Dicke der faserig scholligen Neubildung entspricht in der Regel bei 
weitem nicht der Grösse des geschwürigen Substanzverlustes, selbst krater- 
förmige perforirende Geschwüre heilen oft mit Hinterlassung eines fast gleich- 
massig dicken, hautähnlichen, höchstens leuchdornartig eingesenkten Leucoms. 
Es ist dieses eine nothwendige Folge der mit der Heilung der Geschwüre ein- 
hergehenden Hebung des Geschwürbodens, und des damit zu Stande kommen- 
den Verschlusses der hinteren Perforationsötfnung, wie ich es bei der Formation 
des Epilhelialfleckes auf ulcerösen Substanzverlusten erörtert habe, und sich 
auch häufig noch in späten Zeiten durch die unebene hügelige Gestaltung der 
Grube nachweisen lässt, in welcher die leueomatöse Neubildung eingelagert ist. 

Insofern fällt also die Aetiologie des auf Geschwüren fussenden Epithelial— 
flecks und Leucoms zusammen. Die Formation des letzteren setzt aber reich- 
lichere Exsudation genuin fibrinösen Blastems voraus, und diese ist entweder 
schon in dem Heilungsprocesse an und für sich begründet, oder aber wird 
durch langsame und ganz unzureichende Elevation des Geschwürsbodens inso- 
fern bedingt, als sie nothwendig eine bis zur Füllung der Lücke fortgesetzte 
schubweise Ausschwitzung nach sich zieht. Nicht selten geht die Hebung des 
Geschwürsbodens aber auch noch eine Zeit fort, nachdem der Substanzverlust 
schon gedeckt ist, daraus resultirt dann das Hervorragen des Leucoms über 
das Cornealniveau. 

§ 451. Eine besondere Erwähnung verdienen einige complicirte 
Formen des Leucoms. 

Es kommen bisweilen Knoten in der Cornea vor, welche von vorne 
gesehen einem oberflächlichen, hanfkorngrossen , scharf begrenzten Leucome 
gleichen, bei seitlicher Betrachtung aber als zapfenförmige , selbst trichter- 
ähnliche, weisse, sehnig glänzende Körper erscheinen, die in gerader Bichtung 
mehr weniger tief in das Parcnchym der Cornea, selbst bis zur Descemet! 
eindringen. Ich fand sie in einigen Fällen aus lauter zarten Blättern faserig 
scholligen Gefüges verschiedener Entwicklungsgrade zusammengesetzt, welche 



238 Comealleucome im engeren Wortsinne. 

zwischen die in ihrem Bereiche fast unkenntlich gewordenen atrophischen 
Corneallamellen eingeschoben, mit der Entfernung von der Cornealvorderfläche 
an Umfang abnahmen. Es sind dieses organisirte knotige Herpes- 
efflorescenzen. 

In seltenen Fällen erscheinen sie gruppenweise gehäuft und durch 
ein einfaches oberflächliches Leucom zu einer gemeinschaftlichen Trübung der 
Cornea vereinigt. Diese stellt die gewöhnliche Form des ständig gewordenen 
Pannus herpeticus vor. Jene Fälle, in welchen die Knochengruppen 
durch bindegewebige Neoplasie vereinigt werden, sind, wie bereits erwähnt, 
Ausnahmen. Mitunter verkreiden einzelne Knoten, und compliciren so die 
Form der Neubildung noch mehr. 

Andere complicirte Formen des Leucoms, solche nämlich, in welchen sich 
das Leucom umsäumt findet von bindegewebiger Neubildung, sind 
auch bereits bei der letzteren vorgeführt worden. Sie resultiren daraus, dass 
einzelne Parthien der fleischig pannösen Cornea exulceriren und faserig schol- 
lige Neubildung ansetzen, oder aber sind sie dadurch bedingt, dass daspannöse 
Exsudat im Cornealcentrum wegen zu geringer Masse und zu grosser Plasticität 
die Organisation auf dem Wege der Faserspaltung anstrebt, während die peri- 
pheren Theile des fleischigen Pannus zu Bindegewebe metamorphosiren. 

Uebrigens kann das Leucom mit der bindegewebigen Neoplasie auch in 
sofern in Combination treten, als unter den, die letztere bedingenden Verhält- 
nissen ein namhafter Antheil starren, faserstoffigen Exsudates ausgeschieden 
wird, welches seine Entwickelung auf dem Wege der Faserspaltung durchsetzt, 
während die oberflächlicheren weicheren Parthien zu Bindegewebe organisiren. 
Es sind bindegewebige Neoplasien aller Arten sehr häufig, welche 
auf leucomatösen Neubildungen der Hornhaut ruhen. 

Ganz dasselbe gilt auch von Combinationen des Leucoms mit der 
Epi thelialnarbe. 

§ 452. Entwickelte Leucome in dem aufgestellten Sinne widerstehen 
wohl für immer der Aufsaugung, wenigstens der organisirte faserige Antheil. 
Alle Augenärzte stimmen in der Unheilbarkeit der genannten Neubildung 
überein, und wo Heilungen berichtet werden, mag wohl das Blastem noch 
nicht auf jener Stufe der Faserung angelangt gewesen sein, welche zur Be- 
griffserschöpfung des ständigen Leucoms erfordert wird. Ich läugne damit nicht 
die Aufsaugungsf'ähigkeit der noch strukturlosen Blattlagen und der in den 
Zwischenblatträumen enthaltenen Molekularmassen, sondern verweise in dieser 
Beziehung auf das von der infiltrirten faserig scholligen Neubildung gesagte, 
es findet seine volle Anwendung auch hier. Namentlich die Verkleinerung der 
Leucome durch Besorbtion des umgebenden Epithelialfleckes, und relativ durch 
Wachsthum der jugendlichen Hornhaut wird in praktischer Hinsicht von hohem 
Belang. 

§ 453. Ausgemacht indessen ist es, dass Leucome durch Entzün- 
dungen und durch Ablagerung schmelzender Exsudate in ihr Gefüge, 
zeitweilig und zum Theile wenigstens, entfernt werden können. Ich sah 
schon etwelche Male herpetische Efflorescenzen auf Leucomen auftreten. Unter 
den gewöhnlichen, den Herpes begleitenden Erscheinungen, wurde im Um- 
fange eines Hanfkornes das Leucom matter, gelblich, schwoll an, löste sich 



Die faserig schollige Cornealnarbe. 239 

endlich in eine eitrige Flüssigkeif, welche sich abstiess und ein kraferförmiges 
Geschwür mit steil abfallenden Rändern zurückliess. Dies Geschwür vergrösserte 
sich sichtlich, reinigte sich jedoch immer bald, um später wieder durch fibröses 
Exsudat geschlossen zu werden. In einigen Fällen bauchte sich durch das 
Loch das unterliegende Cornealparenchym in Gestalt eines kleinen durchsich- 
tigen Hügelchens hervor, überzog sich jedoch auch stets wieder mit trübem 
Exsudate, sank ein und das Leucom war in seiner früheren Form hergestellt. 

3. Die faserig schollige Narbe. 

§ 454. Um grösstmöglichste Klarheit und Deutlichkeit in die Dar- 
stellung der überaus mannigfaltigen Formen dieser Neubildung zu bringen, ist 
es nothwendig, gleich Eingangs nach dem Beispiele des grossen Meisters, Beer, 
zwei cardinale Differenzen zu statuiren, und zuerst von jenen Arten 
zu sprechen, welche blos t heil weise Verluste der blätterigen Hornhaut- 
substanz auszufüllen bestimmt sind, und in Exsudationsprocessen des Corneal- 
parenehyms selbst fussend, als Hornhautnarben xax g^jo^er gelten, 
sodann aber zu jenen faserig scholligen Neubildungen übergehen, welche nach 
totalem Verluste der blätterigen Cornealsub stanz die vordere 
Scleralöffnung schliessen, und von Beer 235 als Theilerscheinung der Augapfel- 
Dörrsucht, der Atrophia, Aridura bulbi unter dem Namen der Cornea phthisica, 
Coiisumtio, tabes corneae begriffen wurden. 

a. Die faserig schollige Hornhautnarbe im engeren Wortsinne. 

§ 455. Wie schon erwähnt wurde, lässt sich ihre Sonderung von dem, 
auf Substanzverlusten der Hornhaut fussenden eigentlichen Leucome in der 
Natur der Sache nicht begründen. Sie ist im Grunde genommen nichts, als 
ein, die Cornea und Descemeti in ihrer ganzen Dicke durchsetzendes Leucom, 
während das in Substanzlücken der Hornhaut zur Entwickelung kommende 
Leucom eigentlich eine oberflächliche Narbe vorstellt. Das natürliche System 
bleibt hier hinter seinem Zwecke, der Erleichterung der Uebersicht, wegen 
allzugrosser Verallgemeinerung der Begriffe zurück. Ich ziehe es daher vor, 
nach alt herkömmlicher Weise jene so überaus verschiedenen Formen der 
faserig scholligen Neubildung, welche in dem natürlichen Systeme unter dem 
Namen „Narbe" zusammenfallen, je nach einzelnen künstlich gewählten Unter- 
scheidungsmerkmalen in Sippen zu trennen. Eine solche Sippe bildet die 
faserig schollige Hornhautnarbe im engeren Wortsinne, es ist ihr das Durch- 
greifen durch die gesammte Dicke der blätterigen Hornhautsubstanz und durch 
die Descemeti charakteristisch, ein zugleich vom praktischen Standpunkte höchst 
wichtiges Criterium. 

§ 456. Sie theilt ihre physicali sehen Charaktere mit allen übrigen 
Formen der faserig scholligen Neubildung, und dieses um so mehr, als sie sich 
selten auf den in der Substanzlücke gegebenen Raum beschränkt (Beers reine 
Narbe), sondern meisthin mit dem oberflächlichen Leucome und der infiltrirten 
faserig scholligen Neubildung in Gesellschaft auftritt, ein Umstand, der Beer 
bewog, eine maculöse und leueomatöse Narbe zu statuiren. 



240 Die faserig schollige Hornhautnarbe im engeren Wortsinne. 

§ 457. Sieht man von den Exsutlatantheilen ab, welche, aus vorge- 
fallenen Parthien der bluthaltigen Organe der Bulbushöhle kommend, in der 
Bildung der Narbe concurriren, so lässt sich das der besagten Neoplasie zu 
Grunde liegende Blastem nicht anders, denn als Produkt eines Entzündungs- 
processes betrachten, dessen Substrat die Wandungen der vernarben- 
den Substanzlücke sind. Die Entzündung der Hornhaut charakterisirt sich 
aber eben nur durch Massenvermehrung der in den Zwischenblatträumen ihres 
Parenchyms enthaltenen gelatinösen Grundsubstanz und durch morphologische 
Umwandlung derselben in das, was man gemeinhin Exsudat nennt. Die Fül- 
lung der Substanzlücke ist demnach stets nur die Theilerscheinung eines in 
den benachbarten Theilen der Interlamellarräume vor sich gehenden Exsuda- 
tionsprocesses. Das frei in die Lücke ergossene und das in dem Parenchym 
inflltrirte Produkt fliessen aus derselben Quelle, theilen die gleiche Constitution 
und sofort auch ihre Tendenz zu gleichen Gestaltungen. Nur selten ver- 
schwindet nach Ablauf des eigentlich entzündlichen Processes der inflltrirte 
Produktantheil auf dem Wege der Besorbtion, wo dann das den Substanzverlust 
ersetzende faserig schollige Gefüge als reine Narbe mit allerorts scharfen 
Grenzen zurückbleibt. 

Weithin in den meisten Fällen setzt die gleichzeitige Organisation des 
infiltrirfen Exsudatantheiles der Besorbtion ein unüberwindliches Hinderniss, die 
Narbe combinirt sich mit dem infiltrirten Cornealflecke, sie erscheint gleichsam 
als ein Stiel, aus dem im rechten Winkel eine Unzahl faserig scholliger Blätter 
abgehen, die in die Zwischenblatlräume der Cornea eingreifen und, sich all— 
mälig verschmächtigend, der Narbe ein verwaschenes Ansehen geben. Es ist 
dieses Beer's leucomaföse Narbe. 

Die meisten exsudativen Processe des Cornealparenchyms schreiten mit 
gleichzeitiger Produktausscheidung an die freie Oberfläche der Cornea einher. 
Daher kömmt es auch, dass die eigentliche Narbe in der Begel an der Yorder- 
fläche der Cornea das Centrum eines mehr weniger ausgebreiteten Leucoms 
bildet, das mittelst eines Epithelialileck.es in die gesunden Theile der Corneal- 
convexität übergeht, eine Form, welche Beer's maculöser Narbe ent- 
spricht. 

§ 458. Der feinere Bau der faserig scholligen Hornhaut- 
narbe im engeren Wortsinne stimmt begreiflicher Weise im allgemeinen 
mit dem der übrigen Formen der genannten Neoplasie überein. Doch bedingt 
die Entwickelung der ersteren auf durchgreifenden Substanzlücken der Cornea 
und Descemeti eine Menge von Specialitäten, durch welche sich eine gleiche 
Anzahl streng zu sondernder Arten ditferenziren. Diese Besonderheiten sind 
sämmtlich Wirkungen eigener bei der Bildung der Narbe obwaltender Ver- 
hältnisse und in engem Bezüge zu den ätiologischen Momenten. Eine Auf- 
führung der einzelnen Arten kann daher nur dann fruchtbringend sein, und 
das Verständniss des Allgemeinen und Besonderen in den zu Grunde liegenden 
Processen vermitteln, wenn die Symptomatologie in Verbindung mit 
der Aetiologie erörtert wird. 

§ 459. Von den einfachsten Formen emporsteigend zu den complicir- 
teren beginne ich mit jenen Narben, welche ausschliesslich Produkt der 



Pathogenese und anatomische Charaktere der einfachen Narben. 241 

Cornealsubstanz mit den Organen der Bulbushöhle in keinem 
unmittelbaren Zusammenhange stehen. Ich nenne sie: 

Einfache Narben. 

§ 460. Als ursächliche Momente derselben sind vor Allem reine, 
einfache, penetrirendc Stich- und Schnittwunden zu nennen, in- 
sofern der mit" der Verwundung gesetzte Reiz eine Entzündung mit plastischer 
Exsudation, und sofortige mittelbare Adhäsion der Wundränder zu veranlassen 
fähig ist, ehe noch die Bedingungen zu einem Vorfalle und einer Einlöthung 
der Iris gegeben wurden. 

Narben auf diese Weise zu Stande gekommen sind es vorzüglich, welche 
durch Resorbtion des in die Interlamellarräume ergossenen Exsudatantheiles in 
Beer's reine Form übergehen. 

Sie erscheinen dann je nach der Form der Wunde als sehnig weisse 
Fäden oder Bänder, welche die ganze Dicke der Cornea durchsetzen und im 
Bereiche der Descemeti mit einem abgerundeten knorpelähnlichen, in die 
Vorderkammer vorspringenden Knöpfchen oder Wülstchen enden, in welchem 
die Wundränder der Wasserhaut eingebacken sind. 

In den von mir untersuchten Fällen fand sich die Narbensubstanz ohne 
Schichtung, fast strukturlos, eine grau-trübe ungemein fein granulirte, stellen- 
weise aber lichtere, durchscheinendere und daselbst undeutlich faserstreifige 
Masse ohne alle Beimengung. 

Immerhin jedoch ist ihre Complication mit einem mehr weniger 
ausgebreiteten Epithelialflecke oder einem Leucome und mit der infiltrirten 
faserig scholligen Neubildung häufiger. Die fädige oder bandförmige Narbe 
ist dann an der Oberfläche und in der Dicke der Cornea umgeben von einer 
verwaschenen wolkigen Trübung. Nicht selten ist dann auch durch Schrum- 
pfung des narbigen Gefüges die Cornea an der Stelle des ehemaligen Durch- 
schnittes etwas eingezogen, genabelt, oder rinnig. Ich erinnere hierbei an die 
so häufigen trüben Streifen, welche nach dem Hornhautschnitte bei der Extrak- 
tion des grauen Staars zurückbleiben. 

§ 461. Ungleich häufiger sind solche Narben complicirter Form leicht 
begreiflicher Weise, wenn die Stich- oder Schnittwunde eine nicht 
ganz reine gewesen ist, indem damit schon die Verlöthung der Wundränder 
durch einfache Verklebung unmöglich gemacht, der entzündliche Reiz aber 
erhöht und sofort die Veranlassung zu massigeren Ausschwitzungen gegeben ist. 

Solche Exsudationen werden der Regel nach auch eingeleitet, wenn die 
Wunde eine Vorlagerung der Iris gestattete, binnen der kürzesten Zeit 
überzieht sich der Prolapsus und die Cornealwundränder mit Exsudat. So 
lange das Produkt weich ist, kann dann die Iris durch die Kraft ihrer musku- 
lären Thätigkeit sich wieder aus der Wunde zurückziehen. Mit diesem Rück- 
tritt des prolabirten Theiles der Regenbogenhaut ist aber stets eine Wieder- 
eröffnung der Cornealwunde gegeben, es fliesst das Kammerwasser aus, die 
Hornhaut sinkt zusammen und damit treten nun auch die Wundränder wieder 
an einander. Bisweilen geschieht es .dann, dass die letzteren durch das sie 
überkleidende Produkt so fest einander kleben, dass die nachherige Ansamm- 
lung des Humor aqueus und sofortige Spannung der Cornea die Verlöthung 
Stell wag, Ophthalmologie. I. 16. 



242 Einfache faserig schollige Cornealnarben. 

aufzuheben nicht mehr im Stande sind, die Iris kann also auch nicht mehr 
vorfallen, sie bleibt höchstens an der hintern Oeffnung der Wunde picken, ein 
Zustand, welcher auch häufig ohne vorläufigen Vorfall beobachtet wird. Die 
Iris befreit sich sodann häufig gänzlich, sie wird ganz flott, und es bleibt nur 
bisweilen ein organisirtes Exsudathäufchen auf ihr zurück, welches die ehe- 
malige Verbindung mit der Cornealnarbe andeutet. Mitunter spinnt sich auch 
das verbindende Exsudat unter dem Zuge der Muskelfasern fadenförmig aus, 
und bleibt als ein neoplastischer Verbindungsstrang lange Zeit stehen, bis er 
endlich einreisst, und dann, wie im vorigen Falle in zwei einander gegenüber 
liegende Produkthäufchen auf der Descemeti und der Iris schrumpft. 

Ein ganz ähnlicher Vorgang bedingt bei centralen Wunden der 
Hornhaut, wenn sie durch fibrinöse Exsudation narbig heilen, Auflagerungen 
unter der Form sehnig weisser Klümpchen auf die Vorderkapsel. Wenn 
nämlich die Wunde nicht durch einfache Verklebung der Wundränder, noch 
durch die Iris geschlossen wird, fliesst das Kammerwasser stets aus, und die 
Linse bleibt in solange in Berührung mit der Descemeti, als der Verschluss 
nicht dauernd durch das entzündliche Produkt hergestellt ist. Dann erst wird 
die Linse durch das sich sammelnde Kammerwasser zurückgedrückt, es bleibt 
aber ein Exsudathäufchen an der Stelle zurück, welche die Wunde verlegte, 
und bildet dann das, was man den Centralcapselstaar nennt. Dessen 
öfters Hervorgehen aus Hornhautdurchbrüchen ist durch die Existenz einer 
gegenüberlagernden Hornhautnarbe unverkennbar. 

§ 462. Mit diesen Formen der Hornhautnarbe innigst verwandt ist eine 
andere Form, welche aus oberflächlichen Cornealgeschwüren resul- 
tirt, wenn deren Grund, ohne vorläufig durch Infiltration mit schmelzen- 
dem Exsudate zum Einreissen vorbereitet zu sein, durch den Druck der Aug- 
apfelcontenta zum Bersten gebracht wird, die Kissränder aber nicht 
mehr durch einfache Verklebung per primam intentionem verheilen, sondern 
durch Exsudalion plastischen Exsudates nachhaltig vereinigt werden. Die im 
Bereiche dieses Bisses, innerhalb der noch gesund gewesenen Cornealparthien 
zu Stande kommende Narbe ähnelt in jeder Beziehung den aus Stich- und 
Schnittwunden hervorgehenden. 

Sie repräsentirt ebenfalls bald einen scharf umgrenzten fibrösen Faden, 
der auch die Descemeti durchsetzt und hier entweder mit einem anliegenden 
Theile der Iris in Verbindung steht, oder sich fadenförmig auf die Begenbogen- 
haut fortsetzt, oder aber diese seine ehemalige Connexion mit der Iris, bis- 
weilen auch mit der Vorderkapsel, durch ein entsprechendes Exsudathäufchen 
auf diesen Theilen zu erkennen gibt. 

Sie unterscheidet sich aber gründlich von den vorgenannten Formen 
durch den Uebergang ihres Vordertheils in ein tief in das Cornealparenchym 
eingesenktes, immer geschichtetes Leucom, welches die ehemalige Geschwürs- 
mulde ausfüllt und oberflächlich sich in einen ausgebreiteten Epithelialfleck 
Verwäscht, innerhalb des Hornhautparenchyms aber gewöhnlich von einer in- 
fillrirten Cornealneoplasie umgeben wird. Die ganze Neubildung erhält durch 
die Combination der sie bedingenden Umstände einige Aehnlicheit mit einem 
Präsentirteller. Der sehr kurze Stiel füllt die Bissöffnung der von dem Ge- 
schwürsprocesse verschont gebliebenen hintersten Hornhautschichten , der 



Mit vorderer Synechie gepaarte faserig schollige Narben. 243 

schalenförmige Körper die geschwürige Substanzlücke und der Rand wird 
durch den oberflächlichen Epithelialtleck constituirt. Die ungemeine Dicke der 
Neubildung im Bereiche der ehemaligen Geschwürsmulde ist eine einfache 
Folge der durch den faserstoffigen Narbenstiel gehemmten Hebung des Ge- 
schwürsbodens, die Zähigkeit, Derbheit dieses Theiles der Narbe steht der 
Ausdehnung der Zwischenblatträume durch Ansammlung der Grundsubstanz 
wirksam entgegen. Ich sah solche Narben häufig im Entstehen und im aus- 
gebildeten Zustande. 

§ 463. Eine Abart derselben durchsetzt Cornea und Descemeti in 
Form eines Trichters, und ist gewöhnlich allseitig scharf begrenzt, von nor- 
malem Cornealparenchym umgeben. Sie ist die Folge vereiterter her- 
petischer Knoten mit zapfenartiger Verlängerung nach hinten. 

§ 464. Gewöhnlich bleibt es aber nicht bei der Verlöthung der Riss- 
wunde im Grunde solcher Geschwüre durch plastisches, organisirendes Exsudat. 
In den meisten Fällen theilt das zur Yerklebung abgesetzte Produkt die Neigung 
zum Schmelzen mit den die Geschwürsmulde deckenden Produkten, der Ver- 
schwärungsprocess hat mit dem Durchrisse noch nicht sein Ende erreicht. In 
Folge dieser fortgesetzten Vereiterung wird dann natürlich das Caliber der 
Risswunde vermehrt, und es fällt stets ein Theil der Iris, unter Um- 
ständen auch der Ader- und selbst der Netzhaut vor, es treten 
Verhältnisse ein, welche obwalten, wenn in irgend einer Wunde ein Prolapsus 
zu Stande kommt, ohne dass die Bedingungen zu dessen Rückgange gegeben 
sind. Der vorgefallene Theil verwächst dauernd mit der in der Durchbruchs- 
öffnung der Cornea abgelagerten Neubildung, und stellt das vor, was man in 
den Lehrbüchern als vordere Synechie aufgeführt findet. 

Die mit vorderer Synechie gepaarten Narben 

§ 465. schöpfen ihr Blastem gewöhnlich nicht mehr allein aus den 
Cornealwundrändern, die vorgefallenen Theile der gefässhaltigen Organe des 
Bulbus selbst sind es, welche durch entzündliche Exsudation ein namhaftes 
Quantum organisationsfähiger Produkte beisteuern. 

Dieser letztere Antheil des Narbenblastems ist mit dem aus den Hornhaut- 
wundrändern abgesetzten Produkte nicht immer ganz gleicher Constitution, oder 
aber bedingt der Contakt der vorgefallenen Organparthien mit dem jungen 
Blastem eigenthümliche Gestaltungen des letzteren, denn es ist anerkannt, dass 
solche Vorfälle gerne granuliren, sich in üppiger Zellenbildung und Blut- 
formation ergehen. 

Daher findet man auch Narben der Hornhaut, welche mit vorderen 
Synechien vergesellschaftet sind, häufiger, als das Leucom und die einfache 
Narbe, nach vorne zu bedeckt von einem mehr weniger dicken Stratum 
lockeren, gefässreichen Bindegewebes, welches sich gar nicht selten auf 
der Oberfläche der faserig scholligen Narbenportion verschieben lässt. 

Auch ist die fragliche Neoplasie weniger selten in ganz deutlicher Weise 
bluth altig, ja ich fand einigemale ihre Durchschnitte am Cadaver von aus- 
tretenden Blutpunkten ganz besäet. Die Gefässe der vorgefallenen Organ- 
theile scheinen nämlich, indem sie mit den neoplastischen Gefässcanälen in 

16. 



244 Mit vorderer Synechie gepaarte faserig schollige Cornealnarben. 

Verbindung treten, durch stete Zufuhr des Blutes aus dem allgemeinen Kreis- 
laufe die Schliessung der Letzteren, wenigstens zum Theile, hintanzuhalten, 
selbst nachdem sich das Narbenprodukt organisirt hat und merklich geschrumpft 
ist. Eigentliche neoplastische Gefässe mit distincten Wandungen kommen nach 
meinen bisherigen Erfahrungen der faserig scholligen Portion solcher Narben 
so wenig wie den übrigen Formen zu. 

Eine weitere Folge dieser Fleischwärzchenbildung mit reichlicher Formation 
neoplastischen Blutes ist endlich die häufigere rostähnliche bis braune 
Färbung der, mit vorderen Synechien verbundenen faserig scholligen Neu- 
bildung. Sie ist bedingt durch die Metamorphose extravasirter Blutkörperchen 
in Pigment, denn das Mikroskop weist immer noch deutlich ganze Plaques 
geschrumpfter und zum Theil in Körnung begriffener Blutkörperchen neben 
isolirten rostrothen bis braunen Pigmentkügelchen nach. Diese Ueberreste 
mischen sich dann mit den übrigen moleculären und kernähnlichen Gebilden, 
welche die Zwischenräume der faserig scholligen Blätter in grösserer oder 
geringerer Menge füllen, im allgemeinen aber um so sparsamer sind, je deut- 
licher in den neoplastischen Schichten schon die Faserung ausgesprochen ist, 
so dass sie endlich in solchen Narben und Narbenparthien , welche sehr alt 
und zu einem hohen Grade von Durchscheinbarkeit gelangt sind, auch ganz 
vermisst werden, die genannten Narben erscheinen dann zusammengesetzt 
aus lauter einander unmittelbar aufliegenden, sehr durchsichtigen Lamellen, 
welche aus äusserst feinen und lichten, an den Bändern fransenartig aus ein- 
ander fahrenden, parallel im weit geschwungenen Zuge verlaufenden Fasern 
und zwischengelagerter hyaliner Grundsubstanz constituirt werden. 

§ 466. Die äussere Gestaltung der mit vorderer Synechie ge- 
paarten Narben faserig scholligen Baues variiren ausnehmend je nach den 
vorgefallenen und eingelötheten Theilen, namentlich aber nach der Art und 
Weise, in welcher die Iris als das am häufigsten prolabirende Organ die Horn- 
hautöirnung verlegt. 

§ 467. In geschnittenen oder gerissenen Wunden, sie mögen 
einen Eiterungsprocess eingehen oder nicht, fällt die Iris häufig in Gestalt einer 
Dupplicatur vor, welche die nicht klaffende Oeffnung zum grössten Theile 
ausfüllt. Es resultiren daraus strich-, bogen-, selbst hakenförmige 
Narben, welche in grösserer oder geringerer Länge mit der Iris in Ver- 
bindung stehen. 

In geschwürige Durchbrüche von geringer rundlicher Lichtung 
legt sich die Begenbogenhaut gewöhnlich in Form eines Bläschens vor, 
oder aber wenn ein Theil des Pupillarrandes in die Oeffnung fiel, in Form 
eines halskrausenartig gefalteten Büschels. Bläschen und Falten- 
büschel erscheinen dann an der hinteren Durchbruchsöffnung etwas einge- 
schnürt, nicht abgeschnürt. Die aus solchen Geschwüren resultirenden Narben 
repräsentiren sich als fleckenartig ausgebreitete Leucome, welche 
die ehemalige Geschwürsmulde füllend bis in die hintersten Schichten der 
Hornhaut eingesenkt sind, und hier mit der Iris in Verbindung stehen. 

Diese Narben sind, wie die übrigen Formen der faserig scholligen Neo- 
plasie an der Cornealoberfläche fast constant mit einem Epithelial flecke 
umsäumt, und wie das Leucom und die einfache Narbe im Bereiche 



Anatomische Charaktere. 245 

des Cornealparenchyms von einem infiltrirten Homhauffl ecke 
umgeben. 

Ihre Diagnose ist stets gesichert durch die Lageveränderungen der Iris, 
durch deren theilweises Antreten an die hintere Hornhautfläohe und die damit 
gesetzten Verzerrungen, selbst Verschliessungen der Pupille. 

Nur in ganz jungen Narben findet man noch den vorgefallenen 
Theil der Iris mit nahebei unveränderter Textur und offenen Gefässen. Er 
ist durch den Druck des organisirenden Blastems stets strangförmig zusammen- 
gedrückt. 

In nur einiger Maassen älteren, schon organisirten Narben ist 
die der Iris eigenthümliche Struktur stets schon gänzlich verschwunden. 
Der Vorfall erscheint als ein schwarzer oder schwarz-brauner Strang, welcher 
aus dunklem Pigment in Zellen, Häufchen und isolirten Körnchen besteht, und 
nur noch glashäutige Reste der Limitans, so wie eine hyaline zarte, häufig 
flockige Grundlage des Pigmentes erkennen lässt. Dieser Strang durchzieht 
die Neubildung in ihrer ganzen Dicke, und ragt oft noch an der Oberfläche 
als ein schwarz-blauer Punkt unter die Epitheldecke der Narbe. 

In sehr alten und hochorganisirten Narben endlich scheint sich 
ein grosser Theil des Pigmentes selbst schon verloren zu haben, und von der 
Limitans und der hyalinen Pigmentgrundlage findet sich gar nichts mehr, man 
trifft nur noch auf einzelne Plaques isolirter Pigmentkörnchen, ja ich fand 
selbst in Narben, welche deutlich erkennbar auf sehr massenreichen Vorfällen 
der Iris zu Stande gekommen waren, schon jede Spur des Pigmentes ver- 
schwunden, wahrscheinlich durch Resorbtion weggeführt. 

Wo Verschwärungsprocesse der Narbenbildung vorhergingen, da finden 
sich in den hinteren Schichten der Neoplasie stets ganz unveränderte Reste der 
Descemeti eingebacken. Diese nimmt an dem Vereiterungsprocesse nämlich 
niemals Theil, jene Parthie derselben, welche in das Bereich der Substanz- 
lücken der hintersten Corneallamellen fällt, reisst bei dem Durchbruche der 
Hornhaut bloss spaltförmig in mehreren Richtungen ein, und die so entstan- 
denen Zipfel werden durch die Gewalt des austretenden Kammerwassers nach 
vorne gestaut und in dieser Lage durch die sich vorlegende Irisportion später 
erhalten, sie löthen mit nach vorne sehendem Rande ein. 

Bei Schnittwunden mit Vorlagerung der Iris, bei welchen die Narbe 
durch ein gleich Anfangs organisirendes Exsudat gebildet und keine geschwü- 
rigen Substanzverluste gesetzt werden, dort fehlt auch die Vorstülpung 
der Descemeti. 

Die Iris findet man immer trichterförmig an die Cornea angezogen und 
mit der Spitze dieses mehr weniger vollständigen Trichters an die Narbe an- 
geheftet. Ganz gewöhnlich treten aus der Narbenöffnung einige sehnige Fäden 
heraus, welche entweder in das Parenchym der Iris eingebettet, oder auf 
deren Oberfläche aufgelagert, sich eine Strecke weit ganz deutlich verfolgen 
lassen. Mitunter bedeckt dieser Iristrichter eine aus der Narbe hervor- 
gehende sehnig blätterige Neubildung, welche sich nach hinten zu in Gestalt 
eines Kegels verbreitet und mit der Linse, oder falls diese durch die Oeffnung 
der Cornea entleert wurde, mit dem metamorphosirten Glaskörper, Choroidal- 
exsudaten und der Retina in Verbindung steht. 



246 Mit vorderer Synechie gepaarte faserig schollige Cornealnarben. 

§ 468. Ganz anders gestalten sich die Verhältnisse, wenn ein Theil 
der Iris in flächenartiger Ausbreitung an eine klaffende Oeff- 
nung der Cornea antritt, und sich ringsum an die weit von einander 
abstehenden Ränder der Wunde anlöthet. 

Penetrirende Lappenwunden und mondsichelförmige oph- 
thalmoblennorrhoische Geschwüre bedingen nicht selten breite wulst- 
förmige Vorfälle der Iris, und Loch wunden so wie umfangsreiche 
geschwürige Perforationen werden häufig durch kuppelartig nach vorne 
gebauchte Theile der Regenbogenhaut verlegt. 

§ 469. Je nachdem der Prolapsus sich in dem Heilungsprocesse 
mit einer dünnen Schichte organisirenden Blastems überzieht, oder aber 
unter massigen Ablagerungen gestaltungsfähiger Produkte ver- 
graben wird, wird dann die ständige Narbe eine andere. 

§ 470. Im ersteren Falle erscheint sie als eine bläulich durch- 
scheinende, beim Drucke flottirende Stelle in der Hornhaut, welche gewöhnlich 
etwas über das Niveau der Cornealvorderfläche hervorgetrieben und oft durch 
sehnige Fäden rinnig eingeschnürt, in mehrere Buckeln abgetheilt ist. Sie 
wird nach aussen stets durch eine sehnig weisse, leucomatöse Trübung ein- 
gerahmt. 

Die nähere anatomische Untersuchung lässt die bläulich durch- 
scheinende Parthie der Trübung als ein papierdickes und selbst noch feineres, 
zähes, sehniges Häutchen erkennen, welches die vordere Oeffnung einer, 
die Cornea in ihrer ganzen Dicke betreffenden Substanzlücke überzieht. Diese 
Lücke repräsentirt sich bei der Betrachtung der Hornhaut von hinten als eine 
tiefe Grube mit senkrecht abfallenden Rändern und hat ganz das Ansehen, 
als wäre sie mit einem Locheisen geschlagen worden. Die Kante, welche 
von der hintern Cornealfläche und den steilen Grubenwänden gebildet wird, ist 
immer abgerundet, und von den nach vorne geschlagenen Zipfeln der durch- 
rissenen Descemeti überzogen. Die Seitenflächen der Grube werden 
von faserig scholliger Neubildung gebildet, welche sich in blattartigen Ver- 
längerungen eine Strecke weit zwischen den unzerstörten Parthien der Corneal- 
lamellen fortsetzen und so die Dicke der Hornhaut im Umkreise der Lücke 
etwas vermehren. An der Vorderfläche der Cornea wird die Narbe von einem 
Leucome umsäumt, welches sich nach aussen in einen Epithelialfleck ver- 
wäscht. 

Die Iris ist ringsum an die Grubenwände angezogen, schlägt sich in 
einem Winkel über deren hinteren Rand hinüber und verlöthet sich hier mit 
der fibrösen Auskleidung der Wände, verliert dabei aber auch zugleich die ihr 
eigenthümlichen Charaktere und erscheint als ein dünnes, braun punktirtes oder 
aber äusserst fein netzförmig gezeichnetes Häutchen, welches den vorderen 
Theil der Grubenwände und den ebenen Grubengrund überzieht. 

Die Struktur des feinen Narbenhäutchens kommt mit jener der 
übrigen Formen der faserig scholligen Neoplasie ganz überein, sie ist theils 
schollig, trüb, ohne Faserung, theils faserstreifig, theils faserig im eigentlichen 
Wortsinne. Pigment fehlt in ihrem Gefüge selten ganz, ist aber sehr sparsam 
eingestreut, Blutkügelchen sah ich nie. Die sehnigen Balken, welche das 
Häutchen mitunter durchsetzen, sind nichts als Verdickungen der faserig 



Faserig schollige Narben auf breiten Irisvorfallen. 247 

scholligen Narbenmasse. Die Faserung ist in ihnen gewöhnlich deutlicher 
ausgesprochen. 

Nach vorne bedeckt das Narbenhäutchen immer eine dünne Lage trüben 
Pflasterepithels, nach hinten aber das Rudiment des vorgefallenen Iris- 
segmentes. Dieses erscheint als ein zartes, flockiges, wasserhelles, struk- 
turloses Gewebe , welches in grösserer oder geringerer Menge mit lichtbraunem 
bis schwarzem Pigmente in Körnchen und Häufchen, selten in Zellen durch- 
streut ist und mitunter noch mit Resten der Grenzhaut vermischt gefunden wird. 

Unterhalb der sehnigen Ralken sah ich einige Male auch Streifen wohl- 
erhaltener Iris dahin ziehen, in welchen sich noch ganz gut die Muskulatur, 
Gefässe und Nerven erkennen liessen. Es scheint das Exsudat an der Ober- 
fläche dieser Parthien gleich anfänglich in einer grössern Quantität abgelagert 
worden zu sein, und vermöge seiner Derbheit dem Drucke der Augapfelcontenta 
Widersland geleistet zu haben, so dass es der Expansion der unterliegenden 
Irisportion entgegentrat und sofort deren Atrophie behinderte. 

§ 471. Diese sehnigen Balken als das Resultat partieller Produktanhäu- 
fungen bilden den natürlichen Uebergang zu jenen Narben, welche in 
Folge der Organisation massenreicherExsudationen auf breiten 
Irisvorfällen zu Stande kommen. 

Der Regel nach lassen sich diese Narben von Aussen her nicht dia- 
gnosticiren, sie gleichen ganz einem tiefgreifenden Leucome, welches über 
die Cornealvorderfläche kaum merklich oder auch gar nicht hervorspringt. 
Das Charakteristische dieser Narbenform tritt erst in die Wahrnehmung, nach- 
dem der Augapfel am Cadaver eröffnet wurde. 

Es erscheint dann die hintere Fläche der Narbenmasse in Gestalt 
einer mehr weniger umfangsreichen , unregelmässig geformten Grube mit steil- 
abfallenden Wandungen und abgerundetem Rande vertieft. So wie in der 
vorigen Form wird die Wandung dieser Grube von faserig scholliger Narben- 
masse constituirt, welche sich als infiltrirter Cornealfleck in die gesunden 
Theile der Hornhautsubstanz verwäscht. Den Grubenrand überkleiden die 
Zipfel der durchrissenen Parthie der Descemeti, und diese werden wieder 
von dem Fusse des ehemaligen Iris Vorfall es überzogen, indem die ringsum 
beigezogene Iris sich winkelig nach vorne umschlägt und sammt dem Rande 
der Perforationsöffnung der Descemeti mit den Seitenwandungen der Grube 
verwächst. Der unebene, oft bienenwabenartige Boden der Grube wird von 
den atrophischen Resten des Körpers des Irisvorfalles in Gestalt eines pigmen- 
tirten, zarten, flockigen Häutchens ausgekleidet. 

Das Merkmal, welches diese Form der Narbe von der vorigen unter- 
scheidet, ist einfach die grössere Dicke der zum Verschlusse der Corneal- 
öffnung verwendeten neoplastischen Masse. Diese stellt nicht mehr eine Haut 
vor, sondern einen wahren Pfropf, welcher in das Loch der Cornea einge- 
schoben ist, und selbes mehr weniger vollständig erfüllt, so dass an der hin- 
tern Fläche der getrübten Hornhautparthie nur eine seichte Grube von dein 
geschilderten Aussehen zurückbleibt. 

Oft erreicht dieser Propf wirklich die Dicke der Cornea, die Grube 
an der hintern Fläche ist nur eine Folge der Infiltration der umgebenden 
Cornealparthien und ihrer sofortigen Dickenvermehrung, wodurch es geschieht, 



248 Mit vorderer Synechie gepaarte faserig schollige Cornealnarben. 

dass der Rand der hintern Perforalionsöffnung in Form eines Wülsfchens über 
das Niveau der Cornealhinterfläche hervorspringt, die Vertiefung also nur 
eine relative zu nennen ist. 

Der Boden dieser Grube ist gewöhnlich plan, oder doch nur sehr 
wenig concav, er entspricht also schon in dieser Beziehung nicht der Wölbung, 
in welcher sich umfangsreiche Irisvorfälle vorbauchen. Es stimmt aber auch 
die Stellung des Grubenbodens im Niveau der hintern Cornealschichten nicht 
überein mit der Lage des Scheitels solcher Vorfälle, denn dieser ragt in der 
Regel über die Vorderfläche der Cornea hervor. 

Dieses Zurücktreten desprolabirten I ristheiles in ein tiefes 
Niveau der Cornealdicke und die Verflachung seiner Wölbung ist nun 
einfach eine Folge der mit der Organisation gestaltungsfähiger Blasteme ein- 
hergehenden Verdichtung und Zusammenziehung auf ein kleineres 
Volumen. Das weiche, saftreiche Exsudat formirt begreiflicher Weise bei 
seiner Ablagerung einen Abdruck der Vorderfläche des Irisvorfalles, es ist 
kuppelartig ausgehöhlt, und der Fuss der so entstandenen Wölbung fällt in 
jenen Winkel, welchen der Hals des Vorfalls mit der Perforationsöffnung der 
Hornhaut bildet. Mit der Schrumpfung des Produktes flacht sich die Wölbung 
ab, und diese Abflachung erreicht erst dann den höchsten möglichen Grad, 
wenn der Scheitel der Wölbung in das Niveau des Fusses der Wölbung ge- 
treten ist, eine weitere Verkürzung des Bogens, als in die Länge seiner Sehne 
ist nicht gegeben. 

Es kommt bei solchen Narben also hauptsächlich darauf an, in welcher 
Höhe der Irisvorfall an die Wände der Perforationsöffnung an- 
liegt und anheilt, denn dieses Verhältniss bestimmt die Stellung des oben 
genannten Winkelscheitels und sofort die Tiefe der Grube an der hintern 
Cornealfläche. 

Zahlreiche Untersuchungen am Cadaver und Beobachtungen an Lebenden 
Stellen weiter heraus, dass solche Exsudatablagerungen mit der Abflachung 
ihrer Wölbung in deren Sehne noch lange nicht das Maximum ihrer Contrac- 
tion erreichen, umfangsreiche Perforationsöffnungen heilen oft mit kaum hanf- 
korngrossen Narben. Die weitere Verkürzung des Narbenproduktes 
geht dann in der Ebene der Sehne vor sich, ohne weiters die Tiefe 
der Grube zu modificiren, und sie ist nicht selten so bedeutend, dass die 
Durchmesser der vorderen Scleralöffnung im hohen Grade verringert, und die 
Reste der Hornhaut in breite, strahlig verlaufende Falten geworfen werden. Es 
ist natürlich, dass diese Zusammenziehung der Exsudatschichte von Seite der 
Contenta des Augapfels einen bedeutenden Widerstand erfährt, dessen Ueber- 
windung wird aber Niemanden auffallen, der weiss, mit welcher Kraft aus- 
gebreitete und mit einem dicken Stratum narbig organisirenden Blastemes 
überzogene Wunden sich zusammenziehen. 

§ 472. Ich sagte, und Jeder wird es hoffentlich einsehen, dass die 
Hereinziehung des Irisvorfalles in dem Niveau dessen Halses ihre absolute 
Grenze finde, dass sofort die hintere Fläche des Narbenpfropfes über diese 
Ebene hinaus nicht weiter gegen die hintere Cornealfläche vorrücken könne. 
Es lassen sich nun Fälle denken, in welchen das auf dem Prolapsus producirte 
Exsudat ein derart massenreiches ist, dass der daraus resultirende Narben- 



Staphylomälmliche Narbenknöpfe. 249 

pfropf selbst nach seiner grösstmöglichsten Verdichtung und Schrumpfung 
dennoch die Dicke der Cornea übersteigt, und daher über deren Vorder- 
fläche emporragen muss. 

Wirklich kommen solche Narben von enormer Dicke vor. Sie 
stellen einen oft mehrere Linien hohen, sehr harten, knorpelähnlichen, sehnig- 
weissen, abgerundeten, stark gewölbten Knopf vor, welcher, von einem brei- 
teren oder schmäleren leucomatosen Ringe umgeben, unter einem mehr weniger 
ausgesprochenen Winkel in die Vorderfläche der Cornea übergeht, und sich 
mittelst einer blätterigen Basis in dem Cornealparenchyme festsetzt. 

Sie ähneln ausnehmend einem Staphylome, und werden bisher auch 
allenthalben als Staphylom beschrieben, ohne es zu sein, 236 denn sie stellen 
nicht eine blasige Ausdehnung eines häutigen Gebildes vor, sie sind keine 
Eclasie, sondern repräsentiren einen soliden, geschichteten Körper, der wohl 
allerdings auf einer staphylomatös vorgetriebenen Cornea sitzen und sofort 
einen Theil eines Staphylomes bilden kann. Sie unterscheiden sich indess 
selbst am Lebenden ohne genauere Untersuchung dadurch von den Staphylo- 
men, dass ein auf sie angebrachter Druck nicht ihre eigenen Wandungen faltet, 
sondern sich sichtlich auf die Basis des Narbenknopfes fortpflanzt, und die 
Reste der Cornealrandtheile runzeln macht. 

Diese Narben knöpfe sind oft so gross, dass sie von den Lidern gar 
nicht bedeckt werden können, daher aus der Lidspalte hervorragen. Dess- 
wegen findet man ihre Oberfläche häufig bedeckt mit einem dicken Stratum 
epidermisartigen Epithels. Unter diesen trifft man gewöhnlich eine Lage 
lockeren langfaserigen, gefässhaltigen Bindegewebes, welches sich auf der 
leucomatosen Basis des Knopfes verliert, und wegen seiner Laxität eine leichte 
Verschiebung zulässt. Es ist dieses Bindegewebe sicherlich der organisirte 
Antheil an weicherem, auf dem Wege der Zellentheorie sich gestaltendem 
Exsudate, welcher gleichzeitig mit dem genuin faserstoffigen Blastem abge- 
schieden, an dessen Oberfläche gedrückt wurde. Massenreiche Exsudationen 
an der Körperoberfläche, wenn sie sich höher gestalten, granuliren ja zum 
Theile fast immer. Die Substanz des Narbenknopfes selbst ist zusammengesetzt 
aus lauter Schichten faserig scholligen Gewebes in verschiedenen Graden der 
Entwickelung, und unterscheidet sich in nichts von den übrigen Formen der 
faserig scholligen Neubildung. Sie hält immer etwas Blut und ich zweifle gar 
nicht, dass die mitunter sehr bedeutenden Volumina des Knopfes das Resultat 
fortgesetzten Wachsthums, einer in die Epoche der ausgebildeten Narbe fort- 
gesetzten Ablagerung und Organisation faserspaltenden Blastemes sei. Die 
Befestigung der Narbe in dem Cornealparenchym und die grubige Vertiefung 
ihrer hinteren Wand, so wie deren Uerberkleidung mit atrophischen Irisresten 
bietet keine Differenzen von der vorigen Form. 

§ 473. Die Entwickelung der letztgenannten drei Formen der Narbe 
auf breiten Irisvorfällen schliesst durchaus nicht die Notwendigkeit einer 
excentrischen Lagerung in sich. Eine genaue Verfolgung der zu Grunde 
liegenden Processe gibt im Gegentheil sehr leicht und auf genügende Weise 
Aufschluss über das so häufige Zustandekommen dieser Narbenformen 
auf centralen Parthien der Hornhaut, also an Stellen, an welchen der 
Verschluss der Oeffnung niemals durch Vorlegung eines Theiles aus der Breite 



250 Mit vorderer Synechie gepaarte faserig schollige Cornealnarben. 

der Iris eingeleitet werden kann, sondern stets die Pupillenöffnung in das Be- 
reich der Wunde fallen muss. 

Unter solchen Verhältnissen bedingt die immer hinzutretende Iritis nämlich 
niemals allein Produktablagerungen an der Vorderfläche der Iris, es werden 
stets namhafte Exudationen an dem blossliegenden Pupillarrande gesetzt, und 
durch diese um so leichter die Schliessung des Sehloches eingeleitet, als die 
Regenbogenhautenlzündung der Regel nach mit Pupillenverengerung einhergeht. 
Mit dem Etablissement der Atresie sind aber schon die Bedingungen gegeben, 
unter welchen der Humor aqueus in der hinteren Kammer sich sammeln und 
die Iris kuppeiförmig in die Perforationsöffnung der Cornea hervordrängen 
kann. Mit der Anlöthung des Prolapsus an die Seilenwände des Durchbruches 
und der Organisation des an der Oberfläche der Iris abgelagerten Produktes 
ist dann eine centrale Narbe der genannten Form gegeben. 

§ 474. So lange der Verschluss der Pupille durch organisirende Exsu- 
date noch nicht zu Stande gekommen ist, fliesst das aus den Ciliarfortsätzen 
abgesonderte Kamnierwasser fortwährend aus, es existirt keine hintere Kam- 
mer, die Linse wird an die hintere Fläche der Iris und mittelbar an jene der 
Cornea angedrückt. Es geschieht nun sehr oft, dass der das Sehloch schlies- 
sende Exsudatpfropf mit der Vorderkapsel, der er unmittelbar aufliegt, verklebt, 
und dieses so fest, dass nach der Hand eine Trennung beider Organe durch 
das zwischen beiden sich häufende Kammerwasser schwer oder ganz unmög- 
lich wird. Es kommt daher nicht selten vor, dass entsprechend der Grube in 
der hintern Fläche solcher Narben auf der Vorderkapsel ein Häufchen 
faserig scholliger oder verkalkter Neubildung getroffen wird. In den meisten 
Fällen aber ist die Linse in mittelbarer Verbindung mit der Narbe selbst. Es 
zieht sich ein Narbenpfropf aus der Grube der Narbe heraus und setzt sich 
mit verbreiteter Basis auf der Vorderkapsel fest, es ist eine Narbe mit 
vorderer Synechie der Iris und der Vorderkapsel gegeben. 

Es ist leicht einzusehen, dass solche Verwachsungen der Linsenkapsel 
mit der Hornhautnarbe nur dann zu Stande kommen können, wenn der die 
Pupille verlegende Exsudatpfropf durch Massenhaftigkeit innigere Verbindungen 
zu vermitteln vermag, wenn also überhaupt die Exsudation auf der entblössten 
Irisparthie eine reichliche zu nennen ist. Daher finden sich auch dünne Nar- 
ben der geschilderten Art nach meinen bisherigen Erfahrungen niemals in 
Verbindung mit der Kapsel, selbst nicht bei centraler Stellung. Falls sich 
auch ursprünglich eine Verklebung der Kapsel mit dem aufliegenden Pupillar- 
theile der Iris etablirt hatte, wird sie immer wieder durch das, nach dem 
Verschlusse der Wunde sich sammelnde Kammerwasser und die sofortige Zurück- 
drückung der Linse gelöst. 

§ 475. Immerhin ist aber die Verschliessung umfangsreicher Corneal- 
durchbrüche mittelst breiter Irisvorfälle an gewisse Bedingungen gebunden, 
deren Erfüllung nicht in jedem Falle ermöglicht ist. 

§ 476. Es kommen erstlich genug Fälle vor, bei welchen gar kein 
Theil der Iris vorfallen kann, indem die Regenbogenhaut bereits ausser- 
halb der Grenzen der Perforationsöffnung mit der Cornea oder der Kapsel 
verlöthet oder, durch krankhafte Processe anderer Art verändert, am Prolapsus 
gehindert ist, oder aber indem mit der Corneahvunde zugleich der entsprechende 



Verwachsungen mit den tieferen Organen der Bulbushöhle. 251 

Theil der Iris entfernt wurde, Verhältnisse, wie sie so häufig bei der Ab- 
tragung von Staphylomen gesetzt werden. 

lelierspinnl sich unter solchen Umständen die Wundfiäche mit genuin- 
faserstoffigem Exsudate, welches ohne zu granuliren , auf dem Wege der 
Faserspaltung organisirt, so entwickeln sich Narben, welche ganz aus Schichten 
sehr derber, im hohen Grade durchscheinender, fein gefaserler Blätter ohne 
alle Beimengung anderer Elemente bestehen , an der Oberfläche von grautrübem 
Epithele bedeckt sind, in ihrem Parenchyme aber häufig meergrünlich durch- 
scheinend und mit freiem Auge von atrophischer Cornealsubstanz kaum zu 
erkennen sind. Diese Narben stehen nach hinten mit der Linse, oder mit 
melamorphosirten Besten des Glaskörpers, und mittelbar durch diese mit der 
Aderhaut und Betina in Verbindung. Es kommen aber auch Fälle vor, in 
welchen der Glaskörper ursprünglich sich vor die Wunde gelegt hatte, später 
aber verflüssigte, dann findet man auch die hintere Wand der Hornhautnarbe 
frei, umspült von einer die ganze Bulbushöhle füllenden Flüssigkeit. 

§ 477. Der Begel nach fallen aber durch grosse Homhautöffnungen 
auch grosse Parthien der Begenbogenhaut vor, sie falten sich ganz 
iin regelmässig in der Wunde ohne diese zu stopfen. Mit dem Ab- 
flüsse des Kammerwassers tritt auch die Linse an die Oeffnung und beide 
letzteren Organe verwachsen mit der Narbe. War durch das Loch die Linse 
und ein Theil des Glaskörpers entleert worden, so sinkt der Bulbus zusammen, 
die Beste des Glaskörpers, die Aderhaut und Netzhaut fallen sich, ihre vorderen 
Parthien ballen sich knäuelförmig zusammen und verlegen so sammt der Iris 
die Wundöflnung, um in dieser Stellung dauernd mit der Narbe zu verlöthen. 

Die Narbe selbst ist unter solchen Verhältnissen eine andere, je nach dem 
sie durch faser spalten des oder granuliren des Exsudat zu Stande kömmt. 

Im erster en Falle resultiren Narben, welche den vorigen ganz ähnlich 
sich nur durch den Gehalt an Pigment, den letzten Besten der prolabirten 
Irisparthien , unterscheiden. Sie setzen sich stets pfropflormig in das Innere 
der Bulbushöhle fort, und verlöthen deren Organe unter sich und mit der 
Cornea. 

Ward aber die Heilung auf dem Wege der Eiterung und Fleisch- 
wärzchenbildung eingeleitet, so findet sich die Narbe oberflächlich immer 
mit einem dicken Stratum Epitheles und darunter mit einer Lage gefässhaltigen 
Bindegewebes überzogen, welches letztere meisthin mit der Bindehaut in Ver- 
bindung steht. Die eigentliche Narbensubstanz ist auch fibrösschollig, aber 
gewöhnlich minder dicht, weniger durchscheinend, die Blätter zum grossen 
Theile noch ganz strukturlos oder doch nur faserstreifig, durch reichliche 
Zwischenlagerung moleculärer Massen, kernähnlicher Gebilde, theils frischer, 
theils in Pigmentmetamorphose begriffener Blutkörperchen gegenseitig getrennt 
und von den atrophischen oder auf blosses Pigment reducirten Besten der vor- 
gefallenen Parthien der Iris durchsetzt. 

Die Narbe setzt sich in das Innere des Augapfels fort, und 
hängt mit der gewöhnlich atrophisirten, von organisirten Exsudaten umhüllten 
Iris und mit der Linsenkapsel zusammen , im Falle die Linse aber sammt einem 
Theile des Glaskörpers entleert wurde, steht sie in Verbindung mit den klumpig 
zusammengebackenen Organtheilen der vorderen Hälfte der Augapfelhöhle. 



252 Mit vorderer Synechie gepaarte faserig schollige Comealnarben. 

Die Zwischenräume zwischen der Narbe und den solchergestalt veränderten 
Organen der vordem Hälfte des Augapfelraumes erfüllen dann gelbliche, mit 
Tostfarbenen bis chocoladebraunen Punkten und Streifen gemischte Massen, 
Reste des während des Eiterungsprocesses in die Kammern abgelagerten 
hämorrhagisch plastischen Exsudates, welches zum Theile in Verfettigung und 
Verkalkung, zum Theile im Pigmentmetamorphose begriffen ist. 

§ 478. Diese letztgenannten Formen der faserig scholligen Hornhautnarbe 
haben das Gemeinsame mit den vorhergehenden Narbenarten, dass sie sich 
an der Oberfläche der Hornhaut unter der Gestalt eines Leucoms mehr weniger 
verbreitern, innerhalb der Cornealdicke selbst aber in den inflltrirten Corneal- 
fleck übergehen und sich so befestigen. 

Ihr Volum entspricht in der Regel nicht der Grösse des gesetzten Sub- 
stanzverlustes, und diese Verkleinerung ist zum grössten Theile eine Folge 
der Schrumpfung des sie constituirenden Blastemes während seiner Organisation. 
Das Maass der Contraktion der Narbe ist wieder im hohen Grade abhängig 
von dem Widerstände, den der Inhalt des Bulbus dessen Verkleinerung ent- 
gegensetzt. 

Ist bei dem Durchbruche der Hornhant der Glaskörper nicht ent- 
leert worden, oder gar die Linse in ihrer Lage geblieben, so klaffen wegen 
des unbedeutenden Zusammensinkens des Augapfels und wegen der Vortreibung 
seines Inhaltes durch den Druck der Muskeln die Wundränder in bedeutendem 
Grade, die Narbe wird gleich in ihrer Anlage eine grosse, ausgebreitete, und 
in ihrer späteren Zusammenziehung noch durch die Füllung der Augapfelhöhle 
mächtig behindert. Die Narbe bleibt in solchen Fällen der Regel nach etwas 
mehr ausgedehnt, sie consolidirt sich, ohne an Flächeninhalt in bedeutendem 
Grade abzunehmen. Sie hat nur gewöhnlich eine merkliche Abflachung der 
Vorderfläche des Bulbus zur Folge, ein Umstand, der künftige Pupillenbildungen 
wegen Verminderung der Befraktionskraft in den seitlichen, durchsichtig geblie- 
benen Gornealparthien in ihrem Erfolge sehr beeinträchtiget. 

Ist aber bei dem Durchbruche der Hornhaut die Linse sammt dem 
Glaskörper verloren gegangen, oder waren diese schon früher in Ver- 
lust gerathen und der Augapfel bloss mit wässerigem Fluidum ausgefüllt, 
welches sich gänzlich entleert, so sinkt der Bulbus bei seiner Eröffnung ganz 
zusammen, die Wundränder der Cornea treten aneinander, die Narbe wird 
schon in ihrer Anlage eine sehr kleine, sie braucht nicht sehr zu schrumpfen, 
um selbst nach grossen Substanzverlusten auf ein Minimum des Volums reducirt 
zu werden. Man findet sie dann als ein lancettförmiges oder ein ovales 
Scheibchen, dessen grösster Durchmesser gewöhnlich quer liegt, und merklich 
eingezogen, so dass die Cornea an ihrer Stelle rinnig oder nabeiförmig vertieft 
erscheint und dieses um so mehr, als die erhaltenen Seitentheile der Hornhaut 
wulstförmig durch die Contenta des Bulbus vorgetrieben werden. 

Die enorme Kraft, mit der sich solche Narben contrahiren, äussert sich 
auch öfters durch Faltung der seitlichen Cornealtheile, es repräsen- 
tiren sich tief einspringende Binnen, welche fast immer auf den Vordertheil der 
Sclera übergehen. Gewöhnlich ist die Faltung aber nur an der hinteren Fläche 
der Cornea deutlicher ausgesprochen, diese erscheint in viele strahlig verlau- 
fende Falten geworfen, welche sich in der Narbe als ihrem Mittelpunkte vereinen. 



Faserig schollige Narben nach Verlust der blätterigen Hornhautsubstanz. 253 

Dass unter solchen Umständen die Vegetation der übrig gebliebenen 
Theile der Hornhaut im hohen Grade leiden müsse, lässt sich schon a priori 
schliessen, und dieses um so mehr, als die mit solchen Narben combinirten 
Veränderungen im Innern des Augapfels sehr häufig auch die Quelle des Humor 
aqueus, die Ciliarfortsätze betreffen, in ihrer secretorischen Thätigkeit behindern, 
oder aber durch Aufhebung der Kammern die Ansammlung der wässerigen 
Feuchtigkeit und die regelmässige Durchtränkung der Cornea aufheben. Atrophie 
der Cornealrandtheile ist eine ganz gewöhnliche Begleiterin solcher Narben und 
häufig nur eine Theilerscheinung des totalen Augenschwundes. Damit wird 
nun die vordere Scleralöffnung noch mehr zusammengezogen, und die narbige 
Hornhaut erscheint in ganz unregelmässigen Formen, sie ist selten rundlich, 
meistens in eine quer gelagerte, lang gestreckte Elipse mit spitzen Scheiteln 
verwandelt, mitunter auch trapezoidisch oder ganz ungestaltet. 

§ 479. Es kommen sehr häufig derartige Narben vor, in welchen 
von der blätterigen Hornhautsubstanz nur der ausser ste Randtheil der 
hinteren Lamellen erhalten ist. Er zieht sich in einem mehr weniger 
vollständigen Ringe um die ScleralöfTnung herum und formirt im senkrechten 
Durchschnitte ein dreiseitiges Prisma, dessen eine Fläche mittelst der erhaltenen 
strukturlosen Randsubstanz der Hornhaut an den Scleralrand befestigt ist, die 
hintere Fläche an die Descemeti stösst, die vordere, stark abgeflachte aber von 
der Narbensubstanz bedeckt wird. Diese Narben bilden den Uebergang zu der 

b. Faserig scholligen Narbe nach totalem Verluste der blätterigen Hornhaut- 
substanz. 

§ 480. Als solche können sie nicht Produkte der Hornhaut selbst sein, 
sie sind vielmehr die ständigen Entwickelungsformen von Blastemen, welche 
den entblössten und vor die ScleralöfTnung gelagerten Organen der Bulbus- 
höhle, in specie der Iris entsprossen sind. 

§ 481. Ihre äusseren Formen finden in den vorhergeschilderten 
Narbenarten ihre Analogien, sie variiren, wie diese, ausnehmend nach der 
Qualität und Quantität des Exsudates, noch mehr aber nach den Verhältnissen, 
unter welchen die Verlegung der vorderen Scleralöffnung durch die inneren 
Organe des Augapfels zu Stande kömmt. 

Eines haben aber alle Arten dieser Narbenform gemeinschaftlich, es ist 
dieses ihr stets nur mittelbarer Zusammenhang mit dem Sleral- 
rande. Zwischen diesen und der Peripherie der Narbe ist constant ein Ring 
durchscheinenden, oft meergrünlichen oder grauen Gefüges zwischengeschoben, 
in welchem sich gar keine Struktur nachweisen lässt. Es ist dieses die 
Randsubstanz der Hornhaut, welche an den Schmelzungsprocessen der 
lamellösen Cornealparthien niemals Antheil nimmt und ihre Integrität behauptet. 
Sie erscheint noch in sehr alten Narben, wenn sie nicht mit Bindegewebe 
überzogen sind, als ein sulzähnlich durchscheinender, grünlicher oder graulicher 
Kreis um die Narbe herumgelegt, ist aber besonders deutlich bei der Be- 
sichtigung der Narbe von hinten am Gadaver. Sie wird hier um so deutlicher, 
wenn die Narbe bedeutend schrumpft, und sofort die Peripherie der Scleral- 
öffnung verkleinert wird, indem sich ihr Ring in eben dem Maasse, als sein 



254 Faserig schollige Narbe nach Verlust der blätterigen Hornhautsubsfanz. 

Umfang abnimmt, verbreitert, und oft auf diese Weise zu einem Durch- 
messer von 2 / 3 '" und mehr gelangt. 

§ 482. Die textuellen Verschiedenheiten dieser Narben sind 
wieder hauptsächlich darin begründet, dass sie entweder durch Ueber- 
häutung der biossliegenden Organe mit genuin fibrinösem, faserspaltendem 
Exsudate gebildet werden, oder aber der Vernarbungsprocess auf dem Wege 
der Granulation einherschreitet. 

Im ersteren Falle ist die Narbe eine ganz besonders derbe, starre, 
und besteht fast ausschliesslich aus Blättern mit schön ausgesprochener 
Faserung ohne alle anderweitige Beimengung. Bei hohen Entwickelungs- 
graden acquirirt sie durch diese Gleichartigkeit ihres Gefüges einen hohen 
Grad von Diaphanität, sie wird meergrünlich, und ist dann mit freiem Auge 
von atrophischer Homhautsubstanz kaum zu unterscheiden. Das Mikroskop 
nur kann hier die Prämissen zu einem richtigen Urtheile liefern. Es wird 
dabei wesentlich unterstützt durch den Umstand, dass die Hinterfläche dieser 
Narben des glashautigen Ueberzuges entbehrt, mit den Resten der Iris un- 
mittelbar zusammenhängt, und nur hier und da Fetzen zusammengeballter 
Descemet! eingelagert gefunden werden. 

Im zweiten Falle aber wird die Vorderfläche der Narbe mit gefäss- 
reichem Bindegewebe überzogen, welches sich aus der Bindehaut gegen das 
Centrum der Narbe fortzusetzen scheint. Der bindegewebige Ueberzug ist 
nur selten ein ganz vollständiger. Der Regel nach reicht er nur bis in die 
Nähe des Narbencentrums, dieses erscheint in hirse- bis hanfkorngrosser Aus- 
dehnung von Bindegewebe entblösst, das Bindegewebe setzt sich im Umkreise 
dieser Stelle an der faserig scholligen Narbensubstanz fest, und wird in der 
Mitte der Narbe ersetzt von trübem Epithel in mehreren Lagen. Von aussen 
gesehen scheint in solchen Fällen die Narbe kaum den Durchmesser i / SL ,,! — V" 
zu erreichen, erst bei näherer Untersuchung am Cadaver findet sich das 
wahre Maass derselben, die Kleinheit ist bedingt durch die Ueberlagerung der 
Randparthien der Narbe mit Bindegewebe, welches in allem und jedem der 
Conjunctiva ähnlich ist. Die Textur der eigentlichen Narbensubstanz zeichnet 
sich unter solchen Verhältnissen auch ganz gewöhnlich durch Lockerheit, durch 
minderere Entwickelungsgrade der einzelnen trüb bleibenden Blattlagen, durch 
grössere Ansammlung moleculärer und kernähnlicher Gebilde in den Zwischen- 
räumen, durch bedeutenden Gehalt an frischem Blute und an metamorphosirten 
Resten vorgängiger Blutextravasate von dem Baue der vorigen Narbenart aus. 

§ 483. Bisweilen geschieht es, dass die blätterige Hornhautsubstanz 
ihrer ganzen Masse nach in einen eiterähnlichen Brei zerfällt, und als schmierige 
Pulpe auf der nunmehr blossgelegten Iris liegen bleibt, um erst nach einiger 
Zeit abgestossen und weggeschwemmt zu werden, während sich mittlerweile 
die Pupille durch organisirendes Exsudat schliesst, und die Vorderfläche der 
Regenbogenhaut mit gestaltungsfähigem Blasteme überzieht. Weder die 
Linse, noch der Glaskörper werden entleert, der Augapfel sinkt 
daher auch nicht bedeutend ein, und der späteren Schrumpfung der Narben- 
anlage ist dadurch ein kräftiger Damm entgegengesetzt. 

Es resultirt eine Narbe, die, wenig gewölbt oder ganz ver- 
flacht, die vordere Scleralöflnung schliesst. Der einspringende Winkel, 



Anatomische Charaktere. Ausgänge der faserig scholligen Narbe überhaupt. 255 

den die normale Cornea mit dem Scleralrande an der Vorderfläche des Bulbus 
bildet, ist verstrichen. Die Contour der Narbe ist der Regel nach quer- 
eliptisch mit etwas zugespitzten Scheiteln. Nach der Masse des Exsudates ist 
die Neubildung entweder sehr dünn und, besonders stellenweise, bläulich 
durchscheinend, von sehnigen Streifen und Flecken durchsetzt, oder gleich- 
massig sehnig weiss, opak und von bedeutender Dicke; unter Umständen 
erreicht sie die Mächtigkeit mehrerer Linien und ragt dann in der Form eines 
staphylomatosen Zapfens aus der Lidspalte hervor, sie wiederholt die 
knopfartige Form der auf breiten Irisvorfällen zur Entwickelung kommenden 
Narben, und stimmt damit in jeder Beziehung überein, ausgenommen ihrer 
Befestigung an der strukturlosen Randsubstanz der Cornea, aus der ihre vordere 
Fläche in mehr weniger steilem Zuge, selbst senkrecht, emporsteigt. Die 
Hinterfläche dieser Narben ist stets uneben, grubig, und wird von den 
Resten der Iris, einem hyalinen Häutchen mit eingestreutem Pigmente über- 
zogen. Der Regel nach hängt die Linse der hinteren Fläche mittelst eines 
Narbenpfropfes fest an, und dieses besonders häufig an der der ehemaligen 
Pupille entsprechenden Stelle. Ringsherum um diese Stelle ist öfters die Linse 
von der rudimentären Iris durch etwas Kammerwasser getrennt, sodass eine 
Art Hinterkammer existirt, welche wegen der häufigen Schrumpfung 
des Krysiallkörpers aber gewöhnlich mit der hinteren Augapfelhöhle zu- 
sammenhängt. 

§ 484. Hat sich bei der Abstossung der Hornhaut die Linse und 
ein Theil des Glaskörpers entleert, der häufigere Fall, und ist sofort 
der Bulbus auf sich selbst zusammengefallen, so wird auch die Narbe eine 
viel kleinere, kaum 1'" — 2'" im Durchmesser haltende. Sie enthält dann 
gewöhnlich viel Pigment, indem das Exsudat auf der klumpig zusammen- 
geballten, und in die Scleralöffhung vorfallenden Iris abgelagert wurde. Ge- 
wöhnlich sind auch knäuelförmig gefaltete Fetzen der Descemeti einge- 
backen. Sie hängt nach hinten mit einem von organisirtem Exsudate um- 
hüllten und durchdrungenen Klumpen zusammen, der die atrophischen Reste 
der peripheren Iristheile, der vorderen Aderhaut- und Netzhauthälfte in sich 
schliesst. 

Die relative Kleinheit dieser Narbe involvirt schon die Notwendig- 
keit eines bedeutenden Zusammenrückens der Scleralränder. Daher faltet 
sich denn auch die weisse Augenhaut unter der Zusammenziehung dieser 
Narbe in bedeutendem Maasse, und dieses um so mehr, als mit den, im Innern 
des Bulbus vor sich gehenden Veränderungen eine Füllung der entleerten 
Höhle unmöglich wird. Der Bulbus schrumpft auf einen runzeligen 
Knopf und rechtfertigt so Beer's Benennung des fraglichen Zustandes als 
Aridura bulbi, Dörrsucht des Augapfels. 

§ 485. Es dünkt mir nach den bereits gepflogenen Erörterungen über- 
flüssig, der Erscheinungen im Detail zu gedenken, welche die verschie- 
denen Formen der faserig scholligen Narbe begleiten. 

§ 486. Die geringe Intensität, mit welcher der Stoffaustausch in dem 
bereits ständig gewordenen Narbengewebe vor sich geht, ist textuellen Ver- 
änderungen im hohen Grade hinderlich. Die Unheilbarkeit der faserig 
scholligen Narbe auf der Hornhaut ist durch die Erfahrung aller Zeiten fest- 



256 Das Staphylom im Bereiche der vorderen Scleralöffnung. 

gestellt. Verminderungen des Umfanges der Trübung können nicht sowohl 
auf theilweise Resorbtion der Narbensubstanz selbst, als vielmehr nur auf ein 
Schwinden des die Narbe umsäumenden oberflächlichen und infiltrirten Leucoms 
bezogen werden. 

§ 487. Der häufig erweisbare Zusammenhang der Neoplasie mit dem 
allgemeinen Kreislaufe ist indessen eine sichere Gewähr für die Möglichkeit 
der Entzündung in dem Gefüge der Narbe selbst und sofort für die Mög- 
lichkeit der Massenvermehrung durch Exsudation und selbst der eitrigen 
Schmelzung. Immerhin ist aber die letztere, die eitrige Schmelzung der 
Narben in Folge corrodirender Exsudationen ein äusserst selten zur Beobachtung 
kommendes Ereigniss und dann der Regel nach mit Phthisis des gesammten 
Augapfels gepaart. Sie ist ebenso selten, als theilweise Verkalkungen und 
Verknöcherungen des faserig scholligen Gefüges in der Cornea. 

§ 488. So gross indessen die Resistenz ist, welche die faserig schollige 
Narbe textuellen Veränderungen ihres Gewebes entgegensetzt, so gering ist 
der Widerstand, mit welchen sie dem Einflüsse gewisser me- 
chanischer Momente die Spitze zu bieten vermag. Eine Folge davon ist 
das Staphylom. Dessen gewöhnliche Entwickelung aus und mit der faserig 
scholligen Neubildung rechtfertigt seine Stellung an diesen Ort des Systemes. 
Die Häufigkeit seines Vorkommens und seine daherige hochgradige praktische 
Dignität aber begründen die Notwendigkeit einer gesonderten Behandlung 
seiner mannigfaltigen Formen. 

Anhang. 
Das Staphylom. 

§ 489. Es ist dieses ein seit Langem in der Ophthalmologie einge- 
bürgerter Namen für einen Zustand, der weit bezeichnender „Ectasie" ge- 
nannt würde, indem er sich als eine ständig gewordene Ausdehnung irgend 
eines Theiles der äusseren Bulbuswand definiren lässt. 

§ 490. Iris vor fälle erschöpfen wegen des Mangels der Ständigkeit 
nicht den Begriff der Ectasie. Die an ihrer Stelle sich häufig etablirenden 
Vorbauchungen der Bulbuswand betreffen aber nicht sowohl das Irisgewebe, 
welches der Regel nach bald gänzlich alrophirt, in dem organisirenden Ex- 
sudate schwindet, sondern vielmehr das den Vorfall deckende Narbengewebe. 
Es lassen sich demnach innerhalb der vorderen Scleralöffnung nur Aus- 
dehnungen des Cornealgewebes und eingelagerter Neubildungen 
denken. 

Insofern man die Ectasien nach den ausgedehnten Organen zu benennen 
pflegt, kann hier nur von Ectasien der Hornhaut und Ectasien 
der Cornealnarben, von Hornhautstaphylomen und Narben- 
staphylomen die Rede sein. Alle innerhalb der vorderen Scleralöffnung 
auftretenden ständigen Hervortreibungen der äusseren Bulbuswand müssen sich 
darunter subsumiren lassen. 

§ 491. Jede Ectasie, also auch das Staphylom, setzt als Bedingung 
ihres Entstehens einen Druck voraus, der auf die innere Wandung des 



Entwickclungsbedingnisse. 257 

betreffenden Organes wirkend, grösser ist, als die Cohäsionskraft, mit welcher 
die constituirenden Elemente der Wandung ihre gegenseitige Lagerung zu be- 
haupten vermögen. 

§ 492. Ein auf die inneren Wandungen des Augapfels wirkender Druck 
ist schon mit der normalen Füllung der Bulbushöhle gegeben, er 
äussert sich in der Spannung der Häute und der eigenthümlichen Härte des 
Augapfels. Er wird zeitweilig in bedeutendem Grade verstärkt durch die 
gleichzeitige Contraktion zweier einander entgegengesetzter 
oder aber aller vier gerader Augenmuskeln, welche, den Bulbus in 
einem Bogen umspannend, nicht nur durch Annäherung ihrer beiden End- 
punkte, sondern auch durch Verkürzung des Bogens in die Sehne und sofortige 
Compression des Augapfelinhaltes ihren Gontractionsnisus geltend zu machen 
suchen 237 . 

Die Druckwirkung von Seite der Muskeln ist abhängig von der Spannung 
der Augapfelwandungen, nur dann, wenn diese gespannt sind, ziehen die 
Muskeln in Bogen, nur dann wird der Verkürzung des Bogens in die Sehne 
von Seite des Augapfelinhaltes wegen der Unmöglichkeit des Ausweichens ein 
Hinderniss gesetzt, eine Compression der Contenta bulbi ermöglicht. 

§ 493. Auf dass sofort überhaupt ein Druck auf die inneren Wan- 
dungen des Augapfels ausgeübt werden könne, ist erste Bedingung, dass der 
Augapfel in einem gewissen Grade von Füllung bestehe. Diese ist aber nicht 
denkbar, ohne dass die Absonderungsorgane des Kammerwassers ihre Funktions- 
tüchtigkeit bewahrt haben, als Haupterforderniss der Staphylom- 
bildung tritt sofort die Integrität der Ciliarfortsätze heraus. 

Beer 238 hat dieses sehr wohl eingesehen und als Bedingung zur Ent- 
wickelung eines Staphylognes erklärt, „dass die Se- und Excretionsorgane der 
wässerigen Feuchtigkeit in der hinteren Augenkammer durch einen Entzündungs- 
process in ihrer Funktion nicht beträchtlich beeinträchtigt, viel weniger ver- 
nichtet worden seien." Genaue Untersuchungen bestätigen die Wahrheit dieses 
Ausspruches. 

Wo immer Staphylome innerhalb der vorderen Scleralöffnung vorkommen, 
deren Höhlung nicht mit metamorphosirten plastischen Exsudaten erfüllt ist, 
sind die Ciliarfortsätze ganz oder doch zum grossen Theile erhalten, blutreich, 
ohne Spur von Atrophie, die übrigen Organe der Augapfelhöhle, namentlich 
die Iris und Aderhaut mögen noch so sehr verändert, oder wohl auch theilweise 
ganz untergegangen sein. 

§ 494. Immerhin ist aber die Erfüllung aller dieser Bedingungen zur 
Entstehung einer Ectasie nicht genügend, der von Seite des Augapfelinhaltes 
auf die Wandungen des Bulbus ausgeübte Druck, und wäre er auch durch die 
grösstmöglichste Kraftanstrengung der Muskeln verstärkt, ist unzureichend, um 
die gesunde Cornea auszudehnen. 

Die Füllung des Augapfels und darin begründete Spannung der Häute 
kann den Normalzustand niemals in einem bedeutenden Maasse übersteigen, 
denn die Ansammlung der Feuchtigkeiten im Innern des Bulbus steht selbst 
wieder in Abhängigkeit von der Grösse des auf die Wandungen von innen 
her ausgeübten Druckes. Es ist eine Circulation in den bluthaltigen Organen 
des Augapfels und die sofortige Ausübung ihrer secretorischen Thätigkeit nur 

Stell wag, Ophthalmologie. I, 1< 



258 Das Staphylom im Bereiche der vorderen Scleralöffmmg. 

so lange möglich, als der von Seite der Augapfelcontenta auf die Gefäss- 
wandungen ausgeübte Druck ein geringerer ist, als die Kraft, mit welcher das 
Blut in die Capillaren einströmt. Sobald der äussere Druck auf die Gefäss- 
wandungen ein stärkerer wird, vermindert sich der Blutzufluss und mit ihm 
die Sekretion, der Inhalt des Augapfels nimmt an Volum ab, indem fortwährend 
Feuchtigkeiten durch die Wandungen des Augapfels schwitzen. Der Druck 
der Augapfelcontenta auf die Wandungen des Bulbus steht immer im Gleich- 
gewichte mit der Stromkraft des Blutes im Innern seiner Organe. Sobald das 
Gleichgewicht gestört wird, stellt es sich durch Zu- oder Abnahme der Ab- 
sonderung wieder her, vorausgesetzt, dass die Secretionsorgane funktionstüchtig 
sind, und als solche müssen sie nach dem Vorhergehenden in Bezug auf die 
Staphylombildung angenommen werden. 

Aber auch grösslmöglichste Verstärkung dieses Druckes durch Con- 
traktionen der Augenmuskeln sind nicht fähig, den Widerstand der Cornea zu 
überwinden, dieses lehren die Berechnungen der senkrecht auf die Augen- 
achse wirkenden Kraftmomente, ferner die Unveränderlichkeit der Corneal- 
krümmung unter den grössten Kraftanstrengungen der Augenmuskeln, noch 
mein aber jene Fälle, in 'welchen intensive äussere Gewalten, auf den Aug- 
apfel wirkend, eher eine Berstung der Sclera, als eine Ausdehnung der Horn- 
haut herbeizuführen vermochten. 

Auf dass ein Staphylom innerhalb der vorderen Scleralötfnung zu 
Stande komme, muss die Hornhaut in ihrer Besistenz, durch 
welche Ursachen es auch sei, vermindert, oder aber durch ein nach- 
giebigeres, wenigstens zeitweise ausdehnsameres, Gefüge ersetzt 
worden sein. 

§ 495. Die Druckwirkung von Seite der den Augapfel füllenden 
Feuchtigkeiten ist eine stetige, fortdauernde, die in ihr bedingte 
Ausdehnung widerstandsloser gewordener Wandungsparthien muss daher 
auch eine allmälig und so weit fortschreitende sein, bis das Gleichgewicht 
zwischen der Resistenz der eetatischen Stelle und der Stromkraft des Blutes her- 
gestellt ist. 

Die Muskel Wirkung ist eine temporäre, sie dehnt plötzlich die 
nachgiebiger gewordenen Parthien der Augapfelwand um ein Gewisses aus, 
und ist das Maass dieser Extension ein grösseres als das Gefüge vermöge der 
ihm zukommenden Elastizität wieder auszugleichen vermag, so entsteht ein 
Missverhältniss zwischen dem inexlensiblen flüssigen Inhalte und dem ver- 
grösserten Raumgehalte der Augapfelhöhle, welches Missverhältniss alsbald 
wieder aufgehoben wird durch vermehrte Absonderung des Kammerwassers, 
indem mit der Erweiterung der Höhle und dem Nachlassen des Muskeldruckes 
auch jener Druck verringert ist, welcher von Seiten des Bulbusinhaltes auf die 
Gefässwandungen der secretorischen Organe ausgeübt wird, diese Organe 
sofort, wie in grossen eröffneten Abscessen die Wände, congestionirt und zu 
vermehrter Sekretion bestimmt werden. Es nimmt der Inhalt des Bulbus an 
Masse zu, bis sich die Sekretionsorgane des Humor aqueus wieder unter jenem 
Drucke befinden, unter welchem ihre Absonderung mit der Resorbtion und 
Durchschwitzung durch die Bulbuswände ins Gleichgewicht kömmt. Der 
Bulbus erlangt so seine frühere Prallheit, die Ectasie ist aber gewachsen. Sie 



Berstung und deren Folgen. 259 

wächst nun ällmälig fort, bis wieder die Muskelwirkung eine ruckweise Aus- 
dehnung in grösserem Maassstabe bewerkstelligt. So geht der Process fort, 
das Staphyloin erreicht namhafte Grössen. 

§ 4J)6. Endlich haben die nachgiebiger gewordenen Theile das Maximum 
ihrer Ausdehnbarkeit erlangt, ein Wachsthum der Ectasie ist nicht mehr 
ermöglicht. Es bleibt das Staphyloin auf dem nunmehr erreichten Um- 
fange stehen, oder aber es berstet, gewöhnlich in Folge einer plötzlichen 
Zusammenziehung der geraden Augenmuskeln und entleert einen Theil des 
Augapfelinhaltes, unter Umständen wohl auch den grössten Theil der Augapfel- 
contenta mit einem hörbaren Geräusche und mit einer Kraft, welche Humor 
aqueus, Linse und Glaskörper auf Schuhweite nach vorn zu schleudern vermag. 

Der Bulbus sinkt ein, faltet sich, die Rissränder kommen dadurch in gegen- 
seitige Berührung, verlöthen und erlauben somit wieder die Ansammlung 
wässeriger Feuchtigkeiten, welche eine abermalige Füllung der Höhle, ein 
Hervortreten des Staphyloms, selbst ein Wachsthum und wieder- 
holte Berstung vermitteln. 

Häufig sind die Folgen der Berstung aber andere. Mit der Entleerung 
des Augapfels wird der auf den Gefässwandungen der bluthaltigen Organe des 
Augapfels lastende Druck ganz oder doch zum grossen Theile aufgehoben. 
Der in Folge dessen sich entwickelnde Zustand passiver Hyperämie mit seröser 
Ausschwitzung steigert sich dann gern zu wahrer Entzündung mit Exsudation 
plastischer Produkte auf die Oberfläche und in das Parenchym. Je nachdem 
diese Blasteme dann organisiren oder schmelzen, geht der Augapfel der 
Atrophie oder der Phthise entgegen, er füllt sich nicht mehr, sondern 
schrumpft zu einem faltigen, unansehnlichen Knopfe. 

Es ist dieses namentlich oft der Fall, wenn die Linse und der Glaskörper 
schon vor der Entwicklung des Staphyloms verloren gegangen waren, oder 
bei dem Risse der eetatischen Parthie entleert wurden, denn dann sind be- 
greiflicher Weise die Bedingungen zur Entzündung und ihren Ausgängen in weit 
höherem Grade gegeben. So lange die Linse oder doch wenigstens der nicht 
verflüssigte Glaskörper in dem Augapfelraume bestehen, kann der Bulbus nie 
gänzlich zusammensinken und es können sofort auch nicht die Gefässwandungen 
der inneren bluthaltigen Organe jeder Stütze beraubt werden. Daher sind 
selbst Abtragungen des Staphyloms mit dem Messer gewöhnlich nicht von Ent- 
zündungen der tieferen Gebilde des Augapfels gefolgt, die Exsudation beschränkt 
sich auf das Bereich der Wundöffnung und der Bulbus wird dadurch auf eine 
der Norm nahestehende Form zurückgeführt. Wo aber mit der Abtragung 
des Staphyloms der Augapfelinhalt ganz entleert wird, da ist fast immer 
Schrumpfung des Bulbus die Folge, und diese Schrumpfung wird nicht selten 
auf dem Wege einer suppurativen Entzündung eingeleitet, welche unter Um- 
ständen ungünstiger Art in Phlebitis der Orbita u. s. w. ausarten und selbst 
Pyämie mit ihren Folgen herbeiführen kann 239 . 

§ 497. Ein weiteres Eingehen in die Eigenthümlichkeiten der Staphy- 
lome wird ganz fruchtlos ohne gleichzeitige Erörterung der anatomischen Ver- 
hältnisse. Diese erfordert aber eine specielle Schilderung der einzelnen 
Formen. Ich wende mich daher zu dem 

17. 



260 Hornhautstaphylome, Keratoconus. 



1. Hornhautstaphylome. 

§ 498. Es ist dieses eine ständig gewordene Ausdehnung, Ectasie des 
Hornhautgewebes. Nur dort, wo Cornealsubstanz zugegen und ectatisch ist, 
kann von einem Cornealstaphylome die Rede sein. Es schliesst diese Be- 
griffsbestimmung jedoch nicht das Vorhandensein von Neubildungen auf der 
ectatischen Parthie aus. Auf dass der Begriff des Hornhautstaphyloms er- 
schöpft werde, ist nur erforderlich, dass die normwidrige Vortreibung der 
Bulbuswand nicht die Folge der Ausdehnung einer solchen Neoplasie, sondern 
des umgebenden eigentlichen Cornealgewebes sei. 

§ 499. Schon daraus ergibt sich, dass die Formen des Hornhaut- 
staphylomes sehr mannigfaltige sein müssen. Ich beginne mit jener, 
welche in den verschiedenen Lehrbüchern als 

a. Keratoconus 

als Staphyloma corneae pellucidum, Cornea conioa, Hyperkeratosis, Ochlodes- 
(nach Taylor) beschrieben wird. 

§ 500. Pafhognomonisch ist die Vorbauchung durchsichtiger 
Hornhautsubstanz über das Niveau der normalen Cornealconvexität unter 
der Gestalt eines stumpfen Kegels mit abgerundeter Spitze und gekrümmten 
Seiten. 

Die Achse des Kegels variirt in allen Grössen bis 2'", selten über- 
steigt sie 2 1 / 2 / " oder wohl gar 3"' Länge, wo dann die Lidspalte nur schwer 
mehr geschlossen werden kann, das Staphylom zwischen den Lidrändern 
hervorragt. 

Die Ausdehnung betrifft selten die Cornea in ihrem ganzen Flächen- 
inhalte, in welchem Falle die Basis des Kegels mit dem Ursprungskreise der 
Hornhaut zusammenfällt, der einspringende Winkel am Scleralfalze verschärft,, 
die Kegelspitze kugelähnlich wahrgenommen wird. Gewöhnlich ist nur ein 
Theil der Hornhaut ectatisch, der Fuss des Kegels ist von Hornhautparthien 
umgeben, welche dem freien Auge keine Krümmungsveränderungen erkennen 
lassen. 

Je nach dem diese oder jene Stelle der Hornhaut staphylomatös erscheint, 
fällt die Spitze des Kegels in die nach vorn verlängerte Sehachse, oder 
aber seitlich. Im ersten Falle dacht sich der Kegel nach allen Seiten gleich- 
massig ab, seine Oberfläche bildet eine regelmässige Curve, im zweiten Falle 
steigt seine dem Scleralrande zugewandte Seite steil empor, während die 
anderen Seiten sich allmälig in die wenig oder gar nicht vorgebauchten Theile 
der Hornhaut verflachen. 

Die Spitze des Kegels ist oft ganz durchsichtig, häufiger aber getrübt, 
neblig, wolkig oder opak, einem Epithelialflecke oder Leucome ähnlich, bisweilen 
selbst narbig. Die Seitenflächen sind stets vollkommen durchsichtig, glatt, 
spiegelnd. 

§ 501. Die Gelegenheit zu einer genaueren Untersuchung des 
Keratoconus am Cadaver war bisher nur M. Jäger 24 ° und Walker 241 ge- 
geben. Ersterer fand die fast gleichmässig, etwas kugelich ausgedehnte, rechte 
Hornhaut eines an Phthisis verstorbenen, seit Jugend blinden, 30jährigen 



Anatomische Charaktere, Symptomatologie. 261 

Mannes in der Mitte dreimal dünner als gewöhnlieh, von der Dicke eines Post- 
papieres. Rings um diese, den Umfang einer massig erweiterten Pupille dar- 
bietende, Stelle war die Cornea mächtig verdickt, und diese Verdickung betraf 
vorzüglich die mittleren Substanzlagen, das Cornealgewebe erschien hier homogen. 
An der Oberfläche war der Uebergang der beiden verschieden mächtigen Zonen 
der Hornhaut ein unmerklicher, an der hinteren Fläche aber ein plötzlicher, so 
dass der centrale verdünnte Theil von einem Wulste umgeben schien. Am linken 
Auge waren diese Verhältnisse etwas weniger ausgeprägt. Walkers Befund 
ist ganz übereinstimmend. 

Die bei Punktionen des Keratoconus gemachten Erfahrungen com- 
pensiren wesentlich die am Cadaver gewonnenen Erkenntnisse. Allenthalben 
fand man die Spitze des Kegels sehr stark verdünnt, die Seitentheile aber 
entweder von normaler Dicke oder in ihrer Mächtigkeit verstärkt. 

§ 502. Nach allem dem ist wohl der Schluss nicht sehr gewagt, dass 
alle unter den vorhin aufgeführten Namen beschriebenen Cornealfehler nichts 
weniger als solide, auf- oder eingelagerte Massen, eine Art Hypertrophie der 
Hornhaut seien, dass sie vielmehr als wahre Ectasien mit Verdünnung 
der am meisten ausgedehnten Theile betrachtet werden müssen. Die Ver- 
theidiger jener Ansicht, nach welcher der Keratoconus wesentlich in Substanz- 
wucherung begründet, in seinem Gefüge solid sein soll, führen auch nicht die 
kleinste Spur irgend eines Beweises in das Gefecht, sie basiren ihre Behauptung 
lediglich auf das äussere Ansehen. 

Wäre der Kegel solid, so müsste sein Mittelslück als eine Linse mit 
starker Convexität, schwacher Concavität und einer bedeutenden Achse fungiren. 
Da die Iris und Pupille jedenfalls innerhalb deren Focus gelegen wäre, müsste, 
wenn überhaupt die Dicke der Kegelspitze ein Durchtreten der Lichtstrahlen 
erlaubte, die Regenbogenhaut und das Sehloch sehr vergrössert gesehen 
werden, sobald das beobachtende Auge in der verlängerten Kegelachse steht; 
steht letzteres aber seitwärts, so müsste wegen der Grösse des Neigungs- 
winkels, in welchen die vordere und hintere Fläche der Kegelseiten convergiren, 
die Iris und Pupille je nach der Lagerung des beobachtenden Auges in sehr 
verschiedenen Stellungen und Gestalten erscheinen. So autfällige Phänomene 
könnten wohl keinem Beobachter entgehen, der einige Berücksichtigung seiner 
Wahrnehmungen beanspruchen zu können glaubt. Es ist aber bisher noch 
nirgends eine solche Beobachtung veröffentlicht worden. Ich glaube daher mit 
vollem Rechte den Keratoconus als Staphylom betrachten zu können. 

Nur nach diesen Vorausschickungen ist es möglich, die übrigen Er- 
scheinungen des Keratoconus einigermaassen zu würdigen. 

§ 503. Die Glätte der Oberfläche, sowie der namhafte Brechungsindex 
der Cornealsubstanz sind der regelmässigen Reflexion auffallenden 
Lichtes sehr günstig. Kleine leuchtende Objekte, welche in der verlängerten 
Kegelachse liegen, erzeugen auf der Spitze des Keratoconus, wenn sie nicht 
getrübt ist, Spiegelbilder, welche je nach der Grösse der Convexität und 
der Distanz des Gegenstandes mehr weniger verkleinert erscheinen und durch 
mannigfache Verzerrungen die Irregularität der Curve beurkunden. An den 
Seitenwandungen des Kegels kann sich unter solchen Verhältnissen wegen der 
in jeder Zone des Kegels veränderten Neigung der Strahlen kein Bild reflektiren 



262 Keratoconus. 

es erscheint den Gesetzen conischer Spiegel entsprechend im Bereiche der 
Pupille ein leuchtender Ring von der Farbe des auffallenden Lichtes 242 . Von 
Gegenständen, Avelche ausserhalb der verlängerten Kegelachse liegen, reflektiren 
sich an den Seiten des Kegels Bilder, in welchen der horizontale Durchmesser 
der Objekte wegen der Convexität der Kegelseiten, entsprechend der Distanz 
des Gegenstandes, verkleinert, aber geradelinig wahrgenommen wird, während 
die senkrechten Durchmesser des Objektes je nach der grösseren oder ge- 
ringeren Neigung der Kegelseiten gekrümmt, nach hinten zu ooncav erscheinen. 
Häufig ist das Spiegelbild auch ganz unregelmässig verzerrt, es deutet dann 
nach dem grossen Physiker Brewster Unebenheiten auf der Oberfläche der 
ectatischen Hornhautparthie an 243 . 

Schon parallel zur Kegelachse einfallende Strahlen gelangen unter einem 
Sehr kleinen Neigungswinkel auf die Seiten des Kegels, es muss bei der Glätte 
der Kegeloberfläche ein bedeutender Antheil des auffallenden Lichtes regel- 
mässig zurückgeworfen werden, und zwar ein um so grösserer Antheil, je ge- 
ringer der Neigungswinkel der Kegelseiten ist. Die Intensität des reflekürten 
Lichtes muss ferner durch Yergrösserung des Einfallswinkels wachsen. Dieses 
geschieht auf allen Punkten der Kegeloberfläche, mit Ausnahme des Kegel- 
scheitels, wenn das leuchtende Objekt in der verlängerten Kegelachse näher 
gerückt wird, an einzelnen Seilen des Kegels aber, wenn das Objekt nach der 
den letztern entgegengesetzten Richtung aus der Kegelachse heraustritt. Daher 
f u n k e 1 1 der Keratoconus bei greller Beleuchtung und gewissen Stellungen zur 
Lichtquelle nach Art eines Krystalles. 

§ 504. Die Intensität des reflekürten Lichtes steht im umgekehrten 
Verhältnisse zu jener des durchgelassenen. Es wird die scheinbare Helligkeit 
der von äusseren Objekten auf der Netzhaut projicirten Bilder oder Zer- 
streuungskreise demnach eine relativ um so geringere sein, in je grösserem 
Maasse die Bedingungen zur Reflexion an der Kegeloberfläche gegeben sind. 
Es erklärt sich daraus zum Theile die mit Keratoconus eines höheren Ent- 
wicklungsgrades gewöhnlich einherschreitende bedeutende Gesichts- 
sch wache. 

Es kann aber die Reflexion niemals eine totale werden, selbst dann 
nicht, wenn der Kegel ein sehr spitzer, und die Lichtquelle in der verlängerten 
Kegelachse gelegen ist, denn Strahlen, welche in der Richtung der Tangenten 
auf die gekrümmten Kegelseiten fallen, werden von der hintern Cornealfläche 
noch unter Winkeln in den Humor aqueus gebrochen, die den Grenzwerth 
nicht erreichen 244 . 

§ 505. Das Unvermögen solcher Augen mit stark entwickelten Kera- 
toconis, äussere Objekte wahrzunehmen, kann daher nicht allein auf die Inten- 
sität der Lichtreflexion geschoben werden, sie erklärt sich zum anderen Theile 
aus den eigenthümlichen Refractionsverhältnissen. 

Strahlen, welche auf die Spitze eines Hornhautkegels von bedeutenderer 
Achsenlänge fallen, können nie auf der Netzhaut zu einem Bilde vereinigt 
werden. Sie kommen nämlich wegen der Verkürzung des Krümmungsradius 
an der Kegelspitze sehr früh zur Vereinigung und dieser Vereinigungspunkt 
fällt gewöhnlich wegen der vergrösserten Entfernung der Linse und deren 
Dicke innerhalb des Krystallkörpers, es kann dann gar kein Bild mehr hinter 



Diopfrisclio Verhältnisse. 263 

der Linse zu Stande kommen, die Linse tritt der Vereinigung der Strahlen zu 
einem Bilde entgegen 245 . Insofern kann die Entfernung der Linse aus der 
Sehachse nach W. Adams einige Verbesserung des Sehvermögens erzielen, 
•wenn damit auch die Vereinigunsweite der in der Kegelspitze gebrochenen 
Strahlen nicht auf positive Weise um ein Merkliches vcrgrösserl wird 246 , 
sondern nur Zerstreuungskreise von geringerem Durchmesser ermöglicht werden. 

Jedoch gesetzt auch, die Kegelspitze sei eine sehr stumpfe, abgerundete, 
und es seien durch Entfernung der Linse aus der Sehachse die von sehr nahen 
Objekten zur Netzhaut gelangenden Strahlen in Zerstreuungskreisen von so ge- 
ringem Durchmesser concentrirbar, dass dadurch eine Wahrnehmung des Ob- 
jektes, wenn auch eine nicht ganz deutliche, möglich würde, so muss diese 
letztere wieder durch jene Strahlen aufgehoben werden, welche auf die Seiten- 
theile des Kegels gelangen. Da unter solchen Verhältnissen das Objekt in der 
Kegelachse gelegen vorausgesetzt werden muss, sind die Einfallswinkel der auf 
die Kegelseiten fallenden Strahlen in jeder Zone des Kegels andere, es muss 
sofort die Vereinigungsweite der Strahlen für jede Kegelzone eine andere sein, 
und das von der Kegelspitze auf der Netzhaut erzeugte Bild von einer Unzahl 
Zerstreuungskreisen verschiedenen Durchmessers und verschiedener Licht- 
intensität gedeckt werden. Es muss die Wahrnehmung des Netzhautbildes um 
so mehr gestört werden, wenn, wie das häufig geschieht, die Seiten des Kegels 
ungleichmässig gekrümmt, der Kegel ein schiefer, unregelmässiger ist. 

Es beruht sohin Traver's 247 Erfahrung, dass das confuse Sehen sehr ver- 
mindert wird, wenn der Kranke durch eine Oeflhung von der Weite der Pupille 
in einem schwarzen, %," und mehr dicken Holzschirm sieht, auf physicalischen 
Grundlagen. Immerhin setzt aber eine solche Verbesserung des Sehens voraus, 
dass überhaupt ein Sehen durch die Kegelspitze möglich sei, was aber nach 
dem Vorhergehenden bei Kegeln von einiger Achsenlänge nicht der Fall ist, wie 
auch Mackenzie nach seinen Versuchen behauptet. Eine solche Verbesserung 
des Gesichtes durch Schirmlöcher ist nur bei geringen Entwickelungsgraden 
des Keratoconus denkbar. Hier sind aber auch die Brechungsverhältnisse ganz 
andere. 

Im Beginne der Krankheit hat die Convexität der eetatischen Stelle nur 
wenig zugenommen, die Vereinigungsweite der darin gebrochenen Strahlen kann 
nur wenig verkürzt sein, und fällt bei nahen Objektdistanzen jedenfalls noch 
ein beträchtliches Stück hinter die tellerförmige Grube. Sie wird durch die 
Brechung in dem Krystallkörper nur wenig verkürzt, und die auf die Netzhaut 
projicirten Zerstreuungskreise müssen daher von geringem Umfange und um 
so grösserem scheinbarem Glänze sein, als unter solchen Verhältnissen die regel- 
mässige Reflexion des Lichtes an der Kegeloberfläche nur eine sehr unbedeutende 
sein kann. Unter derartigen Umständen kann die Entfernung der Linse aus 
der Sehachse begreiflicher Weise von wahrhaftem Nutzen sein, auch Anwendung 
von Zerstreuungsgläsern kann durch Vergrösserung der Vereinigungsweite der 
Strahlen das Sehvermögen merklich bessern, besonders da die Neigungswinkel 
der Strahlen auf die Kegeloberfläche so bedeutend grosse sind, dass ihre Ver- 
minderung durch die Brechung in der Concavbrille und die sofortige Vermehrung 
der Lichtreflexion in Bezug auf den scheinbaren Glanz der Netzhautbilder von 
keinem grossen Belange wird. Mehr aber als Entfernung der Linse und Zer- 
streuungsgläser müssen Travers's Schirmlöcher leisten, indem sie nur Strahlen 



264 Keratoconus. 

von fast gleicher Richtung auf die Kegelspitze gelangen lassen und den störenden 
Einfluss der seitlichen Strahlen vernichten. 

Immerhin müssen aber seitliche Objekte besser, schärfer ge- 
sehen werden, als solche, welche in der Kegelachse gelegen sind. 
Mackenzie 248 hat dieses durch Versuche ermittelt und die tägliche Erfahrung 
lehrt es, dass Augen mit conischer Hornhaut den Objekten die Seiten des 
Keratoconus zuwenden. Die seitlichen Theile des Kegels sind nämlich die am 
wenigsten in ihrer Krümmung veränderten, das von ihnen erzeugte Bild muss 
zwar bei seitlicher Lagerung des Objektes etwas verzerrt, immer aber noch 
erkennbar sein, denn bei solcher gegenseitiger Stellung des Objektes und der 
Kegelseite werden die Einfallswinkel geringer und das von der Kegelseite er- 
zeugte scheinbare Bild muss um so weiter hinter die Linse fallen, als der 
Krümmungsradius der Kegelseiten im Vergleich zu jenem der normalen Horn- 
hautconvexität zunimmt, und die Distanz der Linse von den Kegelseiten nicht 
bedeutend vergrössert ist. Es werden somit Strahlen, welche unter solchen 
Verhältnissen auf die Seitentheile des Kegels fallen, näher der Netzhaut ver- 
einigt, und sohin in Zerstreuungskreisen von viel geringerem Umfange auf der 
Netzhaut projicirt, als Strahlen, welche auf die Spitze des Kegels fallen. 

Es ist leicht einzusehen, dass besonders unter den letzterörterten Ver- 
hältnissen Travers's Holzschirme von besonderem Nutzen sein können. Dann 
ist aber auch noch ein Mittel zur Verbesserung des Sehens darin gegeben, 
dass der Kranke mit den halbgeschlossenen Lidern das Auge möglichst com- 
primirt. Mackenzie behauptet, dass dadurch bisweilen selbst das Lesen er- 
möglicht werde. Es ist dann der grösste Theil der Kegelseiten bedeckt, und 
es bleiben dem Lichte nur noch zwei Segmente von den Seiten krummer 
Cylinder zugänglich, welche sich an der Kegelspitze unter einem gewissen 
Winkel schneiden. Bei seitlicher Lagerung des Objektes fallen die Strahlen 
immer nur auf ein oder das andere Segment, und werden hier nach den Ge- 
setzen gebrochen, welche überhaupt für krumme Cylinderflächen gelten. Dieses 
beweisen schon die gleichzeitigen Reflexionsphänomene, denn es erscheinen die 
Spiegelbilder in Form glänzender Streifen im Bereiche der Pupille, wie M. Jäger 
zuerst beobachtet hat. Es müssen demnach die horizontalen Durchmesser der 
Objekte entsprechend der grössten oder geringeren Krümmung der Cylinder- 
achse etwas verkleinert oder vergrössert, aber geradelinig, die verticalen Durch- 
messer aber wegen des kurzen Radius der Cylinderperipherie verkleinert, die 
Objekte somit etwas verunstaltet wahrgenommen werden. Indess wird dieser 
letztere Uebelstand wesentlich vermindert durch die Compression des Kegels, 
wodurch der Krümmungsradius des biosliegenden Cylindersegmentes bedeutend 
vermehrt wird. Einige Verunstaltung der Bilder hebt aber ihre Wahrnehmung 
und Erkenntniss nicht auf, um so mehr, als durch Bedeckung des grössten 
Theiles der Kegeloberfläche das Bild im hohen Grade an Schärfe der Be- 
grenzung gewinnt. 

Doch nicht alle Verzerrungen der Netzhautbilder lassen sich aus den 
bisher erörterten Brechungsverhältnissen ableiten. Ein grosser Theil ganz un- 
regelmässiger Verzerrungen ist auf Rechnung von Unebenheiten auf der 
Cornealober fläche zu schreiben, wie schon Brewster aus den Verzerrungen 
der Spiegelbilder geschlossen hat. 

Letzterer leitet aus diesen Unebenheiten zugleich das bei Keratoconis 



Pathogenese. 265 

geringerer Enlwiekelung nicht selten vorkommende Mehr fach sehen ab. 
Ich habe schon an einem anderen Orte 249 die Unmöglichkeit dargethan, dass 
durch Unebenheiten an der Cornealoberfläehe, welche dem freien Auge gar 
nicht sichtbar sind, von Einem Objekte mehrere, besonders gleichgrosse Bilder 
erzeugt würden. Ich erkläre die Polyopie aus der doppelten Brechung ein- 
zelner, unter bestimmten Winkeln in den Glaskörper fallender Strahlenbündel. 
Die Umsäumung dieser Bilder mit prismatischen Farben ist meiner 
Ansicht im hohen Grade günstig, der Beweis wird sich leicht aus der Ermitt- 
lung der Polarisationsverhältnisse herstellen lassen. Mittlerweile bleibt für die 
prismatischen Farben noch die Erklärung aus der Farbenzerstreuung möglich, 
welche an den, nach Art eines Prismas wirkenden, convergirenden, beiden 
Oberflächen des Keratoconus, besonders an dem Uebergange des dicken in den 
dünnen Theil sehr leicht stattfinden könnte. 

§ 506. Nach der Ursache des Keratoconus forschend, wirft sich 
vor Allem die Frage auf: was der Grund der Resistenzverminderung 
in einem Theile der Hornhaut sei? Ich sage: in einem Theile der Hornhaut, 
denn die kegelförmige Vortreibimg der Hornhaut setzt nothwendig voraus, dass 
die Lockerung und sofortige Abnahme der Widerstandskraft an der, der Spitze 
des Conus entsprechenden, Cornealparthie am grössten war, und von hier aus 
ringsum allmälig eine geringere wurde. Der anatomische Befund ist ein wei- 
terer Beleg für die Richtigkeit dieser Praesumtion. 

Viele Hypothesen sind in dieser Beziehung aufgestellt worden, und bei 
der Unmöglichkeit, sie zu erweisen, oder zu widerlegen, muss der Möglich- 
keit Raum gegeben werden, dass die Resistenzverminderung nicht immer durch 
ganz gleiche Processe eingeleitet werde. 

Es sind mehrere Fälle von angeborenen Keratoconis niederer 
Entwickelungsgrade bekannt, und Ammon 250 fand damit eine eigentümliche 
Art von Spitzkopf combinirt, indem der Schädel sehr schmal und von der 
Gegend der Orbita an sehr stark in die Höhe gebaut war. Seiler 251 benützt 
diese Schädelbildung zur Entwickelung einer Hypothese über die Pathogenie 
des Keratoconus. Er glaubt, dass die abnorme Schädelbildung auf eine zu 
lange andauernde Ansammlung von Wasser in der Gehirnblase und daher 
langsam von Statten gehende Anbildung von Gehirnmasse schliessen lasse, die 
natürlich, da die Augenblase mit der Gehirnblase zusammenhängt, sich auch 
auf das Auge fortpflanzen muss. Indess wird eine theilweise Ausdehnung der 
Bulbuswand, in specie eine partielle Ectasie der Cornea, aus einer abnormen 
Wasseranhäufung in der Anlage des Auges kaum Jemanden begreiflich sein, 
und Seiler's Ansicht verliert noch mehr an Halt durch den häufigen Mangel des 
Spitzkopfes bei der conischen Hornhaut. 

Ist eine abnorme Schädelbildung und sofort eine abnorme Formation des 
Gehirns mit der Ectasie in causalem Zusammenhange, so dürfte sich das patho- 
genetische Moment viel einfacher aus Pickford's 232 Hypothese entwickeln 
lassen, nach welcher mangelnde Innervation und dadurch bedingte 
krankhafte Action der Blut- und Lympfgefässe dem Keratoconus zu Grunde 
liegt. Subtrahirt man davon die abnorme Wirkung der Blut- und Lymph- 
gefässe, welche in der Cornea fehlen, so restirt die krankhafte Innervation, mit 
der wohl eigentlich gar nichts gesagt wäre, wenn Pickford nicht in den folgen- 



266 Keratoconus. 

den Zeilen die ihn leitende Idee dadurch erklärte, dass er den, dem Kerato- 
conus zu Grunde liegenden Erweichungsprocess mit jenen Versch wärungen 
zusammenstellte, welche nach Entfernung des Ganglion cervicale supremum, 
bisweilen bei bösartigen Choleraepidemien, und nach Mackenzie bei abge- 
magerten Kindern beobachtet werden, und im letzteren Falle ohne viele 
sichtbare Eulzündung oder selbst ganz ohne Entzündung die Cornea perforiren, 
oder doch wenigstens eine Verdünnung und Prominenz der Cornea zur Folge 
haben. Es lässt sich sohin Pickford's, bis jetzt am meisten applaudirte, Hypo- 
these auf Malacie, zum Theile aber auch auf Entzündung zurückführen, beson- 
ders, wenn man die Keratitis in dem Sinne nimmt, in welchem ich sie betrachten 
zu müssen glaube. 

Dass übrigens Entzündung die Hauptursache des Keratoconus 
in vielen Fällen abgebe, lehrt die Durchsicht der über die kegelige Hornhaut 
existirenden Abhandlungen. Es wurde der Keratoconus sehr oft aus entzün- 
deten, in Ulceration begriffenen und selbst narbig überzogenen Hornhautstellen 
hervorgehend beobachtet 253 und die in den meisten Fällen vorhandene Trübung 
der Spitze lässt besonders desswegen eine Begründung des Keratoconus in 
Entzündung vermuthen, weil sie auch bei sehr niederen Entwicklungsgraden, 
wo die Entblössung der Spitze und eine besondere Reibung derselben an den 
Lidrändern nicht gegeben ist, häufig vorkommt 254 . Stellt doch sehon die bei 
Pannus, besonders dem trachomatosus, so oft zu beobachtende Vortreibung der 
Hornhaut den Einfluss klar vor die Augen, welchen Entzündung auf die normale 
Resistenz des Hornhautgewebes ausübt. Das, jede Entzündung begleitende, 
Oedem der umliegenden Theile kann in der Cornea eben so gut Lockerung 
des Gewebes nach sich ziehen, als in anderen Körpertheilen, und ist die Auf- 
saugung abgelagerter plastischer Elemente nicht Gegenstand täglicher Be- 
obachtung? Aus der Ectasia ex panno resultirt dann ein Keratoconus. Selbst 
für angeborene Hornhautkegel lässt sich eine solche Pathogenese nicht von 
der Hand weisen, indem sie so häufig mit Spuren foetaler Entzündungen in 
den verschiedensten Organen des Bulbus zur Welt gebracht werden 255 . 

Bei genauer Erwägung aller Umstände findet man, dass sich selbst in 
jenen Fällen, in welchen die Entwicklung eines Keratoconus ohne alle Ent- 
zündungsphänomene, ohne Trübung der Spitze in die Wahrnehmung tritt, die 
Möglichkeit, ja sogar die Wahrscheinlichkeit einer Begründung in einer lang 
vorhergegangenen, vielleicht auch foetalen Entzündung der Hornhaut vertei- 
digen lässt. Ich glaube die Gründe dafür um so mehr anführen zu müssen, 
als bisher kein einziger Fall bekannt ist, in welchen Malacie im eigentlichen 
Wortsinne, namentlich aber jene Form derselben, welche offenbar in mangelnder 
Innervation durch pathologische Processe im Ganglion Gasseri oder cervicale 
supremum bedingt ist, und die Bedingungen zur Entwickelung eines Kerato- 
conus im höchsten Grade setzt, eine staphylomatöse Vortreibung der Cornea 
veranlasst hätte. Wie oft heilen nicht ziemlich tiefe Geschwüre oder Facetten 
als Folgen herpetischer Efflorescenzen ohne eine Spur ihrer Existenz zu hinter- 
lassen, durch Hebung des Geschwürsbodens, indem die Grundsubstanz innerhalb 
der Interlamellarräume vermehrt wird? Lässt sich nicht vermuthen, dass diese 
Stellen eine Resislenzverminderung in Bezug auf die umgebenden Theile bei- 
behalten, und unter gegebenen Bedingungen zur Staphylombildung sich hervor- 
bauchen? Der Keratoconus scheint dann aus ganz normalen Hornhautparlhien 



Pathogenese. 267 

emporzusteigen, und der Arzt wird durch die, ganz gewöhnlich falschen, 
Relationen des Kranken bestimmt, den Schein als Wahrheit zu nehmen. Stimmt 
mit dieser Ansicht nicht der Umstand überein, dass schwächliche, scrofulöse 
Individuen, welche so gerne den Herpes acquiriren, am häufigsten den Keralo- 
conus darbieten? 

Es ist aber auch noch das Hervorgehen des Keratoconus auf eine andere 
Weise denkbar. Eine Keratitis hinterlässt durchaus keine wahrnehmbare Spur, 
sie hatte aber eine dem freien Auge unsichtbare Vortreibung der Cornea er- 
zeugt, welche einige Verkürzung der Sehweite mit sich führt, jedoch nicht 
berücksichtigt oder mit gewöhnlicher Myopie zusammengeworfen wird. Sie 
besteht in diesem Zustande Jahre lang, bis endlich durch irgend eine Ursache 
der auf der Hinterfläche der Cornea lastende Druck in hohem Grade vermehrt wird, 
z. B. durch heftiges Husten, Brechen, Schreien u. s. f. Der Druck wirkt unter 
solchen Umständen nicht mehr auf alle Theile der Hornhaut gleichmässig, die 
Resultirende der Muskeldruckkräfte trifft die Spitze des noch kaum wahrnehm- 
baren Kegels unter einem grösseren Winkel, als die Seiten, die Kraft, welche 
die Spitze auszuhalten hat, ist demnach weit stärker. Ist dann die Möglichkeit 
des Nachgebens an dieser Stelle nicht gegeben? Sobald aber ein Nachgeben 
an der Spitze stattfindet, muss das Missverhältniss der Druckkräfte noch 
wachsen, indem mit der Abnahme des Neigungswinkels der Kegelseiten auch 
die Winkel abnehmen, unter welchen die Druckkräfte der Muskeln auf die letz- 
teren wirken. So entsteht ein Keratoconus möglicher Weise auf Augen, die 
scheinbar ganz normal gebildet, nur kurzsichtig waren. 

Es sind dieses lauter Möglichkeiten, die sich nicht thatsächlich beweisen, 
aber gewiss auch nicht widerlegen, und nur durch die so unzuverlässlichen 
Angaben der Kranken bestreiten lassen. 

§ 507. Alan sieht leicht ein, dass unter solchen Verhältnissen der Kera- 
toconus wachsen könne, ohne irgend welche entzündliche Erscheinungen oder 
Sensibilitätsstörungen im Gefolge zu haben. Er erreicht so die oben ange- 
führten, namhaften Grössen und es geschieht dann oft, dass sich die bisher 
blanke Spitze trübt. Ich glaube den Grund davon in dem Umstände zu fin- 
den, dass bei dem Lidschlage die Thronen nicht über die Kegelspitze geleitet 
werden, und dessen Epithel sofort um so leichter vertrocknen muss, als der 
Kegelscheitel schwerer von den Lidern bedeckt und daher der athmosphä- 
rischen Luft mehr ausgesetzt ist, als eine Cornea mit normaler Krümmung. 

Niemals berstet der Kegel, ausser in Folge der Einwirkung äusserer 
mechanischer Gewalten 256 . Es wäre möglich, dass die Ursache davon darin 
gelegen ist, dass die, Staphylome zur Berstung bringende Muskeldruckwirkung 
durch Nachgeben jener Hornhauttheile aufgehoben wird, welche den Fuss des 
Kegels umgeben und mit diesen letzteren einen nach hinten vorspringenden 
Winkel bilden, bei dem Nachgeben also gar nicht gedehnt zu werden 
brauchen. 

§ 508. Innig verwandt mit dem Keratoconus, durch gleichmässige Aus- 
dehnung sämmtlicher Theile der Hornhaut und gleichzeitige Scleralectasie aber 
verschieden ist eine Form des Staphyloms, welche am besten bezeichnet werden 
dürfte als 



268 Durchsichtiges Totalstaphylom der Cornea. 

..• 
b. Durchsichtiges Totalstaphylom der Cornea. 
Fehlerhafte Anschauung der zu Grunde liegenden krankhaften Processe haben 
gemacht, dass es gewöhnlich als Theilerscheinung eines hydropischen Augen- 
leidens, des Hydrophthalmus anterior, aufgeführt wird. 

§ 509. Es ist dabei der an der Scleralgrenze einspringende Winkel 
verstrichen, die Hornhaut und der angrenzende Theil der Sclera 
sind in Gestalt Eines Kugelsegmentes hervorgetrieben, dessen Radius jenen 
der Cornea und des Scleralsphäroides weit, um das # doppelte und selbst mehr- 
fache, übertrifft. 

Der Durchmesser der Cornea ist um das doppelte und selbst noch 
mehr verlängert und dem entsprechend der Flächeninhalt vermehrt. Ihre 
Oberfläche ist glatt, spiegelnd, das Parenchym von normaler Durch- 
sichtigkeit oder aber etwas grünlich und nach Art atrophischer Hornhäute 
trüblich, bei höheren Entwickelungsgraden der Krankheit selbst wolkig oder 
neblig trüb von aufgelagerten und eingelagerten fremden Formelementen. 

Uebereinstimmend mit der Zunahme des Cornealdurchmessers ist auch die 
vordere S cl er al Öffnung stark erweitert, es ist der Vordertheil der weissen 
Augenhaut bedeutend ausgedehnt, verdünnt und durchscheinend. Er umgibt 
den Ursprungskreis der Hornhaut in Gestalt einer 3"' — &'" und mehr breiten 
bläulichen Zone 257 . j 

Es beschränkt sich vß/ entweder die Ectasie auf den vorderen 
Theil der Sclera oder aber ist die Sclera ihrer ganzen Aus- 
dehnung nach ectatisch. Im ersten Falle bildet die ausgedehnte vordere 
Scleralhälfte die Zone eines spitzen Kegels, auf der nach vorne das aus der 
Cornea und dem Randtheile der Sclera gebildete Kugelsegment aufsitzt, wäh- 
rend sie nach rückwärts mit der hintern nicht verdünnten Scleralhälfte in 
Verbindung steht, welche letztere entsprechend der Vergrösserung des Aug- 
apfeläquators an Durchmesser zugenommen, an Convexität aber abgenommen 
hat, in Gestalt einer flachen Schale den Augapfelraum von hinten schliesst. 
Der Bulbus nimmt unter solchen Umständen die Form eines Eies an. Im 
zweiten Falle aber gestaltet sich der Augapfel zu einer Kugel von Dimensionen, 
welche die Norm um das doppelte und mehrfache übertreffen. 

In beiden Fällen ist die Orbita nicht hinreichend, den vergrösserten Aug- 
apfel zu fassen, sein Vordertheil ragt über den Scleralrand weit hervor, presst 
die Lider nach vorne, diese können den Bulbus nur schwer bedecken, die Lid- 
spalte wird weit auseinandergesperrt, das Auge glotzt (Buphthalmus). 

Die Vorderkammer ist bedeutend an Umfang und Tiefe vergrössert, 
von wasserklarem Kammerwasser erfüllt. Die Iris erscheint im hohen Grade 
ausgedehnt. Ihr Ciliarrand hat entsprechend der Verlängerung des Corneal- 
durchmessers an Peripherie zugenommen. Die Pupille ist im Vergleiche zur 
Norm etwas erweitert, niemals aber so bedeutend, dass die Breite des Dia- 
phragmas nicht auf merkliche Weise gestiegen sein sollte. Die Pupille ist 
träge beweglich, oft starr. Mitunter flottirt die Regenbogenhaut. Entfärbung 
derselben, Varicosität, theilweise Anheftungen ihres Pupillarrandes an die Vorder- 
kapsel, ja gänzliche Schliessungen des Sehloches mit plastischem Exsudate und 
gleichzeitige Adhäsionen an die vordere Fläche der cataraktosen Linse deuten 
auf vorhergegangene heftige Entzündungen. 



Anatomische und dioptrische Verhältnisse, Pathogenese. 269 



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§ 510. Die näheren pathologisch anatefflÄhen Verhält- 
nisse der fraglichen Krankheit sind unbekannt. Ich bekam noch keinen Fall 
zur Sektion, diejenigen Aerzte aber, welche sich der Gelegenheit dazu erfreuten, 
beschränken sich darauf, die Hornhaut bald als verdickt, bald als verdünnt, und 
den Glaskörper als verflüssigt anzugeben, sofort die Hydrophthalmie als eine 
gemischte zu erklären. 

Ich glaube, dieser Mangel wird sich aus meinen vielfachen Untersuchungen 
der nächstfolgenden, durch grösste Verwandtschaft sich enge anschliessenden 
Formen des Staphyloms, ^nigstens zum Theile, ergänzen lassen. 

Für grossartige Veränohungen in der Netzhaut und der Ad er haut 
sprechen schon die ungewöhnliche Form und öftere Ausdehnung der hinteren 
Scleralparthien, sowie auch die mit höheren Entwickelungsgraden der Krankheit 
stets einhergehende Unfähigkeit des Auges, das Licht zu em- 
pfinden. Buphthalmi sind constant amaurotisch, ein Zustand, der sich durch- 
aus nicht als eine blosse Steigerung jener Gesichtsstörung betrachten lässt, 
welche gleich im Beginne der Krankheit auftritt und in der verminderten 
Convexität der Cornea zum Theile begründet ist. 

§ 511. Was die letztere anbelangt, sind die Autoren noch nicht einmal 
einig, ob die fragliche Form des Staphyloms im Beginne das Sehen naher 
oder ferner Gegenstände mehr beeinträchtige. Die Einen meinen, Presbyopie 
begleite die ersten Anfänge der Krankheit, die anderen Myopie. 

Die Vergrösserung des Krümmungsradius der Cornea spricht für das 
schärfere Sehen ferner Gegenstände. Es wäre indess möglich, dass in ein- 
zelnen Fällen das bessere Gesicht für nahe Gegenstände sich daraus erklären 
Hesse, dass die Grösse der auf die Netzhaut geworfenen Zerstreuungskreise in 
weit geringerem Maasse zunimmt, als das Quadrat der Objektsdistanz abnimmt, 
dass sofort der mit der Annäherung des Objekts wachsende scheinbare Glanz 
der, auf die Netzhaut geworfenen Zerstreuungskreise an Deutlichkeit ersetzen 
könne, was an Schärfe der Begrenzung verloren geht, und das Sehen um so 
mehr verbessern müsse, als die häufig schon im Anfange miterkrankte Netzhaut 
lichtstärkere Eindrücke bedarf, um überhaupt eine Wahrnehmung zu ver- 
mitteln. Es kann aber auch die bald grössere bald geringere Verlängerung 
der Sehachse des ectatischen Auges von namhaftem Belange für das Sehen 
naher und ferner Objekte werden. 

§ 512. Ueber die Aetiologie des durchsichtigen Totalstaphylomes 
der Cornea sind die allerseltsamsten Dinge gefaselt und nacherzählt worden. 
Unterdrückte Ausschläge, Fussschweisse u. dgl. spielen dabei eine Hauptrolle. 

Missverhältniss zwischen Secretion und Besorbtion des Humor aqueus 
sollen alles erklären und sofort die Einreihung unter die Hydropes rechlfertigen. 
Ich glaube nach dem, was ich von Staphylombildung gesagt habe, eine spe- 
ciale Widerlegung dieser Ansicht als unnöthig übergehen zu können. So leicht 
es indess ist, das Falsche oder doch höchst Ungenügende der bisher aufge- 
stellten Hypothesen darzuthun, so schwer ist es bei dem gänzlichen Mangel 
leitender pathologisch anatomischer Forschungen die Pathogenie auf positive 
Weise zu entwickeln, die Ophthalmologie steht in dieser Beziehung, so wie in 
den meisten anderen, noch dort, wo sie Beer gelassen. 

Sicher ist der zu Grunde liegende Process kein auf die Hornhaut 






270 Durchsichtiges Totalstaphylom der Cornea. 

beschränkter^jRn dass sich ein Totalstaphylom der Cornea in der in 
Rede stehenden Form entwickele, ist eine uneiiässliche Bedingung, dass 
wenigstens der Vordertheil der Sclera gleichzeitig an Resistenz abnehme und 
ausgedehnt werde, denn so lange der Durchmesser der vorderen Scleralöffnung 
nicht zun